Kapitel 239: Śakunivākyam
Śakunis Trostrede und die Beschwörung der Daityas
Śakuni versucht, Duryodhana mit langen Ermahnungen von seinem Hungertod abzubringen, unter anderem mit dem überraschenden Rat, den Pāṇḍavas versöhnlich das väterliche Erbe zu überlassen. Auch Duḥśāsanas Zuneigung und die Bitten der Freunde können Duryodhana nicht umstimmen; er bleibt bei seinem Entschluss und begibt sich in strenge Askese, um in den Himmel einzugehen. Die im Pātāla hausenden Daityas und Dānavas, einst von den Göttern besiegt, erkennen jedoch, dass Duryodhanas Tod ihre eigene Sache schwächen würde, und beschwören durch ein vedisches Ritual ein Zauberwesen (Kṛtyā) herauf, das Duryodhana in die Unterwelt Rasātala entrückt.
Vaiśaṃpāyana sprach: „Zu dem König Duryodhana, der sich zum Hungertod niedergesetzt hatte, voller Groll, sprach da, ihn tröstend, Śakuni, der Sohn Subalas, o König:
Vaiśaṃpāyana sprach: „Zu dem König Duryodhana, der sich zum Hungertod niedergesetzt hatte, voller Groll, sprach da, ihn tröstend, Śakuni, der Sohn Subalas, o König:
samyag uktaṃ hi karṇena tac chrutaṃ kaurava tvayā mayāhṛtāṃ śriyaṃ sphītāṃ mohāt samapahāya kim tvam abuddhyā nṛpavara prāṇān utsraṣṭum icchasi
‚Was Karṇa gesagt hat, war wohlgesprochen, und du, Kaurava, hast es gehört; warum willst du, o bester der Könige, aus Verblendung die von mir errungene, blühende Herrschaft aufgebend, unbesonnen dein Leben aufgeben?
Wort für Wort
samyag uktaṃ hi karṇena tac chrutaṃ kaurava tvayā mayāhṛtāṃ śriyaṃ sphītāṃ mohāt samapahāya kim tvam abuddhyā nṛpavara prāṇān utsraṣṭum icchasi
‚Was Karṇa gesagt hat, war wohlgesprochen, und du, Kaurava, hast es gehört; warum willst du, o bester der Könige, aus Verblendung die von mir errungene, blühende Herrschaft aufgebend, unbesonnen dein Leben aufgeben?
adya cāpy avagacchāmi na vṛddhāḥ sevitās tvayā yaḥ samutpatitaṃ harṣaṃ dainyaṃ vā na niyacchati sa naśyati śriyaṃ prāpya pātram āmam ivāmbhasi
Auch heute erkenne ich, dass du den Alten nicht gedient hast; wer aufkommende Freude oder Elend nicht zu zügeln vermag, der geht, nachdem er Herrschaft erlangt hat, zugrunde, wie ein ungebranntes Gefäß im Wasser.
Wort für Wort
adya cāpy avagacchāmi na vṛddhāḥ sevitās tvayā yaḥ samutpatitaṃ harṣaṃ dainyaṃ vā na niyacchati sa naśyati śriyaṃ prāpya pātram āmam ivāmbhasi
Auch heute erkenne ich, dass du den Alten nicht gedient hast; wer aufkommende Freude oder Elend nicht zu zügeln vermag, der geht, nachdem er Herrschaft erlangt hat, zugrunde, wie ein ungebranntes Gefäß im Wasser.
atibhīrum atiklībaṃ dīrghasūtraṃ pramādinam vyasanād viṣayākrāntaṃ na bhajanti nṛpaṃ śriyaḥ
Einem allzu Furchtsamen, allzu Unmännlichen, Langsamen, Nachlässigen, von Unglück Ergriffenen und dennoch dem Vergnügen Verfallenen König wenden sich die Glücksgöttinnen nicht zu.
Wort für Wort
atibhīrum atiklībaṃ dīrghasūtraṃ pramādinam vyasanād viṣayākrāntaṃ na bhajanti nṛpaṃ śriyaḥ
Einem allzu Furchtsamen, allzu Unmännlichen, Langsamen, Nachlässigen, von Unglück Ergriffenen und dennoch dem Vergnügen Verfallenen König wenden sich die Glücksgöttinnen nicht zu.
satkṛtasya hi te śoko viparīte kathaṃ bhavet mā kṛtaṃ śobhanaṃ pārthaiḥ śokam ālambya nāśaya
Wie könnte dein Kummer angemessen sein, wo dir doch Gutes widerfahren ist? Zerstöre nicht, indem du dich dem Kummer hingibst, das Gute, das die Söhne Pṛthās getan haben.
Wort für Wort
satkṛtasya hi te śoko viparīte kathaṃ bhavet mā kṛtaṃ śobhanaṃ pārthaiḥ śokam ālambya nāśaya
Wie könnte dein Kummer angemessen sein, wo dir doch Gutes widerfahren ist? Zerstöre nicht, indem du dich dem Kummer hingibst, das Gute, das die Söhne Pṛthās getan haben.
Wenn du diese Tat recht würdigst, wirst du nicht undankbar sein; schließe Bruderschaft mit den Pāṇḍavas, setze sie ein, gib ihnen das väterliche Erbkönigreich, und erlange daraus Glück.‘
Wenn du diese Tat recht würdigst, wirst du nicht undankbar sein; schließe Bruderschaft mit den Pāṇḍavas, setze sie ein, gib ihnen das väterliche Erbkönigreich, und erlange daraus Glück.‘
Śakunis Rat, den Pāṇḍavas das väterliche Königreich zurückzugeben, steht in auffälligem Gegensatz zu seiner sonstigen Rolle als Anstifter der Feindschaft gegen sie; im Kontext dient dies wohl vor allem als rhetorisches Mittel, um Duryodhana von seinem Selbstmordvorhaben abzubringen.
Doch als er sich der Worte Karṇas und des Sohnes Subalas erinnerte, verfiel König Duryodhana da in höchsten Überdruss; von Scham ergriffen, geriet er in äußerste Verzweiflung.
Doch als er sich der Worte Karṇas und des Sohnes Subalas erinnerte, verfiel König Duryodhana da in höchsten Überdruss; von Scham ergriffen, geriet er in äußerste Verzweiflung.
suhṛdāṃ caiva tac chrutvā samanyur idam abravīt na dharmadhanasaukhyena naiśvaryeṇa na cājñayā naiva bhogaiś ca me kāryaṃ mā vihanyata gacchata
Als er auch das Wort seiner Freunde vernommen hatte, sprach er, zornerfüllt: ‚Weder mit Rechtschaffenheit, Reichtum und Glück, noch mit Herrschaft, noch mit Befehlsgewalt, noch mit Genüssen habe ich noch etwas zu schaffen - hindert mich nicht, geht fort.
Wort für Wort
suhṛdāṃ caiva tac chrutvā samanyur idam abravīt na dharmadhanasaukhyena naiśvaryeṇa na cājñayā naiva bhogaiś ca me kāryaṃ mā vihanyata gacchata
Als er auch das Wort seiner Freunde vernommen hatte, sprach er, zornerfüllt: ‚Weder mit Rechtschaffenheit, Reichtum und Glück, noch mit Herrschaft, noch mit Befehlsgewalt, noch mit Genüssen habe ich noch etwas zu schaffen - hindert mich nicht, geht fort.
ta evam uktāḥ pratyūcū rājānam arimardanam yā gatis tava rājendra sāsmākam api bhārata kathaṃ vā saṃpravekṣyāmas tvadvihīnāḥ puraṃ vayam
So angesprochen, erwiderten sie dem Bezwinger der Feinde, dem König: ‚Welches Schicksal dir beschieden ist, Fürst der Könige, das ist auch das unsere, o Bhārata; wie könnten wir ohne dich in die Stadt zurückkehren?‘
Wort für Wort
ta evam uktāḥ pratyūcū rājānam arimardanam yā gatis tava rājendra sāsmākam api bhārata kathaṃ vā saṃpravekṣyāmas tvadvihīnāḥ puraṃ vayam
So angesprochen, erwiderten sie dem Bezwinger der Feinde, dem König: ‚Welches Schicksal dir beschieden ist, Fürst der Könige, das ist auch das unsere, o Bhārata; wie könnten wir ohne dich in die Stadt zurückkehren?‘
Nachdem der Sohn Dhṛtarāṣṭras eine Kuśagras-Streu ausgebreitet hatte, entschlossen, berührte er Wasser, und, gereinigt, ließ er sich auf dem nackten Boden nieder.
Nachdem der Sohn Dhṛtarāṣṭras eine Kuśagras-Streu ausgebreitet hatte, entschlossen, berührte er Wasser, und, gereinigt, ließ er sich auf dem nackten Boden nieder.
kuśacīrāmbaradharaḥ paraṃ niyamam āsthitaḥ vāgyato rājaśārdūlaḥ sa svargagatikāṅkṣayā manasopacitiṃ kṛtvā nirasya ca bahiṣkriyāḥ
Kuśagras und Rindenkleider tragend, unterzog sich der Tiger unter den Königen strengster Enthaltung, schweigsam, in der Hoffnung, zum Himmel zu gelangen; nachdem er im Geiste die Opferhandlung vollzogen und die äußeren Riten abgelegt hatte.
Wort für Wort
kuśacīrāmbaradharaḥ paraṃ niyamam āsthitaḥ vāgyato rājaśārdūlaḥ sa svargagatikāṅkṣayā manasopacitiṃ kṛtvā nirasya ca bahiṣkriyāḥ
Kuśagras und Rindenkleider tragend, unterzog sich der Tiger unter den Königen strengster Enthaltung, schweigsam, in der Hoffnung, zum Himmel zu gelangen; nachdem er im Geiste die Opferhandlung vollzogen und die äußeren Riten abgelegt hatte.
Als aber die Daityas und Dānavas, die schrecklichen Bewohner der Unterwelt, die einst von den Göttern besiegt worden waren, von seinem Entschluss erfuhren,
Als aber die Daityas und Dānavas, die schrecklichen Bewohner der Unterwelt, die einst von den Göttern besiegt worden waren, von seinem Entschluss erfuhren,
te svapakṣakṣayaṃ taṃ tu jñātvā duryodhanasya vai āhvānāya tadā cakruḥ karma vaitānasaṃbhavam
da vollzogen sie, als sie erkannten, dass dies der Schwächung ihrer eigenen Partei durch Duryodhana gleichkäme, ein aus dem Opferfeuer entstehendes Ritual, um ihn herbeizurufen.
Wort für Wort
te svapakṣakṣayaṃ taṃ tu jñātvā duryodhanasya vai āhvānāya tadā cakruḥ karma vaitānasaṃbhavam
da vollzogen sie, als sie erkannten, dass dies der Schwächung ihrer eigenen Partei durch Duryodhana gleichkäme, ein aus dem Opferfeuer entstehendes Ritual, um ihn herbeizurufen.
bṛhaspatyuśanoktaiś ca mantrair mantraviśāradāḥ atharvavedaproktaiś ca yāś copaniṣadi kriyāḥ mantrajapyasamāyuktās tās tadā samavartayan
Mit den von Bṛhaspati und Uśanas verkündeten Zaubersprüchen, kundig der Beschwörungsformeln, sowie mit den im Atharvaveda verkündeten und in den Upaniṣaden gelehrten Riten, verbunden mit dem Murmeln von Zaubersprüchen, vollzogen sie diese damals.
Wort für Wort
bṛhaspatyuśanoktaiś ca mantrair mantraviśāradāḥ atharvavedaproktaiś ca yāś copaniṣadi kriyāḥ mantrajapyasamāyuktās tās tadā samavartayan
Mit den von Bṛhaspati und Uśanas verkündeten Zaubersprüchen, kundig der Beschwörungsformeln, sowie mit den im Atharvaveda verkündeten und in den Upaniṣaden gelehrten Riten, verbunden mit dem Murmeln von Zaubersprüchen, vollzogen sie diese damals.
Die Brahmanen, die Veda und Vedāṅgas vollständig durchdrungen hatten, von festen Gelübden, opferten, wohlgesammelt, unter Zaubersprüchen Opfergaben und Milch ins Feuer.
Die Brahmanen, die Veda und Vedāṅgas vollständig durchdrungen hatten, von festen Gelübden, opferten, wohlgesammelt, unter Zaubersprüchen Opfergaben und Milch ins Feuer.
samādāya ca rājānaṃ praviveśa rasātalam dānavānāṃ muhūrtāc ca tam ānītaṃ nyavedayat
Und nachdem es den König ergriffen hatte, betrat es die Unterwelt Rasātala, und binnen einer kurzen Zeitspanne meldete es den Dānavas den Herbeigebrachten.
Wort für Wort
samādāya ca rājānaṃ praviveśa rasātalam dānavānāṃ muhūrtāc ca tam ānītaṃ nyavedayat
Und nachdem es den König ergriffen hatte, betrat es die Unterwelt Rasātala, und binnen einer kurzen Zeitspanne meldete es den Dānavas den Herbeigebrachten.
Als sie den herbeigebrachten König erblickten, versammelten sich die Dānavas in der Nacht, alle hocherfreuten Sinnes, mit ein wenig aufgerissenen Augen, und sprachen zu Duryodhana da dieses selbstbewusste Wort:“
Als sie den herbeigebrachten König erblickten, versammelten sich die Dānavas in der Nacht, alle hocherfreuten Sinnes, mit ein wenig aufgerissenen Augen, und sprachen zu Duryodhana da dieses selbstbewusste Wort:“