Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 200: Vyādhagītā (tṛtīyo bhāgaḥ) Die Lehre des Jägers (Vyādha-Gītā), dritter Teil: Karma, Wiedergeburt und Erlösung

Der Jäger führt seine Lehre fort: über die Feinheit des Dharma (bei der selbst Wahrheit und Lüge ihre Rollen tauschen können, je nachdem, was den Wesen zum Wohl gereicht), über die unergründliche Ungleichheit der Schicksale trotz gleichen Bemühens, und über die Unsterblichkeit der Seele (jīva), die beim Tod nur den Körper wechselt. Auf die Fragen des Brahmanen hin entfaltet er die Lehre von Wiedergeburt und Karma: wie gute und böse Taten zu entsprechenden Geburtsformen und Zuständen führen, wie das Rad des Saṃsāra durch die Kette der Taten in Gang gehalten wird, und wie durch Läuterung, Weltüberdruss (nirveda) und Askese schließlich die Erlösung (mokṣa) und die höchste Stätte des Brahman erreicht werden.

mārkaṇḍeya uvāca dharmavyādhas tu nipuṇaṃ punar eva yudhiṣṭhira viprarṣabham uvācedaṃ sarvadharmabhṛtāṃ varaḥ

Mārkaṇḍeya sprach: „Der Dharma-Jäger, der Beste aller Dharmaträger, sprach abermals kundig dies zu dem vortrefflichen Brahmanen, o Yudhiṣṭhira:

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca dharmavyādhas tu nipuṇaṃ punar eva yudhiṣṭhira viprarṣabham uvācedaṃ sarvadharmabhṛtāṃ varaḥ
Mārkaṇḍeya sprach: „Der Dharma-Jäger, der Beste aller Dharmaträger, sprach abermals kundig dies zu dem vortrefflichen Brahmanen, o Yudhiṣṭhira:

śrutipramāṇo dharmo hi vṛddhānām iti bhāṣitam sūkṣmā gatir hi dharmasya bahuśākhā hy anantikā

‚Der Dharma hat, wie die Alten sagen, die heilige Überlieferung zum Maßstab; denn der Gang des Dharma ist fein, vielverzweigt und ohne Ende.

Wort für Wort
śrutipramāṇo dharmo hi vṛddhānām iti bhāṣitam sūkṣmā gatir hi dharmasya bahuśākhā hy anantikā
‚Der Dharma hat, wie die Alten sagen, die heilige Überlieferung zum Maßstab; denn der Gang des Dharma ist fein, vielverzweigt und ohne Ende.

prāṇātyaye vivāhe ca vaktavyam anṛtaṃ bhavet anṛtaṃ ca bhavet satyaṃ satyaṃ caivānṛtaṃ bhavet

Bei Lebensgefahr und bei der Eheschließung darf man Unwahres sagen; Unwahres kann dabei zur Wahrheit werden, und Wahres kann zur Unwahrheit werden.

Wort für Wort
prāṇātyaye vivāhe ca vaktavyam anṛtaṃ bhavet anṛtaṃ ca bhavet satyaṃ satyaṃ caivānṛtaṃ bhavet
Bei Lebensgefahr und bei der Eheschließung darf man Unwahres sagen; Unwahres kann dabei zur Wahrheit werden, und Wahres kann zur Unwahrheit werden.

yad bhūtahitam atyantaṃ tat satyam iti dhāraṇā viparyayakṛto 'dharmaḥ paśya dharmasya sūkṣmatām

Was den Wesen zum höchsten Wohl gereicht, das gilt als Wahrheit – so die Lehrmeinung; das Gegenteilige zu tun ist Adharma; sieh die Feinheit des Dharma!

Wort für Wort
yad bhūtahitam atyantaṃ tat satyam iti dhāraṇā viparyayakṛto 'dharmaḥ paśya dharmasya sūkṣmatām
Was den Wesen zum höchsten Wohl gereicht, das gilt als Wahrheit – so die Lehrmeinung; das Gegenteilige zu tun ist Adharma; sieh die Feinheit des Dharma!

yat karoty aśubhaṃ karma śubhaṃ vā dvijasattama avaśyaṃ tat samāpnoti puruṣo nātra saṃśayaḥ

Welche Tat auch immer ein Mensch verübt, sei sie unheilvoll oder heilvoll, o Bester der Zweifachgeborenen, er erlangt sie unweigerlich als Frucht; daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
yat karoty aśubhaṃ karma śubhaṃ vā dvijasattama avaśyaṃ tat samāpnoti puruṣo nātra saṃśayaḥ
Welche Tat auch immer ein Mensch verübt, sei sie unheilvoll oder heilvoll, o Bester der Zweifachgeborenen, er erlangt sie unweigerlich als Frucht; daran ist kein Zweifel.

viṣamāṃ ca daśāṃ prāpya devān garhati vai bhṛśam ātmanaḥ karmadoṣāṇi na vijānāty apaṇḍitaḥ

Gerät er in eine widrige Lage, tadelt er heftig die Götter; die Fehler seiner eigenen Taten aber erkennt der Unweise nicht.

Wort für Wort
viṣamāṃ ca daśāṃ prāpya devān garhati vai bhṛśam ātmanaḥ karmadoṣāṇi na vijānāty apaṇḍitaḥ
Gerät er in eine widrige Lage, tadelt er heftig die Götter; die Fehler seiner eigenen Taten aber erkennt der Unweise nicht.

mūḍho naikṛtikaś cāpi capalaś ca dvijottama sukhaduḥkhaviparyāso yadā samupapadyate nainaṃ prajñā sunītaṃ vā trāyate naiva pauruṣam

Der Verblendete, Hinterlistige und Wankelmütige, o Bester der Zweifachgeborenen – wenn ihn der Umschlag von Glück in Leid trifft, dann retten ihn weder Weisheit noch guter Rat noch Tatkraft.

Wort für Wort
mūḍho naikṛtikaś cāpi capalaś ca dvijottama sukhaduḥkhaviparyāso yadā samupapadyate nainaṃ prajñā sunītaṃ vā trāyate naiva pauruṣam
Der Verblendete, Hinterlistige und Wankelmütige, o Bester der Zweifachgeborenen – wenn ihn der Umschlag von Glück in Leid trifft, dann retten ihn weder Weisheit noch guter Rat noch Tatkraft.

yo yam icched yathā kāmaṃ taṃ taṃ kāmaṃ samaśnuyāt yadi syād aparādhīnaṃ puruṣasya kriyāphalam

Ein jeder würde jedes Verlangen, das er hegt, nach Wunsch erlangen, wenn die Frucht des Handelns von niemand anderem als dem Menschen selbst abhinge.

Wort für Wort
yo yam icched yathā kāmaṃ taṃ taṃ kāmaṃ samaśnuyāt yadi syād aparādhīnaṃ puruṣasya kriyāphalam
Ein jeder würde jedes Verlangen, das er hegt, nach Wunsch erlangen, wenn die Frucht des Handelns von niemand anderem als dem Menschen selbst abhinge.

saṃyatāś cāpi dakṣāś ca matimantaś ca mānavāḥ dṛśyante niṣphalāḥ santaḥ prahīṇāḥ sarvakarmabhiḥ

Selbstbeherrschte, tüchtige und kluge Menschen sieht man, wie sie ohne Erfolg bleiben, von all ihrem Tun verlassen.

Wort für Wort
saṃyatāś cāpi dakṣāś ca matimantaś ca mānavāḥ dṛśyante niṣphalāḥ santaḥ prahīṇāḥ sarvakarmabhiḥ
Selbstbeherrschte, tüchtige und kluge Menschen sieht man, wie sie ohne Erfolg bleiben, von all ihrem Tun verlassen.

bhūtānām aparaḥ kaś cid dhiṃsāyāṃ satatotthitaḥ vañcanāyāṃ ca lokasya sa sukheneha jīvati

Mancher andere hingegen, der stets zur Gewalt gegen die Wesen und zum Betrug an der Welt bereit ist, lebt hier in Glück.

Wort für Wort
bhūtānām aparaḥ kaś cid dhiṃsāyāṃ satatotthitaḥ vañcanāyāṃ ca lokasya sa sukheneha jīvati
Mancher andere hingegen, der stets zur Gewalt gegen die Wesen und zum Betrug an der Welt bereit ist, lebt hier in Glück.

aceṣṭamānam āsīnaṃ śrīḥ kaṃ cid upatiṣṭhati kaś cit karmāṇi kurvan hi na prāpyam adhigacchati

Manchem, der untätig dasitzt, kommt das Glück von selbst zu; ein anderer wiederum, der handelt, erlangt nicht, was zu erlangen wäre.

Wort für Wort
aceṣṭamānam āsīnaṃ śrīḥ kaṃ cid upatiṣṭhati kaś cit karmāṇi kurvan hi na prāpyam adhigacchati
Manchem, der untätig dasitzt, kommt das Glück von selbst zu; ein anderer wiederum, der handelt, erlangt nicht, was zu erlangen wäre.

devān iṣṭvā tapas taptvā kṛpaṇaiḥ putragṛddhibhiḥ daśamāsadhṛtā garbhe jāyante kulapāṃsanāḥ

Nachdem elende, nach Söhnen gierende Eltern Götter verehrt und Askese geübt haben, werden, nach zehn Monaten im Mutterleib getragen, dennoch mitunter Schandflecken des Geschlechts geboren.

Wort für Wort
devān iṣṭvā tapas taptvā kṛpaṇaiḥ putragṛddhibhiḥ daśamāsadhṛtā garbhe jāyante kulapāṃsanāḥ
Nachdem elende, nach Söhnen gierende Eltern Götter verehrt und Askese geübt haben, werden, nach zehn Monaten im Mutterleib getragen, dennoch mitunter Schandflecken des Geschlechts geboren.

apare dhanadhānyaiś ca bhogaiś ca pitṛsaṃcitaiḥ vipulair abhijāyante labdhās tair eva maṅgalaiḥ

Andere wiederum werden mit Reichtum, Getreide und reichlichen Genüssen, die von den Vätern angehäuft wurden, geboren, gleichsam als von jenen selbst erlangte Segnungen.

Wort für Wort
apare dhanadhānyaiś ca bhogaiś ca pitṛsaṃcitaiḥ vipulair abhijāyante labdhās tair eva maṅgalaiḥ
Andere wiederum werden mit Reichtum, Getreide und reichlichen Genüssen, die von den Vätern angehäuft wurden, geboren, gleichsam als von jenen selbst erlangte Segnungen.

karmajā hi manuṣyāṇāṃ rogā nāsty atra saṃśayaḥ ādhibhiś caiva bādhyante vyādhaiḥ kṣudramṛgā iva

Aus früherem Tun entstehen fürwahr die Krankheiten der Menschen, daran ist kein Zweifel; von seelischen Leiden werden sie geplagt wie kleine Wildtiere von Jägern.

Wort für Wort
karmajā hi manuṣyāṇāṃ rogā nāsty atra saṃśayaḥ ādhibhiś caiva bādhyante vyādhaiḥ kṣudramṛgā iva
Aus früherem Tun entstehen fürwahr die Krankheiten der Menschen, daran ist kein Zweifel; von seelischen Leiden werden sie geplagt wie kleine Wildtiere von Jägern.

te cāpi kuśalair vaidyair nipuṇaiḥ saṃbhṛtauṣadhaiḥ vyādhayo vinivāryante mṛgā vyādhair iva dvija

Und diese Krankheiten werden von geschickten, kundigen Ärzten mit bereitgehaltenen Heilmitteln abgewehrt, wie Wildtiere von Jägern, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
te cāpi kuśalair vaidyair nipuṇaiḥ saṃbhṛtauṣadhaiḥ vyādhayo vinivāryante mṛgā vyādhair iva dvija
Und diese Krankheiten werden von geschickten, kundigen Ärzten mit bereitgehaltenen Heilmitteln abgewehrt, wie Wildtiere von Jägern, o Zweifachgeborener.

yeṣām asti ca bhoktavyaṃ grahaṇīdoṣapīḍitāḥ na śaknuvanti te bhoktuṃ paśya dharmabhṛtāṃ vara

Manche, die Speise zum Genießen hätten, sind von einem Verdauungsleiden geplagt und vermögen nicht zu essen – sieh dies, du Bester der Dharmaträger.

Wort für Wort
yeṣām asti ca bhoktavyaṃ grahaṇīdoṣapīḍitāḥ na śaknuvanti te bhoktuṃ paśya dharmabhṛtāṃ vara
Manche, die Speise zum Genießen hätten, sind von einem Verdauungsleiden geplagt und vermögen nicht zu essen – sieh dies, du Bester der Dharmaträger.

apare bāhubalinaḥ kliśyante bahavo janāḥ duḥkhena cādhigacchanti bhojanaṃ dvijasattama

Andere wiederum, viele Menschen von starken Armen, plagen sich ab und erlangen nur unter Mühe ihre Speise, o Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
apare bāhubalinaḥ kliśyante bahavo janāḥ duḥkhena cādhigacchanti bhojanaṃ dvijasattama
Andere wiederum, viele Menschen von starken Armen, plagen sich ab und erlangen nur unter Mühe ihre Speise, o Bester der Zweifachgeborenen.

iti lokam anākrandaṃ mohaśokapariplutam srotasāsakṛd ākṣiptaṃ hriyamāṇaṃ balīyasā

So ist die Welt: hilflos, von Verblendung und Kummer überflutet, unaufhörlich von der Strömung mitgerissen, von einer übermächtigen Macht fortgetragen.

Wort für Wort
iti lokam anākrandaṃ mohaśokapariplutam srotasāsakṛd ākṣiptaṃ hriyamāṇaṃ balīyasā
So ist die Welt: hilflos, von Verblendung und Kummer überflutet, unaufhörlich von der Strömung mitgerissen, von einer übermächtigen Macht fortgetragen.

na mriyeyur na jīryeyuḥ sarve syuḥ sārvakāmikāḥ nāpriyaṃ pratipaśyeyur vaśitvaṃ yadi vai bhavet

Niemand würde sterben, niemand altern, alle wären im Besitz all ihrer Wünsche und sähen nie etwas Unliebsames, wenn es wahrlich eigene Herrschermacht über das Schicksal gäbe.

Wort für Wort
na mriyeyur na jīryeyuḥ sarve syuḥ sārvakāmikāḥ nāpriyaṃ pratipaśyeyur vaśitvaṃ yadi vai bhavet
Niemand würde sterben, niemand altern, alle wären im Besitz all ihrer Wünsche und sähen nie etwas Unliebsames, wenn es wahrlich eigene Herrschermacht über das Schicksal gäbe.

upary upari lokasya sarvo gantuṃ samīhate yatate ca yathāśakti na ca tad vartate tathā

Jeder in der Welt trachtet danach, immer höher hinaufzugelangen, und müht sich nach Kräften – doch es verläuft nicht so, wie er es sich vorstellt.

Wort für Wort
upary upari lokasya sarvo gantuṃ samīhate yatate ca yathāśakti na ca tad vartate tathā
Jeder in der Welt trachtet danach, immer höher hinaufzugelangen, und müht sich nach Kräften – doch es verläuft nicht so, wie er es sich vorstellt.

bahavaḥ saṃpradṛśyante tulyanakṣatramaṅgalāḥ mahac ca phalavaiṣamyaṃ dṛśyate karmasaṃdhiṣu

Viele sieht man, die unter gleichen Sternzeichen und gleich günstigen Vorzeichen geboren wurden, und dennoch zeigt sich eine große Ungleichheit der Früchte in der Verkettung ihrer Taten.

Wort für Wort
bahavaḥ saṃpradṛśyante tulyanakṣatramaṅgalāḥ mahac ca phalavaiṣamyaṃ dṛśyate karmasaṃdhiṣu
Viele sieht man, die unter gleichen Sternzeichen und gleich günstigen Vorzeichen geboren wurden, und dennoch zeigt sich eine große Ungleichheit der Früchte in der Verkettung ihrer Taten.

na kaś cid īśate brahman svayaṃgrāhasya sattama karmaṇāṃ prākṛtānāṃ vai iha siddhiḥ pradṛśyate

Niemand, o Brahmane, du Bester, gebietet aus eigener Machtvollkommenheit über das, was er ergreifen will; nur bei gewöhnlichen Handlungen zeigt sich hier ein Gelingen.

Wort für Wort
na kaś cid īśate brahman svayaṃgrāhasya sattama karmaṇāṃ prākṛtānāṃ vai iha siddhiḥ pradṛśyate
Niemand, o Brahmane, du Bester, gebietet aus eigener Machtvollkommenheit über das, was er ergreifen will; nur bei gewöhnlichen Handlungen zeigt sich hier ein Gelingen.

yathā śrutir iyaṃ brahmañ jīvaḥ kila sanātanaḥ śarīram adhruvaṃ loke sarveṣāṃ prāṇinām iha

Wie diese Überlieferung besagt, o Brahmane: Die Seele (jīva) ist wahrlich ewig, doch der Körper ist vergänglich in dieser Welt, bei allen Lebewesen hier.

Wort für Wort
yathā śrutir iyaṃ brahmañ jīvaḥ kila sanātanaḥ śarīram adhruvaṃ loke sarveṣāṃ prāṇinām iha
Wie diese Überlieferung besagt, o Brahmane: Die Seele (jīva) ist wahrlich ewig, doch der Körper ist vergänglich in dieser Welt, bei allen Lebewesen hier.

vadhyamāne śarīre tu dehanāśo bhavaty uta jīvaḥ saṃkramate 'nyatra karmabandhanibandhanaḥ

Wenn der Körper vernichtet wird, tritt der Untergang des Leibes ein; die Seele aber wandert, gebunden durch die Fesseln ihrer Taten, anderswohin.‘

Wort für Wort
vadhyamāne śarīre tu dehanāśo bhavaty uta jīvaḥ saṃkramate 'nyatra karmabandhanibandhanaḥ
Wenn der Körper vernichtet wird, tritt der Untergang des Leibes ein; die Seele aber wandert, gebunden durch die Fesseln ihrer Taten, anderswohin.‘

brāhmaṇa uvāca kathaṃ dharmabhṛtāṃ śreṣṭha jīvo bhavati śāśvataḥ etad icchāmy ahaṃ jñātuṃ tattvena vadatāṃ vara

Der Brahmane sprach: ‚Wie, du Bester der Dharmaträger, ist die Seele ewig? Dies möchte ich der Wahrheit gemäß erfahren, o Bester der Redenden.‘

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca kathaṃ dharmabhṛtāṃ śreṣṭha jīvo bhavati śāśvataḥ etad icchāmy ahaṃ jñātuṃ tattvena vadatāṃ vara
Der Brahmane sprach: ‚Wie, du Bester der Dharmaträger, ist die Seele ewig? Dies möchte ich der Wahrheit gemäß erfahren, o Bester der Redenden.‘

vyādha uvāca na jīvanāśo 'sti hi dehabhede mithyaitad āhur mriyateti mūḍhāḥ jīvas tu dehāntaritaḥ prayāti daśārdhataivāsya śarīrabhedaḥ

Der Jäger sprach: ‚Beim Zerfall des Körpers gibt es kein Vergehen der Seele; Törichte sagen fälschlich, sie sterbe; die Seele aber geht, indem sie den Körper wechselt, weiter – der Zerfall ihres Leibes betrifft nur die elffache Sinnesausstattung.

Wort für Wort
vyādha uvāca na jīvanāśo 'sti hi dehabhede mithyaitad āhur mriyateti mūḍhāḥ jīvas tu dehāntaritaḥ prayāti daśārdhataivāsya śarīrabhedaḥ
Der Jäger sprach: ‚Beim Zerfall des Körpers gibt es kein Vergehen der Seele; Törichte sagen fälschlich, sie sterbe; die Seele aber geht, indem sie den Körper wechselt, weiter – der Zerfall ihres Leibes betrifft nur die elffache Sinnesausstattung.

Die Wendung ‚daśārdhataḥ‘ (wörtlich ‚zehn-und-die-Hälfte-fach‘) [?] bezieht sich wohl auf die elf Sinnesorgane und -vermögen (die zehn Indriyas samt Manas); der Zerfall des groben Leibes betrifft demnach nur diese sinnliche Ausstattung, nicht die ewige Seele selbst.

anyo hi nāśnāti kṛtaṃ hi karma sa eva kartā sukhaduḥkhabhāgī yat tena kiṃ cid dhi kṛtaṃ hi karma tad aśnute nāsti kṛtasya nāśaḥ

Denn kein anderer genießt die vollbrachte Tat; der Täter selbst ist es, der an Glück und Leid teilhat; was auch immer er als Tat vollbracht hat, das genießt er auch – es gibt kein Zunichtewerden des Vollbrachten.

Wort für Wort
anyo hi nāśnāti kṛtaṃ hi karma sa eva kartā sukhaduḥkhabhāgī yat tena kiṃ cid dhi kṛtaṃ hi karma tad aśnute nāsti kṛtasya nāśaḥ
Denn kein anderer genießt die vollbrachte Tat; der Täter selbst ist es, der an Glück und Leid teilhat; was auch immer er als Tat vollbracht hat, das genießt er auch – es gibt kein Zunichtewerden des Vollbrachten.

apuṇyaśīlāś ca bhavanti puṇyā narottamāḥ pāpakṛto bhavanti naro 'nuyātas tv iha karmabhiḥ svais tataḥ samutpadyati bhāvitas taiḥ

Und die Tugendhaften werden mitunter von unheilvollem Wesen, die besten Menschen werden zu Übeltätern; der Mensch wird hier von seinen eigenen Taten begleitet, und aus ihnen, von ihnen geprägt, entsteht er aufs Neue.‘

Wort für Wort
apuṇyaśīlāś ca bhavanti puṇyā narottamāḥ pāpakṛto bhavanti naro 'nuyātas tv iha karmabhiḥ svais tataḥ samutpadyati bhāvitas taiḥ
Und die Tugendhaften werden mitunter von unheilvollem Wesen, die besten Menschen werden zu Übeltätern; der Mensch wird hier von seinen eigenen Taten begleitet, und aus ihnen, von ihnen geprägt, entsteht er aufs Neue.‘

brāhmaṇa uvāca kathaṃ saṃbhavate yonau kathaṃ vā puṇyapāpayoḥ jātīḥ puṇyā hy apuṇyāś ca kathaṃ gacchati sattama

Der Brahmane sprach: ‚Wie entsteht er in einem Mutterschoß, und wie gelangt er zu heilvollen und unheilvollen Geburten? Wie erreicht er heilvolle und unheilvolle Geburtsformen, du Bester?‘

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca kathaṃ saṃbhavate yonau kathaṃ vā puṇyapāpayoḥ jātīḥ puṇyā hy apuṇyāś ca kathaṃ gacchati sattama
Der Brahmane sprach: ‚Wie entsteht er in einem Mutterschoß, und wie gelangt er zu heilvollen und unheilvollen Geburten? Wie erreicht er heilvolle und unheilvolle Geburtsformen, du Bester?‘

vyādha uvāca garbhādhānasamāyuktaṃ karmedaṃ saṃpradṛśyate samāsena tu te kṣipraṃ pravakṣyāmi dvijottama

Der Jäger sprach: ‚Diese Handlungsweise, die mit der Empfängnis verbunden ist, zeigt sich auf bestimmte Art; ich will es dir in Kürze rasch verkünden, du Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
vyādha uvāca garbhādhānasamāyuktaṃ karmedaṃ saṃpradṛśyate samāsena tu te kṣipraṃ pravakṣyāmi dvijottama
Der Jäger sprach: ‚Diese Handlungsweise, die mit der Empfängnis verbunden ist, zeigt sich auf bestimmte Art; ich will es dir in Kürze rasch verkünden, du Bester der Zweifachgeborenen.

yathā saṃbhṛtasaṃbhāraḥ punar eva prajāyate śubhakṛc chubhayonīṣu pāpakṛt pāpayoniṣu

So wie einer, der seine Ausstattung an Taten angehäuft hat, wieder geboren wird: der Heilvolles tut, in heilvollen Mutterschößen, der Böses tut, in bösen Mutterschößen.

Wort für Wort
yathā saṃbhṛtasaṃbhāraḥ punar eva prajāyate śubhakṛc chubhayonīṣu pāpakṛt pāpayoniṣu
So wie einer, der seine Ausstattung an Taten angehäuft hat, wieder geboren wird: der Heilvolles tut, in heilvollen Mutterschößen, der Böses tut, in bösen Mutterschößen.

śubhaiḥ prayogair devatvaṃ vyāmiśrair mānuṣo bhavet mohanīyair viyonīṣu tv adhogāmī ca kilbiṣaiḥ

Durch heilvolle Handlungen erlangt er den Götterstand, durch gemischte wird er ein Mensch, durch verblendende wird er in niederen Geburtsformen wiedergeboren, und durch Sünden sinkt er abwärts.

Wort für Wort
śubhaiḥ prayogair devatvaṃ vyāmiśrair mānuṣo bhavet mohanīyair viyonīṣu tv adhogāmī ca kilbiṣaiḥ
Durch heilvolle Handlungen erlangt er den Götterstand, durch gemischte wird er ein Mensch, durch verblendende wird er in niederen Geburtsformen wiedergeboren, und durch Sünden sinkt er abwärts.

jātimṛtyujarāduḥkhaiḥ satataṃ samabhidrutaḥ saṃsāre pacyamānaś ca doṣair ātmakṛtair naraḥ

Stets bedrängt von den Leiden der Geburt, des Todes und des Alters, wird der Mensch im Kreislauf des Daseins durch seine selbstverschuldeten Fehler gleichsam gekocht (geläutert durch Leiden).

Wort für Wort
jātimṛtyujarāduḥkhaiḥ satataṃ samabhidrutaḥ saṃsāre pacyamānaś ca doṣair ātmakṛtair naraḥ
Stets bedrängt von den Leiden der Geburt, des Todes und des Alters, wird der Mensch im Kreislauf des Daseins durch seine selbstverschuldeten Fehler gleichsam gekocht (geläutert durch Leiden).

tiryagyonisahasrāṇi gatvā narakam eva ca jīvāḥ saṃparivartante karmabandhanibandhanāḥ

Nachdem sie tausendfache Tiergeburten und selbst die Hölle durchlaufen haben, wandern die Seelen, gebunden durch die Fesseln ihrer Taten, im Kreislauf umher.

Wort für Wort
tiryagyonisahasrāṇi gatvā narakam eva ca jīvāḥ saṃparivartante karmabandhanibandhanāḥ
Nachdem sie tausendfache Tiergeburten und selbst die Hölle durchlaufen haben, wandern die Seelen, gebunden durch die Fesseln ihrer Taten, im Kreislauf umher.

jantus tu karmabhis tais taiḥ svakṛtaiḥ pretya duḥkhitaḥ tadduḥkhapratighātārtham apuṇyāṃ yonim aśnute

Das Wesen aber, das nach dem Tod durch jene selbstverschuldeten Taten leidgeplagt ist, erlangt, gleichsam als Widerhall jenes Leides, eine unheilvolle Geburtsform.

Wort für Wort
jantus tu karmabhis tais taiḥ svakṛtaiḥ pretya duḥkhitaḥ tadduḥkhapratighātārtham apuṇyāṃ yonim aśnute
Das Wesen aber, das nach dem Tod durch jene selbstverschuldeten Taten leidgeplagt ist, erlangt, gleichsam als Widerhall jenes Leides, eine unheilvolle Geburtsform.

Die genaue Bedeutung von ‚tadduḥkhapratighātārtham‘ [?] ist knapp; wörtlich etwa ‚zum Zweck des Zurückschlagens jenes Leides‘ – gemeint ist wohl, dass das frühere Leid sich in einer neuen, unheilvollen Geburt gleichsam entlädt oder fortsetzt.

tataḥ karma samādatte punar anyan navaṃ bahu pacyate tu punas tena bhuktvāpathyam ivāturaḥ

Danach nimmt es wieder neues, vielfaches Karma auf sich, und wird davon wiederum gequält, wie ein Kranker, der Unbekömmliches gegessen hat.

Wort für Wort
tataḥ karma samādatte punar anyan navaṃ bahu pacyate tu punas tena bhuktvāpathyam ivāturaḥ
Danach nimmt es wieder neues, vielfaches Karma auf sich, und wird davon wiederum gequält, wie ein Kranker, der Unbekömmliches gegessen hat.

ajasram eva duḥkhārto 'duḥkhitaḥ sukhasaṃjñitaḥ tato 'nivṛttabandhatvāt karmaṇām udayād api parikrāmati saṃsāre cakravad bahuvedanaḥ

Unaufhörlich vom Leid geplagt, mitunter scheinbar leidfrei und als glücklich geltend, wandert es, weil die Fessel der Taten nicht endet, auch durch das Aufkommen neuer Taten, wie ein Rad im Kreislauf des Daseins umher, voller mannigfacher Schmerzen.

Wort für Wort
ajasram eva duḥkhārto 'duḥkhitaḥ sukhasaṃjñitaḥ tato 'nivṛttabandhatvāt karmaṇām udayād api parikrāmati saṃsāre cakravad bahuvedanaḥ
Unaufhörlich vom Leid geplagt, mitunter scheinbar leidfrei und als glücklich geltend, wandert es, weil die Fessel der Taten nicht endet, auch durch das Aufkommen neuer Taten, wie ein Rad im Kreislauf des Daseins umher, voller mannigfacher Schmerzen.

sa cen nivṛttabandhas tu viśuddhaś cāpi karmabhiḥ prāpnoti sukṛtāṃl lokān yatra gatvā na śocati

Ist es aber von der Fessel befreit und durch rechte Taten geläutert, erlangt es die durch gute Taten gewonnenen Welten, wohin gelangt es nicht mehr trauert.

Wort für Wort
sa cen nivṛttabandhas tu viśuddhaś cāpi karmabhiḥ prāpnoti sukṛtāṃl lokān yatra gatvā na śocati
Ist es aber von der Fessel befreit und durch rechte Taten geläutert, erlangt es die durch gute Taten gewonnenen Welten, wohin gelangt es nicht mehr trauert.

pāpaṃ kurvan pāpavṛttaḥ pāpasyāntaṃ na gacchati tasmāt puṇyaṃ yatet kartuṃ varjayeta ca pātakam

Wer Böses tut und von böser Lebensweise ist, gelangt nicht zum Ende der Sünde; darum bemühe man sich, Heilvolles zu tun, und meide die Sünde.

Wort für Wort
pāpaṃ kurvan pāpavṛttaḥ pāpasyāntaṃ na gacchati tasmāt puṇyaṃ yatet kartuṃ varjayeta ca pātakam
Wer Böses tut und von böser Lebensweise ist, gelangt nicht zum Ende der Sünde; darum bemühe man sich, Heilvolles zu tun, und meide die Sünde.

anasūyuḥ kṛtajñaś ca kalyāṇāny eva sevate sukhāni dharmam arthaṃ ca svargaṃ ca labhate naraḥ

Frei von Missgunst und dankbar, pflegt er nur das Heilsame; Glück, Dharma, Wohlstand und den Himmel erlangt ein solcher Mensch.

Wort für Wort
anasūyuḥ kṛtajñaś ca kalyāṇāny eva sevate sukhāni dharmam arthaṃ ca svargaṃ ca labhate naraḥ
Frei von Missgunst und dankbar, pflegt er nur das Heilsame; Glück, Dharma, Wohlstand und den Himmel erlangt ein solcher Mensch.

saṃskṛtasya hi dāntasya niyatasya yatātmanaḥ prājñasyānantarā vṛttir iha loke paratra ca

Denn wer geläutert, selbstbeherrscht, gezügelt und beherrschten Sinnes, weise ist, dessen Wandel führt unmittelbar zum Guten, hier in dieser Welt wie auch in der jenseitigen.

Wort für Wort
saṃskṛtasya hi dāntasya niyatasya yatātmanaḥ prājñasyānantarā vṛttir iha loke paratra ca
Denn wer geläutert, selbstbeherrscht, gezügelt und beherrschten Sinnes, weise ist, dessen Wandel führt unmittelbar zum Guten, hier in dieser Welt wie auch in der jenseitigen.

satāṃ dharmeṇa varteta kriyāṃ śiṣṭavad ācaret asaṃkleśena lokasya vṛttiṃ lipseta vai dvija

Man soll nach dem Dharma der Guten wandeln, sein Tun wie die wahrhaft Guten ausüben, und seinen Lebensunterhalt suchen, ohne der Welt Bedrängnis zu bereiten, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
satāṃ dharmeṇa varteta kriyāṃ śiṣṭavad ācaret asaṃkleśena lokasya vṛttiṃ lipseta vai dvija
Man soll nach dem Dharma der Guten wandeln, sein Tun wie die wahrhaft Guten ausüben, und seinen Lebensunterhalt suchen, ohne der Welt Bedrängnis zu bereiten, o Zweifachgeborener.

santi hy āgatavijñānāḥ śiṣṭāḥ śāstravicakṣaṇāḥ svadharmeṇa kriyā loke karmaṇaḥ so 'py asaṃkaraḥ

Es gibt fürwahr Menschen von erlangter Erkenntnis, wahrhaft Gute, kundig der heiligen Schriften; wird das Handeln in der Welt gemäß dem eigenen Dharma ausgeübt, so ist auch dies frei von Vermischung der Pflichten.

Wort für Wort
santi hy āgatavijñānāḥ śiṣṭāḥ śāstravicakṣaṇāḥ svadharmeṇa kriyā loke karmaṇaḥ so 'py asaṃkaraḥ
Es gibt fürwahr Menschen von erlangter Erkenntnis, wahrhaft Gute, kundig der heiligen Schriften; wird das Handeln in der Welt gemäß dem eigenen Dharma ausgeübt, so ist auch dies frei von Vermischung der Pflichten.

prājño dharmeṇa ramate dharmaṃ caivopajīvati tasya dharmād avāpteṣu dhaneṣu dvijasattama tasyaiva siñcate mūlaṃ guṇān paśyati yatra vai

Der Weise erfreut sich am Dharma und lebt vom Dharma; von dem Reichtum, den er durch den Dharma erlangt hat, o Bester der Zweifachgeborenen, bewässert er eben dessen Wurzel, indem er die Tugenden erblickt, worin Gutes gedeiht.

Wort für Wort
prājño dharmeṇa ramate dharmaṃ caivopajīvati tasya dharmād avāpteṣu dhaneṣu dvijasattama tasyaiva siñcate mūlaṃ guṇān paśyati yatra vai
Der Weise erfreut sich am Dharma und lebt vom Dharma; von dem Reichtum, den er durch den Dharma erlangt hat, o Bester der Zweifachgeborenen, bewässert er eben dessen Wurzel, indem er die Tugenden erblickt, worin Gutes gedeiht.

dharmātmā bhavati hy evaṃ cittaṃ cāsya prasīdati sa maitrajanasaṃtuṣṭa iha pretya ca nandati

So wird er dharmagesinnt, und sein Geist wird heiter; zufrieden mit seinen Freunden, freut er sich hier wie im Jenseits.

Wort für Wort
dharmātmā bhavati hy evaṃ cittaṃ cāsya prasīdati sa maitrajanasaṃtuṣṭa iha pretya ca nandati
So wird er dharmagesinnt, und sein Geist wird heiter; zufrieden mit seinen Freunden, freut er sich hier wie im Jenseits.

śabdaṃ sparśaṃ tathā rūpaṃ gandhān iṣṭāṃś ca sattama prabhutvaṃ labhate cāpi dharmasyaitat phalaṃ viduḥ

Klang, Berührung, ebenso Gestalt und erwünschte Düfte, du Bester, sowie Herrschermacht erlangt er auch – dies, so weiß man, ist die Frucht des Dharma.

Wort für Wort
śabdaṃ sparśaṃ tathā rūpaṃ gandhān iṣṭāṃś ca sattama prabhutvaṃ labhate cāpi dharmasyaitat phalaṃ viduḥ
Klang, Berührung, ebenso Gestalt und erwünschte Düfte, du Bester, sowie Herrschermacht erlangt er auch – dies, so weiß man, ist die Frucht des Dharma.

dharmasya ca phalaṃ labdhvā na tṛpyati mahādvija atṛpyamāṇo nirvedam ādatte jñānacakṣuṣā

Doch nachdem er die Frucht des Dharma erlangt hat, wird er nicht satt davon, o großer Zweifachgeborener; unbefriedigt bleibend, gewinnt er durch das Auge der Erkenntnis Weltüberdruss.

Wort für Wort
dharmasya ca phalaṃ labdhvā na tṛpyati mahādvija atṛpyamāṇo nirvedam ādatte jñānacakṣuṣā
Doch nachdem er die Frucht des Dharma erlangt hat, wird er nicht satt davon, o großer Zweifachgeborener; unbefriedigt bleibend, gewinnt er durch das Auge der Erkenntnis Weltüberdruss.

prajñācakṣur nara iha doṣaṃ naivānurudhyate virajyati yathākāmaṃ na ca dharmaṃ vimuñcati

Der Mensch, dessen Auge die Erkenntnis ist, hängt hier keinem Fehler mehr an; er löst sich, ganz wie er will, von den Dingen und gibt dennoch den Dharma nicht auf.

Wort für Wort
prajñācakṣur nara iha doṣaṃ naivānurudhyate virajyati yathākāmaṃ na ca dharmaṃ vimuñcati
Der Mensch, dessen Auge die Erkenntnis ist, hängt hier keinem Fehler mehr an; er löst sich, ganz wie er will, von den Dingen und gibt dennoch den Dharma nicht auf.

sarvatyāge ca yatate dṛṣṭvā lokaṃ kṣayātmakam tato mokṣe prayatate nānupāyād upāyataḥ

Er strebt danach, alles aufzugeben, da er die Welt als vergänglichen Wesens erkennt; danach strebt er nach der Erlösung, nicht auf verkehrtem, sondern auf rechtem Wege.

Wort für Wort
sarvatyāge ca yatate dṛṣṭvā lokaṃ kṣayātmakam tato mokṣe prayatate nānupāyād upāyataḥ
Er strebt danach, alles aufzugeben, da er die Welt als vergänglichen Wesens erkennt; danach strebt er nach der Erlösung, nicht auf verkehrtem, sondern auf rechtem Wege.

evaṃ nirvedam ādatte pāpaṃ karma jahāti ca dhārmikaś cāpi bhavati mokṣaṃ ca labhate param

So gewinnt er Weltüberdruss, gibt böses Tun auf, wird auch rechtschaffen und erlangt die höchste Erlösung.

Wort für Wort
evaṃ nirvedam ādatte pāpaṃ karma jahāti ca dhārmikaś cāpi bhavati mokṣaṃ ca labhate param
So gewinnt er Weltüberdruss, gibt böses Tun auf, wird auch rechtschaffen und erlangt die höchste Erlösung.

tapo niḥśreyasaṃ jantos tasya mūlaṃ śamo damaḥ tena sarvān avāpnoti kāmān yān manasecchati

Askese ist das höchste Heil des Wesens; ihre Wurzel sind innerer Friede und Selbstbeherrschung; durch sie erlangt er alle Wünsche, die er sich im Geiste ersehnt.

Wort für Wort
tapo niḥśreyasaṃ jantos tasya mūlaṃ śamo damaḥ tena sarvān avāpnoti kāmān yān manasecchati
Askese ist das höchste Heil des Wesens; ihre Wurzel sind innerer Friede und Selbstbeherrschung; durch sie erlangt er alle Wünsche, die er sich im Geiste ersehnt.

indriyāṇāṃ nirodhena satyena ca damena ca brahmaṇaḥ padam āpnoti yat paraṃ dvijasattama

Durch die Bezähmung der Sinne, durch Wahrhaftigkeit und durch Selbstbeherrschung erlangt er die höchste Stätte des Brahman, o Bester der Zweifachgeborenen.‘

Wort für Wort
indriyāṇāṃ nirodhena satyena ca damena ca brahmaṇaḥ padam āpnoti yat paraṃ dvijasattama
Durch die Bezähmung der Sinne, durch Wahrhaftigkeit und durch Selbstbeherrschung erlangt er die höchste Stätte des Brahman, o Bester der Zweifachgeborenen.‘

brāhmaṇa uvāca indriyāṇi tu yāny āhuḥ kāni tāni yatavrata nigrahaś ca kathaṃ kāryo nigrahasya ca kiṃ phalam

Der Brahmane sprach: ‚Welches aber sind die Sinne, die man so nennt, o du von festem Gelübde? Wie soll ihre Bezähmung geschehen, und was ist die Frucht ihrer Bezähmung?

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca indriyāṇi tu yāny āhuḥ kāni tāni yatavrata nigrahaś ca kathaṃ kāryo nigrahasya ca kiṃ phalam
Der Brahmane sprach: ‚Welches aber sind die Sinne, die man so nennt, o du von festem Gelübde? Wie soll ihre Bezähmung geschehen, und was ist die Frucht ihrer Bezähmung?

kathaṃ ca phalam āpnoti teṣāṃ dharmabhṛtāṃ vara etad icchāmi tattvena dharmaṃ jñātuṃ sudhārmika

Und wie erlangt man deren Frucht, du Bester der Dharmaträger? Dies möchte ich der Wahrheit gemäß erfahren, um den Dharma zu verstehen, o Rechtschaffener.‘“

Wort für Wort
kathaṃ ca phalam āpnoti teṣāṃ dharmabhṛtāṃ vara etad icchāmi tattvena dharmaṃ jñātuṃ sudhārmika
Und wie erlangt man deren Frucht, du Bester der Dharmaträger? Dies möchte ich der Wahrheit gemäß erfahren, um den Dharma zu verstehen, o Rechtschaffener.‘“

Dieses Kapitel in der Leseansicht