Kapitel 200: Vyādhagītā (tṛtīyo bhāgaḥ)
Die Lehre des Jägers (Vyādha-Gītā), dritter Teil: Karma, Wiedergeburt und Erlösung
Der Jäger führt seine Lehre fort: über die Feinheit des Dharma (bei der selbst Wahrheit und Lüge ihre Rollen tauschen können, je nachdem, was den Wesen zum Wohl gereicht), über die unergründliche Ungleichheit der Schicksale trotz gleichen Bemühens, und über die Unsterblichkeit der Seele (jīva), die beim Tod nur den Körper wechselt. Auf die Fragen des Brahmanen hin entfaltet er die Lehre von Wiedergeburt und Karma: wie gute und böse Taten zu entsprechenden Geburtsformen und Zuständen führen, wie das Rad des Saṃsāra durch die Kette der Taten in Gang gehalten wird, und wie durch Läuterung, Weltüberdruss (nirveda) und Askese schließlich die Erlösung (mokṣa) und die höchste Stätte des Brahman erreicht werden.
yad bhūtahitam atyantaṃ tat satyam iti dhāraṇā viparyayakṛto 'dharmaḥ paśya dharmasya sūkṣmatām
Was den Wesen zum höchsten Wohl gereicht, das gilt als Wahrheit – so die Lehrmeinung; das Gegenteilige zu tun ist Adharma; sieh die Feinheit des Dharma!
Wort für Wort
yad bhūtahitam atyantaṃ tat satyam iti dhāraṇā viparyayakṛto 'dharmaḥ paśya dharmasya sūkṣmatām
Was den Wesen zum höchsten Wohl gereicht, das gilt als Wahrheit – so die Lehrmeinung; das Gegenteilige zu tun ist Adharma; sieh die Feinheit des Dharma!
Welche Tat auch immer ein Mensch verübt, sei sie unheilvoll oder heilvoll, o Bester der Zweifachgeborenen, er erlangt sie unweigerlich als Frucht; daran ist kein Zweifel.
Welche Tat auch immer ein Mensch verübt, sei sie unheilvoll oder heilvoll, o Bester der Zweifachgeborenen, er erlangt sie unweigerlich als Frucht; daran ist kein Zweifel.
Der Verblendete, Hinterlistige und Wankelmütige, o Bester der Zweifachgeborenen – wenn ihn der Umschlag von Glück in Leid trifft, dann retten ihn weder Weisheit noch guter Rat noch Tatkraft.
Der Verblendete, Hinterlistige und Wankelmütige, o Bester der Zweifachgeborenen – wenn ihn der Umschlag von Glück in Leid trifft, dann retten ihn weder Weisheit noch guter Rat noch Tatkraft.
Nachdem elende, nach Söhnen gierende Eltern Götter verehrt und Askese geübt haben, werden, nach zehn Monaten im Mutterleib getragen, dennoch mitunter Schandflecken des Geschlechts geboren.
Nachdem elende, nach Söhnen gierende Eltern Götter verehrt und Askese geübt haben, werden, nach zehn Monaten im Mutterleib getragen, dennoch mitunter Schandflecken des Geschlechts geboren.
apare dhanadhānyaiś ca bhogaiś ca pitṛsaṃcitaiḥ vipulair abhijāyante labdhās tair eva maṅgalaiḥ
Andere wiederum werden mit Reichtum, Getreide und reichlichen Genüssen, die von den Vätern angehäuft wurden, geboren, gleichsam als von jenen selbst erlangte Segnungen.
Wort für Wort
apare dhanadhānyaiś ca bhogaiś ca pitṛsaṃcitaiḥ vipulair abhijāyante labdhās tair eva maṅgalaiḥ
Andere wiederum werden mit Reichtum, Getreide und reichlichen Genüssen, die von den Vätern angehäuft wurden, geboren, gleichsam als von jenen selbst erlangte Segnungen.
Aus früherem Tun entstehen fürwahr die Krankheiten der Menschen, daran ist kein Zweifel; von seelischen Leiden werden sie geplagt wie kleine Wildtiere von Jägern.
Aus früherem Tun entstehen fürwahr die Krankheiten der Menschen, daran ist kein Zweifel; von seelischen Leiden werden sie geplagt wie kleine Wildtiere von Jägern.
Und diese Krankheiten werden von geschickten, kundigen Ärzten mit bereitgehaltenen Heilmitteln abgewehrt, wie Wildtiere von Jägern, o Zweifachgeborener.
Und diese Krankheiten werden von geschickten, kundigen Ärzten mit bereitgehaltenen Heilmitteln abgewehrt, wie Wildtiere von Jägern, o Zweifachgeborener.
So ist die Welt: hilflos, von Verblendung und Kummer überflutet, unaufhörlich von der Strömung mitgerissen, von einer übermächtigen Macht fortgetragen.
So ist die Welt: hilflos, von Verblendung und Kummer überflutet, unaufhörlich von der Strömung mitgerissen, von einer übermächtigen Macht fortgetragen.
na mriyeyur na jīryeyuḥ sarve syuḥ sārvakāmikāḥ nāpriyaṃ pratipaśyeyur vaśitvaṃ yadi vai bhavet
Niemand würde sterben, niemand altern, alle wären im Besitz all ihrer Wünsche und sähen nie etwas Unliebsames, wenn es wahrlich eigene Herrschermacht über das Schicksal gäbe.
Wort für Wort
na mriyeyur na jīryeyuḥ sarve syuḥ sārvakāmikāḥ nāpriyaṃ pratipaśyeyur vaśitvaṃ yadi vai bhavet
Niemand würde sterben, niemand altern, alle wären im Besitz all ihrer Wünsche und sähen nie etwas Unliebsames, wenn es wahrlich eigene Herrschermacht über das Schicksal gäbe.
bahavaḥ saṃpradṛśyante tulyanakṣatramaṅgalāḥ mahac ca phalavaiṣamyaṃ dṛśyate karmasaṃdhiṣu
Viele sieht man, die unter gleichen Sternzeichen und gleich günstigen Vorzeichen geboren wurden, und dennoch zeigt sich eine große Ungleichheit der Früchte in der Verkettung ihrer Taten.
Wort für Wort
bahavaḥ saṃpradṛśyante tulyanakṣatramaṅgalāḥ mahac ca phalavaiṣamyaṃ dṛśyate karmasaṃdhiṣu
Viele sieht man, die unter gleichen Sternzeichen und gleich günstigen Vorzeichen geboren wurden, und dennoch zeigt sich eine große Ungleichheit der Früchte in der Verkettung ihrer Taten.
na kaś cid īśate brahman svayaṃgrāhasya sattama karmaṇāṃ prākṛtānāṃ vai iha siddhiḥ pradṛśyate
Niemand, o Brahmane, du Bester, gebietet aus eigener Machtvollkommenheit über das, was er ergreifen will; nur bei gewöhnlichen Handlungen zeigt sich hier ein Gelingen.
Wort für Wort
na kaś cid īśate brahman svayaṃgrāhasya sattama karmaṇāṃ prākṛtānāṃ vai iha siddhiḥ pradṛśyate
Niemand, o Brahmane, du Bester, gebietet aus eigener Machtvollkommenheit über das, was er ergreifen will; nur bei gewöhnlichen Handlungen zeigt sich hier ein Gelingen.
Wie diese Überlieferung besagt, o Brahmane: Die Seele (jīva) ist wahrlich ewig, doch der Körper ist vergänglich in dieser Welt, bei allen Lebewesen hier.
Wie diese Überlieferung besagt, o Brahmane: Die Seele (jīva) ist wahrlich ewig, doch der Körper ist vergänglich in dieser Welt, bei allen Lebewesen hier.
vyādha uvāca na jīvanāśo 'sti hi dehabhede mithyaitad āhur mriyateti mūḍhāḥ jīvas tu dehāntaritaḥ prayāti daśārdhataivāsya śarīrabhedaḥ
Der Jäger sprach: ‚Beim Zerfall des Körpers gibt es kein Vergehen der Seele; Törichte sagen fälschlich, sie sterbe; die Seele aber geht, indem sie den Körper wechselt, weiter – der Zerfall ihres Leibes betrifft nur die elffache Sinnesausstattung.
Wort für Wort
vyādha uvāca na jīvanāśo 'sti hi dehabhede mithyaitad āhur mriyateti mūḍhāḥ jīvas tu dehāntaritaḥ prayāti daśārdhataivāsya śarīrabhedaḥ
Der Jäger sprach: ‚Beim Zerfall des Körpers gibt es kein Vergehen der Seele; Törichte sagen fälschlich, sie sterbe; die Seele aber geht, indem sie den Körper wechselt, weiter – der Zerfall ihres Leibes betrifft nur die elffache Sinnesausstattung.
Die Wendung ‚daśārdhataḥ‘ (wörtlich ‚zehn-und-die-Hälfte-fach‘) [?] bezieht sich wohl auf die elf Sinnesorgane und -vermögen (die zehn Indriyas samt Manas); der Zerfall des groben Leibes betrifft demnach nur diese sinnliche Ausstattung, nicht die ewige Seele selbst.
anyo hi nāśnāti kṛtaṃ hi karma sa eva kartā sukhaduḥkhabhāgī yat tena kiṃ cid dhi kṛtaṃ hi karma tad aśnute nāsti kṛtasya nāśaḥ
Denn kein anderer genießt die vollbrachte Tat; der Täter selbst ist es, der an Glück und Leid teilhat; was auch immer er als Tat vollbracht hat, das genießt er auch – es gibt kein Zunichtewerden des Vollbrachten.
Wort für Wort
anyo hi nāśnāti kṛtaṃ hi karma sa eva kartā sukhaduḥkhabhāgī yat tena kiṃ cid dhi kṛtaṃ hi karma tad aśnute nāsti kṛtasya nāśaḥ
Denn kein anderer genießt die vollbrachte Tat; der Täter selbst ist es, der an Glück und Leid teilhat; was auch immer er als Tat vollbracht hat, das genießt er auch – es gibt kein Zunichtewerden des Vollbrachten.
apuṇyaśīlāś ca bhavanti puṇyā narottamāḥ pāpakṛto bhavanti naro 'nuyātas tv iha karmabhiḥ svais tataḥ samutpadyati bhāvitas taiḥ
Und die Tugendhaften werden mitunter von unheilvollem Wesen, die besten Menschen werden zu Übeltätern; der Mensch wird hier von seinen eigenen Taten begleitet, und aus ihnen, von ihnen geprägt, entsteht er aufs Neue.‘
Wort für Wort
apuṇyaśīlāś ca bhavanti puṇyā narottamāḥ pāpakṛto bhavanti naro 'nuyātas tv iha karmabhiḥ svais tataḥ samutpadyati bhāvitas taiḥ
Und die Tugendhaften werden mitunter von unheilvollem Wesen, die besten Menschen werden zu Übeltätern; der Mensch wird hier von seinen eigenen Taten begleitet, und aus ihnen, von ihnen geprägt, entsteht er aufs Neue.‘
brāhmaṇa uvāca kathaṃ saṃbhavate yonau kathaṃ vā puṇyapāpayoḥ jātīḥ puṇyā hy apuṇyāś ca kathaṃ gacchati sattama
Der Brahmane sprach: ‚Wie entsteht er in einem Mutterschoß, und wie gelangt er zu heilvollen und unheilvollen Geburten? Wie erreicht er heilvolle und unheilvolle Geburtsformen, du Bester?‘
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca kathaṃ saṃbhavate yonau kathaṃ vā puṇyapāpayoḥ jātīḥ puṇyā hy apuṇyāś ca kathaṃ gacchati sattama
Der Brahmane sprach: ‚Wie entsteht er in einem Mutterschoß, und wie gelangt er zu heilvollen und unheilvollen Geburten? Wie erreicht er heilvolle und unheilvolle Geburtsformen, du Bester?‘
vyādha uvāca garbhādhānasamāyuktaṃ karmedaṃ saṃpradṛśyate samāsena tu te kṣipraṃ pravakṣyāmi dvijottama
Der Jäger sprach: ‚Diese Handlungsweise, die mit der Empfängnis verbunden ist, zeigt sich auf bestimmte Art; ich will es dir in Kürze rasch verkünden, du Bester der Zweifachgeborenen.
Wort für Wort
vyādha uvāca garbhādhānasamāyuktaṃ karmedaṃ saṃpradṛśyate samāsena tu te kṣipraṃ pravakṣyāmi dvijottama
Der Jäger sprach: ‚Diese Handlungsweise, die mit der Empfängnis verbunden ist, zeigt sich auf bestimmte Art; ich will es dir in Kürze rasch verkünden, du Bester der Zweifachgeborenen.
yathā saṃbhṛtasaṃbhāraḥ punar eva prajāyate śubhakṛc chubhayonīṣu pāpakṛt pāpayoniṣu
So wie einer, der seine Ausstattung an Taten angehäuft hat, wieder geboren wird: der Heilvolles tut, in heilvollen Mutterschößen, der Böses tut, in bösen Mutterschößen.
Wort für Wort
yathā saṃbhṛtasaṃbhāraḥ punar eva prajāyate śubhakṛc chubhayonīṣu pāpakṛt pāpayoniṣu
So wie einer, der seine Ausstattung an Taten angehäuft hat, wieder geboren wird: der Heilvolles tut, in heilvollen Mutterschößen, der Böses tut, in bösen Mutterschößen.
śubhaiḥ prayogair devatvaṃ vyāmiśrair mānuṣo bhavet mohanīyair viyonīṣu tv adhogāmī ca kilbiṣaiḥ
Durch heilvolle Handlungen erlangt er den Götterstand, durch gemischte wird er ein Mensch, durch verblendende wird er in niederen Geburtsformen wiedergeboren, und durch Sünden sinkt er abwärts.
Wort für Wort
śubhaiḥ prayogair devatvaṃ vyāmiśrair mānuṣo bhavet mohanīyair viyonīṣu tv adhogāmī ca kilbiṣaiḥ
Durch heilvolle Handlungen erlangt er den Götterstand, durch gemischte wird er ein Mensch, durch verblendende wird er in niederen Geburtsformen wiedergeboren, und durch Sünden sinkt er abwärts.
jātimṛtyujarāduḥkhaiḥ satataṃ samabhidrutaḥ saṃsāre pacyamānaś ca doṣair ātmakṛtair naraḥ
Stets bedrängt von den Leiden der Geburt, des Todes und des Alters, wird der Mensch im Kreislauf des Daseins durch seine selbstverschuldeten Fehler gleichsam gekocht (geläutert durch Leiden).
Wort für Wort
jātimṛtyujarāduḥkhaiḥ satataṃ samabhidrutaḥ saṃsāre pacyamānaś ca doṣair ātmakṛtair naraḥ
Stets bedrängt von den Leiden der Geburt, des Todes und des Alters, wird der Mensch im Kreislauf des Daseins durch seine selbstverschuldeten Fehler gleichsam gekocht (geläutert durch Leiden).
tiryagyonisahasrāṇi gatvā narakam eva ca jīvāḥ saṃparivartante karmabandhanibandhanāḥ
Nachdem sie tausendfache Tiergeburten und selbst die Hölle durchlaufen haben, wandern die Seelen, gebunden durch die Fesseln ihrer Taten, im Kreislauf umher.
Wort für Wort
tiryagyonisahasrāṇi gatvā narakam eva ca jīvāḥ saṃparivartante karmabandhanibandhanāḥ
Nachdem sie tausendfache Tiergeburten und selbst die Hölle durchlaufen haben, wandern die Seelen, gebunden durch die Fesseln ihrer Taten, im Kreislauf umher.
jantus tu karmabhis tais taiḥ svakṛtaiḥ pretya duḥkhitaḥ tadduḥkhapratighātārtham apuṇyāṃ yonim aśnute
Das Wesen aber, das nach dem Tod durch jene selbstverschuldeten Taten leidgeplagt ist, erlangt, gleichsam als Widerhall jenes Leides, eine unheilvolle Geburtsform.
Wort für Wort
jantus tu karmabhis tais taiḥ svakṛtaiḥ pretya duḥkhitaḥ tadduḥkhapratighātārtham apuṇyāṃ yonim aśnute
Das Wesen aber, das nach dem Tod durch jene selbstverschuldeten Taten leidgeplagt ist, erlangt, gleichsam als Widerhall jenes Leides, eine unheilvolle Geburtsform.
Die genaue Bedeutung von ‚tadduḥkhapratighātārtham‘ [?] ist knapp; wörtlich etwa ‚zum Zweck des Zurückschlagens jenes Leides‘ – gemeint ist wohl, dass das frühere Leid sich in einer neuen, unheilvollen Geburt gleichsam entlädt oder fortsetzt.
ajasram eva duḥkhārto 'duḥkhitaḥ sukhasaṃjñitaḥ tato 'nivṛttabandhatvāt karmaṇām udayād api parikrāmati saṃsāre cakravad bahuvedanaḥ
Unaufhörlich vom Leid geplagt, mitunter scheinbar leidfrei und als glücklich geltend, wandert es, weil die Fessel der Taten nicht endet, auch durch das Aufkommen neuer Taten, wie ein Rad im Kreislauf des Daseins umher, voller mannigfacher Schmerzen.
Wort für Wort
ajasram eva duḥkhārto 'duḥkhitaḥ sukhasaṃjñitaḥ tato 'nivṛttabandhatvāt karmaṇām udayād api parikrāmati saṃsāre cakravad bahuvedanaḥ
Unaufhörlich vom Leid geplagt, mitunter scheinbar leidfrei und als glücklich geltend, wandert es, weil die Fessel der Taten nicht endet, auch durch das Aufkommen neuer Taten, wie ein Rad im Kreislauf des Daseins umher, voller mannigfacher Schmerzen.
sa cen nivṛttabandhas tu viśuddhaś cāpi karmabhiḥ prāpnoti sukṛtāṃl lokān yatra gatvā na śocati
Ist es aber von der Fessel befreit und durch rechte Taten geläutert, erlangt es die durch gute Taten gewonnenen Welten, wohin gelangt es nicht mehr trauert.
Wort für Wort
sa cen nivṛttabandhas tu viśuddhaś cāpi karmabhiḥ prāpnoti sukṛtāṃl lokān yatra gatvā na śocati
Ist es aber von der Fessel befreit und durch rechte Taten geläutert, erlangt es die durch gute Taten gewonnenen Welten, wohin gelangt es nicht mehr trauert.
saṃskṛtasya hi dāntasya niyatasya yatātmanaḥ prājñasyānantarā vṛttir iha loke paratra ca
Denn wer geläutert, selbstbeherrscht, gezügelt und beherrschten Sinnes, weise ist, dessen Wandel führt unmittelbar zum Guten, hier in dieser Welt wie auch in der jenseitigen.
Wort für Wort
saṃskṛtasya hi dāntasya niyatasya yatātmanaḥ prājñasyānantarā vṛttir iha loke paratra ca
Denn wer geläutert, selbstbeherrscht, gezügelt und beherrschten Sinnes, weise ist, dessen Wandel führt unmittelbar zum Guten, hier in dieser Welt wie auch in der jenseitigen.
Man soll nach dem Dharma der Guten wandeln, sein Tun wie die wahrhaft Guten ausüben, und seinen Lebensunterhalt suchen, ohne der Welt Bedrängnis zu bereiten, o Zweifachgeborener.
Man soll nach dem Dharma der Guten wandeln, sein Tun wie die wahrhaft Guten ausüben, und seinen Lebensunterhalt suchen, ohne der Welt Bedrängnis zu bereiten, o Zweifachgeborener.
santi hy āgatavijñānāḥ śiṣṭāḥ śāstravicakṣaṇāḥ svadharmeṇa kriyā loke karmaṇaḥ so 'py asaṃkaraḥ
Es gibt fürwahr Menschen von erlangter Erkenntnis, wahrhaft Gute, kundig der heiligen Schriften; wird das Handeln in der Welt gemäß dem eigenen Dharma ausgeübt, so ist auch dies frei von Vermischung der Pflichten.
Wort für Wort
santi hy āgatavijñānāḥ śiṣṭāḥ śāstravicakṣaṇāḥ svadharmeṇa kriyā loke karmaṇaḥ so 'py asaṃkaraḥ
Es gibt fürwahr Menschen von erlangter Erkenntnis, wahrhaft Gute, kundig der heiligen Schriften; wird das Handeln in der Welt gemäß dem eigenen Dharma ausgeübt, so ist auch dies frei von Vermischung der Pflichten.
Der Weise erfreut sich am Dharma und lebt vom Dharma; von dem Reichtum, den er durch den Dharma erlangt hat, o Bester der Zweifachgeborenen, bewässert er eben dessen Wurzel, indem er die Tugenden erblickt, worin Gutes gedeiht.
Der Weise erfreut sich am Dharma und lebt vom Dharma; von dem Reichtum, den er durch den Dharma erlangt hat, o Bester der Zweifachgeborenen, bewässert er eben dessen Wurzel, indem er die Tugenden erblickt, worin Gutes gedeiht.
dharmasya ca phalaṃ labdhvā na tṛpyati mahādvija atṛpyamāṇo nirvedam ādatte jñānacakṣuṣā
Doch nachdem er die Frucht des Dharma erlangt hat, wird er nicht satt davon, o großer Zweifachgeborener; unbefriedigt bleibend, gewinnt er durch das Auge der Erkenntnis Weltüberdruss.
Wort für Wort
dharmasya ca phalaṃ labdhvā na tṛpyati mahādvija atṛpyamāṇo nirvedam ādatte jñānacakṣuṣā
Doch nachdem er die Frucht des Dharma erlangt hat, wird er nicht satt davon, o großer Zweifachgeborener; unbefriedigt bleibend, gewinnt er durch das Auge der Erkenntnis Weltüberdruss.
prajñācakṣur nara iha doṣaṃ naivānurudhyate virajyati yathākāmaṃ na ca dharmaṃ vimuñcati
Der Mensch, dessen Auge die Erkenntnis ist, hängt hier keinem Fehler mehr an; er löst sich, ganz wie er will, von den Dingen und gibt dennoch den Dharma nicht auf.
Wort für Wort
prajñācakṣur nara iha doṣaṃ naivānurudhyate virajyati yathākāmaṃ na ca dharmaṃ vimuñcati
Der Mensch, dessen Auge die Erkenntnis ist, hängt hier keinem Fehler mehr an; er löst sich, ganz wie er will, von den Dingen und gibt dennoch den Dharma nicht auf.
sarvatyāge ca yatate dṛṣṭvā lokaṃ kṣayātmakam tato mokṣe prayatate nānupāyād upāyataḥ
Er strebt danach, alles aufzugeben, da er die Welt als vergänglichen Wesens erkennt; danach strebt er nach der Erlösung, nicht auf verkehrtem, sondern auf rechtem Wege.
Wort für Wort
sarvatyāge ca yatate dṛṣṭvā lokaṃ kṣayātmakam tato mokṣe prayatate nānupāyād upāyataḥ
Er strebt danach, alles aufzugeben, da er die Welt als vergänglichen Wesens erkennt; danach strebt er nach der Erlösung, nicht auf verkehrtem, sondern auf rechtem Wege.
tapo niḥśreyasaṃ jantos tasya mūlaṃ śamo damaḥ tena sarvān avāpnoti kāmān yān manasecchati
Askese ist das höchste Heil des Wesens; ihre Wurzel sind innerer Friede und Selbstbeherrschung; durch sie erlangt er alle Wünsche, die er sich im Geiste ersehnt.
Wort für Wort
tapo niḥśreyasaṃ jantos tasya mūlaṃ śamo damaḥ tena sarvān avāpnoti kāmān yān manasecchati
Askese ist das höchste Heil des Wesens; ihre Wurzel sind innerer Friede und Selbstbeherrschung; durch sie erlangt er alle Wünsche, die er sich im Geiste ersehnt.
indriyāṇāṃ nirodhena satyena ca damena ca brahmaṇaḥ padam āpnoti yat paraṃ dvijasattama
Durch die Bezähmung der Sinne, durch Wahrhaftigkeit und durch Selbstbeherrschung erlangt er die höchste Stätte des Brahman, o Bester der Zweifachgeborenen.‘
Wort für Wort
indriyāṇāṃ nirodhena satyena ca damena ca brahmaṇaḥ padam āpnoti yat paraṃ dvijasattama
Durch die Bezähmung der Sinne, durch Wahrhaftigkeit und durch Selbstbeherrschung erlangt er die höchste Stätte des Brahman, o Bester der Zweifachgeborenen.‘
brāhmaṇa uvāca indriyāṇi tu yāny āhuḥ kāni tāni yatavrata nigrahaś ca kathaṃ kāryo nigrahasya ca kiṃ phalam
Der Brahmane sprach: ‚Welches aber sind die Sinne, die man so nennt, o du von festem Gelübde? Wie soll ihre Bezähmung geschehen, und was ist die Frucht ihrer Bezähmung?
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca indriyāṇi tu yāny āhuḥ kāni tāni yatavrata nigrahaś ca kathaṃ kāryo nigrahasya ca kiṃ phalam
Der Brahmane sprach: ‚Welches aber sind die Sinne, die man so nennt, o du von festem Gelübde? Wie soll ihre Bezähmung geschehen, und was ist die Frucht ihrer Bezähmung?
kathaṃ ca phalam āpnoti teṣāṃ dharmabhṛtāṃ vara etad icchāmi tattvena dharmaṃ jñātuṃ sudhārmika
Und wie erlangt man deren Frucht, du Bester der Dharmaträger? Dies möchte ich der Wahrheit gemäß erfahren, um den Dharma zu verstehen, o Rechtschaffener.‘“
Wort für Wort
kathaṃ ca phalam āpnoti teṣāṃ dharmabhṛtāṃ vara etad icchāmi tattvena dharmaṃ jñātuṃ sudhārmika
Und wie erlangt man deren Frucht, du Bester der Dharmaträger? Dies möchte ich der Wahrheit gemäß erfahren, um den Dharma zu verstehen, o Rechtschaffener.‘“