Bhīma setzt seine Drängerede fort: Er warnt vor der Unberechenbarkeit der Zeit und dem nahen Tod, erklärt ein unerkanntes Wandeln der berühmten Pāṇḍava-Geschwister für unmöglich, warnt vor Verrat durch andere Vertriebene und schlägt schließlich eine technische Ersatzregel vor, um die Wartezeit als bereits erfüllt gelten zu lassen.
Bhīmasena sprach: Als hättest du einen Vertrag geschlossen mit der Zeit - dem Ende-Bringenden, dem Geflügelten, dem endlosen, unermesslichen, alles fortreißenden Strom -
Bhīmasena sprach: Als hättest du einen Vertrag geschlossen mit der Zeit - dem Ende-Bringenden, dem Geflügelten, dem endlosen, unermesslichen, alles fortreißenden Strom -
pratyakṣaṃ manyase kālaṃ martyaḥ san kālabandhanaḥ phenadharmā mahārāja phaladharmā tathaiva ca
hältst du, ein Sterblicher, an die Zeit gebunden, schaumgleich, o Großkönig, und ebenso vergänglich wie eine reife Frucht, die Zeit für [dir] berechenbar?
Wort für Wort
pratyakṣaṃ manyase kālaṃ martyaḥ san kālabandhanaḥ phenadharmā mahārāja phaladharmā tathaiva ca
hältst du, ein Sterblicher, an die Zeit gebunden, schaumgleich, o Großkönig, und ebenso vergänglich wie eine reife Frucht, die Zeit für [dir] berechenbar?
nimeṣād api kaunteya yasyāyur apacīyate sūcyevāñjanacūrṇasya kim iti pratipālayet
Wessen Lebenszeit sich schon mit jedem Augenblick vermindert, o Kaunteya, wie die Menge des Augensalbenpulvers durch die Nadel, die man daraus entnimmt - warum sollte er geduldig warten?
Wort für Wort
nimeṣād api kaunteya yasyāyur apacīyate sūcyevāñjanacūrṇasya kim iti pratipālayet
Wessen Lebenszeit sich schon mit jedem Augenblick vermindert, o Kaunteya, wie die Menge des Augensalbenpulvers durch die Nadel, die man daraus entnimmt - warum sollte er geduldig warten?
yo nūnam amitāyuḥ syād atha vāpi pramāṇavit sa kālaṃ vai pratīkṣeta sarvapratyakṣadarśivān
Wer wahrlich unbegrenzte Lebenszeit hätte, oder wer das rechte Maß der verbleibenden Zeit kennte, der könnte die Zeit abwarten, da er alles unmittelbar sähe.
Wort für Wort
yo nūnam amitāyuḥ syād atha vāpi pramāṇavit sa kālaṃ vai pratīkṣeta sarvapratyakṣadarśivān
Wer wahrlich unbegrenzte Lebenszeit hätte, oder wer das rechte Maß der verbleibenden Zeit kennte, der könnte die Zeit abwarten, da er alles unmittelbar sähe.
yo na yāti prasaṃkhyānam aspaṣṭo bhūmivardhanaḥ ayātayitvā vairāṇi so 'vasīdati gaur iva
Wer nicht zu den Helden gezählt wird, unbeachtet, nur die Erde durch seine Anzahl vermehrend, der geht, ohne die Feindschaften vergolten zu haben, zugrunde wie ein Rind.
Wort für Wort
yo na yāti prasaṃkhyānam aspaṣṭo bhūmivardhanaḥ ayātayitvā vairāṇi so 'vasīdati gaur iva
Wer nicht zu den Helden gezählt wird, unbeachtet, nur die Erde durch seine Anzahl vermehrend, der geht, ohne die Feindschaften vergolten zu haben, zugrunde wie ein Rind.
yo na yātayate vairam alpasattvodyamaḥ pumān aphalaṃ tasya janmāhaṃ manye durjātajāyinaḥ
Wer die Feindschaft nicht vergilt, ein Mann von geringer innerer Kraft und geringem Tatendrang, dessen Geburt halte ich für fruchtlos - wie die eines von schlechter Geburt Zeugenden.
Wort für Wort
yo na yātayate vairam alpasattvodyamaḥ pumān aphalaṃ tasya janmāhaṃ manye durjātajāyinaḥ
Wer die Feindschaft nicht vergilt, ein Mann von geringer innerer Kraft und geringem Tatendrang, dessen Geburt halte ich für fruchtlos - wie die eines von schlechter Geburt Zeugenden.
[?] [Anm.: „durjātajāyinaḥ“ grammatisch und im genauen Sinn unsicher.]
Golden gleichsam werden deine Arme sein, und Ruhm wird dein sein, o Herrscher, wenn du den Feind in der Schlacht erschlägst und den mit den Armen erworbenen Reichtum genießt.
Golden gleichsam werden deine Arme sein, und Ruhm wird dein sein, o Herrscher, wenn du den Feind in der Schlacht erschlägst und den mit den Armen erworbenen Reichtum genießt.
hatvā cet puruṣo rājan nikartāram ariṃdama ahnāya narakaṃ gacchet svargeṇāsya sa saṃmitaḥ
Wenn ein Mann, o König, den Betrüger erschlägt, o Feindebezwinger, und sogleich danach in die Hölle ginge, wäre ihm dies dennoch dem Himmel gleichzusetzen.
Wort für Wort
hatvā cet puruṣo rājan nikartāram ariṃdama ahnāya narakaṃ gacchet svargeṇāsya sa saṃmitaḥ
Wenn ein Mann, o König, den Betrüger erschlägt, o Feindebezwinger, und sogleich danach in die Hölle ginge, wäre ihm dies dennoch dem Himmel gleichzusetzen.
yo 'yam eko 'bhimanute sarvāṃl loke dhanurbhṛtaḥ so 'yam ātmajam ūṣmāṇaṃ mahāhastīva yacchati
Er, der sich als Einziger allen Bogenträgern der Welt überlegen weiß, hält seine eigene innere Glut zurück, wie ein großer Elefant seine Wut zurückhält.
Wort für Wort
yo 'yam eko 'bhimanute sarvāṃl loke dhanurbhṛtaḥ so 'yam ātmajam ūṣmāṇaṃ mahāhastīva yacchati
Er, der sich als Einziger allen Bogenträgern der Welt überlegen weiß, hält seine eigene innere Glut zurück, wie ein großer Elefant seine Wut zurückhält.
Du bist mitleidig, von Brahmanen-Art; wie kamst du zur Geburt in einem Kṣatriya-Geschlecht? Denn in diesem Mutterschoß werden zumeist Menschen mit hartem Sinn geboren.
Du bist mitleidig, von Brahmanen-Art; wie kamst du zur Geburt in einem Kṣatriya-Geschlecht? Denn in diesem Mutterschoß werden zumeist Menschen mit hartem Sinn geboren.
Du hast doch die Königs-Dharmas gehört, wie sie Manu verkündet hat - hart, mit List verbunden, festgesetzt, ihrem Wesen nach ohne Anspruch auf Friedfertigkeit.
Du hast doch die Königs-Dharmas gehört, wie sie Manu verkündet hat - hart, mit List verbunden, festgesetzt, ihrem Wesen nach ohne Anspruch auf Friedfertigkeit.
kartavye puruṣavyāghra kim āsse pīṭhasarpavat buddhyā vīryeṇa saṃyuktaḥ śrutenābhijanena ca
Warum verharrst du, o Tiger unter den Männern, wo doch zu handeln ist, wie ein Krüppel, der sich nur auf einem Schemel fortbewegen kann - du, der du mit Verstand, Heldenkraft, Gelehrsamkeit und edler Geburt ausgestattet bist?
Wort für Wort
kartavye puruṣavyāghra kim āsse pīṭhasarpavat buddhyā vīryeṇa saṃyuktaḥ śrutenābhijanena ca
Warum verharrst du, o Tiger unter den Männern, wo doch zu handeln ist, wie ein Krüppel, der sich nur auf einem Schemel fortbewegen kann - du, der du mit Verstand, Heldenkraft, Gelehrsamkeit und edler Geburt ausgestattet bist?
ajñātacaryā gūḍhena pṛthivyāṃ viśrutena ca divīva pārtha sūryeṇa na śakyā carituṃ tvayā
Ein unerkanntes Wandeln kann von dir, o Pārtha, der du auf Erden zugleich verborgen und berühmt bist, nicht durchgeführt werden - so wenig wie dies die Sonne am Himmel unerkannt vollbringen könnte.
Wort für Wort
ajñātacaryā gūḍhena pṛthivyāṃ viśrutena ca divīva pārtha sūryeṇa na śakyā carituṃ tvayā
Ein unerkanntes Wandeln kann von dir, o Pārtha, der du auf Erden zugleich verborgen und berühmt bist, nicht durchgeführt werden - so wenig wie dies die Sonne am Himmel unerkannt vollbringen könnte.
Wie ein großer Śāla-Baum im Sumpfland, voll von Zweigen, Blüten und Blättern, wie ein weißer Elefant - wie soll da der Siegreiche unerkannt umherwandeln?
Wie ein großer Śāla-Baum im Sumpfland, voll von Zweigen, Blüten und Blättern, wie ein weißer Elefant - wie soll da der Siegreiche unerkannt umherwandeln?
na hi te 'py upaśāmyanti nikṛtānāṃ nirākṛtāḥ avaśyaṃ tair nikartavyam asmākaṃ tatpriyaiṣibhiḥ
Auch sie, vertrieben, kommen von ihrem Groll als Betrogene nicht zur Ruhe; sicherlich werden sie, die dessen Wohl suchen, uns ihrerseits wieder betrügen.
Wort für Wort
na hi te 'py upaśāmyanti nikṛtānāṃ nirākṛtāḥ avaśyaṃ tair nikartavyam asmākaṃ tatpriyaiṣibhiḥ
Auch sie, vertrieben, kommen von ihrem Groll als Betrogene nicht zur Ruhe; sicherlich werden sie, die dessen Wohl suchen, uns ihrerseits wieder betrügen.
te 'py asmāsu prayuñjīran pracchannān subahūñ janān ācakṣīraṃś ca no jñātvā tan naḥ syāt sumahad bhayam
Auch sie könnten gegen uns sehr viele verkleidete Männer einsetzen und uns, wenn sie uns erkannt haben, verraten; das wäre für uns eine sehr große Gefahr.
Wort für Wort
te 'py asmāsu prayuñjīran pracchannān subahūñ janān ācakṣīraṃś ca no jñātvā tan naḥ syāt sumahad bhayam
Auch sie könnten gegen uns sehr viele verkleidete Männer einsetzen und uns, wenn sie uns erkannt haben, verraten; das wäre für uns eine sehr große Gefahr.
Wir haben nun ordnungsgemäß dreizehn Monate im Wald verbracht; betrachte sie doch, dem rechten Maße nach, als ebenso viele volle Jahre.
[?] [Anm.: Bhīma argumentiert hier mit einer technischen, quasi-juristischen Ersatzregel (pratinidhi, vgl. die folgenden zwei Verse) - er will die verstrichene Zeit auf eine für die Pāṇḍavas günstige Weise umdeuten.]
Es gibt die Regel, dass ein Monat als Ersatz für ein Jahr gelten kann, wie die Weisen sagen - so wie verdorbene Pūtika-Pflanzen als Ersatz für den Soma dienen können; so möge auch dies hier gehandhabt werden.
Es gibt die Regel, dass ein Monat als Ersatz für ein Jahr gelten kann, wie die Weisen sagen - so wie verdorbene Pūtika-Pflanzen als Ersatz für den Soma dienen können; so möge auch dies hier gehandhabt werden.
Oder, wie es heißt: Durch eine einzige, aus Sättigung reichlich gegebene Gabe an einen guten, gut ziehenden Zugochsen, o König, wird man von einer Sünde befreit.
Oder, wie es heißt: Durch eine einzige, aus Sättigung reichlich gegebene Gabe an einen guten, gut ziehenden Zugochsen, o König, wird man von einer Sünde befreit.