Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 36: Bhīmavākyam Bhīmas zweite Rede

Bhīma setzt seine Drängerede fort: Er warnt vor der Unberechenbarkeit der Zeit und dem nahen Tod, erklärt ein unerkanntes Wandeln der berühmten Pāṇḍava-Geschwister für unmöglich, warnt vor Verrat durch andere Vertriebene und schlägt schließlich eine technische Ersatzregel vor, um die Wartezeit als bereits erfüllt gelten zu lassen.

bhīmasena uvāca saṃdhiṃ kṛtvaiva kālena antakena patatriṇā anantenāprameyena srotasā sarvahāriṇā

Bhīmasena sprach: Als hättest du einen Vertrag geschlossen mit der Zeit - dem Ende-Bringenden, dem Geflügelten, dem endlosen, unermesslichen, alles fortreißenden Strom -

Wort für Wort
bhīmasena uvāca saṃdhiṃ kṛtvaiva kālena antakena patatriṇā anantenāprameyena srotasā sarvahāriṇā
Bhīmasena sprach: Als hättest du einen Vertrag geschlossen mit der Zeit - dem Ende-Bringenden, dem Geflügelten, dem endlosen, unermesslichen, alles fortreißenden Strom -

pratyakṣaṃ manyase kālaṃ martyaḥ san kālabandhanaḥ phenadharmā mahārāja phaladharmā tathaiva ca

hältst du, ein Sterblicher, an die Zeit gebunden, schaumgleich, o Großkönig, und ebenso vergänglich wie eine reife Frucht, die Zeit für [dir] berechenbar?

Wort für Wort
pratyakṣaṃ manyase kālaṃ martyaḥ san kālabandhanaḥ phenadharmā mahārāja phaladharmā tathaiva ca
hältst du, ein Sterblicher, an die Zeit gebunden, schaumgleich, o Großkönig, und ebenso vergänglich wie eine reife Frucht, die Zeit für [dir] berechenbar?

nimeṣād api kaunteya yasyāyur apacīyate sūcyevāñjanacūrṇasya kim iti pratipālayet

Wessen Lebenszeit sich schon mit jedem Augenblick vermindert, o Kaunteya, wie die Menge des Augensalbenpulvers durch die Nadel, die man daraus entnimmt - warum sollte er geduldig warten?

Wort für Wort
nimeṣād api kaunteya yasyāyur apacīyate sūcyevāñjanacūrṇasya kim iti pratipālayet
Wessen Lebenszeit sich schon mit jedem Augenblick vermindert, o Kaunteya, wie die Menge des Augensalbenpulvers durch die Nadel, die man daraus entnimmt - warum sollte er geduldig warten?

yo nūnam amitāyuḥ syād atha vāpi pramāṇavit sa kālaṃ vai pratīkṣeta sarvapratyakṣadarśivān

Wer wahrlich unbegrenzte Lebenszeit hätte, oder wer das rechte Maß der verbleibenden Zeit kennte, der könnte die Zeit abwarten, da er alles unmittelbar sähe.

Wort für Wort
yo nūnam amitāyuḥ syād atha vāpi pramāṇavit sa kālaṃ vai pratīkṣeta sarvapratyakṣadarśivān
Wer wahrlich unbegrenzte Lebenszeit hätte, oder wer das rechte Maß der verbleibenden Zeit kennte, der könnte die Zeit abwarten, da er alles unmittelbar sähe.

pratīkṣamāṇān kālo naḥ samā rājaṃs trayodaśa āyuṣo 'pacayaṃ kṛtvā maraṇāyopaneṣyati

Während wir warten, o König, wird die Zeit uns nach dreizehn Jahren, nachdem sie unsere Lebenszeit vermindert hat, dem Tode zuführen.

Wort für Wort
pratīkṣamāṇān kālo naḥ samā rājaṃs trayodaśa āyuṣo 'pacayaṃ kṛtvā maraṇāyopaneṣyati
Während wir warten, o König, wird die Zeit uns nach dreizehn Jahren, nachdem sie unsere Lebenszeit vermindert hat, dem Tode zuführen.

śarīriṇāṃ hi maraṇaṃ śarīre nityam āśritam prāg eva maraṇāt tasmād rājyāyaiva ghaṭāmahe

Denn der Tod der verkörperten Wesen wohnt beständig im Körper selbst; deshalb wollen wir, noch bevor der Tod eintritt, uns um das Königreich bemühen.

Wort für Wort
śarīriṇāṃ hi maraṇaṃ śarīre nityam āśritam prāg eva maraṇāt tasmād rājyāyaiva ghaṭāmahe
Denn der Tod der verkörperten Wesen wohnt beständig im Körper selbst; deshalb wollen wir, noch bevor der Tod eintritt, uns um das Königreich bemühen.

yo na yāti prasaṃkhyānam aspaṣṭo bhūmivardhanaḥ ayātayitvā vairāṇi so 'vasīdati gaur iva

Wer nicht zu den Helden gezählt wird, unbeachtet, nur die Erde durch seine Anzahl vermehrend, der geht, ohne die Feindschaften vergolten zu haben, zugrunde wie ein Rind.

Wort für Wort
yo na yāti prasaṃkhyānam aspaṣṭo bhūmivardhanaḥ ayātayitvā vairāṇi so 'vasīdati gaur iva
Wer nicht zu den Helden gezählt wird, unbeachtet, nur die Erde durch seine Anzahl vermehrend, der geht, ohne die Feindschaften vergolten zu haben, zugrunde wie ein Rind.

yo na yātayate vairam alpasattvodyamaḥ pumān aphalaṃ tasya janmāhaṃ manye durjātajāyinaḥ

Wer die Feindschaft nicht vergilt, ein Mann von geringer innerer Kraft und geringem Tatendrang, dessen Geburt halte ich für fruchtlos - wie die eines von schlechter Geburt Zeugenden.

Wort für Wort
yo na yātayate vairam alpasattvodyamaḥ pumān aphalaṃ tasya janmāhaṃ manye durjātajāyinaḥ
Wer die Feindschaft nicht vergilt, ein Mann von geringer innerer Kraft und geringem Tatendrang, dessen Geburt halte ich für fruchtlos - wie die eines von schlechter Geburt Zeugenden.

[?] [Anm.: „durjātajāyinaḥ“ grammatisch und im genauen Sinn unsicher.]

hairaṇyau bhavato bāhū śrutir bhavati pārthiva hatvā dviṣantaṃ saṃgrāme bhuktvā bāhvarjitaṃ vasu

Golden gleichsam werden deine Arme sein, und Ruhm wird dein sein, o Herrscher, wenn du den Feind in der Schlacht erschlägst und den mit den Armen erworbenen Reichtum genießt.

Wort für Wort
hairaṇyau bhavato bāhū śrutir bhavati pārthiva hatvā dviṣantaṃ saṃgrāme bhuktvā bāhvarjitaṃ vasu
Golden gleichsam werden deine Arme sein, und Ruhm wird dein sein, o Herrscher, wenn du den Feind in der Schlacht erschlägst und den mit den Armen erworbenen Reichtum genießt.

hatvā cet puruṣo rājan nikartāram ariṃdama ahnāya narakaṃ gacchet svargeṇāsya sa saṃmitaḥ

Wenn ein Mann, o König, den Betrüger erschlägt, o Feindebezwinger, und sogleich danach in die Hölle ginge, wäre ihm dies dennoch dem Himmel gleichzusetzen.

Wort für Wort
hatvā cet puruṣo rājan nikartāram ariṃdama ahnāya narakaṃ gacchet svargeṇāsya sa saṃmitaḥ
Wenn ein Mann, o König, den Betrüger erschlägt, o Feindebezwinger, und sogleich danach in die Hölle ginge, wäre ihm dies dennoch dem Himmel gleichzusetzen.

amarṣajo hi saṃtāpaḥ pāvakād dīptimattaraḥ yenāham abhisaṃtapto na naktaṃ na divā śaye

Denn der aus Ungeduld entstehende Schmerz ist glühender als Feuer; von ihm verzehrt, finde ich weder nachts noch tags Schlaf.

Wort für Wort
amarṣajo hi saṃtāpaḥ pāvakād dīptimattaraḥ yenāham abhisaṃtapto na naktaṃ na divā śaye
Denn der aus Ungeduld entstehende Schmerz ist glühender als Feuer; von ihm verzehrt, finde ich weder nachts noch tags Schlaf.

ayaṃ ca pārtho bībhatsur variṣṭho jyāvikarṣaṇe āste paramasaṃtapto nūnaṃ siṃha ivāśaye

Und dieser Pārtha, Bībhatsu, der Beste im Spannen der Bogensehne, verweilt gewiss aufs Höchste gequält, wie ein Löwe in seinem Lager.

Wort für Wort
ayaṃ ca pārtho bībhatsur variṣṭho jyāvikarṣaṇe āste paramasaṃtapto nūnaṃ siṃha ivāśaye
Und dieser Pārtha, Bībhatsu, der Beste im Spannen der Bogensehne, verweilt gewiss aufs Höchste gequält, wie ein Löwe in seinem Lager.

yo 'yam eko 'bhimanute sarvāṃl loke dhanurbhṛtaḥ so 'yam ātmajam ūṣmāṇaṃ mahāhastīva yacchati

Er, der sich als Einziger allen Bogenträgern der Welt überlegen weiß, hält seine eigene innere Glut zurück, wie ein großer Elefant seine Wut zurückhält.

Wort für Wort
yo 'yam eko 'bhimanute sarvāṃl loke dhanurbhṛtaḥ so 'yam ātmajam ūṣmāṇaṃ mahāhastīva yacchati
Er, der sich als Einziger allen Bogenträgern der Welt überlegen weiß, hält seine eigene innere Glut zurück, wie ein großer Elefant seine Wut zurückhält.

nakulaḥ sahadevaś ca vṛddhā mātā ca vīrasūḥ tavaiva priyam icchanta āsate jaḍamūkavat

Nakula und Sahadeva und die alte Mutter, die Heldengebärerin, verharren, nur deinen Willen zu erfüllen wünschend, wie stumm und regungslos.

Wort für Wort
nakulaḥ sahadevaś ca vṛddhā mātā ca vīrasūḥ tavaiva priyam icchanta āsate jaḍamūkavat
Nakula und Sahadeva und die alte Mutter, die Heldengebärerin, verharren, nur deinen Willen zu erfüllen wünschend, wie stumm und regungslos.

sarve te priyam icchanti bāndhavāḥ saha sṛñjayaiḥ aham eko 'bhisaṃtapto mātā ca prativindhyataḥ

Alle diese Verwandten, zusammen mit den Sṛñjayas, wünschen nur deinen Willen; ich allein bin gequält, und auch die Mutter des Prativindhya.

Wort für Wort
sarve te priyam icchanti bāndhavāḥ saha sṛñjayaiḥ aham eko 'bhisaṃtapto mātā ca prativindhyataḥ
Alle diese Verwandten, zusammen mit den Sṛñjayas, wünschen nur deinen Willen; ich allein bin gequält, und auch die Mutter des Prativindhya.

priyam eva tu sarveṣāṃ yad bravīmy uta kiṃ cana sarve hī vyasanaṃ prāptāḥ sarve yuddhābhinandinaḥ

Doch das, was ich jetzt sage, ist in Wahrheit auch der Wille aller anderen; denn alle sind ins Unglück geraten, alle begrüßen den Krieg.

Wort für Wort
priyam eva tu sarveṣāṃ yad bravīmy uta kiṃ cana sarve hī vyasanaṃ prāptāḥ sarve yuddhābhinandinaḥ
Doch das, was ich jetzt sage, ist in Wahrheit auch der Wille aller anderen; denn alle sind ins Unglück geraten, alle begrüßen den Krieg.

netaḥ pāpīyasī kā cid āpad rājan bhaviṣyati yan no nīcair alpabalai rājyam ācchidya bhujyate

O Anführer, es wird kein schlimmeres Unglück geben, o König, als dies, dass unser Königreich von Niederen, Schwachen geraubt und genossen wird.

Wort für Wort
netaḥ pāpīyasī kā cid āpad rājan bhaviṣyati yan no nīcair alpabalai rājyam ācchidya bhujyate
O Anführer, es wird kein schlimmeres Unglück geben, o König, als dies, dass unser Königreich von Niederen, Schwachen geraubt und genossen wird.

śīladoṣād ghṛṇāviṣṭa ānṛśaṃsyāt paraṃtapa kleśāṃs titikṣase rājan nānyaḥ kaś cit praśaṃsati

Aus einem Fehler deines Wesens, von Mitleid erfüllt, aus Güte, o Bezwinger der Feinde, erträgst du die Leiden, o König; niemand sonst lobt dies.

Wort für Wort
śīladoṣād ghṛṇāviṣṭa ānṛśaṃsyāt paraṃtapa kleśāṃs titikṣase rājan nānyaḥ kaś cit praśaṃsati
Aus einem Fehler deines Wesens, von Mitleid erfüllt, aus Güte, o Bezwinger der Feinde, erträgst du die Leiden, o König; niemand sonst lobt dies.

ghṛṇī brāhmaṇarūpo 'si kathaṃ kṣatre ajāyathāḥ asyāṃ hi yonau jāyante prāyaśaḥ krūrabuddhayaḥ

Du bist mitleidig, von Brahmanen-Art; wie kamst du zur Geburt in einem Kṣatriya-Geschlecht? Denn in diesem Mutterschoß werden zumeist Menschen mit hartem Sinn geboren.

Wort für Wort
ghṛṇī brāhmaṇarūpo 'si kathaṃ kṣatre ajāyathāḥ asyāṃ hi yonau jāyante prāyaśaḥ krūrabuddhayaḥ
Du bist mitleidig, von Brahmanen-Art; wie kamst du zur Geburt in einem Kṣatriya-Geschlecht? Denn in diesem Mutterschoß werden zumeist Menschen mit hartem Sinn geboren.

aśrauṣīs tvaṃ rājadharmān yathā vai manur abravīt krūrān nikṛtisaṃyuktān vihitān aśamātmakān

Du hast doch die Königs-Dharmas gehört, wie sie Manu verkündet hat - hart, mit List verbunden, festgesetzt, ihrem Wesen nach ohne Anspruch auf Friedfertigkeit.

Wort für Wort
aśrauṣīs tvaṃ rājadharmān yathā vai manur abravīt krūrān nikṛtisaṃyuktān vihitān aśamātmakān
Du hast doch die Königs-Dharmas gehört, wie sie Manu verkündet hat - hart, mit List verbunden, festgesetzt, ihrem Wesen nach ohne Anspruch auf Friedfertigkeit.

kartavye puruṣavyāghra kim āsse pīṭhasarpavat buddhyā vīryeṇa saṃyuktaḥ śrutenābhijanena ca

Warum verharrst du, o Tiger unter den Männern, wo doch zu handeln ist, wie ein Krüppel, der sich nur auf einem Schemel fortbewegen kann - du, der du mit Verstand, Heldenkraft, Gelehrsamkeit und edler Geburt ausgestattet bist?

Wort für Wort
kartavye puruṣavyāghra kim āsse pīṭhasarpavat buddhyā vīryeṇa saṃyuktaḥ śrutenābhijanena ca
Warum verharrst du, o Tiger unter den Männern, wo doch zu handeln ist, wie ein Krüppel, der sich nur auf einem Schemel fortbewegen kann - du, der du mit Verstand, Heldenkraft, Gelehrsamkeit und edler Geburt ausgestattet bist?

tṛṇānāṃ muṣṭinaikena himavantaṃ tu parvatam channam icchasi kaunteya yo 'smān saṃvartum icchasi

Mit einer einzigen Handvoll Gras willst du den Himālaya-Berg bedecken, o Kaunteya, du, der du uns in Verborgenheit einhüllen willst.

Wort für Wort
tṛṇānāṃ muṣṭinaikena himavantaṃ tu parvatam channam icchasi kaunteya yo 'smān saṃvartum icchasi
Mit einer einzigen Handvoll Gras willst du den Himālaya-Berg bedecken, o Kaunteya, du, der du uns in Verborgenheit einhüllen willst.

ajñātacaryā gūḍhena pṛthivyāṃ viśrutena ca divīva pārtha sūryeṇa na śakyā carituṃ tvayā

Ein unerkanntes Wandeln kann von dir, o Pārtha, der du auf Erden zugleich verborgen und berühmt bist, nicht durchgeführt werden - so wenig wie dies die Sonne am Himmel unerkannt vollbringen könnte.

Wort für Wort
ajñātacaryā gūḍhena pṛthivyāṃ viśrutena ca divīva pārtha sūryeṇa na śakyā carituṃ tvayā
Ein unerkanntes Wandeln kann von dir, o Pārtha, der du auf Erden zugleich verborgen und berühmt bist, nicht durchgeführt werden - so wenig wie dies die Sonne am Himmel unerkannt vollbringen könnte.

bṛhacchāla ivānūpe śākhāpuṣpapalāśavān hastī śveta ivājñātaḥ kathaṃ jiṣṇuś cariṣyati

Wie ein großer Śāla-Baum im Sumpfland, voll von Zweigen, Blüten und Blättern, wie ein weißer Elefant - wie soll da der Siegreiche unerkannt umherwandeln?

Wort für Wort
bṛhacchāla ivānūpe śākhāpuṣpapalāśavān hastī śveta ivājñātaḥ kathaṃ jiṣṇuś cariṣyati
Wie ein großer Śāla-Baum im Sumpfland, voll von Zweigen, Blüten und Blättern, wie ein weißer Elefant - wie soll da der Siegreiche unerkannt umherwandeln?

imau ca siṃhasaṃkāśau bhrātarau sahitau śiśū nakulaḥ sahadevaś ca kathaṃ pārtha cariṣyataḥ

Und wie sollen diese beiden Brüder, löwengleich, die zusammen aufgewachsenen Jünglinge, Nakula und Sahadeva, o Pārtha, unerkannt umherwandeln?

Wort für Wort
imau ca siṃhasaṃkāśau bhrātarau sahitau śiśū nakulaḥ sahadevaś ca kathaṃ pārtha cariṣyataḥ
Und wie sollen diese beiden Brüder, löwengleich, die zusammen aufgewachsenen Jünglinge, Nakula und Sahadeva, o Pārtha, unerkannt umherwandeln?

puṇyakīrtī rājaputrī draupadī vīrasūr iyam viśrutā katham ajñātā kṛṣṇā pārtha cariṣyati

Wie soll Draupadī, die Königstochter von reinem Ruhm, die Heldengebärerin, die berühmte Kṛṣṇā, o Pārtha, unerkannt umherwandeln?

Wort für Wort
puṇyakīrtī rājaputrī draupadī vīrasūr iyam viśrutā katham ajñātā kṛṣṇā pārtha cariṣyati
Wie soll Draupadī, die Königstochter von reinem Ruhm, die Heldengebärerin, die berühmte Kṛṣṇā, o Pārtha, unerkannt umherwandeln?

māṃ cāpi rājañ jānanti ākumāram imāḥ prajāḥ ajñātacaryāṃ paśyāmi meror iva nigūhanam

Auch mich, o König, kennen diese Untertanen von Kindheit an; ein unerkanntes Wandeln erscheint mir ebenso unmöglich wie das Verbergen des Meru.

Wort für Wort
māṃ cāpi rājañ jānanti ākumāram imāḥ prajāḥ ajñātacaryāṃ paśyāmi meror iva nigūhanam
Auch mich, o König, kennen diese Untertanen von Kindheit an; ein unerkanntes Wandeln erscheint mir ebenso unmöglich wie das Verbergen des Meru.

tathaiva bahavo 'smābhī rāṣṭrebhyo vipravāsitāḥ rājāno rājaputrāś ca dhṛtarāṣṭram anuvratāḥ

Ebenso wurden von uns viele Könige und Königssöhne, die Dhṛtarāṣṭra ergeben waren, aus ihren Reichen vertrieben.

Wort für Wort
tathaiva bahavo 'smābhī rāṣṭrebhyo vipravāsitāḥ rājāno rājaputrāś ca dhṛtarāṣṭram anuvratāḥ
Ebenso wurden von uns viele Könige und Königssöhne, die Dhṛtarāṣṭra ergeben waren, aus ihren Reichen vertrieben.

na hi te 'py upaśāmyanti nikṛtānāṃ nirākṛtāḥ avaśyaṃ tair nikartavyam asmākaṃ tatpriyaiṣibhiḥ

Auch sie, vertrieben, kommen von ihrem Groll als Betrogene nicht zur Ruhe; sicherlich werden sie, die dessen Wohl suchen, uns ihrerseits wieder betrügen.

Wort für Wort
na hi te 'py upaśāmyanti nikṛtānāṃ nirākṛtāḥ avaśyaṃ tair nikartavyam asmākaṃ tatpriyaiṣibhiḥ
Auch sie, vertrieben, kommen von ihrem Groll als Betrogene nicht zur Ruhe; sicherlich werden sie, die dessen Wohl suchen, uns ihrerseits wieder betrügen.

te 'py asmāsu prayuñjīran pracchannān subahūñ janān ācakṣīraṃś ca no jñātvā tan naḥ syāt sumahad bhayam

Auch sie könnten gegen uns sehr viele verkleidete Männer einsetzen und uns, wenn sie uns erkannt haben, verraten; das wäre für uns eine sehr große Gefahr.

Wort für Wort
te 'py asmāsu prayuñjīran pracchannān subahūñ janān ācakṣīraṃś ca no jñātvā tan naḥ syāt sumahad bhayam
Auch sie könnten gegen uns sehr viele verkleidete Männer einsetzen und uns, wenn sie uns erkannt haben, verraten; das wäre für uns eine sehr große Gefahr.

asmābhir uṣitāḥ samyag vane māsās trayodaśa parimāṇena tān paśya tāvataḥ parivatsarān

Wir haben nun ordnungsgemäß dreizehn Monate im Wald verbracht; betrachte sie doch, dem rechten Maße nach, als ebenso viele volle Jahre.

Wort für Wort
asmābhir uṣitāḥ samyag vane māsās trayodaśa parimāṇena tān paśya tāvataḥ parivatsarān
Wir haben nun ordnungsgemäß dreizehn Monate im Wald verbracht; betrachte sie doch, dem rechten Maße nach, als ebenso viele volle Jahre.

[?] [Anm.: Bhīma argumentiert hier mit einer technischen, quasi-juristischen Ersatzregel (pratinidhi, vgl. die folgenden zwei Verse) - er will die verstrichene Zeit auf eine für die Pāṇḍavas günstige Weise umdeuten.]

asti māsaḥ pratinidhir yathā prāhur manīṣiṇaḥ pūtikān iva somasya tathedaṃ kriyatām iti

Es gibt die Regel, dass ein Monat als Ersatz für ein Jahr gelten kann, wie die Weisen sagen - so wie verdorbene Pūtika-Pflanzen als Ersatz für den Soma dienen können; so möge auch dies hier gehandhabt werden.

Wort für Wort
asti māsaḥ pratinidhir yathā prāhur manīṣiṇaḥ pūtikān iva somasya tathedaṃ kriyatām iti
Es gibt die Regel, dass ein Monat als Ersatz für ein Jahr gelten kann, wie die Weisen sagen - so wie verdorbene Pūtika-Pflanzen als Ersatz für den Soma dienen können; so möge auch dies hier gehandhabt werden.

atha vānaḍuhe rājan sādhave sādhuvāhine sauhityadānād ekasmād enasaḥ pratimucyate

Oder, wie es heißt: Durch eine einzige, aus Sättigung reichlich gegebene Gabe an einen guten, gut ziehenden Zugochsen, o König, wird man von einer Sünde befreit.

Wort für Wort
atha vānaḍuhe rājan sādhave sādhuvāhine sauhityadānād ekasmād enasaḥ pratimucyate
Oder, wie es heißt: Durch eine einzige, aus Sättigung reichlich gegebene Gabe an einen guten, gut ziehenden Zugochsen, o König, wird man von einer Sünde befreit.

tasmāc chatruvadhe rājan kriyatāṃ niścayas tvayā kṣatriyasya tu sarvasya nānyo dharmo 'sti saṃyugāt

Deshalb, o König, fasse den Entschluss zur Tötung der Feinde; für jeden Kṣatriya gibt es nämlich keinen anderen Dharma als den Kampf.

Wort für Wort
tasmāc chatruvadhe rājan kriyatāṃ niścayas tvayā kṣatriyasya tu sarvasya nānyo dharmo 'sti saṃyugāt
Deshalb, o König, fasse den Entschluss zur Tötung der Feinde; für jeden Kṣatriya gibt es nämlich keinen anderen Dharma als den Kampf.

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