Kapitel 232: Yudhiṣṭhiravākyam
Yudhiṣṭhiras Gebot zur Rettung Duryodhanas
Yudhiṣṭhira weist Bhīmas Schadenfreude entschieden zurück: Verwandtschaftliche Pflicht bestehe trotz aller Zwistigkeiten fort, und ein Außenstehender dürfe die eigene Sippe nicht ungestraft schänden. Er befiehlt Arjuna, den Zwillingen und Bhīma, Duryodhana und die gefangenen Kauravas zu befreien - notfalls mit Gewalt, zunächst aber mit Güte -, denn die Befreiung eines in Not geratenen Feindes, der um Schutz fleht, gilt ihm als eine der höchsten Taten überhaupt. Nur die laufende eigene Opferhandlung hindere ihn, selbst hinzueilen. Arjuna gelobt daraufhin, notfalls das Blut des Gandharvenkönigs zu vergießen, was den erschütterten Kauravas neuen Mut gibt.
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie könntest du, mein Lieber, über die zu uns gekommenen, von Furcht gequälten, Zuflucht suchenden Kauravas, die in eine missliche Lage geraten sind, derartiges sagen?
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie könntest du, mein Lieber, über die zu uns gekommenen, von Furcht gequälten, Zuflucht suchenden Kauravas, die in eine missliche Lage geraten sind, derartiges sagen?
bhavanti bhedā jñātīnāṃ kalahāś ca vṛkodara prasaktāni ca vairāṇi jñātidharmo na naśyati
Es kommt zu Zwistigkeiten unter Verwandten und zu Streit, o Vṛkodara, und zu andauernden Feindschaften; doch die Pflicht gegenüber den Verwandten geht dabei nicht unter.
Wort für Wort
bhavanti bhedā jñātīnāṃ kalahāś ca vṛkodara prasaktāni ca vairāṇi jñātidharmo na naśyati
Es kommt zu Zwistigkeiten unter Verwandten und zu Streit, o Vṛkodara, und zu andauernden Feindschaften; doch die Pflicht gegenüber den Verwandten geht dabei nicht unter.
Durch die Gefangennahme Duryodhanas durch die Gandharvas mit Gewalt im Kampf und durch die Berührung unserer Frauen durch Außenstehende wird unsere Sippe geschändet.
Durch die Gefangennahme Duryodhanas durch die Gandharvas mit Gewalt im Kampf und durch die Berührung unserer Frauen durch Außenstehende wird unsere Sippe geschändet.
Hier sind die Streitwagen, ihr Tiger unter den Männern, mit allen Waffen ausgestattet, von Indrasena und den anderen Wagenlenkern gelenkt, mit goldenen Bannern.
Hier sind die Streitwagen, ihr Tiger unter den Männern, mit allen Waffen ausgestattet, von Indrasena und den anderen Wagenlenkern gelenkt, mit goldenen Bannern.
ya eva kaś cid rājanyaḥ śaraṇārtham ihāgatam paraṃ śaktyābhirakṣeta kiṃ punas tvaṃ vṛkodara
Jeder beliebige Fürst würde den, der um Zuflucht willen zu ihm gekommen ist, sei es auch ein Fremder, nach Kräften beschützen - um wie viel mehr du, o Vṛkodara?
Wort für Wort
ya eva kaś cid rājanyaḥ śaraṇārtham ihāgatam paraṃ śaktyābhirakṣeta kiṃ punas tvaṃ vṛkodara
Jeder beliebige Fürst würde den, der um Zuflucht willen zu ihm gekommen ist, sei es auch ein Fremder, nach Kräften beschützen - um wie viel mehr du, o Vṛkodara?
ka ihānyo bhavet trāṇam abhidhāveti coditaḥ prāñjaliṃ śaraṇāpannaṃ dṛṣṭvā śatrum api dhruvam
Wer anders könnte hier, dazu aufgefordert ‚Eile zu Hilfe!‘, zurückbleiben, sähe er einen mit gefalteten Händen um Schutz Bittenden - und wäre dieser auch gewiss ein Feind? [?]
Wort für Wort
ka ihānyo bhavet trāṇam abhidhāveti coditaḥ prāñjaliṃ śaraṇāpannaṃ dṛṣṭvā śatrum api dhruvam
Wer anders könnte hier, dazu aufgefordert ‚Eile zu Hilfe!‘, zurückbleiben, sähe er einen mit gefalteten Händen um Schutz Bittenden - und wäre dieser auch gewiss ein Feind? [?]
Die Konstruktion mit dem eingebetteten Anruf ‚Eile zu Hilfe!‘ (abhidhāva) ist im Sanskrit stark verdichtet; die Übersetzung gibt den wahrscheinlichen Sinn wieder.
varapradānaṃ rājyaṃ ca putrajanma ca pāṇḍava śatroś ca mokṣaṇaṃ kleśāt trīṇi caikaṃ ca tat samam
Die Gewährung eines Wunsches, ein Königreich, und die Geburt eines Sohnes, o Pāṇḍava, und die Befreiung eines Feindes aus Bedrängnis - diese drei Dinge sind einem einzigen gleichwertig.
Wort für Wort
varapradānaṃ rājyaṃ ca putrajanma ca pāṇḍava śatroś ca mokṣaṇaṃ kleśāt trīṇi caikaṃ ca tat samam
Die Gewährung eines Wunsches, ein Königreich, und die Geburt eines Sohnes, o Pāṇḍava, und die Befreiung eines Feindes aus Bedrängnis - diese drei Dinge sind einem einzigen gleichwertig.
athāsau mṛduyuddhena na muñced bhīma kauravān sarvopāyair vimocyās te nigṛhya paripanthinaḥ
Sollte er aber durch maßvollen Kampf die Kauravas nicht freilassen, o Bhīma, so sollen sie mit allen Mitteln befreit werden, indem du die Widersacher niederzwingst.
Wort für Wort
athāsau mṛduyuddhena na muñced bhīma kauravān sarvopāyair vimocyās te nigṛhya paripanthinaḥ
Sollte er aber durch maßvollen Kampf die Kauravas nicht freilassen, o Bhīma, so sollen sie mit allen Mitteln befreit werden, indem du die Widersacher niederzwingst.