Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 65: Sudevasaṃgamaḥ Die Wiedererkennung durch Sudeva

König Bhīma entsendet Brahmanen aus, um Nala und Damayantī zu suchen. Der Brahmane Sudeva erkennt Damayantī im Palast der Cedis wieder - trotz ihres verwahrlosten Zustands beschreibt er in einer langen, bildreichen Betrachtung ihre unvergängliche Schönheit inmitten des Leids. Er spricht sie an, berichtet von ihrer Familie, und sie erkennt ihn unter Tränen. Sunandā und die Königinmutter werden aufmerksam, und Sudeva beginnt, Damayantīs ganze Geschichte wahrheitsgemäß zu erzählen.

bṛhadaśva uvāca hṛtarājye nale bhīmaḥ sabhārye preṣyatāṃ gate dvijān prasthāpayām āsa naladarśanakāṅkṣayā

Bṛhadaśva sprach: Als Nala, seines Königreichs beraubt, mitsamt seiner Gattin fortgegangen war, entsandte Bhīma Brahmanen, aus Verlangen, Nala zu finden.

Wort für Wort
bṛhadaśva uvāca hṛtarājye nale bhīmaḥ sabhārye preṣyatāṃ gate dvijān prasthāpayām āsa naladarśanakāṅkṣayā
Bṛhadaśva sprach: Als Nala, seines Königreichs beraubt, mitsamt seiner Gattin fortgegangen war, entsandte Bhīma Brahmanen, aus Verlangen, Nala zu finden.

saṃdideśa ca tān bhīmo vasu dattvā ca puṣkalam mṛgayadhvaṃ nalaṃ caiva damayantīṃ ca me sutām

Bhīma gab ihnen reichlichen Besitz und trug ihnen auf: „Sucht Nala, und auch Damayantī, meine Tochter.

Wort für Wort
saṃdideśa ca tān bhīmo vasu dattvā ca puṣkalam mṛgayadhvaṃ nalaṃ caiva damayantīṃ ca me sutām
Bhīma gab ihnen reichlichen Besitz und trug ihnen auf: „Sucht Nala, und auch Damayantī, meine Tochter.

asmin karmaṇi niṣpanne vijñāte niṣadhādhipe gavāṃ sahasraṃ dāsyāmi yo vas tāv ānayiṣyati agrahāraṃ ca dāsyāmi grāmaṃ nagarasaṃmitam

Ist diese Aufgabe vollbracht und der Herrscher der Niṣadhas ausfindig gemacht, so werde ich demjenigen von euch, der die beiden herführt, tausend Rinder geben, und auch ein Landgut, ein Dorf einer Stadt gleichkommend.

Wort für Wort
asmin karmaṇi niṣpanne vijñāte niṣadhādhipe gavāṃ sahasraṃ dāsyāmi yo vas tāv ānayiṣyati agrahāraṃ ca dāsyāmi grāmaṃ nagarasaṃmitam
Ist diese Aufgabe vollbracht und der Herrscher der Niṣadhas ausfindig gemacht, so werde ich demjenigen von euch, der die beiden herführt, tausend Rinder geben, und auch ein Landgut, ein Dorf einer Stadt gleichkommend.

na cec chakyāv ihānetuṃ damayantī nalo 'pi vā jñātamātre 'pi dāsyāmi gavāṃ daśaśataṃ dhanam

Sollten Damayantī oder Nala hierher nicht gebracht werden können, so werde ich, sobald man auch nur ihren Aufenthalt erfährt, tausend Rinder als Reichtum geben.“

Wort für Wort
na cec chakyāv ihānetuṃ damayantī nalo 'pi vā jñātamātre 'pi dāsyāmi gavāṃ daśaśataṃ dhanam
Sollten Damayantī oder Nala hierher nicht gebracht werden können, so werde ich, sobald man auch nur ihren Aufenthalt erfährt, tausend Rinder als Reichtum geben.“

ity uktās te yayur hṛṣṭā brāhmaṇāḥ sarvatodiśam purarāṣṭrāṇi cinvanto naiṣadhaṃ saha bhāryayā

So angesprochen, zogen die Brahmanen erfreut in alle Richtungen aus, Städte und Länder durchsuchend, nach dem Naiṣadha und seiner Gattin.

Wort für Wort
ity uktās te yayur hṛṣṭā brāhmaṇāḥ sarvatodiśam purarāṣṭrāṇi cinvanto naiṣadhaṃ saha bhāryayā
So angesprochen, zogen die Brahmanen erfreut in alle Richtungen aus, Städte und Länder durchsuchend, nach dem Naiṣadha und seiner Gattin.

tataś cedipurīṃ ramyāṃ sudevo nāma vai dvijaḥ vicinvāno 'tha vaidarbhīm apaśyad rājaveśmani puṇyāhavācane rājñaḥ sunandāsahitāṃ sthitām

Da erblickte ein Brahmane namens Sudeva, während er die liebliche Stadt der Cedis durchsuchte, die Vaidarbhī, wie sie im Königspalast bei einer heiligen Segensfeier des Königs, zusammen mit Sunandā stehend, verweilte,

Wort für Wort
tataś cedipurīṃ ramyāṃ sudevo nāma vai dvijaḥ vicinvāno 'tha vaidarbhīm apaśyad rājaveśmani puṇyāhavācane rājñaḥ sunandāsahitāṃ sthitām
Da erblickte ein Brahmane namens Sudeva, während er die liebliche Stadt der Cedis durchsuchte, die Vaidarbhī, wie sie im Königspalast bei einer heiligen Segensfeier des Königs, zusammen mit Sunandā stehend, verweilte,

mandaprakhyāyamānena rūpeṇāpratimena tām pinaddhāṃ dhūmajālena prabhām iva vibhāvasoḥ

sie, deren unvergleichliche Schönheit nur schwach zum Vorschein kam, wie den Glanz des Feuers, umhüllt von einem Netz aus Rauch.

Wort für Wort
mandaprakhyāyamānena rūpeṇāpratimena tām pinaddhāṃ dhūmajālena prabhām iva vibhāvasoḥ
sie, deren unvergleichliche Schönheit nur schwach zum Vorschein kam, wie den Glanz des Feuers, umhüllt von einem Netz aus Rauch.

tāṃ samīkṣya viśālākṣīm adhikaṃ malināṃ kṛśām tarkayām āsa bhaimīti kāraṇair upapādayan

Als er sie, die Großäugige, überaus Verschmutzte, Abgemagerte betrachtete, vermutete er, gestützt auf mancherlei Gründe, dass sie die Bhaimī sei.

Wort für Wort
tāṃ samīkṣya viśālākṣīm adhikaṃ malināṃ kṛśām tarkayām āsa bhaimīti kāraṇair upapādayan
Als er sie, die Großäugige, überaus Verschmutzte, Abgemagerte betrachtete, vermutete er, gestützt auf mancherlei Gründe, dass sie die Bhaimī sei.

sudeva uvāca yatheyaṃ me purā dṛṣṭā tathārūpeyam aṅganā kṛtārtho 'smy adya dṛṣṭvemāṃ lokakāntām iva śriyam

Sudeva sprach: „Wie ich diese Frau einst gesehen habe, genau von solcher Gestalt ist sie; erreicht habe ich heute mein Ziel, da ich sie erblickt habe, die wie die von aller Welt geliebte Śrī ist,

Wort für Wort
sudeva uvāca yatheyaṃ me purā dṛṣṭā tathārūpeyam aṅganā kṛtārtho 'smy adya dṛṣṭvemāṃ lokakāntām iva śriyam
Sudeva sprach: „Wie ich diese Frau einst gesehen habe, genau von solcher Gestalt ist sie; erreicht habe ich heute mein Ziel, da ich sie erblickt habe, die wie die von aller Welt geliebte Śrī ist,

pūrṇacandrānanāṃ śyāmāṃ cāruvṛttapayodharām kurvantīṃ prabhayā devīṃ sarvā vitimirā diśaḥ

mit einem Antlitz wie der Vollmond, dunkelfarben, mit schönen, runden Brüsten, eine Göttin, die durch ihren Glanz alle Himmelsrichtungen von Dunkel befreit,

Wort für Wort
pūrṇacandrānanāṃ śyāmāṃ cāruvṛttapayodharām kurvantīṃ prabhayā devīṃ sarvā vitimirā diśaḥ
mit einem Antlitz wie der Vollmond, dunkelfarben, mit schönen, runden Brüsten, eine Göttin, die durch ihren Glanz alle Himmelsrichtungen von Dunkel befreit,

cārupadmapalāśākṣīṃ manmathasya ratīm iva iṣṭāṃ sarvasya jagataḥ pūrṇacandraprabhām iva

mit Augen wie schöne Lotusblätter, wie Ratī, die Gattin des Liebesgottes, der ganzen Welt lieb, wie der Glanz des Vollmonds,

Wort für Wort
cārupadmapalāśākṣīṃ manmathasya ratīm iva iṣṭāṃ sarvasya jagataḥ pūrṇacandraprabhām iva
mit Augen wie schöne Lotusblätter, wie Ratī, die Gattin des Liebesgottes, der ganzen Welt lieb, wie der Glanz des Vollmonds,

vidarbhasarasas tasmād daivadoṣād ivoddhṛtām malapaṅkānuliptāṅgīṃ mṛṇālīm iva tāṃ bhṛśam

wie ein Lotusfaden, der durch ein Verschulden des Schicksals aus jenem Vidarbha-See herausgerissen wurde, deren Glieder mit Schmutz und Schlamm bedeckt sind,

Wort für Wort
vidarbhasarasas tasmād daivadoṣād ivoddhṛtām malapaṅkānuliptāṅgīṃ mṛṇālīm iva tāṃ bhṛśam
wie ein Lotusfaden, der durch ein Verschulden des Schicksals aus jenem Vidarbha-See herausgerissen wurde, deren Glieder mit Schmutz und Schlamm bedeckt sind,

paurṇamāsīm iva niśāṃ rāhugrastaniśākarām patiśokākulāṃ dīnāṃ śuṣkasrotāṃ nadīm iva

wie die Vollmondnacht, deren Mond von Rāhu verschlungen wurde, von Kummer um ihren Gatten verwirrt, elend, wie ein Fluss mit vertrocknetem Bett,

Wort für Wort
paurṇamāsīm iva niśāṃ rāhugrastaniśākarām patiśokākulāṃ dīnāṃ śuṣkasrotāṃ nadīm iva
wie die Vollmondnacht, deren Mond von Rāhu verschlungen wurde, von Kummer um ihren Gatten verwirrt, elend, wie ein Fluss mit vertrocknetem Bett,

vidhvastaparṇakamalāṃ vitrāsitavihaṃgamām hastihastaparikliṣṭāṃ vyākulām iva padminīm

wie ein Lotusteich, dessen Blätter und Lotusblüten zerstört, dessen Vögel verscheucht, der von Elefantenrüsseln zertrampelt und aufgewühlt ist,

Wort für Wort
vidhvastaparṇakamalāṃ vitrāsitavihaṃgamām hastihastaparikliṣṭāṃ vyākulām iva padminīm
wie ein Lotusteich, dessen Blätter und Lotusblüten zerstört, dessen Vögel verscheucht, der von Elefantenrüsseln zertrampelt und aufgewühlt ist,

sukumārīṃ sujātāṅgīṃ ratnagarbhagṛhocitām dahyamānām ivoṣṇena mṛṇālīm aciroddhṛtām

sie, die Zartgliedrige, Wohlgestaltete, für ein mit Juwelen gefülltes Haus Geschaffene, wie ein soeben herausgerissener Lotusstängel, der von der Hitze versengt wird,

Wort für Wort
sukumārīṃ sujātāṅgīṃ ratnagarbhagṛhocitām dahyamānām ivoṣṇena mṛṇālīm aciroddhṛtām
sie, die Zartgliedrige, Wohlgestaltete, für ein mit Juwelen gefülltes Haus Geschaffene, wie ein soeben herausgerissener Lotusstängel, der von der Hitze versengt wird,

rūpaudāryaguṇopetāṃ maṇḍanārhām amaṇḍitām candralekhām iva navāṃ vyomni nīlābhrasaṃvṛtām

begabt mit Schönheit, Edelmut und Tugend, des Schmuckes würdig, doch ungeschmückt, wie eine neue Mondsichel, die am Himmel von dunklen Wolken verhüllt ist,

Wort für Wort
rūpaudāryaguṇopetāṃ maṇḍanārhām amaṇḍitām candralekhām iva navāṃ vyomni nīlābhrasaṃvṛtām
begabt mit Schönheit, Edelmut und Tugend, des Schmuckes würdig, doch ungeschmückt, wie eine neue Mondsichel, die am Himmel von dunklen Wolken verhüllt ist,

kāmabhogaiḥ priyair hīnāṃ hīnāṃ bandhujanena ca dehaṃ dhārayatīṃ dīnāṃ bhartṛdarśanakāṅkṣayā

beraubt der geliebten Genüsse der Liebe, beraubt ihrer Verwandtschaft, elend, ihren Leib nur aus dem Verlangen erhaltend, ihren Gatten wiederzusehen -

Wort für Wort
kāmabhogaiḥ priyair hīnāṃ hīnāṃ bandhujanena ca dehaṃ dhārayatīṃ dīnāṃ bhartṛdarśanakāṅkṣayā
beraubt der geliebten Genüsse der Liebe, beraubt ihrer Verwandtschaft, elend, ihren Leib nur aus dem Verlangen erhaltend, ihren Gatten wiederzusehen -

bhartā nāma paraṃ nāryā bhūṣaṇaṃ bhūṣaṇair vinā eṣā virahitā tena śobhanāpi na śobhate

der Gatte ist fürwahr der höchste Schmuck einer Frau, auch ohne allen anderen Schmuck; von ihm getrennt, glänzt diese, obwohl schön, doch nicht.

Wort für Wort
bhartā nāma paraṃ nāryā bhūṣaṇaṃ bhūṣaṇair vinā eṣā virahitā tena śobhanāpi na śobhate
der Gatte ist fürwahr der höchste Schmuck einer Frau, auch ohne allen anderen Schmuck; von ihm getrennt, glänzt diese, obwohl schön, doch nicht.

duṣkaraṃ kurute 'tyarthaṃ hīno yad anayā nalaḥ dhārayaty ātmano dehaṃ na śokenāvasīdati

Überaus Schweres vollbringt Nala, dass er, von ihr getrennt, seinen Leib noch erhält und nicht vor Kummer dahinsinkt.

Wort für Wort
duṣkaraṃ kurute 'tyarthaṃ hīno yad anayā nalaḥ dhārayaty ātmano dehaṃ na śokenāvasīdati
Überaus Schweres vollbringt Nala, dass er, von ihr getrennt, seinen Leib noch erhält und nicht vor Kummer dahinsinkt.

imām asitakeśāntāṃ śatapatrāyatekṣaṇām sukhārhāṃ duḥkhitāṃ dṛṣṭvā mamāpi vyathate manaḥ

Sie, mit dunklem Haar, mit langgestreckten, hundertblättrigen Lotusaugen, des Glücks würdig, doch leidend - da ich sie sehe, ist auch mein Sinn bekümmert.

Wort für Wort
imām asitakeśāntāṃ śatapatrāyatekṣaṇām sukhārhāṃ duḥkhitāṃ dṛṣṭvā mamāpi vyathate manaḥ
Sie, mit dunklem Haar, mit langgestreckten, hundertblättrigen Lotusaugen, des Glücks würdig, doch leidend - da ich sie sehe, ist auch mein Sinn bekümmert.

kadā nu khalu duḥkhasya pāraṃ yāsyati vai śubhā bhartuḥ samāgamāt sādhvī rohiṇī śaśino yathā

Wann wohl wird die Holde, die Tugendhafte, ans Ende ihres Leides gelangen, durch die Wiedervereinigung mit ihrem Gatten, so wie Rohiṇī durch den Mond?

Wort für Wort
kadā nu khalu duḥkhasya pāraṃ yāsyati vai śubhā bhartuḥ samāgamāt sādhvī rohiṇī śaśino yathā
Wann wohl wird die Holde, die Tugendhafte, ans Ende ihres Leides gelangen, durch die Wiedervereinigung mit ihrem Gatten, so wie Rohiṇī durch den Mond?

asyā nūnaṃ punar lābhān naiṣadhaḥ prītim eṣyati rājā rājyaparibhraṣṭaḥ punar labdhveva medinīm

Gewiss wird der Naiṣadha durch ihre Wiedergewinnung Freude erlangen, so wie ein König, der seines Königreichs beraubt war, durch die Wiedergewinnung der Erde.

Wort für Wort
asyā nūnaṃ punar lābhān naiṣadhaḥ prītim eṣyati rājā rājyaparibhraṣṭaḥ punar labdhveva medinīm
Gewiss wird der Naiṣadha durch ihre Wiedergewinnung Freude erlangen, so wie ein König, der seines Königreichs beraubt war, durch die Wiedergewinnung der Erde.

tulyaśīlavayoyuktāṃ tulyābhijanasaṃyutām naiṣadho 'rhati vaidarbhīṃ taṃ ceyam asitekṣaṇā

Der Naiṣadha verdient die Vaidarbhī, die ihm an Charakter und Alter gleicht und von gleicher Abkunft ist; und diese Dunkeläugige verdient ihn.

Wort für Wort
tulyaśīlavayoyuktāṃ tulyābhijanasaṃyutām naiṣadho 'rhati vaidarbhīṃ taṃ ceyam asitekṣaṇā
Der Naiṣadha verdient die Vaidarbhī, die ihm an Charakter und Alter gleicht und von gleicher Abkunft ist; und diese Dunkeläugige verdient ihn.

yuktaṃ tasyāprameyasya vīryasattvavato mayā samāśvāsayituṃ bhāryāṃ patidarśanalālasām

Es ziemt sich für mich, die Gattin jenes an Kraft und Wesen Unermesslichen zu trösten, die sich danach sehnt, ihren Gatten wiederzusehen.

Wort für Wort
yuktaṃ tasyāprameyasya vīryasattvavato mayā samāśvāsayituṃ bhāryāṃ patidarśanalālasām
Es ziemt sich für mich, die Gattin jenes an Kraft und Wesen Unermesslichen zu trösten, die sich danach sehnt, ihren Gatten wiederzusehen.

ayam āśvāsayāmy enāṃ pūrṇacandranibhānanām adṛṣṭapūrvāṃ duḥkhasya duḥkhārtāṃ dhyānatatparām

Nun will ich sie trösten, sie mit dem Antlitz wie der Vollmond, die zuvor nie solches Leid gesehen hatte, die vom Leid Gequälte, ganz dem Grübeln Hingegebene.“

Wort für Wort
ayam āśvāsayāmy enāṃ pūrṇacandranibhānanām adṛṣṭapūrvāṃ duḥkhasya duḥkhārtāṃ dhyānatatparām
Nun will ich sie trösten, sie mit dem Antlitz wie der Vollmond, die zuvor nie solches Leid gesehen hatte, die vom Leid Gequälte, ganz dem Grübeln Hingegebene.“

bṛhadaśva uvāca evaṃ vimṛśya vividhaiḥ kāraṇair lakṣaṇaiś ca tām upagamya tato bhaimīṃ sudevo brāhmaṇo 'bravīt

Bṛhadaśva sprach: So nachdenkend, aufgrund mancherlei Gründe und Merkmale, trat der Brahmane Sudeva zur Bhaimī hin und sprach:

Wort für Wort
bṛhadaśva uvāca evaṃ vimṛśya vividhaiḥ kāraṇair lakṣaṇaiś ca tām upagamya tato bhaimīṃ sudevo brāhmaṇo 'bravīt
Bṛhadaśva sprach: So nachdenkend, aufgrund mancherlei Gründe und Merkmale, trat der Brahmane Sudeva zur Bhaimī hin und sprach:

ahaṃ sudevo vaidarbhi bhrātus te dayitaḥ sakhā bhīmasya vacanād rājñas tvām anveṣṭum ihāgataḥ

„Ich bin Sudeva, o Vaidarbhī, der liebe Freund deines Bruders; auf Geheiß des Königs Bhīma bin ich hierher gekommen, um dich zu suchen.

Wort für Wort
ahaṃ sudevo vaidarbhi bhrātus te dayitaḥ sakhā bhīmasya vacanād rājñas tvām anveṣṭum ihāgataḥ
„Ich bin Sudeva, o Vaidarbhī, der liebe Freund deines Bruders; auf Geheiß des Königs Bhīma bin ich hierher gekommen, um dich zu suchen.

kuśalī te pitā rājñi janitrī bhrātaraś ca te āyuṣmantau kuśalinau tatrasthau dārakau ca te tvatkṛte bandhuvargāś ca gatasattvā ivāsate

Wohlauf ist dein Vater, o Königin, und deine Mutter, und deine Brüder; wohlauf und langlebig sind dort auch deine beiden Kinder. Deinetwegen aber leben deine Verwandtenschar wie kraftlos dahin.“

Wort für Wort
kuśalī te pitā rājñi janitrī bhrātaraś ca te āyuṣmantau kuśalinau tatrasthau dārakau ca te tvatkṛte bandhuvargāś ca gatasattvā ivāsate
Wohlauf ist dein Vater, o Königin, und deine Mutter, und deine Brüder; wohlauf und langlebig sind dort auch deine beiden Kinder. Deinetwegen aber leben deine Verwandtenschar wie kraftlos dahin.“

abhijñāya sudevaṃ tu damayantī yudhiṣṭhira paryapṛcchat tataḥ sarvān krameṇa suhṛdaḥ svakān

Als sie Sudeva erkannt hatte, o Yudhiṣṭhira, fragte Damayantī daraufhin der Reihe nach nach all ihren eigenen Angehörigen.

Wort für Wort
abhijñāya sudevaṃ tu damayantī yudhiṣṭhira paryapṛcchat tataḥ sarvān krameṇa suhṛdaḥ svakān
Als sie Sudeva erkannt hatte, o Yudhiṣṭhira, fragte Damayantī daraufhin der Reihe nach nach all ihren eigenen Angehörigen.

ruroda ca bhṛśaṃ rājan vaidarbhī śokakarśitā dṛṣṭvā sudevaṃ sahasā bhrātur iṣṭaṃ dvijottamam

Und die Vaidarbhī, von Kummer abgezehrt, weinte heftig, o König, als sie plötzlich Sudeva erblickte, den vortrefflichen Brahmanen, den Freund ihres Bruders.

Wort für Wort
ruroda ca bhṛśaṃ rājan vaidarbhī śokakarśitā dṛṣṭvā sudevaṃ sahasā bhrātur iṣṭaṃ dvijottamam
Und die Vaidarbhī, von Kummer abgezehrt, weinte heftig, o König, als sie plötzlich Sudeva erblickte, den vortrefflichen Brahmanen, den Freund ihres Bruders.

tato rudantīṃ tāṃ dṛṣṭvā sunandā śokakarśitām sudevena sahaikānte kathayantīṃ ca bhārata

Als Sunandā sie dann weinen sah, von Kummer abgezehrt, wie sie im Abseits mit Sudeva sprach, o Bhārata,

Wort für Wort
tato rudantīṃ tāṃ dṛṣṭvā sunandā śokakarśitām sudevena sahaikānte kathayantīṃ ca bhārata
Als Sunandā sie dann weinen sah, von Kummer abgezehrt, wie sie im Abseits mit Sudeva sprach, o Bhārata,

janitryai preṣayām āsa sairandhrī rudate bhṛśam brāhmaṇena samāgamya tāṃ veda yadi manyase

sandte sie zu ihrer Mutter die Nachricht: „Die Sairandhrī weint heftig, nachdem sie mit einem Brahmanen zusammengetroffen ist; erfahre, wer sie ist, wenn du es für gut hältst.“

Wort für Wort
janitryai preṣayām āsa sairandhrī rudate bhṛśam brāhmaṇena samāgamya tāṃ veda yadi manyase
sandte sie zu ihrer Mutter die Nachricht: „Die Sairandhrī weint heftig, nachdem sie mit einem Brahmanen zusammengetroffen ist; erfahre, wer sie ist, wenn du es für gut hältst.“

atha cedipater mātā rājñaś cāntaḥpurāt tadā jagāma yatra sā bālā brāhmaṇena sahābhavat

Da ging die Mutter des Cedi-Königs aus dem inneren Frauengemach dorthin, wo jenes Mädchen mit dem Brahmanen zusammen war.

Wort für Wort
atha cedipater mātā rājñaś cāntaḥpurāt tadā jagāma yatra sā bālā brāhmaṇena sahābhavat
Da ging die Mutter des Cedi-Königs aus dem inneren Frauengemach dorthin, wo jenes Mädchen mit dem Brahmanen zusammen war.

tataḥ sudevam ānāyya rājamātā viśāṃ pate papraccha bhāryā kasyeyaṃ sutā vā kasya bhāminī

Da ließ die Königinmutter, o Herr der Völker, Sudeva zu sich rufen und fragte: „Wessen Gattin ist diese Schöne, oder wessen Tochter?

Wort für Wort
tataḥ sudevam ānāyya rājamātā viśāṃ pate papraccha bhāryā kasyeyaṃ sutā vā kasya bhāminī
Da ließ die Königinmutter, o Herr der Völker, Sudeva zu sich rufen und fragte: „Wessen Gattin ist diese Schöne, oder wessen Tochter?

kathaṃ ca naṣṭā jñātibhyo bhartur vā vāmalocanā tvayā ca viditā vipra katham evaṃgatā satī

Und wie kam die Schönäugige ihren Angehörigen oder ihrem Gatten abhanden, und wie hast du sie erkannt, o Brahmane, sie, die tugendhaft in solche Lage geraten ist?

Wort für Wort
kathaṃ ca naṣṭā jñātibhyo bhartur vā vāmalocanā tvayā ca viditā vipra katham evaṃgatā satī
Und wie kam die Schönäugige ihren Angehörigen oder ihrem Gatten abhanden, und wie hast du sie erkannt, o Brahmane, sie, die tugendhaft in solche Lage geraten ist?

etad icchāmy ahaṃ tvatto jñātuṃ sarvam aśeṣataḥ tattvena hi mamācakṣva pṛcchantyā devarūpiṇīm

Dies alles möchte ich vollständig von dir erfahren; berichte mir doch der Wahrheit gemäß von dieser Göttergleichen, da ich frage.“

Wort für Wort
etad icchāmy ahaṃ tvatto jñātuṃ sarvam aśeṣataḥ tattvena hi mamācakṣva pṛcchantyā devarūpiṇīm
Dies alles möchte ich vollständig von dir erfahren; berichte mir doch der Wahrheit gemäß von dieser Göttergleichen, da ich frage.“

evam uktas tayā rājan sudevo dvijasattamaḥ sukhopaviṣṭa ācaṣṭa damayantyā yathātatham

So von ihr angesprochen, o König, erzählte der vortreffliche Brahmane Sudeva, bequem sitzend, wahrheitsgemäß von Damayantī.

Wort für Wort
evam uktas tayā rājan sudevo dvijasattamaḥ sukhopaviṣṭa ācaṣṭa damayantyā yathātatham
So von ihr angesprochen, o König, erzählte der vortreffliche Brahmane Sudeva, bequem sitzend, wahrheitsgemäß von Damayantī.

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