Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 5: Viduravanagamanam Dhṛtarāṣṭras Frage, Viduras Rat zur Versöhnung und sein Bruch mit dem König

Dhṛtarāṣṭra bittet den unparteiischen Vidura um Rat, wie er die Zuneigung des Volkes bewahren und zugleich seine Söhne schützen kann. Vidura rät eindringlich zur vollständigen Versöhnung mit den Pāṇḍavas und zur Wiederherstellung ihres Königreichs, warnt vor dem sonst gewissen Untergang der Kurus und erinnert an seine früheren, ungehörten Warnungen vor Duryodhanas Geburt. Dhṛtarāṣṭra weist den Rat zurück, kann seinen eigenen Sohn nicht zugunsten der Pāṇḍavas verstoßen und beleidigt Vidura mit einem kränkenden Vergleich. Daraufhin erklärt Vidura das Verhältnis für beendet und eilt zu den Pāṇḍavas.

vaiśaṃpāyana uvāca vanaṃ praviṣṭeṣv atha pāṇḍaveṣu; prajñācakṣus tapyamāno 'mbikeyaḥ dharmātmānaṃ viduram agādhabuddhiṃ; sukhāsīno vākyam uvāca rājā

Vaiśaṃpāyana sprach: Als die Pāṇḍavas in den Wald gezogen waren, sprach der Sohn der Ambikā [Dhṛtarāṣṭra], der mit den Augen der Weisheit sieht, von Kummer gequält, während er bequem saß, zu dem rechtschaffenen, unergründlich weisen Vidura dieses Wort:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca vanaṃ praviṣṭeṣv atha pāṇḍaveṣu; prajñācakṣus tapyamāno 'mbikeyaḥ dharmātmānaṃ viduram agādhabuddhiṃ; sukhāsīno vākyam uvāca rājā
Vaiśaṃpāyana sprach: Als die Pāṇḍavas in den Wald gezogen waren, sprach der Sohn der Ambikā [Dhṛtarāṣṭra], der mit den Augen der Weisheit sieht, von Kummer gequält, während er bequem saß, zu dem rechtschaffenen, unergründlich weisen Vidura dieses Wort:

prajñā ca te bhārgavasyeva śuddhā; dharmaṃ ca tvaṃ paramaṃ vettha sūkṣmam samaś ca tvaṃ saṃmataḥ kauravāṇāṃ; pathyaṃ caiṣāṃ mama caiva bravīhi

„Deine Weisheit ist rein wie die des Bhārgava [Śukra]; du kennst das höchste, feine Recht; du bist unparteiisch und wirst von den Kauravas geachtet - sage mir, was ihnen und mir zuträglich ist.

Wort für Wort
prajñā ca te bhārgavasyeva śuddhā; dharmaṃ ca tvaṃ paramaṃ vettha sūkṣmam samaś ca tvaṃ saṃmataḥ kauravāṇāṃ; pathyaṃ caiṣāṃ mama caiva bravīhi
„Deine Weisheit ist rein wie die des Bhārgava [Śukra]; du kennst das höchste, feine Recht; du bist unparteiisch und wirst von den Kauravas geachtet - sage mir, was ihnen und mir zuträglich ist.

evaṃ gate vidura yad adya kāryaṃ; paurāś ceme katham asmān bhajeran te cāpy asmān noddhareyuḥ samūlān; na kāmaye tāṃś ca vinaśyamānān

Da es nun so gekommen ist, o Vidura, was ist jetzt zu tun? Wie sollen diese Bürger uns anhängen und uns nicht mit Stumpf und Stiel vernichten? Ich wünsche nicht, dass jene [Pāṇḍavas] zugrunde gehen.“

Wort für Wort
evaṃ gate vidura yad adya kāryaṃ; paurāś ceme katham asmān bhajeran te cāpy asmān noddhareyuḥ samūlān; na kāmaye tāṃś ca vinaśyamānān
Da es nun so gekommen ist, o Vidura, was ist jetzt zu tun? Wie sollen diese Bürger uns anhängen und uns nicht mit Stumpf und Stiel vernichten? Ich wünsche nicht, dass jene [Pāṇḍavas] zugrunde gehen.“

vidura uvāca trivargo 'yaṃ dharmamūlo narendra; rājyaṃ cedaṃ dharmamūlaṃ vadanti dharme rājan vartamānaḥ svaśaktyā; putrān sarvān pāhi kuntīsutāṃś ca

Vidura sprach: „Diese Dreiheit [der Lebensziele] hat das Recht zur Wurzel, o Herrscher der Menschen; auch dieses Königreich, so sagt man, hat das Recht zur Wurzel. Verbleibe, o König, im Recht, so gut du vermagst, und beschütze alle deine Söhne wie auch die Söhne der Kuntī.

Wort für Wort
vidura uvāca trivargo 'yaṃ dharmamūlo narendra; rājyaṃ cedaṃ dharmamūlaṃ vadanti dharme rājan vartamānaḥ svaśaktyā; putrān sarvān pāhi kuntīsutāṃś ca
Vidura sprach: „Diese Dreiheit [der Lebensziele] hat das Recht zur Wurzel, o Herrscher der Menschen; auch dieses Königreich, so sagt man, hat das Recht zur Wurzel. Verbleibe, o König, im Recht, so gut du vermagst, und beschütze alle deine Söhne wie auch die Söhne der Kuntī.

sa vai dharmo vipraluptaḥ sabhāyāṃ; pāpātmabhiḥ saubaleyapradhānaiḥ āhūya kuntīsutam akṣavatyāṃ; parājaiṣīt satyasaṃdhaṃ sutas te

Eben dieses Recht wurde in der Versammlungshalle zerstört von den Bösgesinnten unter Führung des Sohnes des Subala [Śakuni]: Dein Sohn rief den seinem Wort treuen Sohn der Kuntī zum Würfelspiel und besiegte ihn.

Wort für Wort
sa vai dharmo vipraluptaḥ sabhāyāṃ; pāpātmabhiḥ saubaleyapradhānaiḥ āhūya kuntīsutam akṣavatyāṃ; parājaiṣīt satyasaṃdhaṃ sutas te
Eben dieses Recht wurde in der Versammlungshalle zerstört von den Bösgesinnten unter Führung des Sohnes des Subala [Śakuni]: Dein Sohn rief den seinem Wort treuen Sohn der Kuntī zum Würfelspiel und besiegte ihn.

etasya te duṣpraṇītasya rājañ; śeṣasyāhaṃ paripaśyāmy upāyam yathā putras tava kauravya pāpān; mukto loke pratitiṣṭheta sādhu

Für das, was von diesem schlecht Geführten übrigbleibt, o König, sehe ich ein Mittel: wie dein Sohn, o Kaurava, frei von Sünden, in der Welt in Ehren bestehen könnte.

Wort für Wort
etasya te duṣpraṇītasya rājañ; śeṣasyāhaṃ paripaśyāmy upāyam yathā putras tava kauravya pāpān; mukto loke pratitiṣṭheta sādhu
Für das, was von diesem schlecht Geführten übrigbleibt, o König, sehe ich ein Mittel: wie dein Sohn, o Kaurava, frei von Sünden, in der Welt in Ehren bestehen könnte.

tad vai sarvaṃ pāṇḍuputrā labhantāṃ; yat tad rājann atisṛṣṭaṃ tvayāsīt eṣa dharmaḥ paramo yat svakena; rājā tuṣyen na parasveṣu gṛdhyet

Alles das sollen die Söhne des Pāṇḍu zurückerhalten, was, o König, von dir vordem weggegeben worden war. Dies ist das höchste Recht: dass ein König sich mit dem Eigenen zufriedengibt und nicht nach fremdem Besitz giert.

Wort für Wort
tad vai sarvaṃ pāṇḍuputrā labhantāṃ; yat tad rājann atisṛṣṭaṃ tvayāsīt eṣa dharmaḥ paramo yat svakena; rājā tuṣyen na parasveṣu gṛdhyet
Alles das sollen die Söhne des Pāṇḍu zurückerhalten, was, o König, von dir vordem weggegeben worden war. Dies ist das höchste Recht: dass ein König sich mit dem Eigenen zufriedengibt und nicht nach fremdem Besitz giert.

etat kāryaṃ tava sarvapradhānaṃ; teṣāṃ tuṣṭiḥ śakuneś cāvamānaḥ evaṃ śeṣaṃ yadi putreṣu te syād; etad rājaṃs tvaramāṇaḥ kuruṣva

Dies ist deine vornehmste Aufgabe: ihre Zufriedenstellung und die Demütigung Śakunis. Wenn noch etwas Gutes in deinen Söhnen übrig sein sollte, o König, so tu dies eilends.

Wort für Wort
etat kāryaṃ tava sarvapradhānaṃ; teṣāṃ tuṣṭiḥ śakuneś cāvamānaḥ evaṃ śeṣaṃ yadi putreṣu te syād; etad rājaṃs tvaramāṇaḥ kuruṣva
Dies ist deine vornehmste Aufgabe: ihre Zufriedenstellung und die Demütigung Śakunis. Wenn noch etwas Gutes in deinen Söhnen übrig sein sollte, o König, so tu dies eilends.

athaitad evaṃ na karoṣi rājan; dhruvaṃ kurūṇāṃ bhavitā vināśaḥ na hi kruddho bhīmaseno 'rjuno vā; śeṣaṃ kuryāc chātravāṇām anīke

Tust du dies aber nicht, o König, so wird gewiss der Untergang der Kurus eintreten; denn weder der zornige Bhīmasena noch Arjuna werden von den Heerscharen der Feinde einen Rest übriglassen.

Wort für Wort
athaitad evaṃ na karoṣi rājan; dhruvaṃ kurūṇāṃ bhavitā vināśaḥ na hi kruddho bhīmaseno 'rjuno vā; śeṣaṃ kuryāc chātravāṇām anīke
Tust du dies aber nicht, o König, so wird gewiss der Untergang der Kurus eintreten; denn weder der zornige Bhīmasena noch Arjuna werden von den Heerscharen der Feinde einen Rest übriglassen.

yeṣāṃ yoddhā savyasācī kṛtāstro; dhanur yeṣāṃ gāṇḍivaṃ lokasāram yeṣāṃ bhīmo bāhuśālī ca yoddhā; teṣāṃ loke kiṃ nu na prāpyam asti

Wessen Kämpfer der Linkshändige [Arjuna] ist, geübt in den Waffen, wessen Bogen der Gāṇḍīva ist, die Zierde der Welt, wessen Kämpfer der armstarke Bhīma ist - was gäbe es für die in dieser Welt, das nicht zu erlangen wäre?

Wort für Wort
yeṣāṃ yoddhā savyasācī kṛtāstro; dhanur yeṣāṃ gāṇḍivaṃ lokasāram yeṣāṃ bhīmo bāhuśālī ca yoddhā; teṣāṃ loke kiṃ nu na prāpyam asti
Wessen Kämpfer der Linkshändige [Arjuna] ist, geübt in den Waffen, wessen Bogen der Gāṇḍīva ist, die Zierde der Welt, wessen Kämpfer der armstarke Bhīma ist - was gäbe es für die in dieser Welt, das nicht zu erlangen wäre?

uktaṃ pūrvaṃ jātamātre sute te; mayā yat te hitam āsīt tadānīm putraṃ tyajemam ahitaṃ kulasyety; etad rājan na ca tat tvaṃ cakartha idānīṃ te hitam uktaṃ na cet tvaṃ; kartāsi rājan paritaptāsi paścāt

Schon früher, als eben dein Sohn geboren war, habe ich dir gesagt, was damals heilsam für dich war: 'Verstoße diesen Sohn, der dem Geschlecht zum Unheil gereicht' - dies aber, o König, hast du nicht getan. Tust du jetzt nicht, was dir zum Heil gesagt wird, o König, so wirst du später Reue empfinden.

Wort für Wort
uktaṃ pūrvaṃ jātamātre sute te; mayā yat te hitam āsīt tadānīm putraṃ tyajemam ahitaṃ kulasyety; etad rājan na ca tat tvaṃ cakartha idānīṃ te hitam uktaṃ na cet tvaṃ; kartāsi rājan paritaptāsi paścāt
Schon früher, als eben dein Sohn geboren war, habe ich dir gesagt, was damals heilsam für dich war: 'Verstoße diesen Sohn, der dem Geschlecht zum Unheil gereicht' - dies aber, o König, hast du nicht getan. Tust du jetzt nicht, was dir zum Heil gesagt wird, o König, so wirst du später Reue empfinden.

yady etad evam anumantā sutas te; saṃprīyamāṇaḥ pāṇḍavair ekarājyam tāpo na te vai bhavitā prītiyogāt; tvaṃ cen na gṛhṇāsi sutaṃ sahāyaiḥ athāparo bhavati hi taṃ nigṛhya; pāṇḍoḥ putraṃ prakuruṣvādhipatye

Wenn dein Sohn dem zustimmt und sich mit den Pāṇḍavas über die eine Königsherrschaft freut, wird dir aus dieser Zuneigung kein Leid erwachsen. Nimmst du aber deinen Sohn samt seinen Helfershelfern nicht zurecht, so wird ein anderer ihn bezwingen - [dann] mache den Sohn des Pāṇḍu zum Herrscher.

Wort für Wort
yady etad evam anumantā sutas te; saṃprīyamāṇaḥ pāṇḍavair ekarājyam tāpo na te vai bhavitā prītiyogāt; tvaṃ cen na gṛhṇāsi sutaṃ sahāyaiḥ athāparo bhavati hi taṃ nigṛhya; pāṇḍoḥ putraṃ prakuruṣvādhipatye
Wenn dein Sohn dem zustimmt und sich mit den Pāṇḍavas über die eine Königsherrschaft freut, wird dir aus dieser Zuneigung kein Leid erwachsen. Nimmst du aber deinen Sohn samt seinen Helfershelfern nicht zurecht, so wird ein anderer ihn bezwingen - [dann] mache den Sohn des Pāṇḍu zum Herrscher.

[Anm.: Die genaue Konstruktion von „athāparo bhavati hi taṃ nigṛhya“ ist im Sanskrit knapp; gemeint ist wohl, dass ein Dritter Duryodhana andernfalls gewaltsam bezwingen wird.]

ajātaśatrur hi vimuktarāgo; dharmeṇemāṃ pṛthivīṃ śāstu rājan tato rājan pārthivāḥ sarva eva; vaiśyā ivāsmān upatiṣṭhantu sadyaḥ

Denn Ajātaśatru [Yudhiṣṭhira], frei von Leidenschaft, möge, o König, gemäß dem Recht diese Erde beherrschen; dann, o König, sollen alle Fürsten uns sofort dienen wie Untertanen.

Wort für Wort
ajātaśatrur hi vimuktarāgo; dharmeṇemāṃ pṛthivīṃ śāstu rājan tato rājan pārthivāḥ sarva eva; vaiśyā ivāsmān upatiṣṭhantu sadyaḥ
Denn Ajātaśatru [Yudhiṣṭhira], frei von Leidenschaft, möge, o König, gemäß dem Recht diese Erde beherrschen; dann, o König, sollen alle Fürsten uns sofort dienen wie Untertanen.

duryodhanaḥ śakuniḥ sūtaputraḥ; prītyā rājan pāṇḍuputrān bhajantām duḥśāsano yācatu bhīmasenaṃ; sabhāmadhye drupadasyātmajāṃ ca

Duryodhana, Śakuni und der Sohn des Wagenlenkers [Karṇa] sollen sich, o König, in Liebe den Söhnen des Pāṇḍu zuwenden; Duḥśāsana möge Bhīmasena um Verzeihung bitten, und ebenso wegen dessen, was er der Tochter des Drupada inmitten der Versammlungshalle angetan hat.

Wort für Wort
duryodhanaḥ śakuniḥ sūtaputraḥ; prītyā rājan pāṇḍuputrān bhajantām duḥśāsano yācatu bhīmasenaṃ; sabhāmadhye drupadasyātmajāṃ ca
Duryodhana, Śakuni und der Sohn des Wagenlenkers [Karṇa] sollen sich, o König, in Liebe den Söhnen des Pāṇḍu zuwenden; Duḥśāsana möge Bhīmasena um Verzeihung bitten, und ebenso wegen dessen, was er der Tochter des Drupada inmitten der Versammlungshalle angetan hat.

yudhiṣṭhiraṃ tvaṃ parisāntvayasva; rājye cainaṃ sthāpayasvābhipūjya tvayā pṛṣṭaḥ kim aham anyad vadeyam; etat kṛtvā kṛtakṛtyo 'si rājan

Du selbst besänftige Yudhiṣṭhira und setze ihn, ihn ehrend, in das Königreich ein. Von dir gefragt - was anderes sollte ich sagen? Tust du dies, so hast du, o König, dein Ziel erreicht.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhiraṃ tvaṃ parisāntvayasva; rājye cainaṃ sthāpayasvābhipūjya tvayā pṛṣṭaḥ kim aham anyad vadeyam; etat kṛtvā kṛtakṛtyo 'si rājan
Du selbst besänftige Yudhiṣṭhira und setze ihn, ihn ehrend, in das Königreich ein. Von dir gefragt - was anderes sollte ich sagen? Tust du dies, so hast du, o König, dein Ziel erreicht.“

dhṛtarāṣṭra uvāca etad vākyaṃ vidura yat te sabhāyām; iha proktaṃ pāṇḍavān prāpya māṃ ca hitaṃ teṣām ahitaṃ māmakānām; etat sarvaṃ mama nopaiti cetaḥ

Dhṛtarāṣṭra sprach: „Dieses Wort, o Vidura, das du hier in der Versammlung gesprochen hast, nachdem du zu den Pāṇḍavas und zu mir gekommen bist - dass all dies ihnen zum Heil, den Meinen aber zum Unheil gereiche - das alles geht mir nicht in den Sinn.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca etad vākyaṃ vidura yat te sabhāyām; iha proktaṃ pāṇḍavān prāpya māṃ ca hitaṃ teṣām ahitaṃ māmakānām; etat sarvaṃ mama nopaiti cetaḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Dieses Wort, o Vidura, das du hier in der Versammlung gesprochen hast, nachdem du zu den Pāṇḍavas und zu mir gekommen bist - dass all dies ihnen zum Heil, den Meinen aber zum Unheil gereiche - das alles geht mir nicht in den Sinn.

idaṃ tv idānīṃ kuta eva niścitaṃ; teṣām arthe pāṇḍavānāṃ yad āttha tenādya manye nāsi hito mameti; kathaṃ hi putraṃ pāṇḍavārthe tyajeyam

Woher kommt denn nun diese Gewissheit, mit der du zugunsten der Pāṇḍavas sprichst? Deswegen meine ich heute: Du bist mir nicht wohlgesinnt. Denn wie sollte ich meinen Sohn um der Pāṇḍavas willen preisgeben?

Wort für Wort
idaṃ tv idānīṃ kuta eva niścitaṃ; teṣām arthe pāṇḍavānāṃ yad āttha tenādya manye nāsi hito mameti; kathaṃ hi putraṃ pāṇḍavārthe tyajeyam
Woher kommt denn nun diese Gewissheit, mit der du zugunsten der Pāṇḍavas sprichst? Deswegen meine ich heute: Du bist mir nicht wohlgesinnt. Denn wie sollte ich meinen Sohn um der Pāṇḍavas willen preisgeben?

asaṃśayaṃ te 'pi mamaiva putrā; duryodhanas tu mama dehāt prasūtaḥ svaṃ vai dehaṃ parahetos tyajeti; ko nu brūyāt samatām anvavekṣan

Zweifellos sind auch sie [die Pāṇḍavas] meine Söhne; doch Duryodhana ist aus meinem eigenen Leib entsprossen. Wer würde, auf Gleichheit bedacht, sagen: 'Gib deinen eigenen Leib um eines anderen willen preis'?

Wort für Wort
asaṃśayaṃ te 'pi mamaiva putrā; duryodhanas tu mama dehāt prasūtaḥ svaṃ vai dehaṃ parahetos tyajeti; ko nu brūyāt samatām anvavekṣan
Zweifellos sind auch sie [die Pāṇḍavas] meine Söhne; doch Duryodhana ist aus meinem eigenen Leib entsprossen. Wer würde, auf Gleichheit bedacht, sagen: 'Gib deinen eigenen Leib um eines anderen willen preis'?

sa mā jihmaṃ vidura sarvaṃ bravīṣi; mānaṃ ca te 'ham adhikaṃ dhārayāmi yathecchakaṃ gaccha vā tiṣṭha vā tvaṃ; susāntvyamānāpy asatī strī jahāti

So sprichst du, Vidura, zu mir lauter Krummes; und doch erweise ich dir große Ehre. Geh oder bleibe, wie es dir beliebt - selbst eine untreue Frau verlässt einen doch, wie sehr man sie auch besänftigt.“

Wort für Wort
sa mā jihmaṃ vidura sarvaṃ bravīṣi; mānaṃ ca te 'ham adhikaṃ dhārayāmi yathecchakaṃ gaccha vā tiṣṭha vā tvaṃ; susāntvyamānāpy asatī strī jahāti
So sprichst du, Vidura, zu mir lauter Krummes; und doch erweise ich dir große Ehre. Geh oder bleibe, wie es dir beliebt - selbst eine untreue Frau verlässt einen doch, wie sehr man sie auch besänftigt.“

[Anm.: Dhṛtarāṣṭras Vergleich Viduras mit einer „untreuen Frau“ ist eine bewusst kränkende Beleidigung, die Viduras darauffolgenden Weggang auslöst.]

vaiśaṃpāyana uvāca etāvad uktvā dhṛtarāṣṭro 'nvapadyad; antarveśma sahasotthāya rājan nedam astīty atha viduro bhāṣamāṇaḥ; saṃprādravad yatra pārthā babhūvuḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er so viel gesagt hatte, begab sich Dhṛtarāṣṭra, plötzlich aufstehend, in die inneren Gemächer, o König; da eilte Vidura, sprechend: „Dies besteht nicht mehr“, dorthin, wo die Söhne der Pṛthā waren.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca etāvad uktvā dhṛtarāṣṭro 'nvapadyad; antarveśma sahasotthāya rājan nedam astīty atha viduro bhāṣamāṇaḥ; saṃprādravad yatra pārthā babhūvuḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er so viel gesagt hatte, begab sich Dhṛtarāṣṭra, plötzlich aufstehend, in die inneren Gemächer, o König; da eilte Vidura, sprechend: „Dies besteht nicht mehr“, dorthin, wo die Söhne der Pṛthā waren.

[Anm.: Vidura erklärt damit sein Dienstverhältnis zu Dhṛtarāṣṭra für beendet und begibt sich zu den Pāṇḍavas - eine Episode, die im weiteren Verlauf zu seiner vorübergehenden Trennung von Dhṛtarāṣṭras Hof führt.]

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