Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 225: Dhṛtarāṣṭravilāpaḥ Dhṛtarāṣṭras Klage

Auf Janamejayas Frage berichtet Vaiśaṃpāyana, wie ein wandernder Brahmane, der den Pāṇḍavas im Wald begegnet war, am Hof des Dhṛtarāṣṭra von deren entbehrungsreichem Leben und Draupadīs Leid erzählt. Tief erschüttert und von Mitgefühl ergriffen, hält Dhṛtarāṣṭra eine lange, von Selbstvorwürfen und Vorahnung durchzogene Klage: Er malt sich aus, wie die einst verwöhnten Pāṇḍavas nun hart auf dem Erdboden liegen, wie insbesondere Bhīmas und Arjunas unterdrückter Zorn (durch Yudhiṣṭhiras Pflichttreue gebändigt) unaufhaltsam wächst, und reflektiert in einer Kette gnomischer Sprichwörter über die Unausweichlichkeit der Reifung begangener Taten (Karma) - eine Vorausdeutung auf den kommenden Untergang seiner eigenen Söhne. Er erinnert an Arjunas Waffengang im Himmel Indras als Beleg für dessen wachsende Macht. Duryodhana und Śakuni, verstört über diese Rede, weihen Karṇa im Geheimen ein, der ebenfalls mutlos wird.

janamejaya uvāca evaṃ vane vartamānā narāgryāḥ śītoṣṇavātātapakarśitāṅgāḥ saras tad āsādya vanaṃ ca puṇyaṃ tataḥ paraṃ kim akurvanta pārthāḥ

Janamejaya sprach: „Als die vorzüglichsten Männer so im Wald weilten, an Gliedern abgezehrt von Kälte, Hitze, Wind und Sonnenglut, nachdem sie jenen See und den heiligen Wald erreicht hatten - was taten die Söhne Pṛthās daraufhin weiter?“

Wort für Wort
janamejaya uvāca evaṃ vane vartamānā narāgryāḥ śītoṣṇavātātapakarśitāṅgāḥ saras tad āsādya vanaṃ ca puṇyaṃ tataḥ paraṃ kim akurvanta pārthāḥ
Janamejaya sprach: „Als die vorzüglichsten Männer so im Wald weilten, an Gliedern abgezehrt von Kälte, Hitze, Wind und Sonnenglut, nachdem sie jenen See und den heiligen Wald erreicht hatten - was taten die Söhne Pṛthās daraufhin weiter?“

vaiśaṃpāyana uvāca saras tad āsādya tu pāṇḍuputrā janaṃ samutsṛjya vidhāya caiṣām vanāni ramyāṇy atha parvatāṃś ca nadīpradeśāṃś ca tadā viceruḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: „Nachdem die Söhne Pāṇḍus jenen See erreicht und für ihr Gefolge gesorgt und es entlassen hatten, durchstreiften sie da die lieblichen Wälder, die Berge und die Flussgegenden.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca saras tad āsādya tu pāṇḍuputrā janaṃ samutsṛjya vidhāya caiṣām vanāni ramyāṇy atha parvatāṃś ca nadīpradeśāṃś ca tadā viceruḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: „Nachdem die Söhne Pāṇḍus jenen See erreicht und für ihr Gefolge gesorgt und es entlassen hatten, durchstreiften sie da die lieblichen Wälder, die Berge und die Flussgegenden.

tathā vane tān vasataḥ pravīrān svādhyāyavantaś ca tapodhanāś ca abhyāyayur vedavidaḥ purāṇās tān pūjayām āsur atho narāgryāḥ

Während jene erlauchten Helden so im Wald weilten, kamen alte, dem Studium der heiligen Schriften und der Askese ergebene, Veda-kundige Männer zu ihnen; und diese vorzüglichsten Männer erwiesen ihnen Ehre.

Wort für Wort
tathā vane tān vasataḥ pravīrān svādhyāyavantaś ca tapodhanāś ca abhyāyayur vedavidaḥ purāṇās tān pūjayām āsur atho narāgryāḥ
Während jene erlauchten Helden so im Wald weilten, kamen alte, dem Studium der heiligen Schriften und der Askese ergebene, Veda-kundige Männer zu ihnen; und diese vorzüglichsten Männer erwiesen ihnen Ehre.

tataḥ kadā cit kuśalaḥ kathāsu vipro 'bhyagacchad bhuvi kauraveyān sa taiḥ sametyātha yadṛcchayaiva vaicitravīryaṃ nṛpam abhyagacchat

Da kam einst ein in Erzählungen bewanderter Brahmane auf Erden zu den Kauraveyas; nachdem er mit ihnen zusammengetroffen war, begab er sich hierauf, wie es der Zufall wollte, zu dem König, dem Sohn Vicitravīryas.

Wort für Wort
tataḥ kadā cit kuśalaḥ kathāsu vipro 'bhyagacchad bhuvi kauraveyān sa taiḥ sametyātha yadṛcchayaiva vaicitravīryaṃ nṛpam abhyagacchat
Da kam einst ein in Erzählungen bewanderter Brahmane auf Erden zu den Kauraveyas; nachdem er mit ihnen zusammengetroffen war, begab er sich hierauf, wie es der Zufall wollte, zu dem König, dem Sohn Vicitravīryas.

athopaviṣṭaḥ pratisatkṛtaś ca vṛddhena rājñā kurusattamena pracoditaḥ san kathayāṃ babhūva dharmānilendraprabhavān yamau ca

Nachdem er sich niedergesetzt und von dem greisen König, dem Besten der Kurus, geehrt worden war, begann er, dazu aufgefordert, von den aus Dharma, Vāyu und Indra Entsprossenen und von den Zwillingen zu erzählen,

Wort für Wort
athopaviṣṭaḥ pratisatkṛtaś ca vṛddhena rājñā kurusattamena pracoditaḥ san kathayāṃ babhūva dharmānilendraprabhavān yamau ca
Nachdem er sich niedergesetzt und von dem greisen König, dem Besten der Kurus, geehrt worden war, begann er, dazu aufgefordert, von den aus Dharma, Vāyu und Indra Entsprossenen und von den Zwillingen zu erzählen,

kṛśāṃś ca vātātapakarśitāṅgān duḥkhasya cograsya mukhe prapannān tāṃ cāpy anāthām iva vīranāthāṃ kṛṣṇāṃ parikleśaguṇena yuktām

von den an Gliedern abgezehrten, von Wind und Sonnenglut ausgemergelten, in den Rachen furchtbaren Leides Geratenen, und auch von jener Kṛṣṇā, die trotz ihrer heldenhaften Beschützer gleichsam beschützerlos war, von Mühsal gezeichnet.

Wort für Wort
kṛśāṃś ca vātātapakarśitāṅgān duḥkhasya cograsya mukhe prapannān tāṃ cāpy anāthām iva vīranāthāṃ kṛṣṇāṃ parikleśaguṇena yuktām
von den an Gliedern abgezehrten, von Wind und Sonnenglut ausgemergelten, in den Rachen furchtbaren Leides Geratenen, und auch von jener Kṛṣṇā, die trotz ihrer heldenhaften Beschützer gleichsam beschützerlos war, von Mühsal gezeichnet.

tataḥ kathāṃ tasya niśamya rājā vaicitravīryaḥ kṛpayābhitaptaḥ vane sthitān pārthivaputrapautrāñ śrutvā tadā duḥkhanadīṃ prapannān

Als er darauf dessen Erzählung vernommen hatte, wurde der König, der Sohn Vicitravīryas, von Mitleid ergriffen, da er von den im Wald weilenden Söhnen und Enkeln von Königen hörte, die in den Fluss des Leids geraten waren.

Wort für Wort
tataḥ kathāṃ tasya niśamya rājā vaicitravīryaḥ kṛpayābhitaptaḥ vane sthitān pārthivaputrapautrāñ śrutvā tadā duḥkhanadīṃ prapannān
Als er darauf dessen Erzählung vernommen hatte, wurde der König, der Sohn Vicitravīryas, von Mitleid ergriffen, da er von den im Wald weilenden Söhnen und Enkeln von Königen hörte, die in den Fluss des Leids geraten waren.

provāca dainyābhihatāntarātmā niḥśvāsabāṣpopahataḥ sa pārthān vācaṃ kathaṃ cit sthiratām upetya tat sarvam ātmaprabhavaṃ vicintya

Mit von Elend geschlagenem innerem Sinn, von Seufzern und Tränen überwältigt, sprach er über die Söhne Pṛthās, nachdem seine Stimme mit Mühe wieder Festigkeit erlangt hatte, indem er bedachte, dass all dies von ihm selbst ausgegangen war:

Wort für Wort
provāca dainyābhihatāntarātmā niḥśvāsabāṣpopahataḥ sa pārthān vācaṃ kathaṃ cit sthiratām upetya tat sarvam ātmaprabhavaṃ vicintya
Mit von Elend geschlagenem innerem Sinn, von Seufzern und Tränen überwältigt, sprach er über die Söhne Pṛthās, nachdem seine Stimme mit Mühe wieder Festigkeit erlangt hatte, indem er bedachte, dass all dies von ihm selbst ausgegangen war:

kathaṃ nu satyaḥ śucir āryavṛtto jyeṣṭhaḥ sutānāṃ mama dharmarājaḥ ajātaśatruḥ pṛthivītalasthaḥ śete purā rāṅkavakūṭaśāyī

‚Wie nur mag der Wahrhaftige, der Lautere, von edlem Wandel, gleichsam der Erstgeborene meiner Söhne, der Rechtskönig Ajātaśatru, jetzt auf dem Erdboden liegen, er, der einst auf einem mit Bockshaar gefüllten Lager schlief?

Wort für Wort
kathaṃ nu satyaḥ śucir āryavṛtto jyeṣṭhaḥ sutānāṃ mama dharmarājaḥ ajātaśatruḥ pṛthivītalasthaḥ śete purā rāṅkavakūṭaśāyī
‚Wie nur mag der Wahrhaftige, der Lautere, von edlem Wandel, gleichsam der Erstgeborene meiner Söhne, der Rechtskönig Ajātaśatru, jetzt auf dem Erdboden liegen, er, der einst auf einem mit Bockshaar gefüllten Lager schlief?

prabodhyate māgadhasūtapūgair nityaṃ stuvadbhiḥ svayam indrakalpaḥ patatrisaṃghaiḥ sa jaghanyarātre prabodhyate nūnam iḍātalasthaḥ

Er, der Indra Gleichende, der beständig von Scharen der Māgadhas und Sūtas mit Lobpreisungen geweckt wurde - wird er jetzt gewiss am Ende der Nacht von Vogelscharen geweckt, während er auf dem bloßen Erdboden liegt?

Wort für Wort
prabodhyate māgadhasūtapūgair nityaṃ stuvadbhiḥ svayam indrakalpaḥ patatrisaṃghaiḥ sa jaghanyarātre prabodhyate nūnam iḍātalasthaḥ
Er, der Indra Gleichende, der beständig von Scharen der Māgadhas und Sūtas mit Lobpreisungen geweckt wurde - wird er jetzt gewiss am Ende der Nacht von Vogelscharen geweckt, während er auf dem bloßen Erdboden liegt?

kathaṃ nu vātātapakarśitāṅgo vṛkodaraḥ kopapariplutāṅgaḥ śete pṛthivyām atathocitāṅgaḥ kṛṣṇāsamakṣaṃ vasudhātalasthaḥ

Wie nur mag Vṛkodara, an Gliedern von Wind und Sonnenglut ausgemergelt, an Gliedern von Zorn überflutet, jetzt auf der Erde liegen, er, dessen Glieder solches nicht gewohnt sind, auf dem bloßen Erdboden liegend, vor den Augen Kṛṣṇās?

Wort für Wort
kathaṃ nu vātātapakarśitāṅgo vṛkodaraḥ kopapariplutāṅgaḥ śete pṛthivyām atathocitāṅgaḥ kṛṣṇāsamakṣaṃ vasudhātalasthaḥ
Wie nur mag Vṛkodara, an Gliedern von Wind und Sonnenglut ausgemergelt, an Gliedern von Zorn überflutet, jetzt auf der Erde liegen, er, dessen Glieder solches nicht gewohnt sind, auf dem bloßen Erdboden liegend, vor den Augen Kṛṣṇās?

tathārjunaḥ sukumāro manasvī vaśe sthito dharmasutasya rājñaḥ vidūyamānair iva sarvagātrair dhruvaṃ na śete vasatīr amarṣāt

Ebenso Arjuna, der Zartgliedrige, der Hochgesinnte, der sich der Herrschaft des Königs, des Sohnes des Dharma, unterordnet - gewiss schläft er nicht in seinen Nachtlagern, gleichsam an allen Gliedern verbrennend vor Groll.

Wort für Wort
tathārjunaḥ sukumāro manasvī vaśe sthito dharmasutasya rājñaḥ vidūyamānair iva sarvagātrair dhruvaṃ na śete vasatīr amarṣāt
Ebenso Arjuna, der Zartgliedrige, der Hochgesinnte, der sich der Herrschaft des Königs, des Sohnes des Dharma, unterordnet - gewiss schläft er nicht in seinen Nachtlagern, gleichsam an allen Gliedern verbrennend vor Groll.

yamau ca kṛṣṇāṃ ca yudhiṣṭhiraṃ ca bhīmaṃ ca dṛṣṭvā sukhaviprayuktān viniḥśvasan sarpa ivogratejā dhruvaṃ na śete vasatīr amarṣāt

Wenn er die Zwillinge, Kṛṣṇā, Yudhiṣṭhira und Bhīma sieht, des Glücks beraubt, seufzt er gewiss, wie eine Schlange von furchtbarer Glut, und schläft gewiss nicht in seinen Nachtlagern vor Groll.

Wort für Wort
yamau ca kṛṣṇāṃ ca yudhiṣṭhiraṃ ca bhīmaṃ ca dṛṣṭvā sukhaviprayuktān viniḥśvasan sarpa ivogratejā dhruvaṃ na śete vasatīr amarṣāt
Wenn er die Zwillinge, Kṛṣṇā, Yudhiṣṭhira und Bhīma sieht, des Glücks beraubt, seufzt er gewiss, wie eine Schlange von furchtbarer Glut, und schläft gewiss nicht in seinen Nachtlagern vor Groll.

tathā yamau cāpy asukhau sukhārhau samṛddharūpāv amarau divīva prajāgarasthau dhruvam apraśāntau dharmeṇa satyena ca vāryamāṇau

Ebenso die beiden Zwillinge, glücklos, obwohl des Glücks würdig, von vollkommener Gestalt wie Unsterbliche im Himmel - beständig wach, gewiss unbefriedet, doch durch Pflicht und Wahrheit im Zaum gehalten.

Wort für Wort
tathā yamau cāpy asukhau sukhārhau samṛddharūpāv amarau divīva prajāgarasthau dhruvam apraśāntau dharmeṇa satyena ca vāryamāṇau
Ebenso die beiden Zwillinge, glücklos, obwohl des Glücks würdig, von vollkommener Gestalt wie Unsterbliche im Himmel - beständig wach, gewiss unbefriedet, doch durch Pflicht und Wahrheit im Zaum gehalten.

samīraṇenāpi samo balena samīraṇasyaiva suto balīyān sa dharmapāśena sitogratejā dhruvaṃ viniḥśvasya sahaty amarṣam

Und er, der an Kraft dem Windgott selbst gleicht, ja der Sohn des Windgottes selbst, der noch Kraftvollere - er, von grimmiger Glut, durch die Fessel der Pflicht gebunden, erträgt gewiss seufzend seinen Groll.

Wort für Wort
samīraṇenāpi samo balena samīraṇasyaiva suto balīyān sa dharmapāśena sitogratejā dhruvaṃ viniḥśvasya sahaty amarṣam
Und er, der an Kraft dem Windgott selbst gleicht, ja der Sohn des Windgottes selbst, der noch Kraftvollere - er, von grimmiger Glut, durch die Fessel der Pflicht gebunden, erträgt gewiss seufzend seinen Groll.

sa cāpi bhūmau parivartamāno vadhaṃ sutānāṃ mama kāṅkṣamāṇaḥ satyena dharmeṇa ca vāryamāṇaḥ kālaṃ pratīkṣaty adhiko raṇe 'nyaiḥ

Und er, sich auf dem Boden wälzend, den Tod meiner Söhne herbeisehnend, doch durch Wahrheit und Pflicht zurückgehalten, wartet, der im Kampf allen anderen Überlegene, auf die rechte Zeit.

Wort für Wort
sa cāpi bhūmau parivartamāno vadhaṃ sutānāṃ mama kāṅkṣamāṇaḥ satyena dharmeṇa ca vāryamāṇaḥ kālaṃ pratīkṣaty adhiko raṇe 'nyaiḥ
Und er, sich auf dem Boden wälzend, den Tod meiner Söhne herbeisehnend, doch durch Wahrheit und Pflicht zurückgehalten, wartet, der im Kampf allen anderen Überlegene, auf die rechte Zeit.

ajātaśatrau tu jite nikṛtyā duḥśāsano yat paruṣāṇy avocat tāni praviṣṭāni vṛkodarāṅgaṃ dahanti marmāgnir ivendhanāni

Denn als Ajātaśatru durch Betrug besiegt worden war, was Duḥśāsana da an harten Worten sprach - jene Worte, in Vṛkodaras Leib eingedrungen, verbrennen ihn, wie ein in die empfindlichsten Stellen eingedrungenes Feuer das Brennholz verzehrt.

Wort für Wort
ajātaśatrau tu jite nikṛtyā duḥśāsano yat paruṣāṇy avocat tāni praviṣṭāni vṛkodarāṅgaṃ dahanti marmāgnir ivendhanāni
Denn als Ajātaśatru durch Betrug besiegt worden war, was Duḥśāsana da an harten Worten sprach - jene Worte, in Vṛkodaras Leib eingedrungen, verbrennen ihn, wie ein in die empfindlichsten Stellen eingedrungenes Feuer das Brennholz verzehrt.

na pāpakaṃ dhyāsyati dharmaputro dhanaṃjayaś cāpy anuvartate tam araṇyavāsena vivardhate tu bhīmasya kopo 'gnir ivānilena

Der Sohn des Dharma wird nichts Böses ersinnen, und auch Dhanaṃjaya folgt ihm darin; doch durch das Waldleben wächst Bhīmas Zorn, wie ein Feuer durch den Wind.

Wort für Wort
na pāpakaṃ dhyāsyati dharmaputro dhanaṃjayaś cāpy anuvartate tam araṇyavāsena vivardhate tu bhīmasya kopo 'gnir ivānilena
Der Sohn des Dharma wird nichts Böses ersinnen, und auch Dhanaṃjaya folgt ihm darin; doch durch das Waldleben wächst Bhīmas Zorn, wie ein Feuer durch den Wind.

sa tena kopena vidīryamāṇaḥ karaṃ kareṇābhinipīḍya vīraḥ viniḥśvasaty uṣṇam atīva ghoraṃ dahann ivemān mama putrapautrān

Er, von jenem Zorn zerrissen, presst, der Held, Hand gegen Hand und seufzt heiß, überaus furchtbar, gleichsam meine Söhne und Enkel verbrennend.

Wort für Wort
sa tena kopena vidīryamāṇaḥ karaṃ kareṇābhinipīḍya vīraḥ viniḥśvasaty uṣṇam atīva ghoraṃ dahann ivemān mama putrapautrān
Er, von jenem Zorn zerrissen, presst, der Held, Hand gegen Hand und seufzt heiß, überaus furchtbar, gleichsam meine Söhne und Enkel verbrennend.

gāṇḍīvadhanvā ca vṛkodaraś ca saṃrambhiṇāv antakakālakalpau na śeṣayetāṃ yudhi śatrusenāṃ śarān kirantāv aśaniprakāśān

Der Gāṇḍīva-Bogenträger und Vṛkodara, beide voll Ungestüm, dem Ende der Zeit gleich - sie würden im Kampf kein Feindesheer übriglassen, wenn sie Pfeile verschössen, dem Blitz gleich strahlend.

Wort für Wort
gāṇḍīvadhanvā ca vṛkodaraś ca saṃrambhiṇāv antakakālakalpau na śeṣayetāṃ yudhi śatrusenāṃ śarān kirantāv aśaniprakāśān
Der Gāṇḍīva-Bogenträger und Vṛkodara, beide voll Ungestüm, dem Ende der Zeit gleich - sie würden im Kampf kein Feindesheer übriglassen, wenn sie Pfeile verschössen, dem Blitz gleich strahlend.

duryodhanaḥ śakuniḥ sūtaputro duḥśāsanaś cāpi sumandacetāḥ madhu prapaśyanti na tu prapātaṃ vṛkodaraṃ caiva dhanaṃjayaṃ ca

Duryodhana, Śakuni, der Sohn des Wagenlenkers, und Duḥśāsana, dazu von überaus trägem Verstand - sie sehen den Honig, nicht aber den Abgrund, nämlich Vṛkodara und Dhanaṃjaya.

Wort für Wort
duryodhanaḥ śakuniḥ sūtaputro duḥśāsanaś cāpi sumandacetāḥ madhu prapaśyanti na tu prapātaṃ vṛkodaraṃ caiva dhanaṃjayaṃ ca
Duryodhana, Śakuni, der Sohn des Wagenlenkers, und Duḥśāsana, dazu von überaus trägem Verstand - sie sehen den Honig, nicht aber den Abgrund, nämlich Vṛkodara und Dhanaṃjaya.

śubhāśubhaṃ puruṣaḥ karma kṛtvā pratīkṣate tasya phalaṃ sma kartā sa tena yujyaty avaśaḥ phalena mokṣaḥ kathaṃ syāt puruṣasya tasmāt

Ein Mensch, der eine gute oder schlechte Tat vollbracht hat, der Handelnde, erwartet fürwahr deren Frucht; er wird, ohnmächtig, mit jener Frucht verbunden - wie könnte ein Mensch sich davon befreien?

Wort für Wort
śubhāśubhaṃ puruṣaḥ karma kṛtvā pratīkṣate tasya phalaṃ sma kartā sa tena yujyaty avaśaḥ phalena mokṣaḥ kathaṃ syāt puruṣasya tasmāt
Ein Mensch, der eine gute oder schlechte Tat vollbracht hat, der Handelnde, erwartet fürwahr deren Frucht; er wird, ohnmächtig, mit jener Frucht verbunden - wie könnte ein Mensch sich davon befreien?

kṣetre sukṛṣṭe hy upite ca bīje deve ca varṣaty ṛtukālayuktam na syāt phalaṃ tasya kutaḥ prasiddhir anyatra daivād iti cintayāmi

Wenn das Feld gut gepflügt und die Saat ausgebracht ist und der Regengott zur rechten Jahreszeit regnet, sollte dessen Frucht nicht ausbleiben - woher käme sonst ihr Gedeihen, außer durch das Schicksal? So denke ich.

Wort für Wort
kṣetre sukṛṣṭe hy upite ca bīje deve ca varṣaty ṛtukālayuktam na syāt phalaṃ tasya kutaḥ prasiddhir anyatra daivād iti cintayāmi
Wenn das Feld gut gepflügt und die Saat ausgebracht ist und der Regengott zur rechten Jahreszeit regnet, sollte dessen Frucht nicht ausbleiben - woher käme sonst ihr Gedeihen, außer durch das Schicksal? So denke ich.

kṛtaṃ matākṣeṇa yathā na sādhu sādhupravṛttena ca pāṇḍavena mayā ca duṣputravaśānugena yathā kurūṇām ayam antakālaḥ

Wie das von meinem Würfelspieler [Śakuni] Getane nicht rechtschaffen war, während der Pāṇḍava rechtschaffen handelte, und wie ich selbst, meinen bösen Söhnen gefolgt bin - so ist eben dies das Ende der Zeit der Kurus. [?]

Wort für Wort
kṛtaṃ matākṣeṇa yathā na sādhu sādhupravṛttena ca pāṇḍavena mayā ca duṣputravaśānugena yathā kurūṇām ayam antakālaḥ
Wie das von meinem Würfelspieler [Śakuni] Getane nicht rechtschaffen war, während der Pāṇḍava rechtschaffen handelte, und wie ich selbst, meinen bösen Söhnen gefolgt bin - so ist eben dies das Ende der Zeit der Kurus. [?]

Der Vers ist im Sanskrit stark elliptisch; die genaue syntaktische Verknüpfung der drei Satzglieder (Śakunis Tat, des Pāṇḍava Rechtschaffenheit, Dhṛtarāṣṭras eigenes Nachgeben) bleibt unsicher. Die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung als resignierte Selbstanklage.

dhruvaṃ pravāsyaty asamīrito 'pi dhruvaṃ prajāsyaty uta garbhiṇī yā dhruvaṃ dinādau rajanīpraṇāśas tathā kṣapādau ca dinapraṇāśaḥ

Gewiss wird auch der unbewegte Wind zu wehen beginnen, gewiss wird die Schwangere gebären; gewiss ist bei Tagesanbruch das Ende der Nacht, ebenso bei Nachtanbruch das Ende des Tages. [?]

Wort für Wort
dhruvaṃ pravāsyaty asamīrito 'pi dhruvaṃ prajāsyaty uta garbhiṇī yā dhruvaṃ dinādau rajanīpraṇāśas tathā kṣapādau ca dinapraṇāśaḥ
Gewiss wird auch der unbewegte Wind zu wehen beginnen, gewiss wird die Schwangere gebären; gewiss ist bei Tagesanbruch das Ende der Nacht, ebenso bei Nachtanbruch das Ende des Tages. [?]

Eine Reihe gnomischer Sprichwörter über die Unausweichlichkeit natürlicher Abläufe, die als Gleichnis für die ebenso unausweichliche Reifung früherer Taten (Karma) dient; der genaue Bezug des ersten Sprichworts (‚auch der unbewegte Wind‘) bleibt im knappen Text unsicher.

kriyeta kasmān na pare ca kuryur vittaṃ na dadyuḥ puruṣāḥ kathaṃ cit prāpyārthakālaṃ ca bhaved anarthaḥ kathaṃ nu tat syād iti tat kutaḥ syāt

Warum sollte es nicht getan werden, und warum sollten es nicht auch andere tun? Wie sollten Menschen keinerlei Reichtum spenden? Und wie könnte, wenn die Zeit des Erfolgs erreicht ist, dennoch Unheil eintreten - wie nur könnte dies sein, woher sollte das kommen? [?]

Wort für Wort
kriyeta kasmān na pare ca kuryur vittaṃ na dadyuḥ puruṣāḥ kathaṃ cit prāpyārthakālaṃ ca bhaved anarthaḥ kathaṃ nu tat syād iti tat kutaḥ syāt
Warum sollte es nicht getan werden, und warum sollten es nicht auch andere tun? Wie sollten Menschen keinerlei Reichtum spenden? Und wie könnte, wenn die Zeit des Erfolgs erreicht ist, dennoch Unheil eintreten - wie nur könnte dies sein, woher sollte das kommen? [?]

Eine weitere Kette gnomischer, im Sanskrit sehr knapp formulierter Fragen zur Unausweichlichkeit von Handlung und Folge; die Übersetzung bewahrt die rätselhafte, aphoristische Form des Originals.

kathaṃ na bhidyeta na ca sraveta na ca prasicyed iti rakṣitavyam arakṣyamāṇaḥ śatadhā viśīryed dhruvaṃ na nāśo 'sti kṛtasya loke

Wie es nicht zerbrechen, nicht auslaufen und nicht überfließen möge - so muss es bewahrt werden; unbewahrt zerfiele es hundertfach. Gewiss gibt es in der Welt keinen Untergang für das einmal Getane.

Wort für Wort
kathaṃ na bhidyeta na ca sraveta na ca prasicyed iti rakṣitavyam arakṣyamāṇaḥ śatadhā viśīryed dhruvaṃ na nāśo 'sti kṛtasya loke
Wie es nicht zerbrechen, nicht auslaufen und nicht überfließen möge - so muss es bewahrt werden; unbewahrt zerfiele es hundertfach. Gewiss gibt es in der Welt keinen Untergang für das einmal Getane.

gato hy araṇyād api śakralokaṃ dhanaṃjayaḥ paśyata vīryam asya astrāṇi divyāni caturvidhāni jñātvā punar lokam imaṃ prapannaḥ

Denn selbst aus dem Wald gelangte Dhanaṃjaya zur Welt Śakras - seht seine Tapferkeit! Nachdem er die vierfachen göttlichen Waffen erlangt hatte, kehrte er wieder in diese Welt zurück.

Wort für Wort
gato hy araṇyād api śakralokaṃ dhanaṃjayaḥ paśyata vīryam asya astrāṇi divyāni caturvidhāni jñātvā punar lokam imaṃ prapannaḥ
Denn selbst aus dem Wald gelangte Dhanaṃjaya zur Welt Śakras - seht seine Tapferkeit! Nachdem er die vierfachen göttlichen Waffen erlangt hatte, kehrte er wieder in diese Welt zurück.

svargaṃ hi gatvā saśarīra eva ko mānuṣaḥ punar āgantum icchet anyatra kālopahatān anekān samīkṣamāṇas tu kurūn mumūrṣūn

Denn welcher Mensch, der noch im eigenen Körper zum Himmel gelangt ist, wünschte sich wieder zurückzukehren - außer einer, der die vielen vom Schicksal Getroffenen, die todgeweihten Kurus, vor Augen hat?

Wort für Wort
svargaṃ hi gatvā saśarīra eva ko mānuṣaḥ punar āgantum icchet anyatra kālopahatān anekān samīkṣamāṇas tu kurūn mumūrṣūn
Denn welcher Mensch, der noch im eigenen Körper zum Himmel gelangt ist, wünschte sich wieder zurückzukehren - außer einer, der die vielen vom Schicksal Getroffenen, die todgeweihten Kurus, vor Augen hat?

dhanurgrāhaś cārjunaḥ savyasācī dhanuś ca tad gāṇḍivaṃ lokasāram astrāṇi divyāni ca tāni tasya trayasya tejaḥ prasaheta ko nu

Und Arjuna, der Bogenträger, der Beidhändige, und jener Bogen Gāṇḍīva, das Vorzüglichste der Welt, und jene seine göttlichen Waffen - wer nur könnte der Glut dieser drei standhalten?‘

Wort für Wort
dhanurgrāhaś cārjunaḥ savyasācī dhanuś ca tad gāṇḍivaṃ lokasāram astrāṇi divyāni ca tāni tasya trayasya tejaḥ prasaheta ko nu
Und Arjuna, der Bogenträger, der Beidhändige, und jener Bogen Gāṇḍīva, das Vorzüglichste der Welt, und jene seine göttlichen Waffen - wer nur könnte der Glut dieser drei standhalten?‘

niśamya tad vacanaṃ pārthivasya duryodhano rahite saubalaś ca abodhayat karṇam upetya sarvaṃ sa cāpy ahṛṣṭo 'bhavad alpacetāḥ

Nachdem er jene Worte des Königs vernommen hatte, teilte Duryodhana zusammen mit dem Sohn Subalas im Geheimen alles Karṇa mit, der zu ihnen gekommen war; und auch dieser wurde, kleinmütig, missgestimmt.“

Wort für Wort
niśamya tad vacanaṃ pārthivasya duryodhano rahite saubalaś ca abodhayat karṇam upetya sarvaṃ sa cāpy ahṛṣṭo 'bhavad alpacetāḥ
Nachdem er jene Worte des Königs vernommen hatte, teilte Duryodhana zusammen mit dem Sohn Subalas im Geheimen alles Karṇa mit, der zu ihnen gekommen war; und auch dieser wurde, kleinmütig, missgestimmt.“

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