Kapitel 246: Mudgalopākhyānam
Die Erzählung von Mudgala
Vyāsa erzählt die berühmte Geschichte des Weisen Mudgala, der von Ährenlese lebte und trotz äußerster Armut sechsmal seine gesamte, mühsam erworbene Speise dem grob auftretenden, verkleidet als Wahnsinniger erscheinenden Durvāsas gab, ohne je Zorn, Neid oder Verwirrung zu zeigen. Beeindruckt von dieser makellosen Freigebigkeit offenbart sich Durvāsas als Prüfer und lobt Mudgalas Tugend überschwänglich; ein Götterbote erscheint sodann mit einem himmlischen Flugwagen, um ihn leibhaftig in den Himmel zu holen. Mudgala aber bittet zunächst um genauere Auskunft über die Eigenschaften, Freuden und Mängel des Himmels, bevor er sich entscheidet - Vyāsas Antwort auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem größeren Verdienst zwischen Geben und Askese setzt sich damit in Form dieser Lehrerzählung fort.
yudhiṣṭhira uvāca vrīhidroṇaḥ parityaktaḥ kathaṃ tena mahātmanā kasmai dattaś ca bhagavan vidhinā kena cāttha me
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie wurde die Droṇa-Maß Reiskörner von jenem Hochherzigen hingegeben, wem wurde sie gegeben, und nach welcher Vorschrift, Erhabener - das sage mir.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca vrīhidroṇaḥ parityaktaḥ kathaṃ tena mahātmanā kasmai dattaś ca bhagavan vidhinā kena cāttha me
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie wurde die Droṇa-Maß Reiskörner von jenem Hochherzigen hingegeben, wem wurde sie gegeben, und nach welcher Vorschrift, Erhabener - das sage mir.
Wessen Taten den Erhabenen, dessen Wesen unmittelbar sichtbar ist, zufriedenstellten - dessen Geburt halte ich für fruchtbringend, ihn, der den wahren Dharma übt.“
Wessen Taten den Erhabenen, dessen Wesen unmittelbar sichtbar ist, zufriedenstellten - dessen Geburt halte ich für fruchtbringend, ihn, der den wahren Dharma übt.“
Vyāsa sprach: „Es lebte, o König, in Kurukṣetra ein rechtschaffener, von scharfem Gelübde erfüllter Weiser namens Mudgala, der von Ährenlese lebte, wahrhaftig redend und neidlos.
Vyāsa sprach: „Es lebte, o König, in Kurukṣetra ein rechtschaffener, von scharfem Gelübde erfüllter Weiser namens Mudgala, der von Ährenlese lebte, wahrhaftig redend und neidlos.
saputradāro hi muniḥ pakṣāhāro babhūva saḥ kapotavṛttyā pakṣeṇa vrīhidroṇam upārjayat
Denn der Weise, samt Sohn und Gattin, nahm nur alle zwei Wochen Nahrung zu sich; nach Taubenart erwarb er sich innerhalb von zwei Wochen eine Droṇa-Maß Reiskörner.
Wort für Wort
saputradāro hi muniḥ pakṣāhāro babhūva saḥ kapotavṛttyā pakṣeṇa vrīhidroṇam upārjayat
Denn der Weise, samt Sohn und Gattin, nahm nur alle zwei Wochen Nahrung zu sich; nach Taubenart erwarb er sich innerhalb von zwei Wochen eine Droṇa-Maß Reiskörner.
darśaṃ ca paurṇamāsaṃ ca kurvan vigatamatsaraḥ devatātithiśeṣeṇa kurute dehayāpanam
Indem er das Neumond- und das Vollmondopfer verrichtete, frei von Neid, erhielt er seinen Körper am Leben mit dem Rest, der nach den Göttern und Gästen übrigblieb.
Wort für Wort
darśaṃ ca paurṇamāsaṃ ca kurvan vigatamatsaraḥ devatātithiśeṣeṇa kurute dehayāpanam
Indem er das Neumond- und das Vollmondopfer verrichtete, frei von Neid, erhielt er seinen Körper am Leben mit dem Rest, der nach den Göttern und Gästen übrigblieb.
taṃ tu śuśrāva dharmiṣṭhaṃ mudgalaṃ saṃśitavratam durvāsā nṛpa digvāsās tam athābhyājagāma ha
Von jenem rechtschaffenen, in seinem Gelübde gefestigten Mudgala hörte aber Durvāsas, o König, der in die Himmelsrichtungen Gekleidete, und kam da zu ihm.
Wort für Wort
taṃ tu śuśrāva dharmiṣṭhaṃ mudgalaṃ saṃśitavratam durvāsā nṛpa digvāsās tam athābhyājagāma ha
Von jenem rechtschaffenen, in seinem Gelübde gefestigten Mudgala hörte aber Durvāsas, o König, der in die Himmelsrichtungen Gekleidete, und kam da zu ihm.
svāgataṃ te 'stv iti muniṃ mudgalaḥ pratyabhāṣata pādyam ācamanīyaṃ ca prativedyānnam uttamam
‚Willkommen sei dir!‘ - so erwiderte Mudgala dem Weisen, und nachdem er ihm Wasser für die Füße und zum Mundspülen gereicht hatte, bot er ihm vortreffliche Speise an.
Wort für Wort
svāgataṃ te 'stv iti muniṃ mudgalaḥ pratyabhāṣata pādyam ācamanīyaṃ ca prativedyānnam uttamam
‚Willkommen sei dir!‘ - so erwiderte Mudgala dem Weisen, und nachdem er ihm Wasser für die Füße und zum Mundspülen gereicht hatte, bot er ihm vortreffliche Speise an.
kṣud dharmasaṃjñāṃ praṇudaty ādatte dhairyam eva ca viṣayānusāriṇī jihvā karṣaty eva rasān prati
Hunger vertreibt das Bewusstsein der Pflicht und nimmt sogar die Standhaftigkeit; die den Sinnesobjekten nachjagende Zunge zieht immer wieder zu den Geschmäckern hin.
Wort für Wort
kṣud dharmasaṃjñāṃ praṇudaty ādatte dhairyam eva ca viṣayānusāriṇī jihvā karṣaty eva rasān prati
Hunger vertreibt das Bewusstsein der Pflicht und nimmt sogar die Standhaftigkeit; die den Sinnesobjekten nachjagende Zunge zieht immer wieder zu den Geschmäckern hin.
Die Lebenskräfte entstehen aus der Nahrung; der Geist ist schwer zu zügeln und unstet; die Einspitzigkeit von Geist und Sinnen gilt als die eigentliche Askese.
Die Lebenskräfte entstehen aus der Nahrung; der Geist ist schwer zu zügeln und unstet; die Einspitzigkeit von Geist und Sinnen gilt als die eigentliche Askese.
prītāḥ smo 'nugṛhītāś ca sametya bhavatā saha indriyābhijayo dhairyaṃ saṃvibhāgo damaḥ śamaḥ
Erfreut und begnadet sind wir, mit dir zusammengetroffen zu sein; die Bezwingung der Sinne, Standhaftigkeit, das Teilen, Selbstbeherrschung, innerer Friede,
Wort für Wort
prītāḥ smo 'nugṛhītāś ca sametya bhavatā saha indriyābhijayo dhairyaṃ saṃvibhāgo damaḥ śamaḥ
Erfreut und begnadet sind wir, mit dir zusammengetroffen zu sein; die Bezwingung der Sinne, Standhaftigkeit, das Teilen, Selbstbeherrschung, innerer Friede,
dayā satyaṃ ca dharmaś ca tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam jitās te karmabhir lokāḥ prāpto 'si paramāṃ gatim
Mitleid, Wahrhaftigkeit und Rechtschaffenheit - all dies ist in dir gegründet; durch deine Taten hast du die Welten erobert, du hast das höchste Ziel erlangt.
Wort für Wort
dayā satyaṃ ca dharmaś ca tvayi sarvaṃ pratiṣṭhitam jitās te karmabhir lokāḥ prāpto 'si paramāṃ gatim
Mitleid, Wahrhaftigkeit und Rechtschaffenheit - all dies ist in dir gegründet; durch deine Taten hast du die Welten erobert, du hast das höchste Ziel erlangt.
Ach, dein Geben ist von den Himmelsbewohnern als überaus groß verkündet worden; du wirst, mit deinem eigenen Körper, in den Himmel eingehen, du von rechtschaffenem Gelübde.‘
Ach, dein Geben ist von den Himmelsbewohnern als überaus groß verkündet worden; du wirst, mit deinem eigenen Körper, in den Himmel eingehen, du von rechtschaffenem Gelübde.‘
mit Schwänen und Kranichen bespannt, mit einem Netz von Glöckchen geschmückt, nach Belieben fliegend, wunderbar gestaltet, und ebenso von himmlischem Duft erfüllt.
mit Schwänen und Kranichen bespannt, mit einem Netz von Glöckchen geschmückt, nach Belieben fliegend, wunderbar gestaltet, und ebenso von himmlischem Duft erfüllt.
ke guṇās tatra vasatāṃ kiṃ tapaḥ kaś ca niścayaḥ svarge svargasukhaṃ kiṃ ca doṣo vā devadūtaka
Welche Eigenschaften haben die dort Wohnenden, welche Askese, welche Gewissheit gibt es im Himmel, was ist des Himmels Glück, und was sein Makel, Götterbote?
Wort für Wort
ke guṇās tatra vasatāṃ kiṃ tapaḥ kaś ca niścayaḥ svarge svargasukhaṃ kiṃ ca doṣo vā devadūtaka
Welche Eigenschaften haben die dort Wohnenden, welche Askese, welche Gewissheit gibt es im Himmel, was ist des Himmels Glück, und was sein Makel, Götterbote?
Die Rechtschaffenen, den edlen Geschlechtern Entstammenden, nennen den, mit dem man sieben Schritte gemeinsam gegangen ist, einen Freund; und in den Vordergrund unserer Freundschaft stellend, frage ich dich, o Mächtiger.
Die Rechtschaffenen, den edlen Geschlechtern Entstammenden, nennen den, mit dem man sieben Schritte gemeinsam gegangen ist, einen Freund; und in den Vordergrund unserer Freundschaft stellend, frage ich dich, o Mächtiger.