Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 297: Yakṣapraśnāḥ Die Fragen des Yakṣa

Yudhiṣṭhira findet seine vier Brüder tot am Teich und erkennt an ihren unversehrten, heiteren Gesichtern, dass keine gewöhnliche Waffe sie getötet haben kann. Als er selbst ins Wasser steigen will, warnt ihn eine Stimme - der Yakṣa, dem der Teich gehört und der bereits die anderen vier, die seine Warnung missachtet hatten, getötet hat. Es folgt der berühmte Dialog: Der Yakṣa stellt Yudhiṣṭhira eine lange Reihe von Rätselfragen zu Kosmos, Ritual, Dharma und Lebensweisheit (u.a. was schwerer als die Erde, schneller als der Wind, zahlreicher als die Menschen sei; was den wahren Menschen und den 'an allem Reichtum reichen' Mann ausmache), die Yudhiṣṭhira allesamt treffend beantwortet. Zum Lohn darf er einen seiner toten Brüder wieder zum Leben erwecken; er wählt - zur Überraschung des Yakṣa, der eher Bhīma oder Arjuna erwartet hätte - den Halbbruder Nakula, mit der Begründung, dass Mitgefühl (ānṛśaṃsya) sein höchstes Prinzip sei und er zwischen den Söhnen Kuntīs und Mādrīs keinen Unterschied mache. Von dieser Antwort tief bewegt, gewährt der Yakṣa daraufhin allen vier Brüdern das Leben zurück.

vaiśaṃpāyana uvāca sa dadarśa hatān bhrātṝṃl lokapālān iva cyutān yugānte samanuprāpte śakrapratimagauravān

Er erblickte seine toten Brüder, wie vom Himmel gestürzte Weltenhüter, wenn ein Weltzeitalter sein Ende erreicht hat, an Würde Śakra gleichend.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sa dadarśa hatān bhrātṝṃl lokapālān iva cyutān yugānte samanuprāpte śakrapratimagauravān
Er erblickte seine toten Brüder, wie vom Himmel gestürzte Weltenhüter, wenn ein Weltzeitalter sein Ende erreicht hat, an Würde Śakra gleichend.

viprakīrṇadhanurbāṇaṃ dṛṣṭvā nihatam arjunam bhīmasenaṃ yamau cobhau nirviceṣṭān gatāyuṣaḥ

Er sah den erschlagenen Arjuna, dessen Bogen und Pfeile umherverstreut lagen, sowie Bhīmasena und die beiden Zwillinge, regungslos, ihres Lebens beraubt.

Wort für Wort
viprakīrṇadhanurbāṇaṃ dṛṣṭvā nihatam arjunam bhīmasenaṃ yamau cobhau nirviceṣṭān gatāyuṣaḥ
Er sah den erschlagenen Arjuna, dessen Bogen und Pfeile umherverstreut lagen, sowie Bhīmasena und die beiden Zwillinge, regungslos, ihres Lebens beraubt.

sa dīrgham uṣṇaṃ niḥśvasya śokabāṣpapariplutaḥ buddhyā vicintayām āsa vīrāḥ kena nipātitāḥ

Einen langen, heißen Seufzer ausstoßend, von Tränen des Kummers überströmt, überlegte er in seinem Verstand: Durch wen sind die Helden gefällt worden?

Wort für Wort
sa dīrgham uṣṇaṃ niḥśvasya śokabāṣpapariplutaḥ buddhyā vicintayām āsa vīrāḥ kena nipātitāḥ
Einen langen, heißen Seufzer ausstoßend, von Tränen des Kummers überströmt, überlegte er in seinem Verstand: Durch wen sind die Helden gefällt worden?

naiṣāṃ śastraprahāro 'sti padaṃ nehāsti kasya cit bhūtaṃ mahad idaṃ manye bhrātaro yena me hatāḥ ekāgraṃ cintayiṣyāmi pītvā vetsyāmi vā jalam

Keine Waffenverletzung ist an ihnen, keine Fußspur ist hier von irgendjemandem zu sehen; ich glaube, dies ist ein mächtiges Wesen, durch das meine Brüder getötet wurden. Ich werde konzentriert nachdenken - oder ich werde es erfahren, indem ich das Wasser trinke.

Wort für Wort
naiṣāṃ śastraprahāro 'sti padaṃ nehāsti kasya cit bhūtaṃ mahad idaṃ manye bhrātaro yena me hatāḥ ekāgraṃ cintayiṣyāmi pītvā vetsyāmi vā jalam
Keine Waffenverletzung ist an ihnen, keine Fußspur ist hier von irgendjemandem zu sehen; ich glaube, dies ist ein mächtiges Wesen, durch das meine Brüder getötet wurden. Ich werde konzentriert nachdenken - oder ich werde es erfahren, indem ich das Wasser trinke.

syāt tu duryodhanenedam upāṃśuvihitaṃ kṛtam gāndhārarājaracitaṃ satataṃ jihmabuddhinā

Dies könnte aber von Duryodhana im Geheimen veranlasst worden sein, ausgeheckt vom stets hinterlistig gesinnten König der Gāndhāras.

Wort für Wort
syāt tu duryodhanenedam upāṃśuvihitaṃ kṛtam gāndhārarājaracitaṃ satataṃ jihmabuddhinā
Dies könnte aber von Duryodhana im Geheimen veranlasst worden sein, ausgeheckt vom stets hinterlistig gesinnten König der Gāndhāras.

Der 'König der Gāndhāras' ist Śakuni.

yasya kāryam akāryaṃ vā samam eva bhavaty uta kas tasya viśvased vīro durmater akṛtātmanaḥ

Wem Erlaubtes und Unerlaubtes gleich gilt - welcher Held würde jenem Übelgesinnten, Ungeläuterten vertrauen?

Wort für Wort
yasya kāryam akāryaṃ vā samam eva bhavaty uta kas tasya viśvased vīro durmater akṛtātmanaḥ
Wem Erlaubtes und Unerlaubtes gleich gilt - welcher Held würde jenem Übelgesinnten, Ungeläuterten vertrauen?

atha vā puruṣair gūḍhaiḥ prayogo 'yaṃ durātmanaḥ bhaved iti mahābāhur bahudhā samacintayat

Oder aber dies könnte die Machenschaft verborgener Männer des Bösgesinnten sein - so überlegte der Starkarmige auf vielfache Weise.

Wort für Wort
atha vā puruṣair gūḍhaiḥ prayogo 'yaṃ durātmanaḥ bhaved iti mahābāhur bahudhā samacintayat
Oder aber dies könnte die Machenschaft verborgener Männer des Bösgesinnten sein - so überlegte der Starkarmige auf vielfache Weise.

tasyāsīn na viṣeṇedam udakaṃ dūṣitaṃ yathā mukhavarṇāḥ prasannā me bhrātṝṇām ity acintayat

Ihm schien es, dieses Wasser sei nicht durch Gift verdorben, da die Gesichtsfarben seiner Brüder heiter/klar waren - so dachte er.

Wort für Wort
tasyāsīn na viṣeṇedam udakaṃ dūṣitaṃ yathā mukhavarṇāḥ prasannā me bhrātṝṇām ity acintayat
Ihm schien es, dieses Wasser sei nicht durch Gift verdorben, da die Gesichtsfarben seiner Brüder heiter/klar waren - so dachte er.

ekaikaśaś caughabalān imān puruṣasattamān ko 'nyaḥ pratisamāseta kālāntakayamād ṛte

Wer anders als der alles beendende Yama, der Tod, könnte diese besten der Männer, einen nach dem anderen, gleich einer Flutwelle an Kraft, bezwungen haben?

Wort für Wort
ekaikaśaś caughabalān imān puruṣasattamān ko 'nyaḥ pratisamāseta kālāntakayamād ṛte
Wer anders als der alles beendende Yama, der Tod, könnte diese besten der Männer, einen nach dem anderen, gleich einer Flutwelle an Kraft, bezwungen haben?

etenādhyavasāyena tat toyam avagāḍhavān gāhamānaś ca tat toyam antarikṣāt sa śuśruve

Mit diesem Entschluss stieg er in jenes Wasser hinab; und während er in jenes Wasser hinabstieg, hörte er eine Stimme aus dem Luftraum:

Wort für Wort
etenādhyavasāyena tat toyam avagāḍhavān gāhamānaś ca tat toyam antarikṣāt sa śuśruve
Mit diesem Entschluss stieg er in jenes Wasser hinab; und während er in jenes Wasser hinabstieg, hörte er eine Stimme aus dem Luftraum:

yakṣa uvāca ahaṃ bakaḥ śaivalamatsyabhakṣo; mayā nītāḥ pretavaśaṃ tavānujāḥ tvaṃ pañcamo bhavitā rājaputra; na cet praśnān pṛcchato vyākaroṣi

‚Ich bin ein Reiher, der sich von Algen und Fischen nährt; von mir sind deine jüngeren Brüder in die Gewalt der Verstorbenen geführt worden. Du wirst der fünfte sein, Königssohn, wenn du die Fragen dessen, der fragt, nicht beantwortest.

Wort für Wort
yakṣa uvāca ahaṃ bakaḥ śaivalamatsyabhakṣo; mayā nītāḥ pretavaśaṃ tavānujāḥ tvaṃ pañcamo bhavitā rājaputra; na cet praśnān pṛcchato vyākaroṣi
‚Ich bin ein Reiher, der sich von Algen und Fischen nährt; von mir sind deine jüngeren Brüder in die Gewalt der Verstorbenen geführt worden. Du wirst der fünfte sein, Königssohn, wenn du die Fragen dessen, der fragt, nicht beantwortest.

Die Selbstbezeichnung als 'Reiher' (baka) ist rätselhaft und wird im Sanskrit-Text nicht weiter erklärt; sie mag als eine erste, verhüllende Selbstaussage des sich erst in V.018 als Yakṣa zu erkennen gebenden Sprechers zu verstehen sein.

mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca

Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘

Wort für Wort
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘

yudhiṣṭhira uvāca rudrāṇāṃ vā vasūnāṃ vā marutāṃ vā pradhānabhāk pṛcchāmi ko bhavān devo naitac chakuninā kṛtam

‚Bist du der Erste unter den Rudras, oder unter den Vasus, oder unter den Maruts? Ich frage: Welcher Gott bist du? Dies ist nicht das Werk eines Vogels.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca rudrāṇāṃ vā vasūnāṃ vā marutāṃ vā pradhānabhāk pṛcchāmi ko bhavān devo naitac chakuninā kṛtam
‚Bist du der Erste unter den Rudras, oder unter den Vasus, oder unter den Maruts? Ich frage: Welcher Gott bist du? Dies ist nicht das Werk eines Vogels.

Ein Wortspiel liegt nahe: 'śakuninā' bedeutet wörtlich 'durch einen Vogel', klingt aber wie der Name Śakunis, den Yudhiṣṭhira gerade eben (V.005) als möglichen Urheber verdächtigt hatte.

himavān pāriyātraś ca vindhyo malaya eva ca catvāraḥ parvatāḥ kena pātitā bhuvi tejasā

Der Himavant, der Pāriyātra, der Vindhya und ebenso der Malaya - durch wessen Kraft wurden diese vier Berge zu Boden geworfen?

Wort für Wort
himavān pāriyātraś ca vindhyo malaya eva ca catvāraḥ parvatāḥ kena pātitā bhuvi tejasā
Der Himavant, der Pāriyātra, der Vindhya und ebenso der Malaya - durch wessen Kraft wurden diese vier Berge zu Boden geworfen?

atīva te mahat karma kṛtaṃ balavatāṃ vara yan na devā na gandharvā nāsurā na ca rākṣasāḥ viṣaheran mahāyuddhe kṛtaṃ te tan mahādbhutam

Überaus gewaltig ist die Tat, die von dir vollbracht wurde, Bester der Starken - eine Tat, die weder Götter noch Gandharvas, weder Asuras noch Rākṣasas in gewaltigem Kampf ertragen könnten; überaus wunderbar ist das, was du vollbracht hast.

Wort für Wort
atīva te mahat karma kṛtaṃ balavatāṃ vara yan na devā na gandharvā nāsurā na ca rākṣasāḥ viṣaheran mahāyuddhe kṛtaṃ te tan mahādbhutam
Überaus gewaltig ist die Tat, die von dir vollbracht wurde, Bester der Starken - eine Tat, die weder Götter noch Gandharvas, weder Asuras noch Rākṣasas in gewaltigem Kampf ertragen könnten; überaus wunderbar ist das, was du vollbracht hast.

na te jānāmi yat kāryaṃ nābhijānāmi kāṅkṣitam kautūhalaṃ mahaj jātaṃ sādhvasaṃ cāgataṃ mama

Ich kenne nicht dein Anliegen, ich weiß nicht, was du begehrst; große Neugier ist in mir entstanden, und auch Ehrfurcht ist über mich gekommen.

Wort für Wort
na te jānāmi yat kāryaṃ nābhijānāmi kāṅkṣitam kautūhalaṃ mahaj jātaṃ sādhvasaṃ cāgataṃ mama
Ich kenne nicht dein Anliegen, ich weiß nicht, was du begehrst; große Neugier ist in mir entstanden, und auch Ehrfurcht ist über mich gekommen.

yenāsmy udvignahṛdayaḥ samutpannaśirojvaraḥ pṛcchāmi bhagavaṃs tasmāt ko bhavān iha tiṣṭhati

Wodurch mein Herz beunruhigt ist und mir gleichsam Kopffieber aufgestiegen ist; deshalb frage ich, Erhabener: Wer bist du, der hier weilt?‘

Wort für Wort
yenāsmy udvignahṛdayaḥ samutpannaśirojvaraḥ pṛcchāmi bhagavaṃs tasmāt ko bhavān iha tiṣṭhati
Wodurch mein Herz beunruhigt ist und mir gleichsam Kopffieber aufgestiegen ist; deshalb frage ich, Erhabener: Wer bist du, der hier weilt?‘

yakṣa uvāca yakṣo 'ham asmi bhadraṃ te nāsmi pakṣī jalecaraḥ mayaite nihatāḥ sarve bhrātaras te mahaujasaḥ

‚Ein Yakṣa bin ich, Segen sei mit dir; ich bin kein im Wasser lebender Vogel. Von mir wurden all diese deine überaus kraftvollen Brüder erschlagen.‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca yakṣo 'ham asmi bhadraṃ te nāsmi pakṣī jalecaraḥ mayaite nihatāḥ sarve bhrātaras te mahaujasaḥ
‚Ein Yakṣa bin ich, Segen sei mit dir; ich bin kein im Wasser lebender Vogel. Von mir wurden all diese deine überaus kraftvollen Brüder erschlagen.‘

vaiśaṃpāyana uvāca tatas tām aśivāṃ śrutvā vācaṃ sa paruṣākṣarām yakṣasya bruvato rājann upakramya tadā sthitaḥ

Als er darauf jene unheilvolle, in harten Silben gesprochene Rede des redenden Yakṣa vernommen hatte, o König, blieb er, ihm entgegentretend, stehen

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tatas tām aśivāṃ śrutvā vācaṃ sa paruṣākṣarām yakṣasya bruvato rājann upakramya tadā sthitaḥ
Als er darauf jene unheilvolle, in harten Silben gesprochene Rede des redenden Yakṣa vernommen hatte, o König, blieb er, ihm entgegentretend, stehen

virūpākṣaṃ mahākāyaṃ yakṣaṃ tālasamucchrayam jvalanārkapratīkāśam adhṛṣyaṃ parvatopamam

und sah den Yakṣa mit entstelltem Auge, von gewaltigem Körperbau, so hoch wie eine Palme, dem lodernden Feuer oder der Sonne gleichend, unbezwingbar, einem Berg vergleichbar,

Wort für Wort
virūpākṣaṃ mahākāyaṃ yakṣaṃ tālasamucchrayam jvalanārkapratīkāśam adhṛṣyaṃ parvatopamam
und sah den Yakṣa mit entstelltem Auge, von gewaltigem Körperbau, so hoch wie eine Palme, dem lodernden Feuer oder der Sonne gleichend, unbezwingbar, einem Berg vergleichbar,

setum āśritya tiṣṭhantaṃ dadarśa bharatarṣabhaḥ meghagambhīrayā vācā tarjayantaṃ mahābalam

auf einer Furt stehend - so erblickte ihn der Stier der Bharatas, den überaus Starken, der ihn mit einer wolkentiefen Stimme bedrohte.

Wort für Wort
setum āśritya tiṣṭhantaṃ dadarśa bharatarṣabhaḥ meghagambhīrayā vācā tarjayantaṃ mahābalam
auf einer Furt stehend - so erblickte ihn der Stier der Bharatas, den überaus Starken, der ihn mit einer wolkentiefen Stimme bedrohte.

yakṣa uvāca ime te bhrātaro rājan vāryamāṇā mayāsakṛt balāt toyaṃ jihīrṣantas tato vai sūditā mayā

‚Diese deine Brüder, o König, die - obwohl von mir wiederholt gewarnt - das Wasser mit Gewalt nehmen wollten, wurden deshalb von mir getötet.

Wort für Wort
yakṣa uvāca ime te bhrātaro rājan vāryamāṇā mayāsakṛt balāt toyaṃ jihīrṣantas tato vai sūditā mayā
‚Diese deine Brüder, o König, die - obwohl von mir wiederholt gewarnt - das Wasser mit Gewalt nehmen wollten, wurden deshalb von mir getötet.

na peyam udakaṃ rājan prāṇān iha parīpsatā pārtha mā sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca

Nicht zu trinken ist das Wasser, o König, für den, der hier sein Leben erhalten will. Pārtha, handle nicht unbesonnen - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘

Wort für Wort
na peyam udakaṃ rājan prāṇān iha parīpsatā pārtha mā sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
Nicht zu trinken ist das Wasser, o König, für den, der hier sein Leben erhalten will. Pārtha, handle nicht unbesonnen - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘

yudhiṣṭhira uvāca naivāhaṃ kāmaye yakṣa tava pūrvaparigraham kāmaṃ naitat praśaṃsanti santo hi puruṣāḥ sadā

‚Nicht begehre ich, Yakṣa, deinen früheren Besitz; gewiss loben die Guten unter den Menschen dies niemals,

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca naivāhaṃ kāmaye yakṣa tava pūrvaparigraham kāmaṃ naitat praśaṃsanti santo hi puruṣāḥ sadā
‚Nicht begehre ich, Yakṣa, deinen früheren Besitz; gewiss loben die Guten unter den Menschen dies niemals,

yadātmanā svam ātmānaṃ praśaṃset puruṣaḥ prabho yathāprajñaṃ tu te praśnān prativakṣyāmi pṛccha mām

wenn ein Mensch sich selbst durch sich selbst lobte, o Gebieter. Doch werde ich, nach meinem Verständnis, deine Fragen beantworten - frage mich.‘

Wort für Wort
yadātmanā svam ātmānaṃ praśaṃset puruṣaḥ prabho yathāprajñaṃ tu te praśnān prativakṣyāmi pṛccha mām
wenn ein Mensch sich selbst durch sich selbst lobte, o Gebieter. Doch werde ich, nach meinem Verständnis, deine Fragen beantworten - frage mich.‘

yakṣa uvāca kiṃ svid ādityam unnayati ke ca tasyābhitaś carāḥ kaś cainam astaṃ nayati kasmiṃś ca pratitiṣṭhati

‚Was erhebt die Sonne empor? Wer sind die, die um sie herum wandeln? Wer lässt sie untergehen, und worauf beruht sie?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svid ādityam unnayati ke ca tasyābhitaś carāḥ kaś cainam astaṃ nayati kasmiṃś ca pratitiṣṭhati
‚Was erhebt die Sonne empor? Wer sind die, die um sie herum wandeln? Wer lässt sie untergehen, und worauf beruht sie?‘

yudhiṣṭhira uvāca brahmādityam unnayati devās tasyābhitaś carāḥ dharmaś cāstaṃ nayati ca satye ca pratitiṣṭhati

‚Brahman erhebt die Sonne empor; die Götter sind es, die um sie herum wandeln; das Recht (dharma) lässt sie untergehen, und in der Wahrheit beruht sie.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca brahmādityam unnayati devās tasyābhitaś carāḥ dharmaś cāstaṃ nayati ca satye ca pratitiṣṭhati
‚Brahman erhebt die Sonne empor; die Götter sind es, die um sie herum wandeln; das Recht (dharma) lässt sie untergehen, und in der Wahrheit beruht sie.‘

yakṣa uvāca kena svic chrotriyo bhavati kena svid vindate mahat kena dvitīyavān bhavati rājan kena ca buddhimān

‚Wodurch wird man ein Kenner der heiligen Schriften? Wodurch erlangt man Großes? Wodurch hat man, o König, einen zweiten Gefährten? Und wodurch wird man klug?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kena svic chrotriyo bhavati kena svid vindate mahat kena dvitīyavān bhavati rājan kena ca buddhimān
‚Wodurch wird man ein Kenner der heiligen Schriften? Wodurch erlangt man Großes? Wodurch hat man, o König, einen zweiten Gefährten? Und wodurch wird man klug?‘

yudhiṣṭhira uvāca śrutena śrotriyo bhavati tapasā vindate mahat dhṛtyā dvitīyavān bhavati buddhimān vṛddhasevayā

‚Durch heiliges Hören wird man Kenner der Schriften; durch Askese erlangt man Großes; durch Standhaftigkeit hat man einen zweiten Gefährten; durch den Dienst an den Alten wird man klug.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca śrutena śrotriyo bhavati tapasā vindate mahat dhṛtyā dvitīyavān bhavati buddhimān vṛddhasevayā
‚Durch heiliges Hören wird man Kenner der Schriften; durch Askese erlangt man Großes; durch Standhaftigkeit hat man einen zweiten Gefährten; durch den Dienst an den Alten wird man klug.‘

yakṣa uvāca kiṃ brāhmaṇānāṃ devatvaṃ kaś ca dharmaḥ satām iva kaś caiṣāṃ mānuṣo bhāvaḥ kim eṣām asatām iva

‚Was ist die Göttlichkeit der Brahmanen? Was ist ihr Dharma, wie er den Guten eigen ist? Was ist an ihnen das Menschliche? Was gleicht an ihnen dem der Unguten?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ brāhmaṇānāṃ devatvaṃ kaś ca dharmaḥ satām iva kaś caiṣāṃ mānuṣo bhāvaḥ kim eṣām asatām iva
‚Was ist die Göttlichkeit der Brahmanen? Was ist ihr Dharma, wie er den Guten eigen ist? Was ist an ihnen das Menschliche? Was gleicht an ihnen dem der Unguten?‘

yudhiṣṭhira uvāca svādhyāya eṣāṃ devatvaṃ tapa eṣāṃ satām iva maraṇaṃ mānuṣo bhāvaḥ parivādo 'satām iva

‚Das eigene vedische Studium ist ihre Göttlichkeit; Askese ist das, was den Guten unter ihnen eigen ist; das Sterben ist das Menschliche; Verleumdung ist das, was den Unguten eigen ist.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca svādhyāya eṣāṃ devatvaṃ tapa eṣāṃ satām iva maraṇaṃ mānuṣo bhāvaḥ parivādo 'satām iva
‚Das eigene vedische Studium ist ihre Göttlichkeit; Askese ist das, was den Guten unter ihnen eigen ist; das Sterben ist das Menschliche; Verleumdung ist das, was den Unguten eigen ist.‘

yakṣa uvāca kiṃ kṣatriyāṇāṃ devatvaṃ kaś ca dharmaḥ satām iva kaś caiṣāṃ mānuṣo bhāvaḥ kim eṣām asatām iva

‚Was ist die Göttlichkeit der Kṣatriyas? Was ist ihr Dharma, wie er den Guten eigen ist? Was ist an ihnen das Menschliche? Was gleicht an ihnen dem der Unguten?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ kṣatriyāṇāṃ devatvaṃ kaś ca dharmaḥ satām iva kaś caiṣāṃ mānuṣo bhāvaḥ kim eṣām asatām iva
‚Was ist die Göttlichkeit der Kṣatriyas? Was ist ihr Dharma, wie er den Guten eigen ist? Was ist an ihnen das Menschliche? Was gleicht an ihnen dem der Unguten?‘

yudhiṣṭhira uvāca iṣvastram eṣāṃ devatvaṃ yajña eṣāṃ satām iva bhayaṃ vai mānuṣo bhāvaḥ parityāgo 'satām iva

‚Die Bogenkunst ist ihre Göttlichkeit; das Opfer ist das, was den Guten unter ihnen eigen ist; Furcht ist das Menschliche; das Im-Stich-Lassen der Schutzbefohlenen ist das, was den Unguten eigen ist.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca iṣvastram eṣāṃ devatvaṃ yajña eṣāṃ satām iva bhayaṃ vai mānuṣo bhāvaḥ parityāgo 'satām iva
‚Die Bogenkunst ist ihre Göttlichkeit; das Opfer ist das, was den Guten unter ihnen eigen ist; Furcht ist das Menschliche; das Im-Stich-Lassen der Schutzbefohlenen ist das, was den Unguten eigen ist.‘

yakṣa uvāca kim ekaṃ yajñiyaṃ sāma kim ekaṃ yajñiyaṃ yajuḥ kā caikā vṛścate yajñaṃ kāṃ yajño nātivartate

‚Was ist das eine, opferwürdige Sāma-Lied? Was ist das eine, opferwürdige Yajus-Wort? Was ist das Eine, das ein Opfer zunichtemacht? Über welches Eine geht das Opfer nicht hinaus?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kim ekaṃ yajñiyaṃ sāma kim ekaṃ yajñiyaṃ yajuḥ kā caikā vṛścate yajñaṃ kāṃ yajño nātivartate
‚Was ist das eine, opferwürdige Sāma-Lied? Was ist das eine, opferwürdige Yajus-Wort? Was ist das Eine, das ein Opfer zunichtemacht? Über welches Eine geht das Opfer nicht hinaus?‘

Sāma und Yajus bezeichnen die liedhaften bzw. sprechsprachlichen Opferformeln der vedischen Liturgie (Sāmaveda, Yajurveda).

yudhiṣṭhira uvāca prāṇo vai yajñiyaṃ sāma mano vai yajñiyaṃ yajuḥ vāg ekā vṛścate yajñaṃ tāṃ yajño nātivartate

‚Der Atem ist das opferwürdige Sāma; der Geist ist das opferwürdige Yajus; die Rede allein macht das Opfer zunichte; über sie geht das Opfer nicht hinaus.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca prāṇo vai yajñiyaṃ sāma mano vai yajñiyaṃ yajuḥ vāg ekā vṛścate yajñaṃ tāṃ yajño nātivartate
‚Der Atem ist das opferwürdige Sāma; der Geist ist das opferwürdige Yajus; die Rede allein macht das Opfer zunichte; über sie geht das Opfer nicht hinaus.‘

yakṣa uvāca kiṃ svid āpatatāṃ śreṣṭhaṃ kiṃ svin nipatatāṃ varam kiṃ svit pratiṣṭhamānānāṃ kiṃ svit pravadatāṃ varam

‚Was ist das Beste dessen, was herabfällt? Was das Beste dessen, was niederfällt? Was das Beste dessen, was fest steht? Was das Beste dessen, was spricht?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svid āpatatāṃ śreṣṭhaṃ kiṃ svin nipatatāṃ varam kiṃ svit pratiṣṭhamānānāṃ kiṃ svit pravadatāṃ varam
‚Was ist das Beste dessen, was herabfällt? Was das Beste dessen, was niederfällt? Was das Beste dessen, was fest steht? Was das Beste dessen, was spricht?‘

yudhiṣṭhira uvāca varṣam āpatatāṃ śreṣṭhaṃ bījaṃ nipatatāṃ varam gāvaḥ pratiṣṭhamānānāṃ putraḥ pravadatāṃ varaḥ

‚Der Regen ist das Beste dessen, was herabfällt; der Same ist das Beste dessen, was niederfällt; die Kühe sind das Beste dessen, was fest steht; der Sohn ist das Beste dessen, was spricht.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca varṣam āpatatāṃ śreṣṭhaṃ bījaṃ nipatatāṃ varam gāvaḥ pratiṣṭhamānānāṃ putraḥ pravadatāṃ varaḥ
‚Der Regen ist das Beste dessen, was herabfällt; der Same ist das Beste dessen, was niederfällt; die Kühe sind das Beste dessen, was fest steht; der Sohn ist das Beste dessen, was spricht.‘

yakṣa uvāca indriyārthān anubhavan buddhimāṃl lokapūjitaḥ saṃmataḥ sarvabhūtānām ucchvasan ko na jīvati

‚Wer, obwohl er die Gegenstände der Sinne genießt, obwohl klug, von der Welt verehrt, von allen Wesen geschätzt, obwohl atmend, lebt dennoch nicht?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca indriyārthān anubhavan buddhimāṃl lokapūjitaḥ saṃmataḥ sarvabhūtānām ucchvasan ko na jīvati
‚Wer, obwohl er die Gegenstände der Sinne genießt, obwohl klug, von der Welt verehrt, von allen Wesen geschätzt, obwohl atmend, lebt dennoch nicht?‘

yudhiṣṭhira uvāca devatātithibhṛtyānāṃ pitṝṇām ātmanaś ca yaḥ na nirvapati pañcānām ucchvasan na sa jīvati

‚Wer den Göttern, Gästen, Dienern, den Ahnen und sich selbst - diesen Fünfen - nicht opfert, der lebt, obwohl atmend, nicht wirklich.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca devatātithibhṛtyānāṃ pitṝṇām ātmanaś ca yaḥ na nirvapati pañcānām ucchvasan na sa jīvati
‚Wer den Göttern, Gästen, Dienern, den Ahnen und sich selbst - diesen Fünfen - nicht opfert, der lebt, obwohl atmend, nicht wirklich.‘

yakṣa uvāca kiṃ svid gurutaraṃ bhūmeḥ kiṃ svid uccataraṃ ca khāt kiṃ svic chīghrataraṃ vāyoḥ kiṃ svid bahutaraṃ nṛṇām

‚Was ist schwerer als die Erde? Was höher als der Himmel? Was schneller als der Wind? Was zahlreicher als die Menschen selbst?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svid gurutaraṃ bhūmeḥ kiṃ svid uccataraṃ ca khāt kiṃ svic chīghrataraṃ vāyoḥ kiṃ svid bahutaraṃ nṛṇām
‚Was ist schwerer als die Erde? Was höher als der Himmel? Was schneller als der Wind? Was zahlreicher als die Menschen selbst?‘

yudhiṣṭhira uvāca mātā gurutarā bhūmeḥ pitā uccataraś ca khāt manaḥ śīghrataraṃ vāyoś cintā bahutarī nṛṇām

‚Die Mutter ist schwerer als die Erde; der Vater ist höher als der Himmel; der Geist ist schneller als der Wind; die Sorge ist zahlreicher als die Menschen selbst.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca mātā gurutarā bhūmeḥ pitā uccataraś ca khāt manaḥ śīghrataraṃ vāyoś cintā bahutarī nṛṇām
‚Die Mutter ist schwerer als die Erde; der Vater ist höher als der Himmel; der Geist ist schneller als der Wind; die Sorge ist zahlreicher als die Menschen selbst.‘

yakṣa uvāca kiṃ svit suptaṃ na nimiṣati kiṃ svij jātaṃ na copati kasya svid dhṛdayaṃ nāsti kiṃ svid vegena vardhate

‚Was schließt, obwohl schlafend, die Augen nicht? Was regt sich nicht, obwohl geboren? Was hat kein Herz? Was wächst durch die eigene Geschwindigkeit?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svit suptaṃ na nimiṣati kiṃ svij jātaṃ na copati kasya svid dhṛdayaṃ nāsti kiṃ svid vegena vardhate
‚Was schließt, obwohl schlafend, die Augen nicht? Was regt sich nicht, obwohl geboren? Was hat kein Herz? Was wächst durch die eigene Geschwindigkeit?‘

yudhiṣṭhira uvāca matsyaḥ supto na nimiṣaty aṇḍaṃ jātaṃ na copati aśmano hṛdayaṃ nāsti nadī vegena vardhate

‚Der Fisch schließt, obwohl schlafend, die Augen nicht; das Ei regt sich nicht, obwohl gelegt; der Stein hat kein Herz; der Fluss wächst durch seine eigene Geschwindigkeit.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca matsyaḥ supto na nimiṣaty aṇḍaṃ jātaṃ na copati aśmano hṛdayaṃ nāsti nadī vegena vardhate
‚Der Fisch schließt, obwohl schlafend, die Augen nicht; das Ei regt sich nicht, obwohl gelegt; der Stein hat kein Herz; der Fluss wächst durch seine eigene Geschwindigkeit.‘

yakṣa uvāca kiṃ svit pravasato mitraṃ kiṃ svin mitraṃ gṛhe sataḥ āturasya ca kiṃ mitraṃ kiṃ svin mitraṃ mariṣyataḥ

‚Was ist der Freund dessen, der in der Fremde weilt? Was der Freund dessen, der zu Hause ist? Was ist der Freund des Kranken? Was der Freund dessen, der sterben wird?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svit pravasato mitraṃ kiṃ svin mitraṃ gṛhe sataḥ āturasya ca kiṃ mitraṃ kiṃ svin mitraṃ mariṣyataḥ
‚Was ist der Freund dessen, der in der Fremde weilt? Was der Freund dessen, der zu Hause ist? Was ist der Freund des Kranken? Was der Freund dessen, der sterben wird?‘

yudhiṣṭhira uvāca sārthaḥ pravasato mitraṃ bhāryā mitraṃ gṛhe sataḥ āturasya bhiṣaṅ mitraṃ dānaṃ mitraṃ mariṣyataḥ

‚Die Reisegesellschaft ist der Freund dessen, der in der Fremde weilt; die Gattin ist der Freund dessen, der zu Hause ist; der Arzt ist der Freund des Kranken; die Freigebigkeit ist der Freund dessen, der sterben wird.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca sārthaḥ pravasato mitraṃ bhāryā mitraṃ gṛhe sataḥ āturasya bhiṣaṅ mitraṃ dānaṃ mitraṃ mariṣyataḥ
‚Die Reisegesellschaft ist der Freund dessen, der in der Fremde weilt; die Gattin ist der Freund dessen, der zu Hause ist; der Arzt ist der Freund des Kranken; die Freigebigkeit ist der Freund dessen, der sterben wird.‘

yakṣa uvāca kiṃ svid eko vicarati jātaḥ ko jāyate punaḥ kiṃ svid dhimasya bhaiṣajyaṃ kiṃ svid āvapanaṃ mahat

‚Was wandelt allein einher? Was wird, einmal geboren, wiedergeboren? Was ist das Heilmittel gegen Kälte? Was ist das große Aussaatfeld?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svid eko vicarati jātaḥ ko jāyate punaḥ kiṃ svid dhimasya bhaiṣajyaṃ kiṃ svid āvapanaṃ mahat
‚Was wandelt allein einher? Was wird, einmal geboren, wiedergeboren? Was ist das Heilmittel gegen Kälte? Was ist das große Aussaatfeld?‘

yudhiṣṭhira uvāca sūrya eko vicarati candramā jāyate punaḥ agnir himasya bhaiṣajyaṃ bhūmir āvapanaṃ mahat

‚Die Sonne wandelt allein einher; der Mond wird wiedergeboren; das Feuer ist das Heilmittel gegen Kälte; die Erde ist das große Aussaatfeld.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca sūrya eko vicarati candramā jāyate punaḥ agnir himasya bhaiṣajyaṃ bhūmir āvapanaṃ mahat
‚Die Sonne wandelt allein einher; der Mond wird wiedergeboren; das Feuer ist das Heilmittel gegen Kälte; die Erde ist das große Aussaatfeld.‘

yakṣa uvāca kiṃ svid ekapadaṃ dharmyaṃ kiṃ svid ekapadaṃ yaśaḥ kiṃ svid ekapadaṃ svargyaṃ kiṃ svid ekapadaṃ sukham

‚Was ist in einem Wort das Rechtschaffene? Was ist in einem Wort der Ruhm? Was ist in einem Wort das Himmlische? Was ist in einem Wort das Glück?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svid ekapadaṃ dharmyaṃ kiṃ svid ekapadaṃ yaśaḥ kiṃ svid ekapadaṃ svargyaṃ kiṃ svid ekapadaṃ sukham
‚Was ist in einem Wort das Rechtschaffene? Was ist in einem Wort der Ruhm? Was ist in einem Wort das Himmlische? Was ist in einem Wort das Glück?‘

yudhiṣṭhira uvāca dākṣyam ekapadaṃ dharmyaṃ dānam ekapadaṃ yaśaḥ satyam ekapadaṃ svargyaṃ śīlam ekapadaṃ sukham

‚Tüchtigkeit ist in einem Wort das Rechtschaffene; Freigebigkeit ist in einem Wort der Ruhm; Wahrheit ist in einem Wort das Himmlische; guter Charakter ist in einem Wort das Glück.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca dākṣyam ekapadaṃ dharmyaṃ dānam ekapadaṃ yaśaḥ satyam ekapadaṃ svargyaṃ śīlam ekapadaṃ sukham
‚Tüchtigkeit ist in einem Wort das Rechtschaffene; Freigebigkeit ist in einem Wort der Ruhm; Wahrheit ist in einem Wort das Himmlische; guter Charakter ist in einem Wort das Glück.‘

yakṣa uvāca kiṃ svid ātmā manuṣyasya kiṃ svid daivakṛtaḥ sakhā upajīvanaṃ kiṃ svid asya kiṃ svid asya parāyaṇam

‚Was ist das Selbst des Menschen? Was ist der vom Schicksal gemachte Freund? Was ist sein Lebensunterhalt? Was ist seine letzte Zuflucht?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svid ātmā manuṣyasya kiṃ svid daivakṛtaḥ sakhā upajīvanaṃ kiṃ svid asya kiṃ svid asya parāyaṇam
‚Was ist das Selbst des Menschen? Was ist der vom Schicksal gemachte Freund? Was ist sein Lebensunterhalt? Was ist seine letzte Zuflucht?‘

yudhiṣṭhira uvāca putra ātmā manuṣyasya bhāryā daivakṛtaḥ sakhā upajīvanaṃ ca parjanyo dānam asya parāyaṇam

‚Der Sohn ist das Selbst des Menschen; die Gattin ist der vom Schicksal gemachte Freund; die Regenwolke ist sein Lebensunterhalt; die Freigebigkeit ist seine letzte Zuflucht.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca putra ātmā manuṣyasya bhāryā daivakṛtaḥ sakhā upajīvanaṃ ca parjanyo dānam asya parāyaṇam
‚Der Sohn ist das Selbst des Menschen; die Gattin ist der vom Schicksal gemachte Freund; die Regenwolke ist sein Lebensunterhalt; die Freigebigkeit ist seine letzte Zuflucht.‘

yakṣa uvāca dhanyānām uttamaṃ kiṃ svid dhanānāṃ kiṃ svid uttamam lābhānām uttamaṃ kiṃ svit kiṃ sukhānāṃ tathottamam

‚Was ist das Höchste unter den gesegneten Eigenschaften? Was das Höchste unter den Reichtümern? Was das Höchste unter den Gewinnen? Was ebenso das Höchste unter den Freuden?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca dhanyānām uttamaṃ kiṃ svid dhanānāṃ kiṃ svid uttamam lābhānām uttamaṃ kiṃ svit kiṃ sukhānāṃ tathottamam
‚Was ist das Höchste unter den gesegneten Eigenschaften? Was das Höchste unter den Reichtümern? Was das Höchste unter den Gewinnen? Was ebenso das Höchste unter den Freuden?‘

yudhiṣṭhira uvāca dhanyānām uttamaṃ dākṣyaṃ dhanānām uttamaṃ śrutam lābhānāṃ śreṣṭham ārogyaṃ sukhānāṃ tuṣṭir uttamā

‚Tüchtigkeit ist das Höchste unter den gesegneten Eigenschaften; heiliges Wissen ist das Höchste unter den Reichtümern; Gesundheit ist der beste unter den Gewinnen; Zufriedenheit ist die höchste unter den Freuden.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca dhanyānām uttamaṃ dākṣyaṃ dhanānām uttamaṃ śrutam lābhānāṃ śreṣṭham ārogyaṃ sukhānāṃ tuṣṭir uttamā
‚Tüchtigkeit ist das Höchste unter den gesegneten Eigenschaften; heiliges Wissen ist das Höchste unter den Reichtümern; Gesundheit ist der beste unter den Gewinnen; Zufriedenheit ist die höchste unter den Freuden.‘

yakṣa uvāca kaś ca dharmaḥ paro loke kaś ca dharmaḥ sadāphalaḥ kiṃ niyamya na śocanti kaiś ca saṃdhir na jīryate

‚Was ist das höchste Recht in der Welt? Was ist das Recht, das stets Frucht trägt? Was, wenn man es bezähmt, macht, dass man nicht trauert? Mit wem zerfällt ein Bündnis nicht?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kaś ca dharmaḥ paro loke kaś ca dharmaḥ sadāphalaḥ kiṃ niyamya na śocanti kaiś ca saṃdhir na jīryate
‚Was ist das höchste Recht in der Welt? Was ist das Recht, das stets Frucht trägt? Was, wenn man es bezähmt, macht, dass man nicht trauert? Mit wem zerfällt ein Bündnis nicht?‘

yudhiṣṭhira uvāca ānṛśaṃsyaṃ paro dharmas trayīdharmaḥ sadāphalaḥ mano yamya na śocanti sadbhiḥ saṃdhir na jīryate

‚Mitgefühl ist das höchste Recht; das Recht der drei Veden ist das, das stets Frucht trägt; wenn man den Geist bezähmt, trauert man nicht; mit den Guten zerfällt ein Bündnis nicht.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca ānṛśaṃsyaṃ paro dharmas trayīdharmaḥ sadāphalaḥ mano yamya na śocanti sadbhiḥ saṃdhir na jīryate
‚Mitgefühl ist das höchste Recht; das Recht der drei Veden ist das, das stets Frucht trägt; wenn man den Geist bezähmt, trauert man nicht; mit den Guten zerfällt ein Bündnis nicht.‘

ānṛśaṃsya (wörtl. 'Nicht-Grausamkeit') wird hier als 'Mitgefühl' übersetzt; es bezeichnet die Abwesenheit von Grausamkeit und Härte gegenüber anderen Wesen und wird am Kapitelende (V.071-074) zum entscheidenden Prüfstein.

yakṣa uvāca kiṃ nu hitvā priyo bhavati kiṃ nu hitvā na śocati kiṃ nu hitvārthavān bhavati kiṃ nu hitvā sukhī bhavet

‚Was, wenn man es aufgibt, wird man beliebt? Was, wenn man es aufgibt, trauert man nicht? Was, wenn man es aufgibt, wird man vermögend? Was, wenn man es aufgibt, wird man glücklich?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ nu hitvā priyo bhavati kiṃ nu hitvā na śocati kiṃ nu hitvārthavān bhavati kiṃ nu hitvā sukhī bhavet
‚Was, wenn man es aufgibt, wird man beliebt? Was, wenn man es aufgibt, trauert man nicht? Was, wenn man es aufgibt, wird man vermögend? Was, wenn man es aufgibt, wird man glücklich?‘

yudhiṣṭhira uvāca mānaṃ hitvā priyo bhavati krodhaṃ hitvā na śocati kāmaṃ hitvārthavān bhavati lobhaṃ hitvā sukhī bhavet

‚Wenn man Hochmut aufgibt, wird man beliebt; wenn man Zorn aufgibt, trauert man nicht; wenn man das Begehren aufgibt, wird man vermögend; wenn man die Gier aufgibt, wird man glücklich.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca mānaṃ hitvā priyo bhavati krodhaṃ hitvā na śocati kāmaṃ hitvārthavān bhavati lobhaṃ hitvā sukhī bhavet
‚Wenn man Hochmut aufgibt, wird man beliebt; wenn man Zorn aufgibt, trauert man nicht; wenn man das Begehren aufgibt, wird man vermögend; wenn man die Gier aufgibt, wird man glücklich.‘

yakṣa uvāca mṛtaḥ kathaṃ syāt puruṣaḥ kathaṃ rāṣṭraṃ mṛtaṃ bhavet śrāddhaṃ mṛtaṃ kathaṃ ca syāt kathaṃ yajño mṛto bhavet

‚Wodurch ist ein Mensch tot, obwohl er lebt? Wodurch ist ein Reich tot? Wodurch ist ein Totenopfer tot? Wodurch ist ein Opfer tot?‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca mṛtaḥ kathaṃ syāt puruṣaḥ kathaṃ rāṣṭraṃ mṛtaṃ bhavet śrāddhaṃ mṛtaṃ kathaṃ ca syāt kathaṃ yajño mṛto bhavet
‚Wodurch ist ein Mensch tot, obwohl er lebt? Wodurch ist ein Reich tot? Wodurch ist ein Totenopfer tot? Wodurch ist ein Opfer tot?‘

'Totenopfer' übersetzt śrāddha, die rituelle Speisung von Brahmanen zu Ehren der verstorbenen Ahnen.

yudhiṣṭhira uvāca mṛto daridraḥ puruṣo mṛtaṃ rāṣṭram arājakam mṛtam aśrotriyaṃ śrāddhaṃ mṛto yajñas tv adakṣiṇaḥ

‚Tot ist der arme Mensch; tot ist das Reich ohne König; tot ist das Totenopfer ohne geladenen Schriftgelehrten; tot ist das Opfer ohne Priestergabe.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca mṛto daridraḥ puruṣo mṛtaṃ rāṣṭram arājakam mṛtam aśrotriyaṃ śrāddhaṃ mṛto yajñas tv adakṣiṇaḥ
‚Tot ist der arme Mensch; tot ist das Reich ohne König; tot ist das Totenopfer ohne geladenen Schriftgelehrten; tot ist das Opfer ohne Priestergabe.‘

'Priestergabe' übersetzt dakṣiṇā, die dem Opferpriester geschuldete Entlohnung, ohne die ein Opfer als unvollständig gilt.

yakṣa uvāca kā dik kim udakaṃ proktaṃ kim annaṃ pārtha kiṃ viṣam śrāddhasya kālam ākhyāhi tataḥ piba harasva ca

‚Was ist die wahre Richtung? Was wird als Wasser bezeichnet? Was ist die Speise, Pārtha? Was ist Gift? Nenne mir die rechte Zeit für das Totenopfer - dann trink und nimm Wasser.‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kā dik kim udakaṃ proktaṃ kim annaṃ pārtha kiṃ viṣam śrāddhasya kālam ākhyāhi tataḥ piba harasva ca
‚Was ist die wahre Richtung? Was wird als Wasser bezeichnet? Was ist die Speise, Pārtha? Was ist Gift? Nenne mir die rechte Zeit für das Totenopfer - dann trink und nimm Wasser.‘

yudhiṣṭhira uvāca santo dig jalam ākāśaṃ gaur annaṃ prārthanā viṣam śrāddhasya brāhmaṇaḥ kālaḥ kathaṃ vā yakṣa manyase

‚Die Guten sind die wahre Richtung; der Luftraum ist das Wasser; die Kuh ist die Speise; das Erbitten ist das Gift; der würdige Brahmane ist die Zeit für das Totenopfer - oder wie meinst du es, Yakṣa?‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca santo dig jalam ākāśaṃ gaur annaṃ prārthanā viṣam śrāddhasya brāhmaṇaḥ kālaḥ kathaṃ vā yakṣa manyase
‚Die Guten sind die wahre Richtung; der Luftraum ist das Wasser; die Kuh ist die Speise; das Erbitten ist das Gift; der würdige Brahmane ist die Zeit für das Totenopfer - oder wie meinst du es, Yakṣa?‘

yakṣa uvāca vyākhyātā me tvayā praśnā yāthātathyaṃ paraṃtapa puruṣaṃ tv idānīm ākhyāhi yaś ca sarvadhanī naraḥ

‚Erklärt wurden mir von dir die Fragen wahrheitsgemäß, du Bezwinger der Feinde; nun aber erkläre mir, was der wahre Mensch ist, und wer der Mann ist, der allen Reichtum besitzt.‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca vyākhyātā me tvayā praśnā yāthātathyaṃ paraṃtapa puruṣaṃ tv idānīm ākhyāhi yaś ca sarvadhanī naraḥ
‚Erklärt wurden mir von dir die Fragen wahrheitsgemäß, du Bezwinger der Feinde; nun aber erkläre mir, was der wahre Mensch ist, und wer der Mann ist, der allen Reichtum besitzt.‘

yudhiṣṭhira uvāca divaṃ spṛśati bhūmiṃ ca śabdaḥ puṇyasya karmaṇaḥ yāvat sa śabdo bhavati tāvat puruṣa ucyate

‚Der Ruf einer verdienstvollen Tat berührt Himmel und Erde; solange jener Ruf besteht, so lange wird man ein wahrer Mensch genannt.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca divaṃ spṛśati bhūmiṃ ca śabdaḥ puṇyasya karmaṇaḥ yāvat sa śabdo bhavati tāvat puruṣa ucyate
‚Der Ruf einer verdienstvollen Tat berührt Himmel und Erde; solange jener Ruf besteht, so lange wird man ein wahrer Mensch genannt.

tulye priyāpriye yasya sukhaduḥkhe tathaiva ca atītānāgate cobhe sa vai sarvadhanī naraḥ

Wem Liebes und Unliebes gleich gelten, ebenso Freud und Leid, und beides, Vergangenes und Zukünftiges - der ist wahrlich der Mann, der allen Reichtum besitzt.‘

Wort für Wort
tulye priyāpriye yasya sukhaduḥkhe tathaiva ca atītānāgate cobhe sa vai sarvadhanī naraḥ
Wem Liebes und Unliebes gleich gelten, ebenso Freud und Leid, und beides, Vergangenes und Zukünftiges - der ist wahrlich der Mann, der allen Reichtum besitzt.‘

yakṣa uvāca vyākhyātaḥ puruṣo rājan yaś ca sarvadhanī naraḥ tasmāt tavaiko bhrātṝṇāṃ yam icchasi sa jīvatu

‚Erklärt ist, o König, der wahre Mensch, und wer der Mann ist, der allen Reichtum besitzt. Deshalb möge einer deiner Brüder, welchen du wünschst, leben.‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca vyākhyātaḥ puruṣo rājan yaś ca sarvadhanī naraḥ tasmāt tavaiko bhrātṝṇāṃ yam icchasi sa jīvatu
‚Erklärt ist, o König, der wahre Mensch, und wer der Mann ist, der allen Reichtum besitzt. Deshalb möge einer deiner Brüder, welchen du wünschst, leben.‘

yudhiṣṭhira uvāca śyāmo ya eṣa raktākṣo bṛhacchāla ivodgataḥ vyūḍhorasko mahābāhur nakulo yakṣa jīvatu

‚Der Dunkelhäutige dort, mit den roten Augen, wie ein hochgewachsener Śāla-Baum emporragend, mit breiter Brust, starkarmig - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca śyāmo ya eṣa raktākṣo bṛhacchāla ivodgataḥ vyūḍhorasko mahābāhur nakulo yakṣa jīvatu
‚Der Dunkelhäutige dort, mit den roten Augen, wie ein hochgewachsener Śāla-Baum emporragend, mit breiter Brust, starkarmig - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.‘

yakṣa uvāca priyas te bhīmaseno 'yam arjuno vaḥ parāyaṇam sa kasmān nakulaṃ rājan sāpatnaṃ jīvam icchasi

‚Lieb ist dir dieser Bhīmasena, Arjuna ist eure Zuflucht - warum, o König, wünschst du, dass Nakula lebe, der Sohn der Mitgattin?

Wort für Wort
yakṣa uvāca priyas te bhīmaseno 'yam arjuno vaḥ parāyaṇam sa kasmān nakulaṃ rājan sāpatnaṃ jīvam icchasi
‚Lieb ist dir dieser Bhīmasena, Arjuna ist eure Zuflucht - warum, o König, wünschst du, dass Nakula lebe, der Sohn der Mitgattin?

'Sohn der Mitgattin' übersetzt sāpatna: Nakula (wie Sahadeva) ist der Sohn Mādrīs, der zweiten Gattin Pāṇḍus, während Yudhiṣṭhira, Bhīma und Arjuna Söhne Kuntīs sind.

yasya nāgasahasreṇa daśasaṃkhyena vai balam tulyaṃ taṃ bhīmam utsṛjya nakulaṃ jīvam icchasi

Dessen Kraft zehntausend Elefanten gleichkommt - jenen Bhīma zurücklassend, wünschst du, dass Nakula lebe?

Wort für Wort
yasya nāgasahasreṇa daśasaṃkhyena vai balam tulyaṃ taṃ bhīmam utsṛjya nakulaṃ jīvam icchasi
Dessen Kraft zehntausend Elefanten gleichkommt - jenen Bhīma zurücklassend, wünschst du, dass Nakula lebe?

tathainaṃ manujāḥ prāhur bhīmasenaṃ priyaṃ tava atha kenānubhāvena sāpatnaṃ jīvam icchasi

So auch nennen die Menschen diesen Bhīmasena als dir lieb - aus welchem Grund also wünschst du, dass der Sohn der Mitgattin lebe?

Wort für Wort
tathainaṃ manujāḥ prāhur bhīmasenaṃ priyaṃ tava atha kenānubhāvena sāpatnaṃ jīvam icchasi
So auch nennen die Menschen diesen Bhīmasena als dir lieb - aus welchem Grund also wünschst du, dass der Sohn der Mitgattin lebe?

yasya bāhubalaṃ sarve pāṇḍavāḥ samupāśritāḥ arjunaṃ tam apāhāya nakulaṃ jīvam icchasi

Auf dessen Armkraft sich alle Pāṇḍavas stützen - jenen Arjuna beiseitelassend, wünschst du, dass Nakula lebe?‘

Wort für Wort
yasya bāhubalaṃ sarve pāṇḍavāḥ samupāśritāḥ arjunaṃ tam apāhāya nakulaṃ jīvam icchasi
Auf dessen Armkraft sich alle Pāṇḍavas stützen - jenen Arjuna beiseitelassend, wünschst du, dass Nakula lebe?‘

yudhiṣṭhira uvāca ānṛśaṃsyaṃ paro dharmaḥ paramārthāc ca me matam ānṛśaṃsyaṃ cikīrṣāmi nakulo yakṣa jīvatu

‚Mitgefühl ist das höchste Recht - dies ist meine Ansicht, mehr noch als mein eigener höchster Vorteil; Mitgefühl will ich üben - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca ānṛśaṃsyaṃ paro dharmaḥ paramārthāc ca me matam ānṛśaṃsyaṃ cikīrṣāmi nakulo yakṣa jīvatu
‚Mitgefühl ist das höchste Recht - dies ist meine Ansicht, mehr noch als mein eigener höchster Vorteil; Mitgefühl will ich üben - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.

dharmaśīlaḥ sadā rājā iti māṃ mānavā viduḥ svadharmān na caliṣyāmi nakulo yakṣa jīvatu

Die Menschen kennen mich als einen stets rechtschaffenen König; von meinem eigenen Dharma werde ich nicht abweichen - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.

Wort für Wort
dharmaśīlaḥ sadā rājā iti māṃ mānavā viduḥ svadharmān na caliṣyāmi nakulo yakṣa jīvatu
Die Menschen kennen mich als einen stets rechtschaffenen König; von meinem eigenen Dharma werde ich nicht abweichen - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.

Das im Sanskrit mit 'iti' markierte Selbstzitat ('so kennen mich die Menschen') wird hier als indirekte Rede wiedergegeben, um innerhalb von Yudhiṣṭhiras bereits einfach angeführter Rede keine dritte Zitatebene zu eröffnen.

yathā kuntī tathā mādrī viśeṣo nāsti me tayoḥ mātṛbhyāṃ samam icchāmi nakulo yakṣa jīvatu

Wie Kuntī, so ist mir Mādrī; keinen Unterschied mache ich zwischen den beiden; Gleiches wünsche ich für beide Mütter - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.‘

Wort für Wort
yathā kuntī tathā mādrī viśeṣo nāsti me tayoḥ mātṛbhyāṃ samam icchāmi nakulo yakṣa jīvatu
Wie Kuntī, so ist mir Mādrī; keinen Unterschied mache ich zwischen den beiden; Gleiches wünsche ich für beide Mütter - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.‘

yakṣa uvāca yasya te 'rthāc ca kāmāc ca ānṛśaṃsyaṃ paraṃ matam tasmāt te bhrātaraḥ sarve jīvantu bharatarṣabha

‚Da dir Mitgefühl mehr gilt als eigener Vorteil und Begehren, sollen deshalb alle deine Brüder leben, du Stier der Bharatas.‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca yasya te 'rthāc ca kāmāc ca ānṛśaṃsyaṃ paraṃ matam tasmāt te bhrātaraḥ sarve jīvantu bharatarṣabha
‚Da dir Mitgefühl mehr gilt als eigener Vorteil und Begehren, sollen deshalb alle deine Brüder leben, du Stier der Bharatas.‘

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