Yudhiṣṭhira findet seine vier Brüder tot am Teich und erkennt an ihren unversehrten, heiteren Gesichtern, dass keine gewöhnliche Waffe sie getötet haben kann. Als er selbst ins Wasser steigen will, warnt ihn eine Stimme - der Yakṣa, dem der Teich gehört und der bereits die anderen vier, die seine Warnung missachtet hatten, getötet hat. Es folgt der berühmte Dialog: Der Yakṣa stellt Yudhiṣṭhira eine lange Reihe von Rätselfragen zu Kosmos, Ritual, Dharma und Lebensweisheit (u.a. was schwerer als die Erde, schneller als der Wind, zahlreicher als die Menschen sei; was den wahren Menschen und den 'an allem Reichtum reichen' Mann ausmache), die Yudhiṣṭhira allesamt treffend beantwortet. Zum Lohn darf er einen seiner toten Brüder wieder zum Leben erwecken; er wählt - zur Überraschung des Yakṣa, der eher Bhīma oder Arjuna erwartet hätte - den Halbbruder Nakula, mit der Begründung, dass Mitgefühl (ānṛśaṃsya) sein höchstes Prinzip sei und er zwischen den Söhnen Kuntīs und Mādrīs keinen Unterschied mache. Von dieser Antwort tief bewegt, gewährt der Yakṣa daraufhin allen vier Brüdern das Leben zurück.
Er sah den erschlagenen Arjuna, dessen Bogen und Pfeile umherverstreut lagen, sowie Bhīmasena und die beiden Zwillinge, regungslos, ihres Lebens beraubt.
Er sah den erschlagenen Arjuna, dessen Bogen und Pfeile umherverstreut lagen, sowie Bhīmasena und die beiden Zwillinge, regungslos, ihres Lebens beraubt.
Keine Waffenverletzung ist an ihnen, keine Fußspur ist hier von irgendjemandem zu sehen; ich glaube, dies ist ein mächtiges Wesen, durch das meine Brüder getötet wurden. Ich werde konzentriert nachdenken - oder ich werde es erfahren, indem ich das Wasser trinke.
Keine Waffenverletzung ist an ihnen, keine Fußspur ist hier von irgendjemandem zu sehen; ich glaube, dies ist ein mächtiges Wesen, durch das meine Brüder getötet wurden. Ich werde konzentriert nachdenken - oder ich werde es erfahren, indem ich das Wasser trinke.
ekaikaśaś caughabalān imān puruṣasattamān ko 'nyaḥ pratisamāseta kālāntakayamād ṛte
Wer anders als der alles beendende Yama, der Tod, könnte diese besten der Männer, einen nach dem anderen, gleich einer Flutwelle an Kraft, bezwungen haben?
Wort für Wort
ekaikaśaś caughabalān imān puruṣasattamān ko 'nyaḥ pratisamāseta kālāntakayamād ṛte
Wer anders als der alles beendende Yama, der Tod, könnte diese besten der Männer, einen nach dem anderen, gleich einer Flutwelle an Kraft, bezwungen haben?
yakṣa uvāca ahaṃ bakaḥ śaivalamatsyabhakṣo; mayā nītāḥ pretavaśaṃ tavānujāḥ tvaṃ pañcamo bhavitā rājaputra; na cet praśnān pṛcchato vyākaroṣi
‚Ich bin ein Reiher, der sich von Algen und Fischen nährt; von mir sind deine jüngeren Brüder in die Gewalt der Verstorbenen geführt worden. Du wirst der fünfte sein, Königssohn, wenn du die Fragen dessen, der fragt, nicht beantwortest.
Wort für Wort
yakṣa uvāca ahaṃ bakaḥ śaivalamatsyabhakṣo; mayā nītāḥ pretavaśaṃ tavānujāḥ tvaṃ pañcamo bhavitā rājaputra; na cet praśnān pṛcchato vyākaroṣi
‚Ich bin ein Reiher, der sich von Algen und Fischen nährt; von mir sind deine jüngeren Brüder in die Gewalt der Verstorbenen geführt worden. Du wirst der fünfte sein, Königssohn, wenn du die Fragen dessen, der fragt, nicht beantwortest.
Die Selbstbezeichnung als 'Reiher' (baka) ist rätselhaft und wird im Sanskrit-Text nicht weiter erklärt; sie mag als eine erste, verhüllende Selbstaussage des sich erst in V.018 als Yakṣa zu erkennen gebenden Sprechers zu verstehen sein.
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘
Wort für Wort
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘
‚Bist du der Erste unter den Rudras, oder unter den Vasus, oder unter den Maruts? Ich frage: Welcher Gott bist du? Dies ist nicht das Werk eines Vogels.
‚Bist du der Erste unter den Rudras, oder unter den Vasus, oder unter den Maruts? Ich frage: Welcher Gott bist du? Dies ist nicht das Werk eines Vogels.
Ein Wortspiel liegt nahe: 'śakuninā' bedeutet wörtlich 'durch einen Vogel', klingt aber wie der Name Śakunis, den Yudhiṣṭhira gerade eben (V.005) als möglichen Urheber verdächtigt hatte.
atīva te mahat karma kṛtaṃ balavatāṃ vara yan na devā na gandharvā nāsurā na ca rākṣasāḥ viṣaheran mahāyuddhe kṛtaṃ te tan mahādbhutam
Überaus gewaltig ist die Tat, die von dir vollbracht wurde, Bester der Starken - eine Tat, die weder Götter noch Gandharvas, weder Asuras noch Rākṣasas in gewaltigem Kampf ertragen könnten; überaus wunderbar ist das, was du vollbracht hast.
Wort für Wort
atīva te mahat karma kṛtaṃ balavatāṃ vara yan na devā na gandharvā nāsurā na ca rākṣasāḥ viṣaheran mahāyuddhe kṛtaṃ te tan mahādbhutam
Überaus gewaltig ist die Tat, die von dir vollbracht wurde, Bester der Starken - eine Tat, die weder Götter noch Gandharvas, weder Asuras noch Rākṣasas in gewaltigem Kampf ertragen könnten; überaus wunderbar ist das, was du vollbracht hast.
und sah den Yakṣa mit entstelltem Auge, von gewaltigem Körperbau, so hoch wie eine Palme, dem lodernden Feuer oder der Sonne gleichend, unbezwingbar, einem Berg vergleichbar,
und sah den Yakṣa mit entstelltem Auge, von gewaltigem Körperbau, so hoch wie eine Palme, dem lodernden Feuer oder der Sonne gleichend, unbezwingbar, einem Berg vergleichbar,
na peyam udakaṃ rājan prāṇān iha parīpsatā pārtha mā sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
Nicht zu trinken ist das Wasser, o König, für den, der hier sein Leben erhalten will. Pārtha, handle nicht unbesonnen - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘
Wort für Wort
na peyam udakaṃ rājan prāṇān iha parīpsatā pārtha mā sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
Nicht zu trinken ist das Wasser, o König, für den, der hier sein Leben erhalten will. Pārtha, handle nicht unbesonnen - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘
yudhiṣṭhira uvāca brahmādityam unnayati devās tasyābhitaś carāḥ dharmaś cāstaṃ nayati ca satye ca pratitiṣṭhati
‚Brahman erhebt die Sonne empor; die Götter sind es, die um sie herum wandeln; das Recht (dharma) lässt sie untergehen, und in der Wahrheit beruht sie.‘
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca brahmādityam unnayati devās tasyābhitaś carāḥ dharmaś cāstaṃ nayati ca satye ca pratitiṣṭhati
‚Brahman erhebt die Sonne empor; die Götter sind es, die um sie herum wandeln; das Recht (dharma) lässt sie untergehen, und in der Wahrheit beruht sie.‘
‚Wodurch wird man ein Kenner der heiligen Schriften? Wodurch erlangt man Großes? Wodurch hat man, o König, einen zweiten Gefährten? Und wodurch wird man klug?‘
‚Wodurch wird man ein Kenner der heiligen Schriften? Wodurch erlangt man Großes? Wodurch hat man, o König, einen zweiten Gefährten? Und wodurch wird man klug?‘
‚Durch heiliges Hören wird man Kenner der Schriften; durch Askese erlangt man Großes; durch Standhaftigkeit hat man einen zweiten Gefährten; durch den Dienst an den Alten wird man klug.‘
‚Durch heiliges Hören wird man Kenner der Schriften; durch Askese erlangt man Großes; durch Standhaftigkeit hat man einen zweiten Gefährten; durch den Dienst an den Alten wird man klug.‘
yakṣa uvāca kiṃ brāhmaṇānāṃ devatvaṃ kaś ca dharmaḥ satām iva kaś caiṣāṃ mānuṣo bhāvaḥ kim eṣām asatām iva
‚Was ist die Göttlichkeit der Brahmanen? Was ist ihr Dharma, wie er den Guten eigen ist? Was ist an ihnen das Menschliche? Was gleicht an ihnen dem der Unguten?‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ brāhmaṇānāṃ devatvaṃ kaś ca dharmaḥ satām iva kaś caiṣāṃ mānuṣo bhāvaḥ kim eṣām asatām iva
‚Was ist die Göttlichkeit der Brahmanen? Was ist ihr Dharma, wie er den Guten eigen ist? Was ist an ihnen das Menschliche? Was gleicht an ihnen dem der Unguten?‘
‚Das eigene vedische Studium ist ihre Göttlichkeit; Askese ist das, was den Guten unter ihnen eigen ist; das Sterben ist das Menschliche; Verleumdung ist das, was den Unguten eigen ist.‘
‚Das eigene vedische Studium ist ihre Göttlichkeit; Askese ist das, was den Guten unter ihnen eigen ist; das Sterben ist das Menschliche; Verleumdung ist das, was den Unguten eigen ist.‘
yakṣa uvāca kiṃ kṣatriyāṇāṃ devatvaṃ kaś ca dharmaḥ satām iva kaś caiṣāṃ mānuṣo bhāvaḥ kim eṣām asatām iva
‚Was ist die Göttlichkeit der Kṣatriyas? Was ist ihr Dharma, wie er den Guten eigen ist? Was ist an ihnen das Menschliche? Was gleicht an ihnen dem der Unguten?‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ kṣatriyāṇāṃ devatvaṃ kaś ca dharmaḥ satām iva kaś caiṣāṃ mānuṣo bhāvaḥ kim eṣām asatām iva
‚Was ist die Göttlichkeit der Kṣatriyas? Was ist ihr Dharma, wie er den Guten eigen ist? Was ist an ihnen das Menschliche? Was gleicht an ihnen dem der Unguten?‘
‚Die Bogenkunst ist ihre Göttlichkeit; das Opfer ist das, was den Guten unter ihnen eigen ist; Furcht ist das Menschliche; das Im-Stich-Lassen der Schutzbefohlenen ist das, was den Unguten eigen ist.‘
‚Die Bogenkunst ist ihre Göttlichkeit; das Opfer ist das, was den Guten unter ihnen eigen ist; Furcht ist das Menschliche; das Im-Stich-Lassen der Schutzbefohlenen ist das, was den Unguten eigen ist.‘
yakṣa uvāca kim ekaṃ yajñiyaṃ sāma kim ekaṃ yajñiyaṃ yajuḥ kā caikā vṛścate yajñaṃ kāṃ yajño nātivartate
‚Was ist das eine, opferwürdige Sāma-Lied? Was ist das eine, opferwürdige Yajus-Wort? Was ist das Eine, das ein Opfer zunichtemacht? Über welches Eine geht das Opfer nicht hinaus?‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca kim ekaṃ yajñiyaṃ sāma kim ekaṃ yajñiyaṃ yajuḥ kā caikā vṛścate yajñaṃ kāṃ yajño nātivartate
‚Was ist das eine, opferwürdige Sāma-Lied? Was ist das eine, opferwürdige Yajus-Wort? Was ist das Eine, das ein Opfer zunichtemacht? Über welches Eine geht das Opfer nicht hinaus?‘
Sāma und Yajus bezeichnen die liedhaften bzw. sprechsprachlichen Opferformeln der vedischen Liturgie (Sāmaveda, Yajurveda).
yudhiṣṭhira uvāca prāṇo vai yajñiyaṃ sāma mano vai yajñiyaṃ yajuḥ vāg ekā vṛścate yajñaṃ tāṃ yajño nātivartate
‚Der Atem ist das opferwürdige Sāma; der Geist ist das opferwürdige Yajus; die Rede allein macht das Opfer zunichte; über sie geht das Opfer nicht hinaus.‘
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca prāṇo vai yajñiyaṃ sāma mano vai yajñiyaṃ yajuḥ vāg ekā vṛścate yajñaṃ tāṃ yajño nātivartate
‚Der Atem ist das opferwürdige Sāma; der Geist ist das opferwürdige Yajus; die Rede allein macht das Opfer zunichte; über sie geht das Opfer nicht hinaus.‘
‚Was ist das Beste dessen, was herabfällt? Was das Beste dessen, was niederfällt? Was das Beste dessen, was fest steht? Was das Beste dessen, was spricht?‘
‚Was ist das Beste dessen, was herabfällt? Was das Beste dessen, was niederfällt? Was das Beste dessen, was fest steht? Was das Beste dessen, was spricht?‘
‚Der Regen ist das Beste dessen, was herabfällt; der Same ist das Beste dessen, was niederfällt; die Kühe sind das Beste dessen, was fest steht; der Sohn ist das Beste dessen, was spricht.‘
‚Der Regen ist das Beste dessen, was herabfällt; der Same ist das Beste dessen, was niederfällt; die Kühe sind das Beste dessen, was fest steht; der Sohn ist das Beste dessen, was spricht.‘
‚Die Mutter ist schwerer als die Erde; der Vater ist höher als der Himmel; der Geist ist schneller als der Wind; die Sorge ist zahlreicher als die Menschen selbst.‘
‚Die Mutter ist schwerer als die Erde; der Vater ist höher als der Himmel; der Geist ist schneller als der Wind; die Sorge ist zahlreicher als die Menschen selbst.‘
yakṣa uvāca kiṃ svit suptaṃ na nimiṣati kiṃ svij jātaṃ na copati kasya svid dhṛdayaṃ nāsti kiṃ svid vegena vardhate
‚Was schließt, obwohl schlafend, die Augen nicht? Was regt sich nicht, obwohl geboren? Was hat kein Herz? Was wächst durch die eigene Geschwindigkeit?‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ svit suptaṃ na nimiṣati kiṃ svij jātaṃ na copati kasya svid dhṛdayaṃ nāsti kiṃ svid vegena vardhate
‚Was schließt, obwohl schlafend, die Augen nicht? Was regt sich nicht, obwohl geboren? Was hat kein Herz? Was wächst durch die eigene Geschwindigkeit?‘
yudhiṣṭhira uvāca matsyaḥ supto na nimiṣaty aṇḍaṃ jātaṃ na copati aśmano hṛdayaṃ nāsti nadī vegena vardhate
‚Der Fisch schließt, obwohl schlafend, die Augen nicht; das Ei regt sich nicht, obwohl gelegt; der Stein hat kein Herz; der Fluss wächst durch seine eigene Geschwindigkeit.‘
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca matsyaḥ supto na nimiṣaty aṇḍaṃ jātaṃ na copati aśmano hṛdayaṃ nāsti nadī vegena vardhate
‚Der Fisch schließt, obwohl schlafend, die Augen nicht; das Ei regt sich nicht, obwohl gelegt; der Stein hat kein Herz; der Fluss wächst durch seine eigene Geschwindigkeit.‘
‚Was ist der Freund dessen, der in der Fremde weilt? Was der Freund dessen, der zu Hause ist? Was ist der Freund des Kranken? Was der Freund dessen, der sterben wird?‘
‚Was ist der Freund dessen, der in der Fremde weilt? Was der Freund dessen, der zu Hause ist? Was ist der Freund des Kranken? Was der Freund dessen, der sterben wird?‘
‚Die Reisegesellschaft ist der Freund dessen, der in der Fremde weilt; die Gattin ist der Freund dessen, der zu Hause ist; der Arzt ist der Freund des Kranken; die Freigebigkeit ist der Freund dessen, der sterben wird.‘
‚Die Reisegesellschaft ist der Freund dessen, der in der Fremde weilt; die Gattin ist der Freund dessen, der zu Hause ist; der Arzt ist der Freund des Kranken; die Freigebigkeit ist der Freund dessen, der sterben wird.‘
‚Tüchtigkeit ist in einem Wort das Rechtschaffene; Freigebigkeit ist in einem Wort der Ruhm; Wahrheit ist in einem Wort das Himmlische; guter Charakter ist in einem Wort das Glück.‘
‚Tüchtigkeit ist in einem Wort das Rechtschaffene; Freigebigkeit ist in einem Wort der Ruhm; Wahrheit ist in einem Wort das Himmlische; guter Charakter ist in einem Wort das Glück.‘
yudhiṣṭhira uvāca putra ātmā manuṣyasya bhāryā daivakṛtaḥ sakhā upajīvanaṃ ca parjanyo dānam asya parāyaṇam
‚Der Sohn ist das Selbst des Menschen; die Gattin ist der vom Schicksal gemachte Freund; die Regenwolke ist sein Lebensunterhalt; die Freigebigkeit ist seine letzte Zuflucht.‘
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca putra ātmā manuṣyasya bhāryā daivakṛtaḥ sakhā upajīvanaṃ ca parjanyo dānam asya parāyaṇam
‚Der Sohn ist das Selbst des Menschen; die Gattin ist der vom Schicksal gemachte Freund; die Regenwolke ist sein Lebensunterhalt; die Freigebigkeit ist seine letzte Zuflucht.‘
‚Was ist das Höchste unter den gesegneten Eigenschaften? Was das Höchste unter den Reichtümern? Was das Höchste unter den Gewinnen? Was ebenso das Höchste unter den Freuden?‘
‚Was ist das Höchste unter den gesegneten Eigenschaften? Was das Höchste unter den Reichtümern? Was das Höchste unter den Gewinnen? Was ebenso das Höchste unter den Freuden?‘
‚Tüchtigkeit ist das Höchste unter den gesegneten Eigenschaften; heiliges Wissen ist das Höchste unter den Reichtümern; Gesundheit ist der beste unter den Gewinnen; Zufriedenheit ist die höchste unter den Freuden.‘
‚Tüchtigkeit ist das Höchste unter den gesegneten Eigenschaften; heiliges Wissen ist das Höchste unter den Reichtümern; Gesundheit ist der beste unter den Gewinnen; Zufriedenheit ist die höchste unter den Freuden.‘
yakṣa uvāca kaś ca dharmaḥ paro loke kaś ca dharmaḥ sadāphalaḥ kiṃ niyamya na śocanti kaiś ca saṃdhir na jīryate
‚Was ist das höchste Recht in der Welt? Was ist das Recht, das stets Frucht trägt? Was, wenn man es bezähmt, macht, dass man nicht trauert? Mit wem zerfällt ein Bündnis nicht?‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca kaś ca dharmaḥ paro loke kaś ca dharmaḥ sadāphalaḥ kiṃ niyamya na śocanti kaiś ca saṃdhir na jīryate
‚Was ist das höchste Recht in der Welt? Was ist das Recht, das stets Frucht trägt? Was, wenn man es bezähmt, macht, dass man nicht trauert? Mit wem zerfällt ein Bündnis nicht?‘
yudhiṣṭhira uvāca ānṛśaṃsyaṃ paro dharmas trayīdharmaḥ sadāphalaḥ mano yamya na śocanti sadbhiḥ saṃdhir na jīryate
‚Mitgefühl ist das höchste Recht; das Recht der drei Veden ist das, das stets Frucht trägt; wenn man den Geist bezähmt, trauert man nicht; mit den Guten zerfällt ein Bündnis nicht.‘
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca ānṛśaṃsyaṃ paro dharmas trayīdharmaḥ sadāphalaḥ mano yamya na śocanti sadbhiḥ saṃdhir na jīryate
‚Mitgefühl ist das höchste Recht; das Recht der drei Veden ist das, das stets Frucht trägt; wenn man den Geist bezähmt, trauert man nicht; mit den Guten zerfällt ein Bündnis nicht.‘
ānṛśaṃsya (wörtl. 'Nicht-Grausamkeit') wird hier als 'Mitgefühl' übersetzt; es bezeichnet die Abwesenheit von Grausamkeit und Härte gegenüber anderen Wesen und wird am Kapitelende (V.071-074) zum entscheidenden Prüfstein.
yakṣa uvāca kiṃ nu hitvā priyo bhavati kiṃ nu hitvā na śocati kiṃ nu hitvārthavān bhavati kiṃ nu hitvā sukhī bhavet
‚Was, wenn man es aufgibt, wird man beliebt? Was, wenn man es aufgibt, trauert man nicht? Was, wenn man es aufgibt, wird man vermögend? Was, wenn man es aufgibt, wird man glücklich?‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ nu hitvā priyo bhavati kiṃ nu hitvā na śocati kiṃ nu hitvārthavān bhavati kiṃ nu hitvā sukhī bhavet
‚Was, wenn man es aufgibt, wird man beliebt? Was, wenn man es aufgibt, trauert man nicht? Was, wenn man es aufgibt, wird man vermögend? Was, wenn man es aufgibt, wird man glücklich?‘
‚Wenn man Hochmut aufgibt, wird man beliebt; wenn man Zorn aufgibt, trauert man nicht; wenn man das Begehren aufgibt, wird man vermögend; wenn man die Gier aufgibt, wird man glücklich.‘
‚Wenn man Hochmut aufgibt, wird man beliebt; wenn man Zorn aufgibt, trauert man nicht; wenn man das Begehren aufgibt, wird man vermögend; wenn man die Gier aufgibt, wird man glücklich.‘
yakṣa uvāca kā dik kim udakaṃ proktaṃ kim annaṃ pārtha kiṃ viṣam śrāddhasya kālam ākhyāhi tataḥ piba harasva ca
‚Was ist die wahre Richtung? Was wird als Wasser bezeichnet? Was ist die Speise, Pārtha? Was ist Gift? Nenne mir die rechte Zeit für das Totenopfer - dann trink und nimm Wasser.‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca kā dik kim udakaṃ proktaṃ kim annaṃ pārtha kiṃ viṣam śrāddhasya kālam ākhyāhi tataḥ piba harasva ca
‚Was ist die wahre Richtung? Was wird als Wasser bezeichnet? Was ist die Speise, Pārtha? Was ist Gift? Nenne mir die rechte Zeit für das Totenopfer - dann trink und nimm Wasser.‘
‚Die Guten sind die wahre Richtung; der Luftraum ist das Wasser; die Kuh ist die Speise; das Erbitten ist das Gift; der würdige Brahmane ist die Zeit für das Totenopfer - oder wie meinst du es, Yakṣa?‘
‚Die Guten sind die wahre Richtung; der Luftraum ist das Wasser; die Kuh ist die Speise; das Erbitten ist das Gift; der würdige Brahmane ist die Zeit für das Totenopfer - oder wie meinst du es, Yakṣa?‘
yakṣa uvāca vyākhyātā me tvayā praśnā yāthātathyaṃ paraṃtapa puruṣaṃ tv idānīm ākhyāhi yaś ca sarvadhanī naraḥ
‚Erklärt wurden mir von dir die Fragen wahrheitsgemäß, du Bezwinger der Feinde; nun aber erkläre mir, was der wahre Mensch ist, und wer der Mann ist, der allen Reichtum besitzt.‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca vyākhyātā me tvayā praśnā yāthātathyaṃ paraṃtapa puruṣaṃ tv idānīm ākhyāhi yaś ca sarvadhanī naraḥ
‚Erklärt wurden mir von dir die Fragen wahrheitsgemäß, du Bezwinger der Feinde; nun aber erkläre mir, was der wahre Mensch ist, und wer der Mann ist, der allen Reichtum besitzt.‘
tulye priyāpriye yasya sukhaduḥkhe tathaiva ca atītānāgate cobhe sa vai sarvadhanī naraḥ
Wem Liebes und Unliebes gleich gelten, ebenso Freud und Leid, und beides, Vergangenes und Zukünftiges - der ist wahrlich der Mann, der allen Reichtum besitzt.‘
Wort für Wort
tulye priyāpriye yasya sukhaduḥkhe tathaiva ca atītānāgate cobhe sa vai sarvadhanī naraḥ
Wem Liebes und Unliebes gleich gelten, ebenso Freud und Leid, und beides, Vergangenes und Zukünftiges - der ist wahrlich der Mann, der allen Reichtum besitzt.‘
yakṣa uvāca vyākhyātaḥ puruṣo rājan yaś ca sarvadhanī naraḥ tasmāt tavaiko bhrātṝṇāṃ yam icchasi sa jīvatu
‚Erklärt ist, o König, der wahre Mensch, und wer der Mann ist, der allen Reichtum besitzt. Deshalb möge einer deiner Brüder, welchen du wünschst, leben.‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca vyākhyātaḥ puruṣo rājan yaś ca sarvadhanī naraḥ tasmāt tavaiko bhrātṝṇāṃ yam icchasi sa jīvatu
‚Erklärt ist, o König, der wahre Mensch, und wer der Mann ist, der allen Reichtum besitzt. Deshalb möge einer deiner Brüder, welchen du wünschst, leben.‘
‚Der Dunkelhäutige dort, mit den roten Augen, wie ein hochgewachsener Śāla-Baum emporragend, mit breiter Brust, starkarmig - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.‘
‚Der Dunkelhäutige dort, mit den roten Augen, wie ein hochgewachsener Śāla-Baum emporragend, mit breiter Brust, starkarmig - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.‘
yakṣa uvāca priyas te bhīmaseno 'yam arjuno vaḥ parāyaṇam sa kasmān nakulaṃ rājan sāpatnaṃ jīvam icchasi
‚Lieb ist dir dieser Bhīmasena, Arjuna ist eure Zuflucht - warum, o König, wünschst du, dass Nakula lebe, der Sohn der Mitgattin?
Wort für Wort
yakṣa uvāca priyas te bhīmaseno 'yam arjuno vaḥ parāyaṇam sa kasmān nakulaṃ rājan sāpatnaṃ jīvam icchasi
‚Lieb ist dir dieser Bhīmasena, Arjuna ist eure Zuflucht - warum, o König, wünschst du, dass Nakula lebe, der Sohn der Mitgattin?
'Sohn der Mitgattin' übersetzt sāpatna: Nakula (wie Sahadeva) ist der Sohn Mādrīs, der zweiten Gattin Pāṇḍus, während Yudhiṣṭhira, Bhīma und Arjuna Söhne Kuntīs sind.
yudhiṣṭhira uvāca ānṛśaṃsyaṃ paro dharmaḥ paramārthāc ca me matam ānṛśaṃsyaṃ cikīrṣāmi nakulo yakṣa jīvatu
‚Mitgefühl ist das höchste Recht - dies ist meine Ansicht, mehr noch als mein eigener höchster Vorteil; Mitgefühl will ich üben - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca ānṛśaṃsyaṃ paro dharmaḥ paramārthāc ca me matam ānṛśaṃsyaṃ cikīrṣāmi nakulo yakṣa jīvatu
‚Mitgefühl ist das höchste Recht - dies ist meine Ansicht, mehr noch als mein eigener höchster Vorteil; Mitgefühl will ich üben - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.
Die Menschen kennen mich als einen stets rechtschaffenen König; von meinem eigenen Dharma werde ich nicht abweichen - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.
Das im Sanskrit mit 'iti' markierte Selbstzitat ('so kennen mich die Menschen') wird hier als indirekte Rede wiedergegeben, um innerhalb von Yudhiṣṭhiras bereits einfach angeführter Rede keine dritte Zitatebene zu eröffnen.
Wie Kuntī, so ist mir Mādrī; keinen Unterschied mache ich zwischen den beiden; Gleiches wünsche ich für beide Mütter - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.‘
Wie Kuntī, so ist mir Mādrī; keinen Unterschied mache ich zwischen den beiden; Gleiches wünsche ich für beide Mütter - Nakula, o Yakṣa, möge er leben.‘