Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)
Kapitel 176: Nahuṣopākhyānam
Nahuṣas Erzählung
Bhīma, im Griff der Riesenschlange festgehalten, fragt nach ihrer Herkunft; die Schlange offenbart sich als der einstige Königsweise Nahuṣa, ein Ahn der Kurus, der einst als Indra über die Götter herrschte, doch durch Hochmut und die Missachtung von Brahmanen von Agastya zur Schlange verflucht wurde – erlösbar erst durch jemanden, der ihm schwierige Fragen beantwortet. Bhīma klagt nicht um sich selbst, sondern um seine im Wald zurückgelassenen Brüder und seine Mutter Kuntī. Unterdessen wird Yudhiṣṭhira durch zahlreiche unheilvolle Vorzeichen beunruhigt, erfährt von Draupadī Bhīmas langes Fernbleiben und macht sich, Draupadī unter Arjunas und die Brahmanen unter der Zwillinge Schutz stellend, mit Dhaumya auf die Suche, bis er Bhīmas Spur bis zur Bergschlucht verfolgt und ihn regungslos in den Windungen der Schlange findet.
vaiśaṃpāyana uvāca sa bhīmasenas tejasvī tathā sarpavaśaṃ gataḥ cintayām āsa sarpasya vīryam atyadbhutaṃ mahat
Vaiśaṃpāyana sprach: Bhīmasena, der Glanzvolle, so in die Gewalt der Schlange geraten, dachte über die überaus wunderbare, gewaltige Kraft der Schlange nach.
Wort für Wort vaiśaṃpāyana uvāca sa bhīmasenas tejasvī tathā sarpavaśaṃ gataḥ cintayām āsa sarpasya vīryam atyadbhutaṃ mahat Vaiśaṃpāyana sprach: Bhīmasena, der Glanzvolle, so in die Gewalt der Schlange geraten, dachte über die überaus wunderbare, gewaltige Kraft der Schlange nach. uvāca ca mahāsarpaṃ kāmayā brūhi pannaga kas tvaṃ bho bhujagaśreṣṭha kiṃ mayā ca kariṣyasi
Und er sprach zur großen Schlange: „Sage mir aus freien Stücken, Schlange, wer du bist, o bester der Schlangen, und was du mit mir vorhast.
Wort für Wort uvāca ca mahāsarpaṃ kāmayā brūhi pannaga kas tvaṃ bho bhujagaśreṣṭha kiṃ mayā ca kariṣyasi Und er sprach zur großen Schlange: „Sage mir aus freien Stücken, Schlange, wer du bist, o bester der Schlangen, und was du mit mir vorhast. pāṇḍavo bhimaseno 'haṃ dharmarājād anantaraḥ nāgāyutasamaprāṇas tvayā nītaḥ kathaṃ vaśam
Ich bin der Pāṇḍava Bhīmasena, der nächste nach dem Dharmarāja, von der Kraft zehntausend Elefanten – wie bin ich von dir in deine Gewalt gebracht worden?
Wort für Wort pāṇḍavo bhimaseno 'haṃ dharmarājād anantaraḥ nāgāyutasamaprāṇas tvayā nītaḥ kathaṃ vaśam Ich bin der Pāṇḍava Bhīmasena, der nächste nach dem Dharmarāja, von der Kraft zehntausend Elefanten – wie bin ich von dir in deine Gewalt gebracht worden? siṃhāḥ kesariṇo vyāghrā mahiṣā vāraṇās tathā samāgatāś ca bahuśo nihatāś ca mayā mṛdhe
Löwen mit Mähne, Tiger, Büffel und ebenso Elefanten sind mir vielfach begegnet und von mir im Kampf erschlagen worden.
Wort für Wort siṃhāḥ kesariṇo vyāghrā mahiṣā vāraṇās tathā samāgatāś ca bahuśo nihatāś ca mayā mṛdhe Löwen mit Mähne, Tiger, Büffel und ebenso Elefanten sind mir vielfach begegnet und von mir im Kampf erschlagen worden. dānavāś ca piśācāś ca rākṣasāś ca mahābalāḥ bhujavegam aśaktā me soḍhuṃ pannagasattama
Dānavas und Piśācas und gewaltige Rākṣasas vermochten die Wucht meiner Arme nicht zu ertragen, bester der Schlangen.
Wort für Wort dānavāś ca piśācāś ca rākṣasāś ca mahābalāḥ bhujavegam aśaktā me soḍhuṃ pannagasattama Dānavas und Piśācas und gewaltige Rākṣasas vermochten die Wucht meiner Arme nicht zu ertragen, bester der Schlangen. kiṃ nu vidyābalaṃ kiṃ vā varadānam atho tava udyogam api kurvāṇo vaśago 'smi kṛtas tvayā
Ist es nun die Kraft eines Zauberwissens, oder ist es eine dir gewährte Gabe? Selbst als ich mich anstrengte, bin ich von dir in deine Gewalt gebracht worden.
Wort für Wort kiṃ nu vidyābalaṃ kiṃ vā varadānam atho tava udyogam api kurvāṇo vaśago 'smi kṛtas tvayā Ist es nun die Kraft eines Zauberwissens, oder ist es eine dir gewährte Gabe? Selbst als ich mich anstrengte, bin ich von dir in deine Gewalt gebracht worden. asatyo vikramo nṝṇām iti me niścitā matiḥ yathedaṃ me tvayā nāga balaṃ pratihataṃ mahat
Unwirklich ist die Tapferkeit der Menschen – so ist meine feste Überzeugung, da meine so gewaltige Kraft von dir, Schlange, zunichtegemacht wurde.“
Wort für Wort asatyo vikramo nṝṇām iti me niścitā matiḥ yathedaṃ me tvayā nāga balaṃ pratihataṃ mahat Unwirklich ist die Tapferkeit der Menschen – so ist meine feste Überzeugung, da meine so gewaltige Kraft von dir, Schlange, zunichtegemacht wurde.“ ity evaṃvādinaṃ vīraṃ bhīmam akliṣṭakāriṇam bhogena mahatā sarpaḥ samantāt paryaveṣṭayat
Während der Held Bhīma, der nie Ermattende, so sprach, umschlang ihn die Schlange mit ihrem gewaltigen Leib von allen Seiten.
Wort für Wort ity evaṃvādinaṃ vīraṃ bhīmam akliṣṭakāriṇam bhogena mahatā sarpaḥ samantāt paryaveṣṭayat Während der Held Bhīma, der nie Ermattende, so sprach, umschlang ihn die Schlange mit ihrem gewaltigen Leib von allen Seiten. nigṛhya taṃ mahābāhuṃ tataḥ sa bhujagas tadā vimucyāsya bhujau pīnāv idaṃ vacanam abravīt
Nachdem sie den Starkarmigen gebändigt hatte, da löste die Schlange seine beiden kräftigen Arme und sprach dieses Wort:
Wort für Wort nigṛhya taṃ mahābāhuṃ tataḥ sa bhujagas tadā vimucyāsya bhujau pīnāv idaṃ vacanam abravīt Nachdem sie den Starkarmigen gebändigt hatte, da löste die Schlange seine beiden kräftigen Arme und sprach dieses Wort: diṣṭyā tvaṃ kṣudhitasyādya devair bhakṣo mahābhuja diṣṭyā kālasya mahataḥ priyāḥ prāṇā hi dehinām
„Zum Glück bist du heute mir, dem Hungrigen, von den Göttern zur Speise bestimmt, Starkarmiger; zum Glück, denn dem großen Schicksal sind die Leben der Verkörperten lieb.
Wort für Wort diṣṭyā tvaṃ kṣudhitasyādya devair bhakṣo mahābhuja diṣṭyā kālasya mahataḥ priyāḥ prāṇā hi dehinām „Zum Glück bist du heute mir, dem Hungrigen, von den Göttern zur Speise bestimmt, Starkarmiger; zum Glück, denn dem großen Schicksal sind die Leben der Verkörperten lieb. yathā tv idaṃ mayā prāptaṃ bhujaṃgatvam ariṃdama tad avaśyaṃ mayā khyāpyaṃ tavādya śṛṇu sattama
Wie ich aber zu diesem Schlangenwesen gelangt bin, o Bezwinger der Feinde, das muss ich dir heute unbedingt kundtun; höre, du Bester.
Wort für Wort yathā tv idaṃ mayā prāptaṃ bhujaṃgatvam ariṃdama tad avaśyaṃ mayā khyāpyaṃ tavādya śṛṇu sattama Wie ich aber zu diesem Schlangenwesen gelangt bin, o Bezwinger der Feinde, das muss ich dir heute unbedingt kundtun; höre, du Bester. imām avasthāṃ saṃprāpto hy ahaṃ kopān manīṣiṇām śāpasyāntaṃ pariprepsuḥ sarpasya kathayāmi tat
Durch den Zorn weiser Männer bin ich in diesen Zustand geraten; das Ende des Fluchs erstrebend, erzähle ich dies als Schlange.
Wort für Wort imām avasthāṃ saṃprāpto hy ahaṃ kopān manīṣiṇām śāpasyāntaṃ pariprepsuḥ sarpasya kathayāmi tat Durch den Zorn weiser Männer bin ich in diesen Zustand geraten; das Ende des Fluchs erstrebend, erzähle ich dies als Schlange. nahuṣo nāma rājarṣir vyaktaṃ te śrotram āgataḥ tavaiva pūrvaḥ pūrveṣām āyor vaṃśakaraḥ sutaḥ
Der Königsweise namens Nahuṣa ist dir gewiss zu Ohren gekommen; er war ein Vorfahr deiner Vorfahren, der geschlechtstiftende Sohn Āyus.
Wort für Wort nahuṣo nāma rājarṣir vyaktaṃ te śrotram āgataḥ tavaiva pūrvaḥ pūrveṣām āyor vaṃśakaraḥ sutaḥ Der Königsweise namens Nahuṣa ist dir gewiss zu Ohren gekommen; er war ein Vorfahr deiner Vorfahren, der geschlechtstiftende Sohn Āyus. so 'haṃ śāpād agastyasya brāhmaṇān avamanya ca imām avasthām āpannaḥ paśya daivam idaṃ mama
Ich bin dieser, und durch den Fluch des Agastya, weil ich Brahmanen missachtet hatte, bin ich in diesen Zustand geraten; sieh dies mein Schicksal.
Wort für Wort so 'haṃ śāpād agastyasya brāhmaṇān avamanya ca imām avasthām āpannaḥ paśya daivam idaṃ mama Ich bin dieser, und durch den Fluch des Agastya, weil ich Brahmanen missachtet hatte, bin ich in diesen Zustand geraten; sieh dies mein Schicksal. tvāṃ ced avadhyam āyāntam atīva priyadarśanam aham adyopayokṣyāmi vidhānaṃ paśya yādṛśam
Dich, obwohl unantastbar, von überaus liebreizendem Anblick, herangekommen, werde ich heute verzehren; sieh, welcherart diese Bestimmung ist.
Wort für Wort tvāṃ ced avadhyam āyāntam atīva priyadarśanam aham adyopayokṣyāmi vidhānaṃ paśya yādṛśam Dich, obwohl unantastbar, von überaus liebreizendem Anblick, herangekommen, werde ich heute verzehren; sieh, welcherart diese Bestimmung ist. na hi me mucyate kaś cit kathaṃ cid grahaṇaṃ gataḥ gajo vā mahiṣo vāpi ṣaṣṭhe kāle narottama
Denn niemand, der einmal in meinen Griff geraten ist, wird auf irgendeine Weise entlassen, sei es ein Elefant oder ein Büffel, im sechsten Teil des Tages, bester der Männer.
Wort für Wort na hi me mucyate kaś cit kathaṃ cid grahaṇaṃ gataḥ gajo vā mahiṣo vāpi ṣaṣṭhe kāle narottama Denn niemand, der einmal in meinen Griff geraten ist, wird auf irgendeine Weise entlassen, sei es ein Elefant oder ein Büffel, im sechsten Teil des Tages, bester der Männer. nāsi kevalasarpeṇa tiryagyoniṣu vartatā gṛhītaḥ kauravaśreṣṭha varadānam idaṃ mama
Du bist nicht von einer bloßen, im Tierschoß befindlichen Schlange ergriffen, bester der Kauravas; dies ist eine mir gewährte Gabe.
Wort für Wort nāsi kevalasarpeṇa tiryagyoniṣu vartatā gṛhītaḥ kauravaśreṣṭha varadānam idaṃ mama Du bist nicht von einer bloßen, im Tierschoß befindlichen Schlange ergriffen, bester der Kauravas; dies ist eine mir gewährte Gabe. patatā hi vimānāgrān mayā śakrāsanād drutam kuru śāpāntam ity ukto bhagavān munisattamaḥ
Denn als ich eilends vom Gipfel meines Himmelswagens fiel, von Indras Thron, rief ich zu Agastya: ‚Beende den Fluch!‘ – so angesprochen, antwortete der Erhabene, der beste der Weisen:
Wort für Wort patatā hi vimānāgrān mayā śakrāsanād drutam kuru śāpāntam ity ukto bhagavān munisattamaḥ Denn als ich eilends vom Gipfel meines Himmelswagens fiel, von Indras Thron, rief ich zu Agastya: ‚Beende den Fluch!‘ – so angesprochen, antwortete der Erhabene, der beste der Weisen: sa mām uvāca tejasvī kṛpayābhipariplutaḥ mokṣas te bhavitā rājan kasmāc cit kālaparyayāt
Er, der Glanzvolle, von Mitleid überströmt, sprach zu mir: ‚Befreiung wird dir zuteil werden, o König, nach Ablauf einiger Zeit.‘
Wort für Wort sa mām uvāca tejasvī kṛpayābhipariplutaḥ mokṣas te bhavitā rājan kasmāc cit kālaparyayāt Er, der Glanzvolle, von Mitleid überströmt, sprach zu mir: ‚Befreiung wird dir zuteil werden, o König, nach Ablauf einiger Zeit.‘ tato 'smi patito bhūmau na ca mām ajahāt smṛtiḥ smārtam asti purāṇaṃ me yathaivādhigataṃ tathā
Da fiel ich zu Boden, doch die Erinnerung verließ mich nicht; das aus den Purāṇas Erinnerte ist mir noch so gegenwärtig, wie ich es einst erlangt hatte.
Wort für Wort tato 'smi patito bhūmau na ca mām ajahāt smṛtiḥ smārtam asti purāṇaṃ me yathaivādhigataṃ tathā Da fiel ich zu Boden, doch die Erinnerung verließ mich nicht; das aus den Purāṇas Erinnerte ist mir noch so gegenwärtig, wie ich es einst erlangt hatte. yas tu te vyāhṛtān praśnān pratibrūyād viśeṣavit sa tvāṃ mokṣayitā śāpād iti mām abravīd ṛṣiḥ
‚Wer aber deine gestellten Fragen zu beantworten vermag, ein Kundiger, der wird dich vom Fluch befreien‘ – so sprach der Ṛṣi zu mir.
Wort für Wort yas tu te vyāhṛtān praśnān pratibrūyād viśeṣavit sa tvāṃ mokṣayitā śāpād iti mām abravīd ṛṣiḥ ‚Wer aber deine gestellten Fragen zu beantworten vermag, ein Kundiger, der wird dich vom Fluch befreien‘ – so sprach der Ṛṣi zu mir. gṛhītasya tvayā rājan prāṇino 'pi balīyasaḥ sattvabhraṃśo 'dhikasyāpi sarvasyāśu bhaviṣyati
Von dir Ergriffenem, o König, wird, mag das Lebewesen auch noch so stark sein, jedem, auch dem Überlegenen, alsbald der Kraftverlust widerfahren.
Wort für Wort gṛhītasya tvayā rājan prāṇino 'pi balīyasaḥ sattvabhraṃśo 'dhikasyāpi sarvasyāśu bhaviṣyati Von dir Ergriffenem, o König, wird, mag das Lebewesen auch noch so stark sein, jedem, auch dem Überlegenen, alsbald der Kraftverlust widerfahren. iti cāpy aham aśrauṣaṃ vacas teṣāṃ dayāvatām mayi saṃjātahārdānām atha te 'ntarhitā dvijāḥ
So auch vernahm ich das Wort jener Mitleidsvollen, die mir zugetan geworden waren; dann verschwanden jene Zweifachgeborenen.
Wort für Wort iti cāpy aham aśrauṣaṃ vacas teṣāṃ dayāvatām mayi saṃjātahārdānām atha te 'ntarhitā dvijāḥ So auch vernahm ich das Wort jener Mitleidsvollen, die mir zugetan geworden waren; dann verschwanden jene Zweifachgeborenen. so 'haṃ paramaduṣkarmā vasāmi niraye 'śucau sarpayonim imāṃ prāpya kālākāṅkṣī mahādyute
Ich, von überaus übler Tat, weile in dieser unreinen Hölle, zu diesem Schlangenschoß gelangt, die Zeit erwartend, o Glanzvoller.“
Wort für Wort so 'haṃ paramaduṣkarmā vasāmi niraye 'śucau sarpayonim imāṃ prāpya kālākāṅkṣī mahādyute Ich, von überaus übler Tat, weile in dieser unreinen Hölle, zu diesem Schlangenschoß gelangt, die Zeit erwartend, o Glanzvoller.“ tam uvāca mahābāhur bhīmaseno bhujaṃgamam na te kupye mahāsarpa na cātmānaṃ vigarhaye
Zu ihr sprach der Starkarmige, Bhīmasena, zur Schlange: „Nicht zürne ich dir, große Schlange, noch tadle ich mich selbst.
Wort für Wort tam uvāca mahābāhur bhīmaseno bhujaṃgamam na te kupye mahāsarpa na cātmānaṃ vigarhaye Zu ihr sprach der Starkarmige, Bhīmasena, zur Schlange: „Nicht zürne ich dir, große Schlange, noch tadle ich mich selbst. yasmād abhāvī bhāvī vā manuṣyaḥ sukhaduḥkhayoḥ āgame yadi vāpāye na tatra glapayen manaḥ
Denn ob ein Mensch beim Kommen oder Vergehen von Glück und Leid dem Untergang geweiht ist oder nicht, darüber soll man den Sinn nicht ermatten lassen.
Wort für Wort yasmād abhāvī bhāvī vā manuṣyaḥ sukhaduḥkhayoḥ āgame yadi vāpāye na tatra glapayen manaḥ Denn ob ein Mensch beim Kommen oder Vergehen von Glück und Leid dem Untergang geweiht ist oder nicht, darüber soll man den Sinn nicht ermatten lassen. daivaṃ puruṣakāreṇa ko nivartitum arhati daivam eva paraṃ manye puruṣārtho nirarthakaḥ
Wer vermag das Schicksal durch menschliches Handeln abzuwenden? Das Schicksal allein halte ich für das Höchste; menschliches Streben ist vergeblich.
Wort für Wort daivaṃ puruṣakāreṇa ko nivartitum arhati daivam eva paraṃ manye puruṣārtho nirarthakaḥ Wer vermag das Schicksal durch menschliches Handeln abzuwenden? Das Schicksal allein halte ich für das Höchste; menschliches Streben ist vergeblich. paśya daivopaghātād dhi bhujavīryavyapāśrayam imām avasthāṃ saṃprāptam animittam ihādya mām
Sieh, durch die Fügung des Schicksals bin ich, der auf die Kraft meiner Arme vertraute, ohne ersichtlichen Grund heute in diesen Zustand geraten.
Wort für Wort paśya daivopaghātād dhi bhujavīryavyapāśrayam imām avasthāṃ saṃprāptam animittam ihādya mām Sieh, durch die Fügung des Schicksals bin ich, der auf die Kraft meiner Arme vertraute, ohne ersichtlichen Grund heute in diesen Zustand geraten. kiṃ tu nādyānuśocāmi tathātmānaṃ vināśitam yathā tu vipine nyastān bhrātṝn rājyaparicyutān
Doch nicht beklage ich mich heute so sehr über meinen eigenen Untergang, wie über meine im Wald zurückgelassenen, des Königreichs beraubten Brüder.
Wort für Wort kiṃ tu nādyānuśocāmi tathātmānaṃ vināśitam yathā tu vipine nyastān bhrātṝn rājyaparicyutān Doch nicht beklage ich mich heute so sehr über meinen eigenen Untergang, wie über meine im Wald zurückgelassenen, des Königreichs beraubten Brüder. himavāṃś ca sudurgo 'yaṃ yakṣarākṣasasaṃkulaḥ māṃ ca te samudīkṣantaḥ prapatiṣyanti vihvalāḥ
Auch ist dieser Himālaya überaus unwegsam, von Yakṣas und Rākṣasas erfüllt; und sie, mich erblickend, werden bestürzt zusammenbrechen.
Wort für Wort himavāṃś ca sudurgo 'yaṃ yakṣarākṣasasaṃkulaḥ māṃ ca te samudīkṣantaḥ prapatiṣyanti vihvalāḥ Auch ist dieser Himālaya überaus unwegsam, von Yakṣas und Rākṣasas erfüllt; und sie, mich erblickend, werden bestürzt zusammenbrechen. vinaṣṭam atha vā śrutvā bhaviṣyanti nirudyamāḥ dharmaśīlā mayā te hi bādhyante rājyagṛddhinā
Oder, hörend, dass ich zugrunde gegangen bin, werden sie ihren Eifer verlieren; sie, die Dharma-Getreuen, werden ja von mir, dem nach dem Königreich Gierenden, bedrängt.
Wort für Wort vinaṣṭam atha vā śrutvā bhaviṣyanti nirudyamāḥ dharmaśīlā mayā te hi bādhyante rājyagṛddhinā Oder, hörend, dass ich zugrunde gegangen bin, werden sie ihren Eifer verlieren; sie, die Dharma-Getreuen, werden ja von mir, dem nach dem Königreich Gierenden, bedrängt. atha vā nārjuno dhīmān viṣādam upayāsyati sarvāstravid anādhṛṣyo devagandharvarākṣasaiḥ
Doch Arjuna, der Weise, wird wohl nicht in Verzweiflung geraten, kundig aller Waffen, unangreifbar für Götter, Gandharven und Rākṣasas.
Wort für Wort atha vā nārjuno dhīmān viṣādam upayāsyati sarvāstravid anādhṛṣyo devagandharvarākṣasaiḥ Doch Arjuna, der Weise, wird wohl nicht in Verzweiflung geraten, kundig aller Waffen, unangreifbar für Götter, Gandharven und Rākṣasas. samarthaḥ sa mahābāhur ekāhnā sumahābalaḥ devarājam api sthānāt pracyāvayitum ojasā
Er, der Starkarmige, überaus Gewaltige, wäre imstande, binnen eines Tages selbst den Götterkönig durch seine Kraft von seinem Platz zu vertreiben.
Wort für Wort samarthaḥ sa mahābāhur ekāhnā sumahābalaḥ devarājam api sthānāt pracyāvayitum ojasā Er, der Starkarmige, überaus Gewaltige, wäre imstande, binnen eines Tages selbst den Götterkönig durch seine Kraft von seinem Platz zu vertreiben. kiṃ punar dhṛtarāṣṭrasya putraṃ durdyūtadevinam vidviṣṭaṃ sarvalokasya dambhalobhaparāyaṇam
Wie viel mehr den Sohn Dhṛtarāṣṭras, den übel würfelnden, von aller Welt Gehassten, dem Trug und der Gier Ergebenen.
Wort für Wort kiṃ punar dhṛtarāṣṭrasya putraṃ durdyūtadevinam vidviṣṭaṃ sarvalokasya dambhalobhaparāyaṇam Wie viel mehr den Sohn Dhṛtarāṣṭras, den übel würfelnden, von aller Welt Gehassten, dem Trug und der Gier Ergebenen. mātaraṃ caiva śocāmi kṛpaṇāṃ putragṛddhinīm yāsmākaṃ nityam āśāste mahattvam adhikaṃ paraiḥ
Auch um meine Mutter trauere ich, die Bedauernswerte, an ihren Söhnen Hängende, die für uns stets Größe erhofft, die über andere hinausgeht.
Wort für Wort mātaraṃ caiva śocāmi kṛpaṇāṃ putragṛddhinīm yāsmākaṃ nityam āśāste mahattvam adhikaṃ paraiḥ Auch um meine Mutter trauere ich, die Bedauernswerte, an ihren Söhnen Hängende, die für uns stets Größe erhofft, die über andere hinausgeht. kathaṃ nu tasyānāthāyā madvināśād bhujaṃgama aphalās te bhaviṣyanti mayi sarve manorathāḥ
Wie werden wohl ihr, der Herrenlosen, durch meinen Untergang, o Schlange, all ihre auf mich gerichteten Herzenswünsche fruchtlos werden?
Wort für Wort kathaṃ nu tasyānāthāyā madvināśād bhujaṃgama aphalās te bhaviṣyanti mayi sarve manorathāḥ Wie werden wohl ihr, der Herrenlosen, durch meinen Untergang, o Schlange, all ihre auf mich gerichteten Herzenswünsche fruchtlos werden? nakulaḥ sahadevaś ca yamajau guruvartinau madbāhubalasaṃstabdhau nityaṃ puruṣamāninau
Nakula und Sahadeva, die beiden Zwillinge, dem Lehrer ergeben, gestützt auf die Kraft meiner Arme, stets sich für Männer haltend,
Wort für Wort nakulaḥ sahadevaś ca yamajau guruvartinau madbāhubalasaṃstabdhau nityaṃ puruṣamāninau Nakula und Sahadeva, die beiden Zwillinge, dem Lehrer ergeben, gestützt auf die Kraft meiner Arme, stets sich für Männer haltend, nirutsāhau bhaviṣyete bhraṣṭavīryaparākramau madvināśāt paridyūnāv iti me vartate matiḥ
werden mutlos werden, ihrer Kraft und Tapferkeit beraubt, durch meinen Untergang von Kummer erfüllt – so ist meine Überzeugung.“
Wort für Wort nirutsāhau bhaviṣyete bhraṣṭavīryaparākramau madvināśāt paridyūnāv iti me vartate matiḥ werden mutlos werden, ihrer Kraft und Tapferkeit beraubt, durch meinen Untergang von Kummer erfüllt – so ist meine Überzeugung.“ evaṃvidhaṃ bahu tadā vilalāpa vṛkodaraḥ bhujaṃgabhogasaṃruddho nāśakac ca viceṣṭitum
So wehklagte Vṛkodara da vielfach, von den Windungen der Schlange umschlossen, und vermochte sich nicht zu regen.
Wort für Wort evaṃvidhaṃ bahu tadā vilalāpa vṛkodaraḥ bhujaṃgabhogasaṃruddho nāśakac ca viceṣṭitum So wehklagte Vṛkodara da vielfach, von den Windungen der Schlange umschlossen, und vermochte sich nicht zu regen. yudhiṣṭhiras tu kaunteya babhūvāsvasthacetanaḥ aniṣṭadarśanān ghorān utpātān paricintayan
Yudhiṣṭhira aber, der Sohn Kuntīs, wurde unruhigen Sinnes, über die unheilvollen, furchtbaren Vorzeichen nachdenkend, die er sah.
Wort für Wort yudhiṣṭhiras tu kaunteya babhūvāsvasthacetanaḥ aniṣṭadarśanān ghorān utpātān paricintayan Yudhiṣṭhira aber, der Sohn Kuntīs, wurde unruhigen Sinnes, über die unheilvollen, furchtbaren Vorzeichen nachdenkend, die er sah. dāruṇaṃ hy aśivaṃ nādaṃ śivā dakṣiṇataḥ sthitā dīptāyāṃ diśi vitrastā rauti tasyāśramasya ha
Einen grausigen, unheilvollen Laut ließ eine Schakalin vernehmen, die südlich stand; in feuriger Richtung, verängstigt, heulte sie bei dessen Einsiedelei.
Wort für Wort dāruṇaṃ hy aśivaṃ nādaṃ śivā dakṣiṇataḥ sthitā dīptāyāṃ diśi vitrastā rauti tasyāśramasya ha Einen grausigen, unheilvollen Laut ließ eine Schakalin vernehmen, die südlich stand; in feuriger Richtung, verängstigt, heulte sie bei dessen Einsiedelei. ekapakṣākṣicaraṇā vartikā ghoradarśanā rudhiraṃ vamantī dadṛśe pratyādityam apasvarā
Eine Wachtel mit nur einem Flügel, einem Auge und einem Fuß, von furchtbarem Anblick, Blut erbrechend, wurde gesehen, der Sonne entgegen, mit misstönender Stimme.
Wort für Wort ekapakṣākṣicaraṇā vartikā ghoradarśanā rudhiraṃ vamantī dadṛśe pratyādityam apasvarā Eine Wachtel mit nur einem Flügel, einem Auge und einem Fuß, von furchtbarem Anblick, Blut erbrechend, wurde gesehen, der Sonne entgegen, mit misstönender Stimme. pravavāv anilo rūkṣaś caṇḍaḥ śarkarakarṣaṇaḥ apasavyāni sarvāṇi mṛgapakṣirutāni ca
Ein rauer, heftiger Wind wehte, Kies mit sich schleifend, und alle Rufe von Wild und Vögeln erklangen von der unglücksverheißenden Seite.
Wort für Wort pravavāv anilo rūkṣaś caṇḍaḥ śarkarakarṣaṇaḥ apasavyāni sarvāṇi mṛgapakṣirutāni ca Ein rauer, heftiger Wind wehte, Kies mit sich schleifend, und alle Rufe von Wild und Vögeln erklangen von der unglücksverheißenden Seite. pṛṣṭhato vāyasaḥ kṛṣṇo yāhi yāhīti vāśati muhur muhuḥ prasphurati dakṣiṇo 'sya bhujas tathā
Von hinten krächzte eine schwarze Krähe „Geh, geh!“, immer wieder, und ebenso zuckte sein rechter Arm.
Wort für Wort pṛṣṭhato vāyasaḥ kṛṣṇo yāhi yāhīti vāśati muhur muhuḥ prasphurati dakṣiṇo 'sya bhujas tathā Von hinten krächzte eine schwarze Krähe „Geh, geh!“, immer wieder, und ebenso zuckte sein rechter Arm. hṛdayaṃ caraṇaś cāpi vāmo 'sya parivartate savyasyākṣṇo vikāraś cāpy aniṣṭaḥ samapadyata
Sein Herz und auch der linke Fuß erbebten, und auch eine unheilvolle Veränderung am linken Auge trat ein.
Wort für Wort hṛdayaṃ caraṇaś cāpi vāmo 'sya parivartate savyasyākṣṇo vikāraś cāpy aniṣṭaḥ samapadyata Sein Herz und auch der linke Fuß erbebten, und auch eine unheilvolle Veränderung am linken Auge trat ein. sa dharmarājo medhāvī śaṅkamāno mahad bhayam draupadīṃ paripapraccha kva bhīma iti bhārata
Er, der kluge Dharmarāja, großes Unheil ahnend, fragte Draupadī: „Wo ist Bhīma?“, o Bhārata.
Wort für Wort sa dharmarājo medhāvī śaṅkamāno mahad bhayam draupadīṃ paripapraccha kva bhīma iti bhārata Er, der kluge Dharmarāja, großes Unheil ahnend, fragte Draupadī: „Wo ist Bhīma?“, o Bhārata. śaśaṃsa tasmai pāñcālī cirayātaṃ vṛkodaram sa pratasthe mahābāhur dhaumyena sahito nṛpaḥ
Die Pāñcālī berichtete ihm, dass Vṛkodara schon lange fort sei; da brach er, der Starkarmige, der König, zusammen mit Dhaumya auf.
Wort für Wort śaśaṃsa tasmai pāñcālī cirayātaṃ vṛkodaram sa pratasthe mahābāhur dhaumyena sahito nṛpaḥ Die Pāñcālī berichtete ihm, dass Vṛkodara schon lange fort sei; da brach er, der Starkarmige, der König, zusammen mit Dhaumya auf. draupadyā rakṣaṇaṃ kāryam ity uvāca dhanaṃjayam nakulaṃ sahadevaṃ ca vyādideśa dvijān prati
„Draupadī muss beschützt werden“, sprach er zu Dhanaṃjaya, und wies Nakula und Sahadeva bezüglich der Brahmanen an.
Wort für Wort draupadyā rakṣaṇaṃ kāryam ity uvāca dhanaṃjayam nakulaṃ sahadevaṃ ca vyādideśa dvijān prati „Draupadī muss beschützt werden“, sprach er zu Dhanaṃjaya, und wies Nakula und Sahadeva bezüglich der Brahmanen an. sa tasya padam unnīya tasmād evāśramāt prabhuḥ dadarśa pṛthivīṃ cihnair bhīmasya paricihnitām
Er, der Gebieter, dessen Spur von eben jener Einsiedelei aus verfolgend, erblickte den Boden, von Bhīmas Zeichen gekennzeichnet,
Wort für Wort sa tasya padam unnīya tasmād evāśramāt prabhuḥ dadarśa pṛthivīṃ cihnair bhīmasya paricihnitām Er, der Gebieter, dessen Spur von eben jener Einsiedelei aus verfolgend, erblickte den Boden, von Bhīmas Zeichen gekennzeichnet, dhāvatas tasya vīrasya mṛgārthe vātaraṃhasaḥ ūruvātavinirbhagnān drumān vyāvarjitān pathi
von jenem Helden, der, windgeschwind, der Beute nachlief, durch den Windstoß seiner Schenkel zerbrochene, auf dem Weg umgebogene Bäume.
Wort für Wort dhāvatas tasya vīrasya mṛgārthe vātaraṃhasaḥ ūruvātavinirbhagnān drumān vyāvarjitān pathi von jenem Helden, der, windgeschwind, der Beute nachlief, durch den Windstoß seiner Schenkel zerbrochene, auf dem Weg umgebogene Bäume. sa gatvā tais tadā cihnair dadarśa girigahvare gṛhītaṃ bhujagendreṇa niśceṣṭam anujaṃ tathā
Er, jenen Zeichen folgend, erblickte da in einer Bergschlucht seinen jüngeren Bruder, vom Herrn der Schlangen ergriffen, regungslos.
Wort für Wort sa gatvā tais tadā cihnair dadarśa girigahvare gṛhītaṃ bhujagendreṇa niśceṣṭam anujaṃ tathā Er, jenen Zeichen folgend, erblickte da in einer Bergschlucht seinen jüngeren Bruder, vom Herrn der Schlangen ergriffen, regungslos.
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