Kapitel 280: Sāvitryupākhyānam (4)
Das Gelübde und der letzte Gang in den Wald
Als der von Nārada prophezeite Todestag naht, unterzieht sich Sāvitrī einem strengen dreitägigen Steh-Fasten. Ihre Schwiegereltern versuchen vergeblich, sie davon abzubringen. Am entscheidenden Morgen erbittet sie sich - unter dem Vorwand, seit fast einem Jahr nicht mehr aus der Einsiedelei fortgekommen zu sein - die Erlaubnis, Satyavant bei seinem letzten Gang zum Holzsammeln in den Wald zu begleiten. Beide Eltern gewähren es. Auf dem Weg betrachtet Sāvitrī ihren ahnungslosen Gatten mit zwiegespaltenem Herzen, da sie ihn, Nāradas Wort im Sinn, bereits für so gut wie tot hält. Der seit Kap.277 offene Erzählrahmen Mārkaṇḍeyas setzt sich fort.
In dem Gedanken, am vierten Tag werde er sterben, unterzog sich die Schöne, auf drei Nächte ausgerichtet, einem Gelübde und verharrte Tag und Nacht ohne Ruhe.
In dem Gedanken, am vierten Tag werde er sterben, unterzog sich die Schöne, auf drei Nächte ausgerichtet, einem Gelübde und verharrte Tag und Nacht ohne Ruhe.
Als der von Kummer erfüllte König von dieser schmerzlichen Gelübderegel seiner Schwiegertochter hörte, erhob er sich und sprach, sie besänftigend, dieses Wort zu Sāvitrī:
Als der von Kummer erfüllte König von dieser schmerzlichen Gelübderegel seiner Schwiegertochter hörte, erhob er sich und sprach, sie besänftigend, dieses Wort zu Sāvitrī:
atitīvro 'yam ārambhas tvayārabdho nṛpātmaje tisṛṇāṃ vasatīnāṃ hi sthānaṃ paramaduṣkaram
‚Überaus streng ist dieses Unterfangen, das du begonnen hast, Königstochter; denn drei Nächte ohne Liegen zu verharren ist überaus schwer zu ertragen.‘
Wort für Wort
atitīvro 'yam ārambhas tvayārabdho nṛpātmaje tisṛṇāṃ vasatīnāṃ hi sthānaṃ paramaduṣkaram
‚Überaus streng ist dieses Unterfangen, das du begonnen hast, Königstochter; denn drei Nächte ohne Liegen zu verharren ist überaus schwer zu ertragen.‘
sāvitry uvāca na kāryas tāta saṃtāpaḥ pārayiṣyāmy ahaṃ vratam vyavasāyakṛtaṃ hīdaṃ vyavasāyaś ca kāraṇam
Sāvitrī sprach: ‚Du sollst dich nicht grämen, Vater; ich werde das Gelübde zu Ende bringen. Denn dies wurde aus festem Entschluss unternommen, und der feste Entschluss ist der Grund dafür.‘
Wort für Wort
sāvitry uvāca na kāryas tāta saṃtāpaḥ pārayiṣyāmy ahaṃ vratam vyavasāyakṛtaṃ hīdaṃ vyavasāyaś ca kāraṇam
Sāvitrī sprach: ‚Du sollst dich nicht grämen, Vater; ich werde das Gelübde zu Ende bringen. Denn dies wurde aus festem Entschluss unternommen, und der feste Entschluss ist der Grund dafür.‘
Dyumatsena sprach: ‚Ich bin nicht imstande, dir in irgendeiner Weise zu raten, das Gelübde zu brechen; einem wie mir geziemt es vielmehr, dir zu sagen, du mögest es vollenden.‘
Dyumatsena sprach: ‚Ich bin nicht imstande, dir in irgendeiner Weise zu raten, das Gelübde zu brechen; einem wie mir geziemt es vielmehr, dir zu sagen, du mögest es vollenden.‘
Die Sprechakte 'brich das Gelübde' und 'vollende es' werden hier als indirekte Rede wiedergegeben, um innerhalb von Dyumatsenas eigener direkter Rede keine weitere Zitatebene zu eröffnen.
Im Gedanken, heute sei jener Tag, brachte sie, als die Sonne eine Jochlänge über den Horizont gestiegen war, dem lodernden Feuer ein Opfer dar und vollzog die Vormittagsriten.
Im Gedanken, heute sei jener Tag, brachte sie, als die Sonne eine Jochlänge über den Horizont gestiegen war, dem lodernden Feuer ein Opfer dar und vollzog die Vormittagsriten.
tataḥ sarvān dvijān vṛddhāñ śvaśrūṃ śvaśuram eva ca abhivādyānupūrvyeṇa prāñjalir niyatā sthitā
Darauf, nachdem sie der Reihe nach alle altgedienten Brahmanen, die Schwiegermutter und den Schwiegervater verehrt hatte, stand sie mit gefalteten Händen, gesammelt, da.
Wort für Wort
tataḥ sarvān dvijān vṛddhāñ śvaśrūṃ śvaśuram eva ca abhivādyānupūrvyeṇa prāñjalir niyatā sthitā
Darauf, nachdem sie der Reihe nach alle altgedienten Brahmanen, die Schwiegermutter und den Schwiegervater verehrt hatte, stand sie mit gefalteten Händen, gesammelt, da.
Die Schwiegereltern sprachen: ‚Dieses Gelübde, wie es vorgeschrieben war, hast du vorschriftsmäßig vollendet; die Zeit zur Nahrungsaufnahme ist gekommen - tue nun, was als Nächstes ansteht.‘
Die Schwiegereltern sprachen: ‚Dieses Gelübde, wie es vorgeschrieben war, hast du vorschriftsmäßig vollendet; die Zeit zur Nahrungsaufnahme ist gekommen - tue nun, was als Nächstes ansteht.‘
sāvitry uvāca astaṃ gate mayāditye bhoktavyaṃ kṛtakāmayā eṣa me hṛdi saṃkalpaḥ samayaś ca kṛto mayā
Sāvitrī sprach: ‚Erst wenn die Sonne untergegangen ist, will ich, nachdem mein Wunsch erfüllt ist, Nahrung zu mir nehmen; dies ist mein im Herzen gefasster Entschluss und die Frist, die ich mir gesetzt habe.‘
Wort für Wort
sāvitry uvāca astaṃ gate mayāditye bhoktavyaṃ kṛtakāmayā eṣa me hṛdi saṃkalpaḥ samayaś ca kṛto mayā
Sāvitrī sprach: ‚Erst wenn die Sonne untergegangen ist, will ich, nachdem mein Wunsch erfüllt ist, Nahrung zu mir nehmen; dies ist mein im Herzen gefasster Entschluss und die Frist, die ich mir gesetzt habe.‘
satyavān uvāca vanaṃ na gatapūrvaṃ te duḥkhaḥ panthāś ca bhāmini vratopavāsakṣāmā ca kathaṃ padbhyāṃ gamiṣyasi
Satyavant sprach: ‚Du bist noch nie zuvor in den Wald gegangen, und der Weg ist beschwerlich, Schöne; wie willst du, vom Gelübdefasten geschwächt, zu Fuß gehen?‘
Wort für Wort
satyavān uvāca vanaṃ na gatapūrvaṃ te duḥkhaḥ panthāś ca bhāmini vratopavāsakṣāmā ca kathaṃ padbhyāṃ gamiṣyasi
Satyavant sprach: ‚Du bist noch nie zuvor in den Wald gegangen, und der Weg ist beschwerlich, Schöne; wie willst du, vom Gelübdefasten geschwächt, zu Fuß gehen?‘
satyavān uvāca yadi te gamanotsāhaḥ kariṣyāmi tava priyam mama tv āmantraya gurūn na māṃ doṣaḥ spṛśed ayam
Satyavant sprach: ‚Wenn du fest entschlossen bist mitzugehen, werde ich dir zu Willen sein; doch bitte du meine Eltern um Erlaubnis, damit mich diese Verfehlung nicht treffe.‘
Wort für Wort
satyavān uvāca yadi te gamanotsāhaḥ kariṣyāmi tava priyam mama tv āmantraya gurūn na māṃ doṣaḥ spṛśed ayam
Satyavant sprach: ‚Wenn du fest entschlossen bist mitzugehen, werde ich dir zu Willen sein; doch bitte du meine Eltern um Erlaubnis, damit mich diese Verfehlung nicht treffe.‘
mārkaṇḍeya uvāca sābhigamyābravīc chvaśrūṃ śvaśuraṃ ca mahāvratā ayaṃ gacchati me bhartā phalāhāro mahāvanam
Sie, dem großen Gelübde treu, ging zu ihrer Schwiegermutter und ihrem Schwiegervater und sprach: ‚Mein Gatte hier geht in den großen Wald, um Früchte zu sammeln.
Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca sābhigamyābravīc chvaśrūṃ śvaśuraṃ ca mahāvratā ayaṃ gacchati me bhartā phalāhāro mahāvanam
Sie, dem großen Gelübde treu, ging zu ihrer Schwiegermutter und ihrem Schwiegervater und sprach: ‚Mein Gatte hier geht in den großen Wald, um Früchte zu sammeln.
iccheyam abhyanujñātum āryayā śvaśureṇa ca anena saha nirgantuṃ na hi me virahaḥ kṣamaḥ
Ich möchte von der edlen Herrin und dem Schwiegervater die Erlaubnis erhalten, mit ihm auszuziehen; denn die Trennung von ihm ist mir nicht erträglich.
Wort für Wort
iccheyam abhyanujñātum āryayā śvaśureṇa ca anena saha nirgantuṃ na hi me virahaḥ kṣamaḥ
Ich möchte von der edlen Herrin und dem Schwiegervater die Erlaubnis erhalten, mit ihm auszuziehen; denn die Trennung von ihm ist mir nicht erträglich.
gurvagnihotrārthakṛte prasthitaś ca sutas tava na nivāryo nivāryaḥ syād anyathā prasthito vanam
Euer Sohn ist um des Feueropfers willen aufgebrochen und darf nicht gehindert werden; anders wäre es, wenn er aus einem bloßen anderen Grund in den Wald aufgebrochen wäre.
Wort für Wort
gurvagnihotrārthakṛte prasthitaś ca sutas tava na nivāryo nivāryaḥ syād anyathā prasthito vanam
Euer Sohn ist um des Feueropfers willen aufgebrochen und darf nicht gehindert werden; anders wäre es, wenn er aus einem bloßen anderen Grund in den Wald aufgebrochen wäre.
Dyumatsena sprach: ‚Seit dem Tag, an dem Sāvitrī mir von ihrem Vater als Schwiegertochter gegeben wurde, erinnere ich mich nicht, dass sie je eine unschickliche Bitte geäußert hätte.
Dyumatsena sprach: ‚Seit dem Tag, an dem Sāvitrī mir von ihrem Vater als Schwiegertochter gegeben wurde, erinnere ich mich nicht, dass sie je eine unschickliche Bitte geäußert hätte.
nirīkṣamāṇā bhartāraṃ sarvāvastham aninditā mṛtam eva hi taṃ mene kāle munivacaḥ smaran
Sie, die Untadelige, betrachtete ihren Gatten in all seinem Tun, doch hielt sie ihn, an das Wort des Weisen über den herannahenden Zeitpunkt denkend, bereits für so gut wie tot.
Wort für Wort
nirīkṣamāṇā bhartāraṃ sarvāvastham aninditā mṛtam eva hi taṃ mene kāle munivacaḥ smaran
Sie, die Untadelige, betrachtete ihren Gatten in all seinem Tun, doch hielt sie ihn, an das Wort des Weisen über den herannahenden Zeitpunkt denkend, bereits für so gut wie tot.
anuvartatī tu bhartāraṃ jagāma mṛdugāminī dvidheva hṛdayaṃ kṛtvā taṃ ca kālam avekṣatī
Ihrem Gatten folgend, ging sie, die sanft Schreitende, mit gleichsam zwiegespaltenem Herzen weiter, während sie zugleich jenen Zeitpunkt im Blick behielt.
Wort für Wort
anuvartatī tu bhartāraṃ jagāma mṛdugāminī dvidheva hṛdayaṃ kṛtvā taṃ ca kālam avekṣatī
Ihrem Gatten folgend, ging sie, die sanft Schreitende, mit gleichsam zwiegespaltenem Herzen weiter, während sie zugleich jenen Zeitpunkt im Blick behielt.