Kapitel 32: Yudhiṣṭhiravākyam
Yudhiṣṭhiras Verteidigung des Dharma gegen Draupadīs Zweifel
Yudhiṣṭhira entgegnet Draupadī: Er übt den Dharma nicht wegen seiner Frucht, sondern aus eigenem Wesen und im Einklang mit den Überlieferungen; wer den Dharma allzu sehr bezweifelt, verfehlt gerade dadurch dessen Frucht. Als Beweis für die Wirksamkeit des Dharma führt er die selbst gesehenen, durch Askese unsterblich gewordenen Seher an (Mārkaṇḍeya, Vyāsa, Vasiṣṭha, Maitreya, Nārada, Lomaśa, Śuka) sowie Draupadīs und Dhṛṣṭadyumnas eigene wundersame Geburt aus dem Opferfeuer. Die letzten Gründe für Lohn und Strafe blieben zwar ein Geheimnis der Götter, doch mahnt er sie eindringlich, den Schöpfer nicht zu schmähen, sondern ihm zu vertrauen.
Yudhiṣṭhira sprach: „Schön, kunstvoll in den Worten, wohlklingend war die Rede, die du, Tochter Yajñasenas, gesprochen hast; wir haben sie gehört; doch du verkündest darin Gottlosigkeit.
Yudhiṣṭhira sprach: „Schön, kunstvoll in den Worten, wohlklingend war die Rede, die du, Tochter Yajñasenas, gesprochen hast; wir haben sie gehört; doch du verkündest darin Gottlosigkeit.
dharmaṃ carāmi suśroṇi na dharmaphalakāraṇāt āgamān anatikramya satāṃ vṛttam avekṣya ca dharma eva manaḥ kṛṣṇe svabhāvāc caiva me dhṛtam
Ich übe den Dharma, du Schöngestaltete, nicht um der Frucht des Dharma willen, sondern ohne die Überlieferungen zu übertreten und im Hinblick auf das Verhalten der Rechtschaffenen; mein Sinn ist, Kṛṣṇā, aus eigenem Wesen heraus, ganz auf den Dharma gerichtet.
Wort für Wort
dharmaṃ carāmi suśroṇi na dharmaphalakāraṇāt āgamān anatikramya satāṃ vṛttam avekṣya ca dharma eva manaḥ kṛṣṇe svabhāvāc caiva me dhṛtam
Ich übe den Dharma, du Schöngestaltete, nicht um der Frucht des Dharma willen, sondern ohne die Überlieferungen zu übertreten und im Hinblick auf das Verhalten der Rechtschaffenen; mein Sinn ist, Kṛṣṇā, aus eigenem Wesen heraus, ganz auf den Dharma gerichtet.
na dharmaphalam āpnoti yo dharmaṃ dogdhum icchati yaś cainaṃ śaṅkate kṛtvā nāstikyāt pāpacetanaḥ
Wer den Dharma wie eine Kuh ausmelken will, erlangt nicht die Frucht des Dharma, und ebenso wenig, wer ihn, aus Gottlosigkeit, mit bösem Sinn in Zweifel zieht.
Wort für Wort
na dharmaphalam āpnoti yo dharmaṃ dogdhum icchati yaś cainaṃ śaṅkate kṛtvā nāstikyāt pāpacetanaḥ
Wer den Dharma wie eine Kuh ausmelken will, erlangt nicht die Frucht des Dharma, und ebenso wenig, wer ihn, aus Gottlosigkeit, mit bösem Sinn in Zweifel zieht.
Zieh nicht aus überheblicher Rede und Hochmut den Dharma allzu sehr in Zweifel; ein Mensch, der den Dharma allzu sehr bezweifelt, ist zur Wiedergeburt in Tiergestalt bestimmt.
Zieh nicht aus überheblicher Rede und Hochmut den Dharma allzu sehr in Zweifel; ein Mensch, der den Dharma allzu sehr bezweifelt, ist zur Wiedergeburt in Tiergestalt bestimmt.
Wer den Dharma oder die Weisheit der Ṛṣis allzu sehr in Zweifel zieht, aus schwachem Gemüt, der wird von jener alterslosen, unsterblichen Welt ausgeschlossen, wie ein Śūdra vom Veda.
Wer den Dharma oder die Weisheit der Ṛṣis allzu sehr in Zweifel zieht, aus schwachem Gemüt, der wird von jener alterslosen, unsterblichen Welt ausgeschlossen, wie ein Śūdra vom Veda.
pāpīyān hi sa śūdrebhyas taskarebhyo viśeṣataḥ śāstrātigo mandabuddhir yo dharmam atiśaṅkate
Denn schlimmer noch als Śūdras, insbesondere als Diebe, ist der, der, die Lehrschriften übertretend, von schwachem Verstand, den Dharma allzu sehr bezweifelt.
Wort für Wort
pāpīyān hi sa śūdrebhyas taskarebhyo viśeṣataḥ śāstrātigo mandabuddhir yo dharmam atiśaṅkate
Denn schlimmer noch als Śūdras, insbesondere als Diebe, ist der, der, die Lehrschriften übertretend, von schwachem Verstand, den Dharma allzu sehr bezweifelt.
Denn mit eigenen Augen hast du den umherwandelnden großen Asketen, den Seher Mārkaṇḍeya, von unermesslichem Selbst, gesehen, der durch den Dharma langes Leben erlangt hat.
Denn mit eigenen Augen hast du den umherwandelnden großen Asketen, den Seher Mārkaṇḍeya, von unermesslichem Selbst, gesehen, der durch den Dharma langes Leben erlangt hat.
ete hi dharmam evādau varṇayanti sadā mama kartavyam amaraprakhyāḥ pratyakṣāgamabuddhayaḥ
Denn diese, den Unsterblichen gleichenden, deren Erkenntnis auf eigener Anschauung und der Überlieferung beruht, preisen von Anfang an stets den Dharma als das für mich zu Tuende.
Wort für Wort
ete hi dharmam evādau varṇayanti sadā mama kartavyam amaraprakhyāḥ pratyakṣāgamabuddhayaḥ
Denn diese, den Unsterblichen gleichenden, deren Erkenntnis auf eigener Anschauung und der Überlieferung beruht, preisen von Anfang an stets den Dharma als das für mich zu Tuende.
ato nārhasi kalyāṇi dhātāraṃ dharmam eva ca rajomūḍhena manasā kṣeptuṃ śaṅkitum eva ca
Deshalb geziemt es sich nicht für dich, du Holde, den Schöpfer und ebenso den Dharma mit von Leidenschaft verblendetem Sinn zu schmähen und in Zweifel zu ziehen.
Wort für Wort
ato nārhasi kalyāṇi dhātāraṃ dharmam eva ca rajomūḍhena manasā kṣeptuṃ śaṅkitum eva ca
Deshalb geziemt es sich nicht für dich, du Holde, den Schöpfer und ebenso den Dharma mit von Leidenschaft verblendetem Sinn zu schmähen und in Zweifel zu ziehen.
dharmātiśaṅkī nānyasmin pramāṇam adhigacchati ātmapramāṇa unnaddhaḥ śreyaso hy avamanyakaḥ
Wer den Dharma allzu sehr bezweifelt, erkennt in nichts anderem eine Autorität an; sich selbst zum Maßstab erhebend, verachtet er das eigentliche Heil.
Wort für Wort
dharmātiśaṅkī nānyasmin pramāṇam adhigacchati ātmapramāṇa unnaddhaḥ śreyaso hy avamanyakaḥ
Wer den Dharma allzu sehr bezweifelt, erkennt in nichts anderem eine Autorität an; sich selbst zum Maßstab erhebend, verachtet er das eigentliche Heil.
indriyaprītisaṃbaddhaṃ yad idaṃ lokasākṣikam etāvān manyate bālo moham anyatra gacchati
Nur das, was mit dem Vergnügen der Sinne verbunden und der Welt sichtbar ist, hält der Törichte für allein wirklich; in allem anderen gerät er in Verblendung.
Wort für Wort
indriyaprītisaṃbaddhaṃ yad idaṃ lokasākṣikam etāvān manyate bālo moham anyatra gacchati
Nur das, was mit dem Vergnügen der Sinne verbunden und der Welt sichtbar ist, hält der Törichte für allein wirklich; in allem anderen gerät er in Verblendung.
prāyaścittaṃ na tasyāsti yo dharmam atiśaṅkate dhyāyan sa kṛpaṇaḥ pāpo na lokān pratipadyate
Für den, der den Dharma allzu sehr bezweifelt, gibt es keine Sühne; ein solcher Elender, ein Sünder, der ständig in Zweifeln sinnt, erlangt keine guten Welten.
Wort für Wort
prāyaścittaṃ na tasyāsti yo dharmam atiśaṅkate dhyāyan sa kṛpaṇaḥ pāpo na lokān pratipadyate
Für den, der den Dharma allzu sehr bezweifelt, gibt es keine Sühne; ein solcher Elender, ein Sünder, der ständig in Zweifeln sinnt, erlangt keine guten Welten.
Wer die Autorität der Seher übertritt, die Dharma-Gebote nicht befolgt, alle Lehrschriften überschreitet, der Törichte, findet in seinen künftigen Geburten kein Heil.
Wer die Autorität der Seher übertritt, die Dharma-Gebote nicht befolgt, alle Lehrschriften überschreitet, der Törichte, findet in seinen künftigen Geburten kein Heil.
Der Dharma allein ist das Floß, kein anderes, für jene, die zum Himmel gelangen wollen, Draupadī; er ist das Schiff, wie für den Kaufmann, der das andere Ufer des Meeres erreichen will.
Der Dharma allein ist das Floß, kein anderes, für jene, die zum Himmel gelangen wollen, Draupadī; er ist das Schiff, wie für den Kaufmann, der das andere Ufer des Meeres erreichen will.
Sie würden kein Erlöschen des Leids erlangen, würden ein Leben wie das Vieh führen, würden nur mit Untergang behaftet sein und keinerlei Ziel erreichen.
Sie würden kein Erlöschen des Leids erlangen, würden ein Leben wie das Vieh führen, würden nur mit Untergang behaftet sein und keinerlei Ziel erreichen.
ṛṣayaś caiva devāś ca gandharvāsurarākṣasāḥ īśvarāḥ kasya hetos te careyur dharmam ādṛtāḥ
Weshalb sollten die Ṛṣis und die Götter, die Gandharvas, Asuras und Rākṣasas, die Herrschenden, den Dharma mit Ehrerbietung üben, wenn er fruchtlos wäre?
Wort für Wort
ṛṣayaś caiva devāś ca gandharvāsurarākṣasāḥ īśvarāḥ kasya hetos te careyur dharmam ādṛtāḥ
Weshalb sollten die Ṛṣis und die Götter, die Gandharvas, Asuras und Rākṣasas, die Herrschenden, den Dharma mit Ehrerbietung üben, wenn er fruchtlos wäre?
sa cāyaṃ saphalo dharmo na dharmo 'phala ucyate dṛśyante 'pi hi vidyānāṃ phalāni tapasāṃ tathā
Und so ist dieser Dharma fruchtbringend; nicht wird der Dharma als fruchtlos bezeichnet; denn man sieht ja auch die Früchte des Wissens und ebenso der Askese.
Wort für Wort
sa cāyaṃ saphalo dharmo na dharmo 'phala ucyate dṛśyante 'pi hi vidyānāṃ phalāni tapasāṃ tathā
Und so ist dieser Dharma fruchtbringend; nicht wird der Dharma als fruchtlos bezeichnet; denn man sieht ja auch die Früchte des Wissens und ebenso der Askese.
bahunāpi hy avidvāṃso naiva tuṣyanty abuddhayaḥ teṣāṃ na dharmajaṃ kiṃ cit pretya śarmāsti karma vā
Die Unwissenden, Unverständigen aber geben sich selbst mit Vielem nicht zufrieden; für sie gibt es weder ein aus Dharma erwachsenes Glück nach dem Tod noch fruchtbares Handeln.
Wort für Wort
bahunāpi hy avidvāṃso naiva tuṣyanty abuddhayaḥ teṣāṃ na dharmajaṃ kiṃ cit pretya śarmāsti karma vā
Die Unwissenden, Unverständigen aber geben sich selbst mit Vielem nicht zufrieden; für sie gibt es weder ein aus Dharma erwachsenes Glück nach dem Tod noch fruchtbares Handeln.
naitāni veda yaḥ kaś cin muhyanty atra prajā imāḥ rakṣyāṇy etāni devānāṃ gūḍhamāyā hi devatāḥ
Niemand kennt diese; die Geschöpfe hier geraten darüber in Verwirrung; diese Geheimnisse sind von den Göttern zu bewahren, denn verborgen ist die Zaubermacht der Götter.
Wort für Wort
naitāni veda yaḥ kaś cin muhyanty atra prajā imāḥ rakṣyāṇy etāni devānāṃ gūḍhamāyā hi devatāḥ
Niemand kennt diese; die Geschöpfe hier geraten darüber in Verwirrung; diese Geheimnisse sind von den Göttern zu bewahren, denn verborgen ist die Zaubermacht der Götter.
Nur die Zweifachgeborenen, mit abgemagerten Gliedern, von guten Gelübden, deren Verfehlungen durch Askese verbrannt sind, mit klarem Geist ausgestattet, sehen diese Dinge wahrhaftig.
Nur die Zweifachgeborenen, mit abgemagerten Gliedern, von guten Gelübden, deren Verfehlungen durch Askese verbrannt sind, mit klarem Geist ausgestattet, sehen diese Dinge wahrhaftig.
na phalādarśanād dharmaḥ śaṅkitavyo na devatāḥ yaṣṭavyaṃ cāpramattena dātavyaṃ cānasūyatā
Nicht soll man wegen des Nicht-Sichtbarwerdens der Frucht den Dharma bezweifeln, noch die Götter; opfern soll man unbeirrt, und geben, ohne zu missgönnen.
Wort für Wort
na phalādarśanād dharmaḥ śaṅkitavyo na devatāḥ yaṣṭavyaṃ cāpramattena dātavyaṃ cānasūyatā
Nicht soll man wegen des Nicht-Sichtbarwerdens der Frucht den Dharma bezweifeln, noch die Götter; opfern soll man unbeirrt, und geben, ohne zu missgönnen.
Und schmähe nicht den Herrn der Wesen, den Schöpfer; lerne von ihm, verneige dich vor ihm; möge dir nicht solch eine zweifelnde Gesinnung zuteilwerden.
Und schmähe nicht den Herrn der Wesen, den Schöpfer; lerne von ihm, verneige dich vor ihm; möge dir nicht solch eine zweifelnde Gesinnung zuteilwerden.