Kapitel 245: Vyāsāgamanam
Vyāsas Besuch und die Lehre von Gabe und Askese
Nach elf mühevollen Exiljahren, in denen Yudhiṣṭhira schlaflos über sein eigenes Fehlverhalten beim Würfelspiel grübelt, besucht sie der große Weise Vyāsa. Vom Anblick seiner abgemagerten Enkel bewegt, hält er eine Lehrrede über Askese und tugendhaftes Verhalten (Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zornlosigkeit, Teilen, Gewaltlosigkeit) als Quelle künftigen Glücks. Auf Yudhiṣṭhiras Frage, was verdienstvoller sei - Geben oder Askese -, erklärt Vyāsa das Geben für das eigentlich Schwierigere, da rechtmäßig erworbener Besitz nur mit großer Mühe wieder hergegeben werden könne, und leitet damit zur alten Erzählung von Mudgala über, der durch das Verschenken einer geringen Menge Reis großen Lohn erlangte.
phalamūlāśanās te hi sukhārhā duḥkham uttamam prāptakālam anudhyāntaḥ sehur uttamapūruṣāḥ
Denn sie, von Früchten und Wurzeln lebend, die des Glücks würdig waren, ertrugen höchstes Leid, an die gekommene Zeit denkend, die vortrefflichsten Männer.
Wort für Wort
phalamūlāśanās te hi sukhārhā duḥkham uttamam prāptakālam anudhyāntaḥ sehur uttamapūruṣāḥ
Denn sie, von Früchten und Wurzeln lebend, die des Glücks würdig waren, ertrugen höchstes Leid, an die gekommene Zeit denkend, die vortrefflichsten Männer.
na suṣvāpa sukhaṃ rājā hṛdi śalyair ivārpitaiḥ daurātmyam anupaśyaṃs tat kāle dyūtodbhavasya hi
schlief der König nicht glücklich, wie mit Pfeilspitzen im Herzen durchbohrt, immer wieder jene Bosheit betrachtend, die zur Zeit des Würfelspiels entstanden war.
Wort für Wort
na suṣvāpa sukhaṃ rājā hṛdi śalyair ivārpitaiḥ daurātmyam anupaśyaṃs tat kāle dyūtodbhavasya hi
schlief der König nicht glücklich, wie mit Pfeilspitzen im Herzen durchbohrt, immer wieder jene Bosheit betrachtend, die zur Zeit des Würfelspiels entstanden war.
arjuno yamajau cobhau draupadī ca yaśasvinī sa ca bhīmo mahātejāḥ sarveṣām uttamo balī yudhiṣṭhiram udīkṣantaḥ sehur duḥkham anuttamam
Arjuna, die beiden Zwillinge, die ruhmreiche Draupadī, und jener überaus glanzvolle Bhīma, der stärkste von allen, ertrugen, auf Yudhiṣṭhira blickend, unvergleichliches Leid.
Wort für Wort
arjuno yamajau cobhau draupadī ca yaśasvinī sa ca bhīmo mahātejāḥ sarveṣām uttamo balī yudhiṣṭhiram udīkṣantaḥ sehur duḥkham anuttamam
Arjuna, die beiden Zwillinge, die ruhmreiche Draupadī, und jener überaus glanzvolle Bhīma, der stärkste von allen, ertrugen, auf Yudhiṣṭhira blickend, unvergleichliches Leid.
In dem Gedanken, dass nur noch wenig Zeit übrig sei, nahmen die Stiere unter den Männern durch ihr Verhalten voller Tatkraft und Groll gleichsam eine andere Gestalt an.
In dem Gedanken, dass nur noch wenig Zeit übrig sei, nahmen die Stiere unter den Männern durch ihr Verhalten voller Tatkraft und Groll gleichsam eine andere Gestalt an.
tam āsīnam upāsīnaḥ śuśrūṣur niyatendriyaḥ toṣayan praṇipātena vyāsaṃ pāṇḍavanandanaḥ
Bei ihm, der sich niedergelassen hatte, saß der Sproß der Pāṇḍus, seine Sinne beherrschend, dienstbereit, und erfreute Vyāsa mit ehrerbietiger Verneigung.
Wort für Wort
tam āsīnam upāsīnaḥ śuśrūṣur niyatendriyaḥ toṣayan praṇipātena vyāsaṃ pāṇḍavanandanaḥ
Bei ihm, der sich niedergelassen hatte, saß der Sproß der Pāṇḍus, seine Sinne beherrschend, dienstbereit, und erfreute Vyāsa mit ehrerbietiger Verneigung.
Er soll das ihm zufallende Glück genießen, das ihm zufallende Leid ertragen, und das zur rechten Zeit Gekommene abwarten, wie der Bauer bei seinen Feldfrüchten.
Er soll das ihm zufallende Glück genießen, das ihm zufallende Leid ertragen, und das zur rechten Zeit Gekommene abwarten, wie der Bauer bei seinen Feldfrüchten.
Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zornlosigkeit, das Teilen, Selbstbeherrschung, innerer Friede, Neidlosigkeit und Gewaltlosigkeit, Reinheit und Sinneszügelung sind die Mittel, o Großkönig, für Menschen verdienstvoller Taten.
Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zornlosigkeit, das Teilen, Selbstbeherrschung, innerer Friede, Neidlosigkeit und Gewaltlosigkeit, Reinheit und Sinneszügelung sind die Mittel, o Großkönig, für Menschen verdienstvoller Taten.
adharmarucayo mūḍhās tiryaggatiparāyaṇāḥ kṛcchrāṃ yonim anuprāpya na sukhaṃ vindate janāḥ
Die am Unrecht Gefallen findenden Toren, dem Tierdasein Verfallenen, gelangen, nachdem sie einen elenden Mutterschoß erlangt haben, zu keinem Glück, jene Menschen.
Wort für Wort
adharmarucayo mūḍhās tiryaggatiparāyaṇāḥ kṛcchrāṃ yonim anuprāpya na sukhaṃ vindate janāḥ
Die am Unrecht Gefallen findenden Toren, dem Tierdasein Verfallenen, gelangen, nachdem sie einen elenden Mutterschoß erlangt haben, zu keinem Glück, jene Menschen.
yathāśakti prayacchec ca saṃpūjyābhipraṇamya ca kāle pātre ca hṛṣṭātmā rājan vigatamatsaraḥ
Man soll nach Kräften geben, den Empfänger ehrend und sich vor ihm verneigend, zur rechten Zeit und dem rechten Empfänger, frohen Sinnes, o König, frei von Neid.
Wort für Wort
yathāśakti prayacchec ca saṃpūjyābhipraṇamya ca kāle pātre ca hṛṣṭātmā rājan vigatamatsaraḥ
Man soll nach Kräften geben, den Empfänger ehrend und sich vor ihm verneigend, zur rechten Zeit und dem rechten Empfänger, frohen Sinnes, o König, frei von Neid.
dāntaḥ śamaparaḥ śaśvat parikleśaṃ na vindati na ca tapyati dāntātmā dṛṣṭvā paragatāṃ śriyam
Der Selbstbeherrschte, dem inneren Frieden zugetan, erfährt niemals Bedrängnis, und der Selbstbeherrschte grämt sich nicht, wenn er das Glück eines anderen sieht.
Wort für Wort
dāntaḥ śamaparaḥ śaśvat parikleśaṃ na vindati na ca tapyati dāntātmā dṛṣṭvā paragatāṃ śriyam
Der Selbstbeherrschte, dem inneren Frieden zugetan, erfährt niemals Bedrängnis, und der Selbstbeherrschte grämt sich nicht, wenn er das Glück eines anderen sieht.
śubhānuśayabuddhir hi saṃyuktaḥ kāladharmaṇā prādurbhavati tadyogāt kalyāṇamatir eva saḥ
Denn wessen Denken mit guten Nachwirkungen verbunden ist, der erscheint, wenn er mit dem Gesetz der Zeit verbunden wird, durch eben diese Verbindung als einer von heilvollem Sinn.‘
Wort für Wort
śubhānuśayabuddhir hi saṃyuktaḥ kāladharmaṇā prādurbhavati tadyogāt kalyāṇamatir eva saḥ
Denn wessen Denken mit guten Nachwirkungen verbunden ist, der erscheint, wenn er mit dem Gesetz der Zeit verbunden wird, durch eben diese Verbindung als einer von heilvollem Sinn.‘
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Erhabener, unter den Pflichten des Gebens und der Askese, o großer Weiser - was von beidem gilt als reicher an Verdienst im Jenseits, und was gilt als schwerer auszuführen?‘
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Erhabener, unter den Pflichten des Gebens und der Askese, o großer Weiser - was von beidem gilt als reicher an Verdienst im Jenseits, und was gilt als schwerer auszuführen?‘
Denn indem sie ihr liebes Leben aufgeben, begeben sich tapfere Männer um des Reichtums willen in gewaltige Kämpfe, in den Ozean und ebenso in die Wildnis.
Denn indem sie ihr liebes Leben aufgeben, begeben sich tapfere Männer um des Reichtums willen in gewaltige Kämpfe, in den Ozean und ebenso in die Wildnis.
viśeṣas tv atra vijñeyo nyāyenopārjitaṃ dhanam pātre deśe ca kāle ca sādhubhyaḥ pratipādayet
Doch ein Unterschied ist hierbei zu erkennen: rechtmäßig erworbenen Reichtum soll man dem rechten Empfänger, am rechten Ort und zur rechten Zeit den Rechtschaffenen zuwenden.
Wort für Wort
viśeṣas tv atra vijñeyo nyāyenopārjitaṃ dhanam pātre deśe ca kāle ca sādhubhyaḥ pratipādayet
Doch ein Unterschied ist hierbei zu erkennen: rechtmäßig erworbenen Reichtum soll man dem rechten Empfänger, am rechten Ort und zur rechten Zeit den Rechtschaffenen zuwenden.
Selbst eine geringe Gabe an den rechten Empfänger, zur rechten Zeit, mit vollkommen reinem Sinn gegeben, gilt, o Yudhiṣṭhira, als im Jenseits unendliche Frucht tragend.
Selbst eine geringe Gabe an den rechten Empfänger, zur rechten Zeit, mit vollkommen reinem Sinn gegeben, gilt, o Yudhiṣṭhira, als im Jenseits unendliche Frucht tragend.