Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 245: Vyāsāgamanam Vyāsas Besuch und die Lehre von Gabe und Askese

Nach elf mühevollen Exiljahren, in denen Yudhiṣṭhira schlaflos über sein eigenes Fehlverhalten beim Würfelspiel grübelt, besucht sie der große Weise Vyāsa. Vom Anblick seiner abgemagerten Enkel bewegt, hält er eine Lehrrede über Askese und tugendhaftes Verhalten (Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zornlosigkeit, Teilen, Gewaltlosigkeit) als Quelle künftigen Glücks. Auf Yudhiṣṭhiras Frage, was verdienstvoller sei - Geben oder Askese -, erklärt Vyāsa das Geben für das eigentlich Schwierigere, da rechtmäßig erworbener Besitz nur mit großer Mühe wieder hergegeben werden könne, und leitet damit zur alten Erzählung von Mudgala über, der durch das Verschenken einer geringen Menge Reis großen Lohn erlangte.

vaiśaṃpāyana uvāca vane nivasatāṃ teṣāṃ pāṇḍavānāṃ mahātmanām varṣāṇy ekādaśātīyuḥ kṛcchreṇa bharatarṣabha

Vaiśaṃpāyana sprach: „Während jene hochherzigen Pāṇḍavas im Wald verweilten, vergingen elf Jahre unter Mühsal, Stier der Bharatas.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca vane nivasatāṃ teṣāṃ pāṇḍavānāṃ mahātmanām varṣāṇy ekādaśātīyuḥ kṛcchreṇa bharatarṣabha
Vaiśaṃpāyana sprach: „Während jene hochherzigen Pāṇḍavas im Wald verweilten, vergingen elf Jahre unter Mühsal, Stier der Bharatas.

phalamūlāśanās te hi sukhārhā duḥkham uttamam prāptakālam anudhyāntaḥ sehur uttamapūruṣāḥ

Denn sie, von Früchten und Wurzeln lebend, die des Glücks würdig waren, ertrugen höchstes Leid, an die gekommene Zeit denkend, die vortrefflichsten Männer.

Wort für Wort
phalamūlāśanās te hi sukhārhā duḥkham uttamam prāptakālam anudhyāntaḥ sehur uttamapūruṣāḥ
Denn sie, von Früchten und Wurzeln lebend, die des Glücks würdig waren, ertrugen höchstes Leid, an die gekommene Zeit denkend, die vortrefflichsten Männer.

yudhiṣṭhiras tu rājarṣir ātmakarmāparādhajam cintayan sa mahābāhur bhrātṝṇāṃ duḥkham uttamam

Yudhiṣṭhira aber, der königliche Seher, der Starkarmige, an das aus seinem eigenen Fehlverhalten entstandene höchste Leid seiner Brüder denkend,

Wort für Wort
yudhiṣṭhiras tu rājarṣir ātmakarmāparādhajam cintayan sa mahābāhur bhrātṝṇāṃ duḥkham uttamam
Yudhiṣṭhira aber, der königliche Seher, der Starkarmige, an das aus seinem eigenen Fehlverhalten entstandene höchste Leid seiner Brüder denkend,

na suṣvāpa sukhaṃ rājā hṛdi śalyair ivārpitaiḥ daurātmyam anupaśyaṃs tat kāle dyūtodbhavasya hi

schlief der König nicht glücklich, wie mit Pfeilspitzen im Herzen durchbohrt, immer wieder jene Bosheit betrachtend, die zur Zeit des Würfelspiels entstanden war.

Wort für Wort
na suṣvāpa sukhaṃ rājā hṛdi śalyair ivārpitaiḥ daurātmyam anupaśyaṃs tat kāle dyūtodbhavasya hi
schlief der König nicht glücklich, wie mit Pfeilspitzen im Herzen durchbohrt, immer wieder jene Bosheit betrachtend, die zur Zeit des Würfelspiels entstanden war.

saṃsmaran paruṣā vācaḥ sūtaputrasya pāṇḍavaḥ niḥśvāsaparamo dīno bibhrat kopaviṣaṃ mahat

Sich der harten Worte des Sohnes des Wagenlenkers erinnernd, seufzte der Pāṇḍava unaufhörlich, elend, das gewaltige Gift des Zorns in sich tragend.

Wort für Wort
saṃsmaran paruṣā vācaḥ sūtaputrasya pāṇḍavaḥ niḥśvāsaparamo dīno bibhrat kopaviṣaṃ mahat
Sich der harten Worte des Sohnes des Wagenlenkers erinnernd, seufzte der Pāṇḍava unaufhörlich, elend, das gewaltige Gift des Zorns in sich tragend.

arjuno yamajau cobhau draupadī ca yaśasvinī sa ca bhīmo mahātejāḥ sarveṣām uttamo balī yudhiṣṭhiram udīkṣantaḥ sehur duḥkham anuttamam

Arjuna, die beiden Zwillinge, die ruhmreiche Draupadī, und jener überaus glanzvolle Bhīma, der stärkste von allen, ertrugen, auf Yudhiṣṭhira blickend, unvergleichliches Leid.

Wort für Wort
arjuno yamajau cobhau draupadī ca yaśasvinī sa ca bhīmo mahātejāḥ sarveṣām uttamo balī yudhiṣṭhiram udīkṣantaḥ sehur duḥkham anuttamam
Arjuna, die beiden Zwillinge, die ruhmreiche Draupadī, und jener überaus glanzvolle Bhīma, der stärkste von allen, ertrugen, auf Yudhiṣṭhira blickend, unvergleichliches Leid.

avaśiṣṭam alpakālaṃ manvānāḥ puruṣarṣabhāḥ vapur anyad ivākārṣur utsāhāmarṣaceṣṭitaiḥ

In dem Gedanken, dass nur noch wenig Zeit übrig sei, nahmen die Stiere unter den Männern durch ihr Verhalten voller Tatkraft und Groll gleichsam eine andere Gestalt an.

Wort für Wort
avaśiṣṭam alpakālaṃ manvānāḥ puruṣarṣabhāḥ vapur anyad ivākārṣur utsāhāmarṣaceṣṭitaiḥ
In dem Gedanken, dass nur noch wenig Zeit übrig sei, nahmen die Stiere unter den Männern durch ihr Verhalten voller Tatkraft und Groll gleichsam eine andere Gestalt an.

kasya cit tv atha kālasya vyāsaḥ satyavatīsutaḥ ājagāma mahāyogī pāṇḍavān avalokakaḥ

Nach einiger Zeit aber kam Vyāsa, der Sohn Satyavatīs, der große Yogin, um die Pāṇḍavas zu besuchen.

Wort für Wort
kasya cit tv atha kālasya vyāsaḥ satyavatīsutaḥ ājagāma mahāyogī pāṇḍavān avalokakaḥ
Nach einiger Zeit aber kam Vyāsa, der Sohn Satyavatīs, der große Yogin, um die Pāṇḍavas zu besuchen.

tam āgatam abhiprekṣya kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ pratyudgamya mahātmānaṃ pratyagṛhṇād yathāvidhi

Als er ihn kommen sah, ging der Sohn Kuntīs, Yudhiṣṭhira, dem Hochherzigen entgegen und empfing ihn, wie es sich gebührt.

Wort für Wort
tam āgatam abhiprekṣya kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ pratyudgamya mahātmānaṃ pratyagṛhṇād yathāvidhi
Als er ihn kommen sah, ging der Sohn Kuntīs, Yudhiṣṭhira, dem Hochherzigen entgegen und empfing ihn, wie es sich gebührt.

tam āsīnam upāsīnaḥ śuśrūṣur niyatendriyaḥ toṣayan praṇipātena vyāsaṃ pāṇḍavanandanaḥ

Bei ihm, der sich niedergelassen hatte, saß der Sproß der Pāṇḍus, seine Sinne beherrschend, dienstbereit, und erfreute Vyāsa mit ehrerbietiger Verneigung.

Wort für Wort
tam āsīnam upāsīnaḥ śuśrūṣur niyatendriyaḥ toṣayan praṇipātena vyāsaṃ pāṇḍavanandanaḥ
Bei ihm, der sich niedergelassen hatte, saß der Sproß der Pāṇḍus, seine Sinne beherrschend, dienstbereit, und erfreute Vyāsa mit ehrerbietiger Verneigung.

tān avekṣya kṛśān pautrān vane vanyena jīvataḥ maharṣir anukampārtham abravīd bāṣpagadgadam

Als er seine abgemagerten Enkel erblickte, die im Wald von Waldkost lebten, sprach der große Seher aus Mitgefühl, mit tränenerstickter Stimme:

Wort für Wort
tān avekṣya kṛśān pautrān vane vanyena jīvataḥ maharṣir anukampārtham abravīd bāṣpagadgadam
Als er seine abgemagerten Enkel erblickte, die im Wald von Waldkost lebten, sprach der große Seher aus Mitgefühl, mit tränenerstickter Stimme:

yudhiṣṭhira mahābāho śṛṇu dharmabhṛtāṃ vara nātaptatapasaḥ putra prāpnuvanti mahat sukham

‚Yudhiṣṭhira, Starkarmiger, höre, bester der Rechtschaffenen: Diejenigen, die keine Askese geübt haben, mein Sohn, erlangen kein großes Glück.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira mahābāho śṛṇu dharmabhṛtāṃ vara nātaptatapasaḥ putra prāpnuvanti mahat sukham
‚Yudhiṣṭhira, Starkarmiger, höre, bester der Rechtschaffenen: Diejenigen, die keine Askese geübt haben, mein Sohn, erlangen kein großes Glück.

sukhaduḥkhe hi puruṣaḥ paryāyeṇopasevate nātyantam asukhaṃ kaś cit prāpnoti puruṣarṣabha

Denn Glück und Leid erfährt der Mensch abwechselnd; niemand erlangt endloses Unglück, Stier unter den Männern.

Wort für Wort
sukhaduḥkhe hi puruṣaḥ paryāyeṇopasevate nātyantam asukhaṃ kaś cit prāpnoti puruṣarṣabha
Denn Glück und Leid erfährt der Mensch abwechselnd; niemand erlangt endloses Unglück, Stier unter den Männern.

prajñāvāṃs tv eva puruṣaḥ saṃyuktaḥ parayā dhiyā udayāstamayajño hi na śocati na hṛṣyati

Der Mensch aber, der mit höchster Einsicht ausgestattet ist, der Aufstieg und Untergang kennt, trauert nicht und freut sich nicht übermäßig.

Wort für Wort
prajñāvāṃs tv eva puruṣaḥ saṃyuktaḥ parayā dhiyā udayāstamayajño hi na śocati na hṛṣyati
Der Mensch aber, der mit höchster Einsicht ausgestattet ist, der Aufstieg und Untergang kennt, trauert nicht und freut sich nicht übermäßig.

sukham āpatitaṃ seved duḥkham āpatitaṃ sahet kālaprāptam upāsīta sasyānām iva karṣakaḥ

Er soll das ihm zufallende Glück genießen, das ihm zufallende Leid ertragen, und das zur rechten Zeit Gekommene abwarten, wie der Bauer bei seinen Feldfrüchten.

Wort für Wort
sukham āpatitaṃ seved duḥkham āpatitaṃ sahet kālaprāptam upāsīta sasyānām iva karṣakaḥ
Er soll das ihm zufallende Glück genießen, das ihm zufallende Leid ertragen, und das zur rechten Zeit Gekommene abwarten, wie der Bauer bei seinen Feldfrüchten.

tapaso hi paraṃ nāsti tapasā vindate mahat nāsādhyaṃ tapasaḥ kiṃ cid iti budhyasva bhārata

Denn nichts steht über der Askese; durch Askese erlangt man Großes; nichts ist der Askese unerreichbar - dies erkenne, o Bhārata.

Wort für Wort
tapaso hi paraṃ nāsti tapasā vindate mahat nāsādhyaṃ tapasaḥ kiṃ cid iti budhyasva bhārata
Denn nichts steht über der Askese; durch Askese erlangt man Großes; nichts ist der Askese unerreichbar - dies erkenne, o Bhārata.

satyam ārjavam akrodhaḥ saṃvibhāgo damaḥ śamaḥ anasūyāvihiṃsā ca śaucam indriyasaṃyamaḥ sādhanāni mahārāja narāṇāṃ puṇyakarmaṇām

Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zornlosigkeit, das Teilen, Selbstbeherrschung, innerer Friede, Neidlosigkeit und Gewaltlosigkeit, Reinheit und Sinneszügelung sind die Mittel, o Großkönig, für Menschen verdienstvoller Taten.

Wort für Wort
satyam ārjavam akrodhaḥ saṃvibhāgo damaḥ śamaḥ anasūyāvihiṃsā ca śaucam indriyasaṃyamaḥ sādhanāni mahārāja narāṇāṃ puṇyakarmaṇām
Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Zornlosigkeit, das Teilen, Selbstbeherrschung, innerer Friede, Neidlosigkeit und Gewaltlosigkeit, Reinheit und Sinneszügelung sind die Mittel, o Großkönig, für Menschen verdienstvoller Taten.

adharmarucayo mūḍhās tiryaggatiparāyaṇāḥ kṛcchrāṃ yonim anuprāpya na sukhaṃ vindate janāḥ

Die am Unrecht Gefallen findenden Toren, dem Tierdasein Verfallenen, gelangen, nachdem sie einen elenden Mutterschoß erlangt haben, zu keinem Glück, jene Menschen.

Wort für Wort
adharmarucayo mūḍhās tiryaggatiparāyaṇāḥ kṛcchrāṃ yonim anuprāpya na sukhaṃ vindate janāḥ
Die am Unrecht Gefallen findenden Toren, dem Tierdasein Verfallenen, gelangen, nachdem sie einen elenden Mutterschoß erlangt haben, zu keinem Glück, jene Menschen.

iha yat kriyate karma tat paratropabhujyate tasmāc charīraṃ yuñjīta tapasā niyamena ca

Was hier an Taten vollbracht wird, das wird im Jenseits genossen; darum soll man den Körper mit Askese und Regeln in Zucht nehmen.

Wort für Wort
iha yat kriyate karma tat paratropabhujyate tasmāc charīraṃ yuñjīta tapasā niyamena ca
Was hier an Taten vollbracht wird, das wird im Jenseits genossen; darum soll man den Körper mit Askese und Regeln in Zucht nehmen.

yathāśakti prayacchec ca saṃpūjyābhipraṇamya ca kāle pātre ca hṛṣṭātmā rājan vigatamatsaraḥ

Man soll nach Kräften geben, den Empfänger ehrend und sich vor ihm verneigend, zur rechten Zeit und dem rechten Empfänger, frohen Sinnes, o König, frei von Neid.

Wort für Wort
yathāśakti prayacchec ca saṃpūjyābhipraṇamya ca kāle pātre ca hṛṣṭātmā rājan vigatamatsaraḥ
Man soll nach Kräften geben, den Empfänger ehrend und sich vor ihm verneigend, zur rechten Zeit und dem rechten Empfänger, frohen Sinnes, o König, frei von Neid.

satyavādī labhetāyur anāyāsam athārjavī akrodhano 'nasūyaś ca nirvṛtiṃ labhate parām

Der Wahrhaftige erlangt mühelos ein langes Leben, und der Aufrichtige, der Zornlose und der Neidlose erlangt höchste Zufriedenheit.

Wort für Wort
satyavādī labhetāyur anāyāsam athārjavī akrodhano 'nasūyaś ca nirvṛtiṃ labhate parām
Der Wahrhaftige erlangt mühelos ein langes Leben, und der Aufrichtige, der Zornlose und der Neidlose erlangt höchste Zufriedenheit.

dāntaḥ śamaparaḥ śaśvat parikleśaṃ na vindati na ca tapyati dāntātmā dṛṣṭvā paragatāṃ śriyam

Der Selbstbeherrschte, dem inneren Frieden zugetan, erfährt niemals Bedrängnis, und der Selbstbeherrschte grämt sich nicht, wenn er das Glück eines anderen sieht.

Wort für Wort
dāntaḥ śamaparaḥ śaśvat parikleśaṃ na vindati na ca tapyati dāntātmā dṛṣṭvā paragatāṃ śriyam
Der Selbstbeherrschte, dem inneren Frieden zugetan, erfährt niemals Bedrängnis, und der Selbstbeherrschte grämt sich nicht, wenn er das Glück eines anderen sieht.

saṃvibhaktā ca dātā ca bhogavān sukhavān naraḥ bhavaty ahiṃsakaś caiva paramārogyam aśnute

Wer teilt und gibt, wird ein Mensch voller Genüsse und Glück; und wer gewaltlos ist, erlangt vollkommene Gesundheit.

Wort für Wort
saṃvibhaktā ca dātā ca bhogavān sukhavān naraḥ bhavaty ahiṃsakaś caiva paramārogyam aśnute
Wer teilt und gibt, wird ein Mensch voller Genüsse und Glück; und wer gewaltlos ist, erlangt vollkommene Gesundheit.

mānyān mānayitā janma kule mahati vindati vyasanair na tu saṃyogaṃ prāpnoti vijitendriyaḥ

Wer die Ehrwürdigen ehrt, erlangt Geburt in einer bedeutenden Sippe; und wer seine Sinne bezwungen hat, gerät nicht in Verbindung mit Lastern.

Wort für Wort
mānyān mānayitā janma kule mahati vindati vyasanair na tu saṃyogaṃ prāpnoti vijitendriyaḥ
Wer die Ehrwürdigen ehrt, erlangt Geburt in einer bedeutenden Sippe; und wer seine Sinne bezwungen hat, gerät nicht in Verbindung mit Lastern.

śubhānuśayabuddhir hi saṃyuktaḥ kāladharmaṇā prādurbhavati tadyogāt kalyāṇamatir eva saḥ

Denn wessen Denken mit guten Nachwirkungen verbunden ist, der erscheint, wenn er mit dem Gesetz der Zeit verbunden wird, durch eben diese Verbindung als einer von heilvollem Sinn.‘

Wort für Wort
śubhānuśayabuddhir hi saṃyuktaḥ kāladharmaṇā prādurbhavati tadyogāt kalyāṇamatir eva saḥ
Denn wessen Denken mit guten Nachwirkungen verbunden ist, der erscheint, wenn er mit dem Gesetz der Zeit verbunden wird, durch eben diese Verbindung als einer von heilvollem Sinn.‘

yudhiṣṭhira uvāca bhagavan dānadharmāṇāṃ tapaso vā mahāmune kiṃ svid bahuguṇaṃ pretya kiṃ vā duṣkaram ucyate

Yudhiṣṭhira sprach: ‚Erhabener, unter den Pflichten des Gebens und der Askese, o großer Weiser - was von beidem gilt als reicher an Verdienst im Jenseits, und was gilt als schwerer auszuführen?‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca bhagavan dānadharmāṇāṃ tapaso vā mahāmune kiṃ svid bahuguṇaṃ pretya kiṃ vā duṣkaram ucyate
Yudhiṣṭhira sprach: ‚Erhabener, unter den Pflichten des Gebens und der Askese, o großer Weiser - was von beidem gilt als reicher an Verdienst im Jenseits, und was gilt als schwerer auszuführen?‘

vyāsa uvāca dānān na duṣkarataraṃ pṛthivyām asti kiṃ cana arthe hi mahatī tṛṣṇā sa ca duḥkhena labhyate

Vyāsa sprach: ‚Nichts auf Erden ist schwerer als das Geben; denn nach Besitz besteht ein gewaltiges Verlangen, und er wird nur mit Mühe erlangt.

Wort für Wort
vyāsa uvāca dānān na duṣkarataraṃ pṛthivyām asti kiṃ cana arthe hi mahatī tṛṣṇā sa ca duḥkhena labhyate
Vyāsa sprach: ‚Nichts auf Erden ist schwerer als das Geben; denn nach Besitz besteht ein gewaltiges Verlangen, und er wird nur mit Mühe erlangt.

parityajya priyān prāṇān dhanārthaṃ hi mahāhavam praviśanti narā vīrāḥ samudram aṭavīṃ tathā

Denn indem sie ihr liebes Leben aufgeben, begeben sich tapfere Männer um des Reichtums willen in gewaltige Kämpfe, in den Ozean und ebenso in die Wildnis.

Wort für Wort
parityajya priyān prāṇān dhanārthaṃ hi mahāhavam praviśanti narā vīrāḥ samudram aṭavīṃ tathā
Denn indem sie ihr liebes Leben aufgeben, begeben sich tapfere Männer um des Reichtums willen in gewaltige Kämpfe, in den Ozean und ebenso in die Wildnis.

kṛṣigorakṣyam ity eke pratipadyanti mānavāḥ puruṣāḥ preṣyatām eke nirgacchanti dhanārthinaḥ

Manche Menschen wenden sich dem Ackerbau und der Viehzucht zu; manche Männer begeben sich in Dienstbarkeit, nach Reichtum trachtend.

Wort für Wort
kṛṣigorakṣyam ity eke pratipadyanti mānavāḥ puruṣāḥ preṣyatām eke nirgacchanti dhanārthinaḥ
Manche Menschen wenden sich dem Ackerbau und der Viehzucht zu; manche Männer begeben sich in Dienstbarkeit, nach Reichtum trachtend.

tasya duḥkhārjitasyaivaṃ parityāgaḥ suduṣkaraḥ na duṣkarataraṃ dānāt tasmād dānaṃ mataṃ mama

Das Aufgeben dessen, was so mühevoll erworben wurde, ist überaus schwer; nichts ist schwerer als das Geben - darum gilt mir das Geben als das Höchste.

Wort für Wort
tasya duḥkhārjitasyaivaṃ parityāgaḥ suduṣkaraḥ na duṣkarataraṃ dānāt tasmād dānaṃ mataṃ mama
Das Aufgeben dessen, was so mühevoll erworben wurde, ist überaus schwer; nichts ist schwerer als das Geben - darum gilt mir das Geben als das Höchste.

viśeṣas tv atra vijñeyo nyāyenopārjitaṃ dhanam pātre deśe ca kāle ca sādhubhyaḥ pratipādayet

Doch ein Unterschied ist hierbei zu erkennen: rechtmäßig erworbenen Reichtum soll man dem rechten Empfänger, am rechten Ort und zur rechten Zeit den Rechtschaffenen zuwenden.

Wort für Wort
viśeṣas tv atra vijñeyo nyāyenopārjitaṃ dhanam pātre deśe ca kāle ca sādhubhyaḥ pratipādayet
Doch ein Unterschied ist hierbei zu erkennen: rechtmäßig erworbenen Reichtum soll man dem rechten Empfänger, am rechten Ort und zur rechten Zeit den Rechtschaffenen zuwenden.

anyāyasamupāttena dānadharmo dhanena yaḥ kriyate na sa kartāraṃ trāyate mahato bhayāt

Die Übung der Gebe-Pflicht mit unrechtmäßig erworbenem Reichtum rettet den, der sie vollzieht, nicht vor großer Gefahr.

Wort für Wort
anyāyasamupāttena dānadharmo dhanena yaḥ kriyate na sa kartāraṃ trāyate mahato bhayāt
Die Übung der Gebe-Pflicht mit unrechtmäßig erworbenem Reichtum rettet den, der sie vollzieht, nicht vor großer Gefahr.

pātre dānaṃ svalpam api kāle dattaṃ yudhiṣṭhira manasā suviśuddhena pretyānantaphalaṃ smṛtam

Selbst eine geringe Gabe an den rechten Empfänger, zur rechten Zeit, mit vollkommen reinem Sinn gegeben, gilt, o Yudhiṣṭhira, als im Jenseits unendliche Frucht tragend.

Wort für Wort
pātre dānaṃ svalpam api kāle dattaṃ yudhiṣṭhira manasā suviśuddhena pretyānantaphalaṃ smṛtam
Selbst eine geringe Gabe an den rechten Empfänger, zur rechten Zeit, mit vollkommen reinem Sinn gegeben, gilt, o Yudhiṣṭhira, als im Jenseits unendliche Frucht tragend.

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam vrīhidroṇaparityāgād yat phalaṃ prāpa mudgalaḥ

Hierzu führen sie auch diese alte Geschichte an, welche Frucht Mudgala durch das Verschenken einer Droṇa-Maß Reiskörner erlangte.‘“

Wort für Wort
atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam vrīhidroṇaparityāgād yat phalaṃ prāpa mudgalaḥ
Hierzu führen sie auch diese alte Geschichte an, welche Frucht Mudgala durch das Verschenken einer Droṇa-Maß Reiskörner erlangte.‘“

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