Kapitel 299: Vanaparvaṇaḥ Samāptiḥ
Abschied von den Brahmanen und Aufbruch
Das dreizehnte, geheim zu verbringende Exiljahr steht bevor. Die Pāṇḍavas verabschieden sich von den sie begleitenden Brahmanen und Asketen und bitten sie um ihren Segen, wobei Yudhiṣṭhira in Erinnerung ruft, wie sie um ihr Reich betrogen wurden, und der Hoffnung auf eine dereinstige Rückkehr Ausdruck gibt; überwältigt von Kummer sinkt er in Ohnmacht. Dhaumya tröstet ihn mit einer Reihe mythologischer Präzedenzfälle verborgenen göttlichen Wirkens (Indra, Viṣṇu als Hayaśiras und als Vāmana bei Bali, Aurva, Hari/Viṣṇu bei Vṛtras Erschlagung, Agni in den Gewässern, Vivasvat, Viṣṇu/Rāma gegen Rāvaṇa) als Beweis, dass Verborgenheit kein Makel sei. Bhīmasena bekräftigt, trotz seines Zorns bislang nichts Unbesonnenes getan und seine jüngeren Brüder zurückgehalten zu haben, und verspricht Gehorsam gegenüber Yudhiṣṭhiras Anordnungen. Die Brahmanen ziehen mit Segenswünschen ab; die fünf Pāṇḍavas brechen mit Dhaumya und Draupadī auf, legen eine kurze Strecke zurück und setzen sich zur Beratung über die bevorstehende Verkleidung zusammen. Damit endet das Vanaparva (Kap.1-299); die konkreten, hier von der kritischen Ausgabe nicht in den Haupttext aufgenommenen Einzelankündigungen der Verkleidungen (Bhīma als Koch, Nakula als Pferdeknecht, Sahadeva als Kuhhirte, Arjuna als Tanzlehrer Bṛhannaḍā, Draupadī als Sairandhrī u.a.) folgen zu Beginn des nächsten Buches, des Virāṭaparva.
Die Pāṇḍavas von wahrhafter Kraft, von Dharma selbst dazu ermächtigt, setzten sich, da sie das dreizehnte Jahr verborgen im unerkannten Aufenthalt verbringen wollten, die Weisen, vereint, mit verschärften Gelübden, zusammen nieder,
Die Pāṇḍavas von wahrhafter Kraft, von Dharma selbst dazu ermächtigt, setzten sich, da sie das dreizehnte Jahr verborgen im unerkannten Aufenthalt verbringen wollten, die Weisen, vereint, mit verschärften Gelübden, zusammen nieder,
ye tadbhaktā vasanti sma vanavāse tapasvinaḥ tān abruvan mahātmānaḥ śiṣṭāḥ prāñjalayas tadā abhyanujñāpayiṣyantas taṃ nivāsaṃ dhṛtavratāḥ
und jene ihnen ergebenen Asketen, die mit ihnen im Waldaufenthalt wohnten, sprachen sie, die Hochherzigen, Wohlerzogenen, Gelübdetreuen, damals mit gefalteten Händen an, um sich für das Ende jenes Aufenthalts die Erlaubnis geben zu lassen.
Wort für Wort
ye tadbhaktā vasanti sma vanavāse tapasvinaḥ tān abruvan mahātmānaḥ śiṣṭāḥ prāñjalayas tadā abhyanujñāpayiṣyantas taṃ nivāsaṃ dhṛtavratāḥ
und jene ihnen ergebenen Asketen, die mit ihnen im Waldaufenthalt wohnten, sprachen sie, die Hochherzigen, Wohlerzogenen, Gelübdetreuen, damals mit gefalteten Händen an, um sich für das Ende jenes Aufenthalts die Erlaubnis geben zu lassen.
uṣitāś ca vane kṛcchraṃ yatra dvādaśa vatsarān ajñātavāsasamayaṃ śeṣaṃ varṣaṃ trayodaśam tad vatsyāmo vayaṃ channās tad anujñātum arhatha
Zwölf Jahre haben wir Mühsal im Wald ausgestanden; nun bleibt uns noch das dreizehnte Jahr der Zeit des unerkannten Aufenthalts. Dieses werden wir verborgen verbringen - dazu möget ihr uns die Erlaubnis geben.
Wort für Wort
uṣitāś ca vane kṛcchraṃ yatra dvādaśa vatsarān ajñātavāsasamayaṃ śeṣaṃ varṣaṃ trayodaśam tad vatsyāmo vayaṃ channās tad anujñātum arhatha
Zwölf Jahre haben wir Mühsal im Wald ausgestanden; nun bleibt uns noch das dreizehnte Jahr der Zeit des unerkannten Aufenthalts. Dieses werden wir verborgen verbringen - dazu möget ihr uns die Erlaubnis geben.
suyodhanaś ca duṣṭātmā karṇaś ca sahasaubalaḥ jānanto viṣamaṃ kuryur asmāsv atyantavairiṇaḥ yuktācārāś ca yuktāś ca paurasya svajanasya ca
Suyodhana, der Bösartige, und Karṇa mit Śakuni zusammen, unsere Todfeinde, könnten, wenn sie es wüssten, uns Unheil zufügen - so seid denn umsichtig und maßvoll im Umgang mit den Bürgern wie mit den eigenen Leuten.
Wort für Wort
suyodhanaś ca duṣṭātmā karṇaś ca sahasaubalaḥ jānanto viṣamaṃ kuryur asmāsv atyantavairiṇaḥ yuktācārāś ca yuktāś ca paurasya svajanasya ca
Suyodhana, der Bösartige, und Karṇa mit Śakuni zusammen, unsere Todfeinde, könnten, wenn sie es wüssten, uns Unheil zufügen - so seid denn umsichtig und maßvoll im Umgang mit den Bürgern wie mit den eigenen Leuten.
'Suyodhana' ('der gut Kämpfende') ist eine im Epos gelegentlich verwendete, ironisch klingende Alternativbezeichnung für Duryodhana.
api nas tad bhaved bhūyo yad vayaṃ brāhmaṇaiḥ saha samastāḥ sveṣu rāṣṭreṣu svarājyasthā bhavemahi
Möge es uns doch wieder vergönnt sein, dass wir, zusammen mit euch Brahmanen, allesamt in unseren eigenen Reichen wieder auf unserem eigenen Thron sitzen.‘
Wort für Wort
api nas tad bhaved bhūyo yad vayaṃ brāhmaṇaiḥ saha samastāḥ sveṣu rāṣṭreṣu svarājyasthā bhavemahi
Möge es uns doch wieder vergönnt sein, dass wir, zusammen mit euch Brahmanen, allesamt in unseren eigenen Reichen wieder auf unserem eigenen Thron sitzen.‘
‚König, du bist weise, beherrscht, wahrhaftig in deinem Versprechen, deine Sinne bezwingend; Männer von solcher Art verlieren in keiner Notlage die Fassung.
‚König, du bist weise, beherrscht, wahrhaftig in deinem Versprechen, deine Sinne bezwingend; Männer von solcher Art verlieren in keiner Notlage die Fassung.
Von Indra wurde, nachdem er zu den Niṣadhas gelangt war, im Āśrama von Giriprastha, verborgen weilend, das Werk zur Bezwingung seiner Feinde vollbracht. [?]
Von Indra wurde, nachdem er zu den Niṣadhas gelangt war, im Āśrama von Giriprastha, verborgen weilend, das Werk zur Bezwingung seiner Feinde vollbracht. [?]
Diese Anspielung auf einen verborgenen Aufenthalt Indras bei den Niṣadhas im Āśrama von Giriprastha ist andernorts im Epos nicht näher ausgeführt und bleibt daher unklar; mit [?] gekennzeichnet.
Von Viṣṇu, der die Gestalt eines Pferdehauptes annahm und im Mutterleib der Aditi weilen sollte, wurde, um die Daityas zu töten, lange Zeit unerkannt gelebt.
Von Viṣṇu, der die Gestalt eines Pferdehauptes annahm und im Mutterleib der Aditi weilen sollte, wurde, um die Daityas zu töten, lange Zeit unerkannt gelebt.
Anspielung auf die Hayaśiras-('Pferdehaupt'-)Gestalt Viṣṇus, in der er verborgen wirkte, um die Dämonensöhne der Aditi zu bezwingen.
Und was von Aurva, dem Brahmarṣi, der verborgen im Schenkel [seiner Mutter] weilte, in den Welten vollbracht wurde, mein Lieber, das hast du ebenfalls ganz gehört.
Und was von Aurva, dem Brahmarṣi, der verborgen im Schenkel [seiner Mutter] weilte, in den Welten vollbracht wurde, mein Lieber, das hast du ebenfalls ganz gehört.
pracchannaṃ cāpi dharmajña hariṇā vṛtranigrahe vajraṃ praviśya śakrasya yatkṛtaṃ tac ca te śrutam
Auch was Hari, o Kenner des Rechts, verborgen vollbrachte, als er beim Erschlagen Vṛtras in Śakras Donnerkeil einging, das hast du gehört.
Wort für Wort
pracchannaṃ cāpi dharmajña hariṇā vṛtranigrahe vajraṃ praviśya śakrasya yatkṛtaṃ tac ca te śrutam
Auch was Hari, o Kenner des Rechts, verborgen vollbrachte, als er beim Erschlagen Vṛtras in Śakras Donnerkeil einging, das hast du gehört.
'Hari' bezeichnet hier Viṣṇu, der sich der Überlieferung nach in Indras (Śakras) Donnerkeil (vajra) verbarg, um dessen Kraft beim Vṛtra-Kampf zu verstärken.
tathā dhaumyena dharmajño vākyaiḥ saṃparitoṣitaḥ śāstrabuddhyā svabuddhyā ca na cacāla yudhiṣṭhiraḥ
So durch Dhaumyas Worte getröstet, wankte der rechtskundige Yudhiṣṭhira - gestützt auf die Weisheit der Schriften wie auf seine eigene Einsicht - nicht.
Wort für Wort
tathā dhaumyena dharmajño vākyaiḥ saṃparitoṣitaḥ śāstrabuddhyā svabuddhyā ca na cacāla yudhiṣṭhiraḥ
So durch Dhaumyas Worte getröstet, wankte der rechtskundige Yudhiṣṭhira - gestützt auf die Weisheit der Schriften wie auf seine eigene Einsicht - nicht.
Nachdem Bhīmasena so gesprochen hatte, sprachen die Brahmanen die höchsten Segenswünsche aus, verabschiedeten sich von den Bharatas und gingen, ein jeder, zu seinem eigenen Haus.
Nachdem Bhīmasena so gesprochen hatte, sprachen die Brahmanen die höchsten Segenswünsche aus, verabschiedeten sich von den Bharatas und gingen, ein jeder, zu seinem eigenen Haus.
Alle, die vornehmsten Vedakenner, die Asketen und ebenso die Weisen sprachen, wie es sich gebührt, ihren Segen aus, im Verlangen nach einem Wiedersehen.
Alle, die vornehmsten Vedakenner, die Asketen und ebenso die Weisen sprachen, wie es sich gebührt, ihren Segen aus, im Verlangen nach einem Wiedersehen.
Nachdem sie von jenem Ort aus, aus gutem Grund, nur eine Krośa-Strecke zurückgelegt hatten, machten sich am folgenden Tag die tigergleichen Männer bereit, den verborgenen Aufenthalt anzutreten.
Nachdem sie von jenem Ort aus, aus gutem Grund, nur eine Krośa-Strecke zurückgelegt hatten, machten sich am folgenden Tag die tigergleichen Männer bereit, den verborgenen Aufenthalt anzutreten.
Allesamt kundig in den verschiedenen Lehren, allesamt erfahren im Ratschlagen, kundig der rechten Zeit für Frieden und Krieg, setzten sie sich zur Beratung zusammen.“
Allesamt kundig in den verschiedenen Lehren, allesamt erfahren im Ratschlagen, kundig der rechten Zeit für Frieden und Krieg, setzten sie sich zur Beratung zusammen.“
Mit dieser Beratung über die anzunehmenden Verkleidungen endet das Vanaparva; die Fortsetzung (die einzelnen, hier nicht in den konstituierten Text der kritischen Ausgabe aufgenommenen Verkleidungs-Ankündigungen jedes Bruders und Draupadīs) folgt zu Beginn des Virāṭaparva. Die seit Kap.295 (Vaiśampāyanas Antwort auf Janamejayas Frage nach dem Hirsch-Vorfall) durchlaufend offene „-Erzählklammer schließt hier am Ende des Vanaparva; Kap.1 des Virāṭaparva bestätigt dies durch eine völlig neue Frage Janamejayas mit neuem Rahmen.