Kapitel 154: Jaṭāsuravadhaḥ
Die Tötung des Jaṭāsura
Während Bhīma auf der Jagd ist, offenbart sich der Rākṣasa Jaṭāsura, der sich lange als Brahmane getarnt unter den Pāṇḍavas eingeschlichen hatte, in wahrer Gestalt, ergreift ihre Waffen und raubt Yudhiṣṭhira, die Zwillinge und Draupadī. Sahadeva entkommt und ruft Bhīma herbei; unterdessen tadelt Yudhiṣṭhira den Rākṣasa eindringlich für seinen Verrat an Gastrecht und Freundestreue, und Sahadeva fordert ihn zum Kampf. Bhīma erscheint, erklärt, warum er den getarnten Rākṣasa zuvor verschont hatte, und liefert ihm einen gewaltigen Ringkampf mit ausgerissenen Bäumen und Felsblöcken, der an den Kampf Vālins und Sugrīvas erinnert. Schließlich zermalmt Bhīma den erschöpften Jaṭāsura und schlägt ihm das Haupt ab.
brāhmaṇo mantrakuśalaḥ sarvāstreṣv astravittamaḥ iti bruvan pāṇḍaveyān paryupāste sma nityadā
Er hatte sich, indem er behauptete, ein der Zaubersprüche kundiger Brahmane zu sein, der beste Kenner aller Waffen, beständig in den Dienst der Pāṇḍava-Söhne begeben.
Wort für Wort
brāhmaṇo mantrakuśalaḥ sarvāstreṣv astravittamaḥ iti bruvan pāṇḍaveyān paryupāste sma nityadā
Er hatte sich, indem er behauptete, ein der Zaubersprüche kundiger Brahmane zu sein, der beste Kenner aller Waffen, beständig in den Dienst der Pāṇḍava-Söhne begeben.
ye 'nye ke cin manuṣyeṣu tiryagyonigatā api gandharvayakṣarakṣāṃsi vayāṃsi paśavas tathā manuṣyān upajīvanti tatas tvam upajīvasi
Auch andere, die in tierischer Geburt unter den Menschen leben, Gandharven, Yakṣas, Rākṣasas, Vögel und Vieh ebenso — sie leben von den Menschen, und so lebst auch du von ihnen.
Wort für Wort
ye 'nye ke cin manuṣyeṣu tiryagyonigatā api gandharvayakṣarakṣāṃsi vayāṃsi paśavas tathā manuṣyān upajīvanti tatas tvam upajīvasi
Auch andere, die in tierischer Geburt unter den Menschen leben, Gandharven, Yakṣas, Rākṣasas, Vögel und Vieh ebenso — sie leben von den Menschen, und so lebst auch du von ihnen.
samṛddhyā hy asya lokasya loko yuṣmākam ṛdhyate imaṃ ca lokaṃ śocantam anuśocanti devatāḥ pūjyamānāś ca vardhante havyakavyair yathāvidhi
Denn durch das Gedeihen dieser Welt gedeiht auch eure Welt; und wenn diese Welt trauert, trauern auch die Gottheiten mit; verehrt aber gedeihen sie durch Opfergaben und Ahnenspenden, wie es sich gebührt.
Wort für Wort
samṛddhyā hy asya lokasya loko yuṣmākam ṛdhyate imaṃ ca lokaṃ śocantam anuśocanti devatāḥ pūjyamānāś ca vardhante havyakavyair yathāvidhi
Denn durch das Gedeihen dieser Welt gedeiht auch eure Welt; und wenn diese Welt trauert, trauern auch die Gottheiten mit; verehrt aber gedeihen sie durch Opfergaben und Ahnenspenden, wie es sich gebührt.
na ca rājāvamantavyo rakṣasā jātv anāgasi aṇur apy apacāraś ca nāsty asmākaṃ narāśana
Niemals darf ein schuldloser König von einem Rākṣasa missachtet werden; und auch nicht das geringste Vergehen liegt unsererseits vor, du Menschenfresser.
Wort für Wort
na ca rājāvamantavyo rakṣasā jātv anāgasi aṇur apy apacāraś ca nāsty asmākaṃ narāśana
Niemals darf ein schuldloser König von einem Rākṣasa missachtet werden; und auch nicht das geringste Vergehen liegt unsererseits vor, du Menschenfresser.
drogdhavyaṃ na ca mitreṣu na viśvasteṣu karhi cit yeṣāṃ cānnāni bhuñjīta yatra ca syāt pratiśrayaḥ
Man darf keinen Freunden Böses tun, niemals denen, die vertrauen, und nicht denen, deren Speise man genossen hat oder bei denen man Zuflucht gefunden hat.
Wort für Wort
drogdhavyaṃ na ca mitreṣu na viśvasteṣu karhi cit yeṣāṃ cānnāni bhuñjīta yatra ca syāt pratiśrayaḥ
Man darf keinen Freunden Böses tun, niemals denen, die vertrauen, und nicht denen, deren Speise man genossen hat oder bei denen man Zuflucht gefunden hat.
Du aber, der du in unserer Zuflucht verehrt wurdest und glücklich weiltest, und unsere Speise genossen hast — wie kannst du, Übelgesinnter, uns nun rauben?
Du aber, der du in unserer Zuflucht verehrt wurdest und glücklich weiltest, und unsere Speise genossen hast — wie kannst du, Übelgesinnter, uns nun rauben?
evam eva vṛthācāro vṛthāvṛddho vṛthāmatiḥ vṛthāmaraṇam arhas tvaṃ vṛthādya na bhaviṣyasi
So bist du fürwahr von nutzlosem Wandel, nutzlos aufgewachsen, von nutzlosem Verstand; einen nutzlosen Tod verdienst du — doch heute wirst du nicht mehr vergeblich leben.
Wort für Wort
evam eva vṛthācāro vṛthāvṛddho vṛthāmatiḥ vṛthāmaraṇam arhas tvaṃ vṛthādya na bhaviṣyasi
So bist du fürwahr von nutzlosem Wandel, nutzlos aufgewachsen, von nutzlosem Verstand; einen nutzlosen Tod verdienst du — doch heute wirst du nicht mehr vergeblich leben.
[Anm.: Der Vers spielt vierfach mit dem Wort vṛthā („nutzlos, vergeblich“); die letzte Wendung deutet an, dass sein Tod heute gewiss und nicht mehr aufschiebbar ist.]
athābravīd draupadīṃ ca nakulaṃ ca yudhiṣṭhiraḥ mā bhaiṣṭa rākṣasān mūḍhād gatir asya mayā hṛtā
Da sprach Yudhiṣṭhira zu Draupadī und Nakula: „Fürchtet euch nicht vor diesem törichten Rākṣasa; seine Geschwindigkeit habe ich durch mein Gewicht schon geraubt.
Wort für Wort
athābravīd draupadīṃ ca nakulaṃ ca yudhiṣṭhiraḥ mā bhaiṣṭa rākṣasān mūḍhād gatir asya mayā hṛtā
Da sprach Yudhiṣṭhira zu Draupadī und Nakula: „Fürchtet euch nicht vor diesem törichten Rākṣasa; seine Geschwindigkeit habe ich durch mein Gewicht schon geraubt.
rājan kiṃ nāma tat kṛtyaṃ kṣatriyasyāsty ato 'dhikam yad yuddhe 'bhimukhaḥ prāṇāṃs tyajec chatrūñ jayeta vā
„O König, welche Tat gäbe es wohl für einen Kṣatriya, die höher stünde, als dem Feind entgegenzutreten im Kampf, das Leben zu lassen oder ihn zu besiegen?
Wort für Wort
rājan kiṃ nāma tat kṛtyaṃ kṣatriyasyāsty ato 'dhikam yad yuddhe 'bhimukhaḥ prāṇāṃs tyajec chatrūñ jayeta vā
„O König, welche Tat gäbe es wohl für einen Kṣatriya, die höher stünde, als dem Feind entgegenzutreten im Kampf, das Leben zu lassen oder ihn zu besiegen?
Die Zeit für die Pflicht der Kṣatriyas ist gekommen, o du von wahrhafter Tatkraft; sei es siegend, sei es fallend, verdienen wir eine gute Bestimmung zu erlangen.
Die Zeit für die Pflicht der Kṣatriyas ist gekommen, o du von wahrhafter Tatkraft; sei es siegend, sei es fallend, verdienen wir eine gute Bestimmung zu erlangen.
„He, he, Rākṣasa, bleib stehen! Ich bin Sahadeva, der Pāṇḍava. Töte mich und führe sie dann fort, oder du wirst heute hier erschlagen liegen und schlafen!“
„He, he, Rākṣasa, bleib stehen! Ich bin Sahadeva, der Pāṇḍava. Töte mich und führe sie dann fort, oder du wirst heute hier erschlagen liegen und schlafen!“
vijñāto 'si mayā pūrvaṃ ceṣṭañ śastraparīkṣaṇe āsthā tu tvayi me nāsti yato 'si na hatas tadā brahmarūpapraticchanno na no vadasi cāpriyam
„Erkannt bist du schon früher von mir worden, als du dich beim Prüfen unserer Waffen so gebärdetest; doch hatte ich keine Achtsamkeit auf dich gerichtet, weshalb du damals nicht erschlagen wurdest — verhüllt in der Gestalt eines Brahmanen, sprachst du auch nichts Unliebes zu uns.
Wort für Wort
vijñāto 'si mayā pūrvaṃ ceṣṭañ śastraparīkṣaṇe āsthā tu tvayi me nāsti yato 'si na hatas tadā brahmarūpapraticchanno na no vadasi cāpriyam
„Erkannt bist du schon früher von mir worden, als du dich beim Prüfen unserer Waffen so gebärdetest; doch hatte ich keine Achtsamkeit auf dich gerichtet, weshalb du damals nicht erschlagen wurdest — verhüllt in der Gestalt eines Brahmanen, sprachst du auch nichts Unliebes zu uns.
priyeṣu caramāṇaṃ tvāṃ na caivāpriyakāriṇam atithiṃ brahmarūpaṃ ca kathaṃ hanyām anāgasam rākṣasaṃ manyamāno 'pi yo hanyān narakaṃ vrajet
Wie hätte ich dich, der du dich freundlich verhieltest und nichts Unliebes tatest, einen Gast in Brahmanengestalt, schuldlos, erschlagen sollen? Wer einen solchen, auch wenn er ihn für einen Rākṣasa hält, erschlägt, geht in die Hölle.
Wort für Wort
priyeṣu caramāṇaṃ tvāṃ na caivāpriyakāriṇam atithiṃ brahmarūpaṃ ca kathaṃ hanyām anāgasam rākṣasaṃ manyamāno 'pi yo hanyān narakaṃ vrajet
Wie hätte ich dich, der du dich freundlich verhieltest und nichts Unliebes tatest, einen Gast in Brahmanengestalt, schuldlos, erschlagen sollen? Wer einen solchen, auch wenn er ihn für einen Rākṣasa hält, erschlägt, geht in die Hölle.
apakvasya ca kālena vadhas tava na vidyate nūnam adyāsi saṃpakvo yathā te matir īdṛśī dattā kṛṣṇāpaharaṇe kālenādbhutakarmaṇā
Solange du unreif warst, gab es keine Tötung durch die Zeit für dich; doch gewiss bist du heute reif geworden, da dir vom Schicksal, dem Vollbringer wunderbarer Taten, ein solcher Sinn zum Raub Kṛṣṇās gegeben wurde.
Wort für Wort
apakvasya ca kālena vadhas tava na vidyate nūnam adyāsi saṃpakvo yathā te matir īdṛśī dattā kṛṣṇāpaharaṇe kālenādbhutakarmaṇā
Solange du unreif warst, gab es keine Tötung durch die Zeit für dich; doch gewiss bist du heute reif geworden, da dir vom Schicksal, dem Vollbringer wunderbarer Taten, ein solcher Sinn zum Raub Kṛṣṇās gegeben wurde.
yaṃ cāsi prasthito deśaṃ manaḥ pūrvaṃ gataṃ ca te na taṃ gantāsi gantāsi mārgaṃ bakahiḍimbayoḥ
Und das Land, zu dem du aufgebrochen bist, wohin auch dein Sinn schon zuvor gewandert war — dorthin wirst du nicht gelangen; du wirst den Weg Bakas und Hiḍimbas gehen.“
Wort für Wort
yaṃ cāsi prasthito deśaṃ manaḥ pūrvaṃ gataṃ ca te na taṃ gantāsi gantāsi mārgaṃ bakahiḍimbayoḥ
Und das Land, zu dem du aufgebrochen bist, wohin auch dein Sinn schon zuvor gewandert war — dorthin wirst du nicht gelangen; du wirst den Weg Bakas und Hiḍimbas gehen.“
abravīc ca punar bhīmaṃ roṣāt prasphuritādharaḥ na me mūḍhā diśaḥ pāpa tvadarthaṃ me vilambanam
Und er sprach erneut zu Bhīma, vor Zorn die Lippen bebend: „Nicht sind mir die Himmelsrichtungen verwirrt, du Frevler; wegen dir nur ist mein Verzug entstanden.
Wort für Wort
abravīc ca punar bhīmaṃ roṣāt prasphuritādharaḥ na me mūḍhā diśaḥ pāpa tvadarthaṃ me vilambanam
Und er sprach erneut zu Bhīma, vor Zorn die Lippen bebend: „Nicht sind mir die Himmelsrichtungen verwirrt, du Frevler; wegen dir nur ist mein Verzug entstanden.
So angesprochen, leckte sich Bhīma darauf die Mundwinkel, gleichsam lächelnd vor Zorn, dem leibhaftigen Todesgott Antaka gleich, und, nur den Kampf der Arme begehrend, stürmte er auf den Rākṣasa los.
So angesprochen, leckte sich Bhīma darauf die Mundwinkel, gleichsam lächelnd vor Zorn, dem leibhaftigen Todesgott Antaka gleich, und, nur den Kampf der Arme begehrend, stürmte er auf den Rākṣasa los.
Zwischen ihnen entstand ein Kampf, zwischen dem zornigen Bhīma und dem Rākṣasa, einander im Kampf nicht duldend, wie zwischen einem Gott und einem Dānava.
Zwischen ihnen entstand ein Kampf, zwischen dem zornigen Bhīma und dem Rākṣasa, einander im Kampf nicht duldend, wie zwischen einem Gott und einem Dānava.
ārujyārujya tau vṛkṣān anyonyam abhijaghnatuḥ jīmūtāv iva gharmānte vinadantau mahābalau
Bäume ausreißend um Bäume ausreißend, schlugen sie einander, die beiden Hochgewaltigen, wie zwei Gewitterwolken am Ende der heißen Jahreszeit, dröhnend.
Wort für Wort
ārujyārujya tau vṛkṣān anyonyam abhijaghnatuḥ jīmūtāv iva gharmānte vinadantau mahābalau
Bäume ausreißend um Bäume ausreißend, schlugen sie einander, die beiden Hochgewaltigen, wie zwei Gewitterwolken am Ende der heißen Jahreszeit, dröhnend.
Und nachdem sie sich so gegenseitig geschlagen hatten, packten sich die beiden, stolz auf ihre Kraft, mit den Armen und zerrten aneinander wie zwei Elefanten.
Und nachdem sie sich so gegenseitig geschlagen hatten, packten sich die beiden, stolz auf ihre Kraft, mit den Armen und zerrten aneinander wie zwei Elefanten.
Mit zerbissener Lippe, verdrehten Augen, wie eine vom Stiel gefallene Frucht, fiel Jaṭāsuras Haupt, von Bhīmasenas Kraft abgetrennt, blutbefleckt, mit von den Zähnen zerbissenen Lippen, zu Boden.
Mit zerbissener Lippe, verdrehten Augen, wie eine vom Stiel gefallene Frucht, fiel Jaṭāsuras Haupt, von Bhīmasenas Kraft abgetrennt, blutbefleckt, mit von den Zähnen zerbissenen Lippen, zu Boden.
Nachdem er ihn erschlagen hatte, trat der große Bogenschütze vor Yudhiṣṭhira, gepriesen von den besten der Zweifachgeborenen, wie Vāsava von den Maruts.
Nachdem er ihn erschlagen hatte, trat der große Bogenschütze vor Yudhiṣṭhira, gepriesen von den besten der Zweifachgeborenen, wie Vāsava von den Maruts.