Kapitel 222: Draupadīsatyabhāmāsaṃvādaḥ
Das Gespräch zwischen Draupadī und Satyabhāmā
Mit diesem Kapitel endet der lange, seit Kap.179 währende Bericht des Sehers Mārkaṇḍeya, und die Haupterzählung kehrt zum Rahmenerzähler Vaiśaṃpāyana zurück, der wieder unmittelbar zu König Janamejaya spricht. Es beginnt die berühmte Episode des Gesprächs zwischen Draupadī und Satyabhāmā (Kṛṣṇas Gemahlin): Auf deren scherzhafte Frage, mit welchem Zaubermittel sie die fünf Pāṇḍavas gefügig mache, entgegnet Draupadī mit einer langen, grundsätzlichen Absage an Zaubersprüche und Gifte und entfaltet stattdessen ein ausführliches Bild pflichttreuer ehelicher Hingabe (Pativratā-Dharma): Selbstlosigkeit, Dienst an den Gatten und an der Schwiegermutter Kuntī, Bescheidenheit, Wachsamkeit über den gesamten Haushalt Yudhiṣṭhiras mit seinen Tausenden von Brahmanen, Dienerinnen und Tieren, und beständige Selbstaufopferung. Satyabhāmā bittet beschämt um Verzeihung für ihre scherzhafte Frage.
vaiśaṃpāyana uvāca upāsīneṣu vipreṣu pāṇḍaveṣu mahātmasu draupadī satyabhāmā ca viviśāte tadā samam jāhasyamāne suprīte sukhaṃ tatra niṣīdatuḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: „Während die Brahmanen und die hochherzigen Pāṇḍavas versammelt saßen, traten Draupadī und Satyabhāmā damals gemeinsam ein; lachend, hocherfreut, setzten sie sich dort behaglich nieder.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca upāsīneṣu vipreṣu pāṇḍaveṣu mahātmasu draupadī satyabhāmā ca viviśāte tadā samam jāhasyamāne suprīte sukhaṃ tatra niṣīdatuḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: „Während die Brahmanen und die hochherzigen Pāṇḍavas versammelt saßen, traten Draupadī und Satyabhāmā damals gemeinsam ein; lachend, hocherfreut, setzten sie sich dort behaglich nieder.
Nachdem sie sich nach langer Zeit wiedergesehen hatten, o Fürst der Könige, erzählten sich die beiden, liebliche Worte sprechend, mannigfaltige Geschichten über die Frauen der Kuru und Yadu.
Nachdem sie sich nach langer Zeit wiedergesehen hatten, o Fürst der Könige, erzählten sich die beiden, liebliche Worte sprechend, mannigfaltige Geschichten über die Frauen der Kuru und Yadu.
kena draupadi vṛttena pāṇḍavān upatiṣṭhasi lokapālopamān vīrān yūnaḥ paramasaṃmatān kathaṃ ca vaśagās tubhyaṃ na kupyanti ca te śubhe
‚Mit welcher Verhaltensweise, Draupadī, dienst du den Pāṇḍavas, den Helden, die den Weltenhütern gleichen, den jugendlichen, überaus angesehenen? Und wie kommt es, dass sie dir untertan sind und dir nicht zürnen, o Schöne?
Wort für Wort
kena draupadi vṛttena pāṇḍavān upatiṣṭhasi lokapālopamān vīrān yūnaḥ paramasaṃmatān kathaṃ ca vaśagās tubhyaṃ na kupyanti ca te śubhe
‚Mit welcher Verhaltensweise, Draupadī, dienst du den Pāṇḍavas, den Helden, die den Weltenhütern gleichen, den jugendlichen, überaus angesehenen? Und wie kommt es, dass sie dir untertan sind und dir nicht zürnen, o Schöne?
vratacaryā tapo vāpi snānamantrauṣadhāni vā vidyāvīryaṃ mūlavīryaṃ japahomas tathāgadāḥ
Ist es die Ausübung von Gelübden, oder Askese, oder Waschungen, Zaubersprüche, Kräuter, oder die Kraft von Wissenschaft, die Kraft von Wurzeln, Gebetsmurmeln und Opferhandlungen, ebenso Heilmittel -
Wort für Wort
vratacaryā tapo vāpi snānamantrauṣadhāni vā vidyāvīryaṃ mūlavīryaṃ japahomas tathāgadāḥ
Ist es die Ausübung von Gelübden, oder Askese, oder Waschungen, Zaubersprüche, Kräuter, oder die Kraft von Wissenschaft, die Kraft von Wurzeln, Gebetsmurmeln und Opferhandlungen, ebenso Heilmittel -
mama ācakṣva pāñcāli yaśasyaṃ bhagavedanam yena kṛṣṇe bhaven nityaṃ mama kṛṣṇo vaśānugaḥ
nenne mir, Pāñcālī, das ruhmreiche, segensvolle Mittel, durch das mein Kṛṣṇa mir für immer, o Kṛṣṇā, untertan werde.‘
Wort für Wort
mama ācakṣva pāñcāli yaśasyaṃ bhagavedanam yena kṛṣṇe bhaven nityaṃ mama kṛṣṇo vaśānugaḥ
nenne mir, Pāñcālī, das ruhmreiche, segensvolle Mittel, durch das mein Kṛṣṇa mir für immer, o Kṛṣṇā, untertan werde.‘
Ein Wortspiel im Sanskrit: Satyabhāmā spricht Draupadī mit deren Beinamen ‚Kṛṣṇā‘ (die Dunkle) an, während sie von ‚meinem Kṛṣṇa‘, ihrem eigenen Gemahl Vāsudeva-Kṛṣṇa, spricht - zwei verschiedene Namensträger, im Deutschen durch Groß-/Kleinschreibung der Endung kaum nachzubilden.
Sobald nämlich ein Gatte erführe, dass seine Frau sich auf Zaubersprüche und Wurzeln verlässt, würde er sich vor ihr fürchten wie vor einer ins Haus gelangten Schlange.
Sobald nämlich ein Gatte erführe, dass seine Frau sich auf Zaubersprüche und Wurzeln verlässt, würde er sich vor ihr fürchten wie vor einer ins Haus gelangten Schlange.
durvyāhṛtāc chaṅkamānā duḥsthitād duravekṣitāt durāsitād durvrajitād iṅgitādhyāsitād api
Ich hüte mich vor unbedachter Rede, vor schlechter Haltung, vor unziemlichem Anblick, vor unziemlichem Sitzen, vor unziemlichem Gehen, sowie auch vor unziemlichen Gebärden und Verhaltensweisen.
Wort für Wort
durvyāhṛtāc chaṅkamānā duḥsthitād duravekṣitāt durāsitād durvrajitād iṅgitādhyāsitād api
Ich hüte mich vor unbedachter Rede, vor schlechter Haltung, vor unziemlichem Anblick, vor unziemlichem Sitzen, vor unziemlichem Gehen, sowie auch vor unziemlichen Gebärden und Verhaltensweisen.
Ich diene den der Sonne und Agni gleichenden, dem Mond gleichenden großen Wagenkämpfern, den Söhnen Pṛthās, die mit ihrem Glanz die Augen blenden, den von grimmiger Glut Strahlenden.
Ich diene den der Sonne und Agni gleichenden, dem Mond gleichenden großen Wagenkämpfern, den Söhnen Pṛthās, die mit ihrem Glanz die Augen blenden, den von grimmiger Glut Strahlenden.
nābhuktavati nāsnāte nāsaṃviṣṭe ca bhartari na saṃviśāmi nāśnāmi sadā karmakareṣv api
Solange mein Gatte nicht gegessen hat, nicht gebadet hat und sich nicht niedergelegt hat, lege ich mich nicht nieder und esse nicht, selbst wenn Dienerinnen zugegen sind.
Wort für Wort
nābhuktavati nāsnāte nāsaṃviṣṭe ca bhartari na saṃviśāmi nāśnāmi sadā karmakareṣv api
Solange mein Gatte nicht gegessen hat, nicht gebadet hat und sich nicht niedergelegt hat, lege ich mich nicht nieder und esse nicht, selbst wenn Dienerinnen zugegen sind.
pramṛṣṭabhāṇḍā mṛṣṭānnā kāle bhojanadāyinī saṃyatā guptadhānyā ca susaṃmṛṣṭaniveśanā
Mit gereinigtem Geschirr, mit gereinigter Speise, zur rechten Zeit das Mahl darreichend, beherrscht, das Getreide sorgsam hütend und mit wohlgepflegter Wohnstatt -
Wort für Wort
pramṛṣṭabhāṇḍā mṛṣṭānnā kāle bhojanadāyinī saṃyatā guptadhānyā ca susaṃmṛṣṭaniveśanā
Mit gereinigtem Geschirr, mit gereinigter Speise, zur rechten Zeit das Mahl darreichend, beherrscht, das Getreide sorgsam hütend und mit wohlgepflegter Wohnstatt -
atihāsātiroṣau ca krodhasthānaṃ ca varjaye niratāhaṃ sadā satye bhartṝṇām upasevane sarvathā bhartṛrahitaṃ na mameṣṭaṃ kathaṃ cana
Übermäßiges Lachen und übermäßigen Zorn sowie Anlass zum Zorn meide ich; stets bin ich der Wahrheit zugetan im Dienst an meinen Gatten; auf keine Weise ist mir irgendetwas ohne meinen Gatten lieb.
Wort für Wort
atihāsātiroṣau ca krodhasthānaṃ ca varjaye niratāhaṃ sadā satye bhartṝṇām upasevane sarvathā bhartṛrahitaṃ na mameṣṭaṃ kathaṃ cana
Übermäßiges Lachen und übermäßigen Zorn sowie Anlass zum Zorn meide ich; stets bin ich der Wahrheit zugetan im Dienst an meinen Gatten; auf keine Weise ist mir irgendetwas ohne meinen Gatten lieb.
ye ca dharmāḥ kuṭumbeṣu śvaśrvā me kathitāḥ purā bhikṣābaliśrāddham iti sthālīpākāś ca parvasu mānyānāṃ mānasatkārā ye cānye viditā mayā
und die häuslichen Pflichten, die mir einst von meiner Schwiegermutter dargelegt wurden - das Almosengeben, die Opferspende, das Totenopfer, die Topfspeisen an den Feiertagen, die Ehrerweisungen gegenüber den Ehrwürdigen, sowie was ich sonst noch an solchen kenne -
Wort für Wort
ye ca dharmāḥ kuṭumbeṣu śvaśrvā me kathitāḥ purā bhikṣābaliśrāddham iti sthālīpākāś ca parvasu mānyānāṃ mānasatkārā ye cānye viditā mayā
und die häuslichen Pflichten, die mir einst von meiner Schwiegermutter dargelegt wurden - das Almosengeben, die Opferspende, das Totenopfer, die Topfspeisen an den Feiertagen, die Ehrerweisungen gegenüber den Ehrwürdigen, sowie was ich sonst noch an solchen kenne -
patyāśrayo hi me dharmo mataḥ strīṇāṃ sanātanaḥ sa devaḥ sā gatir nānyā tasya kā vipriyaṃ caret
Denn meine Pflicht liegt in der Zuflucht zum Gatten, so gilt es als die ewige Pflicht der Frauen; er ist die Gottheit, er ist das Ziel - welche Frau könnte ihm da etwas Unliebes antun?
Wort für Wort
patyāśrayo hi me dharmo mataḥ strīṇāṃ sanātanaḥ sa devaḥ sā gatir nānyā tasya kā vipriyaṃ caret
Denn meine Pflicht liegt in der Zuflucht zum Gatten, so gilt es als die ewige Pflicht der Frauen; er ist die Gottheit, er ist das Ziel - welche Frau könnte ihm da etwas Unliebes antun?
Ich übertreffe meine Gatten nicht, esse nicht mehr als sie, schmücke mich nicht mehr als sie, und schmähe niemals die Schwiegermutter, stets zurückhaltend.
Ich übertreffe meine Gatten nicht, esse nicht mehr als sie, schmücke mich nicht mehr als sie, und schmähe niemals die Schwiegermutter, stets zurückhaltend.
mayi sarvaṃ samāsajya kuṭumbaṃ bharatarṣabhāḥ upāsanaratāḥ sarve ghaṭante sma śubhānane
Nachdem sie den ganzen Haushalt mir anvertraut haben, sind die Stiere der Bharatas alle dem Dienst an anderen zugetan und mühen sich beständig, o Schönantlitzige.
Wort für Wort
mayi sarvaṃ samāsajya kuṭumbaṃ bharatarṣabhāḥ upāsanaratāḥ sarve ghaṭante sma śubhānane
Nachdem sie den ganzen Haushalt mir anvertraut haben, sind die Stiere der Bharatas alle dem Dienst an anderen zugetan und mühen sich beständig, o Schönantlitzige.
Dies verstehe ich zu tun als das große Mittel, die Gatten sich geneigt zu machen; das Verhalten unrechtschaffener Frauen würde ich nicht ausüben noch begehren.‘
Dies verstehe ich zu tun als das große Mittel, die Gatten sich geneigt zu machen; das Verhalten unrechtschaffener Frauen würde ich nicht ausüben noch begehren.‘