Kapitel 149: Kṣatradharmopadeśaḥ
Die Unterweisung in der Pflicht der Kṣatriyas
Auf Bhīmas Bitte nimmt Hanumān noch einmal seine gewaltige, berg-große Gestalt an, wie er sie einst beim Sprung über das Meer nach Laṅkā besaß; Bhīma erschauert vor Staunen und preist ihn, doch Hanumān erklärt, warum er selbst Rāvaṇa nicht erschlug, um Rāmas Ruhm nicht zu schmälern. Er weist Bhīma den Weg zum Saugandhika-Wald in Kuberas Garten, warnt ihn vor eigenmächtigem Blütenpflücken und schließt mit einer ausführlichen Unterweisung über Dharma, die vier Wissenschaften (Veda, Erwerbslehre, Staatskunst), die Pflichten der vier Kasten und die vier Mittel und fünf Vorgehensweisen der Politik, die einem Kṣatriya obliegen.
bhīma uvāca pūrvarūpam adṛṣṭvā te na yāsyāmi kathaṃ cana yadi te 'ham anugrāhyo darśayātmānam ātmanā
Bhīma sprach: „Ohne deine frühere Gestalt gesehen zu haben, werde ich keinesfalls gehen. Wenn ich deiner Gnade würdig bin, zeige mir dich selbst durch dich selbst.“
Wort für Wort
bhīma uvāca pūrvarūpam adṛṣṭvā te na yāsyāmi kathaṃ cana yadi te 'ham anugrāhyo darśayātmānam ātmanā
Bhīma sprach: „Ohne deine frühere Gestalt gesehen zu haben, werde ich keinesfalls gehen. Wenn ich deiner Gnade würdig bin, zeige mir dich selbst durch dich selbst.“
Mit hoch aufgerichtetem, gewaltigem Leib, wie ein zweiter Berg, mit kupferroten Augen, scharfen Zähnen, die Brauen gerunzelt, den langen Schweif schwingend, stand der Affe da, die Himmelsrichtungen ausfüllend.
Mit hoch aufgerichtetem, gewaltigem Leib, wie ein zweiter Berg, mit kupferroten Augen, scharfen Zähnen, die Brauen gerunzelt, den langen Schweif schwingend, stand der Affe da, die Himmelsrichtungen ausfüllend.
tad adbhutaṃ mahāraudraṃ vindhyamandarasaṃnibham dṛṣṭvā hanūmato varṣma saṃbhrāntaḥ pavanātmajaḥ
Dieses wunderbare, überaus furchterregende Wachstum Hanumāns, dem Vindhya und dem Mandara gleich, erblickend, geriet der Windessohn [Bhīma] in Verwirrung.
Wort für Wort
tad adbhutaṃ mahāraudraṃ vindhyamandarasaṃnibham dṛṣṭvā hanūmato varṣma saṃbhrāntaḥ pavanātmajaḥ
Dieses wunderbare, überaus furchterregende Wachstum Hanumāns, dem Vindhya und dem Mandara gleich, erblickend, geriet der Windessohn [Bhīma] in Verwirrung.
Du allein wärst doch fähig gewesen, gestützt auf die Kraft deiner eigenen Arme, jenes Laṅkā samt seinen Kriegern und Reittieren aus eigener Macht zu vernichten.
Du allein wärst doch fähig gewesen, gestützt auf die Kraft deiner eigenen Arme, jenes Laṅkā samt seinen Kriegern und Reittieren aus eigener Macht zu vernichten.
tena vīreṇa hatvā tu sagaṇaṃ rākṣasādhipam ānītā svapuraṃ sītā loke kīrtiś ca sthāpitā
Indem jener Held selbst den Rākṣasa-Fürsten samt seiner Schar erschlug, wurde Sītā in seine eigene Stadt zurückgebracht und sein Ruhm in der Welt begründet.
Wort für Wort
tena vīreṇa hatvā tu sagaṇaṃ rākṣasādhipam ānītā svapuraṃ sītā loke kīrtiś ca sthāpitā
Indem jener Held selbst den Rākṣasa-Fürsten samt seiner Schar erschlug, wurde Sītā in seine eigene Stadt zurückgebracht und sein Ruhm in der Welt begründet.
na hi dharmam avijñāya vṛddhān anupasevya ca dharmo vai vedituṃ śakyo bṛhaspatisamair api
Denn ohne die Pflicht recht zu erkennen und ohne den Alten zu dienen, kann die Pflicht selbst von einem Bṛhaspati Gleichenden nicht voll erkannt werden.
Wort für Wort
na hi dharmam avijñāya vṛddhān anupasevya ca dharmo vai vedituṃ śakyo bṛhaspatisamair api
Denn ohne die Pflicht recht zu erkennen und ohne den Alten zu dienen, kann die Pflicht selbst von einem Bṛhaspati Gleichenden nicht voll erkannt werden.
Wo Unrecht als Recht bezeichnet wird und Recht als Unrecht benannt, dort muss es durch genaue Unterscheidung erkannt werden, wo Unverständige sich täuschen lassen.
Wo Unrecht als Recht bezeichnet wird und Recht als Unrecht benannt, dort muss es durch genaue Unterscheidung erkannt werden, wo Unverständige sich täuschen lassen.
Aus rechtem Wandel entspringt die Pflicht, aus der Pflicht entstanden die Veden, aus den Veden entstanden die Opfer, durch die Opfer sind die Götter gegründet.
Aus rechtem Wandel entspringt die Pflicht, aus der Pflicht entstanden die Veden, aus den Veden entstanden die Opfer, durch die Opfer sind die Götter gegründet.
vedācāravidhānoktair yajñair dhāryanti devatāḥ bṛhaspatyuśanoktaiś ca nayair dhāryanti mānavāḥ
Durch die in Veda und rechtem Brauch vorgeschriebenen Opfer werden die Gottheiten erhalten, durch die von Bṛhaspati und Uśanas verkündeten Staatslehren werden die Menschen erhalten.
Wort für Wort
vedācāravidhānoktair yajñair dhāryanti devatāḥ bṛhaspatyuśanoktaiś ca nayair dhāryanti mānavāḥ
Durch die in Veda und rechtem Brauch vorgeschriebenen Opfer werden die Gottheiten erhalten, durch die von Bṛhaspati und Uśanas verkündeten Staatslehren werden die Menschen erhalten.
Durch Handel, Bergbau und Kaufmannschaft, durch Ackerbau und Viehzucht, durch diese Erwerbstätigkeit wird alles erhalten, ebenso durch diese Pflichten der Zweifachgeborenen.
Durch Handel, Bergbau und Kaufmannschaft, durch Ackerbau und Viehzucht, durch diese Erwerbstätigkeit wird alles erhalten, ebenso durch diese Pflichten der Zweifachgeborenen.
Die drei Wissenschaften der Kenner sind: die dreifache Veda-Kunde, die Erwerbslehre und die Staatskunst; durch deren rechten Gebrauch wird der Weltenlauf geordnet.
Die drei Wissenschaften der Kenner sind: die dreifache Veda-Kunde, die Erwerbslehre und die Staatskunst; durch deren rechten Gebrauch wird der Weltenlauf geordnet.
Gäbe es diese Ausübung der Pflicht nicht, ohne den Dharma der dreifachen Veda auf Erden und ohne die Staatskunst, so würde dies alles schrankenlos werden.
Gäbe es diese Ausübung der Pflicht nicht, ohne den Dharma der dreifachen Veda auf Erden und ohne die Staatskunst, so würde dies alles schrankenlos werden.
vārtādharme hy avartantyo vinaśyeyur imāḥ prajāḥ supravṛttais tribhir hy etair dharmaiḥ sūyanti vai prajāḥ
Wären diese Geschöpfe nicht der Erwerbspflicht zugetan, so gingen sie zugrunde; durch diese drei, recht ausgeübten Pflichten gedeihen die Geschöpfe wahrlich.
Wort für Wort
vārtādharme hy avartantyo vinaśyeyur imāḥ prajāḥ supravṛttais tribhir hy etair dharmaiḥ sūyanti vai prajāḥ
Wären diese Geschöpfe nicht der Erwerbspflicht zugetan, so gingen sie zugrunde; durch diese drei, recht ausgeübten Pflichten gedeihen die Geschöpfe wahrlich.
dvijānām amṛtaṃ dharmo hy ekaś caivaikavarṇikaḥ yajñādhyayanadānāni trayaḥ sādhāraṇāḥ smṛtāḥ
Die Pflicht der Zweifachgeborenen ist wie Unsterblichkeit, und eine einzige gilt jeweils für eine Kaste; Opfer, Studium und Freigebigkeit gelten als die drei allen gemeinsamen Pflichten.
Wort für Wort
dvijānām amṛtaṃ dharmo hy ekaś caivaikavarṇikaḥ yajñādhyayanadānāni trayaḥ sādhāraṇāḥ smṛtāḥ
Die Pflicht der Zweifachgeborenen ist wie Unsterblichkeit, und eine einzige gilt jeweils für eine Kaste; Opfer, Studium und Freigebigkeit gelten als die drei allen gemeinsamen Pflichten.
yājanādhyāpane cobhe brāhmaṇānāṃ pratigrahaḥ pālanaṃ kṣatriyāṇāṃ vai vaiśyadharmaś ca poṣaṇam
Das Opfern-Lassen und das Lehren, beide, sowie das Annehmen von Gaben sind die Pflichten der Brahmanen; das Schützen ist die der Kṣatriyas, und die Pflicht der Vaiśyas ist die Aufzucht.
Wort für Wort
yājanādhyāpane cobhe brāhmaṇānāṃ pratigrahaḥ pālanaṃ kṣatriyāṇāṃ vai vaiśyadharmaś ca poṣaṇam
Das Opfern-Lassen und das Lehren, beide, sowie das Annehmen von Gaben sind die Pflichten der Brahmanen; das Schützen ist die der Kṣatriyas, und die Pflicht der Vaiśyas ist die Aufzucht.
śuśrūṣā tu dvijātīnāṃ śūdrāṇāṃ dharma ucyate bhaikṣahomavratair hīnās tathaiva guruvāsinām
Der Dienst an den Zweifachgeborenen aber wird als die Pflicht der Śūdras bezeichnet; sie sind ausgeschlossen vom Bettelgang, vom Feueropfer und von den Gelübden, ebenso vom Wohnen beim Lehrer.
Wort für Wort
śuśrūṣā tu dvijātīnāṃ śūdrāṇāṃ dharma ucyate bhaikṣahomavratair hīnās tathaiva guruvāsinām
Der Dienst an den Zweifachgeborenen aber wird als die Pflicht der Śūdras bezeichnet; sie sind ausgeschlossen vom Bettelgang, vom Feueropfer und von den Gelübden, ebenso vom Wohnen beim Lehrer.
Die Pflicht der Kṣatriyas hierbei, o Kaunteya, ist für dich der Schutz der Pflicht; folge deiner eigenen Pflicht, gedemütigt und mit gezügelten Sinnen.
Die Pflicht der Kṣatriyas hierbei, o Kaunteya, ist für dich der Schutz der Pflicht; folge deiner eigenen Pflicht, gedemütigt und mit gezügelten Sinnen.
Wer sich mit den Alten berät und mit Rechtschaffenen, Verständigen und Gelehrten, herrscht wohlgefestigt durch Strafgewalt; wer dem Laster ergeben ist, wird missachtet.
Wer sich mit den Alten berät und mit Rechtschaffenen, Verständigen und Gelehrten, herrscht wohlgefestigt durch Strafgewalt; wer dem Laster ergeben ist, wird missachtet.
tasmād deśe ca durge ca śatrumitrabaleṣu ca nityaṃ cāreṇa boddhavyaṃ sthānaṃ vṛddhiḥ kṣayas tathā
Daher muss man beständig durch Kundschafter über Land und Festung, über die Kräfte von Feind und Freund unterrichtet sein, ebenso über Bestand, Wachstum und Verfall.
Wort für Wort
tasmād deśe ca durge ca śatrumitrabaleṣu ca nityaṃ cāreṇa boddhavyaṃ sthānaṃ vṛddhiḥ kṣayas tathā
Daher muss man beständig durch Kundschafter über Land und Festung, über die Kräfte von Feind und Freund unterrichtet sein, ebenso über Bestand, Wachstum und Verfall.
sāmnā dānena bhedena daṇḍenopekṣaṇena ca sādhanīyāni kāryāṇi samāsavyāsayogataḥ
Durch Versöhnung, durch Gaben, durch Entzweiung, durch Strafe und durch Nichtbeachtung sind die Aufgaben zu bewältigen, sei es zusammengefasst oder im Einzelnen angewandt.
Wort für Wort
sāmnā dānena bhedena daṇḍenopekṣaṇena ca sādhanīyāni kāryāṇi samāsavyāsayogataḥ
Durch Versöhnung, durch Gaben, durch Entzweiung, durch Strafe und durch Nichtbeachtung sind die Aufgaben zu bewältigen, sei es zusammengefasst oder im Einzelnen angewandt.
mantramūlā nayāḥ sarve cārāś ca bharatarṣabha sumantritair nayaiḥ siddhis tadvidaiḥ saha mantrayet
Alle Politik wurzelt in der Beratung, ebenso die Kundschafterdienste, o Stier der Bharatas; durch wohlberatene Politik kommt der Erfolg; man berate sich mit den darin Kundigen.
Wort für Wort
mantramūlā nayāḥ sarve cārāś ca bharatarṣabha sumantritair nayaiḥ siddhis tadvidaiḥ saha mantrayet
Alle Politik wurzelt in der Beratung, ebenso die Kundschafterdienste, o Stier der Bharatas; durch wohlberatene Politik kommt der Erfolg; man berate sich mit den darin Kundigen.
Mit einer Frau, einem Toren, einem Habgierigen, einem Kind, einem Leichtfertigen ebenso, und mit solchen, die Zeichen des Wahnsinns zeigen, soll man keine Geheimnisse beraten.
Mit einer Frau, einem Toren, einem Habgierigen, einem Kind, einem Leichtfertigen ebenso, und mit solchen, die Zeichen des Wahnsinns zeigen, soll man keine Geheimnisse beraten.
mantrayet saha vidvadbhiḥ śaktaiḥ karmāṇi kārayet snigdhaiś ca nītivinyāsān mūrkhān sarvatra varjayet
Man berate sich mit den Gelehrten, mit den Fähigen lasse man die Taten ausführen, mit den Zugetanen teile man die Anordnungen der Staatskunst; Toren meide man überall.
Wort für Wort
mantrayet saha vidvadbhiḥ śaktaiḥ karmāṇi kārayet snigdhaiś ca nītivinyāsān mūrkhān sarvatra varjayet
Man berate sich mit den Gelehrten, mit den Fähigen lasse man die Taten ausführen, mit den Zugetanen teile man die Anordnungen der Staatskunst; Toren meide man überall.
svebhyaś caiva parebhyaś ca kāryākāryasamudbhavā buddhiḥ karmasu vijñeyā ripūṇāṃ ca balābalam
Von den Eigenen wie von den Fremden ist die aus dem zu Tuenden und Nichtzutuenden entstehende Einsicht bei den Taten zu erkennen, ebenso die Stärke und Schwäche der Feinde.
Wort für Wort
svebhyaś caiva parebhyaś ca kāryākāryasamudbhavā buddhiḥ karmasu vijñeyā ripūṇāṃ ca balābalam
Von den Eigenen wie von den Fremden ist die aus dem zu Tuenden und Nichtzutuenden entstehende Einsicht bei den Taten zu erkennen, ebenso die Stärke und Schwäche der Feinde.
Dies ist dir vorgeschrieben, o Pārtha, die furchtbare, schwer zu befolgende Pflicht; bewahre sie gemäß der Einteilung deiner eigenen Pflicht, in Disziplin verharrend.
Dies ist dir vorgeschrieben, o Pārtha, die furchtbare, schwer zu befolgende Pflicht; bewahre sie gemäß der Einteilung deiner eigenen Pflicht, in Disziplin verharrend.
tapodharmadamejyābhir viprā yānti yathā divam dānātithyakriyādharmair yānti vaiśyāś ca sadgatim
Wie die Brahmanen durch Askese, Rechtschaffenheit, Selbstbeherrschung und Opfer zum Himmel gelangen, so gelangen die Vaiśyas durch Freigebigkeit, Gastfreundschaft und pflichtgemäßes Handeln zu guter Bestimmung.
Wort für Wort
tapodharmadamejyābhir viprā yānti yathā divam dānātithyakriyādharmair yānti vaiśyāś ca sadgatim
Wie die Brahmanen durch Askese, Rechtschaffenheit, Selbstbeherrschung und Opfer zum Himmel gelangen, so gelangen die Vaiśyas durch Freigebigkeit, Gastfreundschaft und pflichtgemäßes Handeln zu guter Bestimmung.
So gelangen die Kṣatriyas zum Himmel durch Bezwingen und Beschützen auf Erden; denn jene, die die Strafe recht anwenden, frei von Begierde und Hass, unhabgierig und ohne Zorn, gelangen zur Gemeinschaft mit den Guten.“
So gelangen die Kṣatriyas zum Himmel durch Bezwingen und Beschützen auf Erden; denn jene, die die Strafe recht anwenden, frei von Begierde und Hass, unhabgierig und ohne Zorn, gelangen zur Gemeinschaft mit den Guten.“