Kapitel 247: Devadūtavākyam
Die Rede des Götterboten und Mudgalas Verzicht auf den Himmel
Der Götterbote beschreibt Mudgala eingehend die Herrlichkeit der Himmelswelten - von den Welten der Sādhyas, Viśvedevas und anderer Götterscharen bis hinauf zu den Welten Śakras, Brahmans und den noch höheren Ṛbhus - und benennt zugleich ihren entscheidenden Mangel: Im Himmel wird nur die Frucht früherer Taten verzehrt, ohne dass neues Verdienst erworben wird, sodass am Ende unweigerlich der Sturz zurück in niedrigere Daseinsformen droht. Mudgala erkennt darin die grundsätzliche Unzulänglichkeit auch des höchsten vergänglichen Glücks und lehnt den Himmel ab; er strebt stattdessen nach jenem endgültigen Zustand, von dem es keine Rückkehr gibt. Durch Aufgabe seiner Ährenlese-Lebensweise und beständige, gleichmütige Meditation erlangt er schließlich die dem Nirvāṇa gleichende höchste Vollendung. Vyāsa schließt seine Erzählung mit einer tröstenden, direkt an Yudhiṣṭhira gerichteten Anwendung: Auch er werde, wie das Rad des Glücks und Leids sich dreht, nach den dreizehn Jahren sein Königreich zurückgewinnen.
Der Götterbote sprach: „Großer Weiser, unweise ist dein Denken, o Makelloser, dass du, der du das höchste, hoch zu schätzende Glück der Himmelswagen erlangt hast, wie ein Unwissender zögerst.
Der Götterbote sprach: „Großer Weiser, unweise ist dein Denken, o Makelloser, dass du, der du das höchste, hoch zu schätzende Glück der Himmelswagen erlangt hast, wie ein Unwissender zögerst.
nātaptatapaso martyā nāyajvāno na vai mṛṣā yānti tatra na naikāgryā mudgala tvaviśaṅkitāḥ
Weder Menschen, die keine Askese geübt haben, gelangen dorthin, noch solche, die keine Opfer dargebracht haben, noch Lügner, noch Unstete, noch Zweifelbehaftete, Mudgala. [?]
Wort für Wort
nātaptatapaso martyā nāyajvāno na vai mṛṣā yānti tatra na naikāgryā mudgala tvaviśaṅkitāḥ
Weder Menschen, die keine Askese geübt haben, gelangen dorthin, noch solche, die keine Opfer dargebracht haben, noch Lügner, noch Unstete, noch Zweifelbehaftete, Mudgala. [?]
Der genaue Sinn der Aufzählung ausschließender Eigenschaften ist im Detail unsicher überliefert; sinngemäß werden hier jene ausgeschlossen, die ohne Askese, Opfer, Wahrhaftigkeit und Standhaftigkeit sind.
Rechtschaffene, sich selbst Bezwingende, Friedvolle, Selbstbeherrschte, [von Tadel] Unberührte, dem Gebe-Dharma Zugetane, tapfere Männer von unversehrten Gelübde-Merkmalen -
Rechtschaffene, sich selbst Bezwingende, Friedvolle, Selbstbeherrschte, [von Tadel] Unberührte, dem Gebe-Dharma Zugetane, tapfere Männer von unversehrten Gelübde-Merkmalen -
sie gelangen dorthin, nachdem sie das höchste Gelübde befolgt haben, bestehend aus innerem Frieden und Selbstbeherrschung - zur höchsten Welt der Rechtschaffenen, Tiger unter den Männern.
sie gelangen dorthin, nachdem sie das höchste Gelübde befolgt haben, bestehend aus innerem Frieden und Selbstbeherrschung - zur höchsten Welt der Rechtschaffenen, Tiger unter den Männern.
für jede dieser Scharen einzeln gibt es hier überaus glanzvolle, nach Belieben bewegliche, nach Belieben gestaltbare, liebliche, höchst herrliche Welten.
für jede dieser Scharen einzeln gibt es hier überaus glanzvolle, nach Belieben bewegliche, nach Belieben gestaltbare, liebliche, höchst herrliche Welten.
nandanaṃ nāma vipulaṃ puṇyāny anyāni cānagha kṛtapuṇyajanākīrṇaṃ na kṣutpipāsākulaṃ na ca śramabhayaṃ tatra na śītoṣṇakṛtaṃ bhayam
der ausgedehnte Nandana-Garten und andere heilige [Stätten], o Makelloser, bevölkert von Menschen guter Taten; dort gibt es weder Hunger noch Durst, keine Furcht vor Erschöpfung, keine Furcht vor Kälte oder Hitze,
Wort für Wort
nandanaṃ nāma vipulaṃ puṇyāny anyāni cānagha kṛtapuṇyajanākīrṇaṃ na kṣutpipāsākulaṃ na ca śramabhayaṃ tatra na śītoṣṇakṛtaṃ bhayam
der ausgedehnte Nandana-Garten und andere heilige [Stätten], o Makelloser, bevölkert von Menschen guter Taten; dort gibt es weder Hunger noch Durst, keine Furcht vor Erschöpfung, keine Furcht vor Kälte oder Hitze,
srajaś cāmlānasaugandhyā divyā hṛdayakāntidāḥ vimānayānayuktāś ca tathaiva dvija bhānti te
Ihre Blumengirlanden, unverwelklichen himmlischen Duftes, herzerfreuend, [tragen sie], und ebenso mit himmlischen Flugwagen versehen erglänzen sie, Zweifachgeborener.
Wort für Wort
srajaś cāmlānasaugandhyā divyā hṛdayakāntidāḥ vimānayānayuktāś ca tathaiva dvija bhānti te
Ihre Blumengirlanden, unverwelklichen himmlischen Duftes, herzerfreuend, [tragen sie], und ebenso mit himmlischen Flugwagen versehen erglänzen sie, Zweifachgeborener.
ṛbhavo nāma tatrānye devānām api devatāḥ teṣāṃ lokāḥ pare hy ete pūjyante 'pi surair api
Andere dort, Ṛbhus genannt, sind selbst Götter der Götter; ihre Welten liegen noch weiter jenseits; sie werden sogar von den [gewöhnlichen] Göttern verehrt.
Wort für Wort
ṛbhavo nāma tatrānye devānām api devatāḥ teṣāṃ lokāḥ pare hy ete pūjyante 'pi surair api
Andere dort, Ṛbhus genannt, sind selbst Götter der Götter; ihre Welten liegen noch weiter jenseits; sie werden sogar von den [gewöhnlichen] Göttern verehrt.
svayaṃprabhās tu te lokāḥ kāmagāḥ paramarddhimān na strīkṛtaṃ teṣu duḥkhaṃ lokaiśvaryakṛtaṃ na ca
Von eigenem Licht erstrahlend sind jene nach Belieben beweglichen, höchst gedeihlichen Welten; bei ihnen gibt es weder durch Frauen verursachtes Leid noch durch Weltherrschaft verursachtes.
Wort für Wort
svayaṃprabhās tu te lokāḥ kāmagāḥ paramarddhimān na strīkṛtaṃ teṣu duḥkhaṃ lokaiśvaryakṛtaṃ na ca
Von eigenem Licht erstrahlend sind jene nach Belieben beweglichen, höchst gedeihlichen Welten; bei ihnen gibt es weder durch Frauen verursachtes Leid noch durch Weltherrschaft verursachtes.
nityāś ca devadevās te na kāmāt kāmam ṛcchati na caiṣāṃ yugasaṃsthānair vikāro 'sti kathaṃ cana
Und ewig sind jene Götter der Götter; nicht [wandelt sich] bei ihnen Begehren zu [neuem] Begehren, noch gibt es bei ihnen irgendeinen Wandel durch die Ordnungen der Weltzeitalter.
Wort für Wort
nityāś ca devadevās te na kāmāt kāmam ṛcchati na caiṣāṃ yugasaṃsthānair vikāro 'sti kathaṃ cana
Und ewig sind jene Götter der Götter; nicht [wandelt sich] bei ihnen Begehren zu [neuem] Begehren, noch gibt es bei ihnen irgendeinen Wandel durch die Ordnungen der Weltzeitalter.
Jener höchste Zustand, o Brahmane, ist selbst für die Götter überaus schwer erreichbar; er wird, Mudgala, stets ersehnt, unerreichbar für die vom Begehren Beherrschten.
Jener höchste Zustand, o Brahmane, ist selbst für die Götter überaus schwer erreichbar; er wird, Mudgala, stets ersehnt, unerreichbar für die vom Begehren Beherrschten.
Dies sind die Welten der Dreiunddreißig; die übrigen erreichen die Standhaften, o Brahmane, durch besondere Askese-Gelübde sowie durch die vorschriftsmäßigen Zweifachgeborenen.
Dies sind die Welten der Dreiunddreißig; die übrigen erreichen die Standhaften, o Brahmane, durch besondere Askese-Gelübde sowie durch die vorschriftsmäßigen Zweifachgeborenen.
eṣā te dānajā lakṣmīḥ prāptedānīṃ manoramā bhuṅkṣva tāvat tapoyoge samupārjitasadguṇa
Diese durch Geben erwirkte, herzerfreuende Herrlichkeit ist nun von dir erlangt worden; genieße sie also, durch Askese-Übung erworbener guter Eigenschaften.
Wort für Wort
eṣā te dānajā lakṣmīḥ prāptedānīṃ manoramā bhuṅkṣva tāvat tapoyoge samupārjitasadguṇa
Diese durch Geben erwirkte, herzerfreuende Herrlichkeit ist nun von dir erlangt worden; genieße sie also, durch Askese-Übung erworbener guter Eigenschaften.
Nur die Frucht der [bereits] vollbrachten Tat wird im Himmel genossen, daran ist kein Zweifel; keine neue Tat wird [dort] vollbracht - genossen habend, verzehrt man die Wurzel selbst.
Nur die Frucht der [bereits] vollbrachten Tat wird im Himmel genossen, daran ist kein Zweifel; keine neue Tat wird [dort] vollbracht - genossen habend, verzehrt man die Wurzel selbst.
eṣa doṣo mato mahyaṃ tataś cyāvo bhaved yataḥ patanti hi tato martyāḥ kṣīṇapuṇyā manasvinaḥ
Dies gilt mir als Mangel: dass daraus der Sturz erfolgt; denn die Sterblichen, deren Verdienst erschöpft ist, stürzen von dort, so sinnvoll [ihr Streben auch war].
Wort für Wort
eṣa doṣo mato mahyaṃ tataś cyāvo bhaved yataḥ patanti hi tato martyāḥ kṣīṇapuṇyā manasvinaḥ
Dies gilt mir als Mangel: dass daraus der Sturz erfolgt; denn die Sterblichen, deren Verdienst erschöpft ist, stürzen von dort, so sinnvoll [ihr Streben auch war].
asaṃtoṣaś ca duḥkhaṃ ca dṛṣṭvā dīptataraṃ dyutim adhaḥsthānagatānāṃ ca kṛcchraṃ bhavati cetasi
Unzufriedenheit und Schmerz entstehen, wenn man noch strahlenderen Glanz erblickt; und für die an einem niedrigeren Ort weilenden entsteht Bedrängnis im Gemüt.
Wort für Wort
asaṃtoṣaś ca duḥkhaṃ ca dṛṣṭvā dīptataraṃ dyutim adhaḥsthānagatānāṃ ca kṛcchraṃ bhavati cetasi
Unzufriedenheit und Schmerz entstehen, wenn man noch strahlenderen Glanz erblickt; und für die an einem niedrigeren Ort weilenden entsteht Bedrängnis im Gemüt.
Die Fallenden geraten in Verwirrung, auch von [aufsteigendem] Staub bedrängt; und wenn ihre Blumengirlanden zu welken beginnen, entsteht daraus Furcht vor dem Sturz.
Die Fallenden geraten in Verwirrung, auch von [aufsteigendem] Staub bedrängt; und wenn ihre Blumengirlanden zu welken beginnen, entsteht daraus Furcht vor dem Sturz.
Bis hinauf zur Brahman-Welt gibt es im Weltenkreislauf diese überaus schrecklichen Mängel, Mudgala; und ebenso [finden sich] in der Welt der Guten Vorzüge zu Tausenden.
Bis hinauf zur Brahman-Welt gibt es im Weltenkreislauf diese überaus schrecklichen Mängel, Mudgala; und ebenso [finden sich] in der Welt der Guten Vorzüge zu Tausenden.
Dies aber ist ein weiterer Vorzug, o Brahmane: dass die Gefallenen wiederum, durch den Rest ihrer Tat, in Verbindung mit ihrem Verdienst, als Menschen geboren werden.
Dies aber ist ein weiterer Vorzug, o Brahmane: dass die Gefallenen wiederum, durch den Rest ihrer Tat, in Verbindung mit ihrem Verdienst, als Menschen geboren werden.
sa tatraiva mahābhāgyaḥ subhagatvena jāyate na cet tatra prabudhyeta punar nīcatvam ṛcchati
Er wird dort dann als überaus glückbegabt, mit Glückseligkeit begabt, geboren; erwacht er dort aber nicht [zur Einsicht], gerät er wiederum in Niedrigkeit.
Wort für Wort
sa tatraiva mahābhāgyaḥ subhagatvena jāyate na cet tatra prabudhyeta punar nīcatvam ṛcchati
Er wird dort dann als überaus glückbegabt, mit Glückseligkeit begabt, geboren; erwacht er dort aber nicht [zur Einsicht], gerät er wiederum in Niedrigkeit.
etat te sarvam ākhyātaṃ yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi mudgalānukrośāt tava dharmajña gamyatāṃ śīghram avilambitam
All dies ist dir nun vollständig erklärt, was du mich gefragt hast, Mudgala; aus Mitgefühl für dich, Rechtskundiger - lass uns nun rasch, ohne Verzug, aufbrechen.“
Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātaṃ yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi mudgalānukrośāt tava dharmajña gamyatāṃ śīghram avilambitam
All dies ist dir nun vollständig erklärt, was du mich gefragt hast, Mudgala; aus Mitgefühl für dich, Rechtskundiger - lass uns nun rasch, ohne Verzug, aufbrechen.“
Der Sturz nämlich gilt als das größte Leid, als überaus schrecklich verursachend; die Himmelsteilhaber fallen hier [wieder herab] - darum begehre ich nicht die Unsterblichenwelt.
Der Sturz nämlich gilt als das größte Leid, als überaus schrecklich verursachend; die Himmelsteilhaber fallen hier [wieder herab] - darum begehre ich nicht die Unsterblichenwelt.
So gesprochen habend, entließ der Tiger unter den Weisen, mit lautem Tönen, den Boten; er gab seine Ährenlese-Lebensweise auf und erlangte höchste Gelassenheit.
So gesprochen habend, entließ der Tiger unter den Weisen, mit lautem Tönen, den Boten; er gab seine Ährenlese-Lebensweise auf und erlangte höchste Gelassenheit.
yogabalam āsthāya siddhim atyantikīṃ gataḥ nirvāṇalakṣaṇāṃ divyāṃ gatiṃ prāpa ca vai muniḥ
Kraft aus der Übung des Yoga gewinnend, gelangte er zu endgültiger Vollkommenheit; und der Weise erlangte den himmlischen Zustand, der das Merkmal des Nirvāṇa trägt.
Wort für Wort
yogabalam āsthāya siddhim atyantikīṃ gataḥ nirvāṇalakṣaṇāṃ divyāṃ gatiṃ prāpa ca vai muniḥ
Kraft aus der Übung des Yoga gewinnend, gelangte er zu endgültiger Vollkommenheit; und der Weise erlangte den himmlischen Zustand, der das Merkmal des Nirvāṇa trägt.
tasmāt tvam api kaunteya na śoke vaśam anvagāḥ svargāt praṣṭho 'pi rājyāc ca punar āpsyasi tapasā
‚Darum solltest auch du, Sohn Kuntīs, dich nicht der Trauer unterwerfen; obwohl du von deinem Königreich gefallen bist, wirst du es durch Askese wiedererlangen.
Wort für Wort
tasmāt tvam api kaunteya na śoke vaśam anvagāḥ svargāt praṣṭho 'pi rājyāc ca punar āpsyasi tapasā
‚Darum solltest auch du, Sohn Kuntīs, dich nicht der Trauer unterwerfen; obwohl du von deinem Königreich gefallen bist, wirst du es durch Askese wiedererlangen.
pitāmahasya rājyaṃ ca prāpsyase 'mitavikrama pitṛpaitāmahaṃ caiva trayodaśyāṃ tathātyaye jvaraṃ mucyasva tāta te
Das Königreich deines Großvaters wirst du wiedererlangen, du von unermesslicher Kraft, sowie das deines Vaters und Großvaters; nach Ablauf des dreizehnten [Jahres] möge dein seelisches Fieber von dir weichen, mein Lieber.‘
Wort für Wort
pitāmahasya rājyaṃ ca prāpsyase 'mitavikrama pitṛpaitāmahaṃ caiva trayodaśyāṃ tathātyaye jvaraṃ mucyasva tāta te
Das Königreich deines Großvaters wirst du wiedererlangen, du von unermesslicher Kraft, sowie das deines Vaters und Großvaters; nach Ablauf des dreizehnten [Jahres] möge dein seelisches Fieber von dir weichen, mein Lieber.‘