Kapitel 49: Nalopākhyānārambhaḥ
Beginn der Erzählung von Nala
Bhīma drängt erneut zum vorzeitigen Krieg gegen die Kauravas und führt spitzfindige religiös-rechtliche Argumente an; Yudhiṣṭhira weist dies zurück und beharrt auf der Einhaltung des Exil-Gelübdes. Der Weise Bṛhadaśva trifft ein; Yudhiṣṭhira klagt ihm sein Leid, worauf Bṛhadaśva verspricht, von einem noch unglücklicheren König zu erzählen - Nala von Niṣadha. Damit beginnt die berühmte Erzählung von Nala und Damayantī (Nalopākhyāna).
Janamejaya sprach: Als der hochherzige Pārtha um der Waffen willen in die Welt Śakras gegangen war, was taten da die Pāṇḍavas mit Yudhiṣṭhira an der Spitze?
Janamejaya sprach: Als der hochherzige Pārtha um der Waffen willen in die Welt Śakras gegangen war, was taten da die Pāṇḍavas mit Yudhiṣṭhira an der Spitze?
Vaiśaṃpāyana sprach: Als der hochherzige Pārtha um der Waffen willen in die Welt Śakras gegangen war, weilten die Stiere unter den Männern zusammen mit Kṛṣṇā (Draupadī) in Kāmyaka.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als der hochherzige Pārtha um der Waffen willen in die Welt Śakras gegangen war, weilten die Stiere unter den Männern zusammen mit Kṛṣṇā (Draupadī) in Kāmyaka.
Dann setzten sich einst an einem einsamen, abgelegenen Ort auf einer Wiese die vom Schmerz gequälten Besten der Bharatas zusammen mit Kṛṣṇā, um Dhanaṃjaya trauernd, mit tränenerstickter Stimme, tief betrübt.
Dann setzten sich einst an einem einsamen, abgelegenen Ort auf einer Wiese die vom Schmerz gequälten Besten der Bharatas zusammen mit Kṛṣṇā, um Dhanaṃjaya trauernd, mit tränenerstickter Stimme, tief betrübt.
Da sprach der starkarmige Bhīma zu Yudhiṣṭhira: „Auf dein Geheiß, o Großkönig, ist jener Stier unter den Männern, Arjuna, fortgegangen, in dem das Leben der Söhne Pāṇḍus verankert ist.
Da sprach der starkarmige Bhīma zu Yudhiṣṭhira: „Auf dein Geheiß, o Großkönig, ist jener Stier unter den Männern, Arjuna, fortgegangen, in dem das Leben der Söhne Pāṇḍus verankert ist.
Durch deinen Fehler des Würfelspiels sind wir alle ins Elend gestürzt, obwohl wir an Manneskraft nicht mindere sind, o König, die Stärksten unter den Starken.
Durch deinen Fehler des Würfelspiels sind wir alle ins Elend gestürzt, obwohl wir an Manneskraft nicht mindere sind, o König, die Stärksten unter den Starken.
kṣātraṃ dharmaṃ mahārāja samavekṣitum arhasi na hi dharmo mahārāja kṣatriyasya vanāśrayaḥ rājyam eva paraṃ dharmaṃ kṣatriyasya vidur budhāḥ
Du solltest, o Großkönig, den Dharma der Kṣatriyas bedenken; denn nicht ist, o Großkönig, das Zuflucht-Suchen im Wald der Dharma eines Kṣatriya - das Königreich selbst kennen die Weisen als den höchsten Dharma eines Kṣatriya.
Wort für Wort
kṣātraṃ dharmaṃ mahārāja samavekṣitum arhasi na hi dharmo mahārāja kṣatriyasya vanāśrayaḥ rājyam eva paraṃ dharmaṃ kṣatriyasya vidur budhāḥ
Du solltest, o Großkönig, den Dharma der Kṣatriyas bedenken; denn nicht ist, o Großkönig, das Zuflucht-Suchen im Wald der Dharma eines Kṣatriya - das Königreich selbst kennen die Weisen als den höchsten Dharma eines Kṣatriya.
Da du den Dharma der Kṣatriyas kennst, o König, weiche nicht vom Pfad der Rechtschaffenheit ab; lass uns noch vor den zwölf Jahren die Söhne Dhṛtarāṣṭras erschlagen.
Da du den Dharma der Kṣatriyas kennst, o König, weiche nicht vom Pfad der Rechtschaffenheit ab; lass uns noch vor den zwölf Jahren die Söhne Dhṛtarāṣṭras erschlagen.
nivartya ca vanāt pārtham ānāyya ca janārdanam vyūḍhānīkān mahārāja javenaiva mahāhave dhārtarāṣṭrān amuṃ lokaṃ gamayāmi viśāṃ pate
Nachdem ich Pārtha aus dem Wald zurückgeholt und Janārdana herbeigebracht habe, werde ich, o Großkönig, mit aufgestellten Heeren, mit eben dieser Geschwindigkeit, in gewaltiger Schlacht die Söhne Dhṛtarāṣṭras in jene Welt schicken, o Herr der Völker.
Wort für Wort
nivartya ca vanāt pārtham ānāyya ca janārdanam vyūḍhānīkān mahārāja javenaiva mahāhave dhārtarāṣṭrān amuṃ lokaṃ gamayāmi viśāṃ pate
Nachdem ich Pārtha aus dem Wald zurückgeholt und Janārdana herbeigebracht habe, werde ich, o Großkönig, mit aufgestellten Heeren, mit eben dieser Geschwindigkeit, in gewaltiger Schlacht die Söhne Dhṛtarāṣṭras in jene Welt schicken, o Herr der Völker.
mayā praśamite paścāt tvam eṣyasi vanāt punaḥ evaṃ kṛte na te doṣo bhaviṣyati viśāṃ pate
Nachdem ich sie zur Ruhe gebracht habe, wirst du danach aus dem Wald zurückkehren; wenn dies so getan wird, wird dich kein Makel treffen, o Herr der Völker.
Wort für Wort
mayā praśamite paścāt tvam eṣyasi vanāt punaḥ evaṃ kṛte na te doṣo bhaviṣyati viśāṃ pate
Nachdem ich sie zur Ruhe gebracht habe, wirst du danach aus dem Wald zurückkehren; wenn dies so getan wird, wird dich kein Makel treffen, o Herr der Völker.
nikṛtyā nikṛtiprajñā hantavyā iti niścayaḥ na hi naikṛtikaṃ hatvā nikṛtyā pāpam ucyate
Diejenigen, deren Weisheit auf Betrug beruht, sind mit Betrug zu töten - dies ist der feste Entschluss; denn einen Betrüger durch Betrug zu töten, wird nicht als Sünde bezeichnet.
Wort für Wort
nikṛtyā nikṛtiprajñā hantavyā iti niścayaḥ na hi naikṛtikaṃ hatvā nikṛtyā pāpam ucyate
Diejenigen, deren Weisheit auf Betrug beruht, sind mit Betrug zu töten - dies ist der feste Entschluss; denn einen Betrüger durch Betrug zu töten, wird nicht als Sünde bezeichnet.
Wenn dir die Veden als Maßstab gelten, o Unfehlbarer, dann ist, [durch eine solche Bußübung] über einen Tag hinaus, die Zeit der dreizehn Jahre als erfüllt zu erkennen [?].
Wenn dir die Veden als Maßstab gelten, o Unfehlbarer, dann ist, [durch eine solche Bußübung] über einen Tag hinaus, die Zeit der dreizehn Jahre als erfüllt zu erkennen [?].
[Anm.: Bhīma führt hier ein spitzfindiges rechtlich-religiöses Argument an: da nach vedischer Lehre ein Tag/Nacht einem Jahr gleichkommen kann und ein Jahr auch durch strenge Buße 'erfüllt' werden kann, ließe sich die Frist der 13 Jahre durch eine einzige Tagesbuße als vollendet betrachten. Die genaue Konstruktion des Verses ist unsicher.]
Die Zeit ist da, um Duryodhana samt seinem Anhang zu töten, o Feindebezwinger; denn er unterwirft sich schon jetzt die ganze Erde als eine einzige [ihm gehorsame] [?].“
Die Zeit ist da, um Duryodhana samt seinem Anhang zu töten, o Feindebezwinger; denn er unterwirft sich schon jetzt die ganze Erde als eine einzige [ihm gehorsame] [?].“
[Anm.: Der Bezug von 'saḥ' (er) ist grammatisch nicht ganz eindeutig, gemeint ist wohl Duryodhana, der seine Macht bereits festigt, weshalb Bhīma zur Eile drängt.]
tam abhiprekṣya dharmātmā saṃprāptaṃ dharmacāriṇam śāstravan madhuparkeṇa pūjayām āsa dharmarāṭ
Als der fromme Dharma-König diesen angekommenen, im Dharma wandelnden Weisen erblickte, ehrte er ihn vorschriftsmäßig mit der Ehrengabe des Madhuparka.
Wort für Wort
tam abhiprekṣya dharmātmā saṃprāptaṃ dharmacāriṇam śāstravan madhuparkeṇa pūjayām āsa dharmarāṭ
Als der fromme Dharma-König diesen angekommenen, im Dharma wandelnden Weisen erblickte, ehrte er ihn vorschriftsmäßig mit der Ehrengabe des Madhuparka.
akṣadyūtena bhagavan dhanaṃ rājyaṃ ca me hṛtam āhūya nikṛtiprajñaiḥ kitavair akṣakovidaiḥ
„Durch das Würfelspiel, o Herr, wurden mir Reichtum und Königreich geraubt, nachdem ich von im Betrug erfahrenen Spielern, kundig in den Würfeln, herausgefordert worden war.
Wort für Wort
akṣadyūtena bhagavan dhanaṃ rājyaṃ ca me hṛtam āhūya nikṛtiprajñaiḥ kitavair akṣakovidaiḥ
„Durch das Würfelspiel, o Herr, wurden mir Reichtum und Königreich geraubt, nachdem ich von im Betrug erfahrenen Spielern, kundig in den Würfeln, herausgefordert worden war.
anakṣajñasya hi sato nikṛtyā pāpaniścayaiḥ bhāryā ca me sabhāṃ nītā prāṇebhyo 'pi garīyasī
Denn da ich der Würfelkunst unkundig war, wurde durch Betrug, von denen mit sündhaftem Entschluss, auch meine Gattin, die mir teurer ist als das Leben, in die Versammlungshalle geführt.
Wort für Wort
anakṣajñasya hi sato nikṛtyā pāpaniścayaiḥ bhāryā ca me sabhāṃ nītā prāṇebhyo 'pi garīyasī
Denn da ich der Würfelkunst unkundig war, wurde durch Betrug, von denen mit sündhaftem Entschluss, auch meine Gattin, die mir teurer ist als das Leben, in die Versammlungshalle geführt.
asti rājā mayā kaś cid alpabhāgyataro bhuvi bhavatā dṛṣṭapūrvo vā śrutapūrvo 'pi vā bhavet na matto duḥkhitataraḥ pumān astīti me matiḥ
Gibt es, o Herr, irgendeinen König auf Erden, der unglücklicher ist als ich, von Ihnen zuvor gesehen oder zuvor gehört? Es gibt, so meine ich, keinen Mann, der unglücklicher ist als ich.“
Wort für Wort
asti rājā mayā kaś cid alpabhāgyataro bhuvi bhavatā dṛṣṭapūrvo vā śrutapūrvo 'pi vā bhavet na matto duḥkhitataraḥ pumān astīti me matiḥ
Gibt es, o Herr, irgendeinen König auf Erden, der unglücklicher ist als ich, von Ihnen zuvor gesehen oder zuvor gehört? Es gibt, so meine ich, keinen Mann, der unglücklicher ist als ich.“
Bṛhadaśva sprach: „Höre, o König, aufmerksam, zusammen mit deinen Brüdern, o Unfehlbarer, von jenem König, der unglücklicher war als du, o Herr der Erde.
Bṛhadaśva sprach: „Höre, o König, aufmerksam, zusammen mit deinen Brüdern, o Unfehlbarer, von jenem König, der unglücklicher war als du, o Herr der Erde.
bhavān hi saṃvṛto vīrair bhrātṛbhir devasaṃmitaiḥ brahmakalpair dvijāgryaiś ca tasmān nārhasi śocitum
Du aber bist umgeben von heldenhaften Brüdern, den Göttern gleich, und von brahmanengleichen, vorzüglichen Zweifachgeborenen; darum solltest du nicht trauern.“
Wort für Wort
bhavān hi saṃvṛto vīrair bhrātṛbhir devasaṃmitaiḥ brahmakalpair dvijāgryaiś ca tasmān nārhasi śocitum
Du aber bist umgeben von heldenhaften Brüdern, den Göttern gleich, und von brahmanengleichen, vorzüglichen Zweifachgeborenen; darum solltest du nicht trauern.“