Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 109: Ṛṣabhaparvatavarṇanam Die Beschreibung des Ṛṣabha-Berges

Vaiśaṃpāyana übernimmt kurz die Rahmenerzählung: Die Pāṇḍavas ziehen weiter zu den Flüssen Nandā und Aparanandā und zum wundersamen, unzugänglichen Berg Hemakūṭa. Lomaśa beginnt eine neue, in sich geschlossene Erzählung: der jähzornige Asket Ṛṣabha verfluchte einst den Berg, sodass Sprechende von Steinen und Wolken heimgesucht werden; ferner erklärt er, dass die Götter selbst, um ungestört zu bleiben, die Gegend unzugänglich gemacht hätten, und weist auf die noch sichtbaren Spuren uralter Götteropfer hin. Er rät Yudhiṣṭhira zum reinigenden Bad in der Nandā und zur Weiterreise zur Kauśikī, wo einst Viśvāmitra Buße übte.

tataḥ prayātaḥ kaunteyaḥ krameṇa bharatarṣabha nandām aparanandāṃ ca nadyau pāpabhayāpahe

Vaiśaṃpāyana sprach: Da zog der Sohn der Kuntī der Reihe nach weiter, o Stier der Bharatas, zu den beiden Flüssen Nandā und Aparanandā, die Sünde und Furcht hinwegnehmen.

Wort für Wort
tataḥ prayātaḥ kaunteyaḥ krameṇa bharatarṣabha nandām aparanandāṃ ca nadyau pāpabhayāpahe
Vaiśaṃpāyana sprach: Da zog der Sohn der Kuntī der Reihe nach weiter, o Stier der Bharatas, zu den beiden Flüssen Nandā und Aparanandā, die Sünde und Furcht hinwegnehmen.

sa parvataṃ samāsādya hemakūṭam anāmayam acintyān adbhutān bhāvān dadarśa subahūn nṛpaḥ

Nachdem er den Berg Hemakūṭa, den Makellosen, erreicht hatte, sah der König sehr viele unvorstellbare, wunderbare Erscheinungen.

Wort für Wort
sa parvataṃ samāsādya hemakūṭam anāmayam acintyān adbhutān bhāvān dadarśa subahūn nṛpaḥ
Nachdem er den Berg Hemakūṭa, den Makellosen, erreicht hatte, sah der König sehr viele unvorstellbare, wunderbare Erscheinungen.

vāco yatrābhavan meghā upalāś ca sahasraśaḥ nāśaknuvaṃs tam āroḍhuṃ viṣaṇṇamanaso janāḥ

Dort gab es Stimmen, Wolken und zu Tausenden Steine; die Menschen, betrübten Sinnes, vermochten ihn nicht zu ersteigen.

Wort für Wort
vāco yatrābhavan meghā upalāś ca sahasraśaḥ nāśaknuvaṃs tam āroḍhuṃ viṣaṇṇamanaso janāḥ
Dort gab es Stimmen, Wolken und zu Tausenden Steine; die Menschen, betrübten Sinnes, vermochten ihn nicht zu ersteigen.

vāyur nityaṃ vavau yatra nityaṃ devaś ca varṣati sāyaṃ prātaś ca bhagavān dṛśyate havyavāhanaḥ

Dort wehte beständig der Wind, beständig regnete der Regengott, und abends wie morgens war der erhabene Feuerträger sichtbar.

Wort für Wort
vāyur nityaṃ vavau yatra nityaṃ devaś ca varṣati sāyaṃ prātaś ca bhagavān dṛśyate havyavāhanaḥ
Dort wehte beständig der Wind, beständig regnete der Regengott, und abends wie morgens war der erhabene Feuerträger sichtbar.

evaṃ bahuvidhān bhāvān adbhutān vīkṣya pāṇḍavaḥ lomaśaṃ punar eva sma paryapṛcchat tad adbhutam

Als er so viele mannigfaltige, wunderbare Erscheinungen erblickte, befragte der Pāṇḍava Lomaśa wiederum über jenes Wunder.

Wort für Wort
evaṃ bahuvidhān bhāvān adbhutān vīkṣya pāṇḍavaḥ lomaśaṃ punar eva sma paryapṛcchat tad adbhutam
Als er so viele mannigfaltige, wunderbare Erscheinungen erblickte, befragte der Pāṇḍava Lomaśa wiederum über jenes Wunder.

lomaśa uvāca yathāśrutam idaṃ pūrvam asmābhir arikarśana tad ekāgramanā rājan nibodha gadato mama

Lomaśa sprach: „Wie ich es einst gehört habe, Bezwinger der Feinde, so vernimm es, o König, mit gesammeltem Sinn, während ich es erzähle.

Wort für Wort
lomaśa uvāca yathāśrutam idaṃ pūrvam asmābhir arikarśana tad ekāgramanā rājan nibodha gadato mama
Lomaśa sprach: „Wie ich es einst gehört habe, Bezwinger der Feinde, so vernimm es, o König, mit gesammeltem Sinn, während ich es erzähle.

asminn ṛṣabhakūṭe 'bhūd ṛṣabho nāma tāpasaḥ anekaśatavarṣāyus tapasvī kopano bhṛśam

Auf diesem Ṛṣabhakūṭa-Gipfel lebte ein Asket namens Ṛṣabha, viele hundert Jahre alt, ein Büßer, überaus jähzornig.

Wort für Wort
asminn ṛṣabhakūṭe 'bhūd ṛṣabho nāma tāpasaḥ anekaśatavarṣāyus tapasvī kopano bhṛśam
Auf diesem Ṛṣabhakūṭa-Gipfel lebte ein Asket namens Ṛṣabha, viele hundert Jahre alt, ein Büßer, überaus jähzornig.

sa vai saṃbhāṣyamāṇo 'nyaiḥ kopād girim uvāca ha ya iha vyāharet kaś cid upalān utsṛjes tadā

Er, von anderen angesprochen, sprach voller Zorn zu dem Berg: 'Wer immer hier spricht, auf den sollst du Steine herabwerfen!'

Wort für Wort
sa vai saṃbhāṣyamāṇo 'nyaiḥ kopād girim uvāca ha ya iha vyāharet kaś cid upalān utsṛjes tadā
Er, von anderen angesprochen, sprach voller Zorn zu dem Berg: 'Wer immer hier spricht, auf den sollst du Steine herabwerfen!'

vātaṃ cāhūya mā śabdam ity uvāca sa tāpasaḥ vyāharaṃś caiva puruṣo meghena vinivāryate

Und den Wind herbeirufend, sprach jener Asket: 'Kein Laut!' - und wer spricht, jener Mensch wird durch eine Wolke daran gehindert.

Wort für Wort
vātaṃ cāhūya mā śabdam ity uvāca sa tāpasaḥ vyāharaṃś caiva puruṣo meghena vinivāryate
Und den Wind herbeirufend, sprach jener Asket: 'Kein Laut!' - und wer spricht, jener Mensch wird durch eine Wolke daran gehindert.

evam etāni karmāṇi rājaṃs tena maharṣiṇā kṛtāni kāni cit kopāt pratiṣiddhāni kāni cit

So wurden diese Wirkungen, o König, von jenem großen Weisen bewirkt, manche aus Zorn, manche als Verbote.

Wort für Wort
evam etāni karmāṇi rājaṃs tena maharṣiṇā kṛtāni kāni cit kopāt pratiṣiddhāni kāni cit
So wurden diese Wirkungen, o König, von jenem großen Weisen bewirkt, manche aus Zorn, manche als Verbote.

nandām abhigatān devān purā rājann iti śrutiḥ anvapadyanta sahasā puruṣā devadarśinaḥ

Zu der Nandā gelangte Götter - so lautet, o König, die Überlieferung - suchten einst plötzlich Menschen auf, die die Götter sehen wollten.

Wort für Wort
nandām abhigatān devān purā rājann iti śrutiḥ anvapadyanta sahasā puruṣā devadarśinaḥ
Zu der Nandā gelangte Götter - so lautet, o König, die Überlieferung - suchten einst plötzlich Menschen auf, die die Götter sehen wollten.

te darśanam anicchanto devāḥ śakrapurogamāḥ durgaṃ cakrur imaṃ deśaṃ giripratyūharūpakam

Die Götter aber, die den Anblick nicht wünschten, mit Śakra an der Spitze, machten diese Gegend unzugänglich, in Gestalt eines vom Berg abweisenden Hindernisses.

Wort für Wort
te darśanam anicchanto devāḥ śakrapurogamāḥ durgaṃ cakrur imaṃ deśaṃ giripratyūharūpakam
Die Götter aber, die den Anblick nicht wünschten, mit Śakra an der Spitze, machten diese Gegend unzugänglich, in Gestalt eines vom Berg abweisenden Hindernisses.

tadā prabhṛti kaunteya narā girim imaṃ sadā nāśaknuvan abhidraṣṭuṃ kuta evādhirohitum

Seit jener Zeit, Sohn der Kuntī, vermochten die Menschen diesen Berg nie mehr zu erblicken, geschweige denn zu ersteigen.

Wort für Wort
tadā prabhṛti kaunteya narā girim imaṃ sadā nāśaknuvan abhidraṣṭuṃ kuta evādhirohitum
Seit jener Zeit, Sohn der Kuntī, vermochten die Menschen diesen Berg nie mehr zu erblicken, geschweige denn zu ersteigen.

nātaptatapasā śakyo draṣṭum eṣa mahāgiriḥ āroḍhuṃ vāpi kaunteya tasmān niyatavāg bhava

Von einem, der nicht Buße geübt hat, kann dieser große Berg nicht gesehen noch bestiegen werden, Sohn der Kuntī; darum sei zurückhaltend in der Rede.

Wort für Wort
nātaptatapasā śakyo draṣṭum eṣa mahāgiriḥ āroḍhuṃ vāpi kaunteya tasmān niyatavāg bhava
Von einem, der nicht Buße geübt hat, kann dieser große Berg nicht gesehen noch bestiegen werden, Sohn der Kuntī; darum sei zurückhaltend in der Rede.

iha devāḥ sadā sarve yajñān ājahrur uttamān teṣām etāni liṅgāni dṛśyante 'dyāpi bhārata

Hier haben alle Götter allzeit vortreffliche Opfer dargebracht; ihre Kennzeichen sind noch heute sichtbar, o Bhārata.

Wort für Wort
iha devāḥ sadā sarve yajñān ājahrur uttamān teṣām etāni liṅgāni dṛśyante 'dyāpi bhārata
Hier haben alle Götter allzeit vortreffliche Opfer dargebracht; ihre Kennzeichen sind noch heute sichtbar, o Bhārata.

kuśākāreva dūrveyaṃ saṃstīrṇeva ca bhūr iyam yūpaprakārā bahavo vṛkṣāś ceme viśāṃ pate

Dieses Dūrvā-Gras hier hat die Gestalt von Kuśa-Gras, und dieser Boden hier scheint ausgebreitet zu sein; und viele dieser Bäume haben die Gestalt von Opferpfählen, o Herr der Untertanen.

Wort für Wort
kuśākāreva dūrveyaṃ saṃstīrṇeva ca bhūr iyam yūpaprakārā bahavo vṛkṣāś ceme viśāṃ pate
Dieses Dūrvā-Gras hier hat die Gestalt von Kuśa-Gras, und dieser Boden hier scheint ausgebreitet zu sein; und viele dieser Bäume haben die Gestalt von Opferpfählen, o Herr der Untertanen.

devāś ca ṛṣayaś caiva vasanty adyāpi bhārata teṣāṃ sāyaṃ tathā prātar dṛśyate havyavāhanaḥ

Götter und Weise wohnen noch heute hier, o Bhārata; abends wie morgens ist ihr Feuerträger sichtbar.

Wort für Wort
devāś ca ṛṣayaś caiva vasanty adyāpi bhārata teṣāṃ sāyaṃ tathā prātar dṛśyate havyavāhanaḥ
Götter und Weise wohnen noch heute hier, o Bhārata; abends wie morgens ist ihr Feuerträger sichtbar.

ihāplutānāṃ kaunteya sadyaḥ pāpmā vihanyate kuruśreṣṭhābhiṣekaṃ vai tasmāt kuru sahānujaḥ

Denen, die sich hier baden, Sohn der Kuntī, wird die Sünde sogleich vernichtet; vollziehe daher, Bester der Kurus, das Weihbad zusammen mit deinen jüngeren Brüdern.

Wort für Wort
ihāplutānāṃ kaunteya sadyaḥ pāpmā vihanyate kuruśreṣṭhābhiṣekaṃ vai tasmāt kuru sahānujaḥ
Denen, die sich hier baden, Sohn der Kuntī, wird die Sünde sogleich vernichtet; vollziehe daher, Bester der Kurus, das Weihbad zusammen mit deinen jüngeren Brüdern.

tato nandāplutāṅgas tvaṃ kauśikīm abhiyāsyasi viśvāmitreṇa yatrograṃ tapas taptam anuttamam

Dann, mit in der Nandā gebadeten Gliedern, wirst du zur Kauśikī gehen, wo Viśvāmitra furchtbare, unübertreffliche Buße geübt hat.“

Wort für Wort
tato nandāplutāṅgas tvaṃ kauśikīm abhiyāsyasi viśvāmitreṇa yatrograṃ tapas taptam anuttamam
Dann, mit in der Nandā gebadeten Gliedern, wirst du zur Kauśikī gehen, wo Viśvāmitra furchtbare, unübertreffliche Buße geübt hat.“

tatas tatra samāplutya gātrāṇi sagaṇo nṛpaḥ jagāma kauśikīṃ puṇyāṃ ramyāṃ śivajalāṃ nadīm

Vaiśaṃpāyana sprach: Da, nachdem er dort seine Glieder gebadet hatte, ging der König mit seinem Gefolge zur Kauśikī, dem heiligen, anmutigen Fluss mit heilsamem Wasser.

Wort für Wort
tatas tatra samāplutya gātrāṇi sagaṇo nṛpaḥ jagāma kauśikīṃ puṇyāṃ ramyāṃ śivajalāṃ nadīm
Vaiśaṃpāyana sprach: Da, nachdem er dort seine Glieder gebadet hatte, ging der König mit seinem Gefolge zur Kauśikī, dem heiligen, anmutigen Fluss mit heilsamem Wasser.

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