Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 28: Draupadīvākyam Draupadīs leidenschaftliche Klage über Yudhiṣṭhiras ausbleibenden Zorn

Am Abend klagt Draupadī Yudhiṣṭhira ihr Leid: Sie erinnert an den früheren Glanz des Hofes, die Speisung der Brāhmaṇas, die einstige Pracht der Brüder - und stellt dem den gegenwärtigen Zustand im Wald gegenüber. Immer wieder fragt sie, warum trotz all dieses Leids Yudhiṣṭhiras Zorn (manyu) nicht erwacht, und mahnt, ein Kṣatriya dürfe seinen Feinden gegenüber niemals grenzenlose Nachsicht üben, da nur Tatkraft die Feinde bezwingen könne.

vaiśaṃpāyana uvāca tato vanagatāḥ pārthāḥ sāyāhne saha kṛṣṇayā upaviṣṭāḥ kathāś cakrur duḥkhaśokaparāyaṇāḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf saßen die im Wald weilenden Pārthas am Abend zusammen mit Kṛṣṇā und führten Gespräche, ganz von Kummer und Leid erfüllt.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tato vanagatāḥ pārthāḥ sāyāhne saha kṛṣṇayā upaviṣṭāḥ kathāś cakrur duḥkhaśokaparāyaṇāḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf saßen die im Wald weilenden Pārthas am Abend zusammen mit Kṛṣṇā und führten Gespräche, ganz von Kummer und Leid erfüllt.

priyā ca darśanīyā ca paṇḍitā ca pativratā tataḥ kṛṣṇā dharmarājam idaṃ vacanam abravīt

Da sprach Kṛṣṇā, die geliebte, schöne, kluge, ihrem Gatten treu ergebene Gattin, zum Dharma-König dieses Wort:

Wort für Wort
priyā ca darśanīyā ca paṇḍitā ca pativratā tataḥ kṛṣṇā dharmarājam idaṃ vacanam abravīt
Da sprach Kṛṣṇā, die geliebte, schöne, kluge, ihrem Gatten treu ergebene Gattin, zum Dharma-König dieses Wort:

na nūnaṃ tasya pāpasya duḥkham asmāsu kiṃ cana vidyate dhārtarāṣṭrasya nṛśaṃsasya durātmanaḥ

„Gewiss empfindet jener böse, grausame, bösgesinnte Sohn Dhṛtarāṣṭras keinerlei Kummer über unser Leid.

Wort für Wort
na nūnaṃ tasya pāpasya duḥkham asmāsu kiṃ cana vidyate dhārtarāṣṭrasya nṛśaṃsasya durātmanaḥ
„Gewiss empfindet jener böse, grausame, bösgesinnte Sohn Dhṛtarāṣṭras keinerlei Kummer über unser Leid.

yas tvāṃ rājan mayā sārdham ajinaiḥ prativāsitam bhrātṛbhiś ca tathā sarvair nābhyabhāṣata kiṃ cana vanaṃ prasthāpya duṣṭātmā nānvatapyata durmatiḥ

Er, o König, der dich zusammen mit mir, in Fellgewänder gekleidet, und ebenso mit all deinen Brüdern kein Wort mehr ansprach, der bösgesinnte, übelgesinnte, empfand keinerlei Reue, nachdem er uns in den Wald geschickt hatte.

Wort für Wort
yas tvāṃ rājan mayā sārdham ajinaiḥ prativāsitam bhrātṛbhiś ca tathā sarvair nābhyabhāṣata kiṃ cana vanaṃ prasthāpya duṣṭātmā nānvatapyata durmatiḥ
Er, o König, der dich zusammen mit mir, in Fellgewänder gekleidet, und ebenso mit all deinen Brüdern kein Wort mehr ansprach, der bösgesinnte, übelgesinnte, empfand keinerlei Reue, nachdem er uns in den Wald geschickt hatte.

āyasaṃ hṛdayaṃ nūnaṃ tasya duṣkṛtakarmaṇaḥ yas tvāṃ dharmaparaṃ śreṣṭhaṃ rūkṣāṇy aśrāvayat tadā

Gewiss ist das Herz jenes Übeltäters aus Eisen, der dich, den dem Dharma verpflichteten, Besten, damals raue Worte hören ließ.

Wort für Wort
āyasaṃ hṛdayaṃ nūnaṃ tasya duṣkṛtakarmaṇaḥ yas tvāṃ dharmaparaṃ śreṣṭhaṃ rūkṣāṇy aśrāvayat tadā
Gewiss ist das Herz jenes Übeltäters aus Eisen, der dich, den dem Dharma verpflichteten, Besten, damals raue Worte hören ließ.

sukhocitam aduḥkhārhaṃ durātmā sasuhṛdgaṇaḥ īdṛśaṃ duḥkham ānīya modate pāpapūruṣaḥ

Dich, der an Glück gewöhnt und des Leids nicht würdig ist, hat der bösgesinnte, üble Mensch samt seiner Freundesschar in solches Leid gestürzt und freut sich darüber.

Wort für Wort
sukhocitam aduḥkhārhaṃ durātmā sasuhṛdgaṇaḥ īdṛśaṃ duḥkham ānīya modate pāpapūruṣaḥ
Dich, der an Glück gewöhnt und des Leids nicht würdig ist, hat der bösgesinnte, üble Mensch samt seiner Freundesschar in solches Leid gestürzt und freut sich darüber.

caturṇām eva pāpānām aśru vai nāpatat tadā tvayi bhārata niṣkrānte vanāyājinavāsasi

Nur bei vier Bösewichtern fielen damals keine Tränen, o Bhārata, als du, in Fellgewänder gekleidet, zum Wald aufbrachst:

Wort für Wort
caturṇām eva pāpānām aśru vai nāpatat tadā tvayi bhārata niṣkrānte vanāyājinavāsasi
Nur bei vier Bösewichtern fielen damals keine Tränen, o Bhārata, als du, in Fellgewänder gekleidet, zum Wald aufbrachst:

duryodhanasya karṇasya śakuneś ca durātmanaḥ durbhrātus tasya cograsya tathā duḥśāsanasya ca

nämlich Duryodhanas, Karṇas, des bösgesinnten Śakuni, sowie seines schlimmen, grausamen Bruders Duḥśāsana.

Wort für Wort
duryodhanasya karṇasya śakuneś ca durātmanaḥ durbhrātus tasya cograsya tathā duḥśāsanasya ca
nämlich Duryodhanas, Karṇas, des bösgesinnten Śakuni, sowie seines schlimmen, grausamen Bruders Duḥśāsana.

itareṣāṃ tu sarveṣāṃ kurūṇāṃ kurusattama duḥkhenābhiparītānāṃ netrebhyaḥ prāpataj jalam

Allen anderen Kurus aber, o Bester der Kurus, die von Kummer überwältigt waren, flossen Tränen aus den Augen.

Wort für Wort
itareṣāṃ tu sarveṣāṃ kurūṇāṃ kurusattama duḥkhenābhiparītānāṃ netrebhyaḥ prāpataj jalam
Allen anderen Kurus aber, o Bester der Kurus, die von Kummer überwältigt waren, flossen Tränen aus den Augen.

idaṃ ca śayanaṃ dṛṣṭvā yac cāsīt te purātanam śocāmi tvāṃ mahārāja duḥkhānarhaṃ sukhocitam

Wenn ich dieses Lager sehe und mich an jenes erinnere, das früher das deine war, betrauere ich dich, o Großkönig, der du des Leids nicht würdig, an Glück gewöhnt bist.

Wort für Wort
idaṃ ca śayanaṃ dṛṣṭvā yac cāsīt te purātanam śocāmi tvāṃ mahārāja duḥkhānarhaṃ sukhocitam
Wenn ich dieses Lager sehe und mich an jenes erinnere, das früher das deine war, betrauere ich dich, o Großkönig, der du des Leids nicht würdig, an Glück gewöhnt bist.

dāntaṃ yac ca sabhāmadhye āsanaṃ ratnabhūṣitam dṛṣṭvā kuśabṛsīṃ cemāṃ śoko māṃ rundhayaty ayam

Wenn ich an den elfenbeinernen, mit Juwelen geschmückten Sitz inmitten der Halle denke und dann dieses Kuśagras-Polster sehe, überwältigt mich dieser Kummer.

Wort für Wort
dāntaṃ yac ca sabhāmadhye āsanaṃ ratnabhūṣitam dṛṣṭvā kuśabṛsīṃ cemāṃ śoko māṃ rundhayaty ayam
Wenn ich an den elfenbeinernen, mit Juwelen geschmückten Sitz inmitten der Halle denke und dann dieses Kuśagras-Polster sehe, überwältigt mich dieser Kummer.

yad apaśyaṃ sabhāyāṃ tvāṃ rājabhiḥ parivāritam tac ca rājann apaśyantyāḥ kā śāntir hṛdayasya me

Da ich dich einst in der Halle, von Königen umringt, sah, und dies nun nicht mehr sehe, o König - welchen Frieden könnte mein Herz da finden?

Wort für Wort
yad apaśyaṃ sabhāyāṃ tvāṃ rājabhiḥ parivāritam tac ca rājann apaśyantyāḥ kā śāntir hṛdayasya me
Da ich dich einst in der Halle, von Königen umringt, sah, und dies nun nicht mehr sehe, o König - welchen Frieden könnte mein Herz da finden?

yā tvāhaṃ candanādigdham apaśyaṃ sūryavarcasam sā tvā paṅkamalādigdhaṃ dṛṣṭvā muhyāmi bhārata

Ich, die ich dich einst mit Sandelpaste gesalbt, von der Pracht der Sonne, sah, gerate nun, da ich dich mit Schlamm und Schmutz bedeckt sehe, in Verwirrung, o Bhārata.

Wort für Wort
yā tvāhaṃ candanādigdham apaśyaṃ sūryavarcasam sā tvā paṅkamalādigdhaṃ dṛṣṭvā muhyāmi bhārata
Ich, die ich dich einst mit Sandelpaste gesalbt, von der Pracht der Sonne, sah, gerate nun, da ich dich mit Schlamm und Schmutz bedeckt sehe, in Verwirrung, o Bhārata.

yā vai tvā kauśikair vastraiḥ śubhrair bahudhanaiḥ purā dṛṣṭavaty asmi rājendra sā tvāṃ paśyāmi cīriṇam

Ich, die ich dich einst in strahlend weißen, kostbaren Seidengewändern sah, o Herrscher der Könige, sehe dich nun in Rindenkleidung.

Wort für Wort
yā vai tvā kauśikair vastraiḥ śubhrair bahudhanaiḥ purā dṛṣṭavaty asmi rājendra sā tvāṃ paśyāmi cīriṇam
Ich, die ich dich einst in strahlend weißen, kostbaren Seidengewändern sah, o Herrscher der Könige, sehe dich nun in Rindenkleidung.

yac ca tad rukmapātrībhir brāhmaṇebhyaḥ sahasraśaḥ hriyate te gṛhād annaṃ saṃskṛtaṃ sārvakāmikam

Und jene Speise, die früher aus deinem Haus zu Tausenden auf goldenen Schalen den Brāhmaṇas gebracht wurde, wohlbereitet, jeden Wunsch erfüllend -

Wort für Wort
yac ca tad rukmapātrībhir brāhmaṇebhyaḥ sahasraśaḥ hriyate te gṛhād annaṃ saṃskṛtaṃ sārvakāmikam
Und jene Speise, die früher aus deinem Haus zu Tausenden auf goldenen Schalen den Brāhmaṇas gebracht wurde, wohlbereitet, jeden Wunsch erfüllend -

yatīnām agṛhāṇāṃ te tathaiva gṛhamedhinām dīyate bhojanaṃ rājann atīva guṇavat prabho tac ca rājann apaśyantyāḥ kā śāntir hṛdayasya me

die den heimatlosen Asketen sowie den Hausvätern gegeben wurde, o König, überaus vortreffliche Speise, o Herr - da ich auch dies nicht mehr sehe, o König, welchen Frieden könnte mein Herz da finden?

Wort für Wort
yatīnām agṛhāṇāṃ te tathaiva gṛhamedhinām dīyate bhojanaṃ rājann atīva guṇavat prabho tac ca rājann apaśyantyāḥ kā śāntir hṛdayasya me
die den heimatlosen Asketen sowie den Hausvätern gegeben wurde, o König, überaus vortreffliche Speise, o Herr - da ich auch dies nicht mehr sehe, o König, welchen Frieden könnte mein Herz da finden?

yāṃs te bhrātṝn mahārāja yuvāno mṛṣṭakuṇḍalāḥ abhojayanta mṛṣṭānnaiḥ sūdāḥ paramasaṃskṛtaiḥ

Deine Brüder, o Großkönig, die jungen, mit glänzenden Ohrringen geschmückten, denen die Köche einst erlesene, aufs Beste zubereitete Speisen zu essen gaben -

Wort für Wort
yāṃs te bhrātṝn mahārāja yuvāno mṛṣṭakuṇḍalāḥ abhojayanta mṛṣṭānnaiḥ sūdāḥ paramasaṃskṛtaiḥ
Deine Brüder, o Großkönig, die jungen, mit glänzenden Ohrringen geschmückten, denen die Köche einst erlesene, aufs Beste zubereitete Speisen zu essen gaben -

sarvāṃs tān adya paśyāmi vane vanyena jīvataḥ aduḥkhārhān manuṣyendra nopaśāmyati me manaḥ

sie alle sehe ich heute im Wald von Waldkost leben, obwohl sie des Leids nicht würdig sind, o Herrscher der Menschen; mein Geist findet keine Ruhe.

Wort für Wort
sarvāṃs tān adya paśyāmi vane vanyena jīvataḥ aduḥkhārhān manuṣyendra nopaśāmyati me manaḥ
sie alle sehe ich heute im Wald von Waldkost leben, obwohl sie des Leids nicht würdig sind, o Herrscher der Menschen; mein Geist findet keine Ruhe.

bhīmasenam imaṃ cāpi duḥkhitaṃ vanavāsinam dhyāyantaṃ kiṃ na manyus te prāpte kāle vivardhate

Und auch, wenn ich diesen Bhīmasena sehe, im Wald wohnend, leidend, in Gedanken versunken - warum wächst dein Zorn nicht, da doch die Zeit dafür gekommen ist?

Wort für Wort
bhīmasenam imaṃ cāpi duḥkhitaṃ vanavāsinam dhyāyantaṃ kiṃ na manyus te prāpte kāle vivardhate
Und auch, wenn ich diesen Bhīmasena sehe, im Wald wohnend, leidend, in Gedanken versunken - warum wächst dein Zorn nicht, da doch die Zeit dafür gekommen ist?

bhīmasenaṃ hi karmāṇi svayaṃ kurvāṇam acyuta sukhārhaṃ duḥkhitaṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate

Wenn du Bhīmasena siehst, wie er selbst niedere Arbeiten verrichtet, ihn, der des Glücks würdig ist, nun leidend - warum, o Unvergänglicher, wächst dein Zorn nicht?

Wort für Wort
bhīmasenaṃ hi karmāṇi svayaṃ kurvāṇam acyuta sukhārhaṃ duḥkhitaṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate
Wenn du Bhīmasena siehst, wie er selbst niedere Arbeiten verrichtet, ihn, der des Glücks würdig ist, nun leidend - warum, o Unvergänglicher, wächst dein Zorn nicht?

satkṛtaṃ vividhair yānair vastrair uccāvacais tathā taṃ te vanagataṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate

Ihn, der einst mit mancherlei Fahrzeugen und mit Gewändern jeder Art geehrt wurde, nun im Wald weilend sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

Wort für Wort
satkṛtaṃ vividhair yānair vastrair uccāvacais tathā taṃ te vanagataṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate
Ihn, der einst mit mancherlei Fahrzeugen und mit Gewändern jeder Art geehrt wurde, nun im Wald weilend sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

kurūn api hi yaḥ sarvān hantum utsahate prabhuḥ tvatprasādaṃ pratīkṣaṃs tu sahate 'yaṃ vṛkodaraḥ

Er, der Mächtige, der imstande wäre, alle Kurus zu töten, erträgt es dennoch, deine Gnade erwartend, dieser Vṛkodara.

Wort für Wort
kurūn api hi yaḥ sarvān hantum utsahate prabhuḥ tvatprasādaṃ pratīkṣaṃs tu sahate 'yaṃ vṛkodaraḥ
Er, der Mächtige, der imstande wäre, alle Kurus zu töten, erträgt es dennoch, deine Gnade erwartend, dieser Vṛkodara.

yo 'rjunenārjunas tulyo dvibāhur bahubāhunā śarātisarge śīghratvāt kālāntakayamopamaḥ

Er, der mit seinen zwei Armen jenem vielarmigen Arjuna gleicht - unser Arjuna, der durch die Schnelligkeit seines Pfeilabschusses dem todbringenden Yama gleicht,

Wort für Wort
yo 'rjunenārjunas tulyo dvibāhur bahubāhunā śarātisarge śīghratvāt kālāntakayamopamaḥ
Er, der mit seinen zwei Armen jenem vielarmigen Arjuna gleicht - unser Arjuna, der durch die Schnelligkeit seines Pfeilabschusses dem todbringenden Yama gleicht,

[Anm.: Gemeint ist ein Vergleich mit dem sagenhaften tausendarmigen König Kārtavīrya Arjuna; der zweiarmige Arjuna wird ihm an Kraft gleichgestellt.]

yasya śastrapratāpena praṇatāḥ sarvapārthivāḥ yajñe tava mahārāja brāhmaṇān upatasthire

durch dessen Waffenglanz sich alle Könige beugten und bei deinem Opfer, o Großkönig, den Brāhmaṇas aufwarteten -

Wort für Wort
yasya śastrapratāpena praṇatāḥ sarvapārthivāḥ yajñe tava mahārāja brāhmaṇān upatasthire
durch dessen Waffenglanz sich alle Könige beugten und bei deinem Opfer, o Großkönig, den Brāhmaṇas aufwarteten -

tam imaṃ puruṣavyāghraṃ pūjitaṃ devadānavaiḥ dhyāyantam arjunaṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate

ihn, diesen Tiger unter den Männern, geehrt von Göttern und Dānavas, den in Gedanken versunkenen Arjuna sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

Wort für Wort
tam imaṃ puruṣavyāghraṃ pūjitaṃ devadānavaiḥ dhyāyantam arjunaṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate
ihn, diesen Tiger unter den Männern, geehrt von Göttern und Dānavas, den in Gedanken versunkenen Arjuna sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

dṛṣṭvā vanagataṃ pārtham aduḥkhārhaṃ sukhocitam na ca te vardhate manyus tena muhyāmi bhārata

Da ich den im Wald weilenden Pārtha sehe, der des Leids nicht würdig, an Glück gewöhnt ist, und dein Zorn dennoch nicht wächst, gerate ich darüber in Verwirrung, o Bhārata.

Wort für Wort
dṛṣṭvā vanagataṃ pārtham aduḥkhārhaṃ sukhocitam na ca te vardhate manyus tena muhyāmi bhārata
Da ich den im Wald weilenden Pārtha sehe, der des Leids nicht würdig, an Glück gewöhnt ist, und dein Zorn dennoch nicht wächst, gerate ich darüber in Verwirrung, o Bhārata.

yo devāṃś ca manuṣyāṃś ca sarpāṃś caikaratho 'jayat taṃ te vanagataṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate

Ihn, der Götter, Menschen und Schlangen mit einem einzigen Wagen besiegte, im Wald weilend sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

Wort für Wort
yo devāṃś ca manuṣyāṃś ca sarpāṃś caikaratho 'jayat taṃ te vanagataṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate
Ihn, der Götter, Menschen und Schlangen mit einem einzigen Wagen besiegte, im Wald weilend sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

yo yānair adbhutākārair hayair nāgaiś ca saṃvṛtaḥ prasahya vittāny ādatta pārthivebhyaḥ paraṃtapaḥ

Er, der Feindebezwinger, umgeben von Fahrzeugen wunderbarer Gestalt, von Rossen und Elefanten, nahm den Königen mit Gewalt ihre Schätze ab,

Wort für Wort
yo yānair adbhutākārair hayair nāgaiś ca saṃvṛtaḥ prasahya vittāny ādatta pārthivebhyaḥ paraṃtapaḥ
Er, der Feindebezwinger, umgeben von Fahrzeugen wunderbarer Gestalt, von Rossen und Elefanten, nahm den Königen mit Gewalt ihre Schätze ab,

kṣipaty ekena vegena pañca bāṇaśatāni yaḥ taṃ te vanagataṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate

er, der mit einer einzigen Bewegung fünfhundert Pfeile abschießt - ihn, im Wald weilend sehend, warum wächst dein Zorn nicht?

Wort für Wort
kṣipaty ekena vegena pañca bāṇaśatāni yaḥ taṃ te vanagataṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate
er, der mit einer einzigen Bewegung fünfhundert Pfeile abschießt - ihn, im Wald weilend sehend, warum wächst dein Zorn nicht?

śyāmaṃ bṛhantaṃ taruṇaṃ carmiṇām uttamaṃ raṇe nakulaṃ te vane dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate

Den dunkelhäutigen, großen, jugendlichen, im Kampf besten der Schildkämpfer, Nakula, im Wald sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

Wort für Wort
śyāmaṃ bṛhantaṃ taruṇaṃ carmiṇām uttamaṃ raṇe nakulaṃ te vane dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate
Den dunkelhäutigen, großen, jugendlichen, im Kampf besten der Schildkämpfer, Nakula, im Wald sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

darśanīyaṃ ca śūraṃ ca mādrīputraṃ yudhiṣṭhira sahadevaṃ vane dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate

Den schönen, tapferen Sohn der Mādrī, Sahadeva, o Yudhiṣṭhira, im Wald sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

Wort für Wort
darśanīyaṃ ca śūraṃ ca mādrīputraṃ yudhiṣṭhira sahadevaṃ vane dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate
Den schönen, tapferen Sohn der Mādrī, Sahadeva, o Yudhiṣṭhira, im Wald sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

drupadasya kule jātāṃ snuṣāṃ pāṇḍor mahātmanaḥ māṃ te vanagatāṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate

Mich, die im Geschlecht Drupadas Geborene, die Schwiegertochter des hochherzigen Pāṇḍu, im Wald weilend sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

Wort für Wort
drupadasya kule jātāṃ snuṣāṃ pāṇḍor mahātmanaḥ māṃ te vanagatāṃ dṛṣṭvā kasmān manyur na vardhate
Mich, die im Geschlecht Drupadas Geborene, die Schwiegertochter des hochherzigen Pāṇḍu, im Wald weilend sehend - warum wächst dein Zorn nicht?

nūnaṃ ca tava naivāsti manyur bharatasattama yat te bhrātṝṃś ca māṃ caiva dṛṣṭvā na vyathate manaḥ

Gewiss besitzt du also keinen Zorn, o Bester der Bharatas, da dein Geist, wenn er deine Brüder und mich sieht, nicht erschüttert wird.

Wort für Wort
nūnaṃ ca tava naivāsti manyur bharatasattama yat te bhrātṝṃś ca māṃ caiva dṛṣṭvā na vyathate manaḥ
Gewiss besitzt du also keinen Zorn, o Bester der Bharatas, da dein Geist, wenn er deine Brüder und mich sieht, nicht erschüttert wird.

na nirmanyuḥ kṣatriyo 'sti loke nirvacanaṃ smṛtam tad adya tvayi paśyāmi kṣatriye viparītavat

Es gibt in der Welt keinen Kṣatriya ohne Zorn - so lautet die überlieferte Erklärung; dies sehe ich heute bei dir, einem Kṣatriya, ins Gegenteil verkehrt.

Wort für Wort
na nirmanyuḥ kṣatriyo 'sti loke nirvacanaṃ smṛtam tad adya tvayi paśyāmi kṣatriye viparītavat
Es gibt in der Welt keinen Kṣatriya ohne Zorn - so lautet die überlieferte Erklärung; dies sehe ich heute bei dir, einem Kṣatriya, ins Gegenteil verkehrt.

yo na darśayate tejaḥ kṣatriyaḥ kāla āgate sarvabhūtāni taṃ pārtha sadā paribhavanty uta

Ein Kṣatriya, der, wenn die Zeit gekommen ist, seine Glut nicht zeigt, den verachten alle Wesen stets, o Pārtha.

Wort für Wort
yo na darśayate tejaḥ kṣatriyaḥ kāla āgate sarvabhūtāni taṃ pārtha sadā paribhavanty uta
Ein Kṣatriya, der, wenn die Zeit gekommen ist, seine Glut nicht zeigt, den verachten alle Wesen stets, o Pārtha.

tat tvayā na kṣamā kāryā śatrūn prati kathaṃ cana tejasaiva hi te śakyā nihantuṃ nātra saṃśayaḥ

Darum darfst du gegenüber den Feinden keinesfalls Nachsicht üben; denn nur durch Tatkraft können sie vernichtet werden, daran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
tat tvayā na kṣamā kāryā śatrūn prati kathaṃ cana tejasaiva hi te śakyā nihantuṃ nātra saṃśayaḥ
Darum darfst du gegenüber den Feinden keinesfalls Nachsicht üben; denn nur durch Tatkraft können sie vernichtet werden, daran besteht kein Zweifel.

tathaiva yaḥ kṣamākāle kṣatriyo nopaśāmyati apriyaḥ sarvabhūtānāṃ so 'mutreha ca naśyati

Ebenso geht ein Kṣatriya, der zur Zeit der Nachsicht nicht zur Ruhe kommt, jedem Wesen unlieb, sowohl in dieser als auch in jener Welt zugrunde.“

Wort für Wort
tathaiva yaḥ kṣamākāle kṣatriyo nopaśāmyati apriyaḥ sarvabhūtānāṃ so 'mutreha ca naśyati
Ebenso geht ein Kṣatriya, der zur Zeit der Nachsicht nicht zur Ruhe kommt, jedem Wesen unlieb, sowohl in dieser als auch in jener Welt zugrunde.“

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