Kapitel 266: Rāmopākhyānam (9)
Hanumants Bericht: die Suche nach Sītā und der Sprung über das Meer
Rāma schickt Lakṣmaṇa zu Sugrīva, um ihn an sein Bündnisversprechen zu erinnern; Sugrīva erklärt seine bereits laufende, planvolle Suche nach Sītā in allen Himmelsrichtungen. Als die nach Süden entsandten Affen um zwei Monate überfällig sind, kehren sie mit Hanumant zurück, der Rāma in einem langen Bericht von der Reise erzählt: der Höhle Mayas, der Begegnung mit dem sterbenden Geier Saṃpāti (Jaṭāyus Bruder), der ihnen Rāvaṇas Aufenthaltsort in Laṅkā verrät, seinem eigenen Sprung über das Meer und dem Auffinden Sītās im Aśoka-Hain. Die stark geraffte Erzählung des Mahābhārata überspringt Hanumants Kampf mit Rāvaṇas Wächtern und den Brand Laṅkās, die im letzten Vers nur rückblickend erwähnt werden - Ereignisse, die in der ausführlicheren Vālmīki-Fassung des Rāmāyaṇa breiten Raum einnehmen.
Mārkaṇḍeya sprach: „Der Sproß Raghus aber, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā, von Sugrīva versorgt, auf dem Rücken des Mālyavat weilend, erblickte den klaren Himmel.
Mārkaṇḍeya sprach: „Der Sproß Raghus aber, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā, von Sugrīva versorgt, auf dem Rücken des Mālyavat weilend, erblickte den klaren Himmel.
Bei Tagesanbruch sprach er, trübsinnig, der Rechtschaffene, an Sītā denkend, die im Haus des Rākṣasa gefangen war, zum Helden Lakṣmaṇa: ‚Geh, Lakṣmaṇa, erkunde in Kiṣkindhā den Herrn der Affen,
Bei Tagesanbruch sprach er, trübsinnig, der Rechtschaffene, an Sītā denkend, die im Haus des Rākṣasa gefangen war, zum Helden Lakṣmaṇa: ‚Geh, Lakṣmaṇa, erkunde in Kiṣkindhā den Herrn der Affen,
yo 'sau kulādhamo mūḍho mayā rājye 'bhiṣecitaḥ sarvavānaragopucchā yam ṛkṣāś ca bhajanti vai
Er, dieser niedrigste seines Geschlechts, der Tor, den ich zur Königsherrschaft geweiht habe, dem alle Affen bis hinunter zu ihren Schwänzen und auch die Bären dienen -
Wort für Wort
yo 'sau kulādhamo mūḍho mayā rājye 'bhiṣecitaḥ sarvavānaragopucchā yam ṛkṣāś ca bhajanti vai
Er, dieser niedrigste seines Geschlechts, der Tor, den ich zur Königsherrschaft geweiht habe, dem alle Affen bis hinunter zu ihren Schwänzen und auch die Bären dienen -
kṛtaghnaṃ tam ahaṃ manye vānarāpasadaṃ bhuvi yo mām evaṃgato mūḍho na jānīte 'dya lakṣmaṇa
diesen halte ich für undankbar, für den niedrigsten Affen auf Erden, der, der Tor, mich, der ich in solch einem Zustand bin, jetzt nicht beachtet, Lakṣmaṇa.
Wort für Wort
kṛtaghnaṃ tam ahaṃ manye vānarāpasadaṃ bhuvi yo mām evaṃgato mūḍho na jānīte 'dya lakṣmaṇa
diesen halte ich für undankbar, für den niedrigsten Affen auf Erden, der, der Tor, mich, der ich in solch einem Zustand bin, jetzt nicht beachtet, Lakṣmaṇa.
Wenn er, untätig, in den Freuden der Sinnlichkeit versunken daliegt, dann soll er von dir auf Vālins Pfad geführt werden, zu jenem Ziel, das allen Wesen bestimmt ist.
Wenn er, untätig, in den Freuden der Sinnlichkeit versunken daliegt, dann soll er von dir auf Vālins Pfad geführt werden, zu jenem Ziel, das allen Wesen bestimmt ist.
So von seinem Bruder angesprochen, dem Wort des Älteren zu dessen Wohl ergeben, brach Lakṣmaṇa auf, seinen schönen Bogen mit Pfeilen und Sehne ergreifend; am Tor von Kiṣkindhā angelangt, trat er ungehindert ein.
So von seinem Bruder angesprochen, dem Wort des Älteren zu dessen Wohl ergeben, brach Lakṣmaṇa auf, seinen schönen Bogen mit Pfeilen und Sehne ergreifend; am Tor von Kiṣkindhā angelangt, trat er ungehindert ein.
Ihn für zornig haltend, kam ihm der Affenkönig entgegen; Sugrīva, der Herr der Affen, demütigen Sinnes, zusammen mit seiner Gattin, empfing ihn erfreut mit der ihm gebührenden Ehrerbietung.
Ihn für zornig haltend, kam ihm der Affenkönig entgegen; Sugrīva, der Herr der Affen, demütigen Sinnes, zusammen mit seiner Gattin, empfing ihn erfreut mit der ihm gebührenden Ehrerbietung.
sabhṛtyadāro rājendra sugrīvo vānarādhipaḥ idam āha vacaḥ prīto lakṣmaṇaṃ narakuñjaram
Sugrīva, der Herr der Affen, zusammen mit Dienern und Gattin, o König der Könige, sprach erfreut zu Lakṣmaṇa, dem Tiger unter den Männern, dieses Wort: ‚Ich bin nicht dumm, Lakṣmaṇa,
Wort für Wort
sabhṛtyadāro rājendra sugrīvo vānarādhipaḥ idam āha vacaḥ prīto lakṣmaṇaṃ narakuñjaram
Sugrīva, der Herr der Affen, zusammen mit Dienern und Gattin, o König der Könige, sprach erfreut zu Lakṣmaṇa, dem Tiger unter den Männern, dieses Wort: ‚Ich bin nicht dumm, Lakṣmaṇa,
ācakhyus te tu rāmāya mahīṃ sāgaramekhalām vicitāṃ na tu vaidehyā darśanaṃ rāvaṇasya vā
Sie berichteten Rāma, die vom Ozean umgürtete Erde durchsucht zu haben - doch weder von der Tochter Videhas noch von Rāvaṇa hätten sie eine Spur gesehen.
Wort für Wort
ācakhyus te tu rāmāya mahīṃ sāgaramekhalām vicitāṃ na tu vaidehyā darśanaṃ rāvaṇasya vā
Sie berichteten Rāma, die vom Ozean umgürtete Erde durchsucht zu haben - doch weder von der Tochter Videhas noch von Rāvaṇa hätten sie eine Spur gesehen.
gatās tu dakṣiṇām āśāṃ ye vai vānarapuṃgavāḥ āśāvāṃs teṣu kākutsthaḥ prāṇān ārto 'py adhārayat
Die aber, die nach Süden gezogen waren, jene Stiere unter den Affen - auf sie seine Hoffnung setzend, hielt der Sproß des Kakutstha, obwohl gequält, sein Leben aufrecht.
Wort für Wort
gatās tu dakṣiṇām āśāṃ ye vai vānarapuṃgavāḥ āśāvāṃs teṣu kākutsthaḥ prāṇān ārto 'py adhārayat
Die aber, die nach Süden gezogen waren, jene Stiere unter den Affen - auf sie seine Hoffnung setzend, hielt der Sproß des Kakutstha, obwohl gequält, sein Leben aufrecht.
amokṣayitvā vaidehīm ahatvā ca ripūn raṇe hṛtadāro 'vadhūtaś ca nāhaṃ jīvitum utsahe
Ohne die Tochter Videhas befreit und ohne die Feinde im Kampf erschlagen zu haben, meiner Gattin beraubt und verschmäht, habe ich keine Lust mehr zu leben.‘
Wort für Wort
amokṣayitvā vaidehīm ahatvā ca ripūn raṇe hṛtadāro 'vadhūtaś ca nāhaṃ jīvitum utsahe
Ohne die Tochter Videhas befreit und ohne die Feinde im Kampf erschlagen zu haben, meiner Gattin beraubt und verschmäht, habe ich keine Lust mehr zu leben.‘
vicitya dakṣiṇām āśāṃ saparvatavanākarām śrāntāḥ kāle vyatīte sma dṛṣṭavanto mahāguhām
Nachdem wir die südliche Richtung mit ihren Bergen, Wäldern und Minen durchsucht hatten, erschöpft, als die Frist verstrichen war, erblickten wir eine große Höhle.
Wort für Wort
vicitya dakṣiṇām āśāṃ saparvatavanākarām śrāntāḥ kāle vyatīte sma dṛṣṭavanto mahāguhām
Nachdem wir die südliche Richtung mit ihren Bergen, Wäldern und Minen durchsucht hatten, erschöpft, als die Frist verstrichen war, erblickten wir eine große Höhle.
so 'smān atarkayad bhoktum athābhyetya vaco 'bravīt bhoḥ ka eṣa mama bhrātur jaṭāyoḥ kurute kathām
Er gedachte, uns zu verspeisen; dann, näherkommend, fragte er, wer da von seinem Bruder Jaṭāyu erzähle.
Wort für Wort
so 'smān atarkayad bhoktum athābhyetya vaco 'bravīt bhoḥ ka eṣa mama bhrātur jaṭāyoḥ kurute kathām
Er gedachte, uns zu verspeisen; dann, näherkommend, fragte er, wer da von seinem Bruder Jaṭāyu erzähle.
Um innerhalb von Hanumants bereits eingeleiteter Rede keine dritte Zitatebene zu eröffnen, wird Saṃpātis Rede (V. 047-055) als indirekte Rede wiedergegeben.
tato dagdhāv imau pakṣau na dagdhau tu jaṭāyuṣaḥ tadā me ciradṛṣṭaḥ sa bhrātā gṛdhrapatiḥ priyaḥ nirdagdhapakṣaḥ patito hy aham asmin mahāgirau
Darauf seien ihm die Flügel verbrannt worden, doch nicht die Jaṭāyus; seither habe er seinen geliebten Bruder, den Geierfürsten, lange nicht mehr gesehen - mit verbrannten Flügeln sei er auf diesen großen Berg gefallen.
Wort für Wort
tato dagdhāv imau pakṣau na dagdhau tu jaṭāyuṣaḥ tadā me ciradṛṣṭaḥ sa bhrātā gṛdhrapatiḥ priyaḥ nirdagdhapakṣaḥ patito hy aham asmin mahāgirau
Darauf seien ihm die Flügel verbrannt worden, doch nicht die Jaṭāyus; seither habe er seinen geliebten Bruder, den Geierfürsten, lange nicht mehr gesehen - mit verbrannten Flügeln sei er auf diesen großen Berg gefallen.
Als sich niemand entschloss, den Ozean zu überspringen, da rief ich meinen Vater [den Windgott] an und sprang über das große Meer, hundert Yojanas breit, nachdem ich eine Wasser-Rākṣasī erschlagen hatte.
Als sich niemand entschloss, den Ozean zu überspringen, da rief ich meinen Vater [den Windgott] an und sprang über das große Meer, hundert Yojanas breit, nachdem ich eine Wasser-Rākṣasī erschlagen hatte.
Dort wurde Sītā von mir gesehen, im inneren Gemach Rāvaṇas, die Tugendhafte, dem Fasten und der Askese zugetan, nach dem Anblick ihres Gatten verlangend, mit verfilztem Haar, den Körper von Schmutz bedeckt, abgemagert, elend, eine Büßerin.
Dort wurde Sītā von mir gesehen, im inneren Gemach Rāvaṇas, die Tugendhafte, dem Fasten und der Askese zugetan, nach dem Anblick ihres Gatten verlangend, mit verfilztem Haar, den Körper von Schmutz bedeckt, abgemagert, elend, eine Büßerin.
nimittais tām ahaṃ sītām upalabhya pṛthagvidhaiḥ upasṛtyābruvaṃ cāryām abhigamya rahogatām
Nachdem ich jene Sītā an verschiedenen Zeichen erkannt hatte, näherte ich mich der Edlen, die allein war, und sprach zu ihr: dass ich Rāmas Bote sei, ein Affe, der Sohn des Windes,
Wort für Wort
nimittais tām ahaṃ sītām upalabhya pṛthagvidhaiḥ upasṛtyābruvaṃ cāryām abhigamya rahogatām
Nachdem ich jene Sītā an verschiedenen Zeichen erkannt hatte, näherte ich mich der Edlen, die allein war, und sprach zu ihr: dass ich Rāmas Bote sei, ein Affe, der Sohn des Windes,
und zum Beweis erzählte die Tochter Janakas noch diese Geschichte: von dem Grashalm, den du, Tiger unter den Männern, einst auf dem großen Berg Citrakūṭa nach der Krähe geworfen hattest - als Mittel des Wiedererkennens.‘
und zum Beweis erzählte die Tochter Janakas noch diese Geschichte: von dem Grashalm, den du, Tiger unter den Männern, einst auf dem großen Berg Citrakūṭa nach der Krähe geworfen hattest - als Mittel des Wiedererkennens.‘
śrāvayitvā tadātmānaṃ tato dagdhvā ca tāṃ purīm saṃprāpta iti taṃ rāmaḥ priyavādinam arcayat
[So berichtete Hanumant, wie er] sich ihr zu erkennen gegeben, darauf jene Stadt in Brand gesteckt habe und zurückgekehrt sei - so ehrte Rāma ihn, den freundlich Sprechenden.“
Wort für Wort
śrāvayitvā tadātmānaṃ tato dagdhvā ca tāṃ purīm saṃprāpta iti taṃ rāmaḥ priyavādinam arcayat
[So berichtete Hanumant, wie er] sich ihr zu erkennen gegeben, darauf jene Stadt in Brand gesteckt habe und zurückgekehrt sei - so ehrte Rāma ihn, den freundlich Sprechenden.“
Der letzte Vers fasst rückblickend zwei Taten Hanumants zusammen (sich Sītā zu erkennen geben, Laṅkā in Brand stecken), die im hier übersetzten, stark geraffiten Kapitel nicht im Einzelnen berichtet wurden.