Kapitel 12: Kirmīravadhaḥ
Viduras Erzählung von der Tötung des Rākṣasa Kirmīra durch Bhīma
Vidura berichtet Dhṛtarāṣṭra ausführlich, wie der menschenfressende Rākṣasa Kirmīra - Bruder des von Bhīma einst in Ekacakrā getöteten Baka und Freund des von Bhīma getöteten Hiḍimba - den Pāṇḍavas beim nächtlichen Eintritt in den Kāmyaka-Wald den Weg versperrt und Rache für seine Verwandten sucht. In einem gewaltigen Zweikampf, zunächst mit entwurzelten Bäumen, dann mit bloßen Armen, überwältigt und tötet Bhīma den Rākṣasa und befreit den Wald von seiner Bedrohung; die Pāṇḍavas ziehen danach weiter zum Dvaitavana-Wald.
Vidura sprach: „Höre diese Tat Bhīmas, des über-menschliche Taten Vollbringenden, die ich früher schon von ihnen selbst wiederholt in ihren Erzählungen gehört habe.
Vidura sprach: „Höre diese Tat Bhīmas, des über-menschliche Taten Vollbringenden, die ich früher schon von ihnen selbst wiederholt in ihren Erzählungen gehört habe.
Von hier fortgezogen, o Herrscher der Könige, gelangten die im Würfelspiel besiegten Pāṇḍavas in drei Tag- und Nachtperioden zu jenem Wald namens Kāmyaka.
Von hier fortgezogen, o Herrscher der Könige, gelangten die im Würfelspiel besiegten Pāṇḍavas in drei Tag- und Nachtperioden zu jenem Wald namens Kāmyaka.
In der Nacht, zur Mitternachtszeit, als die Hälfte der Nacht verstrichen war, o König, zur Streifzeit der menschenfressenden Rākṣasas von furchtbarem Tun,
In der Nacht, zur Mitternachtszeit, als die Hälfte der Nacht verstrichen war, o König, zur Streifzeit der menschenfressenden Rākṣasas von furchtbarem Tun,
Mit auf die Lippen gebissenen Zähnen, kupferroten Augen, emporlodernden Haaren - wie eine Gewitterwolke mit Sonnenstrahlen, Blitzkranz und Kranichen darin.
Mit auf die Lippen gebissenen Zähnen, kupferroten Augen, emporlodernden Haaren - wie eine Gewitterwolke mit Sonnenstrahlen, Blitzkranz und Kranichen darin.
tasya nādena saṃtrastāḥ pakṣiṇaḥ sarvatodiśam vimuktanādāḥ saṃpetuḥ sthalajā jalajaiḥ saha
Von seinem Gebrüll erschreckt, stürzten die Vögel nach allen Richtungen davon, ihre eigenen Schreie ausstoßend, die Landvögel zusammen mit den Wasservögeln.
Wort für Wort
tasya nādena saṃtrastāḥ pakṣiṇaḥ sarvatodiśam vimuktanādāḥ saṃpetuḥ sthalajā jalajaiḥ saha
Von seinem Gebrüll erschreckt, stürzten die Vögel nach allen Richtungen davon, ihre eigenen Schreie ausstoßend, die Landvögel zusammen mit den Wasservögeln.
tasyoruvātābhihatā tāmrapallavabāhavaḥ vidūrajātāś ca latāḥ samāśliṣyanta pādapān
Von dem starken Windstoß seines Gebrülls getroffen, umschlangen die Schlingpflanzen mit ihren kupferfarbenen Blattarmen, selbst die von fern gewachsenen, die Bäume.
Wort für Wort
tasyoruvātābhihatā tāmrapallavabāhavaḥ vidūrajātāś ca latāḥ samāśliṣyanta pādapān
Von dem starken Windstoß seines Gebrülls getroffen, umschlangen die Schlingpflanzen mit ihren kupferfarbenen Blattarmen, selbst die von fern gewachsenen, die Bäume.
Mit vom Griff Duḥśāsanas noch zerzaustem Haar, inmitten ihrer fünf [Gatten, gleich] Bergen stehend, geriet sie in Verwirrung wie ein Fluss, der sich staut.
Mit vom Griff Duḥśāsanas noch zerzaustem Haar, inmitten ihrer fünf [Gatten, gleich] Bergen stehend, geriet sie in Verwirrung wie ein Fluss, der sich staut.
[Anm.: „pañcaparvatamadhyasthā“, wörtlich „inmitten der fünf Berge stehend“ - ein Bild für die sie umringenden fünf Pāṇḍava-Gatten.]
Als sie dort in Ohnmacht zu fallen drohte, stützten sie die fünf Pāṇḍavas, wie die an den Sinnesobjekten haftenden [fünf] Sinne die Freude stützen.
[Anm.: Ein gelehrtes Gleichnis, das die fünf Brüder mit den fünf Sinnen vergleicht, die gemeinsam das Empfinden von Freude (bzw. hier: Draupadīs Halt) tragen.]
Da vernichtete Dhaumya, der Kraftvolle, jenen furchtbar anzuschauenden, aufgestiegenen Rākṣasa-Zauber mit mancherlei Rākṣasa-vertreibenden, richtig angewandten Zaubersprüchen, vor den Augen der Söhne des Pāṇḍu.
Da vernichtete Dhaumya, der Kraftvolle, jenen furchtbar anzuschauenden, aufgestiegenen Rākṣasa-Zauber mit mancherlei Rākṣasa-vertreibenden, richtig angewandten Zaubersprüchen, vor den Augen der Söhne des Pāṇḍu.
sa naṣṭamāyo 'tibalaḥ krodhavisphāritekṣaṇaḥ kāmamūrtidharaḥ kṣudraḥ kālakalpo vyadṛśyata
Er, dessen Zauber vernichtet war, überaus stark, mit vor Zorn aufgerissenen Augen, seine wahre, nach Belieben wandelbare Gestalt tragend, niederträchtig, dem Tod gleich, wurde nun sichtbar.
Wort für Wort
sa naṣṭamāyo 'tibalaḥ krodhavisphāritekṣaṇaḥ kāmamūrtidharaḥ kṣudraḥ kālakalpo vyadṛśyata
Er, dessen Zauber vernichtet war, überaus stark, mit vor Zorn aufgerissenen Augen, seine wahre, nach Belieben wandelbare Gestalt tragend, niederträchtig, dem Tod gleich, wurde nun sichtbar.
Wer seid ihr, die ihr hierher, zu meiner Speise geworden, gelangt seid? Nachdem ich euch alle im Kampf besiegt habe, werde ich euch sorglos verzehren.“
Wer seid ihr, die ihr hierher, zu meiner Speise geworden, gelangt seid? Nachdem ich euch alle im Kampf besiegt habe, werde ich euch sorglos verzehren.“
vetrakīyagṛhe rājan brāhmaṇacchadmarūpiṇā vidyābalam upāśritya na hy asty asyaurasaṃ balam
im Lande der Vetrakīyas, o König, unter der Verkleidung eines Brahmanen, gestützt auf die Kraft von Zauberkunst - denn eigene, natürliche Körperkraft hat er nicht.
Wort für Wort
vetrakīyagṛhe rājan brāhmaṇacchadmarūpiṇā vidyābalam upāśritya na hy asty asyaurasaṃ balam
im Lande der Vetrakīyas, o König, unter der Verkleidung eines Brahmanen, gestützt auf die Kraft von Zauberkunst - denn eigene, natürliche Körperkraft hat er nicht.
[Anm.: Dies bezieht sich auf die bereits im Ādiparva erzählte Episode von Bakas Tötung durch Bhīma in der Stadt Ekacakrā.]
Und Hiḍimba, mein lieber Freund, ein Waldbewohner, wurde von diesem Bösgesinnten getötet, und seine Schwester wurde ihm einst weggenommen [d.h. sie schloss sich Bhīma an].
Und Hiḍimba, mein lieber Freund, ein Waldbewohner, wurde von diesem Bösgesinnten getötet, und seine Schwester wurde ihm einst weggenommen [d.h. sie schloss sich Bhīma an].
Heute werde ich, meinem Bruder und ebenso meinem Freund die Schuld abgetragen habend, höchste Ruhe finden, wenn ich diesen Dorn im Fleisch der Rākṣasas [Bhīma] getötet habe.
Heute werde ich, meinem Bruder und ebenso meinem Freund die Schuld abgetragen habend, höchste Ruhe finden, wenn ich diesen Dorn im Fleisch der Rākṣasas [Bhīma] getötet habe.
enaṃ hi vipulaprāṇam adya hatvā vṛkodaram saṃbhakṣya jarayiṣyāmi yathāgastyo mahāsuram
Denn nachdem ich diesen Vṛkodara [Bhīma] von gewaltiger Lebenskraft heute getötet habe, werde ich ihn verzehren und verdauen, wie einst Agastya den großen Asura.
Wort für Wort
enaṃ hi vipulaprāṇam adya hatvā vṛkodaram saṃbhakṣya jarayiṣyāmi yathāgastyo mahāsuram
Denn nachdem ich diesen Vṛkodara [Bhīma] von gewaltiger Lebenskraft heute getötet habe, werde ich ihn verzehren und verdauen, wie einst Agastya den großen Asura.
So sprechend, zornentbrannt, den Gürtel straffend, mit der Hand die Hand zermalmend, die Lippen aufeinandergepresst, stürmte der starke Pāṇḍava Bhīma mit dem Baum als Waffe mit Wucht auf ihn zu.
So sprechend, zornentbrannt, den Gürtel straffend, mit der Hand die Hand zermalmend, die Lippen aufeinandergepresst, stürmte der starke Pāṇḍava Bhīma mit dem Baum als Waffe mit Wucht auf ihn zu.
tad vṛkṣayuddham abhavan mahīruhavināśanam vālisugrīvayor bhrātror yathā śrīkāṅkṣiṇoḥ purā
So entstand ein Baumkampf, bei dem die Bäume zerstört wurden, wie einst zwischen den Brüdern Vālin und Sugrīva, die beide nach der Herrschaft trachteten.
Wort für Wort
tad vṛkṣayuddham abhavan mahīruhavināśanam vālisugrīvayor bhrātror yathā śrīkāṅkṣiṇoḥ purā
So entstand ein Baumkampf, bei dem die Bäume zerstört wurden, wie einst zwischen den Brüdern Vālin und Sugrīva, die beide nach der Herrschaft trachteten.
Auf ihre Köpfe fallende Bäume zerbrachen bei beiden auf vielfache Weise, gerade wie Lotos- und Seerosenblüten bei zwei brünstigen Elefanten zerbrechen.
Auf ihre Köpfe fallende Bäume zerbrachen bei beiden auf vielfache Weise, gerade wie Lotos- und Seerosenblüten bei zwei brünstigen Elefanten zerbrechen.
Als er erkannte, dass der Rākṣasa erschlaffte, packte ihn der Sohn des Pāṇḍu rasch mit beiden Armen und tötete ihn mit dem gewaltsamen Tod eines Opfertieres.
Als er erkannte, dass der Rākṣasa erschlaffte, packte ihn der Sohn des Pāṇḍu rasch mit beiden Armen und tötete ihn mit dem gewaltsamen Tod eines Opfertieres.
So sprechend, mit vor Zorn verdrehten Augen, ließ der Beste unter den Männern jenen Rākṣasa, dessen Kleider und Schmuck sich gelöst hatten, der noch zuckte, geistesverwirrt, leblos zurück.
So sprechend, mit vor Zorn verdrehten Augen, ließ der Beste unter den Männern jenen Rākṣasa, dessen Kleider und Schmuck sich gelöst hatten, der noch zuckte, geistesverwirrt, leblos zurück.
tasmin hate toyadatulyarūpe; kṛṣṇāṃ puraskṛtya narendraputrāḥ bhīmaṃ praśasyātha guṇair anekair; hṛṣṭās tato dvaitavanāya jagmuḥ
Nachdem dieser, an Gestalt einer Gewitterwolke gleich, getötet war, zogen die Söhne des Fürsten, Kṛṣṇā [Draupadī] voranstellend, Bhīma mit mancherlei Lobpreisungen ehrend, freudig zum Dvaitavana-Wald weiter.
Wort für Wort
tasmin hate toyadatulyarūpe; kṛṣṇāṃ puraskṛtya narendraputrāḥ bhīmaṃ praśasyātha guṇair anekair; hṛṣṭās tato dvaitavanāya jagmuḥ
Nachdem dieser, an Gestalt einer Gewitterwolke gleich, getötet war, zogen die Söhne des Fürsten, Kṛṣṇā [Draupadī] voranstellend, Bhīma mit mancherlei Lobpreisungen ehrend, freudig zum Dvaitavana-Wald weiter.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er so hörte, wie Kirmīra, der Vornehmste der Rākṣasas, im Kampf erschlagen worden war, seufzte der König, in Nachdenken versunken, kummervoll auf.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als er so hörte, wie Kirmīra, der Vornehmste der Rākṣasas, im Kampf erschlagen worden war, seufzte der König, in Nachdenken versunken, kummervoll auf.