Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 15: Śālvavadhopākhyānam Kṛṣṇas Erzählung vom Krieg gegen Śālva und die Zerstörung der Luftstadt Saubha

Auf Yudhiṣṭhiras Frage erklärt Kṛṣṇa, warum er beim Würfelspiel nicht zugegen war: Śālva, der Herrscher der fliegenden Stadt Saubha, hatte aus Rache für die Tötung seines Verbündeten Śiśupāla Dvārakā während Kṛṣṇas Abwesenheit angegriffen und verwüstet. Kṛṣṇa verfolgte ihn daraufhin, besiegte ihn und seine Dānava-Krieger im Kampf und kehrte erst danach zurück, wo er vom Würfelspiel und dem Unrecht an den Pāṇḍavas erfuhr.

yudhiṣṭhira uvāca asāṃnidhyaṃ kathaṃ kṛṣṇa tavāsīd vṛṣṇinandana kva cāsīd vipravāsas te kiṃ vākārṣīḥ pravāsakaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie kam es, Kṛṣṇa, dass du abwesend warst, o Freude der Vṛṣṇis? Wo war dein Aufenthalt fern von zu Hause, und was hast du dort getan, als Reisender?

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca asāṃnidhyaṃ kathaṃ kṛṣṇa tavāsīd vṛṣṇinandana kva cāsīd vipravāsas te kiṃ vākārṣīḥ pravāsakaḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie kam es, Kṛṣṇa, dass du abwesend warst, o Freude der Vṛṣṇis? Wo war dein Aufenthalt fern von zu Hause, und was hast du dort getan, als Reisender?

kṛṣṇa uvāca śālvasya nagaraṃ saubhaṃ gato 'haṃ bharatarṣabha vinihantuṃ naraśreṣṭha tatra me śṛṇu kāraṇam

Kṛṣṇa sprach: „Zur Stadt Saubha des Śālva bin ich gegangen, o Stier der Bharatas, um sie zu zerstören, du Bester der Menschen; höre den Grund dafür.

Wort für Wort
kṛṣṇa uvāca śālvasya nagaraṃ saubhaṃ gato 'haṃ bharatarṣabha vinihantuṃ naraśreṣṭha tatra me śṛṇu kāraṇam
Kṛṣṇa sprach: „Zur Stadt Saubha des Śālva bin ich gegangen, o Stier der Bharatas, um sie zu zerstören, du Bester der Menschen; höre den Grund dafür.

mahātejā mahābāhur yaḥ sa rājā mahāyaśāḥ damaghoṣātmajo vīraḥ śiśupālo mayā hataḥ

Jener König von großem Glanz, starkarmig, hochberühmt, der Heldensohn des Damaghoṣa, Śiśupāla, wurde von mir erschlagen,

Wort für Wort
mahātejā mahābāhur yaḥ sa rājā mahāyaśāḥ damaghoṣātmajo vīraḥ śiśupālo mayā hataḥ
Jener König von großem Glanz, starkarmig, hochberühmt, der Heldensohn des Damaghoṣa, Śiśupāla, wurde von mir erschlagen,

yajñe te bharataśreṣṭha rājasūye 'rhaṇāṃ prati sa roṣavaśasaṃprāpto nāmṛṣyata durātmavān

bei deinem Opfer, o Bester der Bharatas, dem Rājasūya, wegen der Ehrengabe an mich; von Zorn übermannt, ertrug es der Bösgesinnte nicht.

Wort für Wort
yajñe te bharataśreṣṭha rājasūye 'rhaṇāṃ prati sa roṣavaśasaṃprāpto nāmṛṣyata durātmavān
bei deinem Opfer, o Bester der Bharatas, dem Rājasūya, wegen der Ehrengabe an mich; von Zorn übermannt, ertrug es der Bösgesinnte nicht.

śrutvā taṃ nihataṃ śālvas tīvraroṣasamanvitaḥ upāyād dvārakāṃ śūnyām ihasthe mayi bhārata

Als Śālva hörte, dass jener erschlagen war, von heftigem Zorn erfüllt, zog er gegen das leere Dvārakā, während ich hier weilte, o Bhārata.

Wort für Wort
śrutvā taṃ nihataṃ śālvas tīvraroṣasamanvitaḥ upāyād dvārakāṃ śūnyām ihasthe mayi bhārata
Als Śālva hörte, dass jener erschlagen war, von heftigem Zorn erfüllt, zog er gegen das leere Dvārakā, während ich hier weilte, o Bhārata.

sa tatra yodhito rājan bālakair vṛṣṇipuṃgavaiḥ āgataḥ kāmagaṃ saubham āruhyaiva nṛśaṃsakṛt

Dort wurde er, o König, von den jungen Stieren der Vṛṣṇis bekämpft, er, der grausam Handelnde, der auf dem nach Belieben fliegenden Saubha gekommen war.

Wort für Wort
sa tatra yodhito rājan bālakair vṛṣṇipuṃgavaiḥ āgataḥ kāmagaṃ saubham āruhyaiva nṛśaṃsakṛt
Dort wurde er, o König, von den jungen Stieren der Vṛṣṇis bekämpft, er, der grausam Handelnde, der auf dem nach Belieben fliegenden Saubha gekommen war.

tato vṛṣṇipravīrāṃs tān bālān hatvā bahūṃs tadā purodyānāni sarvāṇi bhedayām āsa durmatiḥ

Da tötete er viele jener jungen Helden der Vṛṣṇis und zerstörte der Bösgesinnte alle Gärten der Stadt.

Wort für Wort
tato vṛṣṇipravīrāṃs tān bālān hatvā bahūṃs tadā purodyānāni sarvāṇi bhedayām āsa durmatiḥ
Da tötete er viele jener jungen Helden der Vṛṣṇis und zerstörte der Bösgesinnte alle Gärten der Stadt.

uktavāṃś ca mahābāho kvāsau vṛṣṇikulādhamaḥ vāsudevaḥ sumandātmā vasudevasuto gataḥ

Und er sprach, Starkarmiger: 'Wo ist er, dieser niedrigste des Vṛṣṇi-Geschlechts, der übel gesinnte Vāsudeva, der Sohn des Vasudeva, hingegangen?'

Wort für Wort
uktavāṃś ca mahābāho kvāsau vṛṣṇikulādhamaḥ vāsudevaḥ sumandātmā vasudevasuto gataḥ
Und er sprach, Starkarmiger: 'Wo ist er, dieser niedrigste des Vṛṣṇi-Geschlechts, der übel gesinnte Vāsudeva, der Sohn des Vasudeva, hingegangen?'

tasya yuddhārthino darpaṃ yuddhe nāśayitāsmy aham ānartāḥ satyam ākhyāta tatra gantāsmi yatra saḥ

'Diesem, der nach Kampf verlangt, werde ich im Kampf seinen Hochmut zerstören. Ihr Ānartas, sagt mir die Wahrheit, dorthin will ich gehen, wo er ist.'

Wort für Wort
tasya yuddhārthino darpaṃ yuddhe nāśayitāsmy aham ānartāḥ satyam ākhyāta tatra gantāsmi yatra saḥ
'Diesem, der nach Kampf verlangt, werde ich im Kampf seinen Hochmut zerstören. Ihr Ānartas, sagt mir die Wahrheit, dorthin will ich gehen, wo er ist.'

taṃ hatvā vinivartiṣye kaṃsakeśiniṣūdanam ahatvā na nivartiṣye satyenāyudham ālabhe

'Erst nachdem ich ihn, den Töter des Kaṃsa und des Keśin, erschlagen habe, werde ich umkehren; ohne ihn zu töten, werde ich nicht umkehren - bei der Wahrheit berühre ich meine Waffe.'

Wort für Wort
taṃ hatvā vinivartiṣye kaṃsakeśiniṣūdanam ahatvā na nivartiṣye satyenāyudham ālabhe
'Erst nachdem ich ihn, den Töter des Kaṃsa und des Keśin, erschlagen habe, werde ich umkehren; ohne ihn zu töten, werde ich nicht umkehren - bei der Wahrheit berühre ich meine Waffe.'

kvāsau kvāsāv iti punas tatra tatra vidhāvati mayā kila raṇe yuddhaṃ kāṅkṣamāṇaḥ sa saubharāṭ

'Wo ist er, wo ist er?' - so lief immer wieder hierhin und dorthin jener Herrscher von Saubha, mit mir im Kampf zu kämpfen begehrend.

Wort für Wort
kvāsau kvāsāv iti punas tatra tatra vidhāvati mayā kila raṇe yuddhaṃ kāṅkṣamāṇaḥ sa saubharāṭ
'Wo ist er, wo ist er?' - so lief immer wieder hierhin und dorthin jener Herrscher von Saubha, mit mir im Kampf zu kämpfen begehrend.

adya taṃ pāpakarmāṇaṃ kṣudraṃ viśvāsaghātinam śiśupālavadhāmarṣād gamayiṣye yamakṣayam

'Heute werde ich diesen Übeltäter, den Niederträchtigen, den Vertrauensbrecher, aus Groll über Śiśupālas Tötung, zur Wohnstatt des Yama schicken.'

Wort für Wort
adya taṃ pāpakarmāṇaṃ kṣudraṃ viśvāsaghātinam śiśupālavadhāmarṣād gamayiṣye yamakṣayam
'Heute werde ich diesen Übeltäter, den Niederträchtigen, den Vertrauensbrecher, aus Groll über Śiśupālas Tötung, zur Wohnstatt des Yama schicken.'

mama pāpasvabhāvena bhrātā yena nipātitaḥ śiśupālo mahīpālas taṃ vadhiṣye mahītale

'Ihn, durch dessen böse Natur mein Bruder, der Herrscher Śiśupāla, zu Fall gebracht wurde, den werde ich auf Erden töten.'

Wort für Wort
mama pāpasvabhāvena bhrātā yena nipātitaḥ śiśupālo mahīpālas taṃ vadhiṣye mahītale
'Ihn, durch dessen böse Natur mein Bruder, der Herrscher Śiśupāla, zu Fall gebracht wurde, den werde ich auf Erden töten.'

bhrātā bālaś ca rājā ca na ca saṃgrāmamūrdhani pramattaś ca hato vīras taṃ haniṣye janārdanam

'Mein Bruder, noch jung, ein König, und nicht an der Spitze der Schlacht, unachtsam, wurde er, der Held, getötet - diesen Janārdana werde ich töten.'

Wort für Wort
bhrātā bālaś ca rājā ca na ca saṃgrāmamūrdhani pramattaś ca hato vīras taṃ haniṣye janārdanam
'Mein Bruder, noch jung, ein König, und nicht an der Spitze der Schlacht, unachtsam, wurde er, der Held, getötet - diesen Janārdana werde ich töten.'

evamādi mahārāja vilapya divam āsthitaḥ kāmagena sa saubhena kṣiptvā māṃ kurunandana

So und Ähnliches klagend, o Großkönig, erhob er sich, nachdem er mich derart geschmäht hatte, mit dem nach Belieben fliegenden Saubha in den Himmel, o Freude der Kurus.

Wort für Wort
evamādi mahārāja vilapya divam āsthitaḥ kāmagena sa saubhena kṣiptvā māṃ kurunandana
So und Ähnliches klagend, o Großkönig, erhob er sich, nachdem er mich derart geschmäht hatte, mit dem nach Belieben fliegenden Saubha in den Himmel, o Freude der Kurus.

[Anm.: „kṣiptvā māṃ“, wörtlich „mich geworfen/geschmäht habend“, ist knapp; gemeint ist wohl eine verbale Schmähung Śālvas gegen den abwesenden Kṛṣṇa.]

tam aśrauṣam ahaṃ gatvā yathā vṛttaḥ sudurmatiḥ mayi kauravya duṣṭātmā mārttikāvatako nṛpaḥ

Ich hörte, nachdem ich dorthin gegangen war, wie sich jener sehr übelgesinnte, bösartige König der Mārttikāvatas gegen mich verhalten hatte, o Kaurava.

Wort für Wort
tam aśrauṣam ahaṃ gatvā yathā vṛttaḥ sudurmatiḥ mayi kauravya duṣṭātmā mārttikāvatako nṛpaḥ
Ich hörte, nachdem ich dorthin gegangen war, wie sich jener sehr übelgesinnte, bösartige König der Mārttikāvatas gegen mich verhalten hatte, o Kaurava.

tato 'ham api kauravya roṣavyākulalocanaḥ niścitya manasā rājan vadhāyāsya mano dadhe

Darauf richtete auch ich, o Kaurava, mit vor Zorn verwirrten Augen, entschlossenen Sinnes, o König, meinen Geist auf seine Tötung,

Wort für Wort
tato 'ham api kauravya roṣavyākulalocanaḥ niścitya manasā rājan vadhāyāsya mano dadhe
Darauf richtete auch ich, o Kaurava, mit vor Zorn verwirrten Augen, entschlossenen Sinnes, o König, meinen Geist auf seine Tötung,

ānarteṣu vimardaṃ ca kṣepaṃ cātmani kaurava pravṛddham avalepaṃ ca tasya duṣkṛtakarmaṇaḥ

wegen der Verwüstung in den Ānarta-Landen, der Schmähung gegen mich selbst, o Kaurava, und wegen des angewachsenen Hochmuts jenes Übeltäters.

Wort für Wort
ānarteṣu vimardaṃ ca kṣepaṃ cātmani kaurava pravṛddham avalepaṃ ca tasya duṣkṛtakarmaṇaḥ
wegen der Verwüstung in den Ānarta-Landen, der Schmähung gegen mich selbst, o Kaurava, und wegen des angewachsenen Hochmuts jenes Übeltäters.

tataḥ saubhavadhāyāhaṃ pratasthe pṛthivīpate sa mayā sāgarāvarte dṛṣṭa āsīt parīpsatā

Darauf brach ich auf, um Saubha zu vernichten, o Herrscher der Erde; er wurde von mir, der ich ihn suchte, an einem Meeresstrudel erblickt.

Wort für Wort
tataḥ saubhavadhāyāhaṃ pratasthe pṛthivīpate sa mayā sāgarāvarte dṛṣṭa āsīt parīpsatā
Darauf brach ich auf, um Saubha zu vernichten, o Herrscher der Erde; er wurde von mir, der ich ihn suchte, an einem Meeresstrudel erblickt.

tataḥ pradhmāpya jalajaṃ pāñcajanyam ahaṃ nṛpa āhūya śālvaṃ samare yuddhāya samavasthitaḥ

Darauf, nachdem ich mein aus dem Wasser stammendes Muschelhorn Pāñcajanya geblasen hatte, forderte ich Śālva heraus, o König, und stellte mich zum Kampf.

Wort für Wort
tataḥ pradhmāpya jalajaṃ pāñcajanyam ahaṃ nṛpa āhūya śālvaṃ samare yuddhāya samavasthitaḥ
Darauf, nachdem ich mein aus dem Wasser stammendes Muschelhorn Pāñcajanya geblasen hatte, forderte ich Śālva heraus, o König, und stellte mich zum Kampf.

sumuhūrtam abhūd yuddhaṃ tatra me dānavaiḥ saha vaśībhūtāś ca me sarve bhūtale ca nipātitāḥ

Eine gute Weile dauerte dort mein Kampf mit den Dānavas; alle wurden mir untertan gemacht und zu Boden gestreckt.

Wort für Wort
sumuhūrtam abhūd yuddhaṃ tatra me dānavaiḥ saha vaśībhūtāś ca me sarve bhūtale ca nipātitāḥ
Eine gute Weile dauerte dort mein Kampf mit den Dānavas; alle wurden mir untertan gemacht und zu Boden gestreckt.

etat kāryaṃ mahābāho yenāhaṃ nāgamaṃ tadā śrutvaiva hāstinapuraṃ dyūtaṃ cāvinayotthitam

Dies war die Aufgabe, Starkarmiger, weswegen ich damals nicht kam, sobald ich von Hāstinapura und dem aus Unrecht entstandenen Würfelspiel gehört hatte.“

Wort für Wort
etat kāryaṃ mahābāho yenāhaṃ nāgamaṃ tadā śrutvaiva hāstinapuraṃ dyūtaṃ cāvinayotthitam
Dies war die Aufgabe, Starkarmiger, weswegen ich damals nicht kam, sobald ich von Hāstinapura und dem aus Unrecht entstandenen Würfelspiel gehört hatte.“

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