Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 197: Kauśikopākhyānam Die Erzählung von Kauśika und der treuen Gattin

Mārkaṇḍeya erzählt die Geschichte des Brahmanen Kauśika, der aus Zorn einen Kranich mit seinem Blick verbrennt und daraufhin bei einer Frau um Almosen bittet, die ihn warten lässt, weil sie zuerst ihrem heimgekehrten, hungrigen Gatten dient. Als Kauśika sie deswegen tadelt, erklärt sie ihm in einer langen Lehrrede die höchste Pflicht der Gattin gegenüber ihrem Ehemann-als-Gottheit, warnt vor der Gefahr des Zorns selbst für Brahmanen und verweist ihn, da sie – ohne es gesehen zu haben – bereits von dem verbrannten Kranich weiß, an einen im Dharma noch kundigeren Jäger in Mithilā, womit die berühmte Vyādha-Gītā (die Lehre des Jägers) eingeleitet wird.

mārkaṇḍeya uvāca kaś cid dvijātipravaro vedādhyāyī tapodhanaḥ tapasvī dharmaśīlaś ca kauśiko nāma bhārata

Mārkaṇḍeya sprach: „Es gab einst einen vorzüglichen Zweifachgeborenen, einen Vedastudierenden, in Askese reich, einen Asketen von frommem Wandel, namens Kauśika, o Bhārata.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca kaś cid dvijātipravaro vedādhyāyī tapodhanaḥ tapasvī dharmaśīlaś ca kauśiko nāma bhārata
Mārkaṇḍeya sprach: „Es gab einst einen vorzüglichen Zweifachgeborenen, einen Vedastudierenden, in Askese reich, einen Asketen von frommem Wandel, namens Kauśika, o Bhārata.

Dieser Kauśika ist ein anderer als der berühmte Weise Viśvāmitra, der denselben Beinamen trägt.

sāṅgopaniṣadān vedān adhīte dvijasattamaḥ sa vṛkṣamūle kasmiṃś cid vedān uccārayan sthitaḥ

Er, der Beste der Zweifachgeborenen, studierte die Veden samt ihren Glied-Texten und Upaniṣaden; unter einem gewissen Baum stehend, rezitierte er die Veden.

Wort für Wort
sāṅgopaniṣadān vedān adhīte dvijasattamaḥ sa vṛkṣamūle kasmiṃś cid vedān uccārayan sthitaḥ
Er, der Beste der Zweifachgeborenen, studierte die Veden samt ihren Glied-Texten und Upaniṣaden; unter einem gewissen Baum stehend, rezitierte er die Veden.

upariṣṭāc ca vṛkṣasya balākā saṃnyalīyata tayā purīṣam utsṛṣṭaṃ brāhmaṇasya tadopari

Oben auf dem Baum aber hockte ein Kranich; von ihm fiel Kot auf den Brahmanen herab.

Wort für Wort
upariṣṭāc ca vṛkṣasya balākā saṃnyalīyata tayā purīṣam utsṛṣṭaṃ brāhmaṇasya tadopari
Oben auf dem Baum aber hockte ein Kranich; von ihm fiel Kot auf den Brahmanen herab.

tām avekṣya tataḥ kruddhaḥ samapadhyāyata dvijaḥ bhṛśaṃ krodhābhibhūtena balākā sā nirīkṣitā

Als er dies erblickte, wurde der Zweifachgeborene zornig und betrachtete ihn nachdenklich; von heftigem Zorn überwältigt, wurde jener Kranich von ihm fixiert angeschaut.

Wort für Wort
tām avekṣya tataḥ kruddhaḥ samapadhyāyata dvijaḥ bhṛśaṃ krodhābhibhūtena balākā sā nirīkṣitā
Als er dies erblickte, wurde der Zweifachgeborene zornig und betrachtete ihn nachdenklich; von heftigem Zorn überwältigt, wurde jener Kranich von ihm fixiert angeschaut.

apadhyātā ca vipreṇa nyapatad vasudhātale balākāṃ patitāṃ dṛṣṭvā gatasattvām acetanām kāruṇyād abhisaṃtaptaḥ paryaśocata tāṃ dvijaḥ

Vom Brahmanen mit bösem Blick bedacht, fiel er zu Boden; als er den Kranich gefallen sah, ohne Lebenskraft, bewusstlos, wurde der Zweifachgeborene von Mitleid ergriffen und beklagte ihn schmerzerfüllt.

Wort für Wort
apadhyātā ca vipreṇa nyapatad vasudhātale balākāṃ patitāṃ dṛṣṭvā gatasattvām acetanām kāruṇyād abhisaṃtaptaḥ paryaśocata tāṃ dvijaḥ
Vom Brahmanen mit bösem Blick bedacht, fiel er zu Boden; als er den Kranich gefallen sah, ohne Lebenskraft, bewusstlos, wurde der Zweifachgeborene von Mitleid ergriffen und beklagte ihn schmerzerfüllt.

akāryaṃ kṛtavān asmi rāgadveṣabalātkṛtaḥ ity uktvā bahuśo vidvān grāmaṃ bhaikṣāya saṃśritaḥ

‚Eine Untat habe ich begangen, von Leidenschaft und Hass überwältigt‘, so sprach der Gelehrte wiederholt und begab sich zum Dorf, um Almosen zu erbitten.

Wort für Wort
akāryaṃ kṛtavān asmi rāgadveṣabalātkṛtaḥ ity uktvā bahuśo vidvān grāmaṃ bhaikṣāya saṃśritaḥ
‚Eine Untat habe ich begangen, von Leidenschaft und Hass überwältigt‘, so sprach der Gelehrte wiederholt und begab sich zum Dorf, um Almosen zu erbitten.

grāme śucīni pracaran kulāni bharatarṣabha praviṣṭas tat kulaṃ yatra pūrvaṃ caritavāṃs tu saḥ

Im Dorf umherziehend, reine Häuser aufsuchend, o Stier der Bharatas, betrat er jenes Haus, wo er zuvor schon Almosen erhalten hatte.

Wort für Wort
grāme śucīni pracaran kulāni bharatarṣabha praviṣṭas tat kulaṃ yatra pūrvaṃ caritavāṃs tu saḥ
Im Dorf umherziehend, reine Häuser aufsuchend, o Stier der Bharatas, betrat er jenes Haus, wo er zuvor schon Almosen erhalten hatte.

dehīti yācamāno vai tiṣṭhety uktaḥ striyā tataḥ śaucaṃ tu yāvat kurute bhājanasya kuṭumbinī

‚Gib mir‘, bat er; ‚Warte‘, wurde ihm von der Frau gesagt, während die Hausherrin gerade das Gefäß reinigte.

Wort für Wort
dehīti yācamāno vai tiṣṭhety uktaḥ striyā tataḥ śaucaṃ tu yāvat kurute bhājanasya kuṭumbinī
‚Gib mir‘, bat er; ‚Warte‘, wurde ihm von der Frau gesagt, während die Hausherrin gerade das Gefäß reinigte.

etasminn antare rājan kṣudhāsaṃpīḍito bhṛśam bhartā praviṣṭaḥ sahasā tasyā bharatasattama

In diesem Augenblick aber, o König, trat plötzlich ihr von Hunger heftig geplagter Gatte ein, o Bester der Bharatas.

Wort für Wort
etasminn antare rājan kṣudhāsaṃpīḍito bhṛśam bhartā praviṣṭaḥ sahasā tasyā bharatasattama
In diesem Augenblick aber, o König, trat plötzlich ihr von Hunger heftig geplagter Gatte ein, o Bester der Bharatas.

sā tu dṛṣṭvā patiṃ sādhvī brāhmaṇaṃ vyapahāya tam pādyam ācamanīyaṃ ca dadau bhartre tathāsanam

Als sie, die Tugendhafte, ihren Gatten erblickte, ließ sie den Brahmanen zurück und reichte ihrem Gatten Wasser für die Füße, Wasser zum Spülen des Mundes und einen Sitz.

Wort für Wort
sā tu dṛṣṭvā patiṃ sādhvī brāhmaṇaṃ vyapahāya tam pādyam ācamanīyaṃ ca dadau bhartre tathāsanam
Als sie, die Tugendhafte, ihren Gatten erblickte, ließ sie den Brahmanen zurück und reichte ihrem Gatten Wasser für die Füße, Wasser zum Spülen des Mundes und einen Sitz.

prahvā paryacarac cāpi bhartāram asitekṣaṇā āhāreṇātha bhakṣyaiś ca vākyaiḥ sumadhurais tathā

Ehrfürchtig geneigt bediente sie ihren Gatten, die Schwarzäugige, mit Speise und Genussmitteln sowie mit überaus süßen Worten.

Wort für Wort
prahvā paryacarac cāpi bhartāram asitekṣaṇā āhāreṇātha bhakṣyaiś ca vākyaiḥ sumadhurais tathā
Ehrfürchtig geneigt bediente sie ihren Gatten, die Schwarzäugige, mit Speise und Genussmitteln sowie mit überaus süßen Worten.

ucchiṣṭaṃ bhuñjate bhartuḥ sā tu nityaṃ yudhiṣṭhira daivataṃ ca patiṃ mene bhartuś cittānusāriṇī

Die Reste ihres Gatten aß sie stets, o Yudhiṣṭhira, und hielt ihren Gatten für eine Gottheit, seinem Willen sich fügend.

Wort für Wort
ucchiṣṭaṃ bhuñjate bhartuḥ sā tu nityaṃ yudhiṣṭhira daivataṃ ca patiṃ mene bhartuś cittānusāriṇī
Die Reste ihres Gatten aß sie stets, o Yudhiṣṭhira, und hielt ihren Gatten für eine Gottheit, seinem Willen sich fügend.

na karmaṇā na manasā nātyaśnān nāpi cāpibat taṃ sarvabhāvopagatā patiśuśrūṣaṇe ratā

Weder in Tat noch in Gedanken aß oder trank sie mehr als er; mit ganzem Herzen ihm zugewandt, war sie einzig dem Dienst am Gatten hingegeben.

Wort für Wort
na karmaṇā na manasā nātyaśnān nāpi cāpibat taṃ sarvabhāvopagatā patiśuśrūṣaṇe ratā
Weder in Tat noch in Gedanken aß oder trank sie mehr als er; mit ganzem Herzen ihm zugewandt, war sie einzig dem Dienst am Gatten hingegeben.

sādhvācārā śucir dakṣā kuṭumbasya hitaiṣiṇī bhartuś cāpi hitaṃ yat tat satataṃ sānuvartate

Von gutem Wandel, rein, geschickt, dem Wohl der Familie zugetan, folgte sie auch stets dem, was ihrem Gatten zuträglich war.

Wort für Wort
sādhvācārā śucir dakṣā kuṭumbasya hitaiṣiṇī bhartuś cāpi hitaṃ yat tat satataṃ sānuvartate
Von gutem Wandel, rein, geschickt, dem Wohl der Familie zugetan, folgte sie auch stets dem, was ihrem Gatten zuträglich war.

devatātithibhṛtyānāṃ śvaśrūśvaśurayos tathā śuśrūṣaṇaparā nityaṃ satataṃ saṃyatendriyā

Den Göttern, Gästen und Dienern, ebenso Schwiegermutter und Schwiegervater diente sie stets aufmerksam, ihre Sinne stets gezügelt.

Wort für Wort
devatātithibhṛtyānāṃ śvaśrūśvaśurayos tathā śuśrūṣaṇaparā nityaṃ satataṃ saṃyatendriyā
Den Göttern, Gästen und Dienern, ebenso Schwiegermutter und Schwiegervater diente sie stets aufmerksam, ihre Sinne stets gezügelt.

sā brāhmaṇaṃ tadā dṛṣṭvā saṃsthitaṃ bhaikṣakāṅkṣiṇam kurvatī patiśuśrūṣāṃ sasmārātha śubhekṣaṇā

Sie nun, als sie den Brahmanen erblickte, der wartend nach dem Almosen verlangte, während sie ihrem Gatten diente, erinnerte sich an ihn, die Holdäugige.

Wort für Wort
sā brāhmaṇaṃ tadā dṛṣṭvā saṃsthitaṃ bhaikṣakāṅkṣiṇam kurvatī patiśuśrūṣāṃ sasmārātha śubhekṣaṇā
Sie nun, als sie den Brahmanen erblickte, der wartend nach dem Almosen verlangte, während sie ihrem Gatten diente, erinnerte sich an ihn, die Holdäugige.

vrīḍitā sābhavat sādhvī tadā bharatasattama bhikṣām ādāya viprāya nirjagāma yaśasvinī

Beschämt war da die Tugendhafte, o Bester der Bharatas; die Ruhmreiche nahm die Almosenspeise und trat hinaus zu dem Brahmanen.

Wort für Wort
vrīḍitā sābhavat sādhvī tadā bharatasattama bhikṣām ādāya viprāya nirjagāma yaśasvinī
Beschämt war da die Tugendhafte, o Bester der Bharatas; die Ruhmreiche nahm die Almosenspeise und trat hinaus zu dem Brahmanen.

brāhmaṇa uvāca kim idaṃ bhavati tvaṃ māṃ tiṣṭhety uktvā varāṅgane uparodhaṃ kṛtavatī na visarjitavaty asi

Der Brahmane sprach: ‚Was soll das bedeuten, du Vortreffliche? Nachdem du mir gesagt hast: Warte, hast du mich aufgehalten und nicht entlassen!‘

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca kim idaṃ bhavati tvaṃ māṃ tiṣṭhety uktvā varāṅgane uparodhaṃ kṛtavatī na visarjitavaty asi
Der Brahmane sprach: ‚Was soll das bedeuten, du Vortreffliche? Nachdem du mir gesagt hast: Warte, hast du mich aufgehalten und nicht entlassen!‘

mārkaṇḍeya uvāca brāhmaṇaṃ krodhasaṃtaptaṃ jvalantam iva tejasā dṛṣṭvā sādhvī manuṣyendra sāntvapūrvaṃ vaco 'bravīt

Mārkaṇḍeya sprach: Als sie den Brahmanen erblickte, zornentbrannt, gleichsam vor Glut lodernd, sprach die Tugendhafte, o Herrscher der Menschen, zunächst besänftigende Worte:

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca brāhmaṇaṃ krodhasaṃtaptaṃ jvalantam iva tejasā dṛṣṭvā sādhvī manuṣyendra sāntvapūrvaṃ vaco 'bravīt
Mārkaṇḍeya sprach: Als sie den Brahmanen erblickte, zornentbrannt, gleichsam vor Glut lodernd, sprach die Tugendhafte, o Herrscher der Menschen, zunächst besänftigende Worte:

kṣantum arhasi me vipra bhartā me daivataṃ mahat sa cāpi kṣudhitaḥ śrāntaḥ prāptaḥ śuśrūṣito mayā

‚Du solltest mir verzeihen, Weiser; mein Gatte ist meine große Gottheit, und er kam hungrig und erschöpft an – ich habe ihm gedient.‘

Wort für Wort
kṣantum arhasi me vipra bhartā me daivataṃ mahat sa cāpi kṣudhitaḥ śrāntaḥ prāptaḥ śuśrūṣito mayā
‚Du solltest mir verzeihen, Weiser; mein Gatte ist meine große Gottheit, und er kam hungrig und erschöpft an – ich habe ihm gedient.‘

brāhmaṇa uvāca brāhmaṇā na garīyāṃso garīyāṃs te patiḥ kṛtaḥ gṛhasthadharme vartantī brāhmaṇān avamanyase

Der Brahmane sprach: ‚Nicht sind Brahmanen von größerem Gewicht – zu größerem Gewicht hast du deinen Gatten gemacht! Im Haushalts-Dharma verweilend, verachtest du die Brahmanen.

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca brāhmaṇā na garīyāṃso garīyāṃs te patiḥ kṛtaḥ gṛhasthadharme vartantī brāhmaṇān avamanyase
Der Brahmane sprach: ‚Nicht sind Brahmanen von größerem Gewicht – zu größerem Gewicht hast du deinen Gatten gemacht! Im Haushalts-Dharma verweilend, verachtest du die Brahmanen.

indro 'py eṣāṃ praṇamate kiṃ punar mānuṣā bhuvi avalipte na jānīṣe vṛddhānāṃ na śrutaṃ tvayā brāhmaṇā hy agnisadṛśā daheyuḥ pṛthivīm api

Selbst Indra verneigt sich vor ihnen – wie viel mehr die Menschen auf Erden! Aufgeblasen erkennst du dies nicht; von den Alten hast du nichts gehört: Brahmanen können, dem Feuer gleich, sogar die Erde verbrennen.‘

Wort für Wort
indro 'py eṣāṃ praṇamate kiṃ punar mānuṣā bhuvi avalipte na jānīṣe vṛddhānāṃ na śrutaṃ tvayā brāhmaṇā hy agnisadṛśā daheyuḥ pṛthivīm api
Selbst Indra verneigt sich vor ihnen – wie viel mehr die Menschen auf Erden! Aufgeblasen erkennst du dies nicht; von den Alten hast du nichts gehört: Brahmanen können, dem Feuer gleich, sogar die Erde verbrennen.‘

stry uvāca nāvajānāmy ahaṃ viprān devais tulyān manasvinaḥ aparādham imaṃ vipra kṣantum arhasi me 'nagha

Die Frau sprach: ‚Ich verachte nicht die Brahmanen, die den Göttern gleich, von hohem Sinn sind; diesen meinen Fehler solltest du mir verzeihen, du makelloser Weiser.

Wort für Wort
stry uvāca nāvajānāmy ahaṃ viprān devais tulyān manasvinaḥ aparādham imaṃ vipra kṣantum arhasi me 'nagha
Die Frau sprach: ‚Ich verachte nicht die Brahmanen, die den Göttern gleich, von hohem Sinn sind; diesen meinen Fehler solltest du mir verzeihen, du makelloser Weiser.

jānāmi tejo viprāṇāṃ mahābhāgyaṃ ca dhīmatām apeyaḥ sāgaraḥ krodhāt kṛto hi lavaṇodakaḥ

Ich kenne den Glanz der Brahmanen und das große Verdienst der Weisen: Untrinkbar wurde das Meer, salzig gemacht aus Zorn,

Wort für Wort
jānāmi tejo viprāṇāṃ mahābhāgyaṃ ca dhīmatām apeyaḥ sāgaraḥ krodhāt kṛto hi lavaṇodakaḥ
Ich kenne den Glanz der Brahmanen und das große Verdienst der Weisen: Untrinkbar wurde das Meer, salzig gemacht aus Zorn,

tathaiva dīptatapasāṃ munīnāṃ bhāvitātmanām yeṣāṃ krodhāgnir adyāpi daṇḍake nopaśāmyati

ebenso durch den Zorn der leuchtend-asketischen Weisen von geläuterter Seele, deren Zornesfeuer noch heute in Daṇḍaka nicht erloschen ist.

Wort für Wort
tathaiva dīptatapasāṃ munīnāṃ bhāvitātmanām yeṣāṃ krodhāgnir adyāpi daṇḍake nopaśāmyati
ebenso durch den Zorn der leuchtend-asketischen Weisen von geläuterter Seele, deren Zornesfeuer noch heute in Daṇḍaka nicht erloschen ist.

brāhmaṇānāṃ paribhavād vātāpiś ca durātmavān agastyam ṛṣim āsādya jīrṇaḥ krūro mahāsuraḥ

Wegen der Missachtung der Brahmanen wurde der bösartige Vātāpi, nachdem er den Weisen Agastya angegriffen hatte, verdaut, der grausame große Asura.

Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ paribhavād vātāpiś ca durātmavān agastyam ṛṣim āsādya jīrṇaḥ krūro mahāsuraḥ
Wegen der Missachtung der Brahmanen wurde der bösartige Vātāpi, nachdem er den Weisen Agastya angegriffen hatte, verdaut, der grausame große Asura.

prabhāvā bahavaś cāpi śrūyante brahmavādinām krodhaḥ suvipulo brahman prasādaś ca mahātmanām

Viele Machterweise der Brahman-Kenner werden berichtet: überaus gewaltiger Zorn, aber auch Gnade der Hochgesinnten, o Brahmane.

Wort für Wort
prabhāvā bahavaś cāpi śrūyante brahmavādinām krodhaḥ suvipulo brahman prasādaś ca mahātmanām
Viele Machterweise der Brahman-Kenner werden berichtet: überaus gewaltiger Zorn, aber auch Gnade der Hochgesinnten, o Brahmane.

asmiṃs tv atikrame brahman kṣantum arhasi me 'nagha patiśuśrūṣayā dharmo yaḥ sa me rocate dvija

Für diese meine Übertretung solltest du mir verzeihen, du makelloser Brahmane; der Dharma des Dienstes am Gatten ist es, der mir gefällt, du Zweifachgeborener.

Wort für Wort
asmiṃs tv atikrame brahman kṣantum arhasi me 'nagha patiśuśrūṣayā dharmo yaḥ sa me rocate dvija
Für diese meine Übertretung solltest du mir verzeihen, du makelloser Brahmane; der Dharma des Dienstes am Gatten ist es, der mir gefällt, du Zweifachgeborener.

daivateṣv api sarveṣu bhartā me daivataṃ param aviśeṣeṇa tasyāhaṃ kuryāṃ dharmaṃ dvijottama

Unter allen Gottheiten ist mein Gatte für mich die höchste Gottheit; ihm gegenüber, ohne Unterschied, will ich meinen Dharma erfüllen, du Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
daivateṣv api sarveṣu bhartā me daivataṃ param aviśeṣeṇa tasyāhaṃ kuryāṃ dharmaṃ dvijottama
Unter allen Gottheiten ist mein Gatte für mich die höchste Gottheit; ihm gegenüber, ohne Unterschied, will ich meinen Dharma erfüllen, du Bester der Zweifachgeborenen.

śuśrūṣāyāḥ phalaṃ paśya patyur brāhmaṇa yādṛśam balākā hi tvayā dagdhā roṣāt tad viditaṃ mama

Sieh die Frucht des Dienstes, wie sie beim Gatten aussieht, o Brahmane: Der Kranich wurde von dir aus Zorn verbrannt – das ist mir bekannt.

Wort für Wort
śuśrūṣāyāḥ phalaṃ paśya patyur brāhmaṇa yādṛśam balākā hi tvayā dagdhā roṣāt tad viditaṃ mama
Sieh die Frucht des Dienstes, wie sie beim Gatten aussieht, o Brahmane: Der Kranich wurde von dir aus Zorn verbrannt – das ist mir bekannt.

krodhaḥ śatruḥ śarīrastho manuṣyāṇāṃ dvijottama yaḥ krodhamohau tyajati taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ

Der Zorn ist der im Körper wohnende Feind der Menschen, du Bester der Zweifachgeborenen; wer Zorn und Verblendung ablegt, den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

Wort für Wort
krodhaḥ śatruḥ śarīrastho manuṣyāṇāṃ dvijottama yaḥ krodhamohau tyajati taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ
Der Zorn ist der im Körper wohnende Feind der Menschen, du Bester der Zweifachgeborenen; wer Zorn und Verblendung ablegt, den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

yo vaded iha satyāni guruṃ saṃtoṣayeta ca hiṃsitaś ca na hiṃseta taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ

Wer hier Wahrheiten spricht und seinen Lehrer zufriedenstellt, und, selbst verletzt, nicht verletzt – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

Wort für Wort
yo vaded iha satyāni guruṃ saṃtoṣayeta ca hiṃsitaś ca na hiṃseta taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ
Wer hier Wahrheiten spricht und seinen Lehrer zufriedenstellt, und, selbst verletzt, nicht verletzt – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

jitendriyo dharmaparaḥ svādhyāyanirataḥ śuciḥ kāmakrodhau vaśe yasya taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ

Wer seine Sinne bezwungen hat, dem Dharma zugetan, dem eigenen Studium hingegeben, rein ist, dessen Begierde und Zorn bezähmt sind – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

Wort für Wort
jitendriyo dharmaparaḥ svādhyāyanirataḥ śuciḥ kāmakrodhau vaśe yasya taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ
Wer seine Sinne bezwungen hat, dem Dharma zugetan, dem eigenen Studium hingegeben, rein ist, dessen Begierde und Zorn bezähmt sind – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

yasya cātmasamo loko dharmajñasya manasvinaḥ sarvadharmeṣu ca ratas taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ

Wessen Welt dem eigenen Selbst gleicht, der den Dharma kennt und hochgesinnt ist, der an allen Dharmas Freude hat – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

Wort für Wort
yasya cātmasamo loko dharmajñasya manasvinaḥ sarvadharmeṣu ca ratas taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ
Wessen Welt dem eigenen Selbst gleicht, der den Dharma kennt und hochgesinnt ist, der an allen Dharmas Freude hat – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

yo 'dhyāpayed adhīyīta yajed vā yājayīta vā dadyād vāpi yathāśakti taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ

Wer lehrt oder lernt, opfert oder andere opfern lässt, oder auch gibt, soweit es ihm möglich ist – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

Wort für Wort
yo 'dhyāpayed adhīyīta yajed vā yājayīta vā dadyād vāpi yathāśakti taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ
Wer lehrt oder lernt, opfert oder andere opfern lässt, oder auch gibt, soweit es ihm möglich ist – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

brahmacārī ca vedānyo adhīyīta dvijottamaḥ svādhyāye cāpramatto vai taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ

Wer als Bester der Zweifachgeborenen als Brahmacārin die Veden studiert und im eigenen Studium unermüdlich ist – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

Wort für Wort
brahmacārī ca vedānyo adhīyīta dvijottamaḥ svādhyāye cāpramatto vai taṃ devā brāhmaṇaṃ viduḥ
Wer als Bester der Zweifachgeborenen als Brahmacārin die Veden studiert und im eigenen Studium unermüdlich ist – den kennen die Götter als wahren Brahmanen.

yad brāhmaṇānāṃ kuśalaṃ tad eṣāṃ parikīrtayet satyaṃ tathā vyāharatāṃ nānṛte ramate manaḥ

Was den Brahmanen zum Wohle gereicht, das soll man von ihnen rühmen; ebenso freut sich der Sinn dessen, der die Wahrheit spricht, nie an der Lüge.

Wort für Wort
yad brāhmaṇānāṃ kuśalaṃ tad eṣāṃ parikīrtayet satyaṃ tathā vyāharatāṃ nānṛte ramate manaḥ
Was den Brahmanen zum Wohle gereicht, das soll man von ihnen rühmen; ebenso freut sich der Sinn dessen, der die Wahrheit spricht, nie an der Lüge.

dhanaṃ tu brāhmaṇasyāhuḥ svādhyāyaṃ damam ārjavam indriyāṇāṃ nigrahaṃ ca śāśvataṃ dvijasattama satyārjave dharmam āhuḥ paraṃ dharmavido janāḥ

Als Reichtum des Brahmanen aber gilt das eigene Studium, Selbstbeherrschung, Aufrichtigkeit und die beständige Bezähmung der Sinne, du Bester der Zweifachgeborenen; Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit nennen die Dharma-Kenner den höchsten Dharma.

Wort für Wort
dhanaṃ tu brāhmaṇasyāhuḥ svādhyāyaṃ damam ārjavam indriyāṇāṃ nigrahaṃ ca śāśvataṃ dvijasattama satyārjave dharmam āhuḥ paraṃ dharmavido janāḥ
Als Reichtum des Brahmanen aber gilt das eigene Studium, Selbstbeherrschung, Aufrichtigkeit und die beständige Bezähmung der Sinne, du Bester der Zweifachgeborenen; Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit nennen die Dharma-Kenner den höchsten Dharma.

durjñeyaḥ śāśvato dharmaḥ sa tu satye pratiṣṭhitaḥ śrutipramāṇo dharmaḥ syād iti vṛddhānuśāsanam

Schwer zu erkennen ist der ewige Dharma; er ist in der Wahrheit gegründet; ‚der Dharma soll durch die Śruti bewiesen sein‘ – so lautet die Lehre der Alten.

Wort für Wort
durjñeyaḥ śāśvato dharmaḥ sa tu satye pratiṣṭhitaḥ śrutipramāṇo dharmaḥ syād iti vṛddhānuśāsanam
Schwer zu erkennen ist der ewige Dharma; er ist in der Wahrheit gegründet; ‚der Dharma soll durch die Śruti bewiesen sein‘ – so lautet die Lehre der Alten.

bahudhā dṛśyate dharmaḥ sūkṣma eva dvijottama bhavān api ca dharmajñaḥ svādhyāyanirataḥ śuciḥ na tu tattvena bhagavan dharmān vetsīti me matiḥ

Mannigfach zeigt sich der Dharma, überaus fein, du Bester der Zweifachgeborenen; auch du bist ein Kenner des Dharma, deinem Studium hingegeben, rein – doch nicht der Wahrheit gemäß kennst du, wie mir scheint, die Dharmas, Erhabener.

Wort für Wort
bahudhā dṛśyate dharmaḥ sūkṣma eva dvijottama bhavān api ca dharmajñaḥ svādhyāyanirataḥ śuciḥ na tu tattvena bhagavan dharmān vetsīti me matiḥ
Mannigfach zeigt sich der Dharma, überaus fein, du Bester der Zweifachgeborenen; auch du bist ein Kenner des Dharma, deinem Studium hingegeben, rein – doch nicht der Wahrheit gemäß kennst du, wie mir scheint, die Dharmas, Erhabener.

mātāpitṛbhyāṃ śuśrūṣuḥ satyavādī jitendriyaḥ mithilāyāṃ vasan vyādhaḥ sa te dharmān pravakṣyati tatra gacchasva bhadraṃ te yathākāmaṃ dvijottama

Ein Jäger, der Vater und Mutter dient, wahrhaftig redet, seine Sinne bezwungen hat, in Mithilā wohnt – der wird dir die Dharmas verkünden; dorthin geh, Segen sei mit dir, wie es dir beliebt, du Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
mātāpitṛbhyāṃ śuśrūṣuḥ satyavādī jitendriyaḥ mithilāyāṃ vasan vyādhaḥ sa te dharmān pravakṣyati tatra gacchasva bhadraṃ te yathākāmaṃ dvijottama
Ein Jäger, der Vater und Mutter dient, wahrhaftig redet, seine Sinne bezwungen hat, in Mithilā wohnt – der wird dir die Dharmas verkünden; dorthin geh, Segen sei mit dir, wie es dir beliebt, du Bester der Zweifachgeborenen.

atyuktam api me sarvaṃ kṣantum arhasy anindita striyo hy avadhyāḥ sarveṣāṃ ye dharmaviduṣo janāḥ

Auch wenn ich zu viel gesagt habe, solltest du mir verzeihen, du Untadeliger; denn Frauen sind unverletzlich für alle, die den Dharma kennen.‘

Wort für Wort
atyuktam api me sarvaṃ kṣantum arhasy anindita striyo hy avadhyāḥ sarveṣāṃ ye dharmaviduṣo janāḥ
Auch wenn ich zu viel gesagt habe, solltest du mir verzeihen, du Untadeliger; denn Frauen sind unverletzlich für alle, die den Dharma kennen.‘

brāhmaṇa uvāca prīto 'smi tava bhadraṃ te gataḥ krodhaś ca śobhane upālambhas tvayā hy ukto mama niḥśreyasaṃ param svasti te 'stu gamiṣyāmi sādhayiṣyāmi śobhane

Der Brahmane sprach: ‚Ich bin erfreut über dich, Segen sei mit dir, du Holde; mein Zorn ist geschwunden. Der Tadel, den du mir ausgesprochen hast, dient meinem höchsten Heil. Wohlergehen sei dir; ich werde gehen und mein Vorhaben vollbringen, du Vortreffliche.‘

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca prīto 'smi tava bhadraṃ te gataḥ krodhaś ca śobhane upālambhas tvayā hy ukto mama niḥśreyasaṃ param svasti te 'stu gamiṣyāmi sādhayiṣyāmi śobhane
Der Brahmane sprach: ‚Ich bin erfreut über dich, Segen sei mit dir, du Holde; mein Zorn ist geschwunden. Der Tadel, den du mir ausgesprochen hast, dient meinem höchsten Heil. Wohlergehen sei dir; ich werde gehen und mein Vorhaben vollbringen, du Vortreffliche.‘

mārkaṇḍeya uvāca tayā visṛṣṭo nirgamya svam eva bhavanaṃ yayau vinindan sa dvijo 'tmānaṃ kauśiko narasattama

Mārkaṇḍeya sprach: Von ihr entlassen, ging jener Zweifachgeborene, Kauśika, o Bester der Männer, fort und begab sich zu seinem eigenen Haus, sich selbst tadelnd.“

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca tayā visṛṣṭo nirgamya svam eva bhavanaṃ yayau vinindan sa dvijo 'tmānaṃ kauśiko narasattama
Mārkaṇḍeya sprach: Von ihr entlassen, ging jener Zweifachgeborene, Kauśika, o Bester der Männer, fort und begab sich zu seinem eigenen Haus, sich selbst tadelnd.“

Dieses Kapitel in der Leseansicht