Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 136: Bharadvājasyopadeśaḥ Bharadvājas Ermahnung

Der übermütig gewordene Yavakrī kündigt seinem Vater an, dass ihm und Bharadvāja die Veden von selbst offenbar würden und sie anderen überlegen seien. Bharadvāja warnt ihn eindringlich vor dem Hochmut, den solche Gaben mit sich bringen, und erzählt zur Mahnung die alte Geschichte von Bāladhi, dessen Sohn durch einen Fluch scheinbar unsterblich wurde, an sein Schicksal gebunden blieb und dennoch starb, als der Weise Dhanuṣākṣa das schützende Zeichen (die unvergänglichen Berge) zerstörte. Bharadvāja warnt seinen Sohn eindringlich vor der Macht und dem Jähzorn Raibhyas und seiner Söhne; Yavakrī verspricht Vorsicht, bleibt aber innerlich unbeirrt und hochmütig.

yavakrīr uvāca pratibhāsyanti vai vedā mama tātasya cobhayoḥ ati cānyān bhaviṣyāvo varā labdhās tathā mayā

Yavakrī sprach: 'Die Veden werden uns beiden, meinem Vater und mir, von selbst offenbar werden; und wir werden anderen überlegen sein - so wurden die Gaben von mir erlangt.'

Wort für Wort
yavakrīr uvāca pratibhāsyanti vai vedā mama tātasya cobhayoḥ ati cānyān bhaviṣyāvo varā labdhās tathā mayā
Yavakrī sprach: 'Die Veden werden uns beiden, meinem Vater und mir, von selbst offenbar werden; und wir werden anderen überlegen sein - so wurden die Gaben von mir erlangt.'

bharadvāja uvāca darpas te bhavitā tāta varāṃl labdhvā yathepsitān sa darpapūrṇaḥ kṛpaṇaḥ kṣipram eva vinaśyasi

Bharadvāja sprach: 'Hochmut wird dich befallen, mein Sohn, nachdem du die Gaben nach Wunsch erlangt hast; von Hochmut erfüllt, wirst du, Elender, schnell zugrunde gehen.'

Wort für Wort
bharadvāja uvāca darpas te bhavitā tāta varāṃl labdhvā yathepsitān sa darpapūrṇaḥ kṛpaṇaḥ kṣipram eva vinaśyasi
Bharadvāja sprach: 'Hochmut wird dich befallen, mein Sohn, nachdem du die Gaben nach Wunsch erlangt hast; von Hochmut erfüllt, wirst du, Elender, schnell zugrunde gehen.'

atrāpy udāharantīmā gāthā devair udāhṛtāḥ ṛṣir āsīt purā putra bāladhir nāma vīryavān

'Auch hierzu führt man diese Verse an, die von den Göttern gesprochen wurden: Es gab einst, mein Sohn, einen Weisen namens Bāladhi, von großer Kraft.'

Wort für Wort
atrāpy udāharantīmā gāthā devair udāhṛtāḥ ṛṣir āsīt purā putra bāladhir nāma vīryavān
'Auch hierzu führt man diese Verse an, die von den Göttern gesprochen wurden: Es gab einst, mein Sohn, einen Weisen namens Bāladhi, von großer Kraft.'

sa putraśokād udvignas tapas tepe suduścaram bhaven mama suto 'martya iti taṃ labdhavāṃś ca saḥ

'Von Kummer um einen Sohn erregt, übte er höchst schwer zu vollbringende Buße, mit dem Wunsch: Möge mein Sohn unsterblich sein - und er erlangte dies.'

Wort für Wort
sa putraśokād udvignas tapas tepe suduścaram bhaven mama suto 'martya iti taṃ labdhavāṃś ca saḥ
'Von Kummer um einen Sohn erregt, übte er höchst schwer zu vollbringende Buße, mit dem Wunsch: Möge mein Sohn unsterblich sein - und er erlangte dies.'

tasya prasādo devaiś ca kṛto na tv amaraiḥ samaḥ nāmartyo vidyate martyo nimittāyur bhaviṣyati

'Die Gnade wurde ihm von den Göttern erwiesen, doch nicht gleich den Unsterblichen; kein Sterblicher kann unsterblich sein - er würde ein durch ein Zeichen bedingtes Leben haben.'

Wort für Wort
tasya prasādo devaiś ca kṛto na tv amaraiḥ samaḥ nāmartyo vidyate martyo nimittāyur bhaviṣyati
'Die Gnade wurde ihm von den Göttern erwiesen, doch nicht gleich den Unsterblichen; kein Sterblicher kann unsterblich sein - er würde ein durch ein Zeichen bedingtes Leben haben.'

bāladhir uvāca yatheme parvatāḥ śaśvat tiṣṭhanti surasattamāḥ akṣayās tan nimittaṃ me sutasyāyur bhaved iti

'Bāladhi sprach: Wie diese Berge, o Beste der Götter, für immer unvergänglich bestehen bleiben, so möge dies das Zeichen sein für das Leben meines Sohnes.'

Wort für Wort
bāladhir uvāca yatheme parvatāḥ śaśvat tiṣṭhanti surasattamāḥ akṣayās tan nimittaṃ me sutasyāyur bhaved iti
'Bāladhi sprach: Wie diese Berge, o Beste der Götter, für immer unvergänglich bestehen bleiben, so möge dies das Zeichen sein für das Leben meines Sohnes.'

bharadvāja uvāca tasya putras tadā jajñe medhāvī krodhanaḥ sadā sa tac chrutvākarod darpam ṛṣīṃś caivāvamanyata

Bharadvāja sprach: 'Ihm wurde darauf ein Sohn geboren, klug, doch stets zornmütig; als er dies hörte, wurde er hochmütig und mißachtete die Weisen.'

Wort für Wort
bharadvāja uvāca tasya putras tadā jajñe medhāvī krodhanaḥ sadā sa tac chrutvākarod darpam ṛṣīṃś caivāvamanyata
Bharadvāja sprach: 'Ihm wurde darauf ein Sohn geboren, klug, doch stets zornmütig; als er dies hörte, wurde er hochmütig und mißachtete die Weisen.'

vikurvāṇo munīnāṃ tu caramāṇo mahīm imām āsasāda mahāvīryaṃ dhanuṣākṣaṃ manīṣiṇam

'Die Weisen mißhandelnd, über diese Erde wandernd, traf er auf den überaus kraftvollen, weisen Dhanuṣākṣa.'

Wort für Wort
vikurvāṇo munīnāṃ tu caramāṇo mahīm imām āsasāda mahāvīryaṃ dhanuṣākṣaṃ manīṣiṇam
'Die Weisen mißhandelnd, über diese Erde wandernd, traf er auf den überaus kraftvollen, weisen Dhanuṣākṣa.'

tasyāpacakre medhāvī taṃ śaśāpa sa vīryavān bhava bhasmeti coktaḥ sa na bhasma samapadyata

'Ihm gegenüber handelte der Kluge respektlos; da verfluchte ihn jener Kraftvolle: Werde zu Asche! - doch als dies gesprochen war, wurde er nicht zu Asche.'

Wort für Wort
tasyāpacakre medhāvī taṃ śaśāpa sa vīryavān bhava bhasmeti coktaḥ sa na bhasma samapadyata
'Ihm gegenüber handelte der Kluge respektlos; da verfluchte ihn jener Kraftvolle: Werde zu Asche! - doch als dies gesprochen war, wurde er nicht zu Asche.'

dhanuṣākṣas tu taṃ dṛṣṭvā medhāvinam anāmayam nimittam asya mahiṣair bhedayām āsa vīryavān

'Dhanuṣākṣa aber, als er den Klugen unversehrt sah, ließ, der Kraftvolle, dessen Zeichen von Büffeln zerbrechen.'

Wort für Wort
dhanuṣākṣas tu taṃ dṛṣṭvā medhāvinam anāmayam nimittam asya mahiṣair bhedayām āsa vīryavān
'Dhanuṣākṣa aber, als er den Klugen unversehrt sah, ließ, der Kraftvolle, dessen Zeichen von Büffeln zerbrechen.'

sa nimitte vinaṣṭe tu mamāra sahasā śiśuḥ taṃ mṛtaṃ putram ādāya vilalāpa tataḥ pitā

'Als aber das Zeichen zerstört war, starb der Knabe plötzlich; seinen toten Sohn aufnehmend, klagte darauf der Vater.'

Wort für Wort
sa nimitte vinaṣṭe tu mamāra sahasā śiśuḥ taṃ mṛtaṃ putram ādāya vilalāpa tataḥ pitā
'Als aber das Zeichen zerstört war, starb der Knabe plötzlich; seinen toten Sohn aufnehmend, klagte darauf der Vater.'

lālapyamānaṃ taṃ dṛṣṭvā munayaḥ punar ārtavat ūcur vedoktayā pūrvaṃ gāthayā tan nibodha me

'Als sie ihn so klagen sahen, sprachen die Weisen wiederum, wie zu einem Leidenden, mit dem zuvor in den Veden verkündeten Vers - vernimm dies von mir:'

Wort für Wort
lālapyamānaṃ taṃ dṛṣṭvā munayaḥ punar ārtavat ūcur vedoktayā pūrvaṃ gāthayā tan nibodha me
'Als sie ihn so klagen sahen, sprachen die Weisen wiederum, wie zu einem Leidenden, mit dem zuvor in den Veden verkündeten Vers - vernimm dies von mir:'

na diṣṭam artham atyetum īśo martyaḥ kathaṃ cana mahiṣair bhedayām āsa dhanuṣākṣo mahīdharān

'Kein Sterblicher vermag auf irgendeine Weise das vom Schicksal Bestimmte zu überschreiten; Dhanuṣākṣa ließ durch Büffel die Berge zerbrechen.'

Wort für Wort
na diṣṭam artham atyetum īśo martyaḥ kathaṃ cana mahiṣair bhedayām āsa dhanuṣākṣo mahīdharān
'Kein Sterblicher vermag auf irgendeine Weise das vom Schicksal Bestimmte zu überschreiten; Dhanuṣākṣa ließ durch Büffel die Berge zerbrechen.'

evaṃ labdhvā varān bālā darpapūrṇās tarasvinaḥ kṣipram eva vinaśyanti yathā na syāt tathā bhavān

'So gehen törichte, von Hochmut erfüllte, ungestüme Menschen, nachdem sie Gaben erlangt haben, schnell zugrunde; sei du nicht so.'

Wort für Wort
evaṃ labdhvā varān bālā darpapūrṇās tarasvinaḥ kṣipram eva vinaśyanti yathā na syāt tathā bhavān
'So gehen törichte, von Hochmut erfüllte, ungestüme Menschen, nachdem sie Gaben erlangt haben, schnell zugrunde; sei du nicht so.'

eṣa raibhyo mahāvīryaḥ putrau cāsya tathāvidhau taṃ yathā putra nābhyeṣi tathā kuryās tv atandritaḥ

'Dieser Raibhya ist von großer Kraft, und seine beiden Söhne sind ebenso beschaffen; handle unermüdlich so, mein Sohn, dass du ihm nicht zu nahe kommst.'

Wort für Wort
eṣa raibhyo mahāvīryaḥ putrau cāsya tathāvidhau taṃ yathā putra nābhyeṣi tathā kuryās tv atandritaḥ
'Dieser Raibhya ist von großer Kraft, und seine beiden Söhne sind ebenso beschaffen; handle unermüdlich so, mein Sohn, dass du ihm nicht zu nahe kommst.'

sa hi kruddhaḥ samarthas tvāṃ putra pīḍayituṃ ruṣā vaidyaś cāpi tapasvī ca kopanaś ca mahān ṛṣiḥ

'Denn erzürnt vermag er, mein Sohn, dich aus Wut zu quälen; er ist sowohl kundig als auch ein Asket, jähzornig und ein großer Weiser.'

Wort für Wort
sa hi kruddhaḥ samarthas tvāṃ putra pīḍayituṃ ruṣā vaidyaś cāpi tapasvī ca kopanaś ca mahān ṛṣiḥ
'Denn erzürnt vermag er, mein Sohn, dich aus Wut zu quälen; er ist sowohl kundig als auch ein Asket, jähzornig und ein großer Weiser.'

yavakrīr uvāca evaṃ kariṣye mā tāpaṃ tāta kārṣīḥ kathaṃ cana yathā hi me bhavān mānyas tathā raibhyaḥ pitā mama

Yavakrī sprach: 'So werde ich es tun; mache dir keinerlei Sorge, Vater. Denn so ehrwürdig, wie du mir bist, so ist mir auch Raibhya, mein [zweiter] Vater.'

Wort für Wort
yavakrīr uvāca evaṃ kariṣye mā tāpaṃ tāta kārṣīḥ kathaṃ cana yathā hi me bhavān mānyas tathā raibhyaḥ pitā mama
Yavakrī sprach: 'So werde ich es tun; mache dir keinerlei Sorge, Vater. Denn so ehrwürdig, wie du mir bist, so ist mir auch Raibhya, mein [zweiter] Vater.'

lomaśa uvāca uktvā sa pitaraṃ ślakṣṇaṃ yavakrīr akutobhayaḥ viprakurvann ṛṣīn anyān atuṣyat parayā mudā

Lomaśa sprach: Nachdem er zu seinem Vater sanfte Worte gesprochen hatte, war Yavakrī, furchtlos, während er andere Weise mißhandelte, von höchster Freude erfüllt.

Wort für Wort
lomaśa uvāca uktvā sa pitaraṃ ślakṣṇaṃ yavakrīr akutobhayaḥ viprakurvann ṛṣīn anyān atuṣyat parayā mudā
Lomaśa sprach: Nachdem er zu seinem Vater sanfte Worte gesprochen hatte, war Yavakrī, furchtlos, während er andere Weise mißhandelte, von höchster Freude erfüllt.

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