Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 138: Bharadvājasyātmadāhaḥ Bharadvājas Selbstverbrennung

Bharadvāja bemerkt beim Betreten seiner Einsiedelei, dass ihn die heiligen Feuer nicht mehr wie gewohnt empfangen, und erfährt vom blinden Torwächter, dass sein Sohn Yavakrī von einem Rākṣasa erschlagen wurde, nachdem er zu Raibhyas Wohnstatt gegangen war. In tiefer Klage erinnert Bharadvāja an die Buße, die sein Sohn für die Brahmanen auf sich nahm, und spricht - von Kummer überwältigt - den prophetischen Fluch aus, dass Raibhyas eigener ältester Sohn diesen bald töten werde, so wie er selbst nun aus Kummer sein Leben aufgeben wird. Nach seiner vielfachen Klage verbrennt Bharadvāja den Leichnam seines Sohnes und geht selbst in das lodernde Feuer.

lomaśa uvāca bharadvājas tu kaunteya kṛtvā svādhyāyam āhnikam samitkalāpam ādāya praviveśa svam āśramam

Lomaśa sprach: Bharadvāja aber, o Sohn der Kuntī, nachdem er sein tägliches Studium vollzogen hatte, nahm ein Bündel Brennholz und betrat seine eigene Einsiedelei.

Wort für Wort
lomaśa uvāca bharadvājas tu kaunteya kṛtvā svādhyāyam āhnikam samitkalāpam ādāya praviveśa svam āśramam
Lomaśa sprach: Bharadvāja aber, o Sohn der Kuntī, nachdem er sein tägliches Studium vollzogen hatte, nahm ein Bündel Brennholz und betrat seine eigene Einsiedelei.

taṃ sma dṛṣṭvā purā sarve pratyuttiṣṭhanti pāvakāḥ na tv enam upatiṣṭhanti hataputraṃ tadāgnayaḥ

Früher erhoben sich beim Anblick von ihm stets alle Feuer zu seinem Empfang; doch nun, da sein Sohn getötet war, erhoben sich die Feuer nicht mehr, um ihn zu empfangen.

Wort für Wort
taṃ sma dṛṣṭvā purā sarve pratyuttiṣṭhanti pāvakāḥ na tv enam upatiṣṭhanti hataputraṃ tadāgnayaḥ
Früher erhoben sich beim Anblick von ihm stets alle Feuer zu seinem Empfang; doch nun, da sein Sohn getötet war, erhoben sich die Feuer nicht mehr, um ihn zu empfangen.

vaikṛtaṃ tv agnihotre sa lakṣayitvā mahātapāḥ tam andhaṃ śūdram āsīnaṃ gṛhapālam athābravīt

Als der von gewaltiger Askese Erfüllte diese Veränderung beim Feueropfer bemerkte, sprach er zu jenem blinden, dasitzenden Śūdra, dem Wächter des Hauses:

Wort für Wort
vaikṛtaṃ tv agnihotre sa lakṣayitvā mahātapāḥ tam andhaṃ śūdram āsīnaṃ gṛhapālam athābravīt
Als der von gewaltiger Askese Erfüllte diese Veränderung beim Feueropfer bemerkte, sprach er zu jenem blinden, dasitzenden Śūdra, dem Wächter des Hauses:

kiṃ nu me nāgnayaḥ śūdra pratinandanti darśanam tvaṃ cāpi na yathāpūrvaṃ kaccit kṣemam ihāśrame

'Weshalb wohl, o Śūdra, freuen sich die Feuer nicht mehr über meinen Anblick? Und auch du bist nicht wie früher - ist denn hier in der Einsiedelei alles wohlauf?'

Wort für Wort
kiṃ nu me nāgnayaḥ śūdra pratinandanti darśanam tvaṃ cāpi na yathāpūrvaṃ kaccit kṣemam ihāśrame
'Weshalb wohl, o Śūdra, freuen sich die Feuer nicht mehr über meinen Anblick? Und auch du bist nicht wie früher - ist denn hier in der Einsiedelei alles wohlauf?'

kaccin na raibhyaṃ putro me gatavān alpacetanaḥ etad ācakṣva me śīghraṃ na hi me śudhyate manaḥ

'Ist mein Sohn, der Törichte, etwa nicht zu Raibhya gegangen? Berichte mir dies rasch, denn mein Sinn wird nicht ruhig.'

Wort für Wort
kaccin na raibhyaṃ putro me gatavān alpacetanaḥ etad ācakṣva me śīghraṃ na hi me śudhyate manaḥ
'Ist mein Sohn, der Törichte, etwa nicht zu Raibhya gegangen? Berichte mir dies rasch, denn mein Sinn wird nicht ruhig.'

śūdra uvāca raibhyaṃ gato nūnam asau sutas te mandacetanaḥ tathā hi nihataḥ śete rākṣasena balīyasā

Der Śūdra sprach: 'Zu Raibhya ist gewiss jener dein törichter Sohn gegangen; denn so liegt er, von einem übermächtigen Rākṣasa erschlagen.'

Wort für Wort
śūdra uvāca raibhyaṃ gato nūnam asau sutas te mandacetanaḥ tathā hi nihataḥ śete rākṣasena balīyasā
Der Śūdra sprach: 'Zu Raibhya ist gewiss jener dein törichter Sohn gegangen; denn so liegt er, von einem übermächtigen Rākṣasa erschlagen.'

prakālyamānas tenāyaṃ śūlahastena rakṣasā agnyāgāraṃ prati dvāri mayā dorbhyāṃ nivāritaḥ

'Von jenem Rākṣasa mit dem Speer in der Hand verfolgt, wurde er von mir mit meinen Armen am Tor zum Feuerhaus zurückgehalten.'

Wort für Wort
prakālyamānas tenāyaṃ śūlahastena rakṣasā agnyāgāraṃ prati dvāri mayā dorbhyāṃ nivāritaḥ
'Von jenem Rākṣasa mit dem Speer in der Hand verfolgt, wurde er von mir mit meinen Armen am Tor zum Feuerhaus zurückgehalten.'

tataḥ sa nihato hy atra jalakāmo 'śucir dhruvam saṃbhāvito hi tūrṇena śūlahastena rakṣasā

'Da wurde er hier erschlagen, nach Wasser verlangend, gewiss unrein; denn er wurde von dem raschen, den Speer in der Hand haltenden Rākṣasa ereilt.'

Wort für Wort
tataḥ sa nihato hy atra jalakāmo 'śucir dhruvam saṃbhāvito hi tūrṇena śūlahastena rakṣasā
'Da wurde er hier erschlagen, nach Wasser verlangend, gewiss unrein; denn er wurde von dem raschen, den Speer in der Hand haltenden Rākṣasa ereilt.'

lomaśa uvāca bharadvājas tu śūdrasya tac chrutvā vipriyaṃ vacaḥ gatāsuṃ putram ādāya vilalāpa suduḥkhitaḥ

Lomaśa sprach: Bharadvāja aber, nachdem er dieses unwillkommene Wort des Śūdra gehört hatte, nahm seinen entseelten Sohn auf und klagte, tief betrübt:

Wort für Wort
lomaśa uvāca bharadvājas tu śūdrasya tac chrutvā vipriyaṃ vacaḥ gatāsuṃ putram ādāya vilalāpa suduḥkhitaḥ
Lomaśa sprach: Bharadvāja aber, nachdem er dieses unwillkommene Wort des Śūdra gehört hatte, nahm seinen entseelten Sohn auf und klagte, tief betrübt:

brāhmaṇānāṃ kilārthāya nanu tvaṃ taptavāṃs tapaḥ dvijānām anadhītā vai vedāḥ saṃpratibhāntv iti

'Um der Brahmanen willen, so heißt es, übtest du doch Buße, damit den Zweifachgeborenen die ungelernten Veden von selbst offenbar würden.'

Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ kilārthāya nanu tvaṃ taptavāṃs tapaḥ dvijānām anadhītā vai vedāḥ saṃpratibhāntv iti
'Um der Brahmanen willen, so heißt es, übtest du doch Buße, damit den Zweifachgeborenen die ungelernten Veden von selbst offenbar würden.'

tathā kalyāṇaśīlas tvaṃ brāhmaṇeṣu mahātmasu anāgāḥ sarvabhūteṣu karkaśatvam upeyivān

'So warst du von gutem Wesen gegenüber den hochgesinnten Brahmanen, schuldlos gegenüber allen Wesen - wie konntest du dann in solche Rohheit geraten?'

Wort für Wort
tathā kalyāṇaśīlas tvaṃ brāhmaṇeṣu mahātmasu anāgāḥ sarvabhūteṣu karkaśatvam upeyivān
'So warst du von gutem Wesen gegenüber den hochgesinnten Brahmanen, schuldlos gegenüber allen Wesen - wie konntest du dann in solche Rohheit geraten?'

pratiṣiddho mayā tāta raibhyāvasathadarśanāt gatavān eva taṃ kṣudraṃ kālāntakayamopamam

'Von mir gewarnt, mein Sohn, den Anblick von Raibhyas Wohnstatt zu meiden, bist du dennoch zu jenem Furchtbaren gegangen, der dem alles beendenden Yama gleicht.'

Wort für Wort
pratiṣiddho mayā tāta raibhyāvasathadarśanāt gatavān eva taṃ kṣudraṃ kālāntakayamopamam
'Von mir gewarnt, mein Sohn, den Anblick von Raibhyas Wohnstatt zu meiden, bist du dennoch zu jenem Furchtbaren gegangen, der dem alles beendenden Yama gleicht.'

yaḥ sa jānan mahātejā vṛddhasyaikaṃ mamātmajam gatavān eva kopasya vaśaṃ paramadurmatiḥ

'Er, der von gewaltiger Glut Erfüllte, obwohl er wusste, dass du mein einziger Sohn im Alter warst, geriet dennoch, von übler Gesinnung, in die Gewalt des Zorns.'

Wort für Wort
yaḥ sa jānan mahātejā vṛddhasyaikaṃ mamātmajam gatavān eva kopasya vaśaṃ paramadurmatiḥ
'Er, der von gewaltiger Glut Erfüllte, obwohl er wusste, dass du mein einziger Sohn im Alter warst, geriet dennoch, von übler Gesinnung, in die Gewalt des Zorns.'

putraśokam anuprāpya eṣa raibhyasya karmaṇā tyakṣyāmi tvām ṛte putra prāṇān iṣṭatamān bhuvi

'Durch Raibhyas Tat in Kummer um meinen Sohn geraten, werde ich, mein Sohn, ohne dich mein liebstes Gut auf Erden, mein Leben, aufgeben.'

Wort für Wort
putraśokam anuprāpya eṣa raibhyasya karmaṇā tyakṣyāmi tvām ṛte putra prāṇān iṣṭatamān bhuvi
'Durch Raibhyas Tat in Kummer um meinen Sohn geraten, werde ich, mein Sohn, ohne dich mein liebstes Gut auf Erden, mein Leben, aufgeben.'

yathāhaṃ putraśokena dehaṃ tyakṣyāmi kilbiṣī tathā jyeṣṭhaḥ suto raibhyaṃ hiṃsyāc chīghram anāgasam

'So wie ich, sündig geworden, aus Kummer um meinen Sohn meinen Leib aufgeben werde, so möge Raibhyas ältester Sohn den unschuldigen Raibhya bald töten.'

Wort für Wort
yathāhaṃ putraśokena dehaṃ tyakṣyāmi kilbiṣī tathā jyeṣṭhaḥ suto raibhyaṃ hiṃsyāc chīghram anāgasam
'So wie ich, sündig geworden, aus Kummer um meinen Sohn meinen Leib aufgeben werde, so möge Raibhyas ältester Sohn den unschuldigen Raibhya bald töten.'

sukhino vai narā yeṣāṃ jātyā putro na vidyate te putraśokam aprāpya vicaranti yathāsukham

'Glücklich sind wahrlich die Menschen, denen von Geburt an kein Sohn beschieden ist; sie wandeln, ohne Kummer um einen Sohn zu erfahren, nach Belieben umher.'

Wort für Wort
sukhino vai narā yeṣāṃ jātyā putro na vidyate te putraśokam aprāpya vicaranti yathāsukham
'Glücklich sind wahrlich die Menschen, denen von Geburt an kein Sohn beschieden ist; sie wandeln, ohne Kummer um einen Sohn zu erfahren, nach Belieben umher.'

ye tu putrakṛtāc chokād bhṛśaṃ vyākulacetasaḥ śapantīṣṭān sakhīn ārtās tebhyaḥ pāpataro nu kaḥ

'Wer aber, durch den Kummer um einen Sohn zutiefst verwirrten Sinnes, in seinem Leid die geliebten Freunde verflucht - wer wohl ist sündiger als er?'

Wort für Wort
ye tu putrakṛtāc chokād bhṛśaṃ vyākulacetasaḥ śapantīṣṭān sakhīn ārtās tebhyaḥ pāpataro nu kaḥ
'Wer aber, durch den Kummer um einen Sohn zutiefst verwirrten Sinnes, in seinem Leid die geliebten Freunde verflucht - wer wohl ist sündiger als er?'

parāsuś ca suto dṛṣṭaḥ śaptaś ceṣṭaḥ sakhā mayā īdṛśīm āpadaṃ ko nu dvitīyo 'nubhaviṣyati

'Meinen entseelten Sohn habe ich erblickt, und einen geliebten Freund habe ich verflucht - wer wohl außer mir wird ein solches Unglück je erfahren?'

Wort für Wort
parāsuś ca suto dṛṣṭaḥ śaptaś ceṣṭaḥ sakhā mayā īdṛśīm āpadaṃ ko nu dvitīyo 'nubhaviṣyati
'Meinen entseelten Sohn habe ich erblickt, und einen geliebten Freund habe ich verflucht - wer wohl außer mir wird ein solches Unglück je erfahren?'

vilapyaivaṃ bahuvidhaṃ bharadvājo 'dahat sutam susamiddhaṃ tataḥ paścāt praviveśa hutāśanam

Nachdem er so auf vielfache Weise geklagt hatte, verbrannte Bharadvāja seinen Sohn; danach betrat er selbst das hell entfachte Feuer.

Wort für Wort
vilapyaivaṃ bahuvidhaṃ bharadvājo 'dahat sutam susamiddhaṃ tataḥ paścāt praviveśa hutāśanam
Nachdem er so auf vielfache Weise geklagt hatte, verbrannte Bharadvāja seinen Sohn; danach betrat er selbst das hell entfachte Feuer.

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