Nach Rāvaṇas Tod huldigen die Götter Rāma; Vibhīṣaṇa erhält Laṅkā. Rāma verstößt Sītā zunächst öffentlich aus Sorge um ihren Ruf - in dieser Mahābhārata-Fassung ohne die aus Vālmīkis Rāmāyaṇa bekannte Feuerprobe, stattdessen bezeugen die Götter Vāyu, Agni und Varuṇa sowie Brahmā selbst unmittelbar Sītās Unschuld, während Daśaratha aus dem Jenseits erscheint und seinen Segen gibt. Rāma kehrt mit Sītā, Lakṣmaṇa, Sugrīva und Vibhīṣaṇa über die Nala-Brücke zurück, weiht Aṅgada zum Kronprinzen von Kiṣkindhā, wird von Bharata in Nandigrāma empfangen und erhält das Reich zurück; Vasiṣṭha und Vāmadeva krönen ihn zum König von Ayodhyā. Er entlässt seine Verbündeten mit Ehrengaben, gibt den Himmelswagen Puṣpaka an Kubera zurück und vollzieht zehn Aśvamedha-Opfer am Gomatī-Fluss. Damit endet die gesamte, von Mārkaṇḍeya an Yudhiṣṭhira erzählte Rāma-Geschichte (Rāmopākhyānam, Kap.257-275).
mārkaṇḍeya uvāca sa hatvā rāvaṇaṃ kṣudraṃ rākṣasendraṃ suradviṣam babhūva hṛṣṭaḥ sasuhṛd rāmaḥ saumitriṇā saha
Mārkaṇḍeya sprach: „Nachdem er den nichtswürdigen Rāvaṇa erschlagen hatte, den Herrscher der Rākṣasas, den Feind der Götter, war Rāma, zusammen mit seinen Freunden und dem Sohn der Sumitrā, hocherfreut.
Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca sa hatvā rāvaṇaṃ kṣudraṃ rākṣasendraṃ suradviṣam babhūva hṛṣṭaḥ sasuhṛd rāmaḥ saumitriṇā saha
Mārkaṇḍeya sprach: „Nachdem er den nichtswürdigen Rāvaṇa erschlagen hatte, den Herrscher der Rākṣasas, den Feind der Götter, war Rāma, zusammen mit seinen Freunden und dem Sohn der Sumitrā, hocherfreut.
Als er dieses Wort gehört hatte, stieg der Freude der Ikṣvākus von seinem vorzüglichen Wagen herab und erblickte Sītā, deren Blick von Tränen verschleiert war.
Als er dieses Wort gehört hatte, stieg der Freude der Ikṣvākus von seinem vorzüglichen Wagen herab und erblickte Sītā, deren Blick von Tränen verschleiert war.
Als er sie sah, an allen Gliedern schön, doch von Kummer abgezehrt, auf der Sänfte sitzend, an allen Gliedern von Schmutz bedeckt, mit verfilztem Haar, in dunklem Gewand,
Als er sie sah, an allen Gliedern schön, doch von Kummer abgezehrt, auf der Sänfte sitzend, an allen Gliedern von Schmutz bedeckt, mit verfilztem Haar, in dunklem Gewand,
kathaṃ hy asmadvidho jātu jānan dharmaviniścayam parahastagatāṃ nārīṃ muhūrtam api dhārayet
Denn wie könnte einer wie ich, der die Grundsätze des Dharma kennt, jemals eine Frau, die in fremde Hände geraten ist, auch nur für einen Augenblick behalten?
Wort für Wort
kathaṃ hy asmadvidho jātu jānan dharmaviniścayam parahastagatāṃ nārīṃ muhūrtam api dhārayet
Denn wie könnte einer wie ich, der die Grundsätze des Dharma kennt, jemals eine Frau, die in fremde Hände geraten ist, auch nur für einen Augenblick behalten?
Ob von gutem oder schlechtem Wandel - ich vermag dich heute nicht mehr zu genießen, Tochter Mithilas, wie ein von einem Hund beslecktes Opfer.‘
Diese harte Verstoßungsrede Rāmas entspricht der bekannten Episode aus Vālmīkis Yuddhakāṇḍa; in dieser Mahābhārata-Fassung des Rāmopākhyāna fehlt jedoch die dortige Feuerprobe (Agni-parīkṣā) - stattdessen bezeugen im Folgenden die Elementargötter (Vāyu, Agni, Varuṇa) und Brahmā selbst unmittelbar Sītās Unschuld.
yo hy asyā harṣasaṃbhūto mukharāgas tadābhavat kṣaṇena sa punar bhraṣṭo niḥśvāsād iva darpaṇe
Denn jener Glanz der Freude, der zuvor auf ihrem Gesicht erschienen war, schwand im selben Augenblick wieder, wie der Glanz eines Spiegels durch einen Hauch.
Wort für Wort
yo hy asyā harṣasaṃbhūto mukharāgas tadābhavat kṣaṇena sa punar bhraṣṭo niḥśvāsād iva darpaṇe
Denn jener Glanz der Freude, der zuvor auf ihrem Gesicht erschienen war, schwand im selben Augenblick wieder, wie der Glanz eines Spiegels durch einen Hauch.
vāyur uvāca bho bho rāghava satyaṃ vai vāyur asmi sadāgatiḥ apāpā maithilī rājan saṃgaccha saha bhāryayā
Vāyu sprach: ‚He, he, Rāghava! Wahrhaftig, ich bin der immer wehende Wind: schuldlos ist die Tochter Mithilas, o König; vereine dich mit deiner Gattin!‘
Wort für Wort
vāyur uvāca bho bho rāghava satyaṃ vai vāyur asmi sadāgatiḥ apāpā maithilī rājan saṃgaccha saha bhāryayā
Vāyu sprach: ‚He, he, Rāghava! Wahrhaftig, ich bin der immer wehende Wind: schuldlos ist die Tochter Mithilas, o König; vereine dich mit deiner Gattin!‘
Agni sprach: ‚Ich, der im Inneren des Leibes der Wesen weile, o Freude der Raghus - auch nicht im Geringsten hat sich die Tochter Mithilas verfehlt, Kākutstha.‘
Agni sprach: ‚Ich, der im Inneren des Leibes der Wesen weile, o Freude der Raghus - auch nicht im Geringsten hat sich die Tochter Mithilas verfehlt, Kākutstha.‘
varuṇa uvāca rasā vai matprasūtā hi bhūtadeheṣu rāghava ahaṃ vai tvāṃ prabravīmi maithilī pratigṛhyatām
Varuṇa sprach: ‚Die Säfte in den Leibern der Wesen, Rāghava, sind wahrlich von mir hervorgebracht; ich selbst sage es dir: die Tochter Mithilas soll angenommen werden!‘
Wort für Wort
varuṇa uvāca rasā vai matprasūtā hi bhūtadeheṣu rāghava ahaṃ vai tvāṃ prabravīmi maithilī pratigṛhyatām
Varuṇa sprach: ‚Die Säfte in den Leibern der Wesen, Rāghava, sind wahrlich von mir hervorgebracht; ich selbst sage es dir: die Tochter Mithilas soll angenommen werden!‘
brahmovāca putra naitad ihāścaryaṃ tvayi rājarṣidharmiṇi sādho sadvṛttamārgasthe śṛṇu cedaṃ vaco mama
Brahmā sprach: ‚Mein Sohn, dies ist nichts Erstaunliches bei dir, der du dem Dharma eines Königsweisen folgst, Tugendhafter, der du auf dem Pfad guten Wandels stehst; höre nun dieses mein Wort:
Wort für Wort
brahmovāca putra naitad ihāścaryaṃ tvayi rājarṣidharmiṇi sādho sadvṛttamārgasthe śṛṇu cedaṃ vaco mama
Brahmā sprach: ‚Mein Sohn, dies ist nichts Erstaunliches bei dir, der du dem Dharma eines Königsweisen folgst, Tugendhafter, der du auf dem Pfad guten Wandels stehst; höre nun dieses mein Wort:
yadi hy akāmām āsevet striyam anyām api dhruvam śatadhāsya phaled deha ity uktaḥ so 'bhavat purā
Denn: sollte er je eine unwillige Frau, auch eine andere, bedrängen, so werde sein Leib gewiss in hundert Stücke bersten - so war er einst von Nalakūbara verflucht worden.
Wort für Wort
yadi hy akāmām āsevet striyam anyām api dhruvam śatadhāsya phaled deha ity uktaḥ so 'bhavat purā
Denn: sollte er je eine unwillige Frau, auch eine andere, bedrängen, so werde sein Leib gewiss in hundert Stücke bersten - so war er einst von Nalakūbara verflucht worden.
Der Fluchwortlaut selbst wird hier als indirekte Rede wiedergegeben, um innerhalb von Brahmās bereits laufender direkter Rede keine dritte Zitatebene zu eröffnen.
Hierbei sollst du keinen Zweifel hegen, nimm sie an, Glanzvoller; ein großes Werk hast du für die Götter vollbracht, du den Unsterblichen Gleichender.‘
Hierbei sollst du keinen Zweifel hegen, nimm sie an, Glanzvoller; ein großes Werk hast du für die Götter vollbracht, du den Unsterblichen Gleichender.‘
daśaratha uvāca prīto 'smi vatsa bhadraṃ te pitā daśaratho 'smi te anujānāmi rājyaṃ ca praśādhi puruṣottama
Daśaratha sprach: ‚Erfreut bin ich, mein Kind, Heil dir! Ich bin dein Vater Daśaratha; ich gebe dir meine Zustimmung - herrsche über das Reich, du Vortrefflichster der Männer!‘
Wort für Wort
daśaratha uvāca prīto 'smi vatsa bhadraṃ te pitā daśaratho 'smi te anujānāmi rājyaṃ ca praśādhi puruṣottama
Daśaratha sprach: ‚Erfreut bin ich, mein Kind, Heil dir! Ich bin dein Vater Daśaratha; ich gebe dir meine Zustimmung - herrsche über das Reich, du Vortrefflichster der Männer!‘
Rāma sprach: ‚Ich erweise dir Verehrung, Fürst der Könige, wenn du mein Vater bist; ich werde auf dein Geheiß in die liebliche Stadt Ayodhyā zurückkehren.‘
Rāma sprach: ‚Ich erweise dir Verehrung, Fürst der Könige, wenn du mein Vater bist; ich werde auf dein Geheiß in die liebliche Stadt Ayodhyā zurückkehren.‘
Der Vater sprach abermals zu ihm, hocherfreut, o Herrscher der Menschen: ‚Gehe nach Ayodhyā und herrsche, Rāma mit den rotgesäumten Augen.‘
Der Quelltext markiert diesen Vers erneut mit 'mārkaṇḍeya uvāca'; dies ist lediglich eine Wiederaufnahme-Markierung der schon laufenden Rahmenerzählung (Mārkaṇḍeya berichtet weiterhin Yudhiṣṭhira, hier als 'manujādhipa', Herrscher der Menschen, angesprochen) und eröffnet keine neue Zitatebene.
tam uvāca tato brahmā devaiḥ śakramukhair vṛtaḥ kausalyāmātar iṣṭāṃs te varān adya dadāni kān
Darauf sprach Brahmā, umgeben von den Göttern mit Śakra an der Spitze, zu ihm: ‚Sohn der Kausalyā, welche gewünschten Gaben soll ich dir heute gewähren?‘
Wort für Wort
tam uvāca tato brahmā devaiḥ śakramukhair vṛtaḥ kausalyāmātar iṣṭāṃs te varān adya dadāni kān
Darauf sprach Brahmā, umgeben von den Göttern mit Śakra an der Spitze, zu ihm: ‚Sohn der Kausalyā, welche gewünschten Gaben soll ich dir heute gewähren?‘
ity evam uktvānujñāpya rāmaṃ śastrabhṛtāṃ varam saṃpūjyāpākramat tena rathenādityavarcasā
Nachdem er so gesprochen und sich von Rāma, dem Besten der Waffenträger, verabschiedet hatte, zog er, nachdem er ihn geehrt hatte, mit jenem sonnengleich strahlenden Wagen davon.
Wort für Wort
ity evam uktvānujñāpya rāmaṃ śastrabhṛtāṃ varam saṃpūjyāpākramat tena rathenādityavarcasā
Nachdem er so gesprochen und sich von Rāma, dem Besten der Waffenträger, verabschiedet hatte, zog er, nachdem er ihn geehrt hatte, mit jenem sonnengleich strahlenden Wagen davon.
Nachdem der Sohn des Windes dessen ganze Gesinnung erkundet und ihm die frohe Botschaft überbracht hatte und wieder zurückgekehrt war, begab sich Rāma nach Nandigrāma.
Nachdem der Sohn des Windes dessen ganze Gesinnung erkundet und ihm die frohe Botschaft überbracht hatte und wieder zurückgekehrt war, begab sich Rāma nach Nandigrāma.
sametya bharatenātha śatrughnena ca vīryavān rāghavaḥ sahasaumitrir mumude bharatarṣabha
Nachdem er sich mit Bharata und Śatrughna vereinigt hatte, freute sich der tapfere Rāghava, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā, o Stier unter den Bharatas.
Wort für Wort
sametya bharatenātha śatrughnena ca vīryavān rāghavaḥ sahasaumitrir mumude bharatarṣabha
Nachdem er sich mit Bharata und Śatrughna vereinigt hatte, freute sich der tapfere Rāghava, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā, o Stier unter den Bharatas.
so 'bhiṣiktaḥ kapiśreṣṭhaṃ sugrīvaṃ sasuhṛjjanam vibhīṣaṇaṃ ca paulastyam anvajānād gṛhān prati
Nachdem er geweiht worden war, entließ er den Besten der Affen, Sugrīva, samt seinen Gefolgsleuten, und den Nachkommen des Pulastya, Vibhīṣaṇa, zur Heimkehr.
Wort für Wort
so 'bhiṣiktaḥ kapiśreṣṭhaṃ sugrīvaṃ sasuhṛjjanam vibhīṣaṇaṃ ca paulastyam anvajānād gṛhān prati
Nachdem er geweiht worden war, entließ er den Besten der Affen, Sugrīva, samt seinen Gefolgsleuten, und den Nachkommen des Pulastya, Vibhīṣaṇa, zur Heimkehr.
abhyarcya vividhai ratnaiḥ prītiyuktau mudā yutau samādhāyetikartavyaṃ duḥkhena visasarja ha
Nachdem er sie, die von Zuneigung und Freude erfüllt waren, mit mancherlei Juwelen geehrt und ihnen ihre künftigen Aufgaben aufgetragen hatte, entließ er sie unter Schmerz.
Wort für Wort
abhyarcya vividhai ratnaiḥ prītiyuktau mudā yutau samādhāyetikartavyaṃ duḥkhena visasarja ha
Nachdem er sie, die von Zuneigung und Freude erfüllt waren, mit mancherlei Juwelen geehrt und ihnen ihre künftigen Aufgaben aufgetragen hatte, entließ er sie unter Schmerz.
tato devarṣisahitaḥ saritaṃ gomatīm anu daśāśvamedhān ājahre jārūthyān sa nirargalān
Darauf vollzog er, begleitet von Göttern und Ṛṣis, am Fluss Gomatī zehn uneingeschränkte, überaus reiche [?] Aśvamedha-Opfer.“
Wort für Wort
tato devarṣisahitaḥ saritaṃ gomatīm anu daśāśvamedhān ājahre jārūthyān sa nirargalān
Darauf vollzog er, begleitet von Göttern und Ṛṣis, am Fluss Gomatī zehn uneingeschränkte, überaus reiche [?] Aśvamedha-Opfer.“
Das Wort 'jārūthyān' ist selten und lexikalisch unsicher (etwa: 'überaus groß/kostbar ausgestattet'); die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Bedeutung, ist aber mit [?] gekennzeichnet. Mit diesem Vers endet die vollständige Rāmopākhyāna-Erzählung Mārkaṇḍeyas.