Kapitel 205: Vyādhasya pūrvajanmavṛttāntaḥ
Die Vorgeschichte des Jägers: Von einem früheren Fluch
Der Jäger offenbart dem Brahmanen sein hellseherisches Wissen, indem er ihm die genauen Worte der treuen Gattin wiederholt, und mahnt ihn eindringlich, zu seinen von Kummer erblindeten Eltern zurückzukehren und ihnen zu dienen – denn kein Dharma stehe höher als die Elternverehrung. Vom Brahmanen nach dem Grund seiner rätselhaften Śūdra-Geburt gefragt, erzählt der Jäger seine eigene Vorgeschichte: Er war einst selbst ein gelehrter Brahmane, der durch die Freundschaft mit einem König im Bogenschießen vollendet wurde – und der bei einer Jagd versehentlich einen meditierenden Weisen mit einem Pfeil traf. Trotz seiner aufrichtigen Bitte um Verzeihung verfluchte ihn der von Schmerz und Zorn überwältigte Seher, ein grausamer Jäger zu werden, geboren in einem Śūdra-Mutterschoß – der Ursprung seines gegenwärtigen Standes.
mārkaṇḍeya uvāca gurū nivedya viprāya tau mātāpitarāv ubhau punar eva sa dharmātmā vyādho brāhmaṇam abravīt
Mārkaṇḍeya sprach: „Nachdem er dem Brahmanen seine beiden Eltern als Lehrer vorgestellt hatte, sprach jener rechtschaffene Jäger abermals zu dem Brahmanen:
Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca gurū nivedya viprāya tau mātāpitarāv ubhau punar eva sa dharmātmā vyādho brāhmaṇam abravīt
Mārkaṇḍeya sprach: „Nachdem er dem Brahmanen seine beiden Eltern als Lehrer vorgestellt hatte, sprach jener rechtschaffene Jäger abermals zu dem Brahmanen:
patiśuśrūṣaparayā dāntayā satyaśīlayā mithilāyāṃ vasan vyādhaḥ sa te dharmān pravakṣyati
von jener, die ganz dem Dienst an ihrem Gatten ergeben, selbstbeherrscht und von wahrhaftigem Wesen ist: dass ein in Mithilā wohnender Jäger dir die Dharmas verkünden werde.‘
Wort für Wort
patiśuśrūṣaparayā dāntayā satyaśīlayā mithilāyāṃ vasan vyādhaḥ sa te dharmān pravakṣyati
von jener, die ganz dem Dienst an ihrem Gatten ergeben, selbstbeherrscht und von wahrhaftigem Wesen ist: dass ein in Mithilā wohnender Jäger dir die Dharmas verkünden werde.‘
brāhmaṇa uvāca pativratāyāḥ satyāyāḥ śīlāḍhyāyā yatavrata saṃsmṛtya vākyaṃ dharmajña guṇavān asi me mataḥ
Der Brahmane sprach: ‚Da ich mich an die Worte der ihrem Gatten treu ergebenen, wahrhaftigen, tugendreichen Frau erinnere, o du von festem Gelübde, halte ich dich, Dharmakundiger, für einen Tugendreichen.‘
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca pativratāyāḥ satyāyāḥ śīlāḍhyāyā yatavrata saṃsmṛtya vākyaṃ dharmajña guṇavān asi me mataḥ
Der Brahmane sprach: ‚Da ich mich an die Worte der ihrem Gatten treu ergebenen, wahrhaftigen, tugendreichen Frau erinnere, o du von festem Gelübde, halte ich dich, Dharmakundiger, für einen Tugendreichen.‘
vyādha uvāca yat tadā tvaṃ dvijaśreṣṭha tayokto māṃ prati prabho dṛṣṭam etat tayā samyag ekapatnyā na saṃśayaḥ
Der Jäger sprach: ‚Was dir damals, o Bester der Zweifachgeborenen, von jener über mich gesagt wurde, Erhabener – dies hat jene einem-Gatten-treue Frau ganz richtig erkannt, daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
vyādha uvāca yat tadā tvaṃ dvijaśreṣṭha tayokto māṃ prati prabho dṛṣṭam etat tayā samyag ekapatnyā na saṃśayaḥ
Der Jäger sprach: ‚Was dir damals, o Bester der Zweifachgeborenen, von jener über mich gesagt wurde, Erhabener – dies hat jene einem-Gatten-treue Frau ganz richtig erkannt, daran ist kein Zweifel.
tvadanugrahabuddhyā tu vipraitad darśitaṃ mayā vākyaṃ ca śṛṇu me tāta yat te vakṣye hitaṃ dvija
Aus dem Wunsch, dir eine Gunst zu erweisen, o Brahmane, habe ich dir dies gezeigt; und höre nun das Wort, das ich dir zu deinem Nutzen sagen will, mein Sohn, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
tvadanugrahabuddhyā tu vipraitad darśitaṃ mayā vākyaṃ ca śṛṇu me tāta yat te vakṣye hitaṃ dvija
Aus dem Wunsch, dir eine Gunst zu erweisen, o Brahmane, habe ich dir dies gezeigt; und höre nun das Wort, das ich dir zu deinem Nutzen sagen will, mein Sohn, o Zweifachgeborener.
tvayā vinikṛtā mātā pitā ca dvijasattama anisṛṣṭo 'si niṣkrānto gṛhāt tābhyām anindita vedoccāraṇakāryārtham ayuktaṃ tat tvayā kṛtam
Von dir wurden Mutter und Vater gekränkt, o Bester der Zweifachgeborenen; ohne ihre Erlaubnis bist du, du Untadeliger, aus dem Haus gegangen, um des Vedastudiums willen – das war unrecht getan von dir.
Wort für Wort
tvayā vinikṛtā mātā pitā ca dvijasattama anisṛṣṭo 'si niṣkrānto gṛhāt tābhyām anindita vedoccāraṇakāryārtham ayuktaṃ tat tvayā kṛtam
Von dir wurden Mutter und Vater gekränkt, o Bester der Zweifachgeborenen; ohne ihre Erlaubnis bist du, du Untadeliger, aus dem Haus gegangen, um des Vedastudiums willen – das war unrecht getan von dir.
Der Brahmane sprach: ‚Alles, was du gesagt hast, ist ohne Zweifel wahr; ich bin erfreut über dich, du Dharmakundiger, von gutem Wandel und tugendreich.‘
Der Brahmane sprach: ‚Alles, was du gesagt hast, ist ohne Zweifel wahr; ich bin erfreut über dich, du Dharmakundiger, von gutem Wandel und tugendreich.‘
Der Jäger sprach: ‚Denn du bist einer Gottheit gleich, der du dem uralten, ewigen, göttlichen Dharma ergeben bist, der für die nicht Selbstvollendeten schwer zu erreichen ist.
Der Jäger sprach: ‚Denn du bist einer Gottheit gleich, der du dem uralten, ewigen, göttlichen Dharma ergeben bist, der für die nicht Selbstvollendeten schwer zu erreichen ist.
Der Brahmane sprach: ‚Zum Glück bin ich hierher gekommen, zum Glück habe ich dich getroffen; solche Menschen, die den Dharma aufzeigen, sind in der Welt schwer zu finden.
Der Brahmane sprach: ‚Zum Glück bin ich hierher gekommen, zum Glück habe ich dich getroffen; solche Menschen, die den Dharma aufzeigen, sind in der Welt schwer zu finden.
patamāno hi narake bhavatāsmi samuddhṛtaḥ bhavitavyam athaivaṃ ca yad dṛṣṭo 'si mayānagha
Ich, der ich in die Hölle zu stürzen im Begriff war, bin von dir gerettet worden; und so musste es wohl sein, dass ich dich erblickt habe, o Makelloser.
Wort für Wort
patamāno hi narake bhavatāsmi samuddhṛtaḥ bhavitavyam athaivaṃ ca yad dṛṣṭo 'si mayānagha
Ich, der ich in die Hölle zu stürzen im Begriff war, bin von dir gerettet worden; und so musste es wohl sein, dass ich dich erblickt habe, o Makelloser.
durjñeyaḥ śāśvato dharmaḥ śūdrayonau hi vartatā na tvāṃ śūdram ahaṃ manye bhavitavyaṃ hi kāraṇam yena karmavipākena prāpteyaṃ śūdratā tvayā
Schwer zu erkennen ist der ewige Dharma, selbst für einen, der in einem Śūdra-Mutterschoß lebt; ich halte dich nicht für einen Śūdra; es muss wohl einen Grund geben, durch dessen Karma-Reifung du diesen Śūdra-Stand erlangt hast.
Wort für Wort
durjñeyaḥ śāśvato dharmaḥ śūdrayonau hi vartatā na tvāṃ śūdram ahaṃ manye bhavitavyaṃ hi kāraṇam yena karmavipākena prāpteyaṃ śūdratā tvayā
Schwer zu erkennen ist der ewige Dharma, selbst für einen, der in einem Śūdra-Mutterschoß lebt; ich halte dich nicht für einen Śūdra; es muss wohl einen Grund geben, durch dessen Karma-Reifung du diesen Śūdra-Stand erlangt hast.
vyādha uvāca anatikramaṇīyā hi brāhmaṇā vai dvijottama śṛṇu sarvam idaṃ vṛttaṃ pūrvadehe mamānagha
Der Jäger sprach: ‚Brahmanen sind fürwahr nicht zu übergehen, o Bester der Zweifachgeborenen; höre dies alles, was sich in meinem früheren Leib zugetragen hat, o Makelloser.
Wort für Wort
vyādha uvāca anatikramaṇīyā hi brāhmaṇā vai dvijottama śṛṇu sarvam idaṃ vṛttaṃ pūrvadehe mamānagha
Der Jäger sprach: ‚Brahmanen sind fürwahr nicht zu übergehen, o Bester der Zweifachgeborenen; höre dies alles, was sich in meinem früheren Leib zugetragen hat, o Makelloser.
ahaṃ hi brāhmaṇaḥ pūrvam āsaṃ dvijavarātmaja vedādhyāyī sukuśalo vedāṅgānāṃ ca pāragaḥ ātmadoṣakṛtair brahmann avasthāṃ prāptavān imām
Ich war früher ein Brahmane, o Sohn des Besten der Zweifachgeborenen, ein Vedastudierender, wohlbewandert und in den Vedāṅgas bewandert bis ans Ende; durch meine eigenen Fehler, o Brahmane, habe ich diesen Zustand erlangt.
Wort für Wort
ahaṃ hi brāhmaṇaḥ pūrvam āsaṃ dvijavarātmaja vedādhyāyī sukuśalo vedāṅgānāṃ ca pāragaḥ ātmadoṣakṛtair brahmann avasthāṃ prāptavān imām
Ich war früher ein Brahmane, o Sohn des Besten der Zweifachgeborenen, ein Vedastudierender, wohlbewandert und in den Vedāṅgas bewandert bis ans Ende; durch meine eigenen Fehler, o Brahmane, habe ich diesen Zustand erlangt.
kaś cid rājā mama sakhā dhanurvedaparāyaṇaḥ saṃsargād dhanuṣi śreṣṭhas tato 'ham abhavaṃ dvija
Ein gewisser König war mein Freund, dem Bogenschieß-Wissen ganz ergeben; durch den Umgang mit ihm wurde ich vorzüglich im Bogenschießen, o Zweifachgeborener.
Wort für Wort
kaś cid rājā mama sakhā dhanurvedaparāyaṇaḥ saṃsargād dhanuṣi śreṣṭhas tato 'ham abhavaṃ dvija
Ein gewisser König war mein Freund, dem Bogenschieß-Wissen ganz ergeben; durch den Umgang mit ihm wurde ich vorzüglich im Bogenschießen, o Zweifachgeborener.
etasminn eva kāle tu mṛgayāṃ nirgato nṛpaḥ sahito yodhamukhyaiś ca mantribhiś ca susaṃvṛtaḥ tato 'bhyahan mṛgāṃs tatra subahūn āśramaṃ prati
Zu eben dieser Zeit zog der König zur Jagd aus, begleitet von den vornehmsten Kriegern und Ministern, wohlumgeben; dort tötete er sehr viele Wildtiere in der Nähe einer Einsiedelei.
Wort für Wort
etasminn eva kāle tu mṛgayāṃ nirgato nṛpaḥ sahito yodhamukhyaiś ca mantribhiś ca susaṃvṛtaḥ tato 'bhyahan mṛgāṃs tatra subahūn āśramaṃ prati
Zu eben dieser Zeit zog der König zur Jagd aus, begleitet von den vornehmsten Kriegern und Ministern, wohlumgeben; dort tötete er sehr viele Wildtiere in der Nähe einer Einsiedelei.
atha kṣiptaḥ śaro ghoro mayāpi dvijasattama tāḍitaś ca munis tena śareṇānataparvaṇā
Da wurde auch von mir ein schrecklicher Pfeil abgeschossen, o Bester der Zweifachgeborenen, und ein Weiser wurde von diesem Pfeil mit den gebogenen Gelenken getroffen.
Wort für Wort
atha kṣiptaḥ śaro ghoro mayāpi dvijasattama tāḍitaś ca munis tena śareṇānataparvaṇā
Da wurde auch von mir ein schrecklicher Pfeil abgeschossen, o Bester der Zweifachgeborenen, und ein Weiser wurde von diesem Pfeil mit den gebogenen Gelenken getroffen.
manvānas taṃ mṛgaṃ cāhaṃ saṃprāptaḥ sahasā munim apaśyaṃ tam ṛṣiṃ viddhaṃ śareṇānataparvaṇā tam ugratapasaṃ vipraṃ niṣṭanantaṃ mahītale
Ich, der ich ihn für ein Wildtier gehalten hatte, kam eilends heran und erblickte den Weisen, jenen Seher, von dem Pfeil mit den gebogenen Gelenken getroffen, jenen von strenger Askese, den Brahmanen, wie er auf der Erde stöhnte.
Wort für Wort
manvānas taṃ mṛgaṃ cāhaṃ saṃprāptaḥ sahasā munim apaśyaṃ tam ṛṣiṃ viddhaṃ śareṇānataparvaṇā tam ugratapasaṃ vipraṃ niṣṭanantaṃ mahītale
Ich, der ich ihn für ein Wildtier gehalten hatte, kam eilends heran und erblickte den Weisen, jenen Seher, von dem Pfeil mit den gebogenen Gelenken getroffen, jenen von strenger Askese, den Brahmanen, wie er auf der Erde stöhnte.
akāryakaraṇāc cāpi bhṛśaṃ me vyathitaṃ manaḥ ajānatā kṛtam idaṃ mayety atha tam abruvam kṣantum arhasi me brahmann iti cokto mayā muniḥ
Wegen dieser unrechten Tat war mein Geist heftig erschüttert; ich sagte zu ihm, dies sei von mir in Unwissenheit getan worden, und ich bat den Weisen, mir zu vergeben, o Brahmane.
Wort für Wort
akāryakaraṇāc cāpi bhṛśaṃ me vyathitaṃ manaḥ ajānatā kṛtam idaṃ mayety atha tam abruvam kṣantum arhasi me brahmann iti cokto mayā muniḥ
Wegen dieser unrechten Tat war mein Geist heftig erschüttert; ich sagte zu ihm, dies sei von mir in Unwissenheit getan worden, und ich bat den Weisen, mir zu vergeben, o Brahmane.
Darauf, von Zorn überwältigt, sprach der Seher zu mir dieses Wort: Ich solle ein grausamer Jäger werden, geboren in einem Śūdra-Mutterschoß, o Zweifachgeborener!‘“
Darauf, von Zorn überwältigt, sprach der Seher zu mir dieses Wort: Ich solle ein grausamer Jäger werden, geboren in einem Śūdra-Mutterschoß, o Zweifachgeborener!‘“