Kapitel 231: Duryodhanagraham
Die Gefangennahme Duryodhanas
Während das übrige Kaurava-Heer flieht, hält allein Duryodhana stand, wird aber von den Gandharvas umringt, sein Wagen zertrümmert und er selbst von Citrasena lebendig gefangen genommen; auch Duḥśāsana, Viviṃśati, ein gleichnamiger Kaurava-Bruder Citrasena, Vinda und Anuvinda sowie sämtliche Königsfrauen werden gefangen fortgeführt. Die verzweifelten Minister Duryodhanas fliehen zu Yudhiṣṭhira und flehen um Hilfe. Bhīmasena reagiert mit bitterer Schadenfreude: Die Gandharvas hätten vollbracht, was eigentlich den Pāṇḍavas zugestanden hätte, und Duryodhanas eigenes Unrecht sei nun an ihm selbst vollzogen worden. Yudhiṣṭhira aber weist ihn zurecht: Jetzt sei nicht die Zeit für harte Worte - womit sich die Rettung Duryodhanas durch die Pāṇḍavas ankündigt.
Vaiśaṃpāyana sprach: „Als aber, o Großkönig, der große Wagenkämpfer Karṇa von den Gandharvas geschlagen worden war, floh das gesamte Heer, vor den Augen des Sohnes Dhṛtarāṣṭras.
Vaiśaṃpāyana sprach: „Als aber, o Großkönig, der große Wagenkämpfer Karṇa von den Gandharvas geschlagen worden war, floh das gesamte Heer, vor den Augen des Sohnes Dhṛtarāṣṭras.
yugam īṣāṃ varūthaṃ ca tathaiva dhvajasārathī aśvāṃs triveṇuṃ talpaṃ ca tilaśo 'bhyahanan ratham
Das Wagenjoch, die Deichsel, den Wagenkasten, ebenso Banner und Wagenlenker, die Pferde, den Dreispross und den Sitz - sesamkorngroß zerschlugen sie den Wagen.
Wort für Wort
yugam īṣāṃ varūthaṃ ca tathaiva dhvajasārathī aśvāṃs triveṇuṃ talpaṃ ca tilaśo 'bhyahanan ratham
Das Wagenjoch, die Deichsel, den Wagenkasten, ebenso Banner und Wagenlenker, die Pferde, den Dreispross und den Sitz - sesamkorngroß zerschlugen sie den Wagen.
Als jener gefangen worden war, o Fürst der Könige, ergriffen die Gandharvas auch Duḥśāsana, der auf seinem Wagen stand, indem sie ihn von allen Seiten umringten.
Als jener gefangen worden war, o Fürst der Könige, ergriffen die Gandharvas auch Duḥśāsana, der auf seinem Wagen stand, indem sie ihn von allen Seiten umringten.
viviṃśatiṃ citrasenam ādāyānye pradudruvuḥ vindānuvindāv apare rājadārāṃś ca sarvaśaḥ
Andere ergriffen Viviṃśati und einen [gleichnamigen] Citrasena und stürmten davon; wieder andere ergriffen Vinda und Anuvinda, sowie sämtliche Königsfrauen.
Wort für Wort
viviṃśatiṃ citrasenam ādāyānye pradudruvuḥ vindānuvindāv apare rājadārāṃś ca sarvaśaḥ
Andere ergriffen Viviṃśati und einen [gleichnamigen] Citrasena und stürmten davon; wieder andere ergriffen Vinda und Anuvinda, sowie sämtliche Königsfrauen.
Hier ist ein Kaurava-Bruder namens Citrasena gemeint, der zufällig denselben Namen trägt wie der Gandharvenkönig aus den vorangehenden Kapiteln - eine im Mahābhārata häufige Namensgleichheit verschiedener Figuren.
śakaṭāpaṇaveśyāś ca yānayugyaṃ ca sarvaśaḥ śaraṇaṃ pāṇḍavāñ jagmur hriyamāṇe mahīpatau
Die Wagen mit Verkaufsständen und Freudenmädchen sowie sämtliche Fahrzeuge und Zugtiere suchten Zuflucht bei den Pāṇḍavas, während der Herrscher der Erde weggeführt wurde.
Wort für Wort
śakaṭāpaṇaveśyāś ca yānayugyaṃ ca sarvaśaḥ śaraṇaṃ pāṇḍavāñ jagmur hriyamāṇe mahīpatau
Die Wagen mit Verkaufsständen und Freudenmädchen sowie sämtliche Fahrzeuge und Zugtiere suchten Zuflucht bei den Pāṇḍavas, während der Herrscher der Erde weggeführt wurde.
priyadarśano mahābāhur dhārtarāṣṭro mahābalaḥ gandharvair hriyate rājā pārthās tam anudhāvata
Der liebreizend anzuschauende, starkarmige, überaus mächtige Sohn Dhṛtarāṣṭras, der König, werde von den Gandharvas weggeführt - so hieß es; dem eilten die Söhne Pṛthās nach.
Wort für Wort
priyadarśano mahābāhur dhārtarāṣṭro mahābalaḥ gandharvair hriyate rājā pārthās tam anudhāvata
Der liebreizend anzuschauende, starkarmige, überaus mächtige Sohn Dhṛtarāṣṭras, der König, werde von den Gandharvas weggeführt - so hieß es; dem eilten die Söhne Pṛthās nach.
anyathā vartamānānām artho jāto 'yam anyathā asmābhir yad anuṣṭheyaṃ gandharvais tad anuṣṭhitam
‚Für die, die sich anders verhielten, ist dieses Ergebnis nun ein anderes geworden; was von uns hätte getan werden müssen, das haben die Gandharvas vollbracht.
Wort für Wort
anyathā vartamānānām artho jāto 'yam anyathā asmābhir yad anuṣṭheyaṃ gandharvais tad anuṣṭhitam
‚Für die, die sich anders verhielten, ist dieses Ergebnis nun ein anderes geworden; was von uns hätte getan werden müssen, das haben die Gandharvas vollbracht.
Dies ist ein schlechter Ratschluss gewesen, mein Lieber, des Königs, der so schlecht gewürfelt hat; wir haben gehört, man sage, den Feind eines Unmännlichen bringen andere zu Fall. [?]
Dies ist ein schlechter Ratschluss gewesen, mein Lieber, des Königs, der so schlecht gewürfelt hat; wir haben gehört, man sage, den Feind eines Unmännlichen bringen andere zu Fall. [?]
Ein anscheinend sprichwörtliches Bild: Ein Feigling oder Unfähiger vermag seine eigenen Feinde nicht selbst zu bezwingen - das besorgen andere für ihn. Bhīma wendet dies bitter-höhnisch auf Duryodhana an, dessen Erniedrigung durch die Gandharvas anstelle der Pāṇḍavas selbst vollzogen wurde.
tad idaṃ kṛtaṃ naḥ pratyakṣaṃ gandharvair atimānuṣam diṣṭyā loke pumān asti kaś cid asmatpriye sthitaḥ yenāsmākaṃ hṛto bhāra āsīnānāṃ sukhāvahaḥ
Dies ist nun vor unseren Augen von den Gandharvas vollbracht worden, übermenschlich; zum Glück gibt es also in der Welt jemanden, der uns wohlgesinnt ist, durch den uns, die wir untätig dasaßen, eine wohltuende Last abgenommen wurde.
Wort für Wort
tad idaṃ kṛtaṃ naḥ pratyakṣaṃ gandharvair atimānuṣam diṣṭyā loke pumān asti kaś cid asmatpriye sthitaḥ yenāsmākaṃ hṛto bhāra āsīnānāṃ sukhāvahaḥ
Dies ist nun vor unseren Augen von den Gandharvas vollbracht worden, übermenschlich; zum Glück gibt es also in der Welt jemanden, der uns wohlgesinnt ist, durch den uns, die wir untätig dasaßen, eine wohltuende Last abgenommen wurde.
śītavātātapasahāṃs tapasā caiva karśitān samastho viṣamasthān hi draṣṭum icchati durmatiḥ
Denn der Übelgesinnte wollte uns, die wir Kälte, Wind und Hitze ertragen und von Askese abgezehrt sind, in unserer misslichen Lage sehen, während er selbst wohlgestellt ist.
Wort für Wort
śītavātātapasahāṃs tapasā caiva karśitān samastho viṣamasthān hi draṣṭum icchati durmatiḥ
Denn der Übelgesinnte wollte uns, die wir Kälte, Wind und Hitze ertragen und von Askese abgezehrt sind, in unserer misslichen Lage sehen, während er selbst wohlgestellt ist.