Kapitel 105: nagarādivāstukathana
Die Lehre vom Baugrund für Städte und Häuser
Śiva beschreibt den Vāstu-Plan aus 81 Feldern mit seinen Linien und Gottheiten, dann Hausmaße, Umgänge, die Typen der Ein- bis Acht-Hallen-Häuser, die Raumverteilung nach Himmelsrichtungen, die Āya-Berechnung sowie die Wirkungen der Türlage. Das Kolophon nennt gṛhādivāstu. Der Text ist besonders in V. 17–22 und 28–32 schwer verderbt; die Zahl der Nordlinien (V. 3–4) und der Türfrüchte ist nicht stimmig; V. 39 ist ein Halbvers.
Īśvara sprach: Für Städte, Dörfer, Festungen usw. [und] zum Gedeihen von Häusern und Tempeln verehre man den Vāstu[-Geist] auf [einem Plan von] einundachtzig Feldern – [das führt] sicher zum Erfolg.
Roga, Ahi, Mukhya, Bhallāṭa, Saubhāgya, Aditi und Diti [im Norden]. Brahmā, der die inneren neun Felder einnimmt, ist zu verehren, und oberhalb [um ihn] die sechs Felder Einnehmenden.
In der Zelle zwischen Brahmā und Īśa [verehre man] die Māyā [?] Genannte auf zwei Feldern; darunter den Āpavatsa Genannten; in den Zwischenräumen zum Zentrum [?] auf sechs Feldern
Wort für Wort
brahma-īśa-antara-koṣṭha-sthām
in der Zelle zwischen Brahmā und Īśa
pada-dvaye
auf zwei Feldern
tat-adhaḥ
darunter
āpavatsa-ākhyam
den Āpavatsa Genannten
ṣaṭ-pade
auf sechs Feldern
māyākhyāṃ wohl verderbt für āpākhyāṃ (Āpa); kendrantareṣu unklar.
Zwischen den Vätern und Brahmā [verehre man] Viṣṇu [?], Indu und Indra, darunter Jaya; zwischen Varuṇa und Brahmā verehre man den Mitra Genannten auf sechs Feldern.
Zwischen Roga und Brahmā stets den Rudradāsa [samt Rudra] auf zwei [mal] fünf [?] [Feldern]; darunter den Yakṣman auf zwei Feldern; auf den sechs nördlichen den Dharādhara.
ekāśīpadaṃ veśma maṇḍapaś ca śatāṅghrikaḥ / pūrvavaddevatāḥ pūjyā brahmā tu ṣoḍaśāṃśake //
Ein Wohnhaus hat einundachtzig Felder, eine Halle (maṇḍapa) hundert Felder. Die Gottheiten sind wie zuvor zu verehren, Brahmā aber auf sechzehn Teilen.
die Daitya-Mutter [Anm.: Diti], ebenso Īśa und Agni, die beiden Mṛga Genannten [?] und die Väter, Pāpa, Yakṣman und Anila – all diese Gottheiten stehen auf anderthalb Teilen.
Das Sāvitra [-Haus] habe die Länge von zweimal neun (graha) und die Breite von fünfzehn (tithi) [Ellen], mit Halle [?]; die Wände der anderen [bemesse man] je einzeln mit einem Dreißigstel.
Nach der Höhe von Wandstärke und Wandzone [?] [bemessen], habe die Wand die dreifache Höhe; der Boden gleiche der Wandlinie; der Umgang (vīthī) ist nach Unterscheidung vielfältig.
Wort für Wort
kuḍya-pṛthu
Wandstärke
kuḍyam triguṇa-ucchrayam
die Wand von dreifacher Höhe
kuḍya-sūtra-samā pṛthvī
Boden gleich der Wandlinie
vīthī
der Umgang
bhedāt anekadhā
nach Unterscheidung vielfältig
Erster Halbvers unklar; triguṇocchayaṃ = triguṇocchrayaṃ.
Der Umgang sei gleich der Breite der Cella oder mancherorts halb oder ein Viertel davon; die Nebenumgänge usw. mit der Hälfte des Umgangs, versehen mit einem, zwei oder drei Stockwerken [?].
Nun werde ich das allgemeine Haus für alle darlegen, das alle Wünsche gewährt: mit einer, zwei, drei, vier Hallen (śālā) und mit acht Hallen der Reihe nach.
ekaṃ yāmye ca saumāsyaṃ dve cet paścāt puromukham / catuḥśālantu sāmmukhyāttayorindrendramuktayoḥ //
Eine [Halle] im Süden, nach Norden gewandt; wenn zwei, [eine] hinten, nach vorn gewandt; das Vier-Hallen-Haus [entsteht] durch Gegenüberstellung; bei den beiden mit und ohne Osten [?] …
śivāsyamambupāsyaiṣa indrāsye yamasūryakaṃ / prāksaumyasthe ca daṇdākhyaṃ prāgyāmye vātasañjñakaṃ //
Nach Nordosten gewandt im Westen [?] ist dieses; wenn nach Osten gewandt: Yamasūryaka; wenn im Osten und Norden gelegen: Daṇḍa genannt; im Osten und Süden: Vāta genannt;
Wort für Wort
indra-āsye
nach Osten gewandt
yama-sūryakam
Yamasūryaka
prāk-saumya-sthe
im Osten und Norden gelegen
daṇḍa-ākhyam
Daṇḍa genannt
prāk-yāmye vāta-saṃjñakam
im Osten und Süden Vāta genannt
Benennung der Zwei-Hallen-Häuser; erste Angabe unklar.
Fehlt die südliche, so ist es Śūlī; das Drei-Hallen-Haus fördert höchstes Gedeihen. Pakṣaghna [?] ist das Haus ohne die westliche, es tötet Söhne und schafft viele Feinde.
Wort für Wort
yāmye hīne
wenn die südliche fehlt
śūlī
Śūlī
tri-śālam vṛddhi-kṛt
das Drei-Hallen-Haus fördert Gedeihen
jala-hīna-okaḥ
das Haus ohne westliche
suta-ghnam bahu-śatru-kṛt
Söhne tötend, viele Feinde schaffend
yakṣaghnaṃ wohl für pakṣaghnaṃ; jalahīnaukaḥ = jala-hīna-okaḥ.
In der Reihenfolge von Indra [Osten] an nenne ich die acht Häuser, beginnend mit Dhvaja. Im Osten den Ort für Waschung und Bad [?], im Agni-[Bereich, Südosten] seine Küche,
im Süden die Zubereitung von Säften [?] und das Schlafgemach, im Rakṣas-[Bereich, Südwesten] Bogen und Waffen, im Bereich des Herrn der Wasser [Westen] … [?], im Māruta-[Bereich, Nordwesten] … [?],
im Norden richte man Schatz und Vieh ein, im Nordosten den vorzüglichen Ort der Weihe. Das Haus werde nach den Ellen des Hausherrn bemessen: Breite, Länge und Gesamtsumme,
[diese] verdreifacht, mit den Ellen vermehrt [?] und ebenso durch acht geteilt; welcher Rest dann bleibt, danach bestimmen sich [die Häuser] Dhvaja usw. bis Vāyasa (Krähe).
pratyagāpye cenduyame haṭṭa eva gṛhāvalī / ekaikabhavanākhyāni dikṣvaṣṭāṣṭakasaṅkhyayā //
Im Westen und Norden [?], im Norden und Süden [liegen] Markt und Häuserreihe. Die einzelnen Häuser werden in den Richtungen nach der Zahl acht mal acht [Türstellen] benannt,
Kunstfertigkeit und ein Sohn – [das sind] die acht Früchte der Südtüren. Langes Leben, Weltentsagung, Feldfrüchte, Reichtum, Frieden, Verlust der Güter,
Auszehrung, Genuss und Nachkommenschaft – das sind die Früchte der Westtüren. Krankheit, Rausch, Leid, Vorrang, Wohlstand, Lebensdauer, Abmagerung, Einsicht