Kapitel 62: lakṣmīpratiṣṭhāvidhiḥ
Das Ritual der Einsetzung Lakṣmīs
Das Kapitel beschreibt die Einsetzung Lakṣmīs (Śrīs) als Muster für alle Göttinnen: Salbung, Augenöffnung, Besprengung aus acht Richtungskrügen unter Zitaten aus dem Śrīsūkta, Bad mit 81 Krügen, Feueropfer mit Lotus- oder Oleanderblüten, Einsetzung auf dem Sockel und Belebung. Die Śrīsūkta-Zitate sind vielfach verkürzt oder entstellt überliefert (bes. V. 5-8); Vers 13 hat drei Halbverse.
bhagavānuvāca | samudāyena devādeḥ pratiṣṭhāṃ pravadāmi te / lakṣmyāḥ pratiṣṭhā prathamaṃ tathā devīgaṇasya ca //
Der Erhabene sprach: Die Einsetzung der Götter usw. in ihrer Gesamtheit will ich dir darlegen: zuerst die Einsetzung Lakṣmīs und ebenso die der Schar der Göttinnen.
Nachdem man sie unter dem Wurzelmantra mit Butterschmalz gesalbt hat, bade man sie mit den fünf Kuhprodukten; mit „hiraṇyavarṇāṃ hariṇīm“ öffne man die Augen Śrīs.
Wort für Wort
ghṛtena abhyajya
mit Butterschmalz gesalbt
mūlena
mit dem Wurzelmantra
snapayet pañcagavyakaiḥ
bade mit den fünf Kuhprodukten
hiraṇya-varṇā hariṇī
'die goldfarbene, gelbliche'
netre unmīlayet
öffne die Augen
Zitat aus dem Śrīsūkta, im Text in verkürzter Nominativform.
Mit „kāṃ so 'smitām“ (besprenge man) mit dem südlichen, mit dem westlichen besprenge man, indem man „candrāṃ prabhāsām“ spricht, und mit „ādityavarṇe“ vom nördlichen (Krug) aus.
mit dem nordöstlichen Krug das Haupt; (dann) mit „kardamena“ aus dem goldenen (Gefäß) [?]. Das Bad mit einundachtzig Krügen (erfolgt) mit dem Mantra „āpaḥ sṛjantu“ [?] …
Wort für Wort
īśāna-kalaśena
mit dem nordöstlichen Krug
śiraḥ
das Haupt
sauvarṇa-kardamāt
aus Gold / mit 'kardamena' (?)
ekāśīti-ghaṭaiḥ snānam
Bad mit 81 Krügen
āpaḥ sṛjan
'die Wasser mögen hervorbringen' (?)
Stelle verderbt: 'sauvarṇakardamāt' und 'mantreṇāpaḥ sṛjan kṣitim' nur vermutungsweise als Śrīsūkta-Zitate (kardamena…, āpaḥ sṛjantu…) gedeutet.
Mit dem Śāyantīya-(Lied) (lege man sie) auf das Lager, mit dem Śrīsūkta (bewirke man) die Gegenwart; mit der Lakṣmī-Keimsilbe lege man die Geisteskraft (cicchakti) hinein und verehre wiederum.
nachdem man mit dem Mantra den Sockel bereitet hat, (erfolgt) dann die Einsetzung Śrīs; und mit dem Śrīsūkta (bewirke man) die Gegenwart: Wie früher murmele man Vers für Vers.
Nachdem man die Geisteskraft erweckt hat, vollziehe man mit dem Wurzelmantra die Vergegenwärtigung; Land, Gold, Gewänder, Kühe, Speise usw. übergebe man dem Lehrer und dem Brahmanen. So sind alle Göttinnen einzusetzen; hat man sie herbeigerufen, so bewirke man (für sich) Himmel usw. [?].
Wort für Wort
cit-śaktim bodhayitvā
die Geisteskraft erweckt habend
mūlāt sānnidhyakam caret
mit dem Wurzelmantra die Vergegenwärtigung vollziehe