Agni gibt die Belehrung Puṣkaras an Rāma über die Königspflicht wieder und beginnt mit der Königsweihe: Wahl von Astrologe, Hauspriester, Ministern und Hauptkönigin, vorbereitende Opfer und Feuervorzeichen, Reinigung der Körperteile mit Erde von verschiedenen Orten, Besprengung durch Minister der vier Stände und durch Priester unter vedischen Sprüchen, Krönung auf dem Fellsitz und Umzug durch die Stadt. Kopftitel rājābhiṣekakathanaṃ, Kolophon rājābhiṣeka; die Spruchanfänge in V. 24–26 und 30 sind teils entstellt.
Puṣkara sprach: Ich werde die Königspflicht darlegen, [das Wichtigste] von allen Pflichten des Königs: Der König soll Feinde vernichten, die Untertanen schützen und die Strafgewalt recht handhaben.
„Er wird euch alle, die ihr im Dharma steht, beschützen“ [– so verkünde man]; er befolge ein Gelübde. Er wähle einen Astrologen (sāṃvatsara) und dann einen brahmanischen Hauspriester (purohita),
Wort für Wort
pālayiṣyati vaḥ sarvān
er wird euch alle schützen
dharma-sthān
die im Dharma Stehenden
vratam ācaret
befolge ein Gelübde
sāṃvatsaram vṛṇuyāt
wähle einen Astrologen
purohitam dvijam
einen brahmanischen Hauspriester
saṃvatsaraṃ hier wie in V. 5 (sāṃvatsara) als „Astrologe“ gedeutet.
ferner Minister, die alles gründlich kennen, [und] eine Hauptkönigin, die die Merkmale des Dharma trägt. Zur [vom] Astrologen [bestimmten] Zeit [vollziehe] der König mit den nötigen Zurüstungen die Weihe;
Wort für Wort
mantriṇaḥ
Minister
akhila-ātma-jñān
allseits kundige
mahiṣīm
die Hauptkönigin
dharma-lakṣaṇām
mit den Merkmalen des Dharma
sa-sambhāraḥ
mit den Zurüstungen
abhiṣecanam
die Weihe
akhilātmajñān wörtlich „das ganze Selbst kennend“; wohl „allseits kundig“.
ist [aber] der [vorige] König gestorben, so gilt hier keine Zeitbeschränkung. [Es folgt] ein Bad mit Sesam und weißen Senfkörnern [durch] den Astrologen und den Hauspriester.
Nachdem sie den Sieg des Königs ausgerufen haben, lasse der auf dem Glücksthron sitzende König Sicherheit [für alle] ausrufen und [Gefangene] aus den Festungen freilassen, wenn [ein neuer] Beschützer des Reiches [eingesetzt ist].
purodhasābhiṣekāt prāk kāryaindrī śāntireva ca / upavāsyabhiṣekāhe vedyagnau juhuyānmanūn //
Vor der Weihe durch den Hauspriester ist ein Beschwichtigungsritus für Indra (aindrī śānti) zu vollziehen. Am Weihetag soll [der König] fasten, und man opfere ins Altarfeuer die Sprüche
an Viṣṇu, die Indra-Sprüche, die Sāvitrī-Sprüche, die an die Allgötter, die an Soma, die Heilssprüche (svastyayana) und die Sprüche, die Schutz, langes Leben und Furchtlosigkeit gewähren,
Wort für Wort
vaiṣṇavān
die an Viṣṇu
aindra-mantrān
die Indra-Sprüche
sāvitrān vaiśvadaivatān
Sāvitrī- und Allgötter-Sprüche
saumyān svastyayanam
Soma- und Heilssprüche
śarma-āyuṣya-abhaya-dān manūn
Schutz, Leben und Furchtlosigkeit gewährende Sprüche
und die Aparājitā[-Sprüche]. Einen goldenen Krug, der an der rechten [südlichen] Seite des Feuers steht und die Opferreste (sampāta) enthält, verehre man mit Duftstoffen und Blumen.
pradakṣiṇāvartaśikhastaptajāmbūnadaprabhaḥ / rathaughameghanirghoṣo vidhūmaś ca hutāśanaḥ //
[Günstig ist] das Feuer, wenn seine Flamme sich nach rechts dreht, es den Glanz geläuterten Goldes hat, wie eine Menge Wagen oder wie Wolken dröhnt und rauchlos ist,
mit Erde von der Spitze eines Ameisenhügels die Ohren, das Gesicht mit [Erde] von einem Keśava-Tempel, mit Erde von einem Indra-Tempel den Hals, das Herz mit [Erde] vom Königshof,
ebenso den Rücken mit Erde aus einem See, den Bauch mit Erde von einem Zusammenfluss, die Seiten reinige man ebenso mit Erde von beiden Ufern eines Flusses.
Mit Erde von der Tür einer Hetäre ist die Reinigung der Hüften des Königs vorgeschrieben; ebenso die Oberschenkel [mit Erde] von einer Opferstätte, die Knie von einem Kuhstall,
ebenso die Unterschenkel von einem Pferdestall, die Füße mit Erde von einem Wagenrad; den Kopf mit den fünf Kuhprodukten (pañcagavya). Den auf dem Glücksthron sitzenden König
mṛṇmayena jalenodak śūdrāmātyo 'bhiṣicayet / tato 'bhiṣekaṃ nṛpaterbahvṛcapravaro dvijaḥ //
ein Śūdra-Minister besprenge von Norden mit Wasser aus einem irdenen [Krug]. Danach [vollziehe] die Weihe des Königs ein Brahmane, der beste der Ṛgveda-Kundigen (bahvṛca),
mit Honig, und der Brahmane, der Sāmaveda-Sänger (chandoga), mit Kuśa-Wasser. Ebenso [begebe sich] der Hauspriester, nachdem er zu dem Krug mit den Opferresten gegangen ist,
vidhāya vahnirakṣāntu sadasyeṣu yathāvidhi / rājaśriyābhiṣeke ca ye mantrāḥ parikīrtitāḥ //
[und] den Feuerschutz unter den Versammlungsteilnehmern nach Vorschrift vollzogen hat, [zur Weihe]; und die Sprüche, die bei der Weihe zur Königsherrlichkeit überliefert sind,
mit diesen gebe er [die Weihe], o Hochbeglückter, und ebenso unter dem Klang [der Stimmen] der Brahmanen. Dann gehe der Hauspriester zum Fuß des Altars, ebendort
besprenge er [den König] mit einem goldenen Gefäß mit hundert Löchern: mit [dem Vers] „yā oṣadhīḥ“ mit Kräutern, mit „rathe …“ [?] und dem folgenden mit Duftstoffen,
Wort für Wort
śata-chidreṇa pātreṇa
mit einem Gefäß mit hundert Löchern
sauvarṇena
golden
yā oṣadhīḥ iti
mit „yā oṣadhīḥ“
oṣadhībhiḥ
mit Kräutern
gandhakaiḥ
mit Duftstoffen
athetyuktveti unklar; vielleicht Verweis auf einen mit ratha beginnenden Vers.
puṣpaiḥ puṣpavatītyeva brāhmaṇeti ca vījakaiḥ / ratnair āśuḥ śiśānaś ca ye devāś ca kuśodakaiḥ //
mit Blumen [unter dem Vers] „puṣpavatīḥ“, mit Samen [unter] „brāhmaṇa …“, mit Edelsteinen [unter] „āśuḥ śiśānaḥ“ und mit Kuśa-Wasser [unter] „ye devāḥ“.
Der Yajurveda- und der Atharvaveda-Kundige sollen [unter dem Vers] „gandhadvārā“ mit Gorocanā Kopf und Hals berühren, die Brahmanen [ihn] mit dem Wasser aller Pilgerstätten [besprengen],
unter dem Klang von Gesang, Instrumenten und dergleichen, mit Yakwedeln, Fächern und dergleichen; einen Krug mit allen Kräutern sollen sie vor dem König halten.
taṃ paśyeddarpaṇaṃ rājā ghṛtaṃ vai maṅgalādikaṃ / abhyarcya viṣṇuṃ brahmāṇamindrādīṃś ca graheśvarān //
Der König blicke auf ihn, auf einen Spiegel, auf Butterschmalz und die glückbringenden Dinge und dergleichen. Nachdem er Viṣṇu, Brahmā, Indra und die übrigen sowie die Herren der Planeten verehrt hat,
[und] auf einem mit Tigerfell bedeckten Lager Platz genommen hat, soll der Hauspriester, nachdem er den Honigtrank (madhuparka) und dergleichen gereicht hat, die Stirnbinde anlegen lassen
und das Aufsetzen der Krone des Königs; er gebe [ihm einen Sitz], der mit fünf Fellen bedeckt ist. Unter [dem Vers] „dhruvā dyauḥ …“ lasse er sich nieder; das Fell vom Stier, vom Vṛṣadaṃśa [Kater],
Wort für Wort
rājñaḥ mukuṭa-bandham
das Aufsetzen der Königskrone
pañca-carma-uttaram
mit fünf Fellen bedeckt
dhruvā dyauḥ iti
unter „dhruvā dyauḥ“
viśet
lasse sich nieder
vṛṣa-jam
vom Stier
vṛṣadaṃśa-jam
vom Vṛṣadaṃśa (Kater)
dhruvādyair verderbt, wohl dhruvā dyaur „fest ist der Himmel“ als Spruchanfang. rājñomukuṭa° für rājño mukuṭa°.
gojāvigṛhadānādyaiḥ sāṃvatsarapurohitau / pūjayitvā dvijān prārcya hy anyabhūgonnamukhyakaiḥ //
Nachdem er den Astrologen und den Hauspriester mit Gaben von Kühen, Ziegen, Schafen, Häusern und dergleichen geehrt und die Brahmanen mit anderem, vor allem Land, Kühen und Speise, verehrt hat,
das Feuer rechts umschritten, sich vor dem Lehrer verneigt und dann von hinten [?] einen Stier berührt, eine Kuh mit Kalb verehrt und dann [ein mit Sprüchen] besprochenes
Wort für Wort
vahnim pradakṣiṇī-kṛtya
das Feuer rechts umschritten habend
gurum natvā
vor dem Lehrer verneigt
vṛṣam ālabhya
einen Stier berührt habend
gām sa-vatsām pūjayitvā
eine Kuh mit Kalb verehrt
mantritam
besprochen, geweiht
pṛṣṭhataḥ „von hinten“ – Bezug unklar; mantritam wohl auf das Pferd (V. 34) bezogen.