Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 218: rājābhiṣekaḥ Die Königsweihe

Agni gibt die Belehrung Puṣkaras an Rāma über die Königspflicht wieder und beginnt mit der Königsweihe: Wahl von Astrologe, Hauspriester, Ministern und Hauptkönigin, vorbereitende Opfer und Feuervorzeichen, Reinigung der Körperteile mit Erde von verschiedenen Orten, Besprengung durch Minister der vier Stände und durch Priester unter vedischen Sprüchen, Krönung auf dem Fellsitz und Umzug durch die Stadt. Kopftitel rājābhiṣekakathanaṃ, Kolophon rājābhiṣeka; die Spruchanfänge in V. 24–26 und 30 sind teils entstellt.

agnir uvāca | puṣkareṇa ca rāmāya rājadharmaṃ hi pṛcchate / yathādau kathitaṃ tadvadvaśiṣṭa kathayāmi te //

Agni sprach: Wie einst Puṣkara dem Rāma, der nach der Königspflicht fragte, [sie] dargelegt hat, so will ich sie dir erzählen, o Vasiṣṭha.

Wort für Wort
puṣkareṇa
von Puṣkara
rāmāya pṛcchate
dem fragenden Rāma
rāja-dharmam
die Königspflicht
yathā ādau kathitam
wie einst dargelegt
tadvat kathayāmi te
so erzähle ich dir

vaśiṣṭa für vasiṣṭha.

puṣkara uvāca | rājadharmaṃ pravakṣyāmi sarvasmāt rājadharmataḥ / rājā bhavet śatruhantā prajāpālaḥ sudaṇḍavān //

Puṣkara sprach: Ich werde die Königspflicht darlegen, [das Wichtigste] von allen Pflichten des Königs: Der König soll Feinde vernichten, die Untertanen schützen und die Strafgewalt recht handhaben.

Wort für Wort
rāja-dharmam pravakṣyāmi
ich werde die Königspflicht darlegen
śatru-hantā
Feindesvernichter
prajā-pālaḥ
Beschützer der Untertanen
su-daṇḍavān
die Strafgewalt recht handhabend

sarvasmāt rājadharmataḥ im Satzbau unklar.

pālayiṣyati vaḥ sarvān dharmasthān vratamācaret / saṃvatsaraṃ sa vṛṇuyāt purohitamatha dvijaṃ //

„Er wird euch alle, die ihr im Dharma steht, beschützen“ [– so verkünde man]; er befolge ein Gelübde. Er wähle einen Astrologen (sāṃvatsara) und dann einen brahmanischen Hauspriester (purohita),

Wort für Wort
pālayiṣyati vaḥ sarvān
er wird euch alle schützen
dharma-sthān
die im Dharma Stehenden
vratam ācaret
befolge ein Gelübde
sāṃvatsaram vṛṇuyāt
wähle einen Astrologen
purohitam dvijam
einen brahmanischen Hauspriester

saṃvatsaraṃ hier wie in V. 5 (sāṃvatsara) als „Astrologe“ gedeutet.

mantriṇaścākhilātmajñānmahiṣīṃ dharmalakṣaṇāṃ / saṃvatsaraṃ nṛpaḥ kāle sasambhāro 'bhiṣecanaṃ //

ferner Minister, die alles gründlich kennen, [und] eine Hauptkönigin, die die Merkmale des Dharma trägt. Zur [vom] Astrologen [bestimmten] Zeit [vollziehe] der König mit den nötigen Zurüstungen die Weihe;

Wort für Wort
mantriṇaḥ
Minister
akhila-ātma-jñān
allseits kundige
mahiṣīm
die Hauptkönigin
dharma-lakṣaṇām
mit den Merkmalen des Dharma
sa-sambhāraḥ
mit den Zurüstungen
abhiṣecanam
die Weihe

akhilātmajñān wörtlich „das ganze Selbst kennend“; wohl „allseits kundig“.

kuryānmṛte nṛpe nātra kālasya niyamaḥ smṛtaḥ / tilaiḥ siddhārthakaiḥ snānaṃ sāṃvatsarapurohitau //

ist [aber] der [vorige] König gestorben, so gilt hier keine Zeitbeschränkung. [Es folgt] ein Bad mit Sesam und weißen Senfkörnern [durch] den Astrologen und den Hauspriester.

Wort für Wort
mṛte nṛpe
wenn der König gestorben ist
kālasya niyamaḥ na
keine Zeitbeschränkung
tilaiḥ siddhārthakaiḥ
mit Sesam und weißen Senfkörnern
snānam
Bad
sāṃvatsara-purohitau
Astrologe und Hauspriester

ghoṣayitvā jayaṃ rājño rājā bhadrāsane sthitaḥ / abhayaṃ ghoṣayed durgānmocayedrājyapālake //

Nachdem sie den Sieg des Königs ausgerufen haben, lasse der auf dem Glücksthron sitzende König Sicherheit [für alle] ausrufen und [Gefangene] aus den Festungen freilassen, wenn [ein neuer] Beschützer des Reiches [eingesetzt ist].

Wort für Wort
ghoṣayitvā jayam rājñaḥ
den Sieg des Königs ausgerufen habend
bhadra-āsane sthitaḥ
auf dem Glücksthron sitzend
abhayam ghoṣayet
rufe Sicherheit aus
durgāt mocayet
lasse aus den Festungen frei
rājya-pālake
beim Reichsbeschützer

rājyapālake als Lokativ gedeutet; Stelle knapp.

purodhasābhiṣekāt prāk kāryaindrī śāntireva ca / upavāsyabhiṣekāhe vedyagnau juhuyānmanūn //

Vor der Weihe durch den Hauspriester ist ein Beschwichtigungsritus für Indra (aindrī śānti) zu vollziehen. Am Weihetag soll [der König] fasten, und man opfere ins Altarfeuer die Sprüche

Wort für Wort
purodhasā abhiṣekāt prāk
vor der Weihe durch den Hauspriester
aindrī śāntiḥ
die Indra-Beschwichtigung
upavāsī
fastend
abhiṣeka-ahe
am Weihetag
vedi-agnau juhuyāt
opfere ins Altarfeuer
manūn
die Sprüche

vaiṣṇavānaindramantrāṃstu sāvitrīn vaiśvadaivatān / saumyān svastyayanaṃ śarmāyuṣyābhayadānmanūn //

an Viṣṇu, die Indra-Sprüche, die Sāvitrī-Sprüche, die an die Allgötter, die an Soma, die Heilssprüche (svastyayana) und die Sprüche, die Schutz, langes Leben und Furchtlosigkeit gewähren,

Wort für Wort
vaiṣṇavān
die an Viṣṇu
aindra-mantrān
die Indra-Sprüche
sāvitrān vaiśvadaivatān
Sāvitrī- und Allgötter-Sprüche
saumyān svastyayanam
Soma- und Heilssprüche
śarma-āyuṣya-abhaya-dān manūn
Schutz, Leben und Furchtlosigkeit gewährende Sprüche

aparājitāñca kalasaṃ vahnerdakṣiṇapārśvagaṃ / sampātavantaṃ haimañca pūjayedgandhapuṣpakaiḥ //

und die Aparājitā[-Sprüche]. Einen goldenen Krug, der an der rechten [südlichen] Seite des Feuers steht und die Opferreste (sampāta) enthält, verehre man mit Duftstoffen und Blumen.

Wort für Wort
aparājitām
die Aparājitā (Sprüche der Unbesiegbaren)
kalasam haimam
einen goldenen Krug
vahneḥ dakṣiṇa-pārśva-gam
an der rechten Seite des Feuers
sampātavantam
mit den Opferresten versehen
gandha-puṣpakaiḥ
mit Duftstoffen und Blumen

pradakṣiṇāvartaśikhastaptajāmbūnadaprabhaḥ / rathaughameghanirghoṣo vidhūmaś ca hutāśanaḥ //

[Günstig ist] das Feuer, wenn seine Flamme sich nach rechts dreht, es den Glanz geläuterten Goldes hat, wie eine Menge Wagen oder wie Wolken dröhnt und rauchlos ist,

Wort für Wort
pradakṣiṇa-āvarta-śikhaḥ
mit rechtsdrehender Flamme
tapta-jāmbūnada-prabhaḥ
mit dem Glanz geläuterten Goldes
ratha-ogha-megha-nirghoṣaḥ
wie Wagenmengen und Wolken dröhnend
vidhūmaḥ
rauchlos
hutāśanaḥ
das Feuer

anulomaḥ sugandhaś ca svastikākārasannibhaḥ / prasannārcirmahājvālaḥ sphuliṅgarahito hitaḥ //

wenn es [in rechter Richtung] mitgehend und wohlriechend ist, einem Svastika-Zeichen ähnelt, klare Flammen und große Lohe hat und ohne Funken ist.

Wort für Wort
anulomaḥ
in rechter Richtung gehend
su-gandhaḥ
wohlriechend
svastika-ākāra-sannibhaḥ
einem Svastika ähnlich
prasanna-arciḥ mahā-jvālaḥ
mit klaren Flammen und großer Lohe
sphuliṅga-rahitaḥ hitaḥ
ohne Funken, günstig

na vrajeyuś ca madhyena mārjāramṛgapakṣiṇaḥ / parvatāgramṛdā tāvanmūrdhānaṃ śodhayennṛpaḥ //

Katzen, Wild und Vögel sollen nicht mitten hindurchgehen. Mit Erde von einem Berggipfel reinige der König zunächst den Kopf,

Wort für Wort
na vrajeyuḥ madhyena
sollen nicht hindurchgehen
mārjāra-mṛga-pakṣiṇaḥ
Katzen, Wild, Vögel
parvata-agra-mṛdā
mit Erde vom Berggipfel
mūrdhānam
den Kopf
śodhayet nṛpaḥ
reinige der König

valmīkāgramṛdā karṇau vadanaṃ keśavālayāt / indrālayamṛdā grīvāṃ hṛdayantu nṛpājirāt //

mit Erde von der Spitze eines Ameisenhügels die Ohren, das Gesicht mit [Erde] von einem Keśava-Tempel, mit Erde von einem Indra-Tempel den Hals, das Herz mit [Erde] vom Königshof,

Wort für Wort
valmīka-agra-mṛdā
mit Erde von der Ameisenhügelspitze
karṇau
die Ohren
vadanam keśava-ālayāt
das Gesicht mit Erde vom Keśava-Tempel
indra-ālaya-mṛdā grīvām
den Hals mit Erde vom Indra-Tempel
nṛpa-ajirāt
vom Königshof

karidantoddhṛtamṛdā dakṣiṇantu tathā bhujaṃ / vṛṣaśṛṅgoddhṛtamṛdā vāmañcaiva tathā bhujaṃ //

ebenso den rechten Arm mit Erde, die ein Elefantenzahn aufgewühlt hat, und ebenso den linken Arm mit Erde, die ein Stierhorn aufgewühlt hat,

Wort für Wort
kari-danta-uddhṛta-mṛdā
mit von Elefantenzahn aufgewühlter Erde
dakṣiṇam bhujam
den rechten Arm
vṛṣa-śṛṅga-uddhṛta-mṛdā
mit von Stierhorn aufgewühlter Erde
vāmam bhujam
den linken Arm

saromṛdā tathā pṛṣṭhamudaraṃ saṅgamān mṛdā / nadītaṭadvayamṛdā pārśve saṃśodhayettathā //

ebenso den Rücken mit Erde aus einem See, den Bauch mit Erde von einem Zusammenfluss, die Seiten reinige man ebenso mit Erde von beiden Ufern eines Flusses.

Wort für Wort
saraḥ-mṛdā
mit Seeerde
pṛṣṭham
den Rücken
udaram saṅgamāt mṛdā
den Bauch mit Erde vom Zusammenfluss
nadī-taṭa-dvaya-mṛdā
mit Erde von beiden Flussufern
pārśve
die Seiten

veśyādvāramṛdā rājñaḥ kaṭiśaucaṃ vidhīyate / yajñasthānāttathaivorū gosthānājjānunī tathā //

Mit Erde von der Tür einer Hetäre ist die Reinigung der Hüften des Königs vorgeschrieben; ebenso die Oberschenkel [mit Erde] von einer Opferstätte, die Knie von einem Kuhstall,

Wort für Wort
veśyā-dvāra-mṛdā
mit Erde von der Tür einer Hetäre
kaṭi-śaucam
die Reinigung der Hüften
yajña-sthānāt ūrū
die Schenkel von der Opferstätte
go-sthānāt jānunī
die Knie vom Kuhstall
vidhīyate
ist vorgeschrieben

aśvasthānāttathā jaṅghe rathacakramṛdāṅghrike / mūrdhānaṃ pañcagavyena bhadrāsanagataṃ nṛpaṃ //

ebenso die Unterschenkel von einem Pferdestall, die Füße mit Erde von einem Wagenrad; den Kopf mit den fünf Kuhprodukten (pañcagavya). Den auf dem Glücksthron sitzenden König

Wort für Wort
aśva-sthānāt jaṅghe
die Unterschenkel vom Pferdestall
ratha-cakra-mṛdā
mit Erde vom Wagenrad
aṅghrike
die Füße
pañca-gavyena
mit den fünf Kuhprodukten
bhadra-āsana-gatam nṛpam
den König auf dem Glücksthron

abhiṣiñcedamātyānāṃ catuṣṭayamatho ghaṭaiḥ / pūrvato hemakumbhena ghṛtapūrṇena brāhaṇaḥ //

sollen dann vier Minister mit Krügen besprengen: von Osten ein Brahmane mit einem goldenen Krug voll Butterschmalz,

Wort für Wort
abhiṣiñcet
besprenge, weihe
amātyānām catuṣṭayam
vier Minister
ghaṭaiḥ
mit Krügen
pūrvataḥ
von Osten
hema-kumbhena ghṛta-pūrṇena
mit goldenem Krug voll Butterschmalz

brāhaṇaḥ Tippfehler für brāhmaṇaḥ.

rūpyakumbhena yāmye ca kṣīrapūrṇena kṣatriyaḥ / dadhnā ca tāmrakumbhena vaiśyaḥ paścimagena ca //

im Süden ein Kṣatriya mit einem silbernen Krug voll Milch, ein Vaiśya mit saurer Milch in einem Kupferkrug, im Westen stehend,

Wort für Wort
rūpya-kumbhena
mit silbernem Krug
yāmye
im Süden
kṣīra-pūrṇena
voll Milch
dadhnā tāmra-kumbhena
mit Dickmilch im Kupferkrug
paścima-gena
im Westen stehend

mṛṇmayena jalenodak śūdrāmātyo 'bhiṣicayet / tato 'bhiṣekaṃ nṛpaterbahvṛcapravaro dvijaḥ //

ein Śūdra-Minister besprenge von Norden mit Wasser aus einem irdenen [Krug]. Danach [vollziehe] die Weihe des Königs ein Brahmane, der beste der Ṛgveda-Kundigen (bahvṛca),

Wort für Wort
mṛṇmayena jalena
mit Wasser aus irdenem (Krug)
udak
von Norden
śūdra-amātyaḥ
ein Śūdra-Minister
bahvṛca-pravaraḥ dvijaḥ
der beste Ṛgveda-Brahmane
abhiṣekam nṛpateḥ
die Weihe des Königs

abhiṣicayet für abhiṣiñcet.

kurvīta madhunā vipraśchandogaś ca kuśodakaiḥ / sampātavantaṃ kalaśaṃ tathā gatvā purohitaḥ //

mit Honig, und der Brahmane, der Sāmaveda-Sänger (chandoga), mit Kuśa-Wasser. Ebenso [begebe sich] der Hauspriester, nachdem er zu dem Krug mit den Opferresten gegangen ist,

Wort für Wort
kurvīta madhunā
vollziehe mit Honig
chandogaḥ
der Sāmaveda-Sänger
kuśa-udakaiḥ
mit Kuśa-Wasser
sampātavantam kalaśam
den Krug mit den Opferresten
purohitaḥ
der Hauspriester

vidhāya vahnirakṣāntu sadasyeṣu yathāvidhi / rājaśriyābhiṣeke ca ye mantrāḥ parikīrtitāḥ //

[und] den Feuerschutz unter den Versammlungsteilnehmern nach Vorschrift vollzogen hat, [zur Weihe]; und die Sprüche, die bei der Weihe zur Königsherrlichkeit überliefert sind,

Wort für Wort
vidhāya vahni-rakṣām
den Feuerschutz vollzogen habend
sadasyeṣu
unter den Versammlungsteilnehmern
yathāvidhi
nach Vorschrift
rāja-śriyā-abhiṣeke
bei der Weihe zur Königsherrlichkeit
mantrāḥ parikīrtitāḥ
die überlieferten Sprüche

taistu dadyānmahābhāga brāhmaṇānāṃ svanais tathā / tataḥ purohito gacchedvedimūlantadeva tu //

mit diesen gebe er [die Weihe], o Hochbeglückter, und ebenso unter dem Klang [der Stimmen] der Brahmanen. Dann gehe der Hauspriester zum Fuß des Altars, ebendort

Wort für Wort
taiḥ dadyāt
mit diesen gebe er
mahā-bhāga
o Hochbeglückter
brāhmaṇānām svanaiḥ
unter dem Klang der Brahmanen
purohitaḥ gacchet
der Hauspriester gehe
vedi-mūlam
zum Fuß des Altars

śatacchidreṇa pātreṇa sauvarṇenābhiṣecayet / yā oṣadhītyoṣadhībhīrathetyuktveti gandhakaiḥ //

besprenge er [den König] mit einem goldenen Gefäß mit hundert Löchern: mit [dem Vers] „yā oṣadhīḥ“ mit Kräutern, mit „rathe …“ [?] und dem folgenden mit Duftstoffen,

Wort für Wort
śata-chidreṇa pātreṇa
mit einem Gefäß mit hundert Löchern
sauvarṇena
golden
yā oṣadhīḥ iti
mit „yā oṣadhīḥ“
oṣadhībhiḥ
mit Kräutern
gandhakaiḥ
mit Duftstoffen

athetyuktveti unklar; vielleicht Verweis auf einen mit ratha beginnenden Vers.

puṣpaiḥ puṣpavatītyeva brāhmaṇeti ca vījakaiḥ / ratnair āśuḥ śiśānaś ca ye devāś ca kuśodakaiḥ //

mit Blumen [unter dem Vers] „puṣpavatīḥ“, mit Samen [unter] „brāhmaṇa …“, mit Edelsteinen [unter] „āśuḥ śiśānaḥ“ und mit Kuśa-Wasser [unter] „ye devāḥ“.

Wort für Wort
puṣpaiḥ puṣpavatīḥ iti
mit Blumen unter „puṣpavatīḥ“
brāhmaṇa iti bījakaiḥ
mit Samen unter „brāhmaṇa“
ratnaiḥ
mit Edelsteinen
āśuḥ śiśānaḥ
„āśuḥ śiśānaḥ“
ye devāḥ kuśa-udakaiḥ
„ye devāḥ“ mit Kuśa-Wasser

vījakaiḥ für bījakaiḥ.

yajurvedyatharvavedī gandhadvāreti saṃspṛśet / śiraḥ kaṇṭhaṃ rocanayā sarvatīrthodakair dvijāḥ //

Der Yajurveda- und der Atharvaveda-Kundige sollen [unter dem Vers] „gandhadvārā“ mit Gorocanā Kopf und Hals berühren, die Brahmanen [ihn] mit dem Wasser aller Pilgerstätten [besprengen],

Wort für Wort
yajurvedī atharvavedī
Yajurveda- und Atharvaveda-Kundiger
gandhadvārā iti
unter „gandhadvārā“
saṃspṛśet
berühre
śiraḥ kaṇṭham rocanayā
Kopf und Hals mit Gorocanā
sarva-tīrtha-udakaiḥ
mit dem Wasser aller Pilgerstätten

rocanā = gorocanā, ein gelbes Pigment.

gītavādyādinirghoṣaiścāmaravyajanādibhiḥ / sarvauṣadhimayaṃ kumbhaṃ dhārayeyurnṛpāgrataḥ //

unter dem Klang von Gesang, Instrumenten und dergleichen, mit Yakwedeln, Fächern und dergleichen; einen Krug mit allen Kräutern sollen sie vor dem König halten.

Wort für Wort
gīta-vādya-ādi-nirghoṣaiḥ
unter dem Klang von Gesang und Musik
cāmara-vyajana-ādibhiḥ
mit Yakwedeln, Fächern usw.
sarva-oṣadhi-mayam kumbham
einen Krug mit allen Kräutern
dhārayeyuḥ
sollen halten
nṛpa-agrataḥ
vor dem König

taṃ paśyeddarpaṇaṃ rājā ghṛtaṃ vai maṅgalādikaṃ / abhyarcya viṣṇuṃ brahmāṇamindrādīṃś ca graheśvarān //

Der König blicke auf ihn, auf einen Spiegel, auf Butterschmalz und die glückbringenden Dinge und dergleichen. Nachdem er Viṣṇu, Brahmā, Indra und die übrigen sowie die Herren der Planeten verehrt hat,

Wort für Wort
tam paśyet
blicke auf ihn
darpaṇam
einen Spiegel
ghṛtam
Butterschmalz
maṅgala-ādikam
die glückbringenden Dinge usw.
abhyarcya
verehrt habend
graha-īśvarān
die Herren der Planeten

vyāghracarmottarāṃ śayyāmupaviṣṭaḥ purohitaḥ / madhuparkādikaṃ dattvā paṭṭabandhaṃ prakārayet //

[und] auf einem mit Tigerfell bedeckten Lager Platz genommen hat, soll der Hauspriester, nachdem er den Honigtrank (madhuparka) und dergleichen gereicht hat, die Stirnbinde anlegen lassen

Wort für Wort
vyāghra-carma-uttarām śayyām
ein mit Tigerfell bedecktes Lager
upaviṣṭaḥ
Platz genommen habend
madhuparka-ādikam dattvā
Honigtrank usw. gereicht habend
paṭṭa-bandham
das Anlegen der Stirnbinde
prakārayet
lasse vornehmen

rājñomukuṭabandhañca pañcacarmottaraṃ dadet / dhruvādyair iti ca viśed vṛṣajaṃ vṛṣadaṃśajaṃ //

und das Aufsetzen der Krone des Königs; er gebe [ihm einen Sitz], der mit fünf Fellen bedeckt ist. Unter [dem Vers] „dhruvā dyauḥ …“ lasse er sich nieder; das Fell vom Stier, vom Vṛṣadaṃśa [Kater],

Wort für Wort
rājñaḥ mukuṭa-bandham
das Aufsetzen der Königskrone
pañca-carma-uttaram
mit fünf Fellen bedeckt
dhruvā dyauḥ iti
unter „dhruvā dyauḥ“
viśet
lasse sich nieder
vṛṣa-jam
vom Stier
vṛṣadaṃśa-jam
vom Vṛṣadaṃśa (Kater)

dhruvādyair verderbt, wohl dhruvā dyaur „fest ist der Himmel“ als Spruchanfang. rājñomukuṭa° für rājño mukuṭa°.

dvīpijaṃ siṃhajaṃ vyāghrajātañcarma tadāsane / amātyasacivādīṃś ca pratīhāraḥ pradarśayet //

vom Panther, vom Löwen und vom Tiger [liegt] auf diesem Sitz. Der Türhüter stelle die Minister, Räte und übrigen vor.

Wort für Wort
dvīpi-jam
vom Panther
siṃha-jam
vom Löwen
vyāghra-jātam carma
das Tigerfell
tat-āsane
auf diesem Sitz
amātya-saciva-ādīn
Minister, Räte usw.
pratīhāraḥ pradarśayet
der Türhüter stelle vor

gojāvigṛhadānādyaiḥ sāṃvatsarapurohitau / pūjayitvā dvijān prārcya hy anyabhūgonnamukhyakaiḥ //

Nachdem er den Astrologen und den Hauspriester mit Gaben von Kühen, Ziegen, Schafen, Häusern und dergleichen geehrt und die Brahmanen mit anderem, vor allem Land, Kühen und Speise, verehrt hat,

Wort für Wort
go-aja-avi-gṛha-dāna-ādyaiḥ
mit Gaben von Kühen, Ziegen, Schafen, Häusern
sāṃvatsara-purohitau
Astrologe und Hauspriester
pūjayitvā
geehrt habend
dvijān prārcya
die Brahmanen verehrt habend
bhū-go-anna-mukhyakaiḥ
vor allem mit Land, Kühen, Speise

bhūgonnamukhyakaiḥ = bhū-go-anna-mukhyakaiḥ.

vahniṃ pradakṣiṇīkṛtya guruṃ natvātha pṛṣṭhataḥ / vṛṣamālabhya gāṃ vatsāṃ pūjayitvātha mantritaṃ //

das Feuer rechts umschritten, sich vor dem Lehrer verneigt und dann von hinten [?] einen Stier berührt, eine Kuh mit Kalb verehrt und dann [ein mit Sprüchen] besprochenes

Wort für Wort
vahnim pradakṣiṇī-kṛtya
das Feuer rechts umschritten habend
gurum natvā
vor dem Lehrer verneigt
vṛṣam ālabhya
einen Stier berührt habend
gām sa-vatsām pūjayitvā
eine Kuh mit Kalb verehrt
mantritam
besprochen, geweiht

pṛṣṭhataḥ „von hinten“ – Bezug unklar; mantritam wohl auf das Pferd (V. 34) bezogen.

aśvamāruhya nāgañca pūjayettaṃ samāruhet / paribhramedrājamārge balayuktaḥ pradakṣiṇaṃ //

Pferd bestiegen hat, verehre er auch den Elefanten und besteige ihn; mit dem Heer ziehe er auf der Königsstraße rechts herum

Wort für Wort
aśvam āruhya
das Pferd bestiegen habend
nāgam pūjayet
verehre den Elefanten
samāruhet
besteige
paribhramet rāja-mārge
ziehe auf der Königsstraße umher
bala-yuktaḥ pradakṣiṇam
mit dem Heer rechts herum

puraṃ viśecca dānādyaiḥ prārcya sarvān visarjayet //35 //

und ziehe in die Stadt ein; nachdem er alle mit Gaben und dergleichen geehrt hat, entlasse er sie.

Wort für Wort
puram viśet
ziehe in die Stadt ein
dāna-ādyaiḥ
mit Gaben usw.
prārcya sarvān
alle geehrt habend
visarjayet
entlasse

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