Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 343: arthālaṅkāranirūpaṇam Darlegung der Bedeutungsfiguren

Agni zählt die Bedeutungsfiguren auf (svarūpa, sādṛśya, utprekṣā, atiśaya, vibhāvanā, virodha, hetu usw.) und behandelt ausführlich die Ähnlichkeitsfiguren, besonders die zahlreichen Arten des Vergleichs (upamā), ferner rūpaka, sahokti, arthāntaranyāsa, utprekṣā, atiśaya, viśeṣokti, vibhāvanā, virodha und die Arten des hetu. Der Titel im Eingabefeld lautet nur „arthālaṅkārāḥ“; die Achtzahl in V. 3 ist nur mit sama als eigener Figur erreicht. Kleinere Digitalisierungsfehler (mahokti, niyaṃ, svamāvād u. a.) sind in den Anmerkungen vermerkt.

agnir uvāca | alaṅkaraṇamarthānāmarthālaṅkāra iṣyate / taṃ vinā śabdasaundaryamapi nāsti manoharam //

Agni sprach: Die Schmückung der Bedeutungen gilt als Bedeutungsfigur (arthālaṅkāra). Ohne sie ist auch die Schönheit der Wörter nicht herzerfreuend.

Wort für Wort
alaṅkaraṇam arthānām
Schmückung der Bedeutungen
artha-alaṅkāraḥ iṣyate
gilt als Bedeutungsfigur
tam vinā
ohne sie
śabda-saundaryam api
auch die Wortschönheit
na asti manoharam
ist nicht herzerfreuend

arthālaṅkārarahitā vidhaveva sarasvatī / svarūpamatha sādṛśyamutprekṣātiśayāvapi //

Ohne Bedeutungsfiguren ist Sarasvatī (die Rede) wie eine Witwe. Eigenwesen (svarūpa), Ähnlichkeit (sādṛśya), dichterische Einbildung (utprekṣā) und Übersteigerung (atiśaya),

Wort für Wort
artha-alaṅkāra-rahitā
ohne Bedeutungsfiguren
vidhavā iva sarasvatī
die Rede wie eine Witwe
svarūpam sādṛśyam
Eigenwesen, Ähnlichkeit
utprekṣā-atiśayau
Einbildung und Übersteigerung

vibhāvanā virodhaś ca hetuś ca samamaṣṭadhā / svabhāva eva bhāvānāṃ svarūpamabhidhīyate //

vibhāvanā (Wirkung ohne Ursache), Widerspruch (virodha), Grund (hetu) und sama [?] – achtfach. Die eigene Natur der Dinge wird svarūpa genannt.

Wort für Wort
vibhāvanā
Wirkung ohne genannte Ursache
virodhaḥ hetuḥ
Widerspruch, Grund
samam aṣṭadhā
sama – achtfach [?]
svabhāvaḥ eva bhāvānām
die eigene Natur der Dinge
svarūpam abhidhīyate
heißt Eigenwesen

samam kann auch „insgesamt“ bedeuten; dann ergeben sich nur sieben Namen. Im Folgenden wird zusätzlich viśeṣokti behandelt.

nijamāgantukañceti dvividhaṃ tadudāhṛtam / sāṃsiddhikaṃ niyaṃ naimittikamāgantukaṃ tathā //

Es wird als zweifach erklärt: eigen (nija) und hinzukommend (āgantuka); das angeborene ist das eigene, das durch einen Anlass bedingte das hinzukommende.

Wort für Wort
nijam āgantukam ca
eigen und hinzukommend
dvividham
zweifach
sāṃsiddhikam nijam
das angeborene ist eigen
naimittikam āgantukam
das anlassbedingte ist hinzukommend

niyaṃ = nijaṃ.

sādṛśyaṃ dharmasāmānyamupamā rūpakaṃ tathā / mahoktyarthāntaranyāsāviti syāttu caturvidham //

Ähnlichkeit (sādṛśya) ist Gemeinsamkeit einer Eigenschaft; sie ist vierfach: Vergleich (upamā), Metapher (rūpaka), Mitaussage (sahokti) und Stützung durch eine andere Aussage (arthāntaranyāsa).

Wort für Wort
sādṛśyam dharma-sāmānyam
Ähnlichkeit ist Gemeinsamkeit einer Eigenschaft
upamā rūpakam
Vergleich, Metapher
sahokti
Mitaussage
artha-antara-nyāsau
Stützung durch andere Aussage
caturvidham
vierfach

mahokti = sahokti (vgl. V. 23).

upamā nāma sā yasyāmupamānopameyayoḥ / sattā cāntarasāmānyayogitvepi vivakṣitaṃ //

Upamā heißt die [Figur], in der zwischen Vergleichsgegenstand (upamāna) und Verglichenem (upameya), obwohl sie Verschiedenheit und Gemeinsamkeit in sich verbinden, [Ähnlichkeit] ausgedrückt werden soll [?].

Wort für Wort
upamā nāma sā
Vergleich heißt die
upamāna-upameyayoḥ
zwischen Vergleichsgegenstand und Verglichenem
antara-sāmānya-yogitve api
obwohl mit Verschiedenheit und Gemeinsamkeit verbunden
vivakṣitam
beabsichtigt

sattā cāntara- unsicher; vielleicht für sati bhedasāmānya- o. ä.

kiñcidādāya sārūpyaṃ lokayātrā pravartate / samāsenāsamāsena sā dvidhā pratiyoginaḥ //

Indem man irgendeine Ähnlichkeit aufgreift, vollzieht sich der Umgang der Welt. Sie ist zweifach: mit Kompositum und ohne Kompositum des Gegenstücks.

Wort für Wort
kiñcit ādāya sārūpyam
irgendeine Ähnlichkeit aufgreifend
loka-yātrā pravartate
vollzieht sich der Weltumgang
samāsena asamāsena
mit und ohne Kompositum
pratiyoginaḥ
des Gegenstücks

vigrahādabhidhānasya sasamāsānyathottarā / upamādyotakapadenopameyapadenaca //

Aufgrund der Auflösung (vigraha) des Ausdrucks ist sie mit Kompositum, die folgende anders. Durch das den Vergleich anzeigende Wort, durch das Wort für das Verglichene

Wort für Wort
vigrahāt abhidhānasya
aufgrund der Auflösung des Ausdrucks
sasamāsā
mit Kompositum
anyathā uttarā
die folgende anders
upamā-dyotaka-padena
durch das vergleichsanzeigende Wort
upameya-padena
durch das Wort des Verglichenen

tābhyāñca vigrahāttredhā sasamāsāntimāt tridhā / viśiṣyamāṇā upamā bhavantyaṣṭādaśa sphuṭāḥ //

und durch beide – aufgrund der Auflösung dreifach; die mit Kompositum [ist] aus dem letzten [Kriterium] dreifach; weiter unterschieden ergeben sich deutlich achtzehn Vergleiche.

Wort für Wort
tābhyām ca
und durch beide
vigrahāt tredhā
aufgrund der Auflösung dreifach
sasamāsā antimāt tridhā
die mit Kompositum aus dem letzten dreifach
viśiṣyamāṇāḥ
weiter unterschieden
aṣṭādaśa sphuṭāḥ
deutlich achtzehn

Die Berechnung der Zahl achtzehn ist aus dem Text nicht vollständig nachvollziehbar.

yatra sādhāraṇo dharmaḥ kathyate gamyate 'pi vā / te dharmavastuprādhānyāddharmavastūpame ubhe //

Wo die gemeinsame Eigenschaft ausgesprochen oder auch nur erschlossen wird, [entstehen] je nach Vorrang der Eigenschaft oder des Gegenstands die beiden: Eigenschaftsvergleich (dharmopamā) und Gegenstandsvergleich (vastūpamā).

Wort für Wort
sādhāraṇaḥ dharmaḥ
die gemeinsame Eigenschaft
kathyate gamyate api vā
ausgesprochen oder erschlossen
dharma-vastu-prādhānyāt
nach Vorrang von Eigenschaft oder Gegenstand
dharma-vastu-upame
Eigenschafts- und Gegenstandsvergleich

tulyamevopamīyete yatrānyonyena dharmiṇau / parasparopamā sā syāt prasiddheranyathā tayoḥ //

Wo zwei Eigenschaftsträger gleichermaßen miteinander verglichen werden, ist es der Wechselvergleich (parasparopamā); wenn [der Vergleich] entgegen ihrer Bekanntheit [verläuft],

Wort für Wort
tulyam eva upamīyete
werden gleichermaßen verglichen
anyonyena dharmiṇau
die beiden Träger miteinander
paraspara-upamā
Wechselvergleich
prasiddheḥ anyathā
entgegen der Bekanntheit

viparītopamā sā syādvyāvṛtter niyamopamā / anyatrāpyanuvṛttestu bhavedaniyamopamā //

ist es der umgekehrte Vergleich (viparītopamā); aufgrund des Ausschließens [anderer] ist es der beschränkende Vergleich (niyamopamā); aufgrund des Weitergeltens auch anderswo ist es der nicht beschränkende Vergleich (aniyamopamā).

Wort für Wort
viparīta-upamā
umgekehrter Vergleich
vyāvṛtteḥ niyama-upamā
durch Ausschließung beschränkender Vergleich
anyatra api anuvṛtteḥ
durch Weitergelten auch anderswo
aniyama-upamā
nicht beschränkender Vergleich

samuccayopamāto 'nyadharmavāhulyakīrtanāt / vahordhammasya sāmyepi vailakṣṇyaṃ vivakṣitaṃ //

Der Häufungsvergleich (samuccayopamā) beruht auf der Aufzählung einer Fülle weiterer Eigenschaften. Wenn trotz Gleichheit in vieler Eigenschaft eine Verschiedenheit ausgedrückt werden soll

Wort für Wort
samuccaya-upamā
Häufungsvergleich
anya-dharma-bāhulya-kīrtanāt
durch Nennung vieler weiterer Eigenschaften
bahoḥ dharmasya sāmye api
trotz Gleichheit in vielem
vailakṣaṇyam vivakṣitam
Verschiedenheit beabsichtigt

vahordhammasya = bahor dharmasya; vailakṣṇyaṃ = vailakṣaṇyaṃ.

yaducyate 'tiriktatvaṃ vyatirekopamā tu sā / yatropamā syādvahubhiḥ sadṛśaiḥ sā bahūpamā //

und ein Übertreffen ausgesprochen wird, das ist der Unterscheidungsvergleich (vyatirekopamā). Wo der Vergleich mit vielen Ähnlichen geschieht, das ist der Vielfachvergleich (bahūpamā).

Wort für Wort
yat ucyate atiriktatvam
wenn Übertreffen ausgesprochen wird
vyatireka-upamā
Unterscheidungsvergleich
bahubhiḥ sadṛśaiḥ
mit vielen Ähnlichen
bahu-upamā
Vielfachvergleich

dharmāḥ pratyupamānañcedanye mālopamaiva sā / upamānavikāreṇa tulanā vikriyopamā //

Wenn für jeden Vergleichsgegenstand andere Eigenschaften [genannt werden], ist es der Kettenvergleich (mālopamā). Vergleich durch Umwandlung des Vergleichsgegenstands ist der Verwandlungsvergleich (vikriyopamā).

Wort für Wort
dharmāḥ pratyupamānam anye
für jeden Vergleichsgegenstand andere Eigenschaften
mālā-upamā
Kettenvergleich
upamāna-vikāreṇa tulanā
Vergleich durch Umwandlung des Vergleichsgegenstands
vikriyā-upamā
Verwandlungsvergleich

trilokyāsambhavi kimapyāropya pratiyogini / kavinopamīyate yā prathate sādbhutopamā //

Der [Vergleich], bei dem der Dichter etwas in den drei Welten Unmögliches auf das Gegenstück überträgt und so vergleicht, ist als Wundervergleich (adbhutopamā) bekannt.

Wort für Wort
trilokī-asambhavi kim api
etwas in drei Welten Unmögliches
āropya pratiyogini
auf das Gegenstück übertragend
kavinā upamīyate
vom Dichter verglichen
prathate
ist bekannt
adbhuta-upamā
Wundervergleich

sādbhutopamā = sā 'dbhutopamā.

pratiyoginamāropya tadabhedena kīrtanam / upameyasya sā mohopamāsau bhrāntimadvacaḥ //

Das Übertragen [der Gestalt] des Gegenstücks und das Nennen des Verglichenen als davon nicht verschieden – das ist der Verblendungsvergleich (mohopamā); er ist eine Rede mit Verwechslung.

Wort für Wort
pratiyoginam āropya
das Gegenstück übertragend
tad-abheda-kīrtanam
Nennung als nicht verschieden
upameyasya
des Verglichenen
moha-upamā
Verblendungsvergleich
bhrāntimat vacaḥ
Rede mit Verwechslung

ubhayordharmiṇostathyāniś cayāt saṃśayopamā / upameyasya saṃśayya niś cayānniś cayopamā //

Aufgrund der Unsicherheit über das Wahre bei beiden Eigenschaftsträgern ist es der Zweifelsvergleich (saṃśayopamā); wenn man über das Verglichene zweifelt und dann entscheidet, ist es der Entscheidungsvergleich (niścayopamā).

Wort für Wort
ubhayoḥ dharmiṇoḥ
bei beiden Trägern
tathya-aniścayāt
aus Unsicherheit über das Wahre
saṃśaya-upamā
Zweifelsvergleich
saṃśayya niścayāt
nach Zweifel durch Entscheidung
niścaya-upamā
Entscheidungsvergleich

vākyārthanaiva vākyārthopamā syādupamānataḥ / ātmanopamānādupamā sādhāraṇyatiśāyinī //

Wenn [verglichen wird] durch eine Satzbedeutung allein mittels eines Vergleichsgegenstands, ist es der Satzbedeutungsvergleich (vākyārthopamā). Der Vergleich [einer Sache] mit sich selbst ist ein Vergleich, der das Gewöhnliche übersteigt.

Wort für Wort
vākya-arthena eva
durch Satzbedeutung allein
vākya-artha-upamā
Satzbedeutungsvergleich
ātmanā upamānāt
durch Vergleich mit sich selbst
sādhāraṇya-atiśāyinī
das Gewöhnliche übersteigend

vākyārthanaiva = vākyārthenaiva. Gemeint ist der später ananvaya genannte Selbstvergleich.

upameyaṃ yadnyasya tadnyasyopamā matā / yadyuttarottaraṃ yāti tadāsau gaganopamā //

Wenn das Verglichene des einen der Vergleichsgegenstand eines anderen ist, gilt das als Vergleich [in Kette] mit einem anderen; wenn es immer weiter fortschreitet, ist es der Himmelsvergleich (gaganopamā) [?].

Wort für Wort
upameyam yat anyasya
was des einen Verglichenes ist
tat anyasya upamā
ist Vergleich eines anderen
yadi uttarottaram yāti
wenn es immer weiter geht
gagana-upamā
Himmelsvergleich [?]

yadnyasya = yad anyasya; tadnyasya = tad anyasya.

praśaṃsā caiva nindā ca kalpitā sadṛśī tathā / kiñcicca sadṛśī jñeyā upamā pañcadhā puraḥ //

Lobend, tadelnd, erdacht, ähnlich und teilweise ähnlich – so ist der Vergleich ferner als fünffach zu kennen.

Wort für Wort
praśaṃsā nindā
Lob, Tadel
kalpitā
erdacht
sadṛśī
ähnlich
kiñcit ca sadṛśī
teilweise ähnlich
pañcadhā
fünffach

upamānena yattatvamupameyasya rūpyate / guṇānāṃ samatāṃ dṛṣṭvā rūpakaṃ nāma tadviduḥ //

Wenn man, die Gleichheit der Eigenschaften erkennend, das Wesen des Verglichenen durch den Vergleichsgegenstand darstellt, so nennt man das rūpaka (Metapher).

Wort für Wort
upamānena
durch den Vergleichsgegenstand
tattvam upameyasya
das Wesen des Verglichenen
rūpyate
wird dargestellt
guṇānām samatām dṛṣṭvā
die Gleichheit der Eigenschaften sehend
rūpakam
Metapher

upamaiva tirobhūtabhedā rūpakameva vā / sahoktiḥ sahabhāvena kathanaṃ tulyadharmiṇāṃ //

Eben der Vergleich, bei dem der Unterschied verschwunden ist, ist rūpaka. Sahokti ist die Aussage über Gleichartiges durch Zusammensein.

Wort für Wort
upamā eva
eben der Vergleich
tirobhūta-bhedā
mit verschwundenem Unterschied
sahoktiḥ
Mitaussage
sahabhāvena kathanam
Aussage durch Zusammensein
tulya-dharmiṇām
von Gleichartigem

bhavedarthāntaranyāsaḥ sādṛśyenottareṇa saḥ / anyathopasthitā vṛttiścetanasyetarasya ca //

Arthāntaranyāsa ist [die Stützung] durch einen nachfolgenden ähnlichen [Satz]. Wenn das Verhalten eines Beseelten oder eines anderen [Unbeseelten], das sich auf eine Weise zeigt,

Wort für Wort
artha-antara-nyāsaḥ
Stützung durch andere Aussage
sādṛśyena uttareṇa
durch nachfolgendes Ähnliches
anyathā upasthitā vṛttiḥ
das anders erscheinende Verhalten
cetanasya itarasya ca
eines Beseelten und eines anderen

anyathā manyate yatra tāmutprekṣāṃ pracakṣate / lokasīmānvṛttasya vastudharmasya kīrtanam //

anders aufgefasst wird, das nennt man utprekṣā (dichterische Einbildung). Die Nennung einer Eigenschaft eines Gegenstands, die die Grenzen der Welt überschreitet,

Wort für Wort
anyathā manyate
wird anders aufgefasst
utprekṣām pracakṣate
nennt man Einbildung
loka-sīmā-ativṛttasya
die Weltgrenze überschreitend
vastu-dharmasya kīrtanam
Nennung einer Eigenschaft des Gegenstands

lokasīmānvṛttasya wohl = lokasīmātivṛttasya.

bhavedatiśayo nāma sambhavāsambhavāddvidhā / guṇajātikriyādīnāṃ yatra vaikalyardarśanaṃ //

heißt atiśaya (Übersteigerung); sie ist zweifach, je nachdem ob [das Gesagte] möglich oder unmöglich ist. Wo ein Mangel an Eigenschaft, Gattung, Handlung und dergleichen gezeigt wird

Wort für Wort
atiśayaḥ nāma
Übersteigerung genannt
sambhava-asambhavāt dvidhā
nach möglich und unmöglich zweifach
guṇa-jāti-kriyā-ādīnām
von Eigenschaft, Gattung, Handlung usw.
vaikalya-darśanam
Zeigen eines Mangels

vaikalyardarśanaṃ = vaikalyadarśanaṃ.

viśeṣadarśanāyaiva sā viśeṣoktirucyate / prasiddhahetuvyāvṛtyā yat kiñcit kāraṇāntaram //

gerade um eine Besonderheit zu zeigen, das heißt viśeṣokti (Besonderheitsaussage). Wenn unter Ausschluss der bekannten Ursache irgendeine andere Ursache

Wort für Wort
viśeṣa-darśanāya eva
gerade zum Zeigen einer Besonderheit
viśeṣa-uktiḥ
Besonderheitsaussage
prasiddha-hetu-vyāvṛttyā
unter Ausschluss der bekannten Ursache
kāraṇa-antaram
eine andere Ursache

yatra svābhāvikatvaṃ vā vibhāvyaṃ sā vibhāvanā / saṅgatīkaraṇaṃ yuktyā yadasaṃgacchamānayoḥ //

oder die Naturgegebenheit zu erschließen ist, das ist vibhāvanā. Die mittels einer Begründung vorgenommene Vereinbarung zweier nicht zusammenpassender [Dinge]

Wort für Wort
svābhāvikatvam vā
oder Naturgegebenheit
vibhāvyam
zu erschließen
vibhāvanā
vibhāvanā
saṅgatī-karaṇam yuktyā
Vereinbarung durch Begründung
asaṅgacchamānayoḥ
zweier nicht Zusammenpassender

virodhapūrvakatvena tadvirodha iti smṛtaṃ / sisādhayiṣitārthasya heturbhavati sādhakaḥ //

gilt, weil ihr ein Widerspruch vorausgeht, als virodha. Für eine Bedeutung, die man zu beweisen wünscht, ist der Grund (hetu) das Beweisende;

Wort für Wort
virodha-pūrvakatvena
weil ein Widerspruch vorausgeht
virodhaḥ iti smṛtam
gilt als Widerspruch
sisādhayiṣita-arthasya
der zu beweisenden Bedeutung
hetuḥ sādhakaḥ
der Grund ist das Beweisende

kārako jñāpaka iti dvidhā so 'pyupajāyate / pravartate kārakākhyaḥ prāk paścāt kāryajanmanaḥ //

auch er tritt zweifach auf: als bewirkender (kāraka) und als anzeigender (jñāpaka). Der „bewirkend“ genannte tritt vor oder nach dem Entstehen der Wirkung ein;

Wort für Wort
kārakaḥ jñāpakaḥ
bewirkend, anzeigend
dvidhā
zweifach
kāraka-ākhyaḥ
der bewirkend genannte
prāk paścāt
vorher, nachher
kārya-janmanaḥ
vor/nach Entstehen der Wirkung

pūrvaśeṣa iti khyātastayoreva viśeṣayoḥ / kāryakāraṇabhāvādvā svamāvādvā niyāmakāt //

diese beiden Besonderheiten sind als pūrva (vorausgehend) und śeṣa (nachfolgend) bekannt. Aufgrund des Verhältnisses von Ursache und Wirkung oder aufgrund der bestimmenden Natur (svabhāva)

Wort für Wort
pūrva-śeṣaḥ iti khyātaḥ
als vorausgehend und nachfolgend bekannt
tayoḥ eva viśeṣayoḥ
dieser beiden Besonderheiten
kārya-kāraṇa-bhāvāt
aus dem Ursache-Wirkungs-Verhältnis
svabhāvāt niyāmakāt
aus der bestimmenden Natur

svamāvād = svabhāvād. Anklang an die logischen Termini pūrvavat/śeṣavat.

jñāpakākhyasya bhedo 'sti nadīpūrādidarśanāt / avinābhāvaniyamo hy avinābhāvadarśanāt //

gibt es eine Unterart des anzeigenden [Grundes], wie wenn man [auf Regen] aus dem Anblick des Hochwassers eines Flusses und dergleichen [schließt]; die Regel des Untrennbarseins (avinābhāva) [ergibt sich] ja aus der Wahrnehmung des Untrennbarseins.

Wort für Wort
jñāpaka-ākhyasya bhedaḥ asti
es gibt eine Art des Anzeigenden
nadī-pūra-ādi-darśanāt
aus dem Anblick von Flusshochwasser usw.
avinābhāva-niyamaḥ
die Regel der Untrennbarkeit
avinābhāva-darśanāt
aus Wahrnehmung der Untrennbarkeit

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