Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 258: ṛgvidhānam Die Anwendung des Ṛgveda (Ṛgvidhāna)

Puṣkara lehrt Rāma, welche Ṛgveda-Lieder und -Verse (meist durch ihre Anfangsworte, pratīka, bezeichnet) durch Murmeln und Opfer zu welchen Zielen führen: Sündentilgung, langes Leben, Gesundheit, Sieg, Regen, Ackerbau, Schutz auf Reisen u. a.; am Schluss allgemeine Regeln zu Opferlohn, Opferstoffen und Speise. Viele Pratīkas sind in der Digitalisierung entstellt; die vermutlichen Ṛgveda-Stellen sind in den Anmerkungen genannt, unsichere Identifikationen sind mit [?] markiert.

agnir uvāca | ṛgyajuḥsāmātharvavidhānaṃ puṣkaroditam / bhuktimuktikaraṃ japyāddhomādrāmāya tadvade //

Agni sprach: Die von Puṣkara dargelegte Anwendungsweise (vidhāna) des Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atharvaveda, die durch Murmeln (japa) und Opfer Genuss und Erlösung bewirkt, will ich [so] verkünden, [wie er sie] dem Rāma [verkündete].

Wort für Wort
agniḥ uvāca
Agni sprach
ṛc-yajus-sāman-atharva-vidhānam
Anwendungsweise von Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atharvaveda
puṣkara-uditam
von Puṣkara verkündet
bhukti-mukti-karam
Genuss und Erlösung bewirkend
japyāt homāt
durch Murmeln, durch Opfer
rāmāya tat vade
dies sage ich (wie) dem Rāma

puṣkara uvāca | prativedantu karmāṇi kāryāṇi pravadāmi te / prathamaṃ ṛgvidhānaṃ vai śṛṇu tvaṃ bhuktimuktidam //

Puṣkara sprach: Die Handlungen, die mit jedem einzelnen Veda auszuführen sind, verkünde ich dir. Höre zuerst das Ṛgvidhāna, das Genuss und Erlösung gewährt.

Wort für Wort
puṣkaraḥ uvāca
Puṣkara sprach
prativedam
für jeden Veda
karmāṇi kāryāṇi
auszuführende Handlungen
prathamam ṛgvidhānam
zuerst die Anwendungsweise des Ṛgveda
bhukti-mukti-dam
Genuss und Erlösung gebend

antarjale tathā home japatī manasepsitam / kāmaṃ karoti gāyatrī prāṇāyāmādviśeṣataḥ //

Die Gāyatrī, im Wasser [stehend] oder beim Feueropfer gemurmelt, erfüllt dem Murmelnden den im Geist ersehnten Wunsch, besonders [wenn sie] mit Atemzügelung (prāṇāyāma) [verbunden wird].

Wort für Wort
antar-jale
im Wasser
home
beim Feueropfer
japataḥ (Text: japatī)
des Murmelnden
manasā īpsitam kāmam
den im Geist ersehnten Wunsch
prāṇāyāmāt viśeṣataḥ
besonders durch Atemzügelung

japatī wohl für japataḥ („dem Murmelnden“).

gāyatryā daśasāhasro japo naktāśano dvija / bahusnātasya tatraiva sarvakalmaṣanāśanaḥ //

Zehntausendfaches Murmeln der Gāyatrī, o Zweimalgeborener, von einem, der nur nachts isst und häufig badet, vernichtet ebendort (d. h. unmittelbar) alle Befleckung.

Wort für Wort
gāyatryāḥ
der Gāyatrī
daśa-sāhasraḥ japaḥ
zehntausendfaches Murmeln
nakta-aśanaḥ
nachts essend
bahu-snātasya
des viel Badenden
sarva-kalmaṣa-nāśanaḥ
alle Befleckung vernichtend

daśāyutāni japtvātha haviṣyāśī sa muktibhāk / praṇavo hi paraṃ brahma tajjapaḥ sarvapāpahā //

Wer hunderttausend (zehn Ayuta) [Mal] gemurmelt hat und dabei nur opfertaugliche Speise isst, hat Anteil an der Erlösung. Denn die Silbe Oṃ (praṇava) ist das höchste Brahman; ihr Murmeln tilgt alle Sünde.

Wort für Wort
daśa ayutāni japtvā
hunderttausendmal gemurmelt habend
haviṣya-āśī
opfertaugliche Speise essend
mukti-bhāk
Anteil an der Erlösung habend
praṇavaḥ param brahma
die Silbe Oṃ ist das höchste Brahman
sarva-pāpa-hā
alle Sünde tilgend

oṃkāraśatajaptantu nābhimātrodake sthitaḥ / jalaṃ pivet sa sarvaistu pāpair vai vipramucyate //

Wer, bis zum Nabel im Wasser stehend, Wasser trinkt, über das hundertmal die Silbe Oṃ gemurmelt wurde, der wird von allen Sünden befreit.

Wort für Wort
oṃkāra-śata-japtam
hundertmal mit Oṃ besprochen
nābhi-mātra-udake sthitaḥ
im nabeltiefen Wasser stehend
jalam pibet
er trinke Wasser
pāpaiḥ vipramucyate
wird von den Sünden befreit

mātrātrayaṃ trayo vedāstrayo devāstrayo 'gnayaḥ / mahāvyāhṛtayaḥ sapta lokā homo 'khilāghahā //

Die drei Moren [der Silbe Oṃ] sind die drei Veden, die drei Götter und die drei Feuer; die großen Vyāhṛtis sind die sieben Welten. Das Opfer [mit ihnen] tilgt alle Sünde.

Wort für Wort
mātrā-trayam
die drei Moren (a, u, m)
trayaḥ vedāḥ devāḥ agnayaḥ
drei Veden, Götter, Feuer
mahā-vyāhṛtayaḥ
die großen Vyāhṛtis (bhūḥ usw.)
sapta lokāḥ
sieben Welten
akhila-agha-hā
alle Sünde tilgend

gāyatrī paramā jāpyā mahāvyāhṛtayas tathā / antarjale tathā rāma proktaś caivāghamarṣaṇaḥ //

Die Gāyatrī ist das Höchste, was zu murmeln ist, ebenso die großen Vyāhṛtis; und für [das Murmeln] im Wasser, o Rāma, wird das Aghamarṣaṇa [-Lied] genannt.

Wort für Wort
gāyatrī paramā jāpyā
die Gāyatrī ist das höchste zu Murmelnde
mahā-vyāhṛtayaḥ tathā
ebenso die großen Vyāhṛtis
antar-jale
im Wasser
aghamarṣaṇaḥ
das Aghamarṣaṇa-Lied

Aghamarṣaṇa: das „Sündenabwaschende“ Lied (ṛtaṃ ca satyaṃ ca …).

agnimīle purohitaṃ sūtko 'yaṃ vahnidaivataḥ / śirasā dhārayan vahniṃ yo japetparivatsaram //

„agnim īḷe purohitam“ – dieses Lied hat Agni zur Gottheit. Wer, Agni im Haupt tragend [?], es ein Jahr lang murmelt,

Wort für Wort
agnim īḷe purohitam
„Agni preise ich, den Hauspriester“ (Liedanfang)
sūktaḥ ayam vahni-daivataḥ
dieses Lied hat Agni zur Gottheit
śirasā dhārayan vahnim
Agni mit dem Haupt tragend
parivatsaram
ein volles Jahr

Pratīka des ersten Ṛgveda-Liedes (RV 1.1). śirasā dhārayan vahnim ist unklar (wörtlich „das Feuer mit dem Kopf tragend“); vielleicht „Agni ehrfürchtig im Sinn bewahrend“. sūkto für sūktam.

homaṃ triṣavaṇaṃ bhaikṣyamanagnijvalanañcaret / ataḥ paramṛcaḥ sapta vāyvādyā yāḥ prakīrtitāḥ //

dreimal täglich (zu den drei Pressungszeiten) opfert, von Almosen lebt und kein Feuer [zum Kochen] entzündet, [der erlangt, was er wünscht (vgl. V. 11)]. Danach [folgen] die sieben Verse, die als mit „Vāyu“ beginnend bekannt sind.

Wort für Wort
homam triṣavaṇam
Opfer zu den drei Pressungszeiten
bhaikṣyam caret
er lebe von Almosen
anagni-jvalanam
ohne Feuer anzuzünden
ṛcaḥ sapta vāyu-ādyāḥ
sieben mit „Vāyu“ beginnende Verse

Die sieben Vāyu-Verse = Anfang von RV 1.2 (vāyav ā yāhi …).

tā japan prayato nityamiṣṭān kāmān samaśnute / medhākāmo japennityaṃ sadasanyamiti tyacam //

Wer diese beständig, in gesammeltem Zustand, murmelt, erlangt die gewünschten Dinge. Wer Einsicht (medhā) wünscht, murmle beständig den Dreivers „sadasas patim“.

Wort für Wort
tāḥ japan prayataḥ
diese gesammelt murmelnd
iṣṭān kāmān samaśnute
erlangt die gewünschten Dinge
medhā-kāmaḥ
Einsicht wünschend
sadasas patim iti tṛcam
den Dreivers „sadasas patim“

Text sadasanyamiti tyacam, wohl verderbt für sadasas patim iti tṛcam (vgl. RV 1.18.6–8, dort medhā erbeten).

anvayo yannimāḥ proktāḥ navarco mṛtyunāśanāḥ / śunaḥśephamṛṣiṃ baddhaḥ sanniruddho 'tha vā japet //

„ambayo yanti“ – diese neun Verse werden als todvernichtend bezeichnet. Wer gefesselt oder eingesperrt ist, der murmle [das Lied] des Sehers Śunaḥśepa;

Wort für Wort
ambayaḥ yanti (Text: anvayo yan)
„die Mütter gehen“ (Liedanfang)
nava ṛcaḥ
neun Verse
mṛtyu-nāśanāḥ
todvernichtend
śunaḥśepam ṛṣim
den Seher Śunaḥśepa
baddhaḥ sanniruddhaḥ
gefesselt, eingesperrt

anvayo yannimāḥ wohl für ambayo yanti (RV 1.23.16 ff.). Śunaḥśepa ist der Seher von RV 1.24 ff., der selbst gefesselt war; śunaḥśephamṛṣiṃ als „das Lied des Sehers Ś.“ aufgefasst.

mucyate sarvapāpebhyo gadī vāpyagado bhavet / ya icchecchāśvataṃ kāmaṃ mitraṃ prājñaṃ purandaraṃ //

[dann] wird er von allen Übeln befreit, und der Kranke wird gesund. Wer sich dauerhafte Wunscherfüllung wünscht und [Indra], den weisen Burgenbrecher (purandara), als Freund,

Wort für Wort
mucyate sarva-pāpebhyaḥ
wird von allen Übeln befreit
gadī agadaḥ bhavet
der Kranke wird gesund
śāśvatam kāmam
dauernde Wunscherfüllung
mitram prājñam purandaram
den weisen Burgenbrecher (Indra) als Freund

ṛgbhiḥ ṣoḍśabhiḥ kuryādindriyasyeti dine dine / hiraṇyastūpamityetajjapan śatrūn prabādhate //

der verehre [ihn] Tag für Tag mit den sechzehn Versen „indrasya“. Wer das [Lied] des Hiraṇyastūpa murmelt, bedrängt die Feinde.

Wort für Wort
ṛgbhiḥ ṣoḍaśabhiḥ
mit sechzehn Versen
indrasya iti
mit „indrasya“
dine dine
Tag für Tag
hiraṇyastūpam
das Lied des Hiraṇyastūpa
śatrūn prabādhate
bedrängt die Feinde

indriyasyeti wohl für indrasya (RV 1.32 indrasya nu vīryāṇi, Seher Hiraṇyastūpa); die Zahl sechzehn stimmt nicht genau.

kṣemī bhavati cādhvāno ye te panthā japan naraḥ / raudrībhiḥṣaḍbhirīśānaṃ stūyādyo vai dine dine //

Wer „ye te panthāḥ“ murmelt, ist auf Wegen sicher. Wer Īśāna (Rudra) Tag für Tag mit den sechs Rudra-Versen preist

Wort für Wort
kṣemī bhavati adhvāne
ist sicher auf dem Weg
ye te panthāḥ
„welche deine Pfade“ (Liedanfang)
raudrībhiḥ ṣaḍbhiḥ
mit sechs an Rudra gerichteten (Versen)
īśānam stuyāt
er preise Īśāna

ye te panthāḥ (vgl. RV 1.35.11, an Savitṛ).

caruṃ vā kalpayedraudraṃ tasya śāntiḥ parā bhavet / udityudantamādityamupatiṣṭhan dine dine //

oder ein Mus (caru) für Rudra bereitet, dem wird höchster Friede zuteil. Wer mit [dem Lied] „ud [u tyam]“ Tag für Tag die aufgehende Sonne verehrt

Wort für Wort
caruḥ raudraḥ
ein Rudra geweihtes Mus
śāntiḥ parā
höchster Friede
ud iti
mit (dem Lied) „ud“
udyantam ādityam
die aufgehende Sonne
upatiṣṭhan
verehrend

udityudantam wohl für ud ity udyantam; gemeint vermutlich RV 1.50 (ud u tyaṃ jātavedasam).

kṣipejjalāñjalīn sapta manoduḥkhavināśanaṃ / dviṣantamityathārdharcaṃ yadviprāntaṃ japan smaret //

und sieben Handvoll Wasser [ihr] hinwirft, [dem] vernichtet es seelisches Leid. Wer den Halbvers „dviṣantam“ murmelt und dabei an den denkt, der ihm verhasst ist [?],

Wort für Wort
jala-añjalīn sapta
sieben Handvoll Wasser
manas-duḥkha-vināśanam
seelisches Leid vernichtend
dviṣantam iti ardharcam
den Halbvers „dviṣantam“ („den Hasser“)
japan smaret
murmelnd gedenke er

yadviprāntaṃ verderbt; vielleicht yaṃ vipriyaṃ („wen er nicht mag“). Der Halbvers dviṣantaṃ mahyaṃ randhayan: RV 1.50.13.

āgaskṛt saptarātreṇa vidveṣamadhigacchati / ārogyakāmī rogī vā praskannasyottamaṃ japet //

[dessen Feind], der Übeltäter, verfällt binnen sieben Nächten der Feindschaft [aller]. Wer Gesundheit wünscht oder krank ist, murmle das letzte [Lied] des Praskaṇva

Wort für Wort
āgas-kṛt
der Übeltäter
sapta-rātreṇa
binnen sieben Nächten
vidveṣam adhigacchati
verfällt der Feindschaft
ārogya-kāmī rogī vā
wer Gesundheit wünscht oder krank ist
praskaṇvasya uttamam
das letzte (Lied) des Praskaṇva

praskannasya wohl für praskaṇvasya (RV 1.50 ist das letzte Lied des Praskaṇva).

uttamastasya cārdharco japedvai vividhāsane / udayatyāyurakṣyayyaṃ tejo madhyandine japet //

und dessen letzten Halbvers in verschiedenen Sitzhaltungen [?]. Bei Sonnenaufgang [gemurmelt, bringt er] unvergängliches Leben; mittags murmle man [ihn für] Glanz;

Wort für Wort
uttamaḥ ardharcaḥ
der letzte Halbvers
vividha-āsane
in verschiedenen Sitzhaltungen
udayati
bei (Sonnen-)Aufgang
āyuḥ akṣayyam
unvergängliches Leben
tejaḥ madhyaṃdine
Glanz am Mittag

vividhāsane unsicher.

astaṃ pratigate sūrye dviṣantaṃ pratibādhate / na vayaśceti sūktāni japan śatrūnniyacchati //

wenn die Sonne untergegangen ist, wehrt er [damit] den Feind ab. Wer die Lieder „na vā u“ [?] murmelt, bezwingt die Feinde.

Wort für Wort
astam pratigate sūrye
wenn die Sonne untergegangen ist
dviṣantam pratibādhate
wehrt den Feind ab
sūktāni japan
die Lieder murmelnd
śatrūn niyacchati
bezwingt die Feinde

na vayaśceti unklar; die Stelle ist nicht sicher zu identifizieren.

ekādaśa suparṇasya sarvakāmānvinirdiśet / ādhyātmikīḥ ka ity etā japanmokṣamavāpnuyāt //

Die elf [Verse] des Suparṇa [-Liedes] bestimme man für alle Wünsche. Wer die auf das Selbst bezüglichen [Verse] „ka“ [?] murmelt, erlangt Erlösung.

Wort für Wort
ekādaśa suparṇasya
die elf (Verse) des Suparṇa
sarva-kāmān vinirdiśet
er bestimme für alle Wünsche
ādhyātmikīḥ
auf das Selbst bezüglich
mokṣam avāpnuyāt
er erlange Erlösung

Die Verse ka … (ādhyātmika) sind nicht sicher zu bestimmen.

ā no bhadrā ity anena dīrghamāyuravāpnuyāt / tvaṃ someti ca sūktena navaṃ paśyenniśākaraṃ //

Mit [dem Lied] „ā no bhadrāḥ“ erlangt man langes Leben. Mit dem Lied „tvaṃ soma“ blicke man auf den neuen Mond

Wort für Wort
ā naḥ bhadrāḥ
„zu uns (mögen) die glückbringenden (kommen)“
dīrgham āyuḥ
langes Leben
tvam soma iti sūktena
mit dem Lied „du, Soma“
navam niśākaram
den neuen Mond

ā no bhadrāḥ kratavaḥ: RV 1.89; tvaṃ soma: RV 1.91.

upatiṣṭhet samitpāṇirvāsāṃsyāpnotyasaṃśayaṃ / āyurīpsannimamiti kautsa sūktaṃ sadā japet //

und verehre ihn, Brennholz in der Hand; [so] erlangt man zweifellos Gewänder. Wer langes Leben wünscht, murmle stets das Lied des Kutsa „imam“.

Wort für Wort
upatiṣṭhet samit-pāṇiḥ
er verehre, Brennholz in der Hand
vāsāṃsi āpnoti
erlangt Gewänder
āyuḥ īpsan
langes Leben wünschend
kautsam sūktam
das Lied des Kutsa

kautsa sūktam für kautsaṃ sūktam; gemeint RV 1.94 (imaṃ stomam).

āpanaḥ śośucaditi stutvā madhye divākaraṃ / yathā muñcati ceṣokāṃ tathā pāpaṃ pramuñcati //

Wer mittags die Sonne mit „apa naḥ śośucat“ preist, der wirft die Sünde ab, so wie man den Halm (iṣīkā) [aus dem Muñja-Gras] herauszieht.

Wort für Wort
apa naḥ śośucat
„fortbrennen möge (unser Übel)“
madhye divākaram
die Sonne am Mittag
iṣīkām muñcati
zieht den Halm heraus
pāpam pramuñcati
wirft die Sünde ab

apa naḥ śośucad agham: RV 1.97. ceṣokāṃ für ceṣīkām.

jātavedasa ity etajjapet svastyayanaṃ pathi / bhayair vimucyate sarvaiḥ svastimānāpnuyāt gṛhān //

„jātavedase“ murmle man als Heilsspruch (svastyayana) auf dem Weg; man wird von allen Gefahren befreit und erreicht wohlbehalten das Haus.

Wort für Wort
jātavedase
„dem Jātavedas“ (Liedanfang)
svastyayanam pathi
Heilsspruch auf dem Weg
bhayaiḥ vimucyate
wird von Gefahren befreit
svastimān āpnuyāt gṛhān
erreicht wohlbehalten das Haus

jātavedase sunavāma somam: RV 1.99.

vyuṣṭāyāñca tathā rātryāmetadduḥsvapnanāśanaṃ / pramandineti sūyantyā japedgarbhavimocanaṃ //

Ebenso [gemurmelt], wenn die Nacht hell geworden ist, vernichtet dies böse Träume. „pra mandine“ murmle man für eine Gebärende; es löst die Leibesfrucht.

Wort für Wort
vyuṣṭāyām rātryām
wenn die Nacht hell geworden ist
duḥsvapna-nāśanam
böse Träume vernichtend
pra mandine
„dem Berauschten (Indra)“
sūyantyāḥ
für eine Gebärende
garbha-vimocanam
die Leibesfrucht lösend

pra mandine pitumad arcatā vacaḥ: RV 1.101.

japannindramiti snāto vaiśyadevantu saptakaṃ / muñcatyājyaṃ tathā juhvat sakalaṃ kilviṣaṃ naraḥ //

Wer nach dem Bad das siebenversige Viśvedeva-Lied „indram“ murmelt und dabei Opferschmalz opfert, der legt alle Schuld ab.

Wort für Wort
snātaḥ
gebadet
vaiśvadevam saptakam
das siebenversige Allgötter-Lied
ājyam juhvat
Opferschmalz opfernd
sakalam kilbiṣam muñcati
legt alle Schuld ab

Vermutlich RV 1.106 (indraṃ mitraṃ varuṇam agnim ūtaye), ein Lied an die Allgötter mit sieben Versen. muñcatyājyaṃ: Satzbau unklar.

imāmiti japan śaśvat kāmānāpnotyabhīpsitān / mānastoka iti dvābhyāṃ trirātropoṣitaḥ śuciḥ //

Wer beständig „imām“ murmelt, erlangt die ersehnten Wünsche. Mit den zwei [Versen] „mā nas toke“, drei Nächte fastend und rein,

Wort für Wort
imām iti
mit „imām“ („diese“)
kāmān abhīpsitān
die ersehnten Wünsche
mā nas toke
„nicht an unserem Nachwuchs“
trirātra-upoṣitaḥ śuciḥ
drei Nächte fastend, rein

mā nas toke: RV 1.114.8 (an Rudra).

auḍumbarīś ca juhuyātsamidhaścājyasaṃskṛtāḥ / chittvā sarvānmṛtyupāśān jīvedrogavivarjitaḥ //

opfere man Brennhölzer vom Udumbara-Baum, mit Opferschmalz geweiht; dann zerschneidet man alle Schlingen des Todes und lebt frei von Krankheit.

Wort für Wort
auḍumbarīḥ samidhaḥ
Brennhölzer vom Udumbara (Ficus glomerata)
ājya-saṃskṛtāḥ
mit Schmalz geweiht
mṛtyu-pāśān chittvā
die Todesschlingen zerschneidend
roga-vivarjitaḥ
frei von Krankheit

ūrdhvabāhuranenaiva stutvā sambhuṃ tathaiva ca / mānastoketi ca ṛcā śikhābandhe kṛte naraḥ //

Wer mit erhobenen Armen eben mit diesem [Vers] Śambhu (Śiva) preist und mit dem Vers „mā nas toke“ den Haarschopf knotet,

Wort für Wort
ūrdhva-bāhuḥ
mit erhobenen Armen
śambhum stutvā
Śambhu preisend
mā nas toka iti ṛcā
mit dem Vers „mā nas toke“
śikhā-bandhe kṛte
wenn der Haarschopf geknotet ist

aghṛṣyaḥ sarvabhūtānāṃ jāyate saṃśayaṃ vinā / citramityupatiṣṭheta trisandhyaṃ bhāskaraṃ tathā //

der wird ohne Zweifel für alle Wesen unangreifbar. Mit „citram“ verehre man zu den drei Tageszeiten die Sonne,

Wort für Wort
adhṛṣyaḥ sarva-bhūtānām
unangreifbar für alle Wesen
saṃśayam vinā
ohne Zweifel
citram iti
mit „citram“ („das leuchtende“)
trisandhyam bhāskaram
die Sonne zu den drei Tageszeiten

aghṛṣyaḥ für adhṛṣyaḥ. citraṃ devānām: RV 1.115.

samitpāṇirnaro nityamīpsitaṃ dhanamāpnuyāt / atha svapneti ca japan prātarmadhyandine dine //

Brennholz in der Hand; so erlangt man stets erwünschten Reichtum. Wer „adha svapna[sya]“ morgens und mittags murmelt,

Wort für Wort
samit-pāṇiḥ
Brennholz in der Hand
īpsitam dhanam
erwünschten Reichtum
adha svapnasya
„und des Traumes …“
prātaḥ madhyaṃdine
morgens und mittags

atha svapneti wohl für adha svapnasya (RV 1.120.12, gegen böse Träume).

duḥsvapnañcārhate kṛtsnaṃ bhojanañcāpnuyācchubham / ubhe pumāniti tathā rakṣoghnaḥ parikīrtitaḥ //

der vernichtet [?] alle bösen Träume und erlangt gute Speise. Ebenso wird „ubhe pumān“ [?] als dämonentötend gerühmt.

Wort für Wort
duḥsvapnam kṛtsnam
alle bösen Träume
hanti (Text: arhate)
vernichtet
bhojanam śubham
gute Speise
rakṣas-ghnaḥ
dämonentötend

duḥsvapnañcārhate: arhate ergibt keinen Sinn, wohl für hanti. ubhe pumān nicht sicher zu identifizieren.

ubhe vāsā iti ṛco japan kāmānavāpnuyāt / na sāganniti ca japan mucyate cātatāyinaḥ //

Wer die Verse „ubhe vāsā“ [?] murmelt, erlangt die Wünsche; und wer „na sā gan“ [?] murmelt, wird von einem Angreifer (ātatāyin) befreit.

Wort für Wort
ubhe vāsāḥ iti ṛcaḥ
die Verse „ubhe vāsā“
kāmān avāpnuyāt
er erlange die Wünsche
na sā gan iti
mit „na sā gan“
mucyate ātatāyinaḥ
wird vom Angreifer befreit

Beide Pratīkas sind in dieser Form nicht sicher zu identifizieren.

kayā śubheti ca japan jātiśraiṣṭhamavāpnuyāt / imannṛsomamityetat sarvān kāmānavāpnuyāt //

Wer „kayā śubhā“ murmelt, erlangt Vorrang unter seinen Standesgenossen; [wer] „imaṃ nu somam“ [murmelt], erlangt alle Wünsche.

Wort für Wort
kayā śubhā
„mit welchem Glanz“ (Liedanfang)
jāti-śraiṣṭhyam
Vorrang unter den Standesgenossen
imam nu somam
„diesen Soma nun“
sarvān kāmān
alle Wünsche

kayā śubhā: RV 1.165. imannṛsomam wohl für imaṃ nu somam.

pitarityupatiṣṭheta nityamarthamupasthitaṃ / agne nayeti sūktena ghṛtahomaś ca mārgagaḥ //

Mit „pitu[m]“ verehre man [die Speise]; [dann] ist stets Wohlstand zur Hand. Mit dem Lied „agne naya“ [ist] ein Schmalzopfer [heilsam] für den, der auf dem Weg ist.

Wort für Wort
pitum iti
mit „pitum“ („die Speise“)
upatiṣṭheta
er verehre
artham upasthitam
Wohlstand zur Hand
agne naya iti sūktena
mit dem Lied „Agni, führe“
ghṛta-homaḥ mārgagaḥ
Schmalzopfer für den Wandernden

pitarityupatiṣṭheta wohl für pituṃ nu (RV 1.187, Lied an die Speise). agne naya supathā: RV 1.189.

vīrānnayamavāpnoti suślokaṃ yo japet sadā / kaṅkato neti sūktena viṣān sarvān vyapohati //

Wer stets „suślokam“ [?] murmelt, der erlangt Helden (Söhne). Mit dem Lied „kaṅkato na“ beseitigt man alle Gifte.

Wort für Wort
vīrān ayam avāpnoti
dieser erlangt Helden
su-ślokam
„suślokam“ (Liedanfang)
kaṅkataḥ na iti
mit „kaṅkato na“
viṣān sarvān vyapohati
beseitigt alle Gifte

vīrānnayam wohl als vīrān ayam aufzulösen. suślokam nicht sicher bestimmbar. kaṅkato na kaṅkataḥ: RV 1.191 (gegen Gift).

yo jāta iti sūktena sarvān kāmānavāpnuyāt / gaṇānāmiti sūktena śnigdhamāpnotyanuttamaṃ //

Mit dem Lied „yo jātaḥ“ erlangt man alle Wünsche; mit dem Lied „gaṇānām“ erlangt man unübertreffliche Zuneigung.

Wort für Wort
yaḥ jātaḥ iti sūktena
mit dem Lied „der geboren“
gaṇānām iti sūktena
mit dem Lied „der Scharen“
snigdham
Zuneigung, Freundschaft
anuttamam
unübertrefflich

yo jāta eva prathamaḥ: RV 2.12; gaṇānāṃ tvā gaṇapatim: RV 2.23. śnigdham für snigdham.

yo me rājannitīmāntu duḥsvapnaśamanīmṛcaṃ / adhvani prasthito yastu paśyecchatrūṃ samutthitaṃ //

Diesen Vers „yo me rājan“ [kennt man] als böse Träume stillend. Wer auf dem Weg aufgebrochen ist und einen Feind sich erheben sieht,

Wort für Wort
yaḥ me rājan
„wer mir, o König“
duḥsvapna-śamanīm ṛcam
den böse Träume stillenden Vers
adhvani prasthitaḥ
auf dem Weg aufgebrochen
śatrum samutthitam
den sich erhebenden Feind

yo me rājan yujyo vā sakhā vā svapne bhayam: RV 2.28.10. śatrūṃ für śatrum.

apraśastaṃ praśastaṃ vā kuvidaṅga imaṃ japet / dvāviṃśakaṃ japan sūktamādhyātmikamanuttamaṃ //

oder ein ungünstiges oder günstiges [Vorzeichen], der murmle diesen [Vers] „kuvid aṅga“. Wer das unübertreffliche, auf das Selbst bezügliche Lied von zweiundzwanzig [Versen] murmelt,

Wort für Wort
apraśastam praśastam vā
ungünstig oder günstig
kuvid aṅga
„kuvid aṅga“ (Liedanfang)
dvāviṃśakam sūktam
das zweiundzwanzigversige Lied
ādhyātmikam anuttamam
das unübertreffliche, auf das Selbst bezügliche

Das zweiundzwanzigversige ādhyātmika-Lied ist nicht sicher bestimmbar (vielleicht RV 1.164 in Teilen).

parvasu prayato nityamiṣṭān kāmān samaśnute / kṛṇuṣveti japan sūktaṃ juhvadājyaṃ samāhitaḥ //

an den Mondwechseltagen (parvan) gesammelt, erlangt stets die gewünschten Dinge. Wer das Lied „kṛṇuṣva [pājaḥ]“ murmelt und dabei gesammelt Schmalz opfert,

Wort für Wort
parvasu
an den Mondwechseltagen
prayataḥ nityam
stets gesammelt
kṛṇuṣva iti sūktam
das Lied „kṛṇuṣva“ („mache“)
juhvat ājyam samāhitaḥ
konzentriert Schmalz opfernd

kṛṇuṣva pājaḥ prasitiṃ na pṛthvīm: RV 4.4 (dämonentötend).

ārātīnāṃ haret prāṇān rakṣāṃsyapi vināśayet / upatiṣṭhet svayaṃ vahniṃ parityṛcā dine dine //

der raubt den Feinden das Leben und vernichtet auch die Dämonen (rakṣas). Wer selbst Tag für Tag das Feuer mit dem Vers „pari“ verehrt,

Wort für Wort
arātīnām prāṇān haret
er raubt den Feinden das Leben
rakṣāṃsi vināśayet
er vernichte die Dämonen
upatiṣṭhet vahnim
er verehre das Feuer
pari iti ṛcā
mit dem Vers „pari“ („rings“)

ārātīnāṃ für arātīnām.

taṃ rakṣati svayaṃ vahnirviśvato viśvatomukhaḥ / haṃsaḥ śuciḥ sadityetacchucirīkṣeddivākaraṃ //

den schützt Agni selbst, der nach allen Seiten Blickende, von allen Seiten. Mit „haṃsaḥ śuciṣat“ blicke man rein zur Sonne.

Wort für Wort
tam rakṣati svayam vahniḥ
ihn schützt Agni selbst
viśvataḥ viśvatomukhaḥ
allseits, der Allseitsblickende
haṃsaḥ śuciṣat
„der Schwan, im Lichten sitzend“
śuciḥ īkṣet divākaram
rein blicke er zur Sonne

haṃsaḥ śuciṣad vasur antarikṣasat: RV 4.40.5.

kṛṣiṃ prapadyamānastu sthālīpākaṃ yathāvidhi / juhuyāt kṣetramadhye tu svanīsvāhāstu pañcabhiḥ //

Wer den Ackerbau beginnt, opfere vorschriftsgemäß mitten auf dem Feld einen Topfbrei (sthālīpāka) mit fünf [Sprüchen] „śunaṃ … svāhā“ [?]

Wort für Wort
kṛṣim prapadyamānaḥ
den Ackerbau beginnend
sthālīpākam yathāvidhi
Topfbrei vorschriftsgemäß
kṣetra-madhye
mitten im Feld
pañcabhiḥ
mit fünf (Sprüchen)

svanīsvāhāstu verderbt; vermutlich Sprüche aus dem Feldbaulied RV 4.57 (śunaṃ vāhāḥ …) mit svāhā.

indrāya ca marudbhyastu parjanyāya bhagāya ca / yathāliṅgantu viharellāṅgalantu kṛṣībalaḥ //

an Indra, die Maruts, Parjanya und Bhaga. Entsprechend den [in den Versen genannten] Kennzeichen führe der Bauer den Pflug,

Wort für Wort
indrāya marudbhyaḥ
für Indra, für die Maruts
parjanyāya bhagāya
für Parjanya, für Bhaga
yathāliṅgam
den Kennzeichen (der Verse) entsprechend
lāṅgalam viharet kṛṣīvalaḥ
der Bauer führe den Pflug

yukto dhānyāya sītāyai sunāsīramathottaraṃ / gandhamālyair namaskārair yajedetāś ca devatāḥ //

angeschirrt; [er opfere] für das Getreide, für Sītā (die Furche) und danach für Śunāsīra. Mit Duftstoffen, Kränzen und Verneigungen verehre er diese Gottheiten.

Wort für Wort
yuktaḥ
angeschirrt
dhānyāya sītāyai
für das Getreide, für Sītā (die Furche)
śunāsīram
Śunāsīra (Pflugschar und Pflug)
gandha-mālyaiḥ namaskāraiḥ
mit Duftstoffen, Kränzen, Verneigungen

sunāsīram für śunāsīram (Pflugschar und Pflug als Gottheitenpaar).

pravāpane pralavane khalasītāpahārayoḥ / amoghaṅkarma bhavati vardhate sarvadā kṛṣiḥ //

[Geschieht dies] beim Säen, beim Mähen, auf der Tenne und beim Einbringen [der Frucht] aus der Furche, so ist die Handlung nicht vergeblich, und der Ackerbau gedeiht immer.

Wort für Wort
pravāpane pralavane
beim Säen, beim Mähen
khala-sītā-apahārayoḥ
beim Einbringen von Tenne und Furche
amogham karma
nicht vergebliche Handlung
vardhate kṛṣiḥ
der Ackerbau gedeiht

samudrāditi sūktena kāmānāpnoti pāvakāt / viśvānara iti dvābhyāṃ ya ṛgbhyāṃ vahnimarhati //

Mit dem Lied „samudrāt“ erlangt man die Wünsche vom Feuer. Wer mit den zwei Versen „vaiśvānara“ Agni verehrt,

Wort für Wort
samudrāt iti sūktena
mit dem Lied „aus dem Meer“
kāmān pāvakāt
die Wünsche vom Feuer
vaiśvānara iti dvābhyām ṛgbhyām
mit den zwei Versen „vaiśvānara“
vahnim arhati
ehrt das Feuer

samudrād ūrmir madhumān: RV 4.58. viśvānara für vaiśvānara.

sa taratyāpadaḥ sarvā yaśaḥ prāpnoti cākṣayaṃ / vipulāṃ śriyamāpnoti jayaṃ prāpnotyanuttamaṃ //

der überwindet alle Unglücksfälle und erlangt unvergänglichen Ruhm; er erlangt reiches Glück und unübertrefflichen Sieg.

Wort für Wort
tarati āpadaḥ sarvāḥ
überwindet alle Unglücksfälle
yaśaḥ akṣayam
unvergänglicher Ruhm
vipulām śriyam
reiches Glück
jayam anuttamam
unübertrefflicher Sieg

agne tvamiti ca stutvā dhanamāpnoti vāñchitaṃ / prajākāmo japennityaṃ varuṇadaivatatrayaṃ //

Wer mit „agne tvam“ preist, erlangt den gewünschten Reichtum. Wer Nachkommenschaft wünscht, murmle beständig die drei [Verse], die Varuṇa zur Gottheit haben.

Wort für Wort
agne tvam iti
mit „Agni, du“
dhanam vāñchitam
gewünschter Reichtum
prajā-kāmaḥ
Nachkommenschaft wünschend
vāruṇa-daivata-trayam
die drei Varuṇa geweihten (Verse)

agne tvaṃ no antamaḥ: RV 5.24. varuṇadaivatatrayam: Identifikation unsicher.

svastyā trayaṃ japet prātaḥ sadā svastyayanaṃ mahat / svasti panthā iti procya svastimān vrajate 'dhvani //

Die drei [Verse] „svasti“ murmle man stets am Morgen; sie sind ein großer Heilsspruch. Wer „svasti panthām“ spricht, geht wohlbehalten auf dem Weg.

Wort für Wort
svasti trayam
die drei „svasti“-Verse
svastyayanam mahat
großer Heilsspruch
svasti panthām
„glücklich den Pfad“
svastimān vrajate adhvani
geht wohlbehalten auf dem Weg

svasti no mimītām / svasti panthām anu carema: RV 5.51.11–15.

vijigīṣurvanaspate śatrūṇāṃ vyādhitaṃ bhavet / striyā garbhapramūḍhāyā garbhamokṣaṇamuttamaṃ //

Wer siegen will, [murmle] „vanaspate“; so wird er [?] den Feinden zur Plage. Für eine Frau, deren Leibesfrucht [im Mutterleib] feststeckt, [ist dies?] das beste Mittel zur Lösung der Leibesfrucht.

Wort für Wort
vijigīṣuḥ
siegen wollend
vanaspate
„o Herr des Waldes“
śatrūṇām
der Feinde
garbha-pramūḍhāyāḥ striyāḥ
einer Frau mit feststeckender Leibesfrucht
garbha-mokṣaṇam uttamam
beste Lösung der Leibesfrucht

vanaspate vīḍvaṅgaḥ: RV 6.47.26 (an den Streitwagen). vyādhitaṃ bhavet unklar. Im zweiten Halbvers fehlt die Angabe des Spruches; möglicherweise ist ein Halbvers ausgefallen.

acchāvadeti sūktañca vṛṣṭikāmaḥ prayiojayet / nirāhāraḥ klinnavāsā na cireṇa pravarṣati //

Das Lied „acchā vada“ wende an, wer Regen wünscht. Ohne Nahrung, mit nassem Gewand [murmelnd], lässt er binnen kurzem [den Gott] regnen.

Wort für Wort
acchā vada
„rede herbei“
vṛṣṭi-kāmaḥ
Regen wünschend
nirāhāraḥ klinna-vāsāḥ
ohne Nahrung, mit nassem Gewand
na cireṇa pravarṣati
es regnet binnen kurzem

acchā vada tavasaṃ gīrbhiḥ: RV 5.83 (an Parjanya). prayiojayet für prayojayet.

manasaḥ kāma ity etāṃ paśukāmo naro japet / kardamena iti snāyātprajākāmaḥ śucivrataḥ //

Den [Vers] „manasaḥ kāmam“ murmle der Mann, der Vieh wünscht. Mit „kardamena“ bade, wer Nachkommenschaft wünscht, reinen Gelübdes.

Wort für Wort
manasaḥ kāmam
„des Geistes Wunsch“
paśu-kāmaḥ
Vieh wünschend
kardamena iti snāyāt
mit „kardamena“ bade er
prajā-kāmaḥ śuci-vrataḥ
Nachkommen wünschend, reinen Gelübdes

Beide Verse gehören zum Śrīsūkta (Khila zum Ṛgveda).

aśvapūrvā iti snāyādrājyakāmastu mānavaḥ / rāhite carmaṇi snāyāt brāhmaṇastu yathāvidhi //

Mit „aśvapūrvām“ bade der Mensch, der Herrschaft wünscht. Der Brahmane bade vorschriftsgemäß auf dem Fell einer roten Antilope,

Wort für Wort
aśva-pūrvām
„die von Pferden angeführte“
rājya-kāmaḥ
Herrschaft wünschend
rohite carmaṇi
auf dem Fell der roten Antilope
brāhmaṇaḥ yathāvidhi
der Brahmane vorschriftsgemäß

aśvapūrvāṃ rathamadhyām: Śrīsūkta. rāhite für rohite.

rājā carmaṇi vaiyāghre chāge vaiśyastathaiva ca / daśasāhasriko homaḥ pratyekaṃ parikīrtitaḥ //

der König auf einem Tigerfell und der Vaiśya ebenso auf einem Ziegenfell. Ein Opfer von zehntausend [Spenden] wird für jeden [von ihnen] vorgeschrieben.

Wort für Wort
rājā carmaṇi vaiyāghre
der König auf dem Tigerfell
chāge vaiśyaḥ
der Vaiśya auf dem Ziegenfell
daśa-sāhasrikaḥ homaḥ
Opfer von zehntausend Spenden
pratyekam
für jeden einzeln

āgāra iti sūktena goṣṭhe gāṃ lokamātaraṃ / upatiṣṭhedvrajeccaiva yadicchettāḥ sadākṣayāḥ //

Mit dem Lied „ā gāvaḥ“ verehre man im Kuhstall die Kuh, die Mutter der Welt, und gehe [mit ihr] zur Weide, wenn man wünscht, dass die [Kühe] stets unvergänglich seien.

Wort für Wort
ā gāvaḥ iti sūktena
mit dem Lied „die Kühe sind gekommen“
goṣṭhe
im Kuhstall
gām loka-mātaram
die Kuh, die Mutter der Welt
sadā akṣayāḥ
stets unvergänglich

āgāra für ā gāvaḥ (ā gāvo agmann uta bhadram akran: RV 6.28).

upetitisṛbhīrājño dundubhimabhimantrayet / tejo bakañca prāpnoti śatruñcaiva niyacchati //

Mit den drei [Versen] „upa“ bespreche man die Pauke des Königs; [so] erlangt er Glanz und Kraft und bezwingt den Feind.

Wort für Wort
upa iti tisṛbhiḥ
mit den drei (Versen) „upa“
rājñaḥ dundubhim
die Pauke des Königs
abhimantrayet
er bespreche
tejaḥ balam ca
Glanz und Kraft
śatrum niyacchati
bezwingt den Feind

upa śvāsaya pṛthivīm: RV 6.47.29–31 (an die Pauke). upetitisṛbhī für upeti tisṛbhiḥ; bakam für balam.

tṛṇapāṇirjapetsūktuṃ rakṣoghnaṃ dasyunbhirvṛtaḥ / ye ke ca umetyṛcaṃ japtvā dīrghamāyurāpnuyāt //

Wer von Räubern umringt ist, murmle, Gras in der Hand, das dämonentötende Lied. Wer den Vers „ye ke ca jmā“ murmelt, erlangt langes Leben.

Wort für Wort
tṛṇa-pāṇiḥ
Gras in der Hand
sūktam rakṣoghnam
das dämonentötende Lied
dasyubhiḥ vṛtaḥ
von Räubern umringt
dīrgham āyuḥ
langes Leben

dasyunbhir für dasyubhir; sūktuṃ für sūktam. ye ke ca umetyṛcaṃ wohl für ye ke ca jmā (vgl. RV 6.52.15).

jīmūtasūktena tathā senāṅgānyabhimantrayet / yadhā liṅgaṃ tato rājā vinihanti raṇe ripūn //

Ebenso bespreche man mit dem Jīmūta-Lied die Bestandteile des Heeres, jeweils den Kennzeichen [der Verse] entsprechend; dann schlägt der König im Kampf die Feinde.

Wort für Wort
jīmūta-sūktena
mit dem Jīmūta-Lied
senā-aṅgāni
die Heeresteile
yathāliṅgam
den Kennzeichen entsprechend
vinihanti raṇe ripūn
schlägt im Kampf die Feinde

jīmūtasyeva bhavati pratīkam: RV 6.75 (Waffensegen). yadhā für yathā.

āgneyeti tribhiḥsūktair dhanamāpnoti cākṣayaṃ / amīvaheti sūktena bhūtāni sthāpayenniśi //

Mit drei Agni-Liedern [?] erlangt man unvergänglichen Reichtum. Mit dem Lied „amīvahā“ banne man nachts die Geister (bhūta).

Wort für Wort
āgneyaiḥ tribhiḥ sūktaiḥ
mit drei Agni-Liedern
dhanam akṣayam
unvergänglicher Reichtum
amīvahā
„krankheitstötend“
bhūtāni sthāpayet niśi
er banne nachts die Geister

āgneyeti unklar. amīvahā vāstoṣpate: RV 7.55.

sabādhe viṣame durge bandhā vā nirgataḥ kvacit / palāyan vā gṛhīto vā sūktametattathā japet //

In Bedrängnis, auf unwegsamem oder schwer zugänglichem Gelände, in Fesseln, irgendwohin aufgebrochen, auf der Flucht oder gefangen, murmle man ebenso dieses Lied.

Wort für Wort
sabādhe viṣame durge
in Bedrängnis, unwegsam, unzugänglich
bandhe
in Fesseln
palāyan gṛhītaḥ vā
fliehend oder gefangen
sūktam etat japet
er murmle dieses Lied

bandhā für bandhe.

trirātraṃ niyatopoṣya śrāpayet pāyasañcaruṃ / tenāhutiśataṃ pūrṇaṃ juhuyāt tryambaketyṛcā //

Drei Nächte gezügelt fastend, koche man einen Milchreis-Brei (pāyasa-caru); damit opfere man volle hundert Spenden mit dem Vers „tryambakam“;

Wort für Wort
trirātram niyataḥ upoṣya
drei Nächte gezügelt fastend
śrāpayet pāyasam carum
er koche Milchreis-Brei
āhuti-śatam pūrṇam
volle hundert Spenden
tryambaka iti ṛcā
mit dem Vers „tryambakam“

tryambakaṃ yajāmahe: RV 7.59.12.

samuddiśya mahādevaṃ jīvedabdaśataṃ sukhaṃ / taccakṣurityṛcā snāta upatiṣṭheddivākaraṃ //

[wer dies] mit Blick auf Mahādeva [tut], lebt glücklich hundert Jahre. Mit dem Vers „tac cakṣuḥ“ verehre man nach dem Bad die Sonne,

Wort für Wort
samuddiśya mahādevam
Mahādeva zugedacht
jīvet abda-śatam
er lebe hundert Jahre
tat cakṣuḥ iti ṛcā
mit dem Vers „jenes Auge“
snātaḥ upatiṣṭhet divākaram
gebadet verehre er die Sonne

tac cakṣur devahitam: RV 7.66.16.

udyantaṃ madhyagañcaiva dīrghamāyurjijīviṣuḥ / indrā someti sūktantu kathitaṃ śatrunāśanaṃ //

die aufgehende und die im Zenit stehende, wenn man lange zu leben wünscht. Das Lied „indrāsomā“ wird als feindvernichtend bezeichnet.

Wort für Wort
udyantam madhyagam
die aufgehende und die in der Mitte stehende
dīrgham āyuḥ jijīviṣuḥ
lange zu leben wünschend
indrāsomā iti sūktam
das Lied „Indra und Soma“
śatru-nāśanam
feindvernichtend

indrāsomā tapataṃ rakṣa ubjatam: RV 7.104.

yasya luptaṃ vrataṃ mohādvrātyair vā saṃsṛjetsaha / upoṣyājyaṃ sa juhuyāttvamagne vratapā iti //

Wessen Gelübde aus Verblendung gebrochen ist oder wer mit Vrātyas (Ausgestoßenen) Umgang pflegt, der faste und opfere Schmalz mit „tvam agne vratapāḥ“.

Wort für Wort
luptam vratam mohāt
aus Verblendung gebrochenes Gelübde
vrātyaiḥ saṃsṛjet
mit Ausgestoßenen verkehre
upoṣya ājyam juhuyāt
fastend opfere er Schmalz
tvam agne vratapāḥ
„du, Agni, bist Gelübdehüter“

tvam agne vratapā asi: RV 8.11.1.

ādityetyṛk ca samrājaṃ japtvā vāde jayī bhavet / mahīti ca catuṣkeṇa mucyate mahato bhayāt //

Wer den Vers „ādityāḥ“ und [den Vers] „samrājam“ [?] murmelt, siegt im Streit (vāda). Mit dem Vierer „mahi“ wird man von großer Gefahr befreit.

Wort für Wort
ādityāḥ iti ṛk
der Vers „ādityāḥ“
samrājam
„samrājam“ („den Allherrscher“)
vāde jayī bhavet
er siegt im Streit
mahi iti catuṣkeṇa
mit dem Vierer „mahi“
mahataḥ bhayāt
von großer Gefahr

Die Pratīkas sind nicht sicher zu identifizieren; die Konstruktion ādityetyṛk ca samrājaṃ ist unklar.

ṛcaṃ mahīti japtvā yadi hy etat sarvakāmānavāpnuyāt / dvācatvāriṃśatiṃ caindraṃ japtvā nāśayate ripūn //

Wer den Vers „mahi“ murmelt, erlangt alle Wünsche. Wer die zweiundvierzig Indra-[Verse] murmelt, vernichtet die Feinde.

Wort für Wort
ṛcam mahi iti
den Vers „mahi“
sarva-kāmān avāpnuyāt
er erlange alle Wünsche
dvācatvāriṃśatim aindram
die zweiundvierzig Indra-Verse
nāśayate ripūn
vernichtet die Feinde

Der erste Halbvers ist überlang (yadi hy etat wohl Einschub).

vācaṃ mahīti japtvā ca prāpnotyārogyameva ca / śanno bhaveti dvābhyāntu bhuktvānnaṃ prayataḥ śuciḥ //

Wer den Vers „mahi“ murmelt, erlangt auch Gesundheit. Wer mit den zwei [Versen] „śaṃ no bhava“ nach dem Essen, gesammelt und rein,

Wort für Wort
vācam (ṛcam?) mahi iti
den Vers „mahi“
ārogyam
Gesundheit
śam naḥ bhava iti dvābhyām
mit den zwei (Versen) „sei uns heilsam“
bhuktvā annam
nach dem Essen

vācaṃ wohl für ṛcam. śaṃ no bhava hṛda ā pītaḥ: RV 8.48.4.

hṛdayaṃ pāṇinā spṛṣṭvā vyādhibhir nābhibhūyate / uttamedamiti snāto huttvā śatruṃ pramāpayet //

mit der Hand das Herz berührt, wird nicht von Krankheiten überwältigt. Wer nach dem Bad mit „uttamedam“ [?] opfert, bringt den Feind um.

Wort für Wort
hṛdayam pāṇinā spṛṣṭvā
das Herz mit der Hand berührend
vyādhibhiḥ na abhibhūyate
wird nicht von Krankheiten überwältigt
snātaḥ hutvā
gebadet und geopfert habend
śatrum pramāpayet
er bringe den Feind um

huttvā für hutvā. uttamedam nicht sicher bestimmbar.

śannogna iti sūktena hutenānnamavāpnuyāt / kanyā vārarṣisūktena digdoṣādvipramucyate //

Durch Opfer mit dem Lied „śaṃ no agne“ erlangt man Speise. Durch das Lied der Seherin [Apālā] „kanyā vār“ wird man vom Makel der Haut [?] befreit.

Wort für Wort
śam naḥ agne iti sūktena
mit dem Lied „heilsam, Agni, uns“
annam avāpnuyāt
er erlange Speise
kanyā vār
„ein Mädchen, zum Wasser“
dig-doṣāt (tvag-doṣāt?)
vom Makel (der Haut?)

kanyā vār avāyatī: RV 8.91 (Apālā, die von einer Hautkrankheit geheilt wird). vārarṣisūktena wohl für vār ity ṛṣi-sūktena; digdoṣāt vielleicht für tvagdoṣāt („Hautmakel“).

yadatya kavyetyudite japte 'vaśyaṃ jagadbhavet / yadvāgiti ca japtena vāṇī bhavati saṃskṛtā //

Wenn „yad adya kac ca“ [?] bei Sonnenaufgang gemurmelt wird, wird die Welt gewiss [dem Murmelnden] untertan. Durch Murmeln von „yad vāk“ wird die Rede geläutert.

Wort für Wort
udite
bei Aufgang (der Sonne)
vaśyam jagat bhavet
die Welt wird untertan
yat vāk iti
mit „yad vāk“ („wenn die Rede“)
vāṇī saṃskṛtā
geläuterte Rede

yadatya kavyetyudite verderbt, vielleicht yad adya kac ca (RV 8.93.4); avaśyaṃ jagadbhavet wohl für vaśyaṃ jagad bhavet. yad vāg vadantī: RV 8.100.10.

vāco viditamiti tvetāṃ japan vācaṃ samaśnute / pavitrāṇāṃ pavitrantu pāvamānyetyṛco matāḥ //

Wer diesen [Vers] „vāco viditam“ [?] murmelt, erlangt [die Gabe der] Rede. Als Reinstes der Reinigenden gelten die Pāvamānī-Verse (an den sich läuternden Soma).

Wort für Wort
vācaḥ viditam
„vāco viditam“
vācam samaśnute
erlangt die Rede
pavitrāṇām pavitram
das Reinste der Reinigenden
pāvamānyaḥ ṛcaḥ
die Pāvamānī-Verse

vaikhānasā ṛcastriṃśatpavitrāḥ paramā matāḥ / ṛco dviṣaṣṭiḥ proktāś ca parasvetyṛṣisattama //

Die dreißig Vaikhānasa-Verse gelten als höchst reinigend; [ebenso] werden die zweiundsechzig Verse „pari sva…“ [?] genannt, o bester der Seher.

Wort für Wort
vaikhānasāḥ ṛcaḥ triṃśat
die dreißig Vaikhānasa-Verse
pavitrāḥ paramāḥ
höchst reinigend
ṛcaḥ dviṣaṣṭiḥ
zweiundsechzig Verse
ṛṣi-sattama
o bester der Seher

Die Vaikhānasa-Verse bilden RV 9.66 (dreißig Verse). parasveti unsicher.

sarvakalmaṣanāśāya pāvanāya śivāya ca / svādiṣṭayetisūktānāṃ saptaṣaṣṭirudāhṛtā //

Zur Vernichtung aller Befleckung, zur Läuterung und zum Heil werden die siebenundsechzig [Lieder] von den Liedern „svādiṣṭhayā“ an genannt.

Wort für Wort
sarva-kalmaṣa-nāśāya
zur Vernichtung aller Befleckung
pāvanāya śivāya
zur Läuterung, zum Heil
svādiṣṭhayā
„mit dem süßesten (Trank)“
saptaṣaṣṭiḥ
siebenundsechzig

svādiṣṭhayā madiṣṭhayā: RV 9.1.

daśottarāṇyṛcāñcaitāḥ pāvamānyaḥ śatāni ṣaṭ / etajjapaṃś ca juhvacca ghoraṃ mṛtyubhayaṃ jayet //

Diese Pāvamānī-Verse [umfassen] sechshundertzehn Verse. Wer sie murmelt und [mit ihnen] opfert, besiegt die schreckliche Todesfurcht.

Wort für Wort
daśa-uttarāṇi śatāni ṣaṭ
sechshundertzehn
ṛcām
an Versen
japan juhvat ca
murmelnd und opfernd
ghoram mṛtyu-bhayam jayet
er besiege die schreckliche Todesfurcht

āpohiṣṭeti vāristho japetpāpabhayārdane / pradevanneti niyato japecca marudhanvasu //

„āpo hi ṣṭhā“ murmle man im Wasser stehend, um Sündenfurcht zu vertreiben. Und „pra devatrā“ [?] murmle man gezügelt in Wüsten;

Wort für Wort
āpaḥ hi ṣṭhā
„ihr Wasser seid ja“
vāri-sthaḥ
im Wasser stehend
pāpa-bhaya-ardane
zur Vertreibung der Sündenfurcht
maru-dhanvasu
in Wüsten

āpo hi ṣṭhā: RV 10.9. pradevanneti vielleicht für pra devatrā (RV 10.30, an die Wasser).

prāṇāntike bhaye prāpte kṣipramāyustu vindati / prāveyāmityṛcamekāṃ japecca manasā niśi //

[so] erlangt man, wenn lebensbedrohende Gefahr eingetreten ist, schnell [neues] Leben. Den einen Vers „prāvepāḥ“ murmle man nachts im Geist;

Wort für Wort
prāṇa-antike bhaye
bei lebensbedrohender Gefahr
kṣipram āyuḥ vindati
erlangt schnell Leben
prāvepāḥ iti ṛcam ekām
den einen Vers „prāvepāḥ“
manasā niśi
im Geist, bei Nacht

prāveyām für prāvepā(ḥ) (RV 10.34.1, Würfellied).

vyuṣṭāyāmudite sūrye dyūte jayamavāpnuyāt / mā pragāmeti mūḍhaś ca panthānaṃ pathi vindati //

[und] wenn [die Nacht] hell geworden und die Sonne aufgegangen ist, erlangt man Sieg im Würfelspiel. Wer „mā pra gāma“ [murmelt], findet, wenn er verirrt ist, auf der Reise den Weg.

Wort für Wort
vyuṣṭāyām udite sūrye
wenn es hell und die Sonne aufgegangen ist
dyūte jayam
Sieg im Würfelspiel
mā pra gāma
„nicht mögen wir abirren“
mūḍhaḥ panthānam vindati
der Verirrte findet den Weg

mā pra gāma patho vayam: RV 10.57.1.

kṣīṇāyuriti manyeta yaṅkañcit suhṛdaṃ priyaṃ / yatteyamiti tu snātastasya mūrdhānamālabhet //

Wenn man von irgendeinem lieben Freund meint, sein Leben sei erschöpft, so berühre man nach dem Bad mit „yat te yamam“ dessen Haupt,

Wort für Wort
kṣīṇa-āyuḥ
dessen Leben erschöpft ist
suhṛdam priyam
einen lieben Freund
yat te yamam
„was von dir zu Yama“
mūrdhānam ālabhet
er berühre das Haupt

yat te yamaṃ vaivasvatam: RV 10.58.

sahasrakṛtvaḥ pañcāhaṃ tenāyurvindate mahat / idaṃ medhyeti juhuyāt ghṛtaṃ prājñaḥ sahasraśaḥ //

tausendmal, fünf Tage lang; dadurch erlangt [jener] langes Leben. Mit „idam …“ [?] opfere der Kundige tausendfach Schmalz,

Wort für Wort
sahasra-kṛtvaḥ pañca-aham
tausendmal, fünf Tage lang
āyuḥ vindate mahat
erlangt langes Leben
juhuyāt ghṛtam
er opfere Schmalz
prājñaḥ sahasraśaḥ
der Kundige tausendfach

idaṃ medhyeti unklar.

paśukāmo gavāṃ goṣṭhe arthakāmaś catuṣpathe / vayaḥ suparṇa ity etāṃ japan vai vindate śriyaṃ //

wer Vieh wünscht, im Kuhstall, wer Reichtum wünscht, an einer Wegkreuzung. Wer den [Vers] „vayaḥ suparṇāḥ“ murmelt, gewinnt Glück.

Wort für Wort
paśu-kāmaḥ gavām goṣṭhe
wer Vieh wünscht, im Kuhstall
artha-kāmaḥ catuṣpathe
wer Reichtum wünscht, am Kreuzweg
vayaḥ suparṇāḥ
„die schönbeschwingten Vögel“
vindate śriyam
gewinnt Glück

vayaḥ suparṇā upa sedur indram: RV 10.73.11.

haviṣyantīyamabhyasya sarvapāpaiḥ pramucyate / tasya rogā vinaśyanti kāyāgnirvardhate tathā //

Wer das Haviṣpāntīya-Lied übt, wird von allen Sünden befreit; seine Krankheiten vergehen, und sein Verdauungsfeuer wächst.

Wort für Wort
haviṣpāntīyam abhyasya
das Haviṣpāntīya-Lied übend
sarva-pāpaiḥ pramucyate
wird von allen Sünden befreit
rogāḥ vinaśyanti
Krankheiten vergehen
kāya-agniḥ vardhate
das Verdauungsfeuer wächst

haviṣyantīyam für haviṣpāntīyam (haviṣ pāntam ajaram: RV 10.88).

yā oṣadhayaḥ svastyayanaṃ sarvavyādhivināśanaṃ / vṛhaspate atītyetadvṛṣṭikāmaḥ prayojayet //

„yā oṣadhayaḥ“ ist ein Heilsspruch, der alle Krankheiten vernichtet. „bṛhaspate ati …“ wende an, wer Regen wünscht.

Wort für Wort
yāḥ oṣadhayaḥ
„welche Kräuter“
sarva-vyādhi-vināśanam
alle Krankheiten vernichtend
bṛhaspate
„o Bṛhaspati“
vṛṣṭi-kāmaḥ prayojayet
wer Regen wünscht, wende an

yā oṣadhīḥ pūrvā jātāḥ: RV 10.97 (Kräuterlied). Das Regenlied des Devāpi (RV 10.98) beginnt bṛhaspate prati me; der Text hat ati.

sarvatreti parā śāntirjñeyā pratirathas tathā / sūta sāṃkāśyapannityaṃ prajākāmasya kīrtitaṃ //

„sarvatra“ [?] ist als höchste Befriedung (śānti) zu kennen, ebenso das Apratiratha-Lied. [Das Lied] „…“ [?] wird als stets [heilsam] für den genannt, der Nachkommenschaft wünscht.

Wort für Wort
parā śāntiḥ
höchste Befriedung
apratirathaḥ
das Apratiratha-Lied
prajā-kāmasya
für den, der Nachkommen wünscht
kīrtitam
genannt

sarvatreti und sūta sāṃkāśyapam sind verderbt bzw. unklar. apratiratha für pratiratha (āśuḥ śiśānaḥ: RV 10.103).

ahaṃ rudreti etadvāgmī bhavati mānavaḥ / na yonau jāyate vidvān japanrātrīti rātriṣu //

Durch „ahaṃ rudrebhiḥ“ wird der Mensch beredt. Der Wissende, der in den Nächten „rātrī“ murmelt, wird nicht [wieder] aus einem Mutterschoß geboren.

Wort für Wort
aham rudrebhiḥ
„ich (wandle) mit den Rudras“
vāgmī bhavati
wird beredt
na yonau jāyate
wird nicht aus einem Schoß geboren
rātriṣu
in den Nächten

ahaṃ rudrebhir vasubhiś carāmi: RV 10.125; rātrī vy akhyad: RV 10.127.

rātrisūktaṃ japannrātrī rātriṃ kṣemī jayennaraḥ / kalpayantīti ca japannityaṃ kṛttvārināśanaṃ //

Der Mann, der nachts das Nacht-Lied murmelt, übersteht die Nacht wohlbehalten. Wer stets „kalpayantī“ [?] murmelt, [vollzieht, was] Zauber und Feinde vernichtet.

Wort für Wort
rātri-sūktam
das Nacht-Lied
rātrau
bei Nacht
kṣemī
wohlbehalten
kṛtyā-ari-nāśanam
Zauber und Feinde vernichtend

jayennaraḥ vielleicht für nayen naraḥ; kṛttvārināśanaṃ vielleicht für kṛtyāri-nāśanam.

āyuṣyañcaiva varcasyaṃ sūktaṃ dākṣāyaṇaṃ mahat / uta devā iti japedāmayaghnaṃ dhṛtavrataḥ //

Das große Dākṣāyaṇa-Lied ist lebensverlängernd und glanzverleihend. „uta devāḥ“, das krankheitstötende [Lied], murmle man mit festem Gelübde.

Wort für Wort
āyuṣyam varcasyam
lebensverlängernd, glanzverleihend
dākṣāyaṇam sūktam
das Dākṣāyaṇa-Lied
uta devāḥ
„und, ihr Götter“
āmaya-ghnam
krankheitstötend
dhṛta-vrataḥ
mit festem Gelübde

Dākṣāyaṇa-Spruch: yad ābadhnan dākṣāyaṇāḥ (Amulettspruch). uta devā avahitam: RV 10.137 (Heillied).

ayamagne janityetajjapedagnibhaye sati / araṇyānītyaraṇyeṣu japettadbhayanāśanaṃ //

„ayam agne jaritā“ murmle man, wenn Feuersgefahr besteht. „araṇyāni“ murmle man in Wäldern; es vernichtet die Gefahr dort.

Wort für Wort
ayam agne jaritā
„dieser, Agni, ist der Sänger“
agni-bhaye sati
bei Feuersgefahr
araṇyāni
„o Waldfrau“
tat-bhaya-nāśanam
die dortige Gefahr vernichtend

ayam agne jaritā: RV 10.142; araṇyāny araṇyāni: RV 10.146.

brāhmnīmāsādya sūkte dve ṛcaṃ brāhmīṃ śatāvarīṃ / pṛthagadbhirghṛtair vātha medhāṃ lakṣmīñca vindati //

Wer die Brāhmī [-Pflanze] erlangt hat, [murmle] die zwei Lieder und den Vers [?]; [nimmt er] Brāhmī und Śatāvarī getrennt mit Wasser oder mit Schmalz [ein], so gewinnt er Einsicht und Glück.

Wort für Wort
brāhmīm āsādya
die Brāhmī erlangt habend
sūkte dve
zwei Lieder
śatāvarīm
Śatāvarī (Asparagus racemosus)
pṛthak adbhiḥ ghṛtaiḥ vā
getrennt mit Wasser oder Schmalz
medhām lakṣmīm ca vindati
gewinnt Einsicht und Glück

Die zwei Lieder und der Vers sind nicht benannt; der Satzbau ist unklar. brāhmnīm für brāhmīm.

māsa ity asapatnaghnaṃ saṃgrāmaṃ vijigīṣataḥ / brahmaṇo 'gniḥ saṃvidānaṃ garbhamṛtyunivāraṇaṃ //

„śāsa [itthā]“ [?] ist nebenbuhlertötend für den, der im Kampf siegen will. „brahmaṇāgniḥ saṃvidānaḥ“ wehrt den Tod der Leibesfrucht ab.

Wort für Wort
a-sapatna-ghnam
nebenbuhler-(feind-)tötend
saṃgrāmam vijigīṣataḥ
für den, der im Kampf siegen will
brahmaṇā agniḥ saṃvidānaḥ
„Agni, mit dem Brahman einig“
garbha-mṛtyu-nivāraṇam
den Tod der Leibesfrucht abwehrend

māsa wohl verderbt für śāsa (śāsa itthā mahāṃ asi: RV 10.152). brahmaṇāgniḥ saṃvidānaḥ: RV 10.162 (Schutz der Leibesfrucht).

apahīti japetsūktaṃ śucirdusvapnanāśanaṃ / yenedamiti vaijaptvā samādhiṃ vindate paraṃ //

Das Lied „apehi“, das böse Träume vernichtet, murmle man rein. Wer „yenedam“ murmelt, erlangt höchste Versenkung (samādhi).

Wort für Wort
apehi
„geh fort“
duḥsvapna-nāśanam
böse Träume vernichtend
yena idam
„durch den dies (alles)“
samādhim vindate param
erlangt höchste Versenkung

apehi manasas pate: RV 10.164 (gegen böse Träume). yenedaṃ bhūtaṃ bhuvanam: Śivasaṃkalpa-Sprüche. vaijaptvā für vai japtvā.

mayo bhūrvāta ity etat gavāṃ svastyayanaṃ paraṃ / śāmbarīmindrajālaṃ vā māyāmetena vārayet //

„mayobhūr vātaḥ“ ist der höchste Heilsspruch für die Kühe. Damit wehre man Śambara-Zauber, Gaukelei (indrajāla) oder [sonstige] Magie ab.

Wort für Wort
mayobhūḥ vātaḥ
„der erquickende Wind“
gavām svastyayanam
Heilsspruch für die Kühe
śāmbarīm indrajālam
Śambara-Zauber, Gaukelei
māyām vārayet
er wehre Magie ab

mayobhūr vāto abhi vātūsrāḥ: RV 10.169 (Kuhsegen).

mahītrīṇāmavarostviti pathi svastyayanaṃ japet / agnaye vidviṣannevaṃ japecca ripunāśanaṃ //

„mahi trīṇām avo 'stu“ murmle man auf dem Weg als Heilsspruch. Ebenso murmle man, wenn man einen Feind hat, „[pra] agnaye“, das feindvernichtend ist.

Wort für Wort
mahi trīṇām avaḥ astu
„groß sei der Schutz der Drei“
pathi svastyayanam
Heilsspruch auf dem Weg
agnaye
„dem Agni“
vidviṣan
Feind habend (feindselig)
ripu-nāśanam
feindvernichtend

mahi trīṇām avo 'stu: RV 10.185; prāgnaye vācam īraya: RV 10.187 (Kehrreim sa naḥ parṣad ati dviṣaḥ).

vāstoṣpatena mantreṇa yajeta gṛhadevatāḥ / japasyaiṣa vidhiḥ prokto hute jñeyo viśeṣataḥ //

Mit dem Vāstoṣpati-Spruch verehre man die Hausgottheiten. Dies ist die Regel für das Murmeln; beim Opfer ist Folgendes besonders zu wissen:

Wort für Wort
vāstoṣpatyena mantreṇa
mit dem Vāstoṣpati-Spruch
gṛha-devatāḥ
die Hausgottheiten
japasya eṣa vidhiḥ
dies ist die Regel des Murmelns
hute viśeṣataḥ
beim Opfer im Besonderen

vāstoṣpatena für vāstoṣpatyena (vāstoṣpate prati jānīhi: RV 7.54).

homānte dakṣiṇā deyā pāpaśāntirhutena tu / hutaṃ śāmyati cānnena annahemapradānataḥ //

Am Ende des Opfers ist ein Opferlohn (dakṣiṇā) zu geben. Durch das Opfer wird die Sünde beschwichtigt; das Opfer aber kommt durch Speise zur Ruhe (zum Abschluss), [nämlich] durch Gabe von Speise und Gold.

Wort für Wort
homa-ante dakṣiṇā deyā
am Opferende ist Opferlohn zu geben
pāpa-śāntiḥ hutena
Beschwichtigung der Sünde durch Opfer
hutam śāmyati annena
das Opfer kommt durch Speise zur Ruhe
anna-hema-pradānataḥ
durch Gabe von Speise und Gold

viprāśiṣastvamoghāḥ syurbahiḥsnānantu sarvataḥ / siddhārthakā yavā dhānyaṃ payo ghṛtaṃ tathā //

Die Segenswünsche der Brahmanen sollen [dabei] nicht vergeblich sein; das Bad [erfolge] in jedem Fall außerhalb [des Hauses]. Senfkörner, Gerste, Getreide, Milch und Schmalz,

Wort für Wort
vipra-āśiṣaḥ amoghāḥ
die Segenswünsche der Brahmanen nicht vergeblich
bahiḥ-snānam sarvataḥ
Bad außerhalb in jedem Fall
siddhārthakāḥ yavāḥ
Senfkörner, Gerste
dhānyam payaḥ ghṛtam
Getreide, Milch, Schmalz

kṣīravṛkṣāstathedhmantu homā vai sarvakāmadāḥ / samidhaḥ kaṇṭhakinyaś ca rājikā rudhiraṃ viṣaṃ //

ebenso [Holz von] Milchsaft führenden Bäumen als Brennholz: [mit diesen] gewähren die Opfer alle Wünsche. Dornige Brennhölzer, schwarzer Senf (rājikā), Blut und Gift

Wort für Wort
kṣīra-vṛkṣāḥ idhmam
Milchsaftbäume als Brennholz
homāḥ sarva-kāma-dāḥ
Opfer, die alle Wünsche gewähren
samidhaḥ kaṇṭakinyaḥ
dornige Brennhölzer
rājikā rudhiram viṣam
schwarzer Senf, Blut, Gift

kaṇṭhakinyaḥ für kaṇṭakinyaḥ.

abhicāre tathā śailaṃ aśanaṃ śaktavaḥ payaḥ / dadhi bhaikṣyaṃ phalaṃ mūlamṛgvidhānamudāhṛtaṃ //

[verwende man] beim Schadenzauber (abhicāra), ebenso Öl [?]. Als Nahrung [des Opfernden gelten] Gerstengrütze, Milch, Sauermilch, erbettelte Speise, Früchte und Wurzeln. [Damit] ist das Ṛgvidhāna verkündet.

Wort für Wort
abhicāre
beim Schadenzauber
aśanam
Nahrung
saktavaḥ payaḥ dadhi
Gerstengrütze, Milch, Sauermilch
bhaikṣyam phalam mūlam
Almosenspeise, Frucht, Wurzel
ṛgvidhānam udāhṛtam
das Ṛgvidhāna ist verkündet

śailaṃ vielleicht für tailam („Öl“); sonst „Steinernes“.

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