Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 342: śabdālaṅkāranirūpaṇam Darlegung der Wortfiguren

Das Kapitel behandelt die Wortfiguren: Anuprāsa mit den fünf Stilarten (madhurā, lalitā, prauḍhā, bhadrā, paruṣā) und regionalen Stilen, Yamaka mit seinen Unterarten, die Wortwiederholung, die sieben Arten des citra (Frage, Rätsel, gupta, cyuta, datta, cyutadatta, samasyā) sowie das duṣkara mit den Figurengedichten (bandha: gomūtrikā, sarvatobhadra, Lotus, Rad, daṇḍa, muraja usw.). Im Eingabetitel steht verderbt „agnirucāca“ (für agnir uvāca), während V. 1 keine Sprecherangabe hat; der Titel wurde aus dem Kolophon übernommen. Die technischen Anweisungen zu den Figuren (V. 41-63) sind stellenweise stark verderbt und nur annähernd übersetzbar; V. 20 ist in der Quelle als verderbt markiert.

syādāvṛttiranuprāso varṇānāṃ padavākyayoḥ / ekavarṇānekavarṇāvṛttervarṇaguṇo dvidhā //

Anuprāsa (Alliteration) ist die Wiederholung von Lauten in Wort und Satz. Die Lautgruppe ist zweifach, nach der Wiederholung eines einzigen Lautes oder mehrerer Laute.

Wort für Wort
syāt āvṛttiḥ anuprāsaḥ
Anuprāsa ist Wiederholung
varṇānām
der Laute
pada-vākyayoḥ
in Wort und Satz
eka-varṇa-aneka-varṇa-āvṛtteḥ
aus Wiederholung eines oder mehrerer Laute
dvidhā
zweifach

Keine Sprecherangabe; das „agnir uvāca“ ist in der Digitalisierung in den Kapiteltitel geraten (dort „agnirucāca“). varṇaguṇo wohl = varṇagaṇo.

ekavarṇagatāvṛtterjāyante pañca vṛttayaḥ / madhurā lalitā prauṭā bhadrā paruṣayā saha //

Aus der Wiederholung eines einzelnen Lautes entstehen fünf Stilarten (vṛtti): madhurā (lieblich), lalitā (anmutig), prauḍhā (kraftvoll), bhadrā (gefällig) samt paruṣā (rau).

Wort für Wort
eka-varṇa-gata-āvṛtteḥ
aus der Wiederholung eines Lautes
pañca vṛttayaḥ
fünf Stilarten
madhurā lalitā
lieblich, anmutig
prauḍhā bhadrā
kraftvoll, gefällig
paruṣayā saha
samt der rauen

prauṭā = prauḍhā.

madhurāyāś ca vargantādadho vargyā raṇau svanau / hrasvasvareṇāntaritau saṃyuktatvaṃ nakārayoḥ //

Bei der madhurā: Klassenkonsonanten, denen der Nasal ihrer Klasse vorangeht; r und ṇ, [jeweils] durch einen kurzen Vokal getrennt [?]; die Verbindung zweier n.

Wort für Wort
madhurāyāḥ
bei der lieblichen
varga-antāt adhaḥ vargyāḥ
Klassenlaute unter dem Klassennasal
raṇau
r und ṇ
hrasva-svareṇa antaritau
durch kurzen Vokal getrennt
saṃyuktatvam nakārayoḥ
Verbindung zweier n

Deutung von vargāntād adho vargyāḥ als Nasal + Verschlusslaut derselben Klasse; svanau unsicher.

na kāryā vargyavarṇānāmāvṛttiḥ pañcamādhikā / mahāprāṇoṣmasaṃyogapravimuktalaghūttarau //

Die Wiederholung von Klassenlauten soll nicht öfter als fünfmal geschehen; [sie seien] frei von Verbindungen mit Aspiraten und Zischlauten, mit leichten [Silben] danach [?].

Wort für Wort
na kāryā
soll nicht gemacht werden
vargya-varṇānām āvṛttiḥ
Wiederholung von Klassenlauten
pañcama-adhikā
über fünf hinaus
mahāprāṇa-ūṣma-saṃyoga-pravimukta
frei von Verbindung mit Aspiraten und Zischlauten
laghu-uttarau
mit leichter Folgesilbe [?]

lalitā balabhūyiṣṭhā prauṭā yā paṇavargajā / ūrdhvaṃ repheṇa yujyante naṭavargonapañcamāḥ //

Die lalitā ist reich an b und l; die prauḍhā ist die aus der p-Klasse und ṇ [?] entstehende; [in ihr] werden die Laute der ṭ-Klasse außer dem Nasal oben mit r verbunden.

Wort für Wort
lalitā ba-la-bhūyiṣṭhā
die anmutige reich an b und l
prauḍhā
die kraftvolle
pa-ṇa-varga-jā
aus p-Klasse und ṇ entstehend [?]
ūrdhvam repheṇa yujyante
werden oben mit r verbunden
ṭa-vargaḥ an-pañcamāḥ
die ṭ-Klasse ohne Nasal

paṇavargajā unklar; naṭavargonapañcamāḥ = ṭavargo 'napañcamāḥ.

bhadrāyāṃ pariśiṣṭāḥ syuḥ paruṣā sābhidhīyate / bhavanti yasyāmūṣmāṇaḥ saṃyuktāstattadakṣaraiḥ //

In der bhadrā stehen die übrigen [Laute]. Paruṣā heißt diejenige, in der Zischlaute mit den jeweiligen [anderen] Silben verbunden vorkommen,

Wort für Wort
bhadrāyām pariśiṣṭāḥ syuḥ
in der gefälligen die übrigen
paruṣā sā abhidhīyate
die heißt rau
yasyām ūṣmāṇaḥ
in der Zischlaute
saṃyuktāḥ tat-tat-akṣaraiḥ
mit den jeweiligen Silben verbunden

akāravarjamāvṛttiḥ svarāṇāmatibhūyasī / anusvāravisargau ca pāruṣyāya nirantarau //

[und in der] die Wiederholung der Vokale außer a sehr häufig ist; auch Anusvāra und Visarga dienen, wenn ununterbrochen [gehäuft], der Rauheit.

Wort für Wort
akāra-varjam
außer a
āvṛttiḥ svarāṇām
Wiederholung der Vokale
atibhūyasī
sehr häufig
anusvāra-visargau
Anusvāra und Visarga
pāruṣyāya nirantarau
ununterbrochen zur Rauheit

śaṣasā rephasaṃyuktāścākāraścāpi bhūyasā / antasthābhinnamābhyāñca haḥ pāruṣyāya saṃyutaḥ //

ś, ṣ, s mit r verbunden, reichliches ā [?], und h, mit Halbvokalen oder mit diesen beiden [Anusvāra und Visarga] verbunden, [dienen] der Rauheit.

Wort für Wort
śa-ṣa-sāḥ repha-saṃyuktāḥ
ś, ṣ, s mit r verbunden
ākāraḥ bhūyasā
reichliches ā
antasthā
Halbvokal
haḥ
h
pāruṣyāya saṃyutaḥ
verbunden zur Rauheit

anyathāpi gururvarṇaḥ saṃyukteparipanthini / pāruṣyāyādimāṃstatra pūjitā na tu pañcamo //

Auch sonst ist eine schwere Silbe, wenn eine Konsonantenverbindung [als] Hindernis [folgt, rau]; für die Rauheit ist dabei der erste [Laut der Klasse] geschätzt, nicht aber der fünfte.

Wort für Wort
anyathā api
auch sonst
guruḥ varṇaḥ
schwere Silbe
saṃyukte paripanthini
bei hinderlicher Konsonantenverbindung
ādimān pūjitāḥ
die ersten geschätzt
na tu pañcamaḥ
nicht aber der fünfte

kṣepe śabdānukāre ca paruṣāpi prayujyate / karṇāṭī kauntalī kauntī kauṅkaṇī vāmanāsikā //

Beim Tadel und bei Lautnachahmung wird auch die paruṣā verwendet. Karṇāṭī, Kauntalī, Kauntī, Kauṅkaṇī, Vāmanāsikā,

Wort für Wort
kṣepe
beim Tadel
śabda-anukāre
bei Lautnachahmung
paruṣā api prayujyate
auch die raue wird verwendet
karṇāṭī kauntalī kauntī
Karṇāṭī, Kauntalī, Kauntī
kauṅkaṇī vāmanāsikā
Kauṅkaṇī, Vāmanāsikā

Die folgenden Namen bezeichnen regional benannte Stilarten.

drāvaṇī mādhavī pañcavarṇāntasthoṣmabhiḥ kramāt / anekavarṇāvṛttiryā bhinnārthapratipādikā //

Drāvaṇī und Mādhavī – [diese entstehen] der Reihe nach durch die fünf Klassenlaute, die Halbvokale und die Zischlaute. Die Wiederholung mehrerer Laute, die verschiedene Bedeutungen ausdrückt,

Wort für Wort
drāvaṇī mādhavī
Drāvaṇī, Mādhavī
pañca-varṇa-antastha-ūṣmabhiḥ
durch fünf Klassenlaute, Halbvokale, Zischlaute
kramāt
der Reihe nach
aneka-varṇa-āvṛttiḥ
Wiederholung mehrerer Laute
bhinna-artha-pratipādikā
verschiedene Bedeutung ausdrückend

Zuordnung der sieben Namen zu den Lautgruppen im Einzelnen unklar.

yamakaṃ sāvyapetañca vyapetañceti taddvidhā / ānantaryādavyapetaṃ vyapetaṃ vyavadhānataḥ //

ist Yamaka; sie ist zweifach: unmittelbar (avyapeta) und getrennt (vyapeta). Unmittelbar aufgrund des direkten Aufeinanderfolgens, getrennt aufgrund eines Zwischenraums.

Wort für Wort
yamakam
Yamaka (Silbenreim)
avyapetam vyapetam
unmittelbar, getrennt
ānantaryāt
aufgrund direkter Folge
vyavadhānataḥ
aufgrund eines Zwischenraums

dvaividhyenānayoḥ sthānapādabhedāccaturvidham / ādipādādimadhyānteṣvekadvitriniyogataḥ //

Durch die Zweiheit dieser beiden und durch den Unterschied von Stelle (sthāna) und Versviertel (pāda) ist es vierfach; durch die Setzung am Anfang, in der Mitte und am Ende in einem, zwei oder drei [Vierteln]

Wort für Wort
dvaividhyena anayoḥ
durch die Zweiheit dieser beiden
sthāna-pāda-bhedāt
durch Unterschied von Stelle und Viertel
caturvidham
vierfach
ādi-madhya-anteṣu
am Anfang, in Mitte, am Ende
eka-dvi-tri-niyogataḥ
durch Setzung in einem, zwei, drei

saptadhā saptapūrveṇa cet pādenottarottaraḥ / ekadvitripadārambhastulyaḥ ṣoḍhā tadāparaṃ //

[ist es] siebenfach, wenn der jeweils folgende [Pāda] mit dem vorangehenden [übereinstimmt]; die andere [Art], die bei einem, zwei oder drei Pādas gleich beginnt, ist sechsfach.

Wort für Wort
saptadhā
siebenfach
pūrveṇa pādena
mit dem vorangehenden Viertel
uttara-uttaraḥ
der jeweils folgende
eka-dvi-tri-pada-ārambhaḥ tulyaḥ
gleicher Anfang bei ein, zwei, drei Pādas
ṣoḍhā tadā aparam
die andere sechsfach

Technische Stelle, Text wohl gestört (saptadhā saptapūrveṇa); Übersetzung unsicher [?].

tṛtīyaṃ trividhaṃ pādasyādimadhyāntagocaram / pādāntayamakañcaiva kāñcīyamakameva ca //

Die dritte [Art] ist dreifach und betrifft Anfang, Mitte und Ende des Pāda. [Ferner:] Pādānta-Yamaka (am Viertelende) und Kāñcī-Yamaka (Gürtel-Yamaka),

Wort für Wort
tṛtīyam trividham
die dritte dreifach
pādasya ādi-madhya-anta-gocaram
Anfang, Mitte, Ende des Viertels betreffend
pāda-anta-yamakam
Yamaka am Viertelende
kāñcī-yamakam
Gürtel-Yamaka

saṃsargayamakañcaiva vikrāntayamakantathā / pādādiyamakañcaiva tathāmreḍitameva ca //

Saṃsarga-Yamaka (Verbindungs-Yamaka), Vikrānta-Yamaka, Pādādi-Yamaka (am Viertelanfang) und ebenso das Āmreḍita (Wiederholung),

Wort für Wort
saṃsarga-yamakam
Verbindungs-Yamaka
vikrānta-yamakam
Vikrānta-Yamaka
pāda-ādi-yamakam
Yamaka am Viertelanfang
āmreḍitam
Wiederholung

caturvyavasitañcaiva mālāyamakameva ca / daśadhā yamakaṃ śreṣṭhaṃ tadbhedā bahavo 'pare //

Caturvyavasita und Mālā-Yamaka (Ketten-Yamaka) – zehnfach ist das vorzüglichste Yamaka; seine anderen Unterarten sind zahlreich.

Wort für Wort
catur-vyavasitam
viermal festgelegt
mālā-yamakam
Ketten-Yamaka
daśadhā yamakam śreṣṭham
das beste Yamaka zehnfach
tat-bhedāḥ bahavaḥ apare
viele andere Unterarten

Aufgezählt werden in V. 15-17 nur acht Namen, obwohl von zehn Arten gesprochen wird.

svatantrasyānyatantrasya padasyāvartanā dvidhā / bhinnaprayojanapadasyāvṛttiṃ manujā viduḥ //

Die Wiederholung eines selbständigen oder eines unselbständigen Wortes ist zweifach. Die Wiederholung eines Wortes mit verschiedenem Zweck kennen die Menschen [ebenfalls als Anuprāsa].

Wort für Wort
svatantrasya anyatantrasya
des selbständigen und des abhängigen
padasya āvartanā dvidhā
Wiederholung des Wortes zweifach
bhinna-prayojana-padasya
eines Wortes mit anderem Zweck
āvṛttim manujāḥ viduḥ
die Wiederholung kennen die Menschen

Gemeint ist offenbar die Wortwiederholung mit verändertem Bezug (später lāṭānuprāsa genannt).

dvayorāvṛttapadayoḥ samastā syātsamāsataḥ / asamāsāttayorvyastā pāde tvekatra vigrahāt //

Bei zwei wiederholten Wörtern ist sie „zusammengesetzt“ (samastā), wenn sie in einem Kompositum stehen; ohne Kompositum ist sie „getrennt“ (vyastā) – im selben Pāda aber durch Auflösung [des Kompositums].

Wort für Wort
dvayoḥ āvṛtta-padayoḥ
bei zwei wiederholten Wörtern
samastā samāsataḥ
zusammengesetzt durch Kompositum
asamāsāt vyastā
ohne Kompositum getrennt
pāde tu ekatra vigrahāt
im selben Viertel durch Auflösung

vākyasyāvṛttirapyevaṃ yathāsambhavamiṣyate / alaṅkārādyanuprāso laghumadhyevamarhaṇāt * //

Auch die Wiederholung eines Satzes gilt so, soweit möglich. Unter den Schmuckmitteln ist der Anuprāsa der erste … [verderbt].

Wort für Wort
vākyasya āvṛttiḥ api evam
auch die Satzwiederholung so
yathā-sambhavam iṣyate
gilt je nach Möglichkeit
alaṅkāra-ādi
erstes der Schmuckmittel
anuprāsaḥ
Anuprāsa

Zweite Vershälfte in der Quelle mit * als verderbt markiert (laghumadhyevamarhaṇāt); nicht sicher übersetzbar.

yayā kayācidvṛtyā yat samānamanubhūyate / tadrūpādipadāsattiḥ sānuprasā rasāvahā //

Was durch irgendeine Stilart als gleich empfunden wird – die Nähe von Wörtern gleicher Gestalt und dergleichen –, das ist Anuprāsa, der Rasa trägt.

Wort für Wort
yayā kayācit vṛttyā
durch irgendeine Stilart
samānam anubhūyate
als gleich empfunden
tad-rūpa-ādi-pada-āsattiḥ
Nähe von Wörtern gleicher Gestalt usw.
rasa-āvahā
Rasa tragend

sānuprasā = sā anuprāsaḥ.

goṣṭhyāṃ kutūhalādhyāyī vāgbandhaścitramucyate / praśnaḥ prahelikā guptaṃ cyutadatte tathobhayam //

Die sprachliche Komposition, die in geselliger Runde (goṣṭhī) Neugier weckt, heißt citra (Kunststück): Frage (praśna), Rätsel (prahelikā), Verborgenes (gupta), Weggelassenes (cyuta), Hinzugefügtes (datta) und ebenso beides [zusammen] (cyutadatta),

Wort für Wort
goṣṭhyām
in geselliger Runde
kutūhala-ādhyāyī vāk-bandhaḥ
Neugier weckende Wortfügung
citram ucyate
heißt citra
praśnaḥ prahelikā guptam
Frage, Rätsel, Verborgenes
cyuta-datte tathā ubhayam
Weggelassenes, Hinzugefügtes, beides

samasyā sapta tadbhedā nānārthasyānuyogataḥ / yatra pradīyate tulyavarṇavinyāsamuttaraṃ //

und samasyā (Ergänzungsaufgabe) – [das sind] seine sieben Arten. Wo auf die Befragung nach einem mehrdeutigen [Wort] eine Antwort mit gleicher Lautanordnung gegeben wird,

Wort für Wort
samasyā
Ergänzungsaufgabe
sapta tad-bhedāḥ
seine sieben Arten
nānā-arthasya anuyogataḥ
auf Frage nach Mehrdeutigem
tulya-varṇa-vinyāsam uttaram
Antwort mit gleicher Lautanordnung

sa praśnaḥ syādekapṛṣṭadvipṛṣṭottarabhedataḥ / dvidhaikapṛṣṭo dvividhaḥ samasto vyasta eva ca //

das ist praśna; nach dem Unterschied der Antwort auf eine einfache oder eine doppelte Frage ist sie zweifach; die einfach gefragte ist [wiederum] zweifach: zusammengesetzt und getrennt.

Wort für Wort
saḥ praśnaḥ syāt
das ist die Frage
eka-pṛṣṭa-dvi-pṛṣṭa-uttara-bhedataḥ
nach Antwort auf einfache oder doppelte Frage
dvidhā
zweifach
samastaḥ vyastaḥ ca
zusammengesetzt und getrennt

dvayorapyarthayorguhyamānaśabdā prahelikā / sā dvidhārtho ca śābdī ca tatrārthī cārthabodhataḥ //

Prahelikā (Rätsel) ist, wo bei beiden Bedeutungen die Wörter verborgen werden; sie ist zweifach: bedeutungsbezogen (ārthī) und wortbezogen (śābdī); die ārthī aufgrund des Erkennens der Bedeutung,

Wort für Wort
dvayoḥ api arthayoḥ
bei beiden Bedeutungen
guhyamāna-śabdā
mit verborgenen Wörtern
prahelikā
Rätsel
ārthī ca śābdī ca
bedeutungs- und wortbezogen
artha-bodhataḥ
aufgrund des Erkennens der Bedeutung

dvidhārtho = dvidhārthī.

śabdāvabodhataḥ śābdī prāhuḥ ṣoḍhā prahelikāṃ / yasmin gupte 'pi vākyāṅge bhāvyartho 'pāramārthikaḥ //

die śābdī aufgrund des Erkennens des Wortes; man nennt die prahelikā sechsfach. Wo, auch wenn ein Satzglied verborgen ist, die zu erschließende Bedeutung nicht die eigentliche ist,

Wort für Wort
śabda-avabodhataḥ śābdī
wortbezogen aufgrund Worterkenntnis
prāhuḥ ṣoḍhā
nennt man sechsfach
gupte api vākya-aṅge
auch wenn ein Satzglied verborgen
bhāvi-arthaḥ
zu erschließende Bedeutung
apāramārthikaḥ
nicht die eigentliche

tadaṅgavihitākāṅkṣastadguptaṃ gūḍhamapyadaḥ / yatrārthāntaranirbhāso vākyāṅgacyavanādibhiḥ //

wobei die Satzerwartung von diesem Glied bestimmt ist – das ist gupta (verborgen), auch gūḍha genannt. Wo durch Wegfall eines Satzgliedes und dergleichen eine andere Bedeutung aufscheint,

Wort für Wort
tad-aṅga-vihita-ākāṅkṣaḥ
mit von diesem Glied bestimmter Erwartung
guptam gūḍham api adaḥ
gupta, auch gūḍha
artha-antara-nirbhāsaḥ
Aufscheinen einer anderen Bedeutung
vākya-aṅga-cyavana-ādibhiḥ
durch Wegfall eines Satzglieds usw.

tadaṅgavihitākāṅkṣastaccutaṃ syāccaturvidham / svaravyañjanavindūnāṃ visargasya ca vicyuteḥ //

wobei die Erwartung von diesem Glied bestimmt ist – das ist cyuta (weggelassen); es ist vierfach: durch Wegfall eines Vokals, eines Konsonanten, des Anusvāra (bindu) oder des Visarga.

Wort für Wort
cyutam
weggelassen
caturvidham
vierfach
svara-vyañjana-bindūnām
von Vokal, Konsonant, Anusvāra
visargasya
des Visarga
vicyuteḥ
durch Wegfall

cutaṃ = cyutaṃ.

dattepi yatra vākyāṅge dvitīyorthaḥ pratīyate / dattantadāhustadbhedāḥ svarādyaiḥ pūrvavanmatāḥ //

Wo, auch wenn ein Satzglied hinzugefügt wird, eine zweite Bedeutung verstanden wird, nennt man das datta (hinzugefügt); seine Arten gelten wie zuvor nach Vokal und dergleichen.

Wort für Wort
datte api vākya-aṅge
auch bei hinzugefügtem Satzglied
dvitīyaḥ arthaḥ pratīyate
eine zweite Bedeutung wird verstanden
dattam āhuḥ
nennt man datta
svara-ādyaiḥ pūrvavat
nach Vokal usw. wie zuvor

apanītākṣarasthāne nyaste varṇāntare 'pi ca / bhāsate 'rthāntaraṃ yatra cyutadattaṃ taducyate //

Wo, wenn an die Stelle einer entfernten Silbe ein anderer Laut gesetzt wird, eine andere Bedeutung aufscheint, das heißt cyutadatta.

Wort für Wort
apanīta-akṣara-sthāne
an Stelle der entfernten Silbe
nyaste varṇa-antare
wenn ein anderer Laut gesetzt ist
bhāsate artha-antaram
scheint eine andere Bedeutung auf
cyuta-dattam
weggelassen-hinzugefügt

suśliṣṭapadyamekaṃ yannānāślokāṃśanirmitam / sā mamasyā parasyātmaparayoḥ kṛtisaṅkarāt //

Ein wohlgefügter einzelner Vers, der aus Teilen mehrerer Strophen gebildet ist, ist samasyā; [sie ist] die eines anderen oder die von Selbst und Anderem, wegen der Vermischung der Werke von Selbst und Anderem.

Wort für Wort
su-śliṣṭa-padyam ekam
ein wohlgefügter Vers
nānā-śloka-aṃśa-nirmitam
aus Teilen mehrerer Strophen gebildet
samasyā
Ergänzungsaufgabe
ātma-parayoḥ
von Selbst und Anderem
kṛti-saṅkarāt
wegen Vermischung der Werke

mamasyā = samasyā.

duḥkhena kṛtamatyarthaṃ kavisāmarthyasūcakam / duṣkaraṃ nīrasatvepi vidagdhānāṃ mahotsavaḥ //

Das mit äußerster Mühe Verfertigte, das die Fähigkeit des Dichters anzeigt, ist duṣkara (schwer auszuführen); selbst wenn es ohne Rasa ist, ist es für die Kenner ein großes Fest.

Wort für Wort
duḥkhena kṛtam atyartham
mit großer Mühe gemacht
kavi-sāmarthya-sūcakam
die Fähigkeit des Dichters anzeigend
duṣkaram
schwer auszuführen
nīrasatve api
auch bei Rasalosigkeit
vidagdhānām mahotsavaḥ
Fest für die Kenner

niyamācca vidarbhāca bandhācca bhavati tridhā / kaveḥ pratijñā nirmāṇaramyasya niyamaḥ smṛtaḥ //

Es ist dreifach: aus Beschränkung (niyama), aus Wahl (vikalpa) und aus Figur (bandha). Niyama gilt als das Gelöbnis des Dichters, [eine Silbe] mit reizvoller Wirkung [zu verwenden] [?].

Wort für Wort
niyamāt
aus Beschränkung
vikalpāt
aus Wahl
bandhāt
aus Figur
kaveḥ pratijñā
Gelöbnis des Dichters
nirmāṇa-ramyasya
der reizvollen Gestaltung

vidarbhāc ca wohl verderbt für vikalpāc ca (vgl. V. 34).

sthānenāpi svareṇāpi vyañjanenāpi sa tridhā / vikalpaḥ prātilomyānulomyādevābhidhīyate //

Dieser (niyama) ist dreifach: nach Artikulationsstelle, nach Vokal und nach Konsonant. Vikalpa wird als aus Rückläufigkeit und Vorwärtsläufigkeit bestehend bezeichnet.

Wort für Wort
sthānena svareṇa vyañjanena
nach Stelle, Vokal, Konsonant
saḥ tridhā
er ist dreifach
vikalpaḥ
Wahl
prātilomya-ānulomyāt
aus Rückläufigkeit und Vorwärtsläufigkeit

pratilomyānulomyañca śabdenārthena jāyate / anekadhāvṛttavarṇavinyāsaiḥ śilpakalpanā //

Rückläufigkeit und Vorwärtsläufigkeit entstehen nach dem Wort und nach der Bedeutung. Die kunstvolle Gestaltung durch vielfach wiederholte Anordnungen von Silben

Wort für Wort
prātilomya-ānulomyam
Rück- und Vorwärtsläufigkeit
śabdena arthena jāyate
entsteht nach Wort und Bedeutung
anekadhā-āvṛtta-varṇa-vinyāsaiḥ
durch vielfach wiederholte Silbenanordnungen
śilpa-kalpanā
kunstvolle Gestaltung

tattatprasiddhavastūnāṃ bandha ity abhidhīyate / gomūtrikārdhabhramaṇe sarvatobhadramambujam //

in Gestalt der jeweils bekannten Gegenstände heißt bandha (Figurengedicht): gomūtrikā (Kuhharnlinie), ardhabhramaṇa (Halbkreisung), sarvatobhadra (allseits günstig), ambuja (Lotus),

Wort für Wort
tat-tat-prasiddha-vastūnām
der jeweils bekannten Gegenstände
bandhaḥ iti abhidhīyate
heißt Figur
gomūtrikā
Kuhharnlinie (Zickzack)
ardha-bhramaṇe
Halbkreisung
sarvatobhadram ambujam
Allseits-günstig, Lotus

cakrañcakrābjakaṃ daṇḍo murajāśceti cāṣṭadhā / pratyardhaṃ pratipādaṃ syādekāntarasamākṣarā //

cakra (Rad), cakrābjaka (Radlotus), daṇḍa (Stab) und muraja (Trommel) – so achtfach. [Die gomūtrikā hat] halbstrophenweise oder viertelweise an jeder zweiten Stelle gleiche Silben;

Wort für Wort
cakram cakrābjakam
Rad, Radlotus
daṇḍaḥ murajaḥ
Stab, Trommel
aṣṭadhā
achtfach
pratyardham pratipādam
je Halbstrophe, je Viertel
eka-antara-sama-akṣarā
mit gleichen Silben an jeder zweiten Stelle

dvidhā gomūtrikāṃ pūrvāmāhuraśvapadāṃ pare / antyāṅgomūtrikāṃ dhenuṃ jālabandhaṃ vadanti hi //

diese erste gomūtrikā nennen sie zweifach, andere nennen sie aśvapadā (Pferdeschritt); die letzte gomūtrikā nennen sie dhenu (Kuh) und jālabandha (Netzfigur).

Wort für Wort
dvidhā gomūtrikām pūrvām
die erste gomūtrikā zweifach
āhuḥ aśvapadām pare
andere nennen sie Pferdeschritt
antyām
die letzte
dhenum jāla-bandham vadanti
nennen sie Kuh und Netzfigur

ardhābhyāmardhapādaiś ca kuryādvinyāsametayoḥ / nyastānāmiha varṇānāmadhodhaḥ kramabhāgināṃ //

Die Anordnung dieser beiden mache man mit Halbstrophen und mit Halbvierteln. [Beim ardhabhramaṇa:] Von den hier untereinander der Reihe nach gesetzten Silben

Wort für Wort
ardhābhyām ardha-pādaiḥ ca
mit Halbstrophen und Halbvierteln
kuryāt vinyāsam etayoḥ
mache die Anordnung dieser beiden
nyastānām iha varṇānām
der hier gesetzten Silben
adhaḥ-adhaḥ krama-bhāginām
die untereinander in Reihe stehen

adhodhaḥsthitavarṇānāṃ yāvattūryapadannayet / turyapādānnayedūrdha pādārdhaṃ prātilomyataḥ //

– von den untereinander stehenden Silben – führe man [die Lesung] bis zum vierten Pāda; vom vierten Pāda führe man das Halbviertel rückläufig nach oben.

Wort für Wort
adhaḥ-adhaḥ-sthita-varṇānām
der untereinander stehenden Silben
yāvat turya-padam nayet
führe bis zum vierten Viertel
turya-pādāt nayet ūrdhvam
vom vierten Viertel führe nach oben
pāda-ardham prātilomyataḥ
das Halbviertel rückläufig

tūrya = turya.

tadeva sarvatobhadraṃ trividhaṃ sarasīruhaṃ / catuṣpatraṃ tato vighnaṃ catuṣpatre ubhe api //

Eben das ist sarvatobhadra. Der Lotus ist dreifach: der vierblättrige, dann der [achtblättrige] …; beim vierblättrigen beide [?].

Wort für Wort
tat eva sarvatobhadram
eben das ist sarvatobhadra
trividham sarasīruham
der Lotus dreifach
catuṣpatram
vierblättrig
tataḥ
dann
ubhe api
beide [?]

vighnaṃ und catuṣpatre ubhe api verderbt; nach V. 44 sind vier-, acht- und sechzehnblättriger Lotus gemeint.

atha prathamapādasya mūrdhanyastripadākṣaraṃ / sarveṣāmeva pādānāmante tadupajāyate //

Nun: die drei Silben am Kopf (Anfang) des ersten Pāda – am Ende aller Pādas treten sie [wieder] auf.

Wort für Wort
prathama-pādasya
des ersten Viertels
mūrdhani tri-pada-akṣaram
am Kopf die drei Silben
sarveṣām eva pādānām
aller Viertel
ante tat upajāyate
am Ende tritt es auf

prākpadasyāntimaṃ pratyak pādādau prātilomyataḥ / antyapādāntimañcādyapādādāvakṣaradvayaṃ //

Die letzte [Silbe] des vorangehenden Pāda [steht] rückläufig am Anfang des folgenden Pāda, und die letzten des letzten Pāda am Anfang des ersten Pāda: zwei Silben

Wort für Wort
prāk-padasya antimam
das Letzte des vorigen Viertels
pratyak-pāda-ādau
am Anfang des folgenden Viertels
prātilomyataḥ
rückläufig
antya-pāda-antimam
das Letzte des letzten Viertels
akṣara-dvayam
zwei Silben

catuśchade bhavedaṣṭacchade varṇatrayaṃ punaḥ / syāt ṣoḍaśacchade tvekāntarañcedekamakṣaraṃ //

beim vierblättrigen; beim achtblättrigen wiederum drei Silben; beim sechzehnblättrigen aber, wenn [sie] an jeder zweiten Stelle [stehen], eine Silbe.

Wort für Wort
catuḥ-chade
beim vierblättrigen
aṣṭa-chade varṇa-trayam
beim achtblättrigen drei Silben
ṣoḍaśa-chade
beim sechzehnblättrigen
eka-antaram
an jeder zweiten Stelle
ekam akṣaram
eine Silbe

karṇikāṃ tolayedūrdhvaṃ patrākārākṣarāvaliṃ / praveśayet karṇikāyāñcatuṣpatrasaroruhe //

Man ordne die Silbenreihe in Blattform oberhalb der Samenkapsel (karṇikā) an [?] und führe sie beim vierblättrigen Lotus in die Samenkapsel hinein.

Wort für Wort
karṇikām
die Samenkapsel
tolayet ūrdhvam
hebe nach oben [?]
patra-ākāra-akṣara-āvalim
die blattförmige Silbenreihe
praveśayet karṇikāyām
führe in die Samenkapsel
catuṣpatra-saroruhe
beim vierblättrigen Lotus

tolayet („wäge, hebe“) unsicher.

karṇikāyāṃ likhedekaṃ dve dve dikṣu vidikṣu ca / praveśanirgamau dikṣu kuryādaṣṭacchade 'mbuje //

In die Samenkapsel schreibe man eine [Silbe], je zwei in die Haupt- und Zwischenrichtungen; beim achtblättrigen Lotus mache man Eintritt und Austritt in den Hauptrichtungen.

Wort für Wort
karṇikāyām likhet ekam
in die Samenkapsel schreibe eine
dve dve dikṣu vidikṣu
je zwei in Haupt- und Zwischenrichtungen
praveśa-nirgamau
Eintritt und Austritt
aṣṭa-chade ambuje
beim achtblättrigen Lotus

viśvagviṣamavarṇānāṃ tāvat patrābalījuṣāṃ / madhye samākṣaranyāsaḥsaroje ṣoḍaśacchade //

Beim sechzehnblättrigen Lotus: die ungleichen Silben ringsum, soweit sie zur Blätterreihe gehören, und in der Mitte die Setzung der gleichen Silbe.

Wort für Wort
viśvak viṣama-varṇānām
der ungleichen Silben ringsum
patra-āvalī-juṣām
die zur Blätterreihe gehören
madhye sama-akṣara-nyāsaḥ
in der Mitte Setzung der gleichen Silbe
saroje ṣoḍaśa-chade
beim sechzehnblättrigen Lotus

patrābalī = patrāvalī.

dvidhā cakraṃ caturaraṃ ṣaḍarantatra cādimaṃ / pūrvārdhe sadṛśā varṇāḥ pādaprathamapañcamāḥ //

Das Rad ist zweifach: vierspeichig und sechsspeichig. Beim ersten sind in der ersten Halbstrophe die ersten und fünften Silben der Pādas gleich,

Wort für Wort
dvidhā cakram
das Rad zweifach
catur-aram ṣaḍ-aram
vier- und sechsspeichig
pūrva-ardhe
in der ersten Halbstrophe
sadṛśāḥ varṇāḥ
gleiche Silben
pāda-prathama-pañcamāḥ
die ersten und fünften der Viertel

ayujo 'śvayujaś caiva turyāvapyaṣṭamāvapi / tasyopapādaprākpratyagareṣu ca yathākramaṃ //

[ebenso] die ungeraden und die geraden [Pādas] [?], auch die vierten und die achten [Silben]; und in dessen Nebenvierteln in den vorderen und hinteren Speichen der Reihe nach

Wort für Wort
ayujaḥ
die ungeraden
turyau api aṣṭamau api
auch die vierten und achten
upapāda
Nebenviertel [?]
prāk-pratyak-areṣu
in vorderen und hinteren Speichen
yathā-kramam
der Reihe nach

Stark gestörte technische Stelle (aśvayujaḥ, upapāda); Übersetzung nur annähernd.

syātpādārdhacatuṣkantu nābhau tasyādyamakṣaraṃ / paścimārāvadhi nayennemau śeṣe padadvayī //

seien die vier Halbviertel; in die Nabe dessen erste Silbe; man führe [die Schrift] bis zur westlichen Speiche; in den Radkranz (nemi) im Übrigen zwei Viertel.

Wort für Wort
pāda-ardha-catuṣkam
die vier Halbviertel
nābhau tasya ādyam akṣaram
in die Nabe dessen erste Silbe
paścima-ara-avadhi nayet
führe bis zur westlichen Speiche
nemau śeṣe pada-dvayī
in den Radkranz im Übrigen zwei Viertel

tṛtīyaṃ turyapādānte prathamau sadṛśāvubhau / varṇau pādatrayasyāpi daśamaḥ sadṛśo yadi //

den dritten am Ende des vierten Pāda. [Beim sechsspeichigen:] Die ersten beiden Silben sind gleich, auch bei den drei Pādas; wenn die zehnte gleich ist,

Wort für Wort
tṛtīyam turya-pāda-ante
den dritten am Ende des vierten Viertels
prathamau sadṛśau ubhau
die ersten beiden gleich
varṇau pāda-trayasya api
die Silben auch der drei Viertel
daśamaḥ sadṛśaḥ yadi
wenn die zehnte gleich ist

prathame carame tasya ṣaḍtarṇāḥ pathime yadi / bhavanti dvyantaraṃ tarhi vṛhacca kramudāhṛtaṃ //

[und] im ersten und letzten [Pāda] dessen sechs Silben, wenn im mittleren [?] – dann mit zwei Zwischenräumen … [verderbt].

Wort für Wort
prathame carame tasya
im ersten und letzten davon
ṣaṭ varṇāḥ
sechs Silben
madhyame yadi
wenn im mittleren [?]
dvi-antaram tarhi
dann mit zwei Zwischenräumen

ṣaḍtarṇāḥ = ṣaḍ varṇāḥ; pathime vielleicht madhyame; vṛhacca kramudāhṛtaṃ verderbt.

sammukhāradvaye pādamekaikaṃ kramaśo likhet / nābhau tu varṇaṃ daśamaṃ nemau tūryapadannayet //

In die zwei einander gegenüberliegenden Speichen schreibe man der Reihe nach je einen Pāda; in die Nabe aber die zehnte Silbe; in den Radkranz führe man den vierten Pāda.

Wort für Wort
sammukha-ara-dvaye
in die zwei gegenüberliegenden Speichen
pādam ekaikam kramaśaḥ likhet
schreibe der Reihe nach je ein Viertel
nābhau tu varṇam daśamam
in die Nabe die zehnte Silbe
nemau turya-padam nayet
in den Radkranz das vierte Viertel

ślokasyādyantadaśamāḥ samā ādyantimau yujoḥ / ādau varṇaḥ samau turyapañcamāvādyataryayoḥ //

[Beim Radlotus:] Die erste, die letzte und die zehnte Silbe der Strophe sind gleich; die erste und letzte der geraden [Pādas]; am Anfang die Silbe gleich; die vierte und fünfte des ersten und des vierten [Pāda].

Wort für Wort
ślokasya ādi-anta-daśamāḥ samāḥ
erste, letzte, zehnte Silbe der Strophe gleich
ādi-antimau yujoḥ
erste und letzte der geraden
turya-pañcamau
die vierte und fünfte
ādya-turyayoḥ
des ersten und vierten

ādyataryayoḥ = ādyaturyayoḥ. Zuordnung zu den Figuren unsicher.

dvitīyaprātilomyena tṛtīyaṃ jāyate yadi / padaṃ vidadhyāt patrasya daṇḍaś cakrābjakaṃ kṛteḥ //

Wenn durch Rückläufigkeit des zweiten der dritte [Pāda] entsteht, setze man den Pāda in das Blatt: [das ist] der daṇḍa; der cakrābjaka [ergibt sich] aus der [vorigen] Anordnung [?].

Wort für Wort
dvitīya-prātilomyena
durch Rückläufigkeit des zweiten
tṛtīyam jāyate yadi
wenn der dritte entsteht
padam vidadhyāt patrasya
setze das Viertel ins Blatt
daṇḍaḥ
Stab
cakrābjakam
Radlotus

dvitīyau prāgdale tulyau saptamau ca tathāparau / sadṛśāvuttaradalau dvitīyābhyāmathārdhayoḥ //

Die zweiten [Silben] im vorderen Blatt sind gleich, ebenso die siebenten und die anderen; gleich sind die im nördlichen Blatt; dann mit den zweiten in den beiden Hälften

Wort für Wort
dvitīyau prāk-dale tulyau
die zweiten im vorderen Blatt gleich
saptamau ca
und die siebenten
sadṛśau uttara-dalau
gleich die im nördlichen Blatt
ardhayoḥ
in den beiden Hälften

dvitīyaṣaṣṭhāḥ sadṛśāś caturthapañcamāvapi / ādyantapādayostulyau parārdhasaptamāvapi //

sind die zweiten und sechsten gleich, auch die vierten und fünften; gleich sind die im ersten und letzten Pāda, auch die siebenten der zweiten Hälfte.

Wort für Wort
dvitīya-ṣaṣṭhāḥ sadṛśāḥ
die zweiten und sechsten gleich
caturtha-pañcamau api
auch vierte und fünfte
ādya-anta-pādayoḥ tulyau
im ersten und letzten Viertel gleich
para-ardha-saptamau
die siebenten der zweiten Hälfte

samau turyaṃ pañcamantu krameṇa viniyojayet / turyau yojyau tu tadvacca dalāntāḥ kramapādayoḥ //

[Diese] gleichen [Silben], die vierte und die fünfte, setze man der Reihe nach ein; ebenso sind die vierten zu verbinden, [und] die Blattenden der aufeinanderfolgenden Pādas.

Wort für Wort
samau
die gleichen
turyam pañcamam
die vierte, die fünfte
krameṇa viniyojayet
setze der Reihe nach ein
dala-antāḥ
die Blattenden
krama-pādayoḥ
der aufeinanderfolgenden Viertel

ardhayorantimādyau tu muraje sadṛśāvabhau / pādārdhapatito varṇaḥ prātilomyānulomataḥ //

Beim muraja (Trommel) sind die letzten und ersten [Silben] der beiden Halbstrophen gleich. Die auf das Halbviertel fallende Silbe, rückläufig und vorwärtsläufig,

Wort für Wort
ardhayoḥ antima-ādyau
die letzten und ersten der Halbstrophen
muraje sadṛśau ubhau
bei der Trommel beide gleich
pāda-ardha-patitaḥ varṇaḥ
die aufs Halbviertel fallende Silbe
prātilomya-anulomataḥ
rück- und vorwärtsläufig

abhau = ubhau.

antimaṃ paribadhnīyādyāvatturyamihādimat / pādātturyādyadevādyaṃ navamāt ṣoḍaśādapi //

verbinde man mit der letzten, bis zum vierten, hier mit dem ersten beginnend; vom vierten Pāda [nehme man] eben das erste [Silbenpaar], von der neunten und von der sechzehnten

Wort für Wort
antimam paribadhnīyāt
verbinde mit der letzten
yāvat turyam
bis zum vierten
pādāt turyāt
vom vierten Viertel
navamāt ṣoḍaśāt api
von der neunten und sechzehnten

akṣarāt puṭake madhye madhye 'kṣaracatuṣṭayam / kṛtvā kuryādyathaitasya murajākāratā bhavet //

Silbe an; indem man im Inneren der Schale (puṭaka), in der Mitte, vier Silben anbringt, verfahre man so, dass es die Gestalt einer Trommel erhält.

Wort für Wort
akṣarāt
von der Silbe
puṭake madhye
in der Mitte der Schale
akṣara-catuṣṭayam kṛtvā
vier Silben anbringend
muraja-ākāratā bhavet
dass es Trommelgestalt erhält

dvitīyaṃ cakraśārdūlavikrīḍitakasampadam / gomūtrikā sarvavṛttair anye bandhāstvanuṣṭubhā //

Die zweite [Radfigur] hat die Ausstattung des Metrums Śārdūlavikrīḍita; die gomūtrikā [ist] mit allen Metren [möglich], die anderen Figuren aber mit dem Anuṣṭubh.

Wort für Wort
dvitīyam cakra
das zweite Rad
śārdūlavikrīḍitaka-sampadam
mit Ausstattung des Śārdūlavikrīḍita
gomūtrikā sarva-vṛttaiḥ
die gomūtrikā mit allen Metren
anye bandhāḥ tu anuṣṭubhā
die anderen Figuren mit Anuṣṭubh

nāmadheyaṃ yadi na cedamīṣu kavikāvyayoḥ / mitradheyābhituṣyanti nāmitraḥ khidyate tathā //

Wenn in diesen [Figuren] der Name von Dichter und Dichtung nicht [eingeschrieben] ist, … die Freunde freuen sich, und der Feind wird ebenso nicht betrübt [?].

Wort für Wort
nāmadheyam
der Name
yadi na
wenn nicht
amīṣu
in diesen
kavi-kāvyayoḥ
von Dichter und Dichtung
abhituṣyanti
freuen sich
na amitraḥ khidyate
der Feind wird nicht betrübt

Vers verderbt und im Sinn unklar; mitradheyā unverständlich.

vāṇavāṇāsanavyomakhaḍgamudgaraśaktayaḥ / dvicaturthatriśṛṅgāṭā dambholimuṣalāṅkuśāḥ //

Pfeil, Bogen, Himmel(sfigur) [?], Schwert, Hammer, Speer, die zwei-, vier- und dreispitzige Figur (śṛṅgāṭa), Donnerkeil, Mörserkeule, Elefantenhaken,

Wort für Wort
bāṇa-bāṇāsana
Pfeil, Bogen
vyoma-khaḍga
Himmel, Schwert
mudgara-śaktayaḥ
Hammer, Speere
dvi-catuḥ-tri-śṛṅgāṭāḥ
zwei-, vier-, dreispitzige Figur
dambholi-muṣala-aṅkuśāḥ
Donnerkeil, Mörserkeule, Elefantenhaken

vāṇa = bāṇa; dvicaturthatriśṛṅgāṭā wohl = dvi-catus-tri-śṛṅgāṭāḥ.

padaṃ rathasya nāgasya puṣkariṇyasiputrikā / ete bandhās tathā cānye evaṃ jñeyāḥ svayaṃ budhaiḥ //

die Spur des Wagens und des Elefanten, Lotusteich, Dolch – diese Figuren und ebenso andere sollen von den Kundigen selbst auf diese Weise erkannt werden.

Wort für Wort
padam rathasya nāgasya
Spur des Wagens, des Elefanten
puṣkariṇī
Lotusteich
asi-putrikā
Dolch
ete bandhāḥ
diese Figuren
jñeyāḥ svayam budhaiḥ
von den Kundigen selbst zu erkennen

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