Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 294: daṣṭacikitsā Die Behandlung des Gebissenen

Agni lehrt die Behandlung von Schlangenbiss durch Mantras, Meditation und Heilmittel: den Garuḍa-Mantra mit Gliederzuordnung, die Auflegung der Element- und Buchstabenkreise auf die Finger, die Visualisierung des Übenden als Garuḍa, Handgesten zum Lähmen und Übertragen des Giftes, Vogelkönig-Mantras mit Garuḍa-Gāyatrī sowie den Nīlakaṇṭha-Mantra Śivas mit Dreizack-Geste. Die Mantras sind teils verschlüsselt und in der Digitalisierung verderbt; in Vers 4 markiert die Quelle eine Lücke ([!!!]); mehrere Einheiten (4, 24, 25, 29) enthalten längere Prosa-Mantras.

agnir uvāca | mantradhyānauṣadhair daṣṭacikitsāṃ pravadāmi te / oṃ namo bhagavate nīlakaṇṭhāyeti / japanādviṣahāniḥ syadauṣadhaṃ jīvarakṣaṇaṃ //

Agni sprach: „Ich werde dir die Behandlung eines Gebissenen mit Mantra, Meditation und Heilmitteln verkünden. „oṃ namo bhagavate nīlakaṇṭhāya“ [Anm.: Oṃ, Verehrung dem erhabenen Blauhalsigen] – durch Rezitation dieses [Mantras] schwindet das Gift; das Heilmittel schützt das Leben.

Wort für Wort
mantra-dhyāna-auṣadhaiḥ
mit Mantra, Meditation, Heilmitteln
daṣṭa-cikitsām
Behandlung des Gebissenen
nīlakaṇṭhāya
dem Blauhalsigen
japanāt viṣa-hāniḥ
durch Rezitation Schwinden des Giftes
auṣadham jīva-rakṣaṇam
das Heilmittel schützt das Leben

syadauṣadhaṃ für syād auṣadham.

sājyaṃ sakṛdrasaṃ peyaṃ dvividhaṃ viṣamucyate / jaṅgamaṃ sarpabhūṣādi śṛṅgyādi sthāvaraṃ viṣaṃ //

[Ein Saft] mit Ghee ist einmal zu trinken [?]. Das Gift wird zweifach genannt: das bewegliche (jaṅgama), von Schlangen, Mäusen usw., und das unbewegliche (sthāvara), von Śṛṅgī usw.

Wort für Wort
sa-ājyam peyam
mit Ghee zu trinken
dvividham viṣam
zweifaches Gift
jaṅgamam
beweglich (tierisch)
sarpa-mūṣa-ādi
von Schlangen, Mäusen usw.
śṛṅgī-ādi sthāvaram
von Śṛṅgī usw. unbeweglich (pflanzlich)

sakṛdrasaṃ unklar; bhūṣādi wohl für mūṣādi.

śāntasvarānvito brahmā lohitaṃ tārakaṃ śivaḥ / viyaternāmamantro 'yaṃ tārkṣaḥ śabdamayaḥ smṛtaḥ //

Brahmā, verbunden mit dem ruhigen Vokal, Lohita, Tāraka, Śiva – dies ist der Namens-Mantra des Viyat [?]; er gilt als der aus Laut bestehende Tārkṣya [Anm.: Garuḍa].

Wort für Wort
śānta-svara-anvitaḥ
mit dem ruhigen Vokal verbunden
brahmā lohitam
Brahmā, Lohita (Deckbuchstaben)
tārakam śivaḥ
Tāraka, Śiva
nāma-mantraḥ
Namens-Mantra
tārkṣyaḥ śabda-mayaḥ
Garuḍa aus Laut bestehend

Verschlüsselte Angabe von Keimsilben durch Decknamen der Buchstaben; nicht aufgelöst.

oṃ jvala mahāmate hṛdayāya garuḍavirālaśirase garuḍaśikhāyai garuḍa viṣabhañjana prabhedana prabhedana vitrāsaya vitrāsaya vima-[!!!] rdaya vimardaya kavacāya apratihataśāmanaṃ vaṃ hūṃ phaṭ astrāya ugrarūpavāraka sarvabhayaṅkara bhīṣaya sarvaṃ daha daha bhasmīkuru kuru svāhā netrāya saptavargāntayugmāṣṭadigdalasvara keśarādivarṇaruddhaṃ vahnirābhūtakarṇakaṃ mātṛkāmbujaṃ kṛtvā hṛdisthaṃ tanmantrī vāmahastatale smaret / aṅgaṣṭhādau nyasedvarṇānviyaterbheditāḥ kalāḥ //

„Oṃ, flamme, o Großgesinnter – dem Herzen [namaḥ]; dem Haupt Garuḍas … [?]; der Haarlocke Garuḍas; o Garuḍa, Zerbrecher des Giftes, spalte, spalte, erschrecke, erschrecke, zermalme, zermalme – dem Panzer; unwiderstehliche Herrschaft [?], vaṃ hūṃ phaṭ – der Waffe; Abwehrer, von grausiger Gestalt, allen Furcht Einflößender, erschrecke, verbrenne alles, verbrenne, mache zu Asche, mache, svāhā – den Augen.“ Hat man den Mātṛkā-Lotus gebildet – mit den Enden der sieben Klassen als Paaren auf acht Richtungsblättern, mit den Vokalen und den übrigen Buchstaben in den Staubfäden umschlossen, mit Vahni [Anm.: ra] … als Fruchtboden –, so stelle der Mantrakundige ihn sich im Herzen [und] in der Fläche der linken Hand vor. Auf Daumen usw. lege er die Buchstaben auf, die unterschiedenen Teile (kalā) des Viyat.

Wort für Wort
jvala mahāmate
flamme, o Großgesinnter
viṣa-bhañjana
Zerbrecher des Giftes
vitrāsaya vimardaya
erschrecke, zermalme
bhasmī-kuru
mache zu Asche
mātṛkā-ambujam kṛtvā
den Buchstabenlotus bildend
vāma-hasta-tale smaret
stelle sich in der linken Handfläche vor

Langer Prosa-Mantra mit Gliederzuordnung; vima-[!!!]rdaya in der Quelle als Lücke markiert, für vimardaya gelesen; virāla und apratihataśāmanaṃ (für °śāsanam) unsicher; vahnirābhūtakarṇakaṃ unklar.

pītaṃ vajracatuṣkoṇaṃ pārthivaṃ śakradaivataṃ / vṛttārdhamāpyapadmārdhaṃ śuklaṃ varūṇadaivataṃ //

Gelb, viereckig mit Donnerkeil, erdhaft, mit Indra als Gottheit; halbkreisförmig, wasserhaft, mit halbem Lotus, weiß, mit Varuṇa als Gottheit;

Wort für Wort
pītam vajra-catuṣkoṇam
gelb, viereckig mit Donnerkeil
pārthivam śakra-daivatam
erdhaft, Indra als Gottheit
vṛtta-ardham
halbkreisförmig
āpyam padma-ardham
wasserhaft, mit halbem Lotus
śuklam varuṇa-daivatam
weiß, Varuṇa als Gottheit

tryastraṃ svastikayuktañca taijasaṃ vahnidaivataṃ / vṛttaṃ vinduvṛtaṃ vāyudaivataṃ kṛṣṇamālinam //

dreieckig, mit Svastika versehen, feurig, mit Agni als Gottheit; rund, von Punkten umgeben, mit dem Wind als Gottheit, schwarz – [so sind die Element-Kreise].

Wort für Wort
tryasram svastika-yuktam
dreieckig mit Svastika
taijasam vahni-daivatam
feurig, Agni als Gottheit
vṛttam bindu-vṛtam
rund, von Punkten umgeben
vāyu-daivatam
Wind als Gottheit
kṛṣṇa
schwarz

kṛṣṇamālinam unklar (etwa „schwarz umkränzt“).

aṅguṣṭhādyaṅgulīmadhye paryasteṣu svaveśmasu / suvarṇanāgavāhena veṣṭhiteṣu nyaset kramāt //

Auf die Mitte der Finger, beginnend mit dem Daumen, in ihren eigenen, umgekehrt angeordneten Feldern, die von einem goldenen Schlangenband umwunden sind, lege man der Reihe nach

Wort für Wort
aṅguṣṭha-ādi-aṅgulī-madhye
auf die Mitte der Finger ab dem Daumen
paryasteṣu
umgekehrt angeordnet
sva-veśmasu
in ihren eigenen Feldern
suvarṇa-nāga-vāhena veṣṭiteṣu
von goldenem Schlangenband umwunden
nyaset kramāt
lege der Reihe nach auf

veṣṭhiteṣu für veṣṭiteṣu.

viyateś caturo varṇān sumaṇḍalasamatviṣaḥ / arūpe ravatanmātre ākāśeśivadevate //

die vier Buchstaben des Viyat, die den Glanz ihres jeweiligen Kreises haben. Auf das Gestaltlose, [dessen] Subtilelement der Laut ist, den Äther mit Śiva als Gottheit,

Wort für Wort
viyateḥ caturaḥ varṇān
die vier Buchstaben des Viyat
sva-maṇḍala-sama-tviṣaḥ
vom Glanz ihres Kreises
arūpe
auf das Gestaltlose
rava-tanmātre
mit dem Laut als Subtilelement
ākāśe śiva-devate
auf den Äther mit Śiva als Gottheit

ravatanmātre als rava-tanmātre („Laut-Subtilelement“) gelesen; ākāśeśivadevate getrennt als ākāśe śiva-devate.

kaniṣṭhāmadhyaparvasthe nyasettasyādyamakṣaram / nāgānāmādivarṇāṃś ca svamaṇḍalagatānnyaset //

das sich am mittleren Glied des kleinen Fingers befindet, lege man seinen ersten Buchstaben. Und die Anfangsbuchstaben der Nāgas lege man in ihren jeweiligen Kreis.

Wort für Wort
kaniṣṭhā-madhya-parva-sthe
auf das Mittelglied des kleinen Fingers
tasya ādyam akṣaram
seinen ersten Buchstaben
nāgānām ādi-varṇān
die Anfangsbuchstaben der Nāgas
sva-maṇḍala-gatān
in ihrem eigenen Kreis befindlich
nyaset
lege man auf

bhūtādivarṇān vinyasedaṅguṣṭādyantaparvasu / tanmātrādiguṇābhyarṇānaṅgulīṣu nyasedbudhaḥ //

Die Buchstaben der Elemente usw. lege man auf die Glieder vom Anfang bis zum Ende des Daumens usw.; die zu den Eigenschaften, Subtilelementen usw. gehörigen Buchstaben lege der Kundige auf die Finger.

Wort für Wort
bhūta-ādi-varṇān
Buchstaben der Elemente usw.
aṅguṣṭha-ādi-anta-parvasu
auf die Glieder des Daumens usw.
tanmātra-ādi-guṇa
Subtilelemente und Eigenschaften
aṅgulīṣu nyaset
lege auf die Finger
budhaḥ
der Kundige

°guṇābhyarṇān unklar.

sparśanādevatārkṣeṇa haste hanyādviṣadvayaṃ / maṇḍalādiṣu tān varṇān viyateḥ kavayo jitān //

Durch Berührung mit [der Hand], die Tārkṣya zur Gottheit hat, vernichte man mit der Hand beide Arten von Gift. Jene Buchstaben des Viyat in den Kreisen usw. [nennen] die Weisen siegreich [?].

Wort für Wort
sparśanāt
durch Berührung
tārkṣyeṇa haste
mit der Garuḍa-Hand
hanyāt viṣa-dvayam
vernichte beide Gifte
maṇḍala-ādiṣu
in den Kreisen usw.
kavayaḥ
die Weisen

sparśanādevatārkṣeṇa für sparśanāt devatārkṣeṇa; zweiter Halbvers unklar.

śreṣṭhadvyaṅgulibhirdehanābhisthāneṣu parvasu / ājānutaḥ suvarṇābhamānābhestuhinaprabham //

Mit zwei vorzüglichen Fingern [lege man] auf den Körper, auf den Nabel und die Gelenke. [Man stelle sich Garuḍa vor:] von den Knien abwärts goldfarben, bis zum Nabel schneeweiß,

Wort für Wort
śreṣṭha-dvi-aṅgulibhiḥ
mit zwei vorzüglichen Fingern
deha-nābhi-sthāneṣu
auf Körper und Nabelstellen
ā-jānutaḥ
bis zu den Knien
suvarṇa-ābham
goldfarben
ā-nābheḥ tuhina-prabham
bis zum Nabel schneeweiß

kuṅkumāruṇamākaṇṭhādākeśāntāt sitetaraṃ / brahmāṇḍavyāpinaṃ tārkṣañcandrākhyaṃ nāgabhūṣaṇam //

bis zum Hals safranrot, bis zu den Haarspitzen schwarz, den Weltei durchdringenden Tārkṣya, genannt Candra [?], mit Schlangen geschmückt,

Wort für Wort
kuṅkuma-aruṇam ā-kaṇṭhāt
bis zum Hals safranrot
ā-keśa-antāt sita-itaram
bis zu den Haarspitzen schwarz
brahmāṇḍa-vyāpinam
das Weltei durchdringend
tārkṣyam
Tārkṣya (Garuḍa)
nāga-bhūṣaṇam
mit Schlangen geschmückt

candrākhyaṃ unklar.

nīlogranāśamātmānaṃ mahāpakṣaṃ smaredbudhaḥ / evantātkṣātmano vākyānmantraḥ syānmantriṇo viṣe //

den Vernichter des blauen, grimmigen [Giftes] [?] – so stelle sich der Kundige sich selbst als den Großgeflügelten vor. Auf diese Weise wird durch das Wort dessen, der zu Tārkṣya geworden ist, der Mantra des Mantrakundigen gegen Gift [wirksam].

Wort für Wort
nīla-ugra-nāśam
Vernichter des Blauen, Grimmigen
ātmānam mahāpakṣam smaret
stelle sich selbst als Großgeflügelten vor
tārkṣya-ātmanaḥ vākyāt
durch das Wort des Garuḍa-Gewordenen
mantriṇaḥ
des Mantrakundigen
viṣe
gegen Gift

evantātkṣātmano für evaṃ tārkṣyātmanaḥ.

suṣṭistārkṣakarasyāntaḥsthitāṅguṣṭhaviṣāpahā / tārkṣaṃ hastaṃ samudyamya tatpañcāṅgulicālanāt //

Die Faust der Tārkṣya-Hand mit innen liegendem Daumen beseitigt Gift. Hebt man die Tārkṣya-Hand und bewegt ihre fünf Finger,

Wort für Wort
muṣṭiḥ tārkṣya-karasya
die Faust der Garuḍa-Hand
antaḥ-sthita-aṅguṣṭha
mit innen liegendem Daumen
viṣa-apahā
Gift beseitigend
hastam samudyamya
die Hand erhebend
pañca-aṅguli-cālanāt
durch Bewegen der fünf Finger

suṣṭis für muṣṭiḥ.

kuryādviṣasya stambhādīṃstaduktamadavīṣayā / ākāśādeṣa bhūvījaḥ pañcārṇādhipatirmanuḥ //

so bewirke man das Lähmen usw. des Giftes, wie es … angegeben ist [?]. Dieser Mantra, beginnend mit dem Äther, mit dem Erd-Bīja, ist der Herr der fünf Buchstaben.

Wort für Wort
kuryāt viṣasya stambha-ādīn
bewirke Lähmen usw. des Giftes
tad-uktam
wie angegeben
ākāśāt
vom Äther an
bhū-bījaḥ
mit dem Erd-Bīja
pañca-arṇa-adhipatiḥ manuḥ
Mantra, Herr der fünf Buchstaben

taduktamadavīṣayā unklar.

saṃstambhayetiviṣato bhāṣayā stambhyedviṣam / vyatyastabhūṣayā vījo mantro 'yaṃ sādhusādhitaḥ //

Mit dem Wort „saṃstambhaya“ [Anm.: „lähme“] lähme man das Gift durch Rede. Mit vertauschtem Erd[-Bīja] [?] ist dieser Bīja-Mantra gut erprobt.

Wort für Wort
saṃstambhaya iti
mit „lähme“
bhāṣayā stambhayet viṣam
lähme das Gift durch Rede
vyatyasta
vertauscht
bījaḥ mantraḥ
Bīja-Mantra
sādhu-sādhitaḥ
gut erprobt

vyatyastabhūṣayā wohl für vyatyastabhuvā.

saṃplavaḥ plāvaya yamaḥ śabdādyaḥ saṃharedviṣaṃ / daṇḍamutthāpayedeṣa sujaptāmbho 'bhiṣekataḥ //

„saṃplavaḥ plāvaya“ – [dieser Mantra, der mit] Yama [?] und dem Laut beginnt, vernichtet das Gift. Dieser lässt den Niedergestreckten [?] aufstehen durch Besprengung mit gut besprochenem Wasser

Wort für Wort
plāvaya
überflute
saṃharet viṣam
vernichtet das Gift
utthāpayet
lässt aufstehen
su-japta-ambhaḥ
gut besprochenes Wasser
abhiṣekataḥ
durch Besprengung

Vers stark verschlüsselt; daṇḍa hier wohl „den wie ein Stock Daliegenden“.

sujaptaśaṅkhabheryādinisvanaśravaṇena vā / saṃdahatyeva saṃyukto bhūtejovyatyayāt sthitaḥ //

oder durch das Hören des Klanges von gut besprochenen Muscheln, Trommeln usw. Verbunden [damit] verbrennt er [das Gift] geradezu, wenn er mit Vertauschung von Erde und Feuer steht.

Wort für Wort
su-japta-śaṅkha-bherī-ādi
gut besprochene Muscheln, Trommeln usw.
nisvana-śravaṇena
durch Hören des Klanges
saṃdahati eva
verbrennt geradezu
bhū-tejaḥ-vyatyayāt
durch Vertauschung von Erde und Feuer
sthitaḥ
stehend

bhūvāyuvyatyayānmantro viṣaṃ saṃkrāmayatyasau / antastho nijaveśmastho vījāgnīndujalātmabhiḥ //

Mit Vertauschung von Erde und Wind überträgt dieser Mantra das Gift [auf einen anderen]. Innen stehend, in seinem eigenen Haus, mit den Bījas von Feuer, Mond und Wasser –

Wort für Wort
bhū-vāyu-vyatyayāt
durch Vertauschung von Erde und Wind
viṣam saṃkrāmayati
überträgt das Gift
antaḥ-sthaḥ
innen stehend
nija-veśma-sthaḥ
im eigenen Haus
bīja-agni-indu-jala-ātmabhiḥ
mit den Bījas von Feuer, Mond, Wasser

etat karma nayenmantrī garuḍākṛtivigrahaḥ / tārkṣavarṇagehasthastajjapānnāśayedviṣam //

dieses Werk vollziehe der Mantrakundige, nachdem er Garuḍas Gestalt angenommen hat. Im Haus der Tārkṣya-Buchstaben stehend, vernichte er durch dessen Rezitation das Gift.

Wort für Wort
etat karma nayet
vollziehe dieses Werk
garuḍa-ākṛti-vigrahaḥ
Garuḍas Gestalt angenommen habend
tārkṣya-varṇa-geha-sthaḥ
im Haus der Garuḍa-Buchstaben
tat-japāt
durch dessen Rezitation
nāśayet viṣam
vernichte das Gift

jāmudaṇḍīdamuditaṃ svadhāśrīvījalāñchitaṃ / snānapānātsarvaviṣaṃ jvarātogāpamṛtyujit //

Dieser … [?] genannte [Mantra], gekennzeichnet durch svadhā und das Śrī-Bīja, besiegt durch Baden und Trinken [des besprochenen Wassers] alle Gifte, Fieber, Krankheit und vorzeitigen Tod.

Wort für Wort
svadhā-śrī-bīja-lāñchitam
gekennzeichnet durch svadhā und Śrī-Bīja
snāna-pānāt
durch Baden und Trinken
sarva-viṣam
alle Gifte
jvara-roga
Fieber, Krankheit
apamṛtyu-jit
den vorzeitigen Tod besiegend

jāmudaṇḍīdamuditaṃ ist verderbt; jvarātogā° für jvararogā°.

pakṣi pakṣi mahāpakṣi mahāpakṣi vidhi svāhā / pakṣi pakṣi mahāpakṣi mahāpakṣi kṣi kṣi svāhā //

„pakṣi pakṣi mahāpakṣi mahāpakṣi vidhi svāhā“ [Anm.: Vogel, Vogel, großer Vogel, großer Vogel, … svāhā]; „pakṣi pakṣi mahāpakṣi mahāpakṣi kṣi kṣi svāhā“.

Wort für Wort
pakṣi
Vogel
mahāpakṣi
großer Vogel
kṣi kṣi
Keimsilben
svāhā
svāhā (Opferruf)

vidhi unklar (etwa vi vi).

dvāvetau pakṣirāḍmantrau viṣaghnāvabhimantraṇāt pakṣirājāya vidhmahe pakṣidevāya dhīmahi tatro garuḍa pracodayāt vahnisthau pārśvatatpūrvau dantaśrīkau ca daṇḍinau || sakālo lāṅgalī ceti nīlakaṇṭhādyamīritaṃ / vakṣaḥkaṇṭhaśikhāśvetaṃ nyasetstambhe susaṃskṛtau //

Diese beiden sind Mantras des Vogelkönigs, die durch Besprechung Gift vernichten. „pakṣirājāya vidmahe pakṣidevāya dhīmahi tan no garuḍaḥ pracodayāt“ [Anm.: Wir kennen den Vogelkönig, wir meditieren über den Vogelgott; dazu möge uns Garuḍa antreiben]. [Die Laute] in Vahni, die beiden vorangehenden und seitlichen, danta und śrī, mit Punkt (daṇḍin), samt kāla und lāṅgalin – dies wird als der Anfang des Nīlakaṇṭha[-Mantras] genannt. [Diese Silben], weiß an Brust, Hals und Haarlocke [?], lege man auf die beiden gut geweihten Pfosten [?].

Wort für Wort
pakṣi-rāṭ-mantrau
zwei Mantras des Vogelkönigs
viṣa-ghnau
giftvernichtend
abhimantraṇāt
durch Besprechung
pakṣirājāya vidmahe
wir kennen den Vogelkönig
nīlakaṇṭha-ādyam īritam
Anfang des Nīlakaṇṭha-Mantras genannt

Mehr als zwei Halbverse; mit Gāyatrī-Formel (tatro für tan no, vidhmahe für vidmahe). Die verschlüsselte Silbenangabe und der Schluss sind unklar.

hara hara hṛdayāya namaḥ kapardine ca śirase nīlakaṇṭhāya vai śikhāṃ kālakūṭaviṣabhakṣaṇāya svāhā atha varma ca kaṇṭhe netraṃ kṛttivāsāstrinetraṃ pūrvādyair ānanair yuktaṃ śvetapītāruṇāsitaiḥ abhayaṃ varadaṃ cāpaṃ vāsukiñca dadhadbhujaiḥ / yasyoparītapārśvasthagaurīrudro 'sya devatā //

„hara hara – dem Herzen namaḥ; dem Kapardin – dem Haupt [svāhā]; dem Nīlakaṇṭha – die Haarlocke; dem Verzehrer des Kālakūṭa-Giftes svāhā“ – dann der Panzer auf den Hals; das Auge: „Kṛttivāsas“. [Man stelle sich den Gott] dreiäugig [vor], mit Gesichtern nach Osten usw., weiß, gelb, rot und schwarz, mit seinen Armen Furchtlosigkeit [-Geste], Gabe [-Geste], Bogen und Vāsuki haltend, mit Gaurī an seiner Seite; Rudra ist die Gottheit dieses [Mantras].

Wort für Wort
hara hara hṛdayāya namaḥ
Hara, Hara, dem Herzen Verehrung
kapardine śirase
dem Flechtenträger, dem Haupt
kālakūṭa-viṣa-bhakṣaṇāya
dem Verzehrer des Kālakūṭa-Giftes
kṛtti-vāsāḥ
der mit dem Fell Bekleidete
abhayam varadam cāpam vāsukim
Schutzgeste, Gabegeste, Bogen, Vāsuki

Prosa-Mantra mit Gliederzuordnung, dann Versbeschreibung; yasyoparīta° unklar.

pādajānuguhānābhihṛtkaṇṭhānanamūrdhasu / mantrārṇānnyasya karayoraṅguṣṭhādyaṅgulīṣu ca //

Auf Füße, Knie, Geschlechtsteil, Nabel, Herz, Hals, Gesicht und Scheitel lege man die Buchstaben des Mantras, und auf die Hände, auf die Finger vom Daumen an,

Wort für Wort
pāda-jānu-guhya
Füße, Knie, Geschlecht
nābhi-hṛt-kaṇṭha
Nabel, Herz, Hals
ānana-mūrdhasu
auf Gesicht und Scheitel
mantra-arṇān nyasya
die Mantrabuchstaben auflegend
aṅguṣṭha-ādi-aṅgulīṣu
auf die Finger ab dem Daumen

guhā° für guhya°.

tarjanyāditadantāsu sarvamaṅguṣṭhayor nyaset / dhyātvaivaṃ saṃharet kṣipraṃ vaddhayā śūlamudrayā //

auf die [Finger] vom Zeigefinger bis zu deren Ende, [und] das Ganze auf die beiden Daumen. Nachdem man so meditiert hat, ziehe man [das Gift] rasch ab mit der gebundenen Dreizack-Geste (śūlamudrā).

Wort für Wort
tarjanī-ādi
vom Zeigefinger an
sarvam aṅguṣṭhayoḥ nyaset
das Ganze lege auf die Daumen
dhyātvā evam
so meditiert habend
saṃharet kṣipram
ziehe rasch ab
baddhayā śūla-mudrayā
mit gebundener Dreizack-Geste

kaniṣṭhā jyeṣṭhayā vaddhā tiśro 'nyāḥ prasṛterjavāḥ / viṣanāśe vāmahastamanyasmin dakṣiṇaṃ karaṃ //

Der kleine Finger wird mit dem Daumen gebunden, die drei anderen sind gerade ausgestreckt. Bei Giftvernichtung [nimmt man] die linke Hand, bei anderem die rechte Hand.

Wort für Wort
kaniṣṭhā jyeṣṭhayā baddhā
kleiner Finger mit dem Daumen gebunden
tisraḥ anyāḥ
die drei anderen
prasṛtāḥ ṛjavaḥ
gerade ausgestreckt
viṣa-nāśe vāma-hastam
bei Giftvernichtung die linke Hand
anyasmin dakṣiṇam
bei anderem die rechte

tiśro für tisro; prasṛterjavāḥ für prasṛtā ṛjavaḥ.

oṃ namo bhagavate nīlakaṇṭhāya ciḥ amalakaṇṭhāya ciḥ sarvajñakaṇṭhāya ciḥ kṣipa oṃ svāhā amalanīlakaṇṭhāya naikasarvaviṣāpahāya namaste rudramanyava itisarmārjanādviṣaṃ vinaśyati na sandehaḥ karṇajāpyā upānahāvā yajedrudravidhānena nīlagrīvaṃ maheśvaram / viṣavyādhivināśaḥ syāt kṛtvā rudravidhānakaṃ //

„oṃ namo bhagavate nīlakaṇṭhāya ciḥ, amalakaṇṭhāya ciḥ, sarvajñakaṇṭhāya ciḥ, kṣipa oṃ svāhā, amalanīlakaṇṭhāya naikasarvaviṣāpahāya namaḥ“ [Anm.: Oṃ, Verehrung dem erhabenen Blauhalsigen, ciḥ; dem Reinhalsigen, ciḥ; dem Allwissend-Halsigen, ciḥ; wirf, oṃ svāhā; Verehrung dem Rein-Blauhalsigen, der die vielen, alle Gifte beseitigt]; „namaste rudra manyava“ [Anm.: Verehrung deinem Zorn, o Rudra] – durch Abwischen [mit diesem Mantra] vergeht das Gift, ohne Zweifel. Man flüstere ihn ins Ohr, oder … [?]. Man verehre den Blauhalsigen Maheśvara nach dem Rudra-Ritual; durch Vollzug des Rudra-Rituals erfolgt die Vernichtung von Gift und Krankheit.“

Wort für Wort
nīlakaṇṭhāya
dem Blauhalsigen
sarva-viṣa-apahāya
dem alle Gifte Beseitigenden
saṃmārjanāt viṣam vinaśyati
durch Abwischen vergeht das Gift
karṇa-jāpyā
ins Ohr zu flüstern
rudra-vidhānena yajet
verehre nach dem Rudra-Ritual

Prosa-Mantra, dann Verse; °sarmārjanād für °saṃmārjanād; upānahāvā unklar.

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