Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel A6: mārkaṇḍeyopākhyānam Die Erzählung von Mārkaṇḍeya

Auf Bharadvājas Frage erzählt Sūta, wie Vyāsa seinem Sohn Śuka berichtete, wie Mārkaṇḍeya den Tod besiegte: Einem Sohn des Mṛkaṇḍu und der Sumitrā wird der Tod im zwölften Jahr vorhergesagt; nach seiner Lehrzeit erfährt er davon, geht zu seinem Großvater Bhṛgu und wird angewiesen, in Hingabe Viṣṇu-Nārasiṃha zu verehren. Das Kapitel hat weder Kolophon noch Schlussformel: die Quelle bricht mitten im Text ab (echtes Quellenende), nach dem ersten Halbvers von Bhṛgus Antwort über die Flüsse Tuṅgā und Bhadrā (V. 40). Mehrere Stellen sind verderbt (V. 12, 16, 22, 24, 31).

bharadvāja uvāca | mārkaṇḍeyena mininā kathaṃ mṛtyuḥ parājitaḥ / etadākhyāhi me sūta tvayaitat suciraṃ purā //

Bharadvāja sprach: Wie wurde vom Weisen Mārkaṇḍeya der Tod besiegt? Das erzähle mir, o Sūta, (was) du einst vor langer Zeit (angedeutet hast) [?].

Wort für Wort
bharadvājaḥ uvāca
Bharadvāja sprach
mārkaṇḍeyena muninā
vom Weisen Mārkaṇḍeya
katham mṛtyuḥ parājitaḥ
wie wurde der Tod besiegt
etat ākhyāhi me
erzähle mir dies
suciram purā
vor langer Zeit

mininā für muninā; zweite Vershälfte elliptisch.

sūta uvāca | idantu mahādākhyānaṃ bharadvāja śṛṇaṣva me / śṛṇvantu ṛṣayaḥ sarve purāvṛttaṃ vravīmyahaṃ //

Sūta sprach: Diese große Erzählung, Bharadvāja, höre von mir; hören sollen es alle Rishis; ich erzähle ein Geschehen der Vorzeit.

Wort für Wort
idam mahat ākhyānam
diese große Erzählung
śṛṇuṣva me
höre von mir
śṛṇvantu ṛṣayaḥ sarve
alle Rishis sollen hören
purā-vṛttam
ein Geschehen der Vorzeit
bravīmi aham
ich erzähle

mahādākhyānaṃ für mahad ākhyānaṃ; śṛṇaṣva für śṛṇuṣva.

kurukṣetre mahāpuṇye vyāsapīṭhau varāśrame / tatrāsīnaṃ muniśreṣṭhaṃ kṛṣṇadvaipāyaṇaṃ muniṃ //

In Kurukṣetra, dem hochheiligen, in der vortrefflichen Einsiedelei, auf dem Sitz des Vyāsa, (fand er) dort sitzend den Besten der Weisen, den Weisen Kṛṣṇa Dvaipāyana,

Wort für Wort
kurukṣetre mahā-puṇye
im hochheiligen Kurukṣetra
vyāsa-pīṭhe
auf dem Sitz des Vyāsa
vara-āśrame
in der vortrefflichen Einsiedelei
tatra āsīnam
dort sitzend
kṛṣṇa-dvaipāyanam munim
den Weisen Kṛṣṇa Dvaipāyana

vyāsapīṭhau wohl für vyāsapīṭhe.

kṛtasnānaṃ kṛtajapaṃ muniśiṣyaiḥ samāvṛtaṃ / vedavedāṅgatattvajñaṃ sarvaśāstraviśāradaṃ //

der gebadet und sein Murmelgebet verrichtet hatte, umgeben von Weisen und Schülern, der das Wesen der Veden und Vedāṅgas kannte und in allen Lehrwerken bewandert war –

Wort für Wort
kṛta-snānam
der gebadet hatte
kṛta-japam
der das Murmelgebet verrichtet hatte
muni-śiṣyaiḥ samāvṛtam
von Weisen und Schülern umgeben
veda-vedāṅga-tattva-jñam
das Wesen von Veda und Vedāṅgas kennend
sarva-śāstra-viśāradam
in allen Lehrwerken bewandert

praṇipatya yathānyāyaṃ śukaḥ paramadhārmikaḥ / idameva samuddiśya tam papraccha kṛtāñjaliḥ //

vor ihm verneigte sich gebührend Śuka, der höchst Rechtschaffene, und fragte ihn mit gefalteten Händen eben über diese Sache,

Wort für Wort
praṇipatya yathā-nyāyam
sich gebührend verneigend
śukaḥ parama-dhārmikaḥ
Śuka, der höchst Rechtschaffene
idam eva samuddiśya
eben hierüber
papraccha
fragte
kṛta-añjaliḥ
mit gefalteten Händen

yaduddiśya vayaṃ pṛṣṭāstvayātra munisannidhau / narasiṃhasya bhaktena puṇyatīrthanivāsinā //

worüber wir hier im Beisein der Weisen von dir befragt worden sind, der du ein Verehrer Narasiṃhas bist und an einem heiligen Badeort wohnst.

Wort für Wort
yat uddiśya
worüber
vayam pṛṣṭāḥ tvayā
wir von dir befragt
muni-sannidhau
im Beisein der Weisen
narasiṃhasya bhaktena
vom Verehrer Narasiṃhas
puṇya-tīrtha-nivāsinā
am heiligen Badeort wohnend

Anrede an Bharadvāja; Anschluss an V. 5 locker.

śuka uvāca | mārkaṇḍeyena muninā kathaṃ mṛtyuḥ parājitaḥ / etadākhyāhi me tāta śrotumicchāmi te 'dhunā //

Śuka sprach: Wie wurde vom Weisen Mārkaṇḍeya der Tod besiegt? Das erzähle mir, Vater; ich wünsche es jetzt von dir zu hören.

Wort für Wort
śukaḥ uvāca
Śuka sprach
katham mṛtyuḥ parājitaḥ
wie wurde der Tod besiegt
ākhyāhi me tāta
erzähle mir, Vater
śrotum icchāmi
ich wünsche zu hören
adhunā
jetzt

vyāsa uvāca | mārkaṇḍeyena muninā yathā mṛtyuḥ parājitaḥ / tathā te kathayiṣyāmi śṛṇu vatsa samāhitaḥ //

Vyāsa sprach: Wie vom Weisen Mārkaṇḍeya der Tod besiegt wurde, so will ich es dir erzählen; höre, mein Sohn, mit gesammeltem Geist.

Wort für Wort
vyāsaḥ uvāca
Vyāsa sprach
yathā mṛtyuḥ parājitaḥ
wie der Tod besiegt wurde
tathā kathayiṣyāmi
so werde ich erzählen
śṛṇu vatsa
höre, mein Sohn
samāhitaḥ
gesammelt

śṛṇvantu munayaśceme kathyamānaṃ mayādhunā / mahiṣyāś caiva śṛnvantu mahadākhyānamuttamaṃ //

Auch diese Weisen sollen hören, was ich nun erzähle, und auch die Königinnen [?] sollen die große, höchste Erzählung hören.

Wort für Wort
śṛṇvantu munayaḥ
die Weisen sollen hören
kathyamānam
das Erzählte
mahiṣyaḥ
die Königinnen [?]
mahat ākhyānam
die große Erzählung
uttamam
höchste

„mahiṣyāś“ (Königinnen) im Kontext befremdlich, vielleicht für maharṣayaś (große Rishis).

bhṛgoḥ khyātyāṃ mamutpanno mṛkaṇḍurnāma vai sutaḥ / sumitrā nāma patrī ca mṛkaṇḍostu mahātmanaḥ //

Von Bhṛgu wurde in Khyāti ein Sohn namens Mṛkaṇḍu geboren; und die Gattin des großen Mṛkaṇḍu hieß Sumitrā,

Wort für Wort
bhṛgoḥ khyātyām
von Bhṛgu in Khyāti
samutpannaḥ
wurde geboren
mṛkaṇḍuḥ nāma sutaḥ
ein Sohn namens Mṛkaṇḍu
sumitrā nāma patnī
die Gattin namens Sumitrā
mahātmanaḥ
des Großen

mamutpanno für samutpanno; patrī für patnī.

dharmajñā dharmaniratāṃ patiśuśrūṣaṇe ratā / tasyāṃ tasya suto jāto mārkaṇḍeyo mahāmatiḥ //

pflichtkundig, dem Dharma ergeben, dem Dienst am Gatten hingegeben; von ihr wurde ihm ein Sohn geboren, der hochsinnige Mārkaṇḍeya.

Wort für Wort
dharma-jñā
pflichtkundig
dharma-niratā
dem Dharma ergeben
pati-śuśrūṣaṇe ratā
dem Dienst am Gatten hingegeben
tasyām tasya sutaḥ jātaḥ
von ihr wurde ihm ein Sohn geboren
mārkaṇḍeyaḥ mahāmatiḥ
der hochsinnige Mārkaṇḍeya

bhṛgoḥ pautro mahābhāgo vamotvaca mahāmatiḥ / bubudhe vallabho vālaḥ pitā tatra kṛtakriyaḥ //

Der hochbeglückte Enkel Bhṛgus, … [?] hochsinnig; der geliebte Knabe wuchs heran, nachdem der Vater dort die (Geburts-)Riten vollzogen hatte.

Wort für Wort
bhṛgoḥ pautraḥ
Enkel Bhṛgus
mahābhāgaḥ
hochbeglückt
vavṛdhe
wuchs heran [?]
vallabhaḥ bālaḥ
der geliebte Knabe
pitā kṛta-kriyaḥ
der Vater, der die Riten vollzogen hatte

„vamotvaca“ verderbt; bubudhe (erwachte) wohl für vavṛdhe (wuchs).

tasmin vai jātamātre tu ādeśī kaścidabravīt / varṣe dvādaśame putro mṛtvyārtaś ca bhaviṣyati //

Als er gerade geboren war, sagte ein Wahrsager: „Im zwölften Jahr wird der Sohn vom Tod heimgesucht werden.“

Wort für Wort
jāta-mātre
gleich nach der Geburt
ādeśī kaścit
ein Wahrsager
abravīt
sagte
varṣe dvādaśame
im zwölften Jahr
mṛtyu-ārtaḥ bhaviṣyati
wird vom Tod heimgesucht werden

mṛtvyārtaś für mṛtyvārtaś.

śrutvā tanmātāpitarau duḥkhitau tau babhūvatuḥ / paribhūyamānahṛdayau taṃ nirīkṣya mahāmatiṃ //

Als die Eltern das hörten, wurden sie betrübt, bedrückten Herzens, wenn sie den Hochsinnigen anblickten.

Wort für Wort
śrutvā
hörend
mātā-pitarau
die Eltern
duḥkhitau babhūvatuḥ
wurden betrübt
paribhūyamāna-hṛdayau
bedrückten Herzens
tam nirīkṣya
ihn anblickend

tathāpi tat pitā dhīmān yatnāt kālakriyāṃ tataḥ / cakāra sarvāṃ medhāvī prahito 'sau gurorgṛhaṃ //

Dennoch vollzog sein kluger Vater danach mit Sorgfalt alle zeitgemäßen Riten; der Verständige wurde in das Haus des Lehrers geschickt.

Wort für Wort
tathā api
dennoch
yatnāt
mit Sorgfalt
kāla-kriyām
die zeitgemäßen Riten
cakāra sarvām
vollzog alle
prahitaḥ guroḥ gṛham
ins Haus des Lehrers geschickt

vevamevādyastrāste guruśuśruṣanodyataḥ / svīkṛtya vedaśāstrāṇi sa puṇyagṛhamāgataḥ //

So verweilte er dort [?], eifrig im Dienst am Lehrer; nachdem er sich die Veden und Lehrwerke angeeignet hatte, kam er in das heilige Haus (der Eltern) zurück.

Wort für Wort
guru-śuśrūṣaṇa-udyataḥ
eifrig im Dienst am Lehrer
svīkṛtya
sich aneignend
veda-śāstrāṇi
Veden und Lehrwerke
puṇya-gṛham
das heilige Haus
āgataḥ
kam zurück

Versanfang „vevamevādyastrāste“ verderbt; etwa sa evam evādhyāste.

mātāpitrornamaskṛtya pādayorvinayānvitaḥ / tasthau tatra gṛhe dhīmān mārkaṇḍeyo mahādyutiḥ //

Nachdem er sich bescheiden zu den Füßen von Mutter und Vater verneigt hatte, blieb der kluge, glanzvolle Mārkaṇḍeya dort im Haus.

Wort für Wort
mātā-pitroḥ namaskṛtya
sich vor Mutter und Vater verneigend
pādayoḥ
zu den Füßen
vinaya-anvitaḥ
bescheiden
tasthau tatra gṛhe
blieb dort im Haus
mahā-dyutiḥ
glanzvoll

taṃ nirīkṣya mahātmānaṃ tatśraddhāñca vilakṣaṇāṃ / duḥkhitau tau bhṛśaṃ tatra tanmātṛpitarau śuka //

Als sie diesen Großen und seinen außergewöhnlichen Glauben sahen, waren seine Mutter und sein Vater dort sehr betrübt, o Śuka.

Wort für Wort
tam nirīkṣya
ihn sehend
tat-śraddhām vilakṣaṇām
seinen außergewöhnlichen Glauben
duḥkhitau bhṛśam
sehr betrübt
tat-mātṛ-pitarau
seine Mutter und sein Vater
śuka
o Śuka

tau dṛṣṭvā duḥkhamāpannau mārkaṇḍeyo mahādyutiḥ / uvāca vacanaṃ tatra kimarthaṃ duḥkhamīdṛśaṃ //

Als der glanzvolle Mārkaṇḍeya die beiden in Kummer geraten sah, sprach er dort das Wort: „Wozu solcher Kummer,

Wort für Wort
tau dṛṣṭvā
die beiden sehend
duḥkham āpannau
in Kummer geraten
uvāca vacanam
sprach das Wort
kim-artham
wozu
duḥkham īdṛśam
solcher Kummer

yadetat kuruṣe mātastātena saha dhīmatā / vaktum arhasi duḥkhasya kāraṇaṃ mama pṛcchataḥ //

den du, Mutter, zusammen mit dem klugen Vater hegst? Sag mir, der ich frage, den Grund des Kummers.“

Wort für Wort
yat etat kuruṣe
den du hegst
mātaḥ
Mutter
tātena saha
zusammen mit dem Vater
vaktum arhasi
du sollst sagen
duḥkhasya kāraṇam
den Grund des Kummers

ityuktā putrakeṇātha mātā tasya mahātmanaḥ / kathayāmāsa tatsarvaṃ ādeśī yad uvāca ha //

So von ihrem Söhnchen angesprochen, erzählte ihm die Mutter des Großen alles, was der Wahrsager gesagt hatte.

Wort für Wort
iti uktā
so angesprochen
putrakeṇa
vom Söhnchen
mātā tasya
seine Mutter
kathayāmāsa tat sarvam
erzählte alles
ādeśī yat uvāca
was der Wahrsager sagte

tac chrutvāsau suniścāha mātaraṃ pitaraṃ punaḥ / pitrā sārdhaṃ tvayā mātarmarkāryaṃ duḥkhamanvapi //

Als er das gehört hatte, sprach er, fest entschlossen [?], wiederum zu Mutter und Vater: „Zusammen mit dem Vater, Mutter, sollst du keinen Kummer hegen [?].“

Wort für Wort
tat śrutvā
das hörend
suniścayaḥ
fest entschlossen [?]
āha mātaram pitaram
sprach zu Mutter und Vater
pitrā sārdham
mit dem Vater zusammen
mā kāryam duḥkham
kein Kummer sei zu hegen [?]

„suniścāha“ wohl suniścayaḥ āha; „markāryaṃ duḥkhamanvapi“ verderbt, etwa mā kāryaṃ duḥkham.

apaneṣyāmi mṛtyuṃ X tapasā nātra saṃśayaḥ / yathā cāhaṃ cirāyuḥsthāṃ kuryāṃ tathā mahattapaḥ //

„Ich werde den Tod durch Askese abwenden, daran ist kein Zweifel; und damit ich langlebig werde, werde ich große Askese üben.“

Wort für Wort
apaneṣyāmi mṛtyum
ich werde den Tod abwenden
tapasā
durch Askese
na atra saṃśayaḥ
daran ist kein Zweifel
cira-āyuḥ
langlebig
kuryām mahat tapaḥ
ich werde große Askese üben

Ein Zeichen ausgefallen („mṛtyuṃ X“).

ityuktvāsau samāśvāsan pitarau na sadyasāt / tyajanvīna(?) vanaṃ nāma nānāṛṣisamākulaṃ //

Nachdem er so gesprochen und die Eltern getröstet hatte, verließ er (sie) … [?] und (ging) in den Wald namens … [?], der voll war von vielen Rishis.

Wort für Wort
iti uktvā
so gesprochen habend
samāśvāsya pitarau
die Eltern tröstend
tyajan
verlassend [?]
vanam nāma
den Wald namens
nānā-ṛṣi-samākulam
voll von vielen Rishis

Stark verderbt: „na sadyasāt“, „tyajanvīna(?)“; der Name des Waldes ist nicht erkennbar.

tatrāsau munibhiḥ sārdhaṃ svāsīnaṃ svapitāmahaṃ / bhṛguṃ dadarśa dharmajñaṃ mārkaṇḍeyo mahāmatiḥ //

Dort sah der hochsinnige Mārkaṇḍeya seinen Großvater Bhṛgu, den Pflichtkundigen, bequem inmitten von Weisen sitzend.

Wort für Wort
tatra
dort
munibhiḥ sārdham
mit Weisen zusammen
su-āsīnam
bequem sitzend
sva-pitāmaham bhṛgum
seinen Großvater Bhṛgu
dadarśa
sah

bhṛgurāha mahābhāgaṃ mārkaṇḍeyaṃ tadā śiśuṃ / kimāgato 'si putrastu pituste kuśalaṃ punaḥ //

Bhṛgu sprach da zu dem hochbeglückten Knaben Mārkaṇḍeya: „Weshalb bist du gekommen, mein Sohn? Geht es deinem Vater wohl,

Wort für Wort
bhṛguḥ āha
Bhṛgu sprach
mahābhāgam śiśum
zum hochbeglückten Knaben
kim āgataḥ asi
weshalb bist du gekommen
putra
mein Sohn
pituḥ te kuśalam
geht es deinem Vater wohl

mātuś ca bāndhavānāñca kimāgamanakāraṇaṃ / ityevamukto muninā mārkaṇḍeyo mahātmanā //

und der Mutter und den Verwandten? Was ist der Grund deines Kommens?“ So von dem großen Weisen angesprochen, (sprach) Mārkaṇḍeya

Wort für Wort
mātuḥ bāndhavānām ca
der Mutter und den Verwandten
kim āgamana-kāraṇam
was ist der Grund des Kommens
iti evam uktaḥ
so angesprochen
muninā mahātmanā
vom großen Weisen

uvāca sakalaṃ tasmai ādeśivacanantadā / pautrasya vacanaṃ śrutvā punastaṃ bhṛgurabravīt / evaṃ matimahāvuddhe kiṃ tvaṃ karma cikīrṣasi //

und erzählte ihm da vollständig die Rede des Wahrsagers. Nachdem Bhṛgu die Worte des Enkels gehört hatte, sprach er wieder zu ihm: „Da es so steht, du Hochverständiger, welches Werk willst du vollbringen?“

Wort für Wort
uvāca sakalam
erzählte vollständig
ādeśi-vacanam
die Rede des Wahrsagers
pautrasya vacanam śrutvā
die Worte des Enkels hörend
mahā-buddhe
du Hochverständiger
kim karma cikīrṣasi
welches Werk willst du vollbringen

„evaṃ matimahāvuddhe“ unsicher.

mārkaṇḍeya uvāca | bhūtāpahāriṇaṃ mṛtyuṃ jetumicchāmi sāmprataṃ / tavaopadeśāttu guro tatropāyaṃ vadasva naḥ //

Mārkaṇḍeya sprach: „Den Tod, der die Wesen hinwegrafft, möchte ich jetzt besiegen. Nenne uns auf deine Unterweisung hin, Lehrer, das Mittel dazu.“

Wort für Wort
bhūta-apahāriṇam mṛtyum
den Tod, der die Wesen hinwegrafft
jetum icchāmi
ich möchte besiegen
sāmpratam
jetzt
tava upadeśāt
auf deine Unterweisung
tatra upāyam vadasva
nenne das Mittel dazu

gurur uvāca | nārāyaṇamanabhyarcya tapasā manasā suta / ko jetuṃ śaknuyān mṛtyuṃ tatastaṃ tapasārcaya //

Der Lehrer sprach: „Wer könnte den Tod besiegen, ohne Nārāyaṇa mit Askese und Geist verehrt zu haben, mein Sohn? Darum verehre ihn durch Askese.

Wort für Wort
guruḥ uvāca
der Lehrer sprach
nārāyaṇam anabhyarcya
ohne Nārāyaṇa verehrt zu haben
tapasā manasā
mit Askese und Geist
kaḥ jetum śaknuyāt
wer könnte besiegen
tapasā arcaya
verehre durch Askese

tama ??? ntamajaṃ viṣṇuṃ acyutaṃ puruṣottamaṃ / bhaktapriyaṃ suraśreṣṭhaṃ bhaktyā taṃ śaraṇaṃ vraja //

Zu ihm, dem [Lücke; wohl: Unendlichen], ungeborenen Viṣṇu, dem Unvergänglichen, dem höchsten Geist, der die Verehrer liebt, dem besten der Götter – zu ihm nimm in Hingabe Zuflucht.

Wort für Wort
ajam viṣṇum
den ungeborenen Viṣṇu
acyutam puruṣottamam
den Unvergänglichen, den höchsten Geist
bhakta-priyam
der die Verehrer liebt
sura-śreṣṭham
den besten der Götter
bhaktyā śaraṇam vraja
nimm in Hingabe Zuflucht

Lücke im Digitalisat („tama ??? ntamajaṃ“), wohl tam anantam ajaṃ.

tameva śaraṇaṃ pūrvaṃ gatavānnārado muniḥ / tapasā mahatā vatsa nārāyaṇamanāmayaṃ //

Zu eben ihm hat einst der Weise Nārada Zuflucht genommen, mit großer Askese, mein Kind, zu Nārāyaṇa, dem Leidlosen.

Wort für Wort
tam eva śaraṇam
zu eben ihm als Zuflucht
gatavān nāradaḥ muniḥ
ging der Weise Nārada
tapasā mahatā
mit großer Askese
vatsa
mein Kind
anāmayam
den Leidlosen

tatprasādānmahābhāga nārado brahmaṇaḥ sutaḥ / jarāṃ mṛtyuṃ vijityāsau dīrghāyurvartate sukhaṃ //

Durch seine Gnade, o Hochbeglückter, hat Nārada, der Sohn Brahmās, Alter und Tod besiegt und lebt langlebig in Glück.

Wort für Wort
tat-prasādāt
durch seine Gnade
nāradaḥ brahmaṇaḥ sutaḥ
Nārada, Brahmās Sohn
jarām mṛtyum vijitya
Alter und Tod besiegend
dīrgha-āyuḥ
langlebig
vartate sukham
lebt in Glück

tamṛte puṇḍarīkākṣaṃ nārasiṃhaṃ janārdanaṃ / bhaktānāṃ vatsalaḥ kuryāt mṛtyusenānivāraṇaṃ //

Wer außer ihm, dem Lotosäugigen, Nārasiṃha, Janārdana, der den Verehrern zugetan ist, könnte das Heer des Todes abwehren?

Wort für Wort
tam ṛte
außer ihm
puṇḍarīka-akṣam
den Lotosäugigen
bhaktānām vatsalaḥ
den Verehrern zugetan
kuryāt
könnte bewirken
mṛtyu-senā-nivāraṇam
die Abwehr des Todesheeres

Ohne Fragepronomen überliefert; als rhetorische Frage aufgefasst.

tasmāt tvaṃ lokakartāraṃ viṣṇuṃ jiṣṇuṃ śriyaḥpatiṃ / govindaṃ gopatiṃ devaṃ satataṃ śaraṇaṃ vraja //

Darum nimm du beständig Zuflucht zu Viṣṇu, dem Schöpfer der Welten, dem Siegreichen, dem Herrn der Śrī, zu Govinda, dem Herrn der Rinder, dem Gott.

Wort für Wort
loka-kartāram
den Schöpfer der Welten
jiṣṇum
den Siegreichen
śriyaḥ-patim
den Herrn der Śrī
govindam gopatim
Govinda, den Herrn der Rinder
satatam śaraṇam vraja
nimm beständig Zuflucht

nārasiṃhamajaṃ devaṃ yadi pūjayase sadā / vatsa jetāsi mṛtyuṃ tvaṃ sasainyaṃ nātra saṃśayaḥ //

Wenn du Nārasiṃha, den ungeborenen Gott, stets verehrst, mein Kind, wirst du den Tod samt seinem Heer besiegen; daran ist kein Zweifel.“

Wort für Wort
nārasiṃham ajam devam
Nārasiṃha, den ungeborenen Gott
yadi pūjayase sadā
wenn du stets verehrst
jetā asi
du wirst besiegen
mṛtyum sa-sainyam
den Tod samt Heer
na atra saṃśayaḥ
daran ist kein Zweifel

vyāsa uvāca | uktaḥ pitāmahenaivaṃ bhṛguṇātha tamabravīt / mārkaṇḍeyo mahātejā vinayātsa pitāmahaṃ //

Vyāsa sprach: So vom Großvater Bhṛgu angesprochen, sprach da der glanzvolle Mārkaṇḍeya voll Bescheidenheit zum Großvater:

Wort für Wort
uktaḥ pitāmahena
vom Großvater angesprochen
bhṛguṇā
von Bhṛgu
tam abravīt
sprach zu ihm
mahā-tejāḥ
der Glanzvolle
vinayāt
voll Bescheidenheit

ārādhyaḥ kathitastāta viṣṇureveti niś cayāt / ārādhitaś ca bhagavān mama mṛtyuṃ harediti //

„Als der zu Verehrende ist mir, Vater, mit Bestimmtheit allein Viṣṇu genannt worden, und (du sagtest), wenn der Erhabene verehrt ist, werde er meinen Tod hinwegnehmen.

Wort für Wort
ārādhyaḥ kathitaḥ
als zu Verehrender genannt
viṣṇuḥ eva
allein Viṣṇu
niścayāt
mit Bestimmtheit
ārādhitaḥ bhagavān
der verehrte Erhabene
mama mṛtyum haret
nehme meinen Tod hinweg

kathamatra mayā kāmyamacyutārādhanaṃ guro / yenāsau mama tuṣṭastu mṛtyuṃ sadyo 'paneṣyati //

Wie soll ich hier, Lehrer, die ersehnte Verehrung des Acyuta vollziehen, durch die er, mit mir zufrieden, den Tod sogleich abwenden wird?“

Wort für Wort
katham atra mayā
wie hier von mir
kāmyam
die ersehnte
acyuta-ārādhanam
Verehrung des Acyuta
mama tuṣṭaḥ
mit mir zufrieden
mṛtyum sadyaḥ apaneṣyati
den Tod sogleich abwenden wird

bhṛgur uvāca | tuṅgā ca bhaginī bhadrā dve nadyau mantrasambhave //

Bhṛgu sprach: Tuṅgā und ihre Schwester Bhadrā, zwei Flüsse, die aus einem Mantra [?] entstanden sind … [Der Text bricht hier ab.]

Wort für Wort
bhṛguḥ uvāca
Bhṛgu sprach
tuṅgā
Tuṅgā
bhaginī bhadrā
die Schwester Bhadrā
dve nadyau
zwei Flüsse
mantra-sambhave
aus einem Mantra entstanden [?]

„mantrasambhave“ unsicher; mit diesem Halbvers endet die Quelle (echtes Quellenende).

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