Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 45: piṇḍikālakṣaṇakathanaṃ Darlegung der Merkmale des Bildsockels

Beschreibung des Sockels (piṇḍikā) für Götterbilder mittels eines Rasters von 64 Feldern, mit Randleiste, Rinne und Wasserabfluss; anschließend die Proportionen eines weiblichen Götterbildes (Lakṣmī) und kurz Garuḍa. Die Versnummer 14 fehlt in der Quelle. Das Kolophon lautet abweichend piṇḍikālakṣmādilakṣaṇaṃ; mehrere Wörter in V. 15-16 sind verderbt (cāmubujaṃ, vittvaṃ).

bhagavānuvāca | piṇḍikālakṣaṇaṃ vakṣye dairghyeṇa pratimāsamā / ucchrāyaṃ pratimārdhantu catuḥṣaṣṭipuṭāṃ ca tām //

Der Erhabene sprach: Ich will die Merkmale des Sockels (piṇḍikā) verkünden. In der Länge sei er dem Bild gleich, in der Höhe die Hälfte des Bildes, und diesen [teile man] in vierundsechzig Felder.

Wort für Wort
bhagavān uvāca
der Erhabene sprach
piṇḍikā-lakṣaṇam
Merkmale des Sockels
dairghyeṇa pratimā-samā
in der Länge dem Bild gleich
ucchrāyam pratimā-ardham
Höhe halb so groß wie das Bild
catuḥṣaṣṭi-puṭām
mit 64 Feldern

tyaktvā paṅktidvayaṃ cādhastadūrdhvaṃ yattu koṣṭhakam / samantādubhayoḥ pārśve antasthaṃ parimārjayet //

Man lasse unten zwei Reihen aus; welche Felder darüber liegen, von denen soll man ringsum auf beiden Seiten das innen Liegende tilgen.

Wort für Wort
tyaktvā
auslassend
paṅkti-dvayam
zwei Reihen
adhaḥ
unten
koṣṭhakam
Feld
antaḥ-stham parimārjayet
das innen Gelegene tilge man

ūrdhvaṃ paṅgktidvayaṃ tyaktvā adhastād yattu koṣṭhakam / antaḥ sammārjayet yatnāt pārśvayorubhayoḥ samam //

Oben zwei Reihen auslassend, soll man vom Feld darunter das Innere sorgfältig tilgen, auf beiden Seiten gleichmäßig.

Wort für Wort
ūrdhvam
oben
paṅkti-dvayam tyaktvā
zwei Reihen auslassend
adhastāt
darunter
sammārjayet yatnāt
tilge sorgfältig
pārśvayoḥ ubhayoḥ samam
auf beiden Seiten gleich

paṅgkti ist Tippfehler für paṅkti.

tayormadhyagatau tatra catuṣkau mārjayettataḥ / caturdhā bhājayitvā tu ūrdhvapaṅktidvayaṃ budhaḥ //

Die beiden in deren Mitte gelegenen Vierergruppen soll man dann tilgen. Nachdem der Kundige die oberen zwei Reihen vierfach geteilt hat,

Wort für Wort
madhya-gatau
in der Mitte gelegen
catuṣkau
zwei Vierergruppen
mārjayet
tilge man
caturdhā bhājayitvā
vierfach geteilt habend
budhaḥ
der Kundige

mekhalā bhāgamātrā syāt khātaṃ tasyārdhamānataḥ / bhāgaṃ bhāgaṃ parityajya pārśvayorubhayoḥ samaṃ //

sei der Gürtel (mekhalā) einen Teil groß, die Rinne (khāta) halb so groß. Auf beiden Seiten gleichmäßig je einen Teil auslassend

Wort für Wort
mekhalā
Gürtel, Randleiste
bhāga-mātrā
einen Teil messend
khātam
Vertiefung, Rinne
tasya ardha-mānataḥ
von halbem Maß
bhāgam bhāgam parityajya
je einen Teil auslassend

datvā caikaṃ padaṃ vāhye pramāṇaṃ kārayed budhaḥ / tribhāgeṇa ca bhāgasyāgre syāttoyavinirgamaḥ //

und außen ein Feld hinzufügend, lege der Kundige das Maß fest; und mit einem Drittel eines Teils sei an der Spitze der Wasserabfluss.

Wort für Wort
datvā ekam padam
ein Feld hinzufügend
bāhye (vāhye)
außen
pramāṇam kārayet
lege das Maß fest
tri-bhāgeṇa
mit einem Drittel
toya-vinirgamaḥ
Wasserabfluss

vāhye für bāhye.

nānāprakārabhedena bhadreyaṃ piṇḍikā śubhā / aṣṭatālā tu kartavyā devī lakṣmīstayā striyaḥ //

Nach verschiedenen Arten unterschieden, ist dieser Sockel glückverheißend und heilbringend (bhadrā). Die Göttin Lakṣmī ist acht Tālas [groß] zu machen, ebenso die [anderen] Frauen[gestalten].

Wort für Wort
nānā-prakāra-bhedena
nach verschiedenen Arten
bhadrā iyam piṇḍikā
dieser glückbringende Sockel
aṣṭa-tālā
acht Tālas messend
devī lakṣmīḥ
die Göttin Lakṣmī
striyaḥ
Frauen(gestalten)

tayā wohl für tathā.

bhruvau yavādhike kārye yavahīnā tu nāsikā / golakenādhikaṃ vaktramūrdhvaṃ tiryagvivarjitaṃ //

Die Brauen sind um ein Yava größer zu machen, die Nase um ein Yava kleiner; das Gesicht um ein Golaka größer, nach oben [gerichtet], ohne Schrägstellung [?].

Wort für Wort
bhruvau yava-adhike
Brauen um ein Yava größer
yava-hīnā nāsikā
die Nase um ein Yava kleiner
golakena adhikam
um ein Golaka größer
vaktram
Gesicht
tiryak-vivarjitam
ohne Schräge

āyate nayane kārye tribhāgonair yavaistribhiḥ / tadardhena tu vaipulyaṃ netrayoḥ parikalpayet //

Die Augen sind lang zu machen, [nämlich] mit drei Yavas weniger ein Drittel [?]; die Breite der Augen bilde man mit der Hälfte davon.

Wort für Wort
āyate nayane
die Augen lang
tri-bhāga-ūnaiḥ yavaiḥ tribhiḥ
mit drei Yavas weniger ein Drittel
tat-ardhena
mit dessen Hälfte
vaipulyam
Breite

Maßangabe unklar.

karṇapāśo .dhikaḥ kāryaḥ sṛkkaṇīsamasūtrataḥ / namraṃ kalāvihīnantu kuryādaṃśadvayaṃ tathā //

Das Ohrgehänge (karṇapāśa) ist größer zu machen, nach der Schnur in Höhe der Mundwinkel; die beiden Schultern soll man geneigt und um eine Kalā vermindert machen.

Wort für Wort
karṇa-pāśaḥ
Ohrgehänge, Ohrschlinge
adhikaḥ
größer
sṛkkaṇī-sama-sūtrataḥ
nach der Schnur in Mundwinkelhöhe
namram
geneigt
kalā-vihīnam
um eine Kalā vermindert
aṃśa-dvayam
die beiden Schultern

Im Text steht '.dhikaḥ' mit Punkt statt Avagraha.

grīvā sārdhakalā kāryā tadvistāropaśobhitā / netraṃ vinā tu vistārau ūrū jānū ca piṇḍikā //

Der Hals ist anderthalb Kalās zu machen, durch seine Breite geziert; um ein Netra vermindert [sei] die Breite von Oberschenkeln, Knien und Waden.

Wort für Wort
grīvā
Hals
sārdha-kalā
anderthalb Kalās
netram vinā
ohne ein Netra
vistārau
die Breite
ūrū jānū piṇḍikā
Oberschenkel, Knie, Wade

aṅghripṛṣṭhau sphicau kaṭyāṃ yathābhāgaṃ prakalpayet / saptāṃśonās tathāṅgulyo dīrghaṃ viṣkambhanāhataṃ //

Fußrücken, Gesäßbacken [und] Hüfte bilde man entsprechend den Anteilen; die Finger ebenso um ein Siebtel geringer; lang, [bemessen] nach Durchmesser und Umfang [?].

Wort für Wort
aṅghri-pṛṣṭhau
Fußrücken
sphicau
Gesäßbacken
yathā-bhāgam
nach den Anteilen
sapta-aṃśa-ūnāḥ
um ein Siebtel geringer
viṣkambha-nāha
Durchmesser und Umfang

viṣkambhanāhataṃ wohl viṣkambha-nāhataḥ.

netraikavarjitāyāmā jaṅghorū ca tathā kaṭiḥ / madhyapārśvaṃ ca tadvṛttaṃ ghanaṃ pīnaṃ kucadvayaṃ //

Um ein Netra verminderter Länge [seien] Unterschenkel und Oberschenkel und ebenso die Hüfte; die Mitte und die Seiten [seien] gerundet, die beiden Brüste fest und voll.

Wort für Wort
netra-eka-varjita-āyāmā
in der Länge um ein Netra vermindert
jaṅghā-ūrū
Unter- und Oberschenkel
madhya-pārśvam
Mitte und Seiten
vṛttam
gerundet
ghanam pīnam kuca-dvayam
die beiden Brüste fest und voll

tālamātrau stanau karyau kaṭiḥ sārdhakalādhikā / lakṣma śeṣaṃ purāvatsyāt dakṣiṇe cāmubujaṃ kare //

Die Brüste sind ein Tāla zu machen, die Hüfte um anderthalb Kalās größer; die übrigen Merkmale seien wie zuvor. In der rechten Hand [sei] der Lotos,

Wort für Wort
tāla-mātrau stanau
die Brüste ein Tāla
kaṭiḥ
Hüfte
sārdha-kalā-adhikā
um anderthalb Kalās größer
lakṣma śeṣam purā-vat
das übrige Merkmal wie zuvor
ambujam (cāmubujaṃ)
Lotos

Vers 14 fehlt in der Zählung. cāmubujaṃ ist verderbt für cāmbujaṃ (ca ambujam, 'und den Lotos'). karyau für kāryau.

vāme vittvaṃ striyau pārśve śubhe cāmarahastake / dīrghaghoṇastu garuḍaś cakrāṅgādyānatho vade //

in der linken die Bilva-Frucht; an den Seiten zwei schöne Frauen mit Fliegenwedeln in der Hand. Garuḍa aber [sei] langnasig. Nun will ich [die Steine] mit Rad-Zeichen (cakrāṅga) usw. beschreiben.

Wort für Wort
vāme
in der linken
bilvam (vittvaṃ)
Bilva-Frucht [?]
cāmara-hastake
mit Fliegenwedeln in der Hand
dīrgha-ghoṇaḥ garuḍaḥ
Garuḍa langnasig
cakra-aṅga-ādyān
die mit Rad-Zeichen usw.
atha vade
nun spreche ich

vittvaṃ ist wohl für bilvaṃ ('Bilva-Frucht') verschrieben. cakrāṅga leitet zu den Śālagrāma-Steinen des folgenden Kapitels über.

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