Das Kapitel gibt zunächst die Keimsilben, Glieder und Namensformeln des Gaṇeśa mit Mudrā, Ikonographie und Opfern, dann den Mantra des Mārtaṇḍa-Bhairava und die Verehrung der Sonne mit den Planeten, das Arghya-Ritual, den Saṃgrāmavijaya-Mantra, farbige Meditationen für magische Riten und einen Unterwerfungsritus. Quellbesonderheiten: Mehrere Mantras sind durch Laut-Decknamen verschlüsselt (V. 1–2, 8, 14); einige Wörter sind verderbt (V. 3, 11, 17, 18). Der Titel „sūryārcana“ deckt nur den zweiten Teil ab.
Agni sprach: Śayyā mit Daṇḍin, mit Ajeśa, Pāvaka (ra) und Caturānana [Anm.: verschlüsselte Laute] – diese alles vollbringende Keimsilbe wird in zusammengefasster Form (piṇḍa) verkündet.
Wort für Wort
daṇḍī
mit Daṇḍin (Anusvāra)
pāvakaḥ
Pāvaka (Laut ra)
sarva-artha-sādhakam
alle Ziele vollbringend
bījam
Keimsilbe
piṇḍa-artham ucyate
wird als Zusammenfassung genannt
Die Decknamen bezeichnen die Laute der Keimsilbe (wohl des Gaṇeśa, vgl. V. 3); Auflösung unsicher.
– das sind die fünf Keimsilben des Gaṇa (Gaṇeśa), einzeln von großer, erfahrbarer Frucht. „gaṇaṃ jayāya namaḥ, ekadaṃṣṭrāya, acalakarṇine, gajavaktrāya, mahodarahastāya“ (Verehrung dem Sieg …, dem Einzahnigen, dem mit unbeweglichen Ohren, dem Elefantengesichtigen, dem mit großem Bauch und Rüssel [?]) – das sind die allgemeinen fünf Glieder. Die Vollendung (siddhi) tritt durch hunderttausendmaliges Rezitieren ein.
Wort für Wort
gaṇasya pañca bījāni
die fünf Keimsilben des Gaṇa
dṛṣṭa-phalam mahat
große sichtbare Frucht
ekadaṃṣṭrāya
dem Einzahnigen
gaja-vaktrāya
dem Elefantengesichtigen
pañca-aṅgam sarva-sāmānyam
allgemeine fünf Glieder
lakṣa-japataḥ
durch 100 000 Rezitationen
mahoharahastāya wohl verderbt aus mahodarahastāya; lakṣajāpyateḥ = lakṣajāpataḥ.
„gaṇādhipataye, gaṇeśvarāya, gaṇanāyakāya, gaṇakrīḍāya“ (dem Oberherrn der Scharen, dem Herrn der Scharen, dem Anführer der Scharen, dem mit den Scharen Spielenden): Auf den Richtungsblättern verehre man diese Gestalten und wie zuvor die fünf Glieder. „vakratuṇḍāya, ekadaṃṣṭrāya, mahodarāya, gajavaktrāya, vikaṭāya, vighnarājāya, dhūmravarṇāya“ (dem mit gekrümmtem Rüssel, dem Einzahnigen, dem Dickbauchigen, dem Elefantengesichtigen, dem Ungeheuren, dem König der Hindernisse, dem Rauchfarbenen): Diese verehre man in den Richtungen und Zwischenrichtungen, und auch die Welthüter [?] mit der Mudrā.
(Die Mudrā:) Die beiden Daumen zwischen Mittel- und Zeigefinger gesteckt, mit geballter Faust. (Der Gott ist) vierarmig, reich an Modaka-Kuchen, mit Stab, Schlinge und Treibstachel versehen,
den Zahn und Speise tragend, rot, mit Lotos, von Schlingen und Treibstacheln umgeben: ihn verehre man besonders am vierten Mondtag (caturthī), aber auch täglich.
(Ein Bild) aus der Wurzel des weißen Arka gefertigt (verehrt): Erlangung von allem. Mit Sesam und Ghee, mit Reiskörnern, Dickmilch, Honig und Ghee (geopfert): es entstehen Glück und Macht über andere.
Ghoṣa, Asṛk, Prāṇa, Dhātu, Ardī [?], mit Daṇḍin [Anm.: verschlüsselte Laute]: (so ist der Mantra des) Mārtaṇḍa-Bhairava, des Bewirkers von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa, von einer Scheibe umschlossen.
Die kurzen (Vokale) sind seine fünf Gestalten, die langen seine Glieder. Im Nordosten (verehre man) Ravi, zinnoberrot, mit der Geliebten in seiner linken Hälfte,
in den Ecken, beginnend mit Südosten, Kuja (Mars), Manda (Saturn), Ahi (Rāhu) und Ketu. Nachdem man vorschriftsgemäß gebadet hat, verehre man Āditya, das Arghya vorangestellt.
Kṛtānta [?] im Nordosten; die Opferreste (nirmālya) werden dem Tejaścaṇḍa dargebracht. Gorocanā, Safran, Wasser, rote Duftstoffe, ungebrochener Reis und Sprossen,
veṇuvījayavāḥśāliśyāmākatilarājikāḥ / javāpuṣpānvitāṃ datvā pātraiḥ śirasi dhārya tat //
Bambussamen, Gerste, Śāli-Reis, Śyāmāka-Hirse, Sesam und Senfkörner, mit Javā-Blüten versehen – nachdem man dies (in Gefäße) gegeben hat, halte man es mit den Gefäßen am Kopf,
lasse sich auf die Knie zur Erde nieder und bringe der Sonne das Arghya dar. Nachdem man mit neun Krügen, die mit ihrer jeweiligen Vidyā geweiht sind, die Planeten verehrt hat,
nehme man zur Befriedung der Planeten usw. ein Bad. Wer den Arka(-Mantra) rezitiert, erlangt alles. (Der Mantra) Saṃgrāmavijaya (‚Sieg in der Schlacht‘): mit Agni (ra), Vījadoṣa [?] und mit Bindu –
nyasya mūrdhādipādāntaṃ mūlaṃ pūjya tu mudrayā / svāṅgāni ca yathānyāsamātmānaṃ bhāvayedraviṃ //
nachdem man ihn vom Scheitel bis zu den Füßen aufgelegt und den Wurzelmantra mit der Mudrā verehrt hat und die eigenen Glieder gemäß dem Nyāsa, stelle man sich selbst als Ravi vor.
Die Meditation: beim Töten und Lähmen (meditiere man ihn) gelb, bei der Stärkung (āpyāyana) weiß, beim Ritus der Feindestötung schwarz; zum Verwirren (meditiere man ihn) regenbogenfarben.
Wort für Wort
māraṇa-stambhe
beim Töten und Lähmen
pītam
gelb
āpyāyane sitam
bei der Stärkung weiß
ripu-ghāta-vidhau kṛṣṇam
beim Feindtöten schwarz
mohayet śakra-cāpa-vat
verwirre (ihn) regenbogenfarbig
pītagāpyāyane wohl pītam āpyāyane zu trennen; dann gehörte gelb zum Töten/Lähmen.
Wer stets Weihebad, Rezitation, Meditation, Verehrung und Feueropfer eifrig übt, wird glanzvoll, siegreich [?] und glückhaft und erlangt Sieg im Kampf [?] usw.
Wort für Wort
abhiṣeka-japa-dhyāna
Weihebad, Rezitation, Meditation
pūjā-homa-paraḥ
der Verehrung und dem Feueropfer ergeben
tejasvī
glanzvoll
śrīmān
glückhaft
jayam labhet
erlangt Sieg
hṛjayaḥ und samudrādau unklar; vielleicht verderbt aus jayī bzw. saṃgrāmādau.
Legt man diesen (Mantra) auf Betel usw. auf, rezitiert ihn und gibt (es) mit Uśīra [?] hin, und berührt mit der Hand, auf die das Bīja aufgelegt ist, so gilt dies als Mittel, (den Betreffenden) in seine Gewalt zu bringen.
Wort für Wort
tāmbūla-ādau
auf Betel usw.
idam nyasya
diesen (Mantra) auflegend
japtvā dadyāt
rezitierend gebe man
nyasta-bījena hastena
mit der Hand, auf die das Bīja gelegt ist
sparśanam tad-vaśe smṛtam
die Berührung gilt als unterwerfend
nyastuvījena = nyastabījena; uśīraka unklar im Zusammenhang.