Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 289: aśvaśāntiḥ Der Befriedungsritus für die Pferde

Śālihotra beschreibt Suśruta die Befriedungsriten für Pferde: einen ständigen mit Verehrung von Śrīdhara, Śrī und Uccaiḥśravas, einen am Vollmond des Āśvayuja außerhalb des Ortes und einen anlassbedingten zu Beginn des Makara mit einem Lotosdiagramm der Götter. Der in Vers 1 angekündigte wunschbedingte Ritus wird nicht gesondert ausgeführt; Vers 8 hat drei Halbverse, und der Text weist mehrere Schreibfehler auf.

śālihotra uvāca | aśvaśāntiṃ pravakṣyāmi vajirogavimardanīṃ / nityāṃ naimittakīṃ kamyāṃ trividhāṃ śṛṇu suśruta //

Śālihotra sprach: Die Befriedungsriten für die Pferde, welche die Pferdekrankheiten zerschlagen, werde ich verkünden: den ständigen, den anlassbedingten und den wunschbedingten; höre den dreifachen, o Suśruta.

Wort für Wort
aśva-śāntim pravakṣyāmi
den Befriedungsritus für Pferde werde ich verkünden
vāji-roga-vimardanīm
die Pferdekrankheiten zerschlagend
nityām naimittikīm kāmyām
ständig, anlassbedingt, wunschbedingt
trividhām śṛṇu
höre den dreifachen

vajiroga für vājiroga; naimittakīṃ kamyāṃ für naimittikīṃ kāmyāṃ.

śubhe dine śrīdharañca śriyamuccaiḥśravāś ca taṃ / hayarājaṃ samabhyarcya sāvitrair jujuyādghṛtaṃ //

An einem glückverheißenden Tag soll er Śrīdhara, Śrī und Uccaiḥśravas, jenen König der Pferde, verehren und mit Sāvitrī-Versen Butterschmalz opfern.

Wort für Wort
śubhe dine
an einem glückverheißenden Tag
śrīdharam śriyam
Śrīdhara und Śrī
uccaiḥśravāḥ haya-rājam
Uccaiḥśravas, den König der Pferde
samabhyarcya
verehrend
sāvitraiḥ juhuyāt ghṛtam
er opfere mit Sāvitrī-Versen Butterschmalz

jujuyād für juhuyād.

dvijebhyo dakṣiṇāndadyādaśvavṛddhis tathā bhavet / aśvayuk śuklapakṣasya pañcadaśyāñca śāntikaṃ //

Den Zweimalgeborenen soll er Opferlohn geben; so wird Vermehrung der Pferde eintreten. Am fünfzehnten [Tag] der hellen Monatshälfte des Āśvayuja [soll er] den Befriedungsritus

Wort für Wort
dvijebhyaḥ dakṣiṇām dadyāt
den Zweimalgeborenen gebe er Opferlohn
aśva-vṛddhiḥ
Vermehrung der Pferde
aśvayuk-śukla-pakṣasya
der hellen Hälfte des Āśvayuja
pañcadaśyām
am fünfzehnten Tag
śāntikam
den Befriedungsritus

aśvayuk = Monat Āśvayuja (Āśvina).

vahiḥ kuryādviśeṣeṇa nāsatyau varuṇaṃ yajet / samullikhya tato devīṃ śākhābhiḥ parivārayet //

vor allem außerhalb [des Ortes] vollziehen; er soll die Nāsatyas und Varuṇa verehren. Nachdem er dann den Altar [?] abgesteckt hat, soll er ihn mit Zweigen umgeben.

Wort für Wort
bahiḥ kuryāt viśeṣeṇa
er vollziehe es vor allem außerhalb
nāsatyau varuṇam yajet
er verehre die Nāsatyas und Varuṇa
samullikhya
abgesteckt habend
śākhābhiḥ parivārayet
er umgebe mit Zweigen

vahiḥ für bahiḥ; devīṃ wohl verderbt für vedīṃ.

ghatānsarvarasaiḥ pūrṇān dikṣu dadyātsavastrakān / yavājyaṃ juhuyāt prārcya yajedaśvāṃś ca sāśvinān //

In den Himmelsrichtungen soll er mit allen Säften gefüllte Krüge samt Tüchern aufstellen; nach der Verehrung soll er Gerste und Butterschmalz opfern und die Pferde zusammen mit den Aśvins verehren.

Wort für Wort
ghaṭān sarva-rasaiḥ pūrṇān
mit allen Säften gefüllte Krüge
dikṣu dadyāt
er stelle in den Himmelsrichtungen auf
sa-vastrakān
samt Tüchern
yava-ājyam juhuyāt
er opfere Gerste und Butterschmalz
aśvān sa-aśvinān
die Pferde samt den Aśvins

ghatān für ghaṭān.

viprebhyo dakṣiṇāndadyānnaimittikamataḥ śṛṇu / makarādau hayānāñca padmair viṣṇuṃ śriyaṃ yajet //

Den Brahmanen soll er Opferlohn geben. Höre nun den anlassbedingten [Ritus]: Zu Beginn des Makara [Eintritt der Sonne in den Steinbock] soll er für die Pferde auf Lotos[-diagrammen] Viṣṇu und Śrī verehren,

Wort für Wort
viprebhyaḥ dakṣiṇām
den Brahmanen Opferlohn
naimittikam ataḥ śṛṇu
höre nun den anlassbedingten
makara-ādau
zu Beginn des Makara
padmaiḥ
auf Lotosdiagrammen
viṣṇum śriyam yajet
er verehre Viṣṇu und Śrī

brahmāṇaṃ śaṅkaraṃ somamādityañca tathāśvinau / revantamuccaiḥśravasandikpālāṃś ca daleṣvapi //

Brahmā, Śaṅkara, Soma, Āditya und ebenso die Aśvins, Revanta, Uccaiḥśravas und die Hüter der Himmelsrichtungen auf den Blütenblättern.

Wort für Wort
brahmāṇam śaṅkaram somam
Brahmā, Śaṅkara, Soma
ādityam aśvinau
Āditya, die Aśvins
revantam uccaiḥśravasam
Revanta, Uccaiḥśravas
dikpālān daleṣu
die Hüter der Richtungen auf den Blättern

pratyekaṃ pūrṇakumbhaiś ca vedyāntatsaumyataḥ sthale / tilākṣatājyasiddhārthān devatānāṃ śataṃ śataṃ / upoṣitena kartavyaṃ karma cāsvarujāpahaṃ //

Und jeden mit vollen Krügen, auf dem Platz nördlich des Altars; [dazu opfere er] Sesam, unzerbrochene Reiskörner, Butterschmalz und weiße Senfkörner, je hundert für die Gottheiten. Von einem, der gefastet hat, ist der Ritus zu vollziehen, und er vertreibt die Krankheiten der Pferde.

Wort für Wort
pratyekam pūrṇa-kumbhaiḥ
jeden mit vollen Krügen
vedyāḥ saumyataḥ sthale
auf dem Platz nördlich des Altars
tila-akṣata-ājya-siddhārthān
Sesam, Reiskörner, Butterschmalz, weiße Senfkörner
śatam śatam
je hundert
upoṣitena kartavyam
von einem Fastenden zu vollziehen
aśva-ruja-apaham
die Pferdekrankheiten vertreibend

Vers mit drei Halbversen; vedyāntat saumyataḥ unsicher (vedyāṃ tat? vedyās tu?); cāsvarujāpahaṃ für cāśvarujāpaham. Der wunschbedingte (kāmya) Ritus aus Vers 1 wird nicht eigens beschrieben.

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