Kapitel 109: tīrthayātrāmāhātmya
Die Größe der Pilgerfahrt zu den Tīrthas
Agni nennt die Voraussetzungen für den Erfolg einer Pilgerfahrt (Selbstzucht, Enthaltsamkeit, Fasten, Spenden) und preist Puṣkara als höchstes Tīrtha. Es folgt eine lange Aufzählung heiliger Orte, Flüsse und Berge ganz Indiens, mit besonderer Hervorhebung Kurukṣetras. Titel im Kopf 'tīrthamāhātmyaṃ', im Kolophon 'tīrthayātrā māhātmyaṃ'; mehrere Ortsnamen sind in der Digitalisierung entstellt.
agnir uvāca | māhātmyaṃ sarvatīrthānāṃ vakṣye yadbhaktimuktidaṃ / yasya hastau ca pādau ca manaś caiva susaṃyataṃ //
Agni sprach: Ich will die Größe aller Tīrthas [Anm.: heilige Badeplätze, Pilgerorte] verkünden, die Genuss und Erlösung gewährt. Wessen Hände und Füße und auch der Geist wohl gezügelt sind,
vidyā tapaś ca kīrtiś ca sa tīrthaphalamaśnute / pratigrāhādupāvṛtto laghvāhāro jitendriyaḥ //
[wer] Wissen, Askese und Ruhm [besitzt], der genießt die Frucht der Tīrthas. Wer sich vom Annehmen von Gaben abgewandt hat, wenig isst, die Sinne besiegt hat,
adatvā kāñcanaṃ gāś ca daridro nāma jāyate / tīrthābhiogamane tat syādyadyajñenāpyate phalaṃ //
und nicht Gold und Kühe gespendet hat, wird als Armer geboren. Beim Aufsuchen der Tīrthas wird [eben] das [zuteil], was an Frucht durch ein Opfer erlangt wird.
Wort für Wort
a-dattvā
ohne gegeben zu haben
kāñcanam gāḥ
Gold und Kühe
daridraḥ jāyate
wird arm geboren
tīrtha-abhigamane
beim Besuch der Tīrthas
yajñena āpyate phalam
durch Opfer wird Frucht erlangt
tīrthābhiogamane: Digitalisierungsfehler für tīrthābhigamane.
Puṣkara ist das höchste Tīrtha, denn [dort herrscht göttliche] Gegenwart zu den drei Tageszeiten [Anm.: Morgen-, Mittags- und Abenddämmerung]. Zehntausend Koṭis [Anm.: Koṭi = zehn Millionen] von Tīrthas sind, o Brahmane, in Puṣkara.
Brahmā weilt [dort] mit den Göttern, [ebenso] die Munis, die alles [Erstrebte] begehren [?]. Die Götter haben hier Vollendung erlangt; die hier gebadet und Väter und Götter verehrt haben,
Wort für Wort
brahmā saha suraiḥ
Brahmā mit den Göttern
āste
weilt
munayaḥ
die Weisen, Munis
siddhim prāptāḥ
haben Vollendung erlangt
snātāḥ
gebadet habend
pitṛ-sura-arcakāḥ
Verehrer der Väter und Götter
sarvamicchavaḥ unklar; vielleicht sarvakāmadāḥ o.ä. zu lesen.
aśvamedhaphalaṃ prāpya brahmalokaṃ prayānti te / kārttikyāmannadānācca nirmalo brahmalokabhāk //
erlangen die Frucht des Pferdeopfers und gehen in die Brahmā-Welt. Durch Speisespende am Kārttika-Vollmond wird man makellos und hat teil an der Brahmā-Welt.
tatra vāsājjapacchrāddhāt kulānāṃ śatamuddharet / jambumārgaṃ ca tatraiva tīrthantaṇḍulikāśramaṃ //
Durch Wohnen dort, durch Japa [Anm.: Gebetsmurmeln] und Śrāddha [Anm.: Totenopfer] rettet man hundert Geschlechter. Ebendort [liegen] Jambumārga und das Tīrtha Taṇḍulikāśrama,
tatra viṣṇvādayo devāstatra vāsāddhariṃ vrajet / sarasvatyāṃ sannihityāṃ snānakṛdbrahmalokabhāk //
Dort [weilen] Viṣṇu und die übrigen Götter; durch Wohnen dort gelangt man zu Hari. Wer in der Sarasvatī bei Sannihitī badet, hat teil an der Brahmā-Welt.
Wort für Wort
viṣṇu-ādayaḥ devāḥ
Viṣṇu und die anderen Götter
harim vrajet
gelangt zu Hari
sarasvatyām
in der Sarasvatī
sannihityām
bei Sannihitī
snāna-kṛt
der Badende
sannihityāṃ: Name eines Teiches in Kurukṣetra (sonst Sannihatī).