Kapitel 221b: durgasampattiḥ
Die Ausstattung der Festung
Puṣkara beschreibt das geeignete Land für den Königssitz, die sechs Arten von Festungen (die Bergfestung gilt als die beste) und die Heilpflanzen gegen Vergiftung zum Schutz des Königs. Es folgen Pflichten des Königs gegenüber Tempeln, Götterbildern und Brahmanen (mit abgestuftem Verdienst je nach Baumaterial) sowie Regeln für das Verhalten der Ehefrau und für die Witwe. Das Kolophon nennt das Kapitel rājadharma („Königspflichten“), die Überschrift durgasampattiḥ. Vers 26 ist nur ein Halbvers; einige Pflanzennamen sind entstellt (z. B. maṇḍūlaparṇī für maṇḍūkaparṇī).
Puṣkara sprach: Ich werde die Ausstattung der Festung darlegen. Der König soll in einem Land mit Festung wohnen, das überwiegend von Vaiśyas und Śūdras bewohnt und für andere nicht einnehmbar ist,
mit einigen Brahmanen versehen und ebenso mit vielen Arbeitsleuten; ein Land, das nicht vom Regen abhängig ist und reichlich Wasser hat [?], wird gepriesen,
Wort für Wort
kiñcit brāhmaṇa-saṃyuktaḥ
mit einigen Brahmanen versehen
bahu-karmakaraḥ
mit vielen Arbeitsleuten
adeva-mātṛkaḥ
nicht vom Regen abhängig
bhakta-jalaḥ
mit verfügbarem Wasser (?)
praśasyate
wird gepriesen
adevamātṛka: ein Land, das nicht auf Regen („den Gott als Mutter“) angewiesen, sondern durch Flüsse bewässert ist. bhaktajala unsicher („mit zugeteiltem/verfügbarem Wasser“).
ṣaṇṇāmekatamaṃ durgaṃ tatra kṛtvā vasedbalī / dhanurdurgaṃ mahīdurgaṃ naradurgaṃ tathaiva ca //
Nachdem der Mächtige dort eine der sechs (Arten von) Festungen errichtet hat, soll er (darin) wohnen: die Wüstenfestung, die Erdfestung und ebenso die Männerfestung,
Wort für Wort
ṣaṇṇām ekatamam durgam
eine der sechs Festungen
kṛtvā vaset
errichtet habend wohne er
balī
der Mächtige
dhanva-durgam
Wüstenfestung
mahī-durgam
Erdfestung
nara-durgam
Männerfestung
dhanurdurgaṃ wohl für dhanvadurgaṃ (Festung, durch Wüste geschützt). naradurga: durch Truppen gebildete Festung.
Ich werde den Schutz des Königs verkünden: Der König ist vor Gift usw. zu schützen. Die fünf Teile des Śirīṣa (-Baumes), mit Urin zerrieben, vertreiben das Gift.
Wort für Wort
rāja-rakṣām
den Schutz des Königs
rakṣyaḥ bhūpaḥ
der König ist zu schützen
viṣa-ādikāt
vor Gift usw.
pañca-aṅgaḥ śirīṣaḥ
die fünf Teile des Śirīṣa
mūtra-piṣṭaḥ
mit Urin zerrieben
viṣa-ardanaḥ
giftvertreibend
viṣāditaḥ wohl für viṣādikāt („vor Gift usw.“). pañcāṅga: Wurzel, Rinde, Blatt, Blüte, Frucht.
vāstulakṣaṇasaṃyukte vasan durge surānyajet / prajāś ca pālayedduṣṭāñjayeddānāni dāpayet //
In einer Festung wohnend, die mit den Merkmalen der Baukunde (vāstu) versehen ist, soll er die Götter verehren, die Untertanen schützen, die Bösen besiegen und Gaben verteilen lassen.
surālayāḥ pālanīyāḥ sthāpanīyāś ca devatāḥ / mṛṇmayāddārujaṃ puṇyaṃ dārujādiṣṭakāmayaṃ //
Tempel sind zu erhalten, und Götterbilder sind aufzustellen. Verdienstvoller als ein irdener (Tempel) ist ein hölzerner, als ein hölzerner ein Ziegelbau,
verdienstvoller als ein Ziegelbau ein steinerner, als ein steinerner einer aus Gold und Edelsteinen. Wer auch nur spielend einen Göttertempel baut, erlangt Genuss und Erlösung.
Wer Bilder [?], Gesang, Instrumentalmusik usw. und Schaustellungen usw. stiftet und die Gottheit mit Öl, Butterschmalz, Honig, Milch usw. badet, gelangt in den Himmel.
Wort für Wort
gīta-vādya-ādi
Gesang, Instrumentalmusik usw.
prekṣaṇīya-ādi-dāna-kṛt
Schaustellungen usw. stiftend
taila-ājya-madhu-dugdha-ādyaiḥ
mit Öl, Butterschmalz, Honig, Milch usw.
snāpya devam
die Gottheit badend
divam vrajet
gelangt in den Himmel
citrakvad verderbt, wohl citrakṛd („Bilder machend“) oder Teil des Kompositums.
Der König soll die Brahmanen ehren und schützen; er soll nicht das Eigentum eines Zweimalgeborenen rauben. Wer ein einziges Goldstück, eine einzige Kuh, auch nur einen Fingerbreit Land
raubt, gelangt in die Hölle bis zur Auflösung der Welt. Und er soll (einen Brahmanen) nicht hassen, auch wenn er schlechten Wandels ist, ja selbst wenn er in allen Sünden steht.
Es gibt nirgends eine schwerere Sünde als die Tötung eines Brahmanen. (Brahmanen) können einen Nicht-Gott zum Gott machen und einen Gott zum Nicht-Gott.
brāhmaṇā hi mahābhāgāstānnamasyetsadaiva tu / brāhmaṇī rudatī hanti kulaṃ rājyaṃ prajās tathā //
Denn die Brahmanen sind hochbegnadet; vor ihnen soll man sich stets verneigen. Eine weinende Brahmanin vernichtet Familie, Reich und ebenso die Untertanen.
Ist der Gatte gestorben, so gelangt eine Frau, die in Keuschheit verharrt, in den Himmel. Sie soll nicht am Haus anderer Gefallen finden und nicht streitsüchtig sein.
Die Verehrung der Śrī (Lakṣmī) ist zu vollziehen, (nämlich) das Kehren des Hauses usw. Am zwölften Mondtag im (Monat) Kārttika soll sie Viṣṇu (verehren) und ebenso eine Kuh mit Kalb schenken.
sāvitryā rakṣito bhartā satyācāravratena ca / saptamyāṃ mārgaśīrṣe tu site 'bhyarcya divākaraṃ //
Durch Sāvitrī wurde der Gatte gerettet, und zwar durch das Gelübde wahrhaftigen Wandels. Hat sie am siebten Tag der hellen (Monatshälfte) im Mārgaśīrṣa die Sonne verehrt,