Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 141: ṣaṭtriṃśatpadakajñānaṃ Die Kenntnis der sechsunddreißig Felder

Īśvara zählt sechsunddreißig Heilpflanzen und Stoffe auf, die in ein Diagramm aus 36 Feldern eingetragen und durchnummeriert werden, und lehrt ihre Zubereitungsformen als lebensverlängerndes „Totenerweckungsmittel“. Anschließend werden Feldkombinationen (durch Zahlen und Zahlsymbole bezeichnet) gegen Wind-, Galle- und Schleimleiden, Besessenheit und zur Unterwerfung genannt. Einzelne Zahlangaben sind unklar (V. 12, 14); Vacā ist doppelt aufgeführt.

īśvara uvāca | ṣaṭtriṃśatpadasaṃsthānāmoṣadhīnāṃ vade phalaṃ / amarīkaraṇaṃ nṛṇāṃ brahmarudrendrasevitaṃ //

Īśvara sprach: Ich verkünde die Frucht der Heilpflanzen, die in den sechsunddreißig Feldern stehen: das Unsterblich-Machen der Menschen, das von Brahmā, Rudra und Indra gepflegt wird.

Wort für Wort
ṣaṭtriṃśat-pada-saṃsthānām
der in 36 Feldern stehenden
oṣadhīnām
der Heilpflanzen
phalam
Frucht, Wirkung
amarī-karaṇam
Unsterblich-Machen
brahma-rudra-indra-sevitam
von Brahmā, Rudra, Indra gepflegt

harītakyakṣyadhātrāś ca marīcampippalīśiphā / vahniḥ śuṇṭhī pippalī ca guḍūcīvacanimbakāḥ //

Harītakī, Akṣa (Vibhītaka), Dhātrī (Āmalakī), Pfeffer, Pippalī-Wurzel, Vahni (Citraka), trockener Ingwer, Pippalī, Guḍūcī, Vacā, Nimba,

Wort für Wort
harītakī
Harītakī (Myrobalane)
akṣa
Akṣa (Vibhītaka)
dhātrī
Dhātrī (Āmalakī)
marīcam
Pfeffer
pippalī-śiphā
Pippalī-Wurzel
śuṇṭhī
trockener Ingwer

vāsakaḥ śatamūlī ca saindhavaṃ sindhuvārakaṃ / kaṇṭakārī gokṣurakā vilvampaunarnavaṃ balā //

Vāsaka, Śatamūlī, Steinsalz, Sindhuvāraka, Kaṇṭakārī, Gokṣuraka, Bilva, Punarnavā, Balā,

Wort für Wort
vāsakaḥ
Vāsaka (Pflanze)
śatamūlī
Śatamūlī (Śatāvarī)
saindhavam
Steinsalz
kaṇṭakārī
Kaṇṭakārī (Nachtschattengewächs)
bilvam
Bilva(-Frucht)
balā
Balā (Pflanze)

eraṇḍamuṇḍī rucako bhṛṅgaḥ kṣāro 'tha parpaṭaḥ / dhanyāko jīrakaś caiva śatapuṣyī javānikā //

Eraṇḍa (Rizinus), Muṇḍī, Rucaka, Bhṛṅga, Kṣāra (Alkali), dann Parpaṭa, Koriander, Kreuzkümmel, Śatapuṣpī und Yavānī,

Wort für Wort
eraṇḍa
Rizinus
kṣāraḥ
Alkali, Laugensalz
dhanyākaḥ
Koriander
jīrakaḥ
Kreuzkümmel
śatapuṣpī
Śatapuṣpī (Dill)
yavānikā
Yavānī (Ajowan)

javānikā = yavānikā.

viḍaṅgaḥ khadiraś caiva kṛtamālo haridrayā / vacā siddhārtha etāni ṣaṭtriṃśatpadagāni hi //

Viḍaṅga, Khadira, Kṛtamāla, Gelbwurz, Vacā und Siddhārtha (weißer Senf) – diese befinden sich in den sechsunddreißig Feldern.

Wort für Wort
viḍaṅgaḥ
Viḍaṅga (Pflanze)
khadiraḥ
Khadira (Katechu-Baum)
haridrā
Gelbwurz
siddhārthaḥ
weißer Senf
ṣaṭtriṃśat-pada-gāni
in den 36 Feldern befindlich

Vacā erscheint zweimal in der Liste (V. 2 und V. 5); insgesamt ergeben sich 36 Einträge.

kramādekādisañjñāni hy aupadhāni mahānti hi / sarvarogaharāṇi syuramarīkaraṇāni ca //

Der Reihe nach mit den Zahlen eins usw. bezeichnet, sind diese Heilmittel mächtig; sie beseitigen alle Krankheiten und machen unsterblich,

Wort für Wort
kramāt
der Reihe nach
eka-ādi-sañjñāni
mit eins usw. bezeichnet
auṣadhāni mahānti
mächtige Heilmittel
sarva-roga-harāṇi
alle Krankheiten beseitigend
amarī-karaṇāni
unsterblich machend

aupadhāni ist Tippfehler für auṣadhāni.

balīpalitabhettṝṇi sarvakoṣṭhagatāni tu / eṣāṃ cūrṇañca vaṭikā rasena paribhāvitā //

vertreiben Runzeln und graues Haar, [gleich ob] in welchem Feld sie stehen. Ihr Pulver und eine mit Saft durchtränkte Pille,

Wort für Wort
valī-palita-bhettṝṇi
Runzeln und graues Haar vertreibend
sarva-koṣṭha-gatāni
in allen Feldern befindlich
cūrṇam
Pulver
vaṭikā
Pille
rasena paribhāvitā
mit Saft durchtränkt

balī = valī.

avalehaḥ kaṣāyo vā modako guḍakhaṇḍakaḥ / madhuto dhṛtato vāpi ghṛtantailamathāpi vā //

eine Latwerge, ein Absud oder ein Kügelchen, ein Stück Rohzucker, mit Honig oder mit Butterschmalz, als Schmalz oder auch als Öl –

Wort für Wort
avalehaḥ
Latwerge
kaṣāyaḥ
Absud
modakaḥ
Kügelchen, Süßkloß
guḍa-khaṇḍakaḥ
Stück Rohzucker
madhutaḥ ghṛtataḥ
mit Honig, mit Schmalz
tailam
Öl

sarvātmanopayuktaṃ hi mṛtasañjīvanambhavet / karṣārdhaṃ karṣamekaṃ vā palārdhaṃ palamekakaṃ //

auf jede Weise angewandt, wird es zu einem Wiederbeleber der Toten. [Nimmt man davon] einen halben Karṣa oder einen Karṣa, einen halben Pala oder einen Pala,

Wort für Wort
sarva-ātmanā
auf jede Weise
upayuktam
angewandt
mṛta-sañjīvanam
Wiederbeleber der Toten
karṣa-ardham
einen halben Karṣa
palam ekakam
einen Pala

yatheṣṭācāranirato jīvedvarṣaśatatrayaṃ / mṛtasañjīvanīkalpe yogo nāsmāt paro 'sti hi //

so lebt man, ganz nach Belieben lebend, dreihundert Jahre. In der Vorschrift zur Totenerweckung gibt es kein höheres Rezept als dieses.

Wort für Wort
yatheṣṭa-ācāra-nirataḥ
nach Belieben lebend
jīvet
man lebt
varṣa-śata-trayam
dreihundert Jahre
mṛta-sañjīvanī-kalpe
in der Vorschrift der Totenerweckung
yogaḥ
Rezept

prathamānnavakādyogāt sarvarogaiḥ pramucyate / dvitīyācca tṛtīyācca caturthānmucyate rujaḥ //

Durch das Rezept aus der ersten Neunergruppe wird man von allen Krankheiten befreit; durch die zweite, dritte und vierte wird man von Leiden befreit.

Wort für Wort
prathamāt navakāt
aus der ersten Neunergruppe
sarva-rogaiḥ pramucyate
wird von allen Krankheiten befreit
dvitīyāt
durch die zweite
rujaḥ
von Leiden

evaṃ ṣaṭkācca prathamād dvitīyācca tṛtīyataḥ / caturthātpañcamāt ṣaṣṭhāttathā navacatuṣkataḥ //

Ebenso [wirken die Rezepte] aus der ersten Sechsergruppe, der zweiten und dritten, der vierten, fünften und sechsten, ebenso aus den Vierergruppen der Neunerreihe [?].

Wort für Wort
ṣaṭkāt prathamāt
aus der ersten Sechsergruppe
tṛtīyataḥ
aus der dritten
pañcamāt ṣaṣṭhāt
aus der fünften, sechsten
nava-catuṣkataḥ
aus den Vierergruppen der Neuner

navacatuṣkataḥ ist unklar.

ekaditricatuḥpañcaṣaṭsaptāṣṭamato 'nilāt / agnibhāskaraṣaḍviṃśasaptaviṃśaiś ca pittataḥ //

Durch [die Felder] eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben und acht [wird man] vom Wind(-leiden) [befreit]; durch Feuer (3), Sonne (12), sechsundzwanzig und siebenundzwanzig von der Galle.

Wort für Wort
eka-dvi-tri-catuḥ-pañca
eins, zwei, drei, vier, fünf
anilāt
vom Wind(-leiden)
agni
Feuer (3)
bhāskara
Sonne (12)
pittataḥ
von der Galle

ekadi für ekadvi.

vāṇartuśailavasubhistithibhirmucyate kaphāt / vedāgnibhirbāṇaguṇaiḥ ṣadguṇaiḥ syādvaśe dhṛte //

Durch Pfeil (5), Jahreszeit (6), Berg (7), Vasu (8) und Mondtage (15) wird man vom Schleim befreit. Durch 34, 35 und 36 [?]: Getragen, bewirkt es Unterwerfung.

Wort für Wort
bāṇa-ṛtu-śaila-vasubhiḥ
durch Pfeil, Jahreszeit, Berg, Vasu
kaphāt
vom Schleim
veda-agnibhiḥ
durch Veda-Feuer (34)
bāṇa-guṇaiḥ
durch Pfeil-Guṇa (35)
vaśe dhṛte
getragen zur Unterwerfung

vedāgni, bāṇaguṇa, ṣaḍguṇa sind wohl als zusammengesetzte Zahlen zu lesen (Stellen von rechts nach links: 34, 35, 36).

grahādigrahaṇāntaiś ca sarvair eva vimucyate / ekadvitrirasaiḥ śailair vasugrahaśivaiḥ kramāt //

Von [Leiden durch] Planeten(-Dämonen) und dergleichen bis hin zu Besessenheit wird man durch alle befreit. Durch eins, zwei, drei, Geschmack (6), Berge (7), Vasu (8), Planet (9), Śiva (11) der Reihe nach

Wort für Wort
graha-ādi-grahaṇa-antaiḥ
von Planetendämonen bis Besessenheit
vimucyate
wird befreit
rasaiḥ
Geschmack (6)
śailaiḥ
Berge (7)
vasu-graha-śivaiḥ
Vasu (8), Planet (9), Śiva (11)

dvātriṃśattithisūryaiś ca nātra kāryā vicāraṇā / ṣaṭtriṃśatpadakajñānaṃ na deyaṃ yasya kasya cit //

und durch zweiunddreißig, Mondtag (15) und Sonne (12) [wird dasselbe erreicht]; hier ist keine Überlegung anzustellen. Das Wissen um die sechsunddreißig Felder darf nicht jedem Beliebigen gegeben werden.

Wort für Wort
dvātriṃśat
zweiunddreißig
tithi-sūryaiḥ
durch Mondtag (15) und Sonne (12)
na atra kāryā vicāraṇā
hier ist keine Überlegung anzustellen
ṣaṭtriṃśat-padaka-jñānam
Wissen um die 36 Felder
na deyam
nicht zu geben

Das Ergebnis der in V. 15–16 genannten Kombination wird nicht ausdrücklich genannt.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks