Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 208: vratadānādisamuccayaḥ Zusammenfassung der Gelübde, Gaben und dergleichen

Agni fasst die allgemeinen Regeln für Gelübde und Gaben zusammen: alle Zeitpunkte und Gegenstände unterstehen Viṣṇu, dessen Machtentfaltungen die übrigen Götter sind. Es folgen die Anrufungsformel mit den Verehrungsdiensten und die allgemeine Gabenformel an einen Brahmanen. Das Kolophon (mit Schreibfehler āgenye) nennt das Kapitel vratadānasamuccaya.

agnir uvāca | vratadānāni sāmānyaṃ pravadāmi samāsataḥ / tithau pratipadādau ca sūryādau kṛttikāsu ca //

Agni sprach: Die Gelübde und Gaben im Allgemeinen verkünde ich in Kürze: an den Mondtagen, beginnend mit dem ersten (Pratipad), an den Wochentagen, beginnend mit dem Sonntag, an den Mondhäusern, beginnend mit den Kṛttikās,

Wort für Wort
vrata-dānāni sāmānyam
Gelübde und Gaben im Allgemeinen
pravadāmi samāsataḥ
ich verkünde in Kürze
tithau pratipad-ādau
am Mondtag, beginnend mit dem ersten
sūrya-ādau
an [Wochentagen] beginnend mit dem Sonntag
kṛttikāsu
an [den Mondhäusern ab] Kṛttikā

viṣkambhādau ca meṣādau kāle ca grahaṇādike / yat kāle yad vrataṃ dānaṃ yad dravyaṃ niyamādi yat //

an den Yogas, beginnend mit Viṣkambha, an den Tierkreiszeichen, beginnend mit dem Widder, und zur Zeit der Finsternis und dergleichen: welches Gelübde, welche Gabe zu welcher Zeit, welche Substanz, welche Observanz und dergleichen,

Wort für Wort
viṣkambha-ādau
an [Yogas] ab Viṣkambha
meṣa-ādau
an [Zeichen] ab dem Widder
kāle grahaṇa-ādike
zur Zeit der Finsternis usw.
yat vratam dānam
welches Gelübde, welche Gabe
yat dravyam niyama-ādi
welche Substanz, welche Observanz usw.

tad dravyākhyañca kālākhyaṃ sarvaṃ vai viṣṇudaivataṃ / ravīśabrahmalakṣmyādyāḥ sarve viṣṇorvibhūtayaḥ //

das nach der Substanz Benannte und das nach der Zeit Benannte – alles hat Viṣṇu zur Gottheit; Ravi, Īśa, Brahmā, Lakṣmī und die übrigen sind alle Machtentfaltungen (vibhūti) Viṣṇus.

Wort für Wort
dravya-ākhyam kāla-ākhyam
nach Substanz bzw. Zeit benannt
sarvam viṣṇu-daivatam
alles hat Viṣṇu als Gottheit
ravi-īśa-brahma-lakṣmī-ādyāḥ
Sonne, Śiva, Brahmā, Lakṣmī usw.
viṣṇoḥ vibhūtayaḥ
Machtentfaltungen Viṣṇus

tamuddiśya vrataṃ dānaṃ pūjādi syāttu sarvadaṃ / jagatpate samāgaccha āsanaṃ pādyamarghyakaṃ //

Auf ihn gerichtet, gewährt Gelübde, Gabe, Verehrung usw. alles. [Die Formel lautet:] „Herr der Welt, komm herbei! Sitz, Fußwasser, Arghya,

Wort für Wort
tam uddiśya
auf ihn gerichtet
vratam dānam pūjā-ādi
Gelübde, Gabe, Verehrung usw.
syāt sarva-dam
ist allgewährend
jagat-pate samāgaccha
Herr der Welt, komm herbei
āsanam pādyam arghyakam
Sitz, Fußwasser, Arghya

madhuparkaṃ tathācāmaṃ snānaṃ vastañca gandhakaṃ / puṣpaṃ dhūpaś ca dīpaś ca naivedyādi namo 'stu te //

Honigtrank (Madhuparka), ebenso Mundspülwasser, Bad, Gewand und Duftstoff, Blume, Räucherwerk und Lampe, Speiseopfer und das Übrige – Verehrung sei dir!“

Wort für Wort
madhuparkam
Madhuparka (Honigtrank)
ācāmam
Mundspülwasser
snānam vastram gandhakam
Bad, Gewand, Duftstoff
puṣpam dhūpaḥ dīpaḥ
Blume, Räucherwerk, Lampe
naivedya-ādi namaḥ astu te
Speiseopfer usw., Verehrung dir

vastañca ist Schreibfehler für vastrañca.

iti pūjāvrate dāne dānavākyaṃ samaṃ śṛṇu / adyāmukasagotrāya viprāyāmukaśarmaṇe //

So [bei] Verehrung, Gelübde und Gabe. Höre die für alle gleiche Gabenformel: „Heute dem Brahmanen N. N. (amuka-śarman) aus dem Geschlecht N. N.

Wort für Wort
iti pūjā-vrate dāne
so bei Verehrung, Gelübde, Gabe
dāna-vākyam samam śṛṇu
höre die gleichlautende Gabenformel
adya
heute
amuka-sa-gotrāya
dem aus dem Geschlecht N. N.
viprāya amuka-śarmaṇe
dem Brahmanen N. N. Śarman

etad dravyaṃ viṣṇudaivaṃ sarvapāpopaśāntaye / āyurārogyavṛddhyarthaṃ saubhāgyādivivṛddhaye //

[gebe ich] diese Substanz, die Viṣṇu zur Gottheit hat, zur Befriedung aller Sünden, zur Mehrung von Lebensdauer und Gesundheit, zur Mehrung von Glück und dergleichen,

Wort für Wort
etat dravyam viṣṇu-daivam
diese Substanz mit Viṣṇu als Gottheit
sarva-pāpa-upaśāntaye
zur Befriedung aller Sünden
āyuḥ-ārogya-vṛddhi-artham
zur Mehrung von Leben und Gesundheit
saubhāgya-ādi-vivṛddhaye
zur Mehrung von Glück usw.

gotrasantativṛddhyarthaṃ vijayāya dhanāya ca / dharmāyaiśvaryakāmāya tatpāpaśamanāya ca //

zur Mehrung der Nachkommenschaft des Geschlechts, zum Sieg und zum Reichtum, für Dharma, Herrschaft und Wunscherfüllung und zur Tilgung jener Sünde,

Wort für Wort
gotra-santati-vṛddhi-artham
zur Mehrung der Nachkommen des Geschlechts
vijayāya dhanāya ca
zum Sieg und Reichtum
dharmāya aiśvarya-kāmāya
für Dharma, Herrschaft und Wunsch
tat-pāpa-śamanāya
zur Tilgung jener Sünde

saṃsāramuktaye dānantubhyaṃ sampradade hy ahaṃ / etaddānapratiṣṭhārthaṃ tubhyametad dadāmyahaṃ //

zur Befreiung vom Saṃsāra übergebe ich dir die Gabe. Zur Befestigung dieser Gabe gebe ich dir dies [als Opferlohn].

Wort für Wort
saṃsāra-muktaye
zur Befreiung vom Kreislauf
dānam tubhyam sampradade
die Gabe übergebe ich dir
etat-dāna-pratiṣṭhā-artham
zur Befestigung dieser Gabe
tubhyam etat dadāmi aham
dir gebe ich dies

etena prīyatāṃ nityaṃ sarvalokapatiḥ prabhuḥ / yajñadānavratapate vidyākīrtyādi dehi me //

Dadurch möge der Herr, der Gebieter aller Welten, stets erfreut sein. Herr der Opfer, Gaben und Gelübde, gib mir Wissen, Ruhm und dergleichen,

Wort für Wort
etena prīyatām nityam
dadurch sei stets erfreut
sarva-loka-patiḥ prabhuḥ
der Herr, Gebieter aller Welten
yajña-dāna-vrata-pate
o Herr der Opfer, Gaben, Gelübde
vidyā-kīrti-ādi dehi me
gib mir Wissen, Ruhm usw.

dharmakāmārthamokṣāṃś ca dehi me manasepsitaṃ / yaḥ paṭhecchṛṇuyānnityaṃ vratadānasamuccayaṃ //

gib mir Dharma, Kāma, Artha und Mokṣa, das im Geist Ersehnte!“ Wer stets diese Zusammenfassung der Gelübde und Gaben liest oder hört,

Wort für Wort
dharma-kāma-artha-mokṣān
Pflicht, Lust, Nutzen, Erlösung
manasā īpsitam
das im Geist Ersehnte
yaḥ paṭhet śṛṇuyāt nityam
wer stets liest oder hört
vrata-dāna-samuccayam
die Zusammenfassung der Gelübde und Gaben

sa prāptakāmo vimalo bhuktimuktimavāpnuyāt / tithivārarkṣasaṅkrāntiyogamanvādikaṃ vrataṃ //

der erlangt seine Wünsche, wird makellos und erlangt Genuss und Erlösung. Das Gelübde nach Mondtag, Wochentag, Mondhaus, Sonneneintritt (Saṅkrānti), Yoga, Manu-Anfangstag und dergleichen

Wort für Wort
saḥ prāpta-kāmaḥ vimalaḥ
der hat seine Wünsche erlangt, ist makellos
bhukti-muktim avāpnuyāt
erlangt Genuss und Erlösung
tithi-vāra-ṛkṣa-saṅkrānti-yoga
Mondtag, Wochentag, Mondhaus, Sonneneintritt, Yoga
manu-ādikam vratam
Gelübde an Manu-Anfangstagen usw.

naikadhā vāsudevāderniyamāt pūjanādbhavet //

entsteht in vielfacher Weise durch die regelgemäße Verehrung Vāsudevas und der übrigen [Gottheiten].

Wort für Wort
na ekadhā
nicht auf eine Weise, vielfach
vāsudeva-ādeḥ
Vāsudevas und der übrigen
niyamāt
gemäß der Regel
pūjanāt bhavet
entsteht durch Verehrung

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