Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 255: dāyavibhāgakathanam Darlegung der Erbteilung

Das Kapitel regelt die Teilung des Familienvermögens durch den Vater und nach dem Tod der Eltern, das nicht teilbare Eigengut, die Anteile nach dem Stand der Mütter, die zwölf Arten von Söhnen und ihre Erbfolge, die Erbfolge bei Sohnlosen und Asketen, wiedervereinigte Teilhaber, Erbunfähige, das Frauengut (strīdhana) und den Nachweis einer erfolgten Teilung. Einige Stellen des Digitalisats sind verderbt (u. a. V. 3, 7, 26, 32) und nach dem Sinnzusammenhang übersetzt.

agnir uvāca | vibhāgañcet pitā kuryādicchayā vibhajet sutān / jyeṣṭhaṃ vā śreṣṭhabhāgena sarve vā syuḥ samāṃśinaḥ //

Agni sprach: Wenn der Vater die Teilung vornimmt, mag er die Söhne nach Belieben abteilen: entweder den Ältesten mit dem besten Anteil, oder alle sollen gleiche Anteile erhalten.

Wort für Wort
agniḥ uvāca
Agni sprach
vibhāgam cet pitā kuryāt
wenn der Vater die Teilung vornimmt
icchayā vibhajet sutān
teile er die Söhne nach Belieben ab
jyeṣṭham śreṣṭha-bhāgena
den Ältesten mit dem besten Anteil
sama-aṃśinaḥ
gleiche Anteile habend

yadi dadyāt samānaṃśān kāryāḥ patnyaḥ samāṃśikāḥ / na dattaṃ strīdhanaṃ yāsāṃ bhartrā vā śvaśurena vā //

Gibt er gleiche Anteile, so sind (auch) die Gattinnen zu Gleichanteiligen zu machen, denen vom Gatten oder vom Schwiegervater kein Frauengut gegeben wurde.

Wort für Wort
samān aṃśān dadyāt
gibt er gleiche Anteile
patnyaḥ sama-aṃśikāḥ kāryāḥ
die Gattinnen sind gleichanteilig zu machen
na dattam strī-dhanam
kein Frauengut gegeben
bhartrā śvaśureṇa vā
vom Gatten oder Schwiegervater

„samānaṃśān“ für „samān aṃśān“; „śvaśurena“ für „śvaśureṇa“.

śaktasthānīhamānasya kiñciddatvā pṛthak kriyā / nyūnādhikavibhaktānāṃ dharmyaś ca pitṛnā kṛtaḥ //

Einem, der (selbst) fähig ist und nichts begehrt, gibt man etwas und scheidet ihn (so) ab. Eine vom Vater vorgenommene (Teilung) unter mit geringeren oder größeren (Anteilen) Bedachten ist rechtmäßig.

Wort für Wort
śaktasya anīhamānasya
des Fähigen, nichts Begehrenden
kiñcit dattvā
etwas gebend
pṛthak kriyā
Abscheidung
nyūna-adhika-vibhaktānām
der mit geringeren oder größeren Teilen Bedachten
dharmyaḥ pitṛṇā kṛtaḥ
vom Vater vorgenommen ist rechtmäßig

„śaktasthānīhamānasya“ gelesen als „śaktasyānīhamānasya“.

vibhajeyuḥ sutāḥ pitrorūrdhvamṛkthamṛṇaṃ samam / māturduhitaraḥ śeṣamṛṇāttābhya ṛte 'nnayaḥ //

Nach (dem Tod) beider Eltern sollen die Söhne Vermögen und Schulden gleich teilen. Das nach (Tilgung) der Schuld verbleibende (Gut) der Mutter (erhalten) die Töchter, in ihrer Ermangelung die Nachkommen.

Wort für Wort
vibhajeyuḥ sutāḥ
die Söhne sollen teilen
pitroḥ ūrdhvam
nach den Eltern
ṛktham ṛṇam samam
Vermögen und Schulden gleich
mātuḥ duhitaraḥ
(das Gut) der Mutter die Töchter
śeṣam ṛṇāt
das nach der Schuld Verbleibende
tābhyaḥ ṛte anvayaḥ
ohne sie die Nachkommen

„ṛte 'nnayaḥ“ für „ṛte 'nvayaḥ“.

pitṛdravyāvināśena yadanyat svayamarjayet / maitramaudvāhikañcaiva dāyādānānna tadbhavet //

Was jemand ohne Schmälerung des väterlichen Vermögens selbst erwirbt, (etwa) ein Freundesgeschenk oder eine Hochzeitsgabe, das fällt nicht den Miterben zu.

Wort für Wort
pitṛ-dravya-avināśena
ohne Schmälerung des väterlichen Vermögens
svayam arjayet
selbst erwirbt
maitram
Freundesgeschenk
audvāhikam
Hochzeitsgabe
dāyādānām na tat bhavet
gehört nicht den Miterben

sāmānyārthasamutthāne vibhāgastu samaḥ smṛtaḥ / anekapitṛkāṇāntu pitṛto bhāgakalpanā //

Beim Erwerb aus gemeinsamem Vermögen gilt die Teilung als gleich. Bei (Söhnen) verschiedener Väter aber wird die Bemessung der Anteile nach den Vätern vorgenommen.

Wort für Wort
sāmānya-artha-samutthāne
beim Erwerb aus gemeinsamem Vermögen
vibhāgaḥ samaḥ
die Teilung ist gleich
aneka-pitṛkāṇām
bei (Söhnen) verschiedener Väter
pitṛtaḥ bhāga-kalpanā
Bemessung der Anteile nach den Vätern

bhūryāpitā mahopāttā nibandho dravyameva vā / tatra syāt sadṛśaṃ svāmyaṃ pituḥ putrasya cobhayoḥ //

Grund und Boden, der vom Großvater erworben wurde, eine feste Rente (nibandha) oder auch bewegliches Gut: daran haben Vater und Sohn beide gleiches Eigentum.

Wort für Wort
bhūḥ
Grund und Boden
pitāmaha-upāttā
vom Großvater erworben
nibandhaḥ
feste Rente
dravyam
bewegliches Gut
sadṛśam svāmyam
gleiches Eigentum
pituḥ putrasya ca
des Vaters und des Sohnes

„bhūryāpitā mahopāttā“ gelesen als „bhūr yā pitāmahopāttā“.

vibhakteṣu suto jātaḥ savarṇāyāṃ vibhāgabhāk / dṛśyādvā tadvibhāgaḥ syādāyavyayaviśodhitāt //

Ein nach der Teilung von einer Frau gleichen Standes geborener Sohn hat Anteil an der Teilung; oder sein Anteil werde aus dem sichtbaren (Besitz der Brüder) bestimmt, nach Verrechnung von Einnahmen und Ausgaben.

Wort für Wort
vibhakteṣu
wenn geteilt ist
sutaḥ jātaḥ
ein geborener Sohn
savarṇāyām
von einer Frau gleichen Standes
vibhāga-bhāk
hat Teil an der Teilung
āya-vyaya-viśodhitāt
nach Verrechnung von Einnahmen und Ausgaben

kramādabhyāgataṃ dravyaṃ hṛtamabhyuddharecca yaḥ / dāyādebhyo na taddadyādvidyayā labdhameva ca //

Wer von den Vorfahren überkommenes, (aber) geraubtes Gut wiedererlangt, soll es nicht den Miterben geben, ebenso wenig das durch Gelehrsamkeit Erworbene.

Wort für Wort
kramāt abhyāgatam dravyam
von den Vorfahren überkommenes Gut
hṛtam
geraubt
abhyuddharet
wiedererlangt
dāyādebhyaḥ na dadyāt
soll es nicht den Miterben geben
vidyayā labdham
durch Gelehrsamkeit erworben

pitṛbhyāṃ yasya yaddattaṃ tattasyaiva dhanaṃ bhavet / piturūrdhvaṃ vibhajatāṃ mātāpyaṃśaṃ samaṃ haret //

Was jemandem von den Eltern gegeben wurde, das ist sein eigenes Vermögen. Teilen (die Söhne) nach (dem Tod) des Vaters, soll auch die Mutter einen gleichen Anteil erhalten.

Wort für Wort
pitṛbhyām yasya yat dattam
was jemandem von den Eltern gegeben wurde
tasya eva dhanam
ist sein eigenes Vermögen
pituḥ ūrdhvam vibhajatām
wenn sie nach dem Vater teilen
mātā api
auch die Mutter
aṃśam samam haret
soll gleichen Anteil erhalten

asaṃskṛtāstu saṃskāryā bhrātṛbhiḥ pūrvasaṃskṛtaiḥ / bhāginyaś ca nijādaṃśāddatvāṃśantu turīyakaṃ //

Die noch nicht (durch Weihen) Geweihten sollen von den bereits geweihten Brüdern geweiht werden, und die Schwestern, indem (die Brüder) ihnen ein Viertel ihres eigenen Anteils geben.

Wort für Wort
asaṃskṛtāḥ
die Ungeweihten
saṃskāryāḥ
sind zu weihen
bhrātṛbhiḥ pūrva-saṃskṛtaiḥ
von den bereits geweihten Brüdern
bhaginyaḥ
die Schwestern
nijāt aṃśāt
vom eigenen Anteil
turīyakam
ein Viertel

catuḥstridvyekabhāgāḥ syurvarṇaśo brāhmaṇātmajāḥ / kṣatrajāstridvyekabhāgā viḍjāstu dvyekabhāginaḥ //

Die Söhne eines Brahmanen erhalten nach dem Stand (der Mutter) vier, drei, zwei oder einen Anteil; die eines Kṣatriya drei, zwei oder einen; die eines Vaiśya zwei oder einen Anteil.

Wort für Wort
catuḥ-tri-dvi-eka-bhāgāḥ
vier, drei, zwei, ein Anteil
varṇaśaḥ
nach dem Stand
brāhmaṇa-ātmajāḥ
Söhne eines Brahmanen
kṣatra-jāḥ
Söhne eines Kṣatriya
viṭ-jāḥ
Söhne eines Vaiśya

anyonyāpahṛtaṃ dravyaṃ vibhakte yattu dṛśyate / tat punaste samair aṃśair vibhajeranniti sthitiḥ //

Was an gegenseitig entzogenem Gut nach der Teilung zum Vorschein kommt, das sollen sie erneut zu gleichen Teilen teilen: so ist die Regel.

Wort für Wort
anyonya-apahṛtam dravyam
gegenseitig entzogenes Gut
vibhakte dṛśyate
kommt nach der Teilung zum Vorschein
punaḥ
erneut
samaiḥ aṃśaiḥ vibhajeran
sollen zu gleichen Teilen teilen
iti sthitiḥ
so die Regel

aputreṇa parakṣetre niyogotpāditaḥ sutaḥ / ubhayorapyasāvṛkthī piṇḍadātā ca dharmataḥ //

Der Sohn, der auf Geheiß (niyoga) eines Sohnlosen im Feld (d. h. mit der Frau) eines anderen gezeugt wurde, ist nach dem Dharma Erbe und Spender der Totenklöße für beide.

Wort für Wort
aputreṇa
von einem Sohnlosen
para-kṣetre
im Feld eines anderen
niyoga-utpāditaḥ sutaḥ
durch Niyoga gezeugter Sohn
ubhayoḥ ṛkthī
Erbe beider
piṇḍa-dātā
Spender der Totenklöße

auraso dharmapatnījastatsamaḥ putrikāsutaḥ / kṣetrajaḥ kṣetrajātastu sagotreṇetareṇa vā //

Der leibliche Sohn (aurasa) ist der von der rechtmäßigen Gattin geborene; ihm gleich ist der Sohn der bestellten Tochter (putrikāsuta). Der Kṣetraja ist der im Feld (von der Gattin) Geborene, gezeugt von einem Gotra-Genossen oder einem anderen.

Wort für Wort
aurasaḥ
der leibliche Sohn
dharma-patnī-jaḥ
von der rechtmäßigen Gattin geboren
putrikā-sutaḥ
Sohn der bestellten Tochter
kṣetra-jaḥ
im Feld Geborener
sa-gotreṇa itareṇa vā
von einem Gotra-Genossen oder anderen

gṛhe pracchanna utpanno gūḍhajastu sutaḥ smṛtaḥ / kānīnaḥ kanyakājāto mātāmahasuto mataḥ //

Der heimlich im Haus Geborene gilt als Gūḍhaja (heimlich Geborener). Der Kānīna ist der von einem unverheirateten Mädchen Geborene; er gilt als Sohn des Großvaters mütterlicherseits.

Wort für Wort
gṛhe pracchannaḥ utpannaḥ
heimlich im Haus geboren
gūḍha-jaḥ
heimlich Geborener
kānīnaḥ
Mädchensohn
kanyakā-jātaḥ
von einem Mädchen geboren
mātāmaha-sutaḥ
Sohn des Großvaters mütterlicherseits

kṣatāyāmakṣatāyāṃ vā jātaḥ paunarbhavaḥ sutaḥ / dadyānmātā pitā vā yaṃ sa putrī dattako bhavet //

Der von einer (bereits) berührten oder unberührten (wiederverheirateten Frau) Geborene ist der Paunarbhava. Wen Mutter oder Vater (fort)geben, der ist der gegebene Sohn (dattaka).

Wort für Wort
kṣatāyām akṣatāyām vā
von einer berührten oder unberührten
paunarbhavaḥ
Sohn der Wiederverheirateten
dadyāt mātā pitā vā
Mutter oder Vater geben
dattakaḥ
gegebener Sohn

„putrī“ wohl für „putro“.

krītaś ca tābhyāṃ vikrītaḥ kṛtrimaḥ syāt svyaṃ kṛtaḥ / dattātmā tu svayaṃ datto garbhe vittaḥ sahoḍhajaḥ //

Der von beiden (Eltern) verkaufte ist der gekaufte (krīta); der Kṛtrima ist der selbst (zum Sohn) gemachte; der Dattātman hat sich selbst gegeben; der Sahoḍhaja ist bereits im Mutterleib (mit der Braut) erworben.

Wort für Wort
krītaḥ
der Gekaufte
tābhyām vikrītaḥ
von beiden verkauft
kṛtrimaḥ
der Gemachte
datta-ātmā
der sich selbst Gebende
garbhe vittaḥ
im Mutterleib erworben
saha-ūḍha-jaḥ
mit der Braut Mitgeheirateter

„svyaṃ“ für „svayaṃ“; „vittaḥ“ im Sinn von „erworben“.

utsṛṣṭo gṛhyate yastu sopaviddho bhavet sutaḥ / piṇḍado 'ṃśaharaś caiṣāṃ pūrvābhāve paraḥ paraḥ //

Wer ausgesetzt (gefunden und) aufgenommen wird, ist der Apaviddha (verstoßene Sohn). Von diesen ist jeweils der folgende Spender der Totenklöße und Erbe, wenn der vorige fehlt.

Wort für Wort
utsṛṣṭaḥ gṛhyate
ausgesetzt, aufgenommen
apaviddhaḥ
Verstoßener
piṇḍadaḥ aṃśa-haraḥ
Klößespender und Erbe
pūrva-abhāve
beim Fehlen des vorigen
paraḥ paraḥ
jeweils der folgende

„sopaviddho“ = sa apaviddho.

sajātīyeṣvayaṃ proktastanayeṣu mayā vidhiḥ / jāto 'pi dāsyāṃ śūdrasya kāmato 'ṃśaharo bhavet //

Diese Regel habe ich für Söhne gleicher Kaste dargelegt. Auch der mit einer Sklavin gezeugte (Sohn) eines Śūdra kann nach Belieben (des Vaters) Anteil erhalten.

Wort für Wort
sajātīyeṣu tanayeṣu
bei Söhnen gleicher Kaste
ayam vidhiḥ
diese Regel
jātaḥ api dāsyām
auch von einer Sklavin geboren
śūdrasya
eines Śūdra
kāmataḥ aṃśa-haraḥ
nach Belieben Anteil erhaltend

mṛte pitari kuryustaṃ bhrātarastvardhabhāgikaṃ / abhrātṛko haret sarvaṃ duhitṝṇāṃ sutādṛte //

Ist der Vater gestorben, sollen die Brüder ihn zum Empfänger eines halben Anteils machen; hat er keine Brüder, erhält er alles, außer wenn es Söhne von Töchtern gibt.

Wort für Wort
mṛte pitari
wenn der Vater gestorben ist
bhrātaraḥ
die Brüder
ardha-bhāgikam
halb anteilig
abhrātṛkaḥ haret sarvam
der Bruderlose erhält alles
duhitṝṇām sutāt ṛte
außer bei einem Tochtersohn

patnī duhitaraś caiva pitaro bhrātaras tathā / tatsuto gotrajo bandhuḥ śiṣyaḥ sabrahmacāriṇaḥ //

Die Gattin, die Töchter, die Eltern, die Brüder ebenso, deren Söhne, ein Gotra-Genosse, ein Verwandter, ein Schüler, die Mitschüler –

Wort für Wort
patnī duhitaraḥ
Gattin, Töchter
pitaraḥ bhrātaraḥ
Eltern, Brüder
tat-sutaḥ gotra-jaḥ
deren Sohn, Gotra-Genosse
bandhuḥ śiṣyaḥ
Verwandter, Schüler
sa-brahmacāriṇaḥ
Mitschüler

eṣāmabhāve pūvasya dhanabhāguttarottaraḥ / svaryātsya hy aputrasya sarvavarṇeṣvayaṃ vidhiḥ //

beim Fehlen des jeweils vorigen dieser ist der jeweils folgende Erbe des Vermögens eines sohnlos in den Himmel Gegangenen. Diese Regel gilt für alle Stände.

Wort für Wort
eṣām abhāve pūrvasya
beim Fehlen des Früheren von diesen
dhana-bhāk
Erbe des Vermögens
uttara-uttaraḥ
der jeweils folgende
svar-yātasya aputrasya
des sohnlos Verstorbenen
sarva-varṇeṣu
für alle Stände

„pūvasya“ für „pūrvasya“; „svaryātsya“ für „svaryātasya“.

vānaprasthayatibrahmacāriṇāmṛkthabhāginaḥ / krameṇācāryasacchiṣyadharmabhrātrekatīrthinaḥ //

Erben der Waldeinsiedler, Asketen und Brahmacārins sind der Reihe nach: der Lehrer, der gute Schüler, der geistliche Bruder und der Glaubensgenosse (von derselben heiligen Stätte).

Wort für Wort
vānaprastha-yati-brahmacāriṇām
der Waldeinsiedler, Asketen, Brahmacārins
ṛktha-bhāginaḥ
Erben
ācārya-sat-śiṣya
Lehrer, guter Schüler
dharma-bhrātṛ
geistlicher Bruder
eka-tīrthinaḥ
Glaubensgenosse

saṃsṛṣṭinastu saṃsṛṣṭī sodarasya tu sodaraḥ / dadyāccāpahereccāṃśaṃ jātasya ca mṛtasya ca //

Den (nach der Teilung) wieder vereinigten (Teilhaber) beerbt der wieder vereinigte, den leiblichen Bruder aber der leibliche Bruder; er soll dem (später) Geborenen den Anteil abgeben und den des Verstorbenen nehmen.

Wort für Wort
saṃsṛṣṭinaḥ saṃsṛṣṭī
den Wiedervereinigten der Wiedervereinigte
sodarasya sodaraḥ
den leiblichen Bruder der leibliche Bruder
dadyāt apaharet ca aṃśam
gebe und nehme den Anteil
jātasya
des Geborenen
mṛtasya
des Verstorbenen

anyodaryastu saṃsṛṣṭī nānyodaryadhanaṃ haret / asaṃsṛṣtyapi cādadyātsodaryo nānyamānṛjaḥ //

Ein wieder vereinigter Bruder von anderer Mutter aber (erbt); ein (nicht wieder vereinigter) Bruder von anderer Mutter soll das Gut nicht nehmen [?]. Ein leiblicher Bruder mag es auch ohne Wiedervereinigung nehmen, nicht aber ein von anderer Mutter Geborener.

Wort für Wort
anyodaryaḥ saṃsṛṣṭī
wiedervereinigter Halbbruder
na dhanam haret
soll das Gut nicht nehmen
asaṃsṛṣṭī api
auch nicht wiedervereinigt
ādadyāt sodaryaḥ
der leibliche Bruder mag nehmen
na anya-mātṛ-jaḥ
nicht der von anderer Mutter

„anyodaryadhanaṃ“ als Kompositum überliefert; dem Sinn nach getrennt gelesen („nānyodaryo dhanaṃ haret“). „nānyamānṛjaḥ“ für „nānyamātṛjaḥ“.

patitastatsutaḥ klīvaḥ paṅgurunmattako jaḍaḥ / andho 'cikitsyarogādyā bhartavyāstu niraṃśakāḥ //

Ein Gefallener (Kastenloser), dessen Sohn, ein Impotenter, ein Lahmer, ein Wahnsinniger, ein Stumpfsinniger, ein Blinder, ein unheilbar Kranker usw. sind zu unterhalten, (erhalten) aber keinen Anteil.

Wort für Wort
patitaḥ tat-sutaḥ
der Gefallene, sein Sohn
klībaḥ paṅguḥ
Impotenter, Lahmer
unmattakaḥ jaḍaḥ andhaḥ
Wahnsinniger, Stumpfsinniger, Blinder
acikitsya-roga-ādyāḥ
unheilbar Kranke usw.
bhartavyāḥ niraṃśakāḥ
zu unterhalten, ohne Anteil

aurasāḥ kṣetrajāstveṣāṃ nirdoṣā bhāgahāriṇaḥ / sutāś caiṣāṃ prabhartavyā yāvadvai bhartṛsātkṛtāḥ //

Ihre leiblichen Söhne und Kṣetraja-Söhne aber erhalten, wenn sie ohne Makel sind, einen Anteil. Ihre Töchter sind zu unterhalten, bis sie einem Gatten übergeben sind.

Wort für Wort
aurasāḥ kṣetra-jāḥ
leibliche und Kṣetraja-Söhne
nirdoṣāḥ
ohne Makel
bhāga-hāriṇaḥ
erhalten Anteil
sutāḥ prabhartavyāḥ
die Töchter sind zu unterhalten
yāvat bhartṛ-sāt-kṛtāḥ
bis sie dem Gatten übergeben sind

aputrā yoṣitaś caiṣāṃ bhartavyāḥ sādhuvṛttayaḥ / nirvāsyā vyabhicāriṇyaḥ pratikūlāstathaiva ca //

Auch ihre sohnlosen Frauen von gutem Wandel sind zu unterhalten; ehebrecherische und widerspenstige aber sind auszuweisen.

Wort für Wort
aputrāḥ yoṣitaḥ
sohnlose Frauen
bhartavyāḥ
sind zu unterhalten
sādhu-vṛttayaḥ
von gutem Wandel
nirvāsyāḥ vyabhicāriṇyaḥ
ehebrecherische sind auszuweisen
pratikūlāḥ
widerspenstige

pitṛmātṛpatibhrātṛdattamadhyagnyupāgataṃ / ādhivedanikuñcaiva strīdhanaṃ parikīrtitaṃ //

Was von Vater, Mutter, Gatte oder Bruder gegeben oder am (Hochzeits-)Feuer empfangen wurde, und die Gabe bei der Hinzuheirat einer weiteren Frau wird Frauengut (strīdhana) genannt.

Wort für Wort
pitṛ-mātṛ-pati-bhrātṛ-dattam
von Vater, Mutter, Gatte, Bruder gegeben
adhyagni-upāgatam
am Feuer empfangen
ādhivedanikam
Gabe bei der Hinzuheirat
strī-dhanam
Frauengut
parikīrtitam
wird genannt

„-dattamadhyagnyupāgataṃ“ = dattam adhyagni-upāgatam.

bandhudattaṃ tathā śulkamanvādheyakameva ca / aprajāyāmatītāyāṃ bāndhavāstadavāpnuyuḥ //

Ebenso das von Verwandten Gegebene, der Brautpreis (śulka) und das nachträglich Gegebene (anvādheyaka). Stirbt sie kinderlos, sollen es die Verwandten erhalten.

Wort für Wort
bandhu-dattam
von Verwandten gegeben
śulkam
Brautpreis
anvādheyakam
nachträglich Gegebenes
aprajāyām atītāyām
wenn sie kinderlos stirbt
bāndhavāḥ avāpnuyuḥ
sollen die Verwandten erhalten

aprajāstrīdhanaṃ bhratturbrāhmyādiṣu caturṣvapi / duhitṛṇāṃ prasūtā cecchreṣe tu pitṛgāmi tat //

Das Frauengut einer Kinderlosen gehört bei den vier (Eheformen), beginnend mit der Brāhma-Ehe, dem Gatten; hat sie geboren, den Töchtern; bei den übrigen (Eheformen) aber geht es an den Vater.

Wort für Wort
aprajā-strī-dhanam
Frauengut der Kinderlosen
bhartuḥ
(gehört) dem Gatten
brāhma-ādiṣu caturṣu
bei den vier Eheformen ab Brāhma
duhitṝṇām prasūtā cet
den Töchtern, wenn sie geboren hat
śeṣe pitṛ-gāmi
bei den übrigen an den Vater gehend

„bhratturbrāhmyādiṣu“ für „bhartur brāhmyādiṣu“; „cechreṣe“ für „cec cheṣe“.

datvā kanyāṃ haran daṇḍyo vyayaṃ dadyācca sodayam / mṛtāyāṃ dattamādadyāt pariśodhyobhayavyayam //

Wer ein Mädchen (zur Ehe) versprochen hat und es wieder entzieht, ist zu bestrafen und soll die Aufwendungen (des Bräutigams) samt Zins erstatten. Stirbt sie, soll (der Bräutigam) das Gegebene zurücknehmen, nach Verrechnung der Aufwendungen beider Seiten.

Wort für Wort
dattvā kanyām haran
das versprochene Mädchen entziehend
daṇḍyaḥ
zu bestrafen
vyayam dadyāt sa-udayam
soll die Aufwendungen samt Zins erstatten
mṛtāyām
wenn sie stirbt
pariśodhya ubhaya-vyayam
nach Verrechnung beider Aufwendungen

durbhikṣe dharmakārye ca vyādhau saṃpratirodhake / gṛhītaṃ strīdhanaṃ bhartā na striye dātumarhati //

Was der Gatte bei Hungersnot, für eine religiöse Pflicht, bei Krankheit oder in Haft an Frauengut genommen hat, braucht er der Frau nicht zurückzugeben.

Wort für Wort
durbhikṣe
bei Hungersnot
dharma-kārye
für eine religiöse Pflicht
vyādhau
bei Krankheit
sampratirodhake
in Haft
gṛhītam strī-dhanam
genommenes Frauengut
na dātum arhati
braucht nicht zurückzugeben

adhivittastriyai dadyādadhivedanikaṃ samam / na dattaṃ srīdhanaṃ yasyai datte tvardhaṃ prakīrtitam //

Der Frau, zu der eine weitere hinzugeheiratet wurde, soll er eine gleich hohe Hinzuheiratsgabe geben, falls ihr kein Frauengut gegeben wurde; wurde es gegeben, so gilt die Hälfte.

Wort für Wort
adhivitta-striyai
der Frau, zu der hinzugeheiratet wurde
ādhivedanikam samam
gleich hohe Hinzuheiratsgabe
na dattam strī-dhanam yasyai
der kein Frauengut gegeben wurde
datte tu ardham
wenn gegeben, die Hälfte

„srīdhanaṃ“ für „strīdhanaṃ“.

vibhāganihnave jñātibandhusākṣyabhilekhitaiḥ / vibhāgabhāvanā jñeyā gṛhakṣetraiś ca yautikaiḥ //

Wird die (erfolgte) Teilung geleugnet, so ist der Nachweis der Teilung durch Blutsverwandte, (sonstige) Verwandte, Zeugen und Urkunden zu führen, ebenso durch gesondert (besessene) Häuser und Felder.

Wort für Wort
vibhāga-nihnave
bei Leugnung der Teilung
jñāti-bandhu
Blutsverwandte, Verwandte
sākṣi-abhilekhitaiḥ
durch Zeugen und Urkunden
vibhāga-bhāvanā
Nachweis der Teilung
gṛha-kṣetraiḥ yautakaiḥ
durch gesonderte Häuser und Felder

„yautikaiḥ“ als „yautakaiḥ“ (gesondert besessen) verstanden.

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