Īśvara spricht zu Gaurī über die Charaktere nach dem Herrn des Geburtszeichens, die Früchte der Planetenperioden, Siegesvorzeichen aus Atemströmung und Namenszahl und zahlreiche Kriegszauber: Bhairava-Meditation, Zerschlagung des feindlichen Heeres mit einer Namensfigur, das Garuḍa(Tārkṣya)-Rad, den Federwedel-Zauber, Zauber durch Klang, Schutz- und Mṛtyuñjaya-Yantras sowie die Bhelakhī-Vidyā. Die Mantras sind teils mittelindisch und stark verderbt (bes. V. 29 und 41); mehrere Verse vereinen Mantra und Vers in einer Einheit.
Īśvara sprach: Ich werde für den aus dem Mutterleib Geborenen die Wesensart nach dem Herrn des Zeichens (kṣetrādhipa) darlegen: nicht zu groß, mager, [dabei] stämmig [?], ebenmäßig gegliedert, hell und von galliger Natur,
Wort für Wort
garbha-jātasya
des aus dem Mutterleib Geborenen
kṣetra-adhipa-svarūpakam
Wesensart nach dem Herrn des Zeichens
na atidīrghaḥ
nicht zu groß
sama-aṅgaḥ
ebenmäßig gegliedert
gaura-paittikaḥ
hell und gallig
kṛśaḥ sthūlaḥ („mager, stämmig“) widersprechen sich; vielleicht als Alternativen gemeint.
rotäugig, tugendhaft, tapfer – [so ist, wer] im Haus der Sonne geboren wird. Beliebt und von sanfter Kraft ist, wer beim Aufgang des Mondhauses geboren ist.
Mit einem Übermaß an Wind(-Säfte), sehr gierig und dergleichen ist, wer im Haus des Sohnes der Erde (Mars) geboren ist. Verständig, beliebt und stolz ist, wer beim Aufgang des Hauses des Saumya (Merkur) geboren ist.
vṛhatkrodhaś ca śubhago jāto gurugṛhe naraḥ / tyāgo bhogo ca subhago jāto bhṛgugṛhodaye //
Sehr zornig und beliebt ist der Mann, der im Haus des Guru (Jupiter) geboren ist. Freigebig, genussfreudig und beliebt ist, wer beim Aufgang des Hauses des Bhṛgu (Venus) geboren ist.
Wort für Wort
bṛhat-krodhaḥ
sehr zornig
guru-gṛhe
im Haus des Jupiter
tyāgī
freigebig
bhogī
genussfreudig
bhṛgu-gṛha-udaye
beim Aufgang des Venushauses
vṛhat = bṛhat; tyāgo bhogo ist wohl für tyāgī bhogī verschrieben.
Verständig, beliebt und stolz ist der Mann, der im Haus des Sohnes der Sonne (Saturn) geboren ist. Bei einem milden Aszendenten ist man mild, bei einem grausamen Aszendenten grausam.
daśāphalaṅgauri vakṣye nāmarāśau tu saṃsthitaṃ / gajāśvadhanadhānyāni rājyaśrīrvipulā bhavet //
Ich werde, o Gaurī, die Frucht der Planetenperioden (daśā) darlegen, [je nachdem was] im Zeichen des Namens steht: Elefanten, Pferde, Reichtum und Getreide [erhält man], reiche königliche Pracht wird zuteil,
Land, Getreide und Reichtum bei Merkur; Reichtum an Elefanten, Pferden und dergleichen bei Jupiter; Reichtum an Speise und Trank bei Venus; bei Saturn ist man mit Krankheit und dergleichen behaftet.
Baden, Dienst und dergleichen, Reisen und Handel [bringt] das Erscheinen Rāhus [?]. Wenn [der Atem] im linken Kanal (nāḍī) strömt und der Name eine ungerade Silbenzahl hat,
Wort für Wort
snāna-sevā-ādi
Baden, Dienst usw.
adhvānam
Reise
vāṇijyam
Handel
vāma-nāḍī-pravāhe
beim Strömen im linken Kanal
viṣama-akṣaram
mit ungerader Silbenzahl
Pāda a ist syntaktisch unklar (snānasevādinādhvānaṃ).
dann siegt man in der Schlacht, [auch gegen] Saturn, Mars und Rāhu [?]. Strömt [der Atem] im rechten Kanal unter der Sonne, ist er [der Name] selbst im Handel fruchtlos [?].
Wort für Wort
jayati saṅgrāme
siegt in der Schlacht
śani-bhauma-saiṃhikāḥ
Saturn, Mars, Rāhu
dakṣa-nāḍī-pravāhe
beim Strömen im rechten Kanal
arke
unter der Sonne
niṣphalā
fruchtlos
Beide Halbverse sind elliptisch; śanibhaumasasaiṃhikāḥ ist wohl verschrieben für śanibhaumasaiṃhikāḥ.
In der Schlacht erlangt ein Mann mit gerader Namenszahl gewiss den Sieg. Beim Abwärtsgang [des Atems] erkenne man Sieg, beim Aufwärtsgang Tod im Kampf.
„Oṃ hūṃ oṃ hrūṃ oṃ spheṃ, zerbrich die Waffe! Oṃ zermalme, zermalme! Oṃ zerschmettere alle Feinde, zerschmettere! Oṃ hrūṃ oṃ hraḥ phaṭ.“ Siebenmal lege man das Mantra auf (nyāsa), nachdem man sich selbst als Bhairava meditiert hat: vierarmig, zehnarmig, zwanzigarmig, strahlend,
Wort für Wort
astram moṭaya
zerbrich die Waffe
cūrṇaya
zermalme
sarva-śatrum mardaya
zerschmettere alle Feinde
sapta-vāram nyaset
man lege siebenmal auf
dhyātvā ātmānam bhairavam
sich als Bhairava meditiert habend
viṃśad-bāhu-ātmakam
zwanzigarmig
Die Ziffer 2 bezeichnet in der Vorlage die Wiederholung des Wortes. bhair avaṃ ist getrennt geschrieben.
dem feindlichen Heer zugewandt rezitiere man [das Mantra] hundertachtmal. Durch die Rezitation [und] durch den Klang der Ḍamaru-Trommel wirft [der Feind] die Waffe weg und flieht.
Wort für Wort
sammukham
zugewandt
śatam aṣṭa-uttaram japet
man rezitiere hundertachtmal
ḍamarukāt śabdāt
durch den Klang der Ḍamaru
śastram tyaktvā
die Waffe wegwerfend
palāyate
flieht
śatrasainyasya ist Tippfehler für śatrusainyasya; japāḍḍamarukāc für japād ḍamarukāc.
Höre: Die Zerschlagung des feindlichen Heeres durch ein [magisches] Verfahren will ich ferner verkünden. Man nehme Holzkohle vom Verbrennungsplatz und den Kot von Eule und Krähe,
zeichne auf einen Lappen eine Figur und die Buchstaben des zu Bezwingenden entsprechend; dann schreibe man den Namen des Feindes der Reihe nach neunmal:
Wort für Wort
karpaṭe
auf einen Lappen
pratimām likhya
eine Figur zeichnend
sādhyasya akṣaram
Buchstaben des zu Bezwingenden
navadhā likhya
neunmal schreibend
ripoḥ
des Feindes
sādhyastaivākṣaraṃ ist verderbt; gelesen etwa sādhyasyaivākṣaraṃ.
moṭayedyuddhakāle tu uccaritvā tu vidyaya / tārkṣyacakraṃ pravakṣyāmi jayārthaṃ trimukhākṣaraṃ //
Zur Zeit der Schlacht zerknülle man es, nachdem man es mit der Vidyā (Zauberformel) besprochen hat. Ich werde das Tārkṣya(Garuḍa)-Rad zum Sieg darlegen, mit der dreigesichtigen Silbe [?]:
kṣipa oṃ svāhā tārkṣātmā śatrurogaviṣādinut / duṣṭabhūtagrahārtasya vyādhitasyāturasya ca //
„Kṣipa oṃ svāhā“ – in Tārkṣyas Wesen vertreibt [es] Feinde, Krankheiten, Gift und dergleichen. Für den von bösen Geistern und Planeten Gequälten, den Kranken und Leidenden –
dvibhujaṃ vakracañcuṃ ca gajakūrmadharaṃ prabhuṃ / asaṅkhyoragapādasthamāgacchantaṃ khamadhyataḥ //
zweiarmig, mit krummem Schnabel, den Herrn, der Elefant und Schildkröte trägt, auf unzähligen Schlangen als Füßen stehend [?], aus der Mitte des Himmels herankommend,
pakṣapātaiścūrṇitāś ca kecinnaṣṭā diśo daśa / tārkṣyadhyānānvito yaś ca trilokye hy ajayo bhavet //
durch die Flügelschläge zermalmt, einige in die zehn Himmelsrichtungen verschwunden. Wer mit der Meditation Tārkṣyas versehen ist, wird in den drei Welten unbesiegbar.
Ich werde den Federwedel (picchikā) darlegen, das aus der Mantra-Bewirkung hervorgehende Verfahren: „Oṃ hrūṃ, o Vogel, schleudere! Oṃ hūṃ saḥ, o du von großer Kraft und Tapferkeit, verzehre das ganze Heer, verzehre! Oṃ zerschmettere, zerschmettere! Oṃ zermalme, zermalme! Oṃ vertreibe, vertreibe! Oṃ hūṃ khaḥ. Oṃ, Bhairava befiehlt, svāhā.“ Bei einer Mondfinsternis vollziehe man die Rezitation, und den Federwedel
Wort für Wort
picchikām
den Federwedel
mantra-sādhana-jām kriyām
das aus der Mantra-Bewirkung entstehende Verfahren
pakṣin
o Vogel
sarva-sainyam bhakṣaya
verzehre das ganze Heer
vidrāvaya
vertreibe
candra-grahaṇe
bei einer Mondfinsternis
amuṃ („den und den“) steht als Platzhalter für den Namen.
bespreche man mit dem Mantra; [dann] lässt man das Heer umherirren, gegenüber von Elefant und Löwe [?]. Durch die Meditation zermalme man die Fliehenden, [wie] ein auf dem Löwen Reitender Wild und Schafe [?].
Ich werde die Zerschlagung durch Klang darlegen: aus der Ferne wirke man mit dem Mantra ein [?]. Den Müttern gebe man ein Caru-Opfer, besonders der Kālarātrī.
oṃ ahe he mahendri ahe mahendri bhañja hi oṃ jahi masānaṃhi khāhi khāhi kili kili kili oṃ huṃ phaṭ arer nāśaṃ dūraśabdājjaptayā bhaṅgavidyayā / aparājitā ca dhustūrastābhyāntu tilakena hi //
„Oṃ ahe he Mahendrī, ahe Mahendrī, zerbrich doch! Oṃ töte! [Verbrennungsplatz?], friss, friss! kili kili kili, oṃ huṃ phaṭ.“ Die Vernichtung des Feindes [erfolgt] durch den fernen Klang mittels der rezitierten Zerschlagungs-Vidyā. Aparājitā und Stechapfel – mit einem Stirnzeichen (tilaka) aus diesen beiden [...]
Wort für Wort
bhañja
zerbrich
jahi
töte
khāhi
friss (mittelindisch)
areḥ nāśam
Vernichtung des Feindes
bhaṅga-vidyayā
mit der Zerschlagungsformel
dhustūraḥ
Stechapfel
masānaṃhi ist mittelindische Form (wohl zu śmaśāna); arer steht für areḥ. Der Satz des zweiten Halbverses bricht ab.
„Oṃ kili kili vikili icchākili, o Geistertöterin, o Muschelträgerin, o Ubhā [?], o Stabhändige, o Grimmige, o Māheśvarī, o Meteormündige, o Flammenmündige, o Pflockohrige, o Dürrschenkelige, o Alambuṣā, raffe hinweg! Oṃ, grabe alle Bösen aus! Oṃ, wen auch immer [das Böse] mich ansehen lässt [?], o Göttin, die alle verwirre! Oṃ, die du im Herzen Rudras stehst, o Grimmige, schaffe dann mit milder Gesinnung Selbstschutz, svāhā.“ Außen zeichne man die Mütter, umgeben von vollständigen Gestalten; auf ein Betelblatt schreibe man die Vidyā, die alle Wünsche und Ziele bewirkt.
Wort für Wort
bhūta-hani
o Geistertöterin
daṇḍa-haste
o Stabhändige
ulkā-mukhi
o Meteormündige
sarva-duṣṭān khana
grabe alle Bösen aus
ātma-rakṣām kuru
schaffe Selbstschutz
nāga-patre
auf ein Betelblatt
ubhe ist unklar; yanmannirīkṣayed wohl für ye māṃ nirīkṣayeyuḥ „die mich anblicken“.
Früher wurde sie von Brahmā, Rudra, Indra und Viṣṇu an der Hand und anderswo getragen; zur Zeit der großen Schlacht wurden die Götter durch die Vidyā geschützt,
durch den Schutzzauber der Nārasiṃhī und der Bhairavī in Gestalt der Śakti, [und der] die drei Welten betörenden Gaurī – alle in der Schlacht zwischen Göttern und Asuras.
Den von Keimsilben (bīja) umschlossenen Namen [schreibe man] in die Samenkapsel und auf die Blätter [des Lotus], und die Glieder (aṅga) nach der Ordnung der Verehrung – dies gilt als Schutz-Yantra, o Schöne.
Ich werde das Mṛtyuñjaya(-Yantra) darlegen: [der Name] steht in der Mitte der Namensweihe [?], danach mit den Kalās umhüllt, durch den Laut sa erweckt,
Auf das östliche Blatt schreibe man oṃ, ebenso auf das eigene rechte (südliche) und das nördliche; auf das südöstliche und die folgenden hūṃ; auf das sechzehnblättrige [Rund] die Vokale,
catustriṃśaddale kādyān vāhye mantrañca mṛtyujit / likhedvaibhūrjapatre tu rocanākuṅgkumena ca //
auf das vierunddreißigblättrige die mit ka beginnenden [Konsonanten], außen das todbesiegende Mantra. Man schreibe es auf Birkenrinde mit Gorocanā und Safran,
Durch das Tragen des Yantra kommen Krankheiten, Feinde und Tod zur Ruhe. Ich werde die Vidyā Bhelakhī darlegen, die den Tod durch Trennung [?] beseitigt.
Wort für Wort
yantrasya dhāraṇāt
durch das Tragen des Yantra
rogāḥ
Krankheiten
śāmyanti
kommen zur Ruhe
ripavaḥ mṛtiḥ
Feinde und Tod
viprayoga-mṛteḥ harīm
den Tod durch Trennung beseitigend
rāgāḥ ist wohl Verschreibung für rogāḥ; viprayogamṛterharīṃ ist unsicher.
„Oṃ vātale vitale, o Katzengesichtige, o Tochter Indras, entstanden durch den Windgott, khīli ājī hājā, in mir … [unverständlich] … oṃ Bhelakhī, oṃ svāhā.“ Durch die siebenmal rezitierte Navadurgā[-Formel] [entsteht] Verstummen des Mundes [des Gegners], wenn sie im Mund gehalten wird [?]. „Oṃ Caṇḍī, oṃ hūṃ phaṭ svāhā“: Wer [ein Schwert] ergreift, das siebenmal damit besprochen ist, ist im Schwertkampf unbesiegt.
Wort für Wort
viḍāla-mukhi
o Katzengesichtige
indra-putri
o Tochter Indras
vāyu-devena
durch den Windgott
mukha-stambhaḥ
Lähmung des Mundes
sapta-japtam
siebenmal besprochen
khaḍga-yuddhe aparājitaḥ
im Schwertkampf unbesiegt
Das Bhelakhī-Mantra ist großenteils in unverständlichem, wohl verderbtem Mittelindisch überliefert und wird nicht übersetzt; khadga für khaḍga.