Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 133: nānābalāni Verschiedene Kräfte

Īśvara spricht zu Gaurī über die Charaktere nach dem Herrn des Geburtszeichens, die Früchte der Planetenperioden, Siegesvorzeichen aus Atemströmung und Namenszahl und zahlreiche Kriegszauber: Bhairava-Meditation, Zerschlagung des feindlichen Heeres mit einer Namensfigur, das Garuḍa(Tārkṣya)-Rad, den Federwedel-Zauber, Zauber durch Klang, Schutz- und Mṛtyuñjaya-Yantras sowie die Bhelakhī-Vidyā. Die Mantras sind teils mittelindisch und stark verderbt (bes. V. 29 und 41); mehrere Verse vereinen Mantra und Vers in einer Einheit.

īśvara uvāca | garbhajātasya vakṣyāmi kṣetrādhipasvarūpakaṃ / nātidīrghaḥ kṛśaḥ sthūlaḥ samāṅgo gaurapaitikaḥ //

Īśvara sprach: Ich werde für den aus dem Mutterleib Geborenen die Wesensart nach dem Herrn des Zeichens (kṣetrādhipa) darlegen: nicht zu groß, mager, [dabei] stämmig [?], ebenmäßig gegliedert, hell und von galliger Natur,

Wort für Wort
garbha-jātasya
des aus dem Mutterleib Geborenen
kṣetra-adhipa-svarūpakam
Wesensart nach dem Herrn des Zeichens
na atidīrghaḥ
nicht zu groß
sama-aṅgaḥ
ebenmäßig gegliedert
gaura-paittikaḥ
hell und gallig

kṛśaḥ sthūlaḥ („mager, stämmig“) widersprechen sich; vielleicht als Alternativen gemeint.

raktākṣo guṇavān śūro gṛhe sūryasya jāyate / saubhāgyo mṛdusāraś ca jātaś candragṛhodaye //

rotäugig, tugendhaft, tapfer – [so ist, wer] im Haus der Sonne geboren wird. Beliebt und von sanfter Kraft ist, wer beim Aufgang des Mondhauses geboren ist.

Wort für Wort
rakta-akṣaḥ
rotäugig
guṇavān
tugendhaft
gṛhe sūryasya
im Haus der Sonne
saubhāgyaḥ
beliebt, glücklich
mṛdu-sāraḥ
von sanfter Kraft
candra-gṛha-udaye
beim Aufgang des Mondhauses

vātādhiko 'tilubdhādirjāto bhūmibhuvo gṛhe / buddhimān subhago mānī jātaḥ saumyagṛhodaye //

Mit einem Übermaß an Wind(-Säfte), sehr gierig und dergleichen ist, wer im Haus des Sohnes der Erde (Mars) geboren ist. Verständig, beliebt und stolz ist, wer beim Aufgang des Hauses des Saumya (Merkur) geboren ist.

Wort für Wort
vāta-adhikaḥ
mit Übermaß an Wind
ati-lubdha
sehr gierig
bhūmi-bhuvaḥ gṛhe
im Haus des Erdsohnes (Mars)
buddhimān
verständig
mānī
stolz
saumya-gṛha
Haus des Merkur

vṛhatkrodhaś ca śubhago jāto gurugṛhe naraḥ / tyāgo bhogo ca subhago jāto bhṛgugṛhodaye //

Sehr zornig und beliebt ist der Mann, der im Haus des Guru (Jupiter) geboren ist. Freigebig, genussfreudig und beliebt ist, wer beim Aufgang des Hauses des Bhṛgu (Venus) geboren ist.

Wort für Wort
bṛhat-krodhaḥ
sehr zornig
guru-gṛhe
im Haus des Jupiter
tyāgī
freigebig
bhogī
genussfreudig
bhṛgu-gṛha-udaye
beim Aufgang des Venushauses

vṛhat = bṛhat; tyāgo bhogo ist wohl für tyāgī bhogī verschrieben.

buddhimāñchubhago mānī jātaścārkigṛhe naraḥ / saumyalagne tu saumyaḥ syāt krūraḥ syāt krūralagnake //

Verständig, beliebt und stolz ist der Mann, der im Haus des Sohnes der Sonne (Saturn) geboren ist. Bei einem milden Aszendenten ist man mild, bei einem grausamen Aszendenten grausam.

Wort für Wort
ārki-gṛhe
im Haus des Saturn
saumya-lagne
bei mildem Aszendenten
saumyaḥ
mild
krūraḥ
grausam
krūra-lagnake
bei grausamem Aszendenten

daśāphalaṅgauri vakṣye nāmarāśau tu saṃsthitaṃ / gajāśvadhanadhānyāni rājyaśrīrvipulā bhavet //

Ich werde, o Gaurī, die Frucht der Planetenperioden (daśā) darlegen, [je nachdem was] im Zeichen des Namens steht: Elefanten, Pferde, Reichtum und Getreide [erhält man], reiche königliche Pracht wird zuteil,

Wort für Wort
daśā-phalam
Frucht der Planetenperiode
gauri
o Gaurī
nāma-rāśau
im Zeichen des Namens
gaja-aśva-dhana-dhānyāni
Elefanten, Pferde, Reichtum, Getreide
rājya-śrīḥ vipulā
reiche königliche Pracht

punardhanāgamaścāpi daśāyāṃ bhāskarasya tu / divyastrīdā candradaśā bhūmilābhaḥ sukhaṃ kuje //

und ferner Zufluss von Reichtum in der Periode der Sonne. Die Mondperiode gibt himmlische Frauen; Landgewinn und Glück bei Mars;

Wort für Wort
dhana-āgamaḥ
Zufluss von Reichtum
daśāyām bhāskarasya
in der Periode der Sonne
divya-strī-dā
himmlische Frauen gebend
bhūmi-lābhaḥ
Landgewinn
kuje
bei Mars

bhūmirdhānyaṃ dhanaṃ baudhe gajāśvādidhanaṃ gurau / khādyapānadhanaṃ dśukre śanau vyādhyādisaṃyutaḥ //

Land, Getreide und Reichtum bei Merkur; Reichtum an Elefanten, Pferden und dergleichen bei Jupiter; Reichtum an Speise und Trank bei Venus; bei Saturn ist man mit Krankheit und dergleichen behaftet.

Wort für Wort
baudhe
bei Merkur
gurau
bei Jupiter
khādya-pāna-dhanam
Reichtum an Speise und Trank
śukre
bei Venus
śanau
bei Saturn
vyādhi-ādi-saṃyutaḥ
mit Krankheit usw. behaftet

dśukre ist Tippfehler für śukre.

snānasevādinādhvānaṃ vāṇijyaṃ rāhurdarśane / vāmanāḍīpravāhe syānnāma cedviṣamākṣaraṃ //

Baden, Dienst und dergleichen, Reisen und Handel [bringt] das Erscheinen Rāhus [?]. Wenn [der Atem] im linken Kanal (nāḍī) strömt und der Name eine ungerade Silbenzahl hat,

Wort für Wort
snāna-sevā-ādi
Baden, Dienst usw.
adhvānam
Reise
vāṇijyam
Handel
vāma-nāḍī-pravāhe
beim Strömen im linken Kanal
viṣama-akṣaram
mit ungerader Silbenzahl

Pāda a ist syntaktisch unklar (snānasevādinādhvānaṃ).

tadā jayati saṅgrāme śanibhaumasasaiṃhikāḥ / dakṣanāḍīpravāherke vāṇijye caiva niṣphalā //

dann siegt man in der Schlacht, [auch gegen] Saturn, Mars und Rāhu [?]. Strömt [der Atem] im rechten Kanal unter der Sonne, ist er [der Name] selbst im Handel fruchtlos [?].

Wort für Wort
jayati saṅgrāme
siegt in der Schlacht
śani-bhauma-saiṃhikāḥ
Saturn, Mars, Rāhu
dakṣa-nāḍī-pravāhe
beim Strömen im rechten Kanal
arke
unter der Sonne
niṣphalā
fruchtlos

Beide Halbverse sind elliptisch; śanibhaumasasaiṃhikāḥ ist wohl verschrieben für śanibhaumasaiṃhikāḥ.

saṅgrāme jayamāpnoti samanāmā naro dhruvaṃ / adhaścāre jayaṃ vidyādūrdhvacāre raṇe mṛtiṃ //

In der Schlacht erlangt ein Mann mit gerader Namenszahl gewiss den Sieg. Beim Abwärtsgang [des Atems] erkenne man Sieg, beim Aufwärtsgang Tod im Kampf.

Wort für Wort
sama-nāmā naraḥ
Mann mit gerader Namenszahl
dhruvam
gewiss
adhaḥ-cāre
beim Abwärtsgang
ūrdhva-cāre
beim Aufwärtsgang
raṇe mṛtim
Tod im Kampf

oṃ hūṃ oṃ hrūṃ oṃ spheṃ astraṃ moṭaya oṃ cūrṇaya 2 oṃ sarvaśatruṃ mardaya 2 oṃ hrūṃ oṃ hraḥ phaṭ saptavārannyasenmantraṃ dhyātvātmānantu bhair avaṃ / caturbhujandaśabhujaṃ viṃśadbāhvātmakaṃ śubhaṃ //

„Oṃ hūṃ oṃ hrūṃ oṃ spheṃ, zerbrich die Waffe! Oṃ zermalme, zermalme! Oṃ zerschmettere alle Feinde, zerschmettere! Oṃ hrūṃ oṃ hraḥ phaṭ.“ Siebenmal lege man das Mantra auf (nyāsa), nachdem man sich selbst als Bhairava meditiert hat: vierarmig, zehnarmig, zwanzigarmig, strahlend,

Wort für Wort
astram moṭaya
zerbrich die Waffe
cūrṇaya
zermalme
sarva-śatrum mardaya
zerschmettere alle Feinde
sapta-vāram nyaset
man lege siebenmal auf
dhyātvā ātmānam bhairavam
sich als Bhairava meditiert habend
viṃśad-bāhu-ātmakam
zwanzigarmig

Die Ziffer 2 bezeichnet in der Vorlage die Wiederholung des Wortes. bhair avaṃ ist getrennt geschrieben.

śūlakhaṭvāṅgahastantu khaḍgakaṭṭārikodyataṃ / bhakṣaṇaṃ parasainyānāmātmasainyaparāṅmukhaṃ //

mit Dreizack und Schädelstab (khaṭvāṅga) in der Hand, Schwert und Dolch erhoben, die feindlichen Heere verzehrend, den eigenen Heeren abgewandt;

Wort für Wort
śūla-khaṭvāṅga-hastam
Dreizack und Schädelstab in der Hand
khaḍga-kaṭṭārikā-udyatam
Schwert und Dolch erhoben
bhakṣaṇam
verzehrend
para-sainyānām
der feindlichen Heere
ātma-sainya-parāṅmukham
dem eigenen Heer abgewandt

sammukhaṃ śatrasainyasya śatamaṣṭottaraṃ japet / japāḍḍamarukācchabdācchastraṃ tyaktvā palāyate //

dem feindlichen Heer zugewandt rezitiere man [das Mantra] hundertachtmal. Durch die Rezitation [und] durch den Klang der Ḍamaru-Trommel wirft [der Feind] die Waffe weg und flieht.

Wort für Wort
sammukham
zugewandt
śatam aṣṭa-uttaram japet
man rezitiere hundertachtmal
ḍamarukāt śabdāt
durch den Klang der Ḍamaru
śastram tyaktvā
die Waffe wegwerfend
palāyate
flieht

śatrasainyasya ist Tippfehler für śatrusainyasya; japāḍḍamarukāc für japād ḍamarukāc.

parasainyaṃ śṛṇu bhaṅgaṃ prayogena punarvade / śmaśānāṅgāramādāya viṣṭāñcolūkakākayoḥ //

Höre: Die Zerschlagung des feindlichen Heeres durch ein [magisches] Verfahren will ich ferner verkünden. Man nehme Holzkohle vom Verbrennungsplatz und den Kot von Eule und Krähe,

Wort für Wort
para-sainyam bhaṅgam
Zerschlagung des feindlichen Heeres
prayogeṇa
durch ein Verfahren
śmaśāna-aṅgāram
Holzkohle vom Verbrennungsplatz
viṣṭām
Kot
ulūka-kākayoḥ
von Eule und Krähe

karpaṭe pratimāṃ likhya sādhyastaivākṣaraṃ yathā / nāmātha navadhā likhya ripoś caiva yathākramaṃ //

zeichne auf einen Lappen eine Figur und die Buchstaben des zu Bezwingenden entsprechend; dann schreibe man den Namen des Feindes der Reihe nach neunmal:

Wort für Wort
karpaṭe
auf einen Lappen
pratimām likhya
eine Figur zeichnend
sādhyasya akṣaram
Buchstaben des zu Bezwingenden
navadhā likhya
neunmal schreibend
ripoḥ
des Feindes

sādhyastaivākṣaraṃ ist verderbt; gelesen etwa sādhyasyaivākṣaraṃ.

mūrdhni vaktre lalāṭe ca hṛdaye guhyapādayoḥ / pṛṣṭhe tu bāhumadhye tu nāma vai navadhā likhet //

auf den Scheitel, den Mund, die Stirn, das Herz, den Schamteil und die Füße, auf den Rücken und zwischen die Arme – neunmal schreibe man den Namen.

Wort für Wort
mūrdhni
auf den Scheitel
vaktre
auf den Mund
lalāṭe
auf die Stirn
guhya-pādayoḥ
auf Schamteil und Füße
pṛṣṭhe
auf den Rücken
bāhu-madhye
zwischen die Arme

moṭayedyuddhakāle tu uccaritvā tu vidyaya / tārkṣyacakraṃ pravakṣyāmi jayārthaṃ trimukhākṣaraṃ //

Zur Zeit der Schlacht zerknülle man es, nachdem man es mit der Vidyā (Zauberformel) besprochen hat. Ich werde das Tārkṣya(Garuḍa)-Rad zum Sieg darlegen, mit der dreigesichtigen Silbe [?]:

Wort für Wort
moṭayet
man zerknülle, zerbreche
uccaritvā vidyayā
mit der Formel ausgesprochen habend
tārkṣya-cakram
Garuḍa-Rad
jaya-artham
zum Sieg
tri-mukha-akṣaram
mit dreigesichtiger Silbe

vidyaya für vidyayā.

kṣipa oṃ svāhā tārkṣātmā śatrurogaviṣādinut / duṣṭabhūtagrahārtasya vyādhitasyāturasya ca //

„Kṣipa oṃ svāhā“ – in Tārkṣyas Wesen vertreibt [es] Feinde, Krankheiten, Gift und dergleichen. Für den von bösen Geistern und Planeten Gequälten, den Kranken und Leidenden –

Wort für Wort
kṣipa
schleudere
tārkṣya-ātmā
in Tārkṣyas Wesen
śatru-roga-viṣa-ādi-nut
Feinde, Krankheit, Gift usw. vertreibend
duṣṭa-bhūta-graha-ārtasya
des von bösen Geistern und Planeten Gequälten
vyādhitasya
des Kranken

tārkṣātmā für tārkṣyātmā.

karoti yādṛśaṅkarma tādṛśaṃ siddhyate khagāt / sthāvaraṃ jaṅgamañcaiva lūtāś ca kṛtrimaṃ viṣaṃ //

welches Werk er auch vollbringt, so gelingt es durch den Vogel. Unbewegliches und bewegliches Gift, Spinnengift und künstlich bereitetes Gift –

Wort für Wort
yādṛśam karma
welches Werk auch
siddhyate
gelingt
khagāt
durch den Vogel
sthāvaram jaṅgamam
unbewegliches (pflanzliches) und bewegliches (tierisches)
lūtāḥ
Spinnen(gift)
kṛtrimam viṣam
künstliches Gift

tatsarvaṃ nāśamāyāti sādhakasyāvalokanāt / punardhyāyenmahātārkṣyaṃ dvipakṣaṃ mānuṣākṛtiṃ //

all das geht durch den Blick des Adepten zugrunde. Ferner meditiere man den großen Tārkṣya: zweiflügelig, von Menschengestalt,

Wort für Wort
nāśam āyāti
geht zugrunde
sādhakasya avalokanāt
durch den Blick des Adepten
dhyāyet
man meditiere
dvi-pakṣam
zweiflügelig
mānuṣa-ākṛtim
von Menschengestalt

dvibhujaṃ vakracañcuṃ ca gajakūrmadharaṃ prabhuṃ / asaṅkhyoragapādasthamāgacchantaṃ khamadhyataḥ //

zweiarmig, mit krummem Schnabel, den Herrn, der Elefant und Schildkröte trägt, auf unzähligen Schlangen als Füßen stehend [?], aus der Mitte des Himmels herankommend,

Wort für Wort
dvi-bhujam
zweiarmig
vakra-cañcum
mit krummem Schnabel
gaja-kūrma-dharam
Elefant und Schildkröte tragend
asaṅkhya-uraga
unzählige Schlangen
kha-madhyataḥ
aus der Himmelsmitte

grasantañcaiva khādantaṃ tudantaṃ cāhave ripūn / cañcvāhatāś ca draṣṭavyāḥ kecitpādaiś ca cūrṇitāḥ //

wie er im Kampf die Feinde verschlingt, frisst und zerhackt. Durch den Schnabel getroffen sind sie zu sehen, einige durch die Füße zermalmt,

Wort für Wort
grasantam
verschlingend
khādantam
fressend
tudantam
zerhackend
cañcu-āhatāḥ
durch den Schnabel getroffen
pādaiḥ cūrṇitāḥ
durch die Füße zermalmt

pakṣapātaiścūrṇitāś ca kecinnaṣṭā diśo daśa / tārkṣyadhyānānvito yaś ca trilokye hy ajayo bhavet //

durch die Flügelschläge zermalmt, einige in die zehn Himmelsrichtungen verschwunden. Wer mit der Meditation Tārkṣyas versehen ist, wird in den drei Welten unbesiegbar.

Wort für Wort
pakṣa-pātaiḥ
durch Flügelschläge
naṣṭāḥ
verschwunden, zugrunde gegangen
diśaḥ daśa
die zehn Richtungen
tārkṣya-dhyāna-anvitaḥ
mit Tārkṣya-Meditation versehen
ajayaḥ
unbesiegbar

picchikāntu pravakṣyāmi mantrasādhanajāṃ kriyāṃ / oṃ hrūṃ pakṣin kṣipa oṃ hūṃ saḥ mahābalaparākrama sarvasainyaṃ bhakṣaya 2 oṃ mardaya 2 oṃ cūrṇaya 2 oṃ vidrāvaya 2 oṃ hūṃ khaḥ oṃ bhairavo jñāpayati svāhā amuñcandragrahaṇe tu japaṅkṛtvā tu picchikāṃ //

Ich werde den Federwedel (picchikā) darlegen, das aus der Mantra-Bewirkung hervorgehende Verfahren: „Oṃ hrūṃ, o Vogel, schleudere! Oṃ hūṃ saḥ, o du von großer Kraft und Tapferkeit, verzehre das ganze Heer, verzehre! Oṃ zerschmettere, zerschmettere! Oṃ zermalme, zermalme! Oṃ vertreibe, vertreibe! Oṃ hūṃ khaḥ. Oṃ, Bhairava befiehlt, svāhā.“ Bei einer Mondfinsternis vollziehe man die Rezitation, und den Federwedel

Wort für Wort
picchikām
den Federwedel
mantra-sādhana-jām kriyām
das aus der Mantra-Bewirkung entstehende Verfahren
pakṣin
o Vogel
sarva-sainyam bhakṣaya
verzehre das ganze Heer
vidrāvaya
vertreibe
candra-grahaṇe
bei einer Mondfinsternis

amuṃ („den und den“) steht als Platzhalter für den Namen.

mantrayed bhrāmayetsainyaṃ sammukhaṃ gajasiṃhayoḥ / dhyānādravān mardayecca siṃhārūḍho mṛgāvikān //

bespreche man mit dem Mantra; [dann] lässt man das Heer umherirren, gegenüber von Elefant und Löwe [?]. Durch die Meditation zermalme man die Fliehenden, [wie] ein auf dem Löwen Reitender Wild und Schafe [?].

Wort für Wort
mantrayet
man bespreche
bhrāmayet sainyam
man lasse das Heer umherirren
dhyānāt
durch Meditation
dravān
die Fliehenden
siṃha-ārūḍhaḥ
auf dem Löwen reitend
mṛga-avikān
Wild und Schafe

Der Vers ist nur teilweise verständlich.

śabdādbhaṅgaṃ pravakṣyāmi dūraṃ mantreṇa bodhayet / mātṝṇāṃ carukaṃ dadyāt kālarātryā viśeṣataḥ //

Ich werde die Zerschlagung durch Klang darlegen: aus der Ferne wirke man mit dem Mantra ein [?]. Den Müttern gebe man ein Caru-Opfer, besonders der Kālarātrī.

Wort für Wort
śabdāt bhaṅgam
Zerschlagung durch Klang
dūram
in die Ferne
bodhayet
man wecke, wirke ein
mātṝṇām
den Müttern
carukam
Opferbrei
kāla-rātryāḥ
der Kālarātrī

bodhayet („wecke“) ist im Kontext unklar.

śmaśānabhasmasaṃyuktaṃ mālatī cāmarī tathā / kārpāsamūlamātrantu tena dūrantu bodhayet //

Vermengt mit Asche vom Verbrennungsplatz, [dazu] Mālatī-Jasmin und Cāmarī [?], ebenso nur Baumwollwurzel – damit wirke man in die Ferne ein.

Wort für Wort
śmaśāna-bhasma-saṃyuktam
mit Asche vom Verbrennungsplatz vermengt
mālatī
Jasmin
kārpāsa-mūla
Baumwollwurzel
tena
damit

cāmarī ist als Pflanzenname unsicher.

oṃ ahe he mahendri ahe mahendri bhañja hi oṃ jahi masānaṃhi khāhi khāhi kili kili kili oṃ huṃ phaṭ arer nāśaṃ dūraśabdājjaptayā bhaṅgavidyayā / aparājitā ca dhustūrastābhyāntu tilakena hi //

„Oṃ ahe he Mahendrī, ahe Mahendrī, zerbrich doch! Oṃ töte! [Verbrennungsplatz?], friss, friss! kili kili kili, oṃ huṃ phaṭ.“ Die Vernichtung des Feindes [erfolgt] durch den fernen Klang mittels der rezitierten Zerschlagungs-Vidyā. Aparājitā und Stechapfel – mit einem Stirnzeichen (tilaka) aus diesen beiden [...]

Wort für Wort
bhañja
zerbrich
jahi
töte
khāhi
friss (mittelindisch)
areḥ nāśam
Vernichtung des Feindes
bhaṅga-vidyayā
mit der Zerschlagungsformel
dhustūraḥ
Stechapfel

masānaṃhi ist mittelindische Form (wohl zu śmaśāna); arer steht für areḥ. Der Satz des zweiten Halbverses bricht ab.

oṃ kili kili vikili icchākili bhūtahani śaṅkhini ubhe daṇdahaste raudri māheśvari ulkāmukhi jvālāmukhi śaṅkukarṇe śuṣkajaṅghe alambuṣe hara oṃ sarvaduṣṭān khana oṃ yanmannirīkṣayeddevi tāṃstān mohaya oṃ rudrasya hṛdaye sthitā raudri saumyena bhāvena ātmarakṣāntataḥ kuru svāhā vāhyato mātṝḥ saṃlikhya sakalākṛtiveṣṭitāḥ / nāgapatre likhedvidyāṃ sarvakāmārthasādhanīṃ //

„Oṃ kili kili vikili icchākili, o Geistertöterin, o Muschelträgerin, o Ubhā [?], o Stabhändige, o Grimmige, o Māheśvarī, o Meteormündige, o Flammenmündige, o Pflockohrige, o Dürrschenkelige, o Alambuṣā, raffe hinweg! Oṃ, grabe alle Bösen aus! Oṃ, wen auch immer [das Böse] mich ansehen lässt [?], o Göttin, die alle verwirre! Oṃ, die du im Herzen Rudras stehst, o Grimmige, schaffe dann mit milder Gesinnung Selbstschutz, svāhā.“ Außen zeichne man die Mütter, umgeben von vollständigen Gestalten; auf ein Betelblatt schreibe man die Vidyā, die alle Wünsche und Ziele bewirkt.

Wort für Wort
bhūta-hani
o Geistertöterin
daṇḍa-haste
o Stabhändige
ulkā-mukhi
o Meteormündige
sarva-duṣṭān khana
grabe alle Bösen aus
ātma-rakṣām kuru
schaffe Selbstschutz
nāga-patre
auf ein Betelblatt

ubhe ist unklar; yanmannirīkṣayed wohl für ye māṃ nirīkṣayeyuḥ „die mich anblicken“.

hastādyair dhāritā pūrvaṃ brahmarudrendraviṣṇubhiḥ / gurusaṅgrāmakāle tu vidyayā rakṣitāḥ surāḥ //

Früher wurde sie von Brahmā, Rudra, Indra und Viṣṇu an der Hand und anderswo getragen; zur Zeit der großen Schlacht wurden die Götter durch die Vidyā geschützt,

Wort für Wort
hasta-ādyaiḥ
an Hand usw.
dhāritā
getragen
brahma-rudra-indra-viṣṇubhiḥ
von Brahmā, Rudra, Indra, Viṣṇu
guru-saṅgrāma-kāle
zur Zeit der großen Schlacht
rakṣitāḥ surāḥ
die Götter wurden geschützt

rakṣayā nārasiṃhyā ca bhairavyā śaktirūpayā / sarve trailokyamohinyā gauryā devāsure raṇe //

durch den Schutzzauber der Nārasiṃhī und der Bhairavī in Gestalt der Śakti, [und der] die drei Welten betörenden Gaurī – alle in der Schlacht zwischen Göttern und Asuras.

Wort für Wort
rakṣayā
durch den Schutzzauber
nārasiṃhyā
der Nārasiṃhī
śakti-rūpayā
in Gestalt der Śakti
trailokya-mohinyā
die drei Welten betörend
deva-asure raṇe
in der Götter-Asura-Schlacht

vījasampuṭitaṃ nāma karṇikāyāṃ daleṣu ca / pūjākrameṇa cāṅgāni rakṣāyantraṃ smṛtaṃ śubhe //

Den von Keimsilben (bīja) umschlossenen Namen [schreibe man] in die Samenkapsel und auf die Blätter [des Lotus], und die Glieder (aṅga) nach der Ordnung der Verehrung – dies gilt als Schutz-Yantra, o Schöne.

Wort für Wort
bīja-sampuṭitam nāma
von Keimsilben umschlossener Name
karṇikāyām
in die Samenkapsel
daleṣu
auf die Blätter
pūjā-krameṇa
nach der Ordnung der Verehrung
rakṣā-yantram
Schutz-Yantra
śubhe
o Schöne

vīja = bīja.

mṛtyuñjayaṃ pravakṣyāmi nāmasaṃskāramadhyaga / kalābhiveṣṭitaṃ paścāt sakāreṇa nibodhitaṃ //

Ich werde das Mṛtyuñjaya(-Yantra) darlegen: [der Name] steht in der Mitte der Namensweihe [?], danach mit den Kalās umhüllt, durch den Laut sa erweckt,

Wort für Wort
mṛtyuñjayam
den Todbesieger
nāma-saṃskāra-madhyaga
in der Mitte der Namensweihe
kalābhiḥ veṣṭitam
mit den Kalās umhüllt
sa-kāreṇa
durch den Laut sa
nibodhitam
erweckt

nāmasaṃskāramadhyaga ist unklar.

jakāraṃ vindusaṃyuktaṃ oṅkāreṇa samanvitaṃ / dhakārodaramadhyasthaṃ vakāreṇa nibodhitaṃ //

den Laut ja mit dem Punkt (bindu) versehen, mit dem oṃ verbunden, in der Mitte des Bauches des Lautes dha stehend, durch den Laut va erweckt,

Wort für Wort
ja-kāram bindu-saṃyuktam
den Laut ja mit Bindu
oṅkāreṇa samanvitam
mit oṃ verbunden
dha-kāra-udara-madhya-stham
in der Mitte des Bauches von dha
va-kāreṇa
durch den Laut va

vindu = bindu.

candrasampuṭamadhyasthaṃ sarvaduṣṭavimardakam / athavā karṇikāyāñca likhennāma ca kāraṇam //

in der Mitte einer Mond-Umschließung stehend, alle Bösen zermalmend. Oder man schreibe in die Samenkapsel den Namen und das Anliegen.

Wort für Wort
candra-sampuṭa-madhya-stham
in der Mitte einer Mond-Umschließung
sarva-duṣṭa-vimardakam
alle Bösen zermalmend
athavā
oder
karṇikāyām
in die Samenkapsel
kāraṇam
Anliegen, Zweck

pūrve dale tathoṅkāraṃ svadakṣe cottare likhet / āgneyyādau ca hūṅkārandale ṣoḍaśake svarān //

Auf das östliche Blatt schreibe man oṃ, ebenso auf das eigene rechte (südliche) und das nördliche; auf das südöstliche und die folgenden hūṃ; auf das sechzehnblättrige [Rund] die Vokale,

Wort für Wort
pūrve dale
auf das östliche Blatt
oṅkāram
die Silbe oṃ
āgneyī-ādau
auf das südöstliche usw.
hūṅkāram
die Silbe hūṃ
dale ṣoḍaśake
auf das sechzehnblättrige
svarān
die Vokale

catustriṃśaddale kādyān vāhye mantrañca mṛtyujit / likhedvaibhūrjapatre tu rocanākuṅgkumena ca //

auf das vierunddreißigblättrige die mit ka beginnenden [Konsonanten], außen das todbesiegende Mantra. Man schreibe es auf Birkenrinde mit Gorocanā und Safran,

Wort für Wort
catustriṃśat-dale
auf das vierunddreißigblättrige
ka-ādyān
die mit ka beginnenden
mṛtyu-jit
todbesiegend
bhūrja-patre
auf Birkenrinde
rocanā-kuṅkumena
mit Gorocanā und Safran

kuṅgkumena ist Tippfehler für kuṅkumena.

karpūracandanābhyāñca śvetasūteṇa veṣṭayet / sikthakena paricchādya kalaśopari pūjayet //

mit Kampfer und Sandel; man umwickle es mit weißem Faden, überziehe es mit Wachs und verehre es auf einem Krug.

Wort für Wort
karpūra-candanābhyām
mit Kampfer und Sandel
śveta-sūtreṇa veṣṭayet
man umwickle mit weißem Faden
sikthakena
mit Wachs
kalaśa-upari
auf einem Krug
pūjayet
man verehre

sūteṇa für sūtreṇa.

yantrasya dhāraṇādrāgāḥ śāmyanti ripavo mṛtiḥ / vidyāntu bhelakhīṃ vakṣye viprayogamṛterharīṃ //

Durch das Tragen des Yantra kommen Krankheiten, Feinde und Tod zur Ruhe. Ich werde die Vidyā Bhelakhī darlegen, die den Tod durch Trennung [?] beseitigt.

Wort für Wort
yantrasya dhāraṇāt
durch das Tragen des Yantra
rogāḥ
Krankheiten
śāmyanti
kommen zur Ruhe
ripavaḥ mṛtiḥ
Feinde und Tod
viprayoga-mṛteḥ harīm
den Tod durch Trennung beseitigend

rāgāḥ ist wohl Verschreibung für rogāḥ; viprayogamṛterharīṃ ist unsicher.

oṃ vātale vitale viḍālamukhi indraputri udbhavo vāyudevena khīli ājī hājā mayi vāha ihādi duḥkhanityakaṇṭhoccair muhūrtānvayā aha māṃ yasmahaṃ upāḍi oṃ bhelakhi oṃ svāhā navadurgāsaptajaptānmukhastambho mukhasthitāt / oṃ caṇḍi oṃ hūṃ phaṭ svāhā gṛhītvā saptajaptaṃ tu khadgayuddhe 'parājitaḥ //

„Oṃ vātale vitale, o Katzengesichtige, o Tochter Indras, entstanden durch den Windgott, khīli ājī hājā, in mir … [unverständlich] … oṃ Bhelakhī, oṃ svāhā.“ Durch die siebenmal rezitierte Navadurgā[-Formel] [entsteht] Verstummen des Mundes [des Gegners], wenn sie im Mund gehalten wird [?]. „Oṃ Caṇḍī, oṃ hūṃ phaṭ svāhā“: Wer [ein Schwert] ergreift, das siebenmal damit besprochen ist, ist im Schwertkampf unbesiegt.

Wort für Wort
viḍāla-mukhi
o Katzengesichtige
indra-putri
o Tochter Indras
vāyu-devena
durch den Windgott
mukha-stambhaḥ
Lähmung des Mundes
sapta-japtam
siebenmal besprochen
khaḍga-yuddhe aparājitaḥ
im Schwertkampf unbesiegt

Das Bhelakhī-Mantra ist großenteils in unverständlichem, wohl verderbtem Mittelindisch überliefert und wird nicht übersetzt; khadga für khaḍga.

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