Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 111: prayāgamāhātmya Die Größe Prayāgas

Lobpreis Prayāgas am Zusammenfluss von Gaṅgā und Yamunā als Sitz der Götter, als 'Schoß der Erde' und Opferaltar Prajāpatis. Baden (bes. im Monat Māgha), Spenden und Sterben dort bringen unvergänglichen Lohn; am Ende werden weitere Tīrthas der Umgebung genannt. Einige Schreibfehler der Digitalisierung (V. 2, 12, 13).

agnir uvāca | vakṣye prayāgamāhātmyaṃ bhuktimuktipradaṃ paraṃ / prayāge brahmaviṣṇvādyā deva munivarāḥ sthitāḥ //

Agni sprach: Ich will die höchste Größe Prayāgas verkünden, die Genuss und Erlösung gewährt. In Prayāga weilen die Götter mit Brahmā, Viṣṇu an der Spitze und die besten der Munis,

Wort für Wort
prayāga-māhātmyam
Größe Prayāgas
bhukti-mukti-pradam
Genuss und Erlösung gewährend
brahma-viṣṇu-ādyāḥ
Brahmā, Viṣṇu usw.
muni-varāḥ
die besten Weisen
sthitāḥ
weilen

saritaḥ sāgarāḥ siddhā gandharvasarāpsas tathā / tatra trīṇyagnikuṇḍāni teṣāṃ madhye tu jāhnavī //

die Flüsse, Meere, Siddhas, Gandharvas und ebenso die Apsaras. Dort sind drei Feuergruben; zwischen ihnen [fließt] die Jāhnavī [Anm.: die Gaṅgā],

Wort für Wort
saritaḥ sāgarāḥ
Flüsse, Meere
gandharva-apsarasaḥ
Gandharvas und Apsaras
trīṇi agni-kuṇḍāni
drei Feuergruben
teṣām madhye
zwischen ihnen
jāhnavī
Jāhnavī (Gaṅgā)

gandharvasarāpsas: lies gandharvāpsarasas.

vegena samatikrāntā sarvatīrthatiraskṛtā / tapanasya sutā tatra triṣu lokeṣu viśrutā //

die mit Ungestüm vorüberströmt und alle Tīrthas in den Schatten stellt. Die Tochter des Tapana [Anm.: der Sonne, d.i. die Yamunā] ist dort, berühmt in den drei Welten.

Wort für Wort
vegena
mit Ungestüm
samatikrāntā
vorüberströmend
sarva-tīrtha-tiraskṛtā
alle Tīrthas übertreffend
tapanasya sutā
Tochter der Sonne (Yamunā)
triṣu lokeṣu viśrutā
in den drei Welten berühmt

gaṅgāyamunayormadhyaṃ pṛthivyā jaghanaṃ smṛtaṃ / prayāgaṃ jaghanasyāntarupasthamṛṣayo viduḥ //

Das [Land] zwischen Gaṅgā und Yamunā gilt als die Hüfte der Erde; Prayāga kennen die Seher als den Schoß innerhalb der Hüfte.

Wort für Wort
gaṅgā-yamunayoḥ madhyam
das zwischen Gaṅgā und Yamunā
pṛthivyāḥ jaghanam
Hüfte/Hinterteil der Erde
smṛtam
gilt als
antaḥ upastham
den Schoß im Innern
ṛṣayaḥ viduḥ
die Seher wissen

prayāgaṃ sapratiṣṭhānam kambalāśvatarāvubhau / tīrthaṃ bhogavatī caiva vedī proktā prajāpateḥ //

Prayāga samt Pratiṣṭhāna, die beiden [Nāgas] Kambala und Aśvatara und das Tīrtha Bhogavatī – [dies] wird der Opferaltar Prajāpatis genannt.

Wort für Wort
sa-pratiṣṭhānam
samt Pratiṣṭhāna
kambala-aśvatarau ubhau
die beiden, Kambala und Aśvatara
bhogavatī
Bhogavatī
vedī
Opferaltar
prajāpateḥ
des Prajāpati

tatra vedāś ca yajñāś ca mūrtimantaḥ prayāgake / stavanādasya tīrthasya nāmasaṅkirtanādapi //

Dort in Prayāga sind die Veden und die Opfer leibhaftig [gegenwärtig]. Durch das Preisen dieses Tīrthas und auch durch das Nennen seines Namens

Wort für Wort
vedāḥ yajñāḥ ca
Veden und Opfer
mūrtimantaḥ
verkörpert, leibhaftig
stavanāt
durch Preisen
nāma-saṅkīrtanāt
durch Nennen des Namens

nāmasaṅkirtanād: lies nāmasaṅkīrtanād.

mṛttikālambhanādvāpi sarvapāpaiḥ pramucyate / prayāge saṅgate dānaṃ śrāddhaṃ japyādi cākṣayaṃ //

oder durch Berühren seiner Erde wird man von allen Sünden befreit. In Prayāga am Zusammenfluss sind Gabe, Śrāddha, Japa und dergleichen unvergänglich [in ihrer Frucht].

Wort für Wort
mṛttikā-ālambhanāt
durch Berühren der Erde
sarva-pāpaiḥ pramucyate
wird von allen Sünden befreit
saṅgate
am Zusammenfluss
japya-ādi
Japa usw.
akṣayam
unvergänglich

na devavacanādvipra na lokavacanādapi / matirutkramaṇīyānte prayāge maraṇaṃ prati //

Weder auf das Wort der Götter hin, o Brahmane, noch auf das Wort der Leute hin soll man am Ende [des Lebens] den Entschluss aufgeben, in Prayāga zu sterben.

Wort für Wort
deva-vacanāt
auf das Wort der Götter
loka-vacanāt
auf das Wort der Leute
matiḥ
Entschluss, Gesinnung
utkramaṇīyā
aufzugeben, zu verlassen
ante
am Ende
maraṇam prati
hinsichtlich des Sterbens

daśatīrthasahasrāṇi ṣaṣṭikoṭyas tathāparāḥ / teṣāṃ sānnidhyamatraiva prayāgaṃ paramantataḥ //

Zehntausend Tīrthas und ferner weitere sechzig Koṭis – ihre Gegenwart ist eben hier; daher ist Prayāga das höchste.

Wort für Wort
daśa-tīrtha-sahasrāṇi
zehntausend Tīrthas
ṣaṣṭi-koṭyaḥ
sechzig Koṭis
sānnidhyam
Gegenwart
atra eva
eben hier
param antataḥ
daher das höchste

vāsukerbhogavatyatra haṃsaprapatanaṃ paraṃ / gavāṃ koṭipradānādyat tryahaṃ snānasya tatphalaṃ //

Hier ist die Bhogavatī des Vāsuki, das vorzügliche Haṃsaprapatana. Was [an Frucht] durch die Spende von einer Koṭi Kühe [erlangt wird], das ist die Frucht eines dreitägigen Badens

Wort für Wort
vāsukeḥ bhogavatī
Bhogavatī des Vāsuki
haṃsa-prapatanam
Haṃsaprapatana ('Gänse-Niederflug')
gavām koṭi-pradānāt
durch Spende einer Koṭi Kühe
tri-aham
drei Tage lang
snānasya tat-phalam
dessen Frucht ist die des Badens

prayāge māghamāse tu evamāhurmanīṣiṇaḥ / sarvatra sulabhā gaṅgā triṣu sthāneṣu durlabhā //

in Prayāga im Monat Māgha – so sagen die Weisen. Überall ist die Gaṅgā leicht zu erreichen, an drei Orten [aber] schwer zu erreichen:

Wort für Wort
māgha-māse
im Monat Māgha
āhuḥ manīṣiṇaḥ
sagen die Weisen
sulabhā
leicht erreichbar
triṣu sthāneṣu
an drei Orten
durlabhā
schwer erreichbar

gaṅādvāre prayāge ca gaṅgāsāgarasaṅgame / atra dānāddivaṃ yāti rājendro jāyate 'tra ca //

in Gaṅgādvāra, in Prayāga und an der Mündung der Gaṅgā ins Meer. Durch Spenden hier gelangt man in den Himmel und wird hier [wieder] als König der Könige geboren.

Wort für Wort
gaṅgā-dvāre
in Gaṅgādvāra
gaṅgā-sāgara-saṅgame
am Zusammenfluss von Gaṅgā und Meer
dānāt
durch Spenden
divam yāti
geht in den Himmel
rāja-indraḥ jāyate
wird als Fürst der Könige geboren

gaṅādvāre: lies gaṅgādvāre.

vaṭamūle saṅgamādau mṛto viṣṇupurīṃ vrajet / urvaśīpulinaṃ ramyaṃ tīrthaṃ sandhyāvatas tathā //

Wer an der Wurzel des Banyanbaums, am Zusammenfluss und dergleichen stirbt, gelangt in die Stadt Viṣṇus. [Ferner] das liebliche Urvaśīpulina und ebenso das Tīrtha Sandhyāvaṭa [?],

Wort für Wort
vaṭa-mūle
an der Wurzel des Banyanbaums
saṅgama-ādau
am Zusammenfluss usw.
mṛtaḥ
gestorben
viṣṇu-purīm vrajet
gelangt in Viṣṇus Stadt
urvaśī-pulinam
Sandbank der Urvaśī

sandhyāvatas unsicher; wohl sandhyāvaṭas zu lesen.

koṭītīrthañcāśvamedhaṃ gaṅgāyamunamuttamaṃ / mānasaṃ rajasā hīnaṃ tīrthaṃ vāsarakaṃ paraṃ //

das Koṭitīrtha, Aśvamedha, das vorzügliche Gaṅgāyamuna, das von Rajas [Anm.: Staub bzw. Leidenschaft] freie Mānasa, das vorzügliche Tīrtha Vāsaraka.

Wort für Wort
koṭi-tīrtham
Koṭitīrtha
aśvamedham
Aśvamedha (Tīrtha)
gaṅgā-yamunam
Gaṅgāyamuna
mānasam
Mānasa
rajasā hīnam
frei von Rajas/Staub
vāsarakam
Vāsaraka

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks