Kapitel 144: kubjikāpūjā
Die Verehrung der Kubjikā
Īśvara lehrt die Verehrung der Göttin Kubjikā: Wurzelmantra, Dämmerungsandacht, Gāyatrī-Formel, Verehrung der Sandalen (pādukā) von Lehrern und Siddhas, der Maṇḍala-Gottheiten, heiligen Sitze, Vimalas, Mütter und Yoginīs sowie Opfergaben an Vaṭuka und Kṣetrapāla; zum Schluss die Meditationsgestalt der sechsgesichtigen, zwölfarmigen Göttin. Der Text ist in den Namenslisten vielfach verderbt und die Abgrenzung der Namen unsicher (bes. V. 4–12, 18–20, 31).
Īśvara sprach: Ich werde die glorreiche Kubjikā darlegen, die den Sieg in Dharma, Artha usw. verleiht. Man verehre sie mit dem Wurzelmantra oder mit [dem Mantra] samt ihrem Gefolge.
[Wurzelmantra:] „oṃ aiṃ hrauṃ śrīṃ khaiṃ hreṃ hasakṣamalacavayaṃ, erhabene Ambikā, hrāṃ hrīṃ kṣrīṃ kṣauṃ kṣrūṃ krīṃ, Kubjikā, hrāṃ oṃ ṅañanaṇame, Aghoramukhī, vrāṃ chrāṃ chīṃ kili kili kṣauṃ vicce khyoṃ śrīṃ kroṃ oṃ hroṃ aiṃ, Vajrakubjinī, strīṃ, Anzieherin der drei Welten, hrīṃ, die du den Leib des Liebesgottes zerfließen lässt, hrīṃ strīṃ, Verursacherin großer Erschütterung, aiṃ hrīṃ kṣrīṃ aiṃ hroṃ śrīṃ pheṃ kṣauṃ, Verehrung, Erhabene, kṣrauṃ, Kubjikā, hroṃ hroṃ kraiṃ ṅañaṇaname, Aghoramukhī, chrāṃ chāṃ vicce oṃ kili kili.“ Hat man [damit] die Auflegung auf Hände und Glieder vollzogen, verrichte man die Dämmerungsandacht; Vāmā, Jyeṣṭhā und Raudrī sind der Reihe nach die drei Dämmerungen.
Wort für Wort
bhagavati ambike
erhabene Ambikā (Vok.)
trailokya-ākarṣiṇi
Anzieherin der drei Welten
kāma-aṅga-drāviṇi
die den Leib des Kāma zerfließen lässt
mahā-kṣobha-kāriṇi
Verursacherin großer Erschütterung
kara-aṅga-nyāsam kṛtvā
nach der Auflegung auf Hände und Glieder
sandhyā-trayam anukramāt
die drei Dämmerungen der Reihe nach
Die Ziffer „2“ im Mantra bezeichnet Wiederholung (kili kili). Die Silbenfolgen sind in der Digitalisierung teils uneinheitlich (ṅañanaṇame/ṅañaṇaname, chrāṃchāṃ).
„Wir kennen die Herrin der Kula-Rede, wir meditieren über die Mahākālī; dazu möge uns die Kaulī antreiben.“ Die fünf Mantras beginnen mit dem Praṇava [und lauten] „… ich verehre die Sandale“; in der Mitte [steht] der Name im Dativ, die Keimsilben bestehen aus zweimal neun [?].
Wort für Wort
kula-vāgīśi vidmahe
wir kennen die Herrin der Kula-Rede
mahākālī iti dhīmahi
wir meditieren über Mahākālī
tat naḥ kaulī pracodayāt
dazu möge uns die Kaulī antreiben
praṇava-ādyāḥ
mit dem Praṇava beginnend
pādukām pūjayāmi
ich verehre die Sandale
nāma caturthī-antam
der Name im Dativ
Der erste Halbvers ist eine Gāyatrī-Formel. dvinavātmaka ist mehrdeutig (18 oder „2 und 9“).
Oder [sie enden] auf „namaḥ“, oder aber [der Name steht] im Genitiv; so sind alle zu kennen. Ich nenne sie: Kaulīśanātha, Sukalā, …janmataḥ [?], dann Kubjikā,
Wort für Wort
namaḥ-antāḥ vā
oder auf namaḥ endend
ṣaṣṭhyā tu
oder mit dem Genitiv
sarve jñeyāḥ
alle sind zu kennen
vadāmi tān
ich nenne sie
kaulīśa-nāthaḥ
Kaulīśanātha
janmataḥ ist unklar (Teil eines Namens oder „von Geburt an“).
Mudrāsphīṭī, Vaṃśapūra und Bhoja – [das sind] die sechzehn Siddhas. Der Körper aber, mit den Samaya-[Mantras] belegt, wird durch die sechsfache Auflegung gefestigt.
Wort für Wort
ṣoḍaśa siddhakāḥ
die sechzehn Siddhas
samaya-nyastaḥ
mit den Samaya(-Mantras) belegt
dehaḥ
der Körper
ṣoḍhā-nyāsena
durch die sechsfache Auflegung
yantritaḥ
gefestigt, gebunden
Die Namensliste ergibt mehr als sechzehn Namen; die Abgrenzung der Einzelnamen ist unsicher.
Ājñārūpa und Nandarūpa. Nachdem man eine Opferspende gegeben hat, verehre man der Reihe nach: „hrīṃ khaṃ khaṃ hūṃ sauṃ, dem Vaṭuka! aru aru, Wasserspende, Blume, Räucherwerk, Lampe, Duftstoff, Opferspende und Verehrung nimm an, nimm an! Verehrung dir.“ „oṃ hrāṃ hrīṃ hrūṃ kṣeṃ, dem Hüter des Feldes (Kṣetrapāla)! Steig herab, steig herab, du Träger der Last großer rotbrauner Flechten, mit leuchtenden drei Augen, Flammenmund, komm, komm, nimm Duftstoff, Blume, Opferspende und Verehrung an, nimm an! khaḥ khaḥ oṃ kaḥ oṃ laḥ oṃ, dem Oberherrn des großen Ḍāmara, svāhā.“ Mit dem Rest der Opferspende verehre man dann das Trikūṭa: hrīṃ hrūṃ hāṃ śrīṃ.
Wort für Wort
balim dattvā
nachdem man eine Opferspende gegeben hat
vaṭukāya
dem Vaṭuka
gṛhṇa gṛhṇa
nimm an, nimm an
kṣetrapālāya avatara
dem Kṣetrapāla – steig herab
mahā-kapila-jaṭā-bhāra
Träger der Last großer rotbrauner Flechten
bali-śeṣe
mit dem Rest der Opferspende
trikūṭakam
das Trikūṭa (Dreigipfel-Mantra)
ganhda ist Tippfehler für gandha. „2“ = Wiederholung.
vāme ca dakṣiṇe hy agre yāmye niśānāthapādukāḥ / dakṣe tamorināthasya hagre kālānalasya ca //
Links, rechts und vorn: links [?] die Sandalen des Herrn der Nacht (Mond), rechts die des Herrn, der Feind der Finsternis ist (Sonne), und vorn die des Kālānala.
Wort für Wort
vāme dakṣiṇe agre
links, rechts und vorn
niśā-nātha-pādukāḥ
die Sandalen des Nachtherrn (Mond)
tamo-ari-nāthasya
des Herrn, der Feind der Finsternis ist (Sonne)
kāla-analasya
des Kālānala (Zeitfeuers)
yāmye („im Süden“) passt nicht zur Aufzählung links–rechts–vorn; wohl für vāme verderbt. hagre = hy agre.
śākinī yākinī pūjyā vāyavyādugraṣaṭṣu ca / yajed dhyātvā tato devīṃ dvātriṃśadvarṇakātmakāṃ //
Śākinī und Yākinī sind zu verehren, vom Nordwesten an in den sechs [Feldern] [?]. Nach der Meditation verehre man dann die Göttin, die aus zweiunddreißig Silben besteht,
Wort für Wort
śākinī yākinī pūjyā
Śākinī und Yākinī sind zu verehren
vāyavyāt
vom Nordwesten an
ṣaṭsu
in den sechs
dhyātvā tataḥ devīm
nach Meditation dann die Göttin
dvātriṃśat-varṇaka-ātmikām
aus 32 Silben bestehend
vāyavyādugraṣaṭṣu: ugra unklar (evtl. „in den sechs schrecklichen [Plätzen]“).
auch mit dem fünffachen Praṇava oder mit der Silbe hrīṃ verehre man sie. Sie ist dunkel wie die Blätter des blauen Lotus, sechsgesichtig, von sechsfacher Gestalt,
Das nach oben gerichtete Gesicht der Göttin ist weiß, ein weiteres oberes ebenso weiß; das östliche Gesicht gelblich-weiß; das südliche zornig und von schwarzer Farbe,