Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 293: nāgalakṣaṇāni Die Kennzeichen der Schlangen

Das Kapitel behandelt die Schlangenkunde als Grundlage der Giftheilung: die acht Nāga-Fürsten, Arten und Merkmale der Schlangen, ihre Fortpflanzung und Giftzähne, ungünstige Zeiten, Mondhäuser und Orte für Bisse, die Vorzeichen am Boten, der den Heiler holt, und am Aufbruch, sowie das Vordringen des Giftes durch die Körperbestandteile. Die Sprecherangabe ist im Titelfeld mitüberliefert (agnirucāca), der Kapitelvers beginnt ohne sie; Vers 32 ist in der Quelle als verderbt markiert (?), mehrere Verse (15, 29, 33) sind schwer verderbt; Vers 41 hat drei Halbverse.

nāgādayo 'tha bhāvādidaśasthānāni karma ca / sūtakaṃ daṣṭaceṣṭeti saptalakṣaṇamucyate //

[Agni sprach:] „Die Nāgas usw., dann die zehn Stellen [des Bisses], beginnend mit … [?], die Handlung, die Geburt (sūtaka) und das Verhalten des Gebissenen – dies nennt man die siebenfache Kennzeichnung.

Wort für Wort
nāga-ādayaḥ
die Nāgas usw.
daśa-sthānāni
die zehn Stellen
sūtakam
Geburt
daṣṭa-ceṣṭā
Verhalten des Gebissenen
sapta-lakṣaṇam ucyate
heißt die siebenfache Kennzeichnung

Die Sprecherangabe steht im Titelfeld (agnirucāca). bhāvādi ist unklar; die Siebenzahl lässt sich nicht sicher aufteilen.

śeṣavāsukitakṣākhyāḥ karkaṭo 'bjo mahāmbujaḥ / śaṅkhapālaś ca kulika ity aṣṭaunāgavaryakāḥ //

Śeṣa, Vāsuki, der Takṣa genannte [Takṣaka], Karkoṭa, Abja [Anm.: Padma], Mahāmbuja [Anm.: Mahāpadma], Śaṅkhapāla und Kulika – das sind die acht vorzüglichsten Nāgas.

Wort für Wort
śeṣa-vāsuki-takṣa-ākhyāḥ
Śeṣa, Vāsuki, Takṣaka genannt
abjaḥ mahāmbujaḥ
Padma, Mahāpadma
śaṅkhapālaḥ kulikaḥ
Śaṅkhapāla, Kulika
aṣṭau nāga-varyakāḥ
die acht vorzüglichsten Nāgas

karkaṭo für karkoṭaḥ.

daśāṣṭapañcatriguṇaśatamūrdhānvitau kramāt / viprau nṛpo viśau śūdrau dvau dvau nāgeṣu kīrtitau //

Sie sind paarweise der Reihe nach mit zehn-, acht-, fünf- und dreimal hundert Köpfen versehen; je zwei unter den Nāgas gelten als Brahmanen, Könige, Vaiśyas und Śūdras.

Wort für Wort
daśa-aṣṭa-pañca-tri-guṇa-śata
zehn-, acht-, fünf-, dreimal hundert
mūrdha-anvitau
mit Köpfen versehen (je zwei)
viprau nṛpau
zwei Brahmanen, zwei Könige
viśau śūdrau
zwei Vaiśyas, zwei Śūdras
dvau dvau
je zwei

tadanvayāḥ pañcaśataṃ tebhyo jātā asaṃkhyakāḥ / phaṇimaṇḍalirājīlavātapittakaphātmakāḥ //

Ihre Nachkommen sind fünfhundert; von diesen sind unzählige geboren: Haubenschlangen, Ringelschlangen (maṇḍalin) und Streifenschlangen (rājila), von der Natur des Windes, der Galle und des Schleims.

Wort für Wort
tad-anvayāḥ pañcaśatam
ihre Nachkommen: fünfhundert
jātāḥ asaṃkhyakāḥ
unzählige geboren
phaṇi-maṇḍali-rājīla
Hauben-, Ringel- und Streifenschlangen
vāta-pitta-kapha-ātmakāḥ
von der Natur von Wind, Galle, Schleim

vyantarā doṣamiśrāste sarpāṃ darvīkarāḥ smṛtāḥ / rathāṅgalāṅgalacchatrasvastikāṅkuśadhāriṇaḥ //

Die Mischformen (vyantara) sind von gemischten Doṣas. Die Schlangen, die „Löffelträger“ (darvīkara, Haubenschlangen) heißen, tragen Zeichen von Wagenrad, Pflug, Schirm, Svastika und Elefantenhaken.

Wort für Wort
vyantarāḥ
die Mischformen
doṣa-miśrāḥ
von gemischten Doṣas
darvīkarāḥ
Löffelträger (Haubenschlangen)
ratha-aṅga-lāṅgala-chatra
Wagenrad, Pflug, Schirm
svastika-aṅkuśa-dhāriṇaḥ
Svastika und Haken tragend

gonasā mandagā dīrghā maṇḍalair vidhaiścitāḥ / rājilāścitritāḥ snigdhāstiryagūrdhvañca vājibhiḥ //

Die Gonasas sind langsam, lang und mit verschiedenartigen Ringen gezeichnet; die Rājilas sind bunt, glänzend und mit Streifen quer und nach oben [versehen].

Wort für Wort
gonasāḥ manda-gāḥ
Gonasas sind langsam
dīrghāḥ
lang
maṇḍalaiḥ vividhaiḥ citāḥ
mit verschiedenen Ringen bedeckt
rājilāḥ citritāḥ snigdhāḥ
Rājilas bunt, glänzend
tiryak ūrdhvam rājibhiḥ
mit Streifen quer und nach oben

vidhaiścitāḥ für vividhaiś citāḥ; vājibhiḥ für rājibhiḥ.

vyantarā miśracihnāś ca bhūvarṣāgneyavāyavaḥ / caturvidhāste ṣaḍviṃśabhedāḥ ṣoḍaśa gonasāḥ //

Die Mischformen haben gemischte Merkmale. Von der Natur der Erde, des Wassers, des Feuers und des Windes sind sie vierfach. [Die Haubenschlangen haben] sechsundzwanzig Unterarten, die Gonasas sechzehn,

Wort für Wort
miśra-cihnāḥ
mit gemischten Merkmalen
bhū-varṣa-āgneya-vāyavaḥ
erdig, wässrig, feurig, windig
caturvidhāḥ
vierfach
ṣaḍviṃśa-bhedāḥ
sechsundzwanzig Unterarten
ṣoḍaśa gonasāḥ
sechzehn Gonasas

bhūvarṣāgneyavāyavaḥ: varṣa hier für „Wasser“.

trayodaśa ca rājīlā vyantarā ekaviṃśatiḥ / ye 'nuktakāle jāyante sarpāste vyantarāḥ smṛtāḥ //

die Rājilas dreizehn, die Mischformen einundzwanzig. Schlangen, die zu einer nicht [vorgeschriebenen] Zeit geboren werden, gelten als Mischformen.

Wort für Wort
trayodaśa rājīlāḥ
dreizehn Rājilas
vyantarāḥ ekaviṃśatiḥ
einundzwanzig Mischformen
anukta-kāle
zu nicht genannter Zeit
jāyante
werden geboren
vyantarāḥ smṛtāḥ
gelten als Mischformen

āṣāḍhāditrimāsaiḥ syādgarbho māṣacatuṣṭaye / aṇḍkānāṃ śate dve ca catvāriṃśat prasūyate //

In den drei Monaten ab Āṣāḍha findet die Trächtigkeit statt; in vier Monaten legt [das Weibchen] zweihundertvierzig Eier.

Wort für Wort
āṣāḍha-ādi-trimāsaiḥ
in den drei Monaten ab Āṣāḍha
garbhaḥ
Trächtigkeit
māsa-catuṣṭaye
in vier Monaten
aṇḍakānām śate dve catvāriṃśat
zweihundertvierzig Eier
prasūyate
legt sie

aṇḍkānāṃ für aṇḍakānām.

sarpā grasanti sūtaughān vinā strīpunnapuṃsakān / unmīlate 'kṣi saptāhāt kṛṣṇo māsādbhavedvahiḥ //

Die Schlangen verschlingen die Masse der Jungen, außer den weiblichen, männlichen und sächlichen [?]. Nach sieben Tagen öffnet sich das Auge; nach einem Monat wird [die Schlange] schwarz [und geht] hinaus.

Wort für Wort
sarpāḥ grasanti
die Schlangen verschlingen
sūta-oghān
die Masse der Jungen
unmīlate akṣi
das Auge öffnet sich
saptāhāt
nach sieben Tagen
māsāt bahiḥ
nach einem Monat draußen

Die Ausnahme „außer weiblichen, männlichen, sächlichen“ ist sachlich unklar; vahiḥ für bahiḥ.

dvādaśāhāt subodhaḥ syāt dantāḥ syuḥ sūryadarśanāt / dvātriṃśaddinaviṃśatyā catasrasteṣu daṃṣtrikāḥ //

Nach zwölf Tagen wird sie verständig; die Zähne entstehen, nachdem sie die Sonne gesehen hat; nach zweiunddreißig [bzw.] zwanzig Tagen [?] [entstehen] unter diesen vier Giftzähne.

Wort für Wort
dvādaśa-ahāt subodhaḥ
nach zwölf Tagen verständig
dantāḥ
die Zähne
sūrya-darśanāt
nach dem Sehen der Sonne
dvātriṃśat-dina
zweiunddreißig Tage
catasraḥ daṃṣṭrikāḥ
vier Giftzähne

Die Zeitangaben sind ungenau überliefert.

karālī makarī kālarātrī ca yamadūtikā / etāstāḥ saviṣā daṃṣṭrā vāmadakṣiṇapārśvagāḥ //

Karālī, Makarī, Kālarātrī und Yamadūtikā – dies sind die giftigen Zähne, auf der linken und rechten Seite befindlich.

Wort für Wort
karālī makarī
Karālī, Makarī
kālarātrī
Kālarātrī
yamadūtikā
Yamadūtikā
sa-viṣāḥ daṃṣṭrāḥ
die giftigen Zähne
vāma-dakṣiṇa-pārśva-gāḥ
links und rechts befindlich

ṣanmāsānmucyate kṛttiṃ jovetsaṣṭisamādvayaṃ / nāgāḥ sūryādivāreśāḥ sapta uktā divā niśi //

Nach sechs Monaten wirft sie die Haut ab; sie lebt zweimal sechzig Jahre. Die Nāgas sind als Herren der Wochentage ab Sonntag genannt, sieben, bei Tag und bei Nacht.

Wort für Wort
ṣaṇmāsāt
nach sechs Monaten
mucyate kṛttim
wirft die Haut ab
jīvet ṣaṣṭi-samā-dvayam
lebt zweimal sechzig Jahre
sūrya-ādi-vāra-īśāḥ
Herren der Wochentage ab Sonntag
divā niśi
bei Tag und Nacht

jovet für jīvet; saṣṭisamādvayaṃ für ṣaṣṭisamādvayam.

sveṣāṃ ṣaṭ prativāreṣu kulikaḥ sarvasandhiṣu / śaṅkhena vā mahābjena saha tasyodayo 'thavā //

Sechs von ihnen [herrschen] an den jeweiligen Wochentagen, Kulika in allen Übergangszeiten; oder sein Aufgang [erfolgt] zusammen mit Śaṅkha oder Mahābja.

Wort für Wort
sveṣām ṣaṭ
sechs von ihnen
prati-vāreṣu
an den jeweiligen Wochentagen
kulikaḥ sarva-sandhiṣu
Kulika in allen Übergängen
śaṅkhena mahābjena vā
mit Śaṅkha oder Mahāpadma
tasya udayaḥ
sein Aufgang

dvayīrvā nāḍikāmantramantrakaṃ kulikodayaḥ / duṣṭaḥ sa kālaḥ sarvatra sarpadaṃśe viśeṣataḥ //

Der Aufgang Kulikas [dauert] zwei Nāḍikās [?]; jene Zeit ist in allem ungünstig, besonders bei einem Schlangenbiss.

Wort für Wort
nāḍikā
Nāḍikā (Zeitmaß)
kulika-udayaḥ
Aufgang Kulikas
duṣṭaḥ saḥ kālaḥ
jene Zeit ist ungünstig
sarvatra
in allem
sarpa-daṃśe viśeṣataḥ
besonders beim Schlangenbiss

dvayīrvā nāḍikāmantramantrakaṃ ist verderbt.

kṛttikā bharaṇī svātī mūlaṃ pūrvatrayāśvanī / viśākhārdrā maghāśleṣā citrā śravaṇarohiṇī //

Kṛttikā, Bharaṇī, Svātī, Mūla, die drei Pūrvas, Aśvinī, Viśākhā, Ārdrā, Maghā, Āśleṣā, Citrā, Śravaṇa, Rohiṇī,

Wort für Wort
kṛttikā bharaṇī svātī
Kṛttikā, Bharaṇī, Svātī
mūlam
Mūla
pūrva-traya
die drei Pūrvas
viśākhā-ārdrā
Viśākhā, Ārdrā
maghā-āśleṣā citrā
Maghā, Āśleṣā, Citrā

hastā mandakujau vārau pañcamī cāṣṭamī tithiḥ / ṣaṣṭhī raiktā śivā nindyā pañcamī ca caturdaśī //

Hasta, Samstag und Dienstag, der fünfte und achte Mondtag, der sechste, die „leeren“ (rikta) [Mondtage] und die Śivā [?] sind zu tadeln, [ferner] der fünfte und vierzehnte.

Wort für Wort
hastā
Hasta
manda-kujau vārau
Samstag und Dienstag
pañcamī aṣṭamī tithiḥ
fünfter und achter Mondtag
riktā
die leeren Mondtage
nindyā
zu tadeln

raiktā für riktā; śivā unklar.

sandhyācatuṣṭayaṃ duṣṭaṃ dagdhayogāś ca rāśayaḥ / ekadvibahavo daṃśā daṣṭaviddhañca khaṇḍitam //

Die vier Dämmerungen sind ungünstig, ebenso die Dagdha-Yogas und [bestimmte] Tierkreiszeichen. Bisse sind [mit] einem, zwei [oder] vielen [Zahnmalen]: gebissen, durchstochen, zerrissen,

Wort für Wort
sandhyā-catuṣṭayam
die vier Dämmerungen
dagdha-yogāḥ
die Dagdha-Yogas
eka-dvi-bahavaḥ daṃśāḥ
Bisse mit einem, zwei, vielen
daṣṭa-viddham
gebissen, durchstochen
khaṇḍitam
zerrissen

adaṃśamavaguptaṃ syāddaṃśamevaṃ caturvidham / trayo dvyekakṣatā daṃśā vedanā rudhirolvaṇā //

und „Nicht-Biss“ sowie „verborgen“ [?] – so ist der Biss vierfach. Bisse mit drei, zwei [oder] einer Wunde: Schmerz, reichlich Blut,

Wort für Wort
adaṃśam
Nicht-Biss
avaguptam
verborgen
caturvidham
vierfach
tri-dvi-eka-kṣatāḥ
mit drei, zwei, einer Wunde
vedanā rudhira-ulvaṇā
Schmerz, reichlich Blut

Die Aufzählung ergibt eher fünf als vier Arten.

naktantvekāṅghrikūrmābhā daṃśāś ca yamacoditāḥ / dīhīpipīlikāsparśī kaṇṭhaśotharujānvitaḥ //

nachts, einem Fuß der Schildkröte ähnlich [?] – [solche] Bisse sind von Yama getrieben. Brennend, mit einem Gefühl wie von krabbelnden Ameisen, mit Halsschwellung und Schmerz verbunden,

Wort für Wort
naktam
nachts
eka-aṅghri-kūrma-ābhāḥ
wie ein Schildkrötenfuß aussehend
yama-coditāḥ
von Yama getrieben
pipīlikā-sparśī
mit Ameisenkribbeln
kaṇṭha-śotha-ruj-anvitaḥ
mit Halsschwellung und Schmerz

dīhī wohl für dāhī.

satodo ranthito daṃśaḥ saviṣo nyastanirviṣaḥ / devālaye śūnyagṛhe valmīkodyānakoṭare //

stechend, verknotet [?] – [ein solcher] Biss ist giftig; ein flacher [?] ist ungiftig. In einem Tempel, einem leeren Haus, einem Ameisenhaufen, einem Garten, einer Baumhöhle,

Wort für Wort
sa-todaḥ
stechend
granthitaḥ daṃśaḥ
verknoteter Biss
sa-viṣaḥ
giftig
nirviṣaḥ
ungiftig
deva-ālaye śūnya-gṛhe
im Tempel, im leeren Haus

ranthito wohl für granthitaḥ; nyasta° unklar.

rathyāsandhau śmaśāne ca nadyāñca sindhusaṅgame / dvīpe catuṣpathe saudhe gṛhe 'bje parvatāgrataḥ //

an einer Straßenkreuzung, auf dem Leichenplatz, am Fluss, an der Mündung ins Meer, auf einer Insel, am Kreuzweg, im Palast, im Haus, im Lotusteich, auf einem Berggipfel,

Wort für Wort
rathyā-sandhau
an der Straßenkreuzung
śmaśāne
auf dem Leichenplatz
sindhu-saṅgame
an der Meeresmündung
catuṣpathe saudhe
am Kreuzweg, im Palast
parvata-agrataḥ
auf dem Berggipfel

vilahadvāre jīrṇakūpe jīrṇaveśmani kuḍyake / śigruśleṣmātakākṣeṣu jambū ḍumbareṇeṣu ca //

am Eingang eines Lochs, an einem alten Brunnen, in einem alten Haus, an einer Mauer, an Śigru-, Śleṣmātaka- und Akṣa-Bäumen, an Jambū-, Udumbara- und Bambus[-Gewächsen] [?],

Wort für Wort
bila-dvāre
am Eingang eines Lochs
jīrṇa-kūpe
am alten Brunnen
jīrṇa-veśmani
im alten Haus
śigru-śleṣmātaka-akṣeṣu
an Śigru-, Śleṣmātaka-, Akṣa-Bäumen
jambū-udumbara
Jambū, Udumbara

vilahadvāre für biladvāre; ḍumbareṇeṣu wohl für udumbaraveṇuṣu.

vaṭe ca jīrṇaprākāre khāsyahṛtkakṣajatruṇi / tālau śaṅkhe gale mūrdhni civuke nābhipādayoḥ //

am Banyanbaum, an einer alten Umfassungsmauer; [am Körper:] an Mund, Herz, Achsel, Schlüsselbein, Gaumen, Schläfe, Hals, Scheitel, Kinn, Nabel und Füßen

Wort für Wort
vaṭe
am Banyanbaum
jīrṇa-prākāre
an alter Umfassungsmauer
āsya-hṛt-kakṣa-jatruṇi
Mund, Herz, Achsel, Schlüsselbein
tālau śaṅkhe gale
Gaumen, Schläfe, Hals
cibuke nābhi-pādayoḥ
Kinn, Nabel und Füße

khāsya° wohl für kha-āsya (Körperöffnungen, Mund).

daṃśo 'śubhaḥ śubho dūtaḥ puṣpahastaḥ suvāk sudhīḥ / liṅgavarṇasamānaś ca śuklavastro 'malaḥ śuciḥ //

ist ein Biss ungünstig. Günstig ist ein Bote, der eine Blume in der Hand hält, gut redet, verständig ist, von gleichem Geschlecht und gleichem Stand [wie der Gebissene], weiß gekleidet, makellos und rein.

Wort für Wort
daṃśaḥ aśubhaḥ
der Biss ist ungünstig
śubhaḥ dūtaḥ
günstiger Bote
puṣpa-hastaḥ
Blume in der Hand
liṅga-varṇa-samānaḥ
gleichen Geschlechts und Standes
śukla-vastraḥ
weiß gekleidet

apadvāragataḥ śastrī pramādī bhūgatekṣaṇaḥ / vivarṇavāsāḥ pāśādihasto gadgadavarṇabhāk //

Wer durch eine Nicht-Tür kommt, bewaffnet ist, nachlässig, den Blick zu Boden gerichtet, mit verfärbter Kleidung, eine Schlinge o. Ä. in der Hand, mit stammelnder Rede,

Wort für Wort
apadvāra-gataḥ
durch eine Nicht-Tür gekommen
śastrī
bewaffnet
bhū-gata-īkṣaṇaḥ
Blick zu Boden
vivarṇa-vāsāḥ
mit verfärbter Kleidung
gadgada-varṇa-bhāk
stammelnd

śuṣkakāṣṭhāśritaḥ khinnastilāktakakarāṃśukaḥ / ārdravāsāḥ kṛṣṇaraktapuṣpayuktaśiroruhaḥ //

an trockenes Holz gelehnt, erschöpft, mit Sesam[öl] oder Lack an Händen und Gewand, in nasser Kleidung, mit schwarzen oder roten Blumen im Haar,

Wort für Wort
śuṣka-kāṣṭha-āśritaḥ
an trockenes Holz gelehnt
khinnaḥ
erschöpft
tila-alaktaka-kara-aṃśukaḥ
Sesam und Lack an Hand und Gewand
ārdra-vāsāḥ
in nasser Kleidung
kṛṣṇa-rakta-puṣpa-yukta-śiroruhaḥ
mit schwarzen/roten Blumen im Haar

kucamardī nakhacchedī gudaspṛk pādalekhakaḥ / keśamuñcī tṛṇacchedī duṣṭā dūtāstathaikaśaḥ //

wer die Brüste drückt, die Nägel schneidet, den After berührt, mit dem Fuß [den Boden] ritzt, das Haar löst oder Gras abreißt – [solche] Boten sind ungünstig, schon jeder einzelne [dieser Züge].

Wort für Wort
kuca-mardī
die Brüste drückend
nakha-cchedī
die Nägel schneidend
guda-spṛk
den After berührend
pāda-lekhakaḥ
mit dem Fuß ritzend
duṣṭāḥ dūtāḥ ekaśaḥ
ungünstige Boten, jeder einzeln

iḍānyā vā vaheddvedhā yadi dūtasya cātmanaḥ / ābhyāṃ dvābhyāṃ puṣṭayāsmān vidyāstrīpunnapuṃsakān //

Wenn beim Boten und bei einem selbst die Iḍā oder die andere [Anm.: Piṅgalā] oder beide fließen – danach unterscheide man weiblich, männlich und sächlich [?].

Wort für Wort
iḍā anyā vā
Iḍā oder die andere
vahet
fließt
dvedhā
zweifach, beide
dūtasya ātmanaḥ
beim Boten und bei sich
strī-pum-napuṃsakān vidyāt
erkenne weiblich, männlich, sächlich

ābhyāṃ dvābhyāṃ puṣṭayāsmān ist verderbt.

dūtaḥ spṛśati yadgātraṃ tasmin daṃśamudāharet / dūtāṅghricalanaṃ duṣṭhamutthitirniś calā śubhā //

Welches Glied der Bote berührt, an dem erkläre man den Biss. Ein Bewegen der Füße des Boten ist ungünstig, ein unbewegtes Aufstehen günstig.

Wort für Wort
dūtaḥ spṛśati
der Bote berührt
yat gātram
welches Glied
daṃśam udāharet
erkläre den Biss
dūta-aṅghri-calanam duṣṭam
Fußbewegung des Boten ungünstig
utthitiḥ niścalā śubhā
unbewegtes Aufstehen günstig

duṣṭham für duṣṭam.

jīvapārśve śubho dūto duṣṭo 'nyatra sammāgataḥ / jīvo gatāgatair duṣṭaḥ śubho dūtanivedane //

Ein Bote, der auf der Seite des [fließenden] Lebensatems (jīva) steht, ist günstig, ungünstig, wer auf der anderen [Seite] kommt. Der Lebensatem ist bei Kommen und Gehen [?] ungünstig, günstig beim Bericht des Boten.

Wort für Wort
jīva-pārśve
auf der Seite des Lebensatems
śubhaḥ dūtaḥ
günstiger Bote
anyatra samāgataḥ
auf der anderen Seite gekommen
gata-āgataiḥ
bei Gehen und Kommen
dūta-nivedane
beim Bericht des Boten

sammāgataḥ für samāgataḥ; der zweite Halbvers ist unklar.

dūtasya vāk praduṣṭā sā pūrvāmajārdhaninditā / vibhaktaistasya vākyāntairviṣarnirviṣakālatā(?) //

Die Rede des Boten, die verdorben ist, … [?]; durch die Unterteilung seiner Satzenden [erkennt man] den Zustand des Giftigen oder Ungiftigen [?].

Wort für Wort
dūtasya vāk
die Rede des Boten
praduṣṭā
verdorben
vibhaktaiḥ
durch die Unterteilungen
vākya-antaiḥ
durch die Satzenden
viṣa-nirviṣa
giftig und ungiftig

Der Vers ist in der Quelle als unsicher markiert (?); pūrvāmajārdhaninditā und viṣarnirviṣakālatā sind verderbt.

ādyaiḥ svaraiś ca kādyaś ca vargair bhinnalipirdvidhā / svarajo vasumānvargī itikṣepā ca mātṛkā //

Durch die ersten Laute, die Vokale, und die mit ka beginnenden Klassen ist das Alphabet zweifach geteilt; … [?] – [das ist] die Mātṛkā.

Wort für Wort
ādyaiḥ svaraiḥ
durch die ersten Laute, die Vokale
ka-ādyaiḥ vargaiḥ
durch die mit ka beginnenden Klassen
bhinna-lipiḥ dvidhā
das Alphabet zweifach geteilt
mātṛkā
die Mātṛkā (Lautreihe)

svarajo vasumānvargī itikṣepā ist verderbt.

vātāgnīndrajalātmāno vargeṣu ca catuṣṭayam / napuṃsakāḥ pañcamāḥ syuḥ svarāḥ śakrāmbuyonayaḥ //

In den Klassen [gibt es] eine Vierheit: [Laute] von der Natur des Windes, des Feuers, Indras [Anm.: der Erde] und des Wassers; die fünften [Anm.: Nasale] sind sächlich; die Vokale haben Indra und das Wasser zum Ursprung.

Wort für Wort
vāta-agni-indra-jala-ātmānaḥ
von der Natur von Wind, Feuer, Indra, Wasser
vargeṣu catuṣṭayam
in den Klassen eine Vierheit
napuṃsakāḥ pañcamāḥ
die fünften sind sächlich
svarāḥ
die Vokale
śakra-ambu-yonayaḥ
von Indra und Wasser stammend

duṣṭau dūtasya vākpādau vātāgnī madhyamo hariḥ / praśastā vāruṇā varṇā atiduṣṭā napuṃsakāḥ //

Ungünstig sind im Satzanfang der Rede des Boten [Laute des] Windes und des Feuers; mittelmäßig [die des] Hari [Anm.: Indra]; empfohlen sind die Varuṇa-Laute; sehr ungünstig die sächlichen.

Wort für Wort
duṣṭau
ungünstig (beide)
dūtasya vāk-pādau
im Redeanfang des Boten
madhyamaḥ hariḥ
Hari mittelmäßig
praśastāḥ vāruṇāḥ varṇāḥ
die Varuṇa-Laute empfohlen
atiduṣṭāḥ napuṃsakāḥ
die sächlichen sehr ungünstig

prasthāne maṅgalaṃ vākyaṃ garjitaṃ meghahastinoḥ / pradakṣiṇaṃ phale vṛkṣe vāmasya ca rutaṃ jitaṃ //

Beim Aufbruch [des Heilers sind günstig]: glückverheißende Rede, das Donnern von Wolke und Elefant, [ein Tier, das] rechts herum [geht], ein Baum mit Frucht, der Ruf [eines Vogels] zur Linken – [das bedeutet] Sieg.

Wort für Wort
prasthāne
beim Aufbruch
maṅgalam vākyam
glückverheißende Rede
garjitam megha-hastinoḥ
Donnern von Wolke und Elefant
pradakṣiṇam
rechts herum
vāmasya rutam
Ruf zur Linken

śubhā gītādiśabdāḥ syurīdṛśaṃ syādasiddhaye / anarthagīrathākrando dakṣiṇe virutaṃ kṣutam //

Klänge von Gesang usw. sind günstig. Folgendes aber führt zum Misserfolg: sinnlose Rede, Wehklagen, ein Schrei zur Rechten, Niesen.

Wort für Wort
śubhāḥ gīta-ādi-śabdāḥ
günstig: Gesangsklänge usw.
asiddhaye
zum Misserfolg
anartha-gīḥ
sinnlose Rede
ākrandaḥ
Wehklagen
dakṣiṇe virutam kṣutam
Schrei zur Rechten, Niesen

veśyā kṣuto nṛpaḥ kanyā gaurdantī murajadhvajau / kṣīrājyadadhiśaṅkhāmbu chatraṃ bherī phalaṃ surāḥ //

Eine Hetäre, … [?], ein König, ein Mädchen, eine Kuh, ein Elefant, Trommel und Banner, Milch, Ghee, saure Milch, Muschel, Wasser, Schirm, Kesselpauke, Frucht, Branntwein,

Wort für Wort
veśyā
Hetäre
nṛpaḥ kanyā
König, Mädchen
gauḥ dantī
Kuh, Elefant
muraja-dhvajau
Trommel und Banner
kṣīra-ājya-dadhi-śaṅkha-ambu
Milch, Ghee, Sauermilch, Muschel, Wasser

kṣuto (nach veśyā) ist wohl Wiederholungsfehler.

taṇḍulā hema rupyañca siddhaye 'bhimukhā amī / sakāṣṭhaḥ sānalaḥ kārurmalināmbarabhāvabhṛt //

Reiskörner, Gold und Silber – wenn diese entgegenkommen, [dienen sie] zum Erfolg. Ein Handwerker mit Holz, mit Feuer, einer, der schmutzige Kleidung trägt,

Wort für Wort
taṇḍulāḥ hema rūpyam
Reiskörner, Gold, Silber
siddhaye abhimukhāḥ
entgegenkommend zum Erfolg
sa-kāṣṭhaḥ sa-analaḥ
mit Holz, mit Feuer
kāruḥ
Handwerker
malina-ambara
schmutzige Kleidung

galasthaṭaṅgo gomāyugṛdhrolūkakapardikāḥ / tailaṃ kapālakārpāsā niṣedhe bhasma naṣṭaye //

einer mit einer Steinaxt am Hals, Schakal, Geier, Eule, Kauri-Muscheln, Öl, Schädel und Baumwolle [bedeuten] Hindernis, Asche [bedeutet] Verderben.

Wort für Wort
gala-stha-ṭaṅkaḥ
mit einer Axt am Hals
gomāyu-gṛdhra-ulūka
Schakal, Geier, Eule
kapardikāḥ
Kauri-Muscheln
taila-kapāla-kārpāsāḥ
Öl, Schädel, Baumwolle
niṣedhe bhasma naṣṭaye
zum Hindernis; Asche zum Verderben

viṣarogāś ca sapta syurdhātordhātvantarāptitaḥ / viṣadaṃśo lalāṭaṃ yātyatonetraṃ tatau sukham / āsyācca vacanīnāḍyau dhātūna prāpnoti hi kramāt //

Die Giftkrankheiten sind sieben, [entstehend] dadurch, dass [das Gift] von einem Körperbestandteil zum anderen gelangt. Das Gift an der Bissstelle geht zur Stirn, von da zum Auge, dann zum Mund; vom Mund [in] die Rede- und die Nāḍī-Kanäle [?] und erreicht so der Reihe nach die Körperbestandteile.“

Wort für Wort
viṣa-rogāḥ sapta
sieben Giftkrankheiten
dhātoḥ dhātu-antara-āptitaḥ
durch Gelangen von einem Dhātu zum anderen
lalāṭam yāti
geht zur Stirn
tataḥ netram
dann zum Auge
dhātūn prāpnoti kramāt
erreicht der Reihe nach die Dhātus

Drei Halbverse; der dritte ist teilweise verderbt (vacanīnāḍyau, dhātūna).

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